Nebraska Staats-Anzeiger und Herold. (Grand Island, Nebraska) 1901-1918, February 14, 1908, Sweiter Theil., Image 11

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    · Wem-r schreib-betet von l
Tini- InnkstkngkL
I
No. 297. —- Der Philipp, was
mein Hosband is, Ifhat sich widder von
Esiine Krankheit tyHIeit uffgepickt,
ß et Gib-der tehqeller zu den We
de weiter gehn kann un ich denke,das
is doch schon ebbes gutw, bikahs, das
ks was ihn am mehrschie gewortied
hat. Wenn er so in seine Unionsch
fiusnessesithee dagelege hat un sann
skrt hat, dann ho-: er immer voann
Wedestyeim getahtt. E paar mal
hat er gesagt: «Schick mit den We
desweilet Wort, baß ich nit komme
kann, sonst werd et schuhr mäd as
mich.« Sehn Se, Mister Ediihor,
das is auch ebbes, was mich nii gut
fühle hat mache; ich denke, wann er
doch einmal fublische Stoff getobt
dat, dann hätt er doch arad so Jqut
auch ebbes von mich sage könne. Aw
toek so sin die Mennfohls2 1
Wie er zum erschte mal zu den«
Wedestvetler is, do hot er mich ge
fragt, mit ihn zu gehn, bitahs er hvt
noch so arig wieht in seine Bohns
gefühlt un war essreht er könnt den
Strehn nsit stende. E annete Frau
hatt gesagt: »Wei, wann du nit stark
genug bist, dann besser bleib heims,«
’ awwet ich sin emol so e gutherziges,
eenselliges Diehr un biseids das hen
« schwach gedenkt, die Tschehnsch duht
ihn e wenig auf annere Gedanke
bringe un so sin ich denn mit ihn
sange. Ich muß sage, der Wedesweig
ler hat uns arig neis ernspfange un
- hot einiges gedahn. Lizzie, hot er
gesagt, ich dante dich, daß du mein
Freund so gut genörst hast, daß er
Widder in en gute Schehp is, wannz
es nit for dich wör, dann hätte mer?
ihn mehbie schon enaus getrage· Seil
hot mich arig gepließt, bikahs einiger
Mensch freut sich, wenn er evhriesch
jiehtet werd- Jch hen gesagt, new
rner meint Wedesweiley hen ich ge
sagt, ich hen nur meine Duhtsie ge
dahn un das is all. Well, hat der
Wedesweiter gesaat, ufs den Schreckej
müsse met ennihau e Kirnmseiche»
nemme. Wie er »Kimmelche« gesagti
hat, do hen ich zu mich gedenktJ
»well, der Wedesweiket is e Pietschj
un en Schen-telmann.« Der Philpr
hat auch e Rimmelche gehabt un dag;
hot ihn sehr ant aedahn. Jch kanns
the sage, ich denke, e Kirnmelche is»
der beste Drink, wo mer sich denkei
tann. Jn die erschte Lein, duht es»
auteseit tehste. dann hot es so e feines.
Flehn-er un noch e anneres Ding, es:
macht den Stammeck fo angenehm uni
so warm siihle un es geht eim durch;
das ganze Si tem; was atvwer der»
importentste - art»is, Niemand kann
nohtisse, daß mer Aeltohoht gedrunte
hat un in Föckt dent ich auch nit,l
daß Kirnmel Alkohvhl kontehne duht.
Jch hen emok den Wedesweiler deß
wege gefragt un der bot gesagt. ass
Kohrs wär kein Aeltohohl drin, es
wtir nicks annerichter drin wie stim
mek un daher hätt er auch sein Name.
Wenn en Ecköpert so ebbes sage
dicht, darin must ich off Kohts sättis
seit sein un ich glauwe was er sage
duht. »
Well, «die theilern, die hot
sich auch arig gefreut. Se hat gesagt,
wenn mer sosen Kostiemek geiuhst
wär. dann dein mer ihn arig misse,
wenn er emol for so e lange Zeit nit
aufschohe Geht nn es wär e Fiickt,
daß sie den Philipp atig gemtßt hätt.
Den Weg is es sor e ganze Weil
ganae nn mer sin aus den Kompli
wente-Mache gar nit eraus komme.
Ich denke, mer ruft so ehbes uss
its-zisch www-Schatte Schau-sich
sin noch epaar von die anneee Kostb
;mersch komme un dann is es noch
Jemsol von vorne an gangr. Jch hen
; klagt, se sollte mit den Stoff ab
s- choite un sollte liewer emol eins an
den stilipp drinke. Do hen se ge
sggt ich wär e atia schmarte Frau,
bitahs der Philipp der deht an so eb?
bes nie nit antetsche.
Den Weg hen ich also ausgefunne,
was es mit »den Lobe un Prehse foI
e Bemandniß gehabt bot- HätteSie
sich darüber geärgert, Mister Edi
thor? No? Well, ichshen Jch hen
so gefühlt, als ob ich beim hätt gehn
solle, awwer die Feger hen mich nit
fortgelosse. Se hen gesagt, se wäre
froh, wann an ihren runde Tehbei
auch emol die edele Weiblichieit Ver
trete wär. S Hn schmähe lönne ja
die Kunne immer. Well, ich sin also
hocke gebliwrve un do hen ich mich
emol persönlich lonwinzt, wie es an
den runde Disch zugehn duæ. Ich
muß ja sage, es is schön ge ese un
ich hen e arig gute Zeit gehabt, aw
rver Sie mache sich lein Begriff da
·von, was for en Emaunt von Drinks
die Fellersch vertilgt henqnn do hen
ich auch so bei un bei eingeschn, wa
rum· der Wedessweiler so viel von den
Philipp denke duht. Jch hen einmal,
wie qrad widder en neuer Triet aus
aedischt s worde. gesagt: Nau Schen
telrnän.ner, Jetzt will ich Euch emol
ebbes sage. Jch sin keine Karrie Neh
schen. Ich hen gar teme Abbscheck
schen, wann Jbt euer Bierche drinie
wollt, bilahs ich selbst gleiche, wann
un dann eins zu nein-me, awwer die
selwe Zeit kann ich nit sehn, wie sich
en diesendter Mensch so voll Bier
fülle kann, daß er mehr wie e Ber
rel, als wie en Mensch is. Wedesivei
ler. du solltest eschebmt fein, die
Schentelmänner den Weg zu sohtr.
Wann du blos for das Geld aus
gucle dunst, dann sag mich, wieviel du
ben willst un ich gewwe dich jeden
Dag aenua for den Demmetsch auf
zumaclse Wenn du awwer sor Kom
penie ausgucke duhst, dann nemm die
Schentelmänner in dei Sitteanan
un geb i n e Koppche Kasse-. So
ietzt weiß du, was meine Appinjien
is.« Komm an Phil, smir gehn heim.
Do hätte Se crkaer ernol e Kickerei
höre solle! Se ben den Phil um kein
Preis der Welt gehn wolle losse un
der alte Schlohpobl hat gesagt: ,,Well
Linie geb nur beim, ich komme gleich
nach.« Wisse Se, wann er heim is
komme? »Am nächste Morgen um drei
Uhr! Heu Se Worte? Jsch ben n i t.
Mit beste Rieaards
Yours
Lizzie HanssiengeL
W
Vertchnappn
Gast (grob): »Was ist das sitt eine
Wirthschast bei Ihnen? Eben wurde
dem Kellner schon eine Bouillon zu
rückgegeben, weil eine Fliege Nein
war, und jetzt entdeckeich in meiner
Tasse auch eine." .
Wirth: »Was? Hat der Lümmel sie
immer noch nicht heraus genommen?«
—«
Die vertannte Kunstschwätmerim
sZimmethern »Sie schwärmen wohl
sehr fiir Kunst, Frau -Schultzen?"
Wirthim »Nein, wieso meinen Sie
denn, Herr Meyer?«
Zimmerhern »Ich dachte nur« weil
Sie mir immer Kunstbntter vor
setzen!«
Ueber-botan
·« »Ich habe einmal von einern Maler
gehört, der eine Weintraube so täu
schend darstellte, daß die Vögel daran
hetumpiclten!«
»Ach, das ist noch gar nichts, gnä
dige Frau! Ich habe letzthin eine Ge?
mitterstimmung gemalt, so naturge
treu, daß im Haus der ganze Milch
oorrath sauer «wurde!«
Die kleinen Schlatt-steter
Die Köchin des verwittweten Nechq
nungsrathes X. ist trank und so muß?
die eben aus dem Institut zu
rückgekehtte ältere Tychter das
Essen kochen. Nun haben ihre zwei
kleinen Brüder insErsshrung gebxacht,
daß es am nächsten Tage Hammel
sleisch neben soll, das sie doch nicht
vertnusen können. Schnell wird -
Kriegt-entl- abgehalten, woraus die s
zweiBritderchen heimlich in die Köche ;
schleichen, um aus dem Kochbuch die-;
betreffende Seite herauszureisken —1
Das Mittel half, denn es gab tags I
daraus Schweinebraten.
Verschiedene Rückbtickr.
- EINka
Alte Jungfer: »Verliebt war ich, aber das Schönste und Herrlichste
but mir ein häßl««rches Geschick verweigert —- das Verheikgthetfein.«
Alter Junggeselle: .Vetliebt pour ich, auch einigemail ·verlobt,
vor dem Schlimmsten hat mich ezn freundliches Schicksal bewahrt
dan Bekheitathetfeiu.« —
·
aber
«
dafEhrgefnhL
Humoresie von S. Westerometzih
Jn der Papieffabrif von Otto
Hönicle arbeitete seit längerer Zeit ein
sehr großer dürrer Mann, Fritz Zit
lenbein, — von den Arbeitern »Zicken
pote" genannt. —- Sein ruhiges We
sen, die Aufmerksamkeit, die er der ihm
übertragenen Arbeit zuwandte, hatten
ihn nach und nach aus der Arbeiter
schaar herausgehoben, und der Wert
meiseer hatte ihm an der Papierma
schi einen Posten anvertraut, zu dem
gar keine Intelligenz, sondern nur
große Aufmerksamkeit gehörte. Seit
zwei Jahren versah er diesen Posten
zur großen Zufriedenheit des Fabrik-·
heftiger-T Aber die Sache hatte doch
einen Haken! Alle sechs bis acht Wo
chen erschien Zickenbein nicht zur Ar
beit. Die Frau meldete ihn am Mor
gen als »trani« ab. Wenn er nun auch
am folgenden Tage immer wieder zur
Stelle war, so tam der Werkmeister
doch stets bei seinem Fehlen wegen ei
nes Ersatzmannes in Verlegenheit. —
Bei Besprechung dieser Angelegenheitt
theilte man Herrn Hönicke mit, daß
Zickenbein an diesen Fehttagen gar
nicht krank sei Das war eine böse
Sache! Jemand, der fich trank stellt,
ist auch in andern Dingen nicht zuver
lässig. Herr Hönicke entschloß sich
kurz, da Zickenbein wieder fehlte,· zu
ihm nach seiner Wohnung zu. gehen.
um sich Gewißheit zu verschaffen. Das
kleine Anwesen im Dor e machte einen
sehr guten freundlichen indrucl, noch
mehr die nett und sauber gekleidete
Frau. Sie wies aus die Frage von
Hönicke ftumm nach dem Hausgiebeb
Jn einer kleinen Laube mit zwei Bän
ien sasz Zickenbein, den Kopf auf die
Hände gestützt Hönicke begann ohne
Vorrede
»Ich habe gehört, daß Sie nicht we
gen Krankheit aus der Fabrik bleiben,
sondern sich von Zeit zu Zeit trank
stellen.«
»Es stimmt, Herr Hönicke."
- »Aber Zickenbein, wie kann ein
Mann, der sonst den besten Eindruck
macht, so wenig Ehrgesiihl haben. «Sie
müssen och schämen, vor sich
selbst, vo Jhrer Frau und vor Ihren
Mitarbeitern. «
»Det stimmt aber sticht, Herr Hö
nicke Ich stelle mich trank weilich zu
-viel Ehrgesiihl habe, weil mein Ehr
gesiihl zu sehr getränkt is .«
»Ach, reden Sie doch keinen Un
sinn.«
»Herr Hönicke, ick spreche sonst nicht
darüber, aber ick werde es Ihnen er
fziihlen.«
Er wischte sich mit der Hand über
den schon ergrauten Schädel, als wer
de es ihm schwer, die alten Erinnerun-v
gen wachzurusen, trant das vor ihm
stehende Glas Wasser schnell herunter
und begann:
»Je! habe bei das zweite Garderegi
ment in Berlin gedient, und war Flü
gelmann von der zweiten Kompagnie
Es ging mir da sehr gut. ——— Wenn
Parade war, tloppte mir mein Haupt
mann —- et war ein Gras —- aus die
Schulter und sagte: ,,Zickenbein, mach
deine Sache ordentlich, die Points gut
im Auge behalten, damit die Kleinen
mit tommen.« — Jch sage Jhnen, Herr
Hönicke, wir kamen beim Kaiser immer
vorbei, sb gerade wie der Aequatort —«
Als ich drei Jahre runtergerissen,
soll-te ich iapituliren. Neet sagte ids
zu meinem auptmann, das ist mir
nicht iumpa l, aber könnten Herr
Gras mir nicht eine Stelle bei die
Schutzmannschast verschaffen? Und
erthat’s. Ich wurde als Schutzmann
eingestellt. Auch da war es ganz plä
Firlich, ich mu te bloß immer die At
ten vch dem oltenmartt nach den
Revierbureaus tragen. — Eines Ta
ges, im Frühjahr war es, als ich zun:
Dienst antrat, sagte der Wachtmetster
zu mirs Zickenbein, heute müssen Sie
mit nach der Hasenheide, wo damals
die Schießstände von der Garde waren
—- ein sächsischer Kriminallommtssa
rius hat da einen tolossal gefährlichen
Verbrecher ausgebaldowert, der in
Leipzig entsprungen ist den wollen
wir sangen! Und iet sung ihn —- der
.Sachse sagte, sein Austrag wäre nun
zu Ende, er reiste ab, wir möchten den
itolossalen Verbrecher nach Leipzig
sschassen Bon! meinte mein Macht
meister, und zu mir sagte er: DF Sie
ihn nun mal gefangen haben, Zicktni
bein, bringen Sie ihn man gleich nach
dem Ochsentops, so heißt das Polizei
eiängniß aus dem Alexanderplatz
Hei mit dem gefährlichen Berbrecher
siosi —- Als ich die Friedrichstrasze mit
ihm in die Höhe gehe und an die Zim
merstraßenecke komme, sagt er zu mir:
Herr Oberwachtmeister, kann ich hier
nicht in den Däckerladen gehen und
mir eine Semmel rausholen ich habe
siirchterlichen Hunger. Ja, sage ich,
nein Sohn, gehen Sie rin. Jck bleibe
« rauszen stehen nnd warte, es kommt
ber keiner! Jck gehe in den Laden
nd frage, ist hier nicht ein tolossal ge
ährlicher Verbrecher gewesen: —- Ja,
» agt das Mädchen — na wo ist er
enn? Der ist durch den Ausgang nach
’ der Zimmerstraße aus dem Laden ge
ßangeni Nu war er weg! Jck melde
as leck, und da sagt mein Leutnant
»»Döäiopp« zu mir! Das beieidigte
mich sehr, meine Mutter hat sieben
Jahre bei einem wirklichen General als
Köchin gedient Da aber der sächsische
Kriminaliommissarius abgereist war,
mußte ich gleich am anderen Tage wie
ver mit dem Wachtmeister nach der
hasenheide, weil ich allein den tolossah
gefährlichen Verbrecher kannte. Na,i
—
wir also wieder los. Und Herr Hö
nrele, ick sung ihn abermals. —- Zicken
bein, sagte der Wachtmeister, da Sie
ihn wieder gefangen haben, bringen
Sie ihn gleich nach dem Ochsenkopf,
aber Herr Wachtmeister, sagte
ick, peleidigen Sie mir nicht, so was
kann vorkommen, jetzt weiß ich Be
scheid! —- Als ich nun mit dem kolos
salen Ver..echer wieder an die Zim
merstraße komme, sagte er: Herr
Wachtmeister, kann ich mir nicht aus
dem Bäckerladen eine Semmel raus
holen, ich habe fürchterlichen Hunger.
Ja, sage ich, mein Sohn, gehen Sie
rin. —- Jrl springe aber,« —- und
Zickenbein erho»b sich und sprang mit
einem Satz an die zweite Bank der
Laube, und seine Augen blitzten —
»·ipringe ich nach dem Zimmerstraßen
ausgangL —- Jch warte, als aber kei
ner rauskomn1t, frage ich das Mäd
chen, war hier .nicht der kolossal ge
fährliche VerbrecherI Ja, sagt das
Mädchen, der ist eben nach der Frie
drichstraße rausgegangenl — Nu war
r weg. Herr Hönicke, wo kann ich rie
chen, wo der Kerl gerade rausgeht, das
kann kein Mensch! —- Als ich es Mel
dete, sagte der Leutnant, ich wäre ein
großes-Schas! —- großes Schaf ——(
fonne Worte, mein Vater war Kalfat- !
tor beis Orientrnuseum. Aber weil ich!
allein den kollossalen Verbrecher kann
te, mußte ich am folgenden Morgen
wieder nach der Hasenheidel Herr Hö
nieci, denken Sie sich, in der ersten
Kneipe rennt er mir gerade in die
Arme. Nun sollte ich ihn wieder nach
dem Ochsenfon bringen. Herr Wachtk
meister, sagte ich, reden Sie keinen
Ton, sonst vergesse ich mich, jetzt weiß
ich ganz genau Bescheid. So zog ich
mit dem Kerl ab, ich hatte ihm aber
Handschellen angellgt und hnlt dn
Kette in der Hand. Als wir an die
Zimmerstraßenecke kommen, sagt der
J- .isch: Herr Oberwachtmeister, kann
ich mir aus dem Bäckerladen nicht eine
-Semmel holen, »ich habe fürchterlichen
ihungen Nun sage ich: Sie lleener
jSchäker, Sie halten mich wohl für
jdummZ Nee, Männeken, ringehen ist
"·nicht, halten Sie mal die Handschellen
feste, icl werde Jhnen alleene ’ne Sem
imel rausholenl Als ich wieder mits
I kam, war der Kerl weg und die Hand
fchellen ovch!« —- »Ausgezeichnet,"
lachte Höniele. —- ,,Nicht wahr, Herr
Hönicle, und wenn der Kaiser vonBul
garien käme, er könnte es nicht anders
machen. —- Als ich es meldete, haben
sie michentlassem ich wäre zu dumm
für einen Schutzmann — Herr Hö
nicke, das hat mein Ehrgefiihl gekränkt,
wenn ich dran denke, muß ich ganz al
lein sein. Wo kann man mich so belei
» digen!«
..-——
Die Leutnantsbraut.
i
lNovellette aus dem Schwedischen von
.,. H.Günther.
Ganz traurig sah Jung-Aer sseit
:einiger Zeit aus —— sein Vater, der
zalte Major, hatte es wohl bei-erli,
nnd er wußte auch den Grund, doch
ngrade deshalb hielt er es nicht für
«lchnend, von der Sache zu sprechen
—- die Zeit gleicht alles aus, dachte
Ider Alte, und solcher Kummer geht
vorüber. Hätte Axel gespielt, Schul
’den gemacht oder eine ähnliche Thor
sheit begangen, die mit Geld bezahlt
werden könnte» hätte der Vater viel
i
leicht ein wenig gebrummt, doch dann
die Summe bezahlt und damit wäre
di: Sache vergessen. Doch nun hatte
sich Axel verliebt ----- in ein Mädchen,
tan der Major einer solchen Ehre kei
neswegs würdig erachtete· Man
denke sich: ein junger Leutnant —- aus
guter Familie, mit einem kleinen eige
nen Vermögen und einem großen zu
erwartenden, verliebt sich in eine kleine
Handwerkerstochteri Wer Brillanten
bekommen kann, begnügt sich doch nicht
mit einem Stückchen Glas! Und nie
nsiirde der Major seine Zustimmung
zu dieser Verbindung geben, das ge
lobte er sich hoch und heilig; wie lieb
ihm auch sein einziger Sohn war,
würde er ihn enterben, -— wenn er
ihm gegenüber auf seiner »Verlobung«
Ehe-stehen würde. Denn Vater und
i Sehn hatten bis jetzt noch gar nicht
über die Angelegenheit gesprochen.
Der Major hatte nur durch seine alte
Haushälterin davon erfahren, die seit
Jdem Tode der Frau Major Axel eine
jzweite Mutter war. Jhr gutes altes
! Herz fühlte Axels Leid, und ohne sein
Wissen hatte sie den alten Herrn da
von zu überzeugen gesucht, daß eine
Liebes-Heirath das Himmelreich aus
Erden schafft, während eine Konve
nienzehe.... Doch der Major war
taub sttr alle Vorstellungen, der Sohn
sollte sich nach seinem Wunsche
verheirathen. oder sie waren ftir immer
geschieden. ,,Doch« —- schloß er seine
Rede —- »gerade, daß er mir nichts
sagt, beweist, daß er seine Thorheik
entgeht und sie zu bekämpfen sucht.«
ie Haushalterin - schüttelte den
grauen Kaps, sie kannte die Jugend
zu gut, um das zu glauben.
Heute war nun der Sterbetag der
Frau Majorim Da pfle te der alte
Herr schon am frühen Bo mittag stets
an das Grab hinaussu gehen und als
Zeichen seines Kummers und seiner
ehnsucht ein paar Rosen daraus zu
legen; doch heute hatte ein Besuch ihn
daran verhindert, und er kam Vor
mittags nicht mehr hin.
Die beiden Herren saßen wie ge
wöhnlich schweigend bei Tisch. Keiner
erinnerte daran, welch denkwürdiger
Tag heute war, und nach dem Kassee
—
zündete Axel, wie stets, sich eine Zi
garre an und ging fort.
Der Major seufzte tief. Die Pfeife
wollte ihm nicht schmecken, er ließ sie
ausgehen und versank in tiefes Sin
nen. Wie anders war es doch früher,
als ihr mildes Lächeln die Gegenwart
erhellte, nichts konnte ihre Zärtlichkeit,
ihre Fürsorge ersetzen. Erika war ja
gut «- so gut, wie man es nur ver
langen konnte, aber sie — —
Zerstreut zog er den Ueberzieher an,
nahm Hut und Stock und ging. Jn
einem Blumenladen kaufte er ein paar
herrliche Rosen und wanderte langsam
nach dem Friedhof hinaus.
Doch ehe er noch das Grab erreicht
hatte, sah er bereits zwei Personen
davor stehen. Die eine erkannte er
bald, es war sein Sohn, doch das
junge Mädchen neben ihm» wer war
das? Leise schlich er sich näher, um sie
ungesehen betrachten zu können, und
verwundert blickte er in ein entzücken
des, rosiges Antlitz mit ein paar be
zaubernden, schönen Augen. Der Ma
jor machte sich kein Gewissen daraus,
daß er in einem Gebüsch stand, von
dem aus er jedes ihrer Worte belau
schen konnte.
. »Nein, Axel,« hörte er das junge
Mädchen sagen, und ein ernster Aus-"
druck lag um ihren kleinen Mund,
»weder hier noch in einem anderen
Lande könnten wir unser Glück fin
den ohne den Segen deines Vaters.
,Sei ein Mann und trage dein Geschick,
werde deines Vaters Stütze, was zu
fordern und zu erwarten er ein Recht
hat, und vergiß mich.«
,,Niemals, Else, niemals!« rief Aer
leidenschaftlich. »Ist das dein letztes
Wort?-«
»Das muß es sein,« sagte das
Mädchen traurig.
»Dann nehme ich im Ausland
Kriegsdiefiste an, hier b iben kann ich
nicht — mit dem Bewu tsein, daß du
hier bist und nicht die meine. Lebe
wohll«
Hastig ging er fort. Doch Eise sank
auf das Grab und sliisterte:
» »Er hat so viel von dir gesprochen,
von deinem edlen Gemüth, deinem
warmen Herz-en—lebt-est du, könnte
:vielleicht — doch du weißt, daß ich
dieses Opfer aus Liebe bringe —«, sie
brach in Thränen aus, und unbewußt
rannen auch dem Major ein paar
Thränen iiber die gefurchten Wangen.
Er blieb, bis das Mädchen sich ent
fernt hatte, dann legte er die Blumen
auf das Grab und murmelte: »Auch
ich kann Opfer bringen, Antonie, dein
Sohn soll glücklich werden.«
Am nächsten Tage hatte der Major
eine lange Unterredung mit der alten
Erika, deren Folge war, daß diese Hut
und Mantel nahm, um fortzugehen
nnd bald darauf mit demselben jun
gen Mädchen zurückzukehren, das der
alte Herr gestern am Grabe seiner
Frau gesehen hatte.
»Bitte, bitte, nur näher,« sagte der
Maior freundlich, als sie erröthend
und verlegen in die Thür seines Zim
mer-s trat. »Ich wollte gern mit
Ihnen reden, weil — —«, verlegen
drehte er die Schnupftabaksdose zwi
schen den Fingern, setzte sich auf das
Sofa, bat Else, auf dem Stuhl da
neben Platz zu nehmen,0 und begann
von neuem:
»Ich bat Sie, hierher zu kommen,
weil ich Jhnen danken wollte —- hrn
— danken wollte für das Opfer, das
Sie bringen -—— indem Sie davon ab
stehen. die Frau meines Sohnes zu
werden«
Das junge Mädchen schlug verlegen
die Augen nieder. Mit Interesse be
trachtete er ihr schönes Gesicht, das
beständig die Farbe wechselte, und da
sie nicht antwortete, fuhr er fort:
»Es ehrt Sie, ehrt Jhr Herz und
Ihren Charakter, daß Sie fest bei Ih
rem Entschluß beharren —«— eine solche
Ehe könnte doch nur unglücklich wer
den, sehr unglücklich —- —— ich beab
sichtige nun, gut zu machen —- —
,,Gnt zu machen? —--« mit großen
erstaunten Augen blickte Else hastig
auf, fast unbewußt entglitt das Wort
ihren Lippen.
»Ja, ein Mädchen wie Sie darf
nicht länger unverheirathet bleiben ich
könnte Jhnen eine recht schöne Mitgift
bieten-— —
»Herr Major!« Elfe hatte sich schnell
erhoben, ein Schatten der Trauer ver-»
dunkelte ihr schönes Gesicht. »Ich
habe mich von Jhrem Sohn getrennt.
weil ich nicht störend zwischen ihn und
Sie treten wollte —— und ich kann fei
nem Vater verzeihen, der in kaltem
Egoismus die Jugend und die-edleren
Gefühle des Herzens vergessen hat;
doch ich muß Sie bitten, mich zu ver
schonen mit der Erniedrigung, die
darin liegt, daß Sie glauben, mit
Geld ersetzen zu können —- —-« Ein
Schluchzen erftickte ihre Stimme, und
das Taschentuch vor dem Gesicht,
wandte sie sich um, das Zimmer zu
verlassen.
Doch schnell und lebhaft wie ein
» Jüngling war der Maojr aufgesprun
.gen, u. ehe sie noch die Thür erreicht,
.he.tte er sie aufgehalten, indem er sie»
Hin seine Arme schloß und ausrief:
»Elfe, vergib einem alten Manne,
der nur das Mädchen prüfen wollte,
das sein Sohn sich zur Braut erwählt
hat —- werde meine Tochter-, meines
Alters Stütze Und meines Winters
Freude.«
Als der Leutnant heimkehrte, fand
er den Tisch festlich gedeckt. Doch er
rrar nicht in der Stimmung, an einem
Festessen theilzunehmen, n. bat Erita,
dem Vater zu sagen, daß er in ein Re
s
—
staurant gegangen sei. Diese veran
laßte ihn jedoch, zuvor, wenn auch nur
auf einen Augenblick, zu dem Masor
hineinzugehen Das that er — und
blieb zu Hause.
- «7
Soziace Experimente.
Australien wird sich demnächst eine
eigene Kriegsmarine zulegen und da
mit die britische Regierung der Mühe
überheben, Fahrzeuge ihrer Flotte
zum Schutz der australischen Küsten
auszufenden. Die ,,Commonwealth«
fühlt sich start genug, das selbst zu
besorgen und spart dabei den bisher
üblichen Matrikularbeitrag. Ein ·
Landheer ist auch beabsichtigt und
zwar nach europäischem Muster mit
telst allgemeiner Dienstpflicht, ähnlich
wie sie in der Schweiz besteht. Jn ei
nem demokratischen Gemeinwesen kann
man nicht wohl, wie wir das hier als
Anomalie haben, die Landesvertheidi
gung Söldnern überlassen. Die beab
sichtigte Einrichtung bringt keine Ue
berraschung wie man sie sonst von
neuen Maßregeln der interessanten
Versuchsstation in der Südsee zu ge
wärtigen hat, eine solche aber wird die
» Durchführung einer eigenartigen Zoll
» politik sein, wie sie Premier Deakin in
)
Aussicht stellt
Das Grundprinzip desselben ist
Schutzzoll, aber damit dieser nicht aus
schließlich den Fabrikanten zugute
stamme, zu welcher Richtung das ame
rikanische System sich so nach und nach
ausgewachsen hat, soll auch der Arbei
ter als Produzent und der Kiiüser von
sWaare als Konsument Berücksichti
gung findet. Zu dem Zweck wird alle
im eigenen Lande angefertigte Waare
einer Binnensteuer in gleicher Höhe
des Zolls unterworfen sein, sodaß der
einheimische Fabrikant für den Schutz,
den er dem importirenden Ausland
gegenüber genießt, eine entsprechende
Gegenleistung bieten muß, die zunächst
der Staatskasse zugute kommt. Die
Jdee an sich ist richtig gefaßt, wiewohl
die Erfahrung erst lehren müßte, wie
dabei der Konsument auf seine Rech
nung kommen soll, denn die Binnen
steuer würde doch den Nutzen aufheben,
den einheimische Konkurrenzfähigkeit
gegen das Ausland mit sich bringen
würde. Die Wirkung könnte nur sein,
die Waaren gleich hoch zu halt-en.
und das tchemt auch beabsichtigt zu
sein. Der Plan kommt dem Konsu
nienten aber in soweit entgegen, als er
einen Preisnachlaß unter gewissen Be
dingungen gestattet und das soll der
Fall sien, wenn Waare unter ,,gerech
ten Bedingungen«, wie sie svon derA-r
betiterschast als genüger anerkannt
werden, hergestellt ift. Der Preis —
und hier kommt eine bemerkenswert-hie
Neuerung ins Spiel — soll nicht ein
fach durch Angebot und Nachfrage be
dingt, sondern nach dem· Ermessen ei
ner Handels- und Zollbehörde festge
stellt werden. Wird Waare zu Preisen
in den Markt gebracht, die von der
Behörde als übertrieben hoch bezeichnet
werden, so soll der betreffende Fabri
kant des schützenden Zolls verlustig ge
hen. Zur Ddurchführung des Planes
hat Herr Dralin ein System staatlicher
Kontrolle ausgetiiftelt, das einem Heer
von Beamten Beschäftigung geben
würde. Die Absicht ist gut. Der Ar
beiter soll gerechten Lohn erhalten und
das-Publikum nicht überviortheiltwew
ken. Der Staat würde festzustellen
haben, welche Löhne in den verschiede
nen Industrien zu zahlen sind, und zu
dem Zweck auch Einsicht in alle Ge
schäftsbücher der Fabrikanten und Ge
schäftsleute zu nehmen haben. Viel
leicht gelingt es ihm dadurch, zwischen
den Interessen der drei Faktoren: Un
iernehmerth11m, Arbeiter u. Publikum
eine durchaus gerechte und richtige Bi
lanz zu ziehen, womit zur praktisch
wissenschastlichen Lösung der Arbeiter
sraae viel erreicht wäre.
Bei derartigen Plänen muß man
natürlich auch auf Fehlschläge rechnen,
denn alle Experimente gelingen nicht.
Aber wie Probiren iiber Studiren
geht, so mag auch hier der Versuch,
Ideen in die Wirklichkeit umzusetzen,
sich von Nutzen für die Probleme auch
in anderen Ländern erweisen.
Neid ist oft nur —— verbissene Aner
kennung.
»' st- dlc
Es heißt, Carlos von Portugal,
Leopold von Belgien und der Schah
von Persien wollten eine Allianz grün-—
« den. Wenn sie noch den türkischen
Sultan hinzunehmen, wird die Sache
noch tvackeliger.
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Aug einem Schulaufsatze über die
Kuh. »Der Kopf der Kuh ist über
dem Maule von zwei Nasenlöchern
durchbohrt.«
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Wer glaubt, daß feine Stärke ihn
Beschützt vor den Gefahren allen,
Lernt manchmal auch Gefahren fliehn,
Es gibt auch Elefantenfallen·
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Der Senat hat die von dem Boxer
Aufstande herrührende chinesische
Kriegsentschädigung von 824,000,000
auf S11,000,000 ermäßigt. —Hoffent
lich hat er dabei nicht auf den Dank
der vafttäger gerechnet, da er sich in
einem solchen Falle fehr geirrt hätte.
:- -u :
Graf Boni von Caftellane hat im
Gericht mit einem Stolze, der einem
Kastilianer Ehre gemacht haben wüt
de, zugegeben, daß et « seinen Beim
elte von Sagan angespuckt habe.
offentlich laut der edle Graf keinen
Tabak.