Tägliche Omaha Tribüne. (Omaha, Nebr.) 1912-1926, November 13, 1919, Image 2

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1 t . i '
7lu5 bm ta$m
" ' (CJIcnrt statt (füll irfl )
Die gruselige Torheit, mit der wir
lii vor kurzem in Budapest als wie mit
einer Wirklichkeit rechne mußten, zer
fticit in alle Winde. Flink mutz der
Chronist der . Zeit Szenen aufjingeX,
Dialog notiere.
Ich möchte zuallererst die Konturen
einer Figur zeichnen, die zum Schluß
'eher komisch wurde, fc aber leicht hätte
tragisch werden konnt. Der Ansatz zu
inem Tyrannen war da. den die Um
Hände haben nicht aufkommen lassen,
'.als er seine Zahne fletschte, entfielen sie
d;m dösen Köter und es war jämmerlich
anzusehen, wie er da schmatzte mit zahn
losem Kiefer, immer nsch gierig nach
Blut. Bon dem Eroberer blieb mir ein
Schemen zurück, ein kleiner, lehrreicher
Beitrag zur Kenntnis der kommunisti
scheu Menschheit. , V .
r' . . : .
Der schöne Platz des heiligen Georg
. h der Ofner Festung hat schon so man
- eZ'kS erledt. Hier wurde geköpft und ge
siürmt und gekrönt. Aber WaZ war daS
, olles im Vergleich mit der Szene, die
sich hier Ende Dezember det Jahre
1918 abgespielt hat. Wahrlich ein Fast
achtöspiel! Man trsut den Augen nicht.
Der Kriegsminister General Barta
hü gestürzt werden. Was sich auf die
'solg'nde, nichts wenige? alS parlamen
' tarische Weise abspielt. Abzug Barts!
Abzug Barta! ertönt es Zn rhythmischem
'Schrei, indem ein Rudel' Soldaten wie
'.wohldressierte Pferde im Karussell des
Gebäude des Kriegsmimsterium auf
dem ZL Georgsplatz immer wieder uns
irrner lauter brüllend umkreist.
t Das Signal giebt der Präsident deS
'Soldatenrates: der einstige Infanterist
link 5$rtne,herM?rftiihr- b?r irfimnn
lockige Pogany. Und siehe, die Armee
'.'horcht ihm und nicht dem Minister,
dieser Putsch ist daS Werk PoganyS.
jiaroim- jieoi nacy, er mu? innen
kühlten Kriegsminister aus Aefehl deS
, EoldatonratcZ entlassen.
in Tflnnn trrnM Wfi?TiVi(iis?nFHFirtft
" ""ö1 -r..!,.
Tki hem hnTf ft.finnfi'rt !R!!Tinnniitnr 3P
r::n im Frack. Damen im Decvllets.
Wie es sich wunder! ichermeise auch zur
z.'it demctratischer Umwälzungen ge
ziemt. Alles trippelt leise auf den Fuß
spitzen, bis sich die Tür öffnet, und siehe
da: tapp, tapp mit schweren Schritten,
t-ivpt ein dicker Wann herein. Im Zlr
leiisroi, soeben von seinem Amt knni
m:r.d. Wo habe ich diesen weißen Neger
sie ej?fif;.en? Wir ist auch daS nervöse
Einzeln dieser Augen bekannt. Aber
teil wo Z Der Mann stellt sich vor,
murmelt einen Namen. Doch mir ge
lang es nicht, feinen Nantes zu hg'ren.
o- !, f. . i. -ix), ihaII ,.s
iniyc Hin iiuu) iuu;ia ureiwt um
iha. Er interessiert mich nicht. Mich
interessier! meine Nachbarin. -
' Doch wie wir unS nach dem Soup
wieder Zn dem Salon versammeln, höre
XJi den dicken Mann, toi er sich wt,
läse; neben mir mit dem ausgezeichnete
Drelicr unsere! Nationaltheaterg unter
SL Er szgt ihm: Ich hätte ja Stosse
zur Genüge, ich kann Ihnen aber den
wünschten Stoff leider, nicht liefern,..
2sl würde die Welt dazu sagen, wen
ich ttn Stoff für mein eigenes Stück
aus meine eigene Lagern nehmen
winde? ,
Man pflegt sich sonst zu entschuldi
gen, wenn man seinen Stoff für eigene
Stücke aus fremden Lagern nimmt.
TiefeZ Vorgehen wird in, der litersri
scheu Welt Plagiat genannt. Und dieser
?gent deS TzchtungsmetlerZ tntschuldigt
h, weil er seine eigenen Lager für seine
eigenen Stücke benutzt.' Weg ich nur
wüßte, wer dieser Dicht ist. Ei Klick!
und nun habt ich'. Diest lispelnden
Kippen iabe ich ja orksnhaft brüllen
kören. Tiefe Augen haben Mord und
Qotfchlag und Aufruhr 1 die Menge
hineingeblitzt oder doch dielmehr hinein
geblinzelt, denn dss ist ja t Pogany. ,
Genosse Pogany, dessen Stück, natürlich
.Napoleon", genannt, im Nationalthea
ter. aufgeführt werden soS und der nun
die Stoffe aus den militärische Lager
Magazinen für die Dekoration seine!
Stückes nicht hergeben will. Ein Puri
tamr, ein Römer. ' Den das Heer,
welches ihm .untersteht und mit welchem
er die pspierne Macht KsrsIyiZ zum
sanken bringt, scheint ihm nichtig teuer
zu s:in wie sein Stück. Aber der Poet
muß leide für den Ehrgeiz des Feld
berrn. Nun aber spricht der Mann
schon wieder weiter, leise, sehr leise, die
Äugen schamhaft niederschlagend, tut
send, zage und Zn weich modulierten
Tönen flötend: . .' : r
.Bedenken Sie, Herr Tirekior. ich bin
erst 32 Jahre alt. Jetzt ist Jannar
und ich soll erst im Mai mit meinem
cx'ii drankommen? Wo bin ich im Mai
schonZ',,,,? :r:-: - ,
Der Direktor läßt sich nicht rühre,
Nun ruft mich Pogann zu Hilfez ich
soll den Herrn fcel Thestrrt für de
Herr der Heere wkichstimmen. Ich muß
?oganq gehorchen, sonst erstürmt er mir
ja mein HauS. EZ ist nicht gut spaßen
mit sslchen Poeten, die MaschZnenge
w.chre als Knalleffekt für ihre Aktschlüsse
hütn. Ehe ich der auch nur w Wort
soreck. konnte, wurde ich gereitet durch
Tel Hinzutrete eineZ Aogeordgete. der
daZ Schrsch Nstür'.ich uf die PMiZ
l,rir.Lt. ' , '
Psganq lachest überlegen, fpsktct
über die Oktoberresylution, die an Gut
und Älut so wenig gekostet hat. Die
t 'Ji Revolution soll erst kommen. Güter
r:':'iti geraubt werden, yabrikm müsse
krenncn. Blut muß fließen. Die Ze
s-i-,t der Wann zuhiz nd mild und
'xMÄKtt, in tnischuldigend Demut
h-.U. sckr keife. Er trinkt Te nh W
in Stückchen LiÜuit dazu. Eine n,
ja icht ernst. Auck der Abgesednete
V'i uns ,uZt die Amseln. wt,t
() v&x von tvt äEtafct h. G!,a Aut
argknehW Atmosphäre nonnch yq
Z''.:;it Vngiebt ihn. Aber Znnß Tikde
' mir seine Angst in. ich nehme
oganys KlM
der VslschswisteN'Herrschaft in Budapest.
von llndtykg Zatvany.
steht vor der Will. Da Auls bei
Herr vieginuggslommissarl, Er nt
schuldigt sich, er muß gehen, er hat zu
tun. 'Da Land giebt so diel zu tun.
Den dai arme, geplagt, Land will
Ruhr haben, nd z in Unruhe zu
stürze, ist picht sg einfach. Man würde
nicht glauben, wie diel Arbeit da
giebt! Hierzu bedarf e ine Auto.
Eine guten Fahrer für Pogany. Hun
dert Pferdekräft ....
. Pogany kommt niir im Journalisten
klub entgegen. Er hat di Art der
schlaue Politiker, die einem immer der
bindliche Worte zu sage wissen. Er
erinnert sich, draußen im Feld einige
von mir Über ungarische Literaturfragen
gelesen zu haben, erwähnt die längst'
verjährten Aussätze mit Namen und
Titel und spricht dann, ach geschicktem
Uebergang wieder von seinem Stück.
Ist da ein ungefährlicher Revolutionär,
denke ich mir, der sammelt ja da ganze
ungarische Heer um seine Person, bloß
um sein Stück auf die Bühne zu zwin.
gen und au den Kritikern gute Kritiken
heraukzupressen.
Wie habe Sie eö eigentlich gemacht?
frage ich ihn da Sie u das ganze
ungarisch Heer in der Hand habey?
(Poganls hat nämlich inzwischen auch
scho deg zweite Kriegsminister, den
Schwager KarolyiZ, den, Grafen Feste
tics, gestürzt, indem er jeden Kriegs
ministe?, der über ine unparteiisch
Arm verfügt, der Gegemevolutionk
zeiht. Da iß seine, infache Methode,
Geschicklichkeit ist keine Zauberei.) .Sehr
einfach," erwidert Pogany, ,a! Karolyi
die Oktoberrevolution gemacht hat und
-eä de Leute um ihn .um ideale Res
Zvrmcn zu tun, war, habe ,ch mich daran
erinnert, daß die Soldaten Menschen
find nd mit Ideen nicht gespeist wer'
den konnt. Ich Habe mir die Schlüsse
der Proviantmagazin zu verschaffe ge
wußt. Und ls die Leute sich satt ge.
gcffen haben, war ich bald der erkorene
Liebling. Weme Soldaten sollen singend
ihre Wege gehen, eine glückliche Armee,
die keine Offiziere kennt. Sie sollen viel,
lesen, ausgewählte Bücher, im Tornister
tragen, ins Theater gehen. - ;
Pogany trachtet sei Auge auszu
reißen, mich ohn zu blinzeln blitzend
und gebietend anzuschauen, wie e dem
Generalissimus ziemt. y
Eitler Fant, begreifst du. wie lächer
lich du bist! '
. '
Schon wieder wimmelt e auf der,
Straß,, die sich nach der alten Festung
Ofen schlangelt. Und e ist ein Schreien
nd ein Trampeln und ein Klirren dc?
Waffen und ein Wiehern der Rosse."
WaI soll das? Will Pogany Ofen er
stürmen? Er chat e ja schon.
Die Ursache deS Aufruhr soll fein,
datz Pogany einig, Sowaten zum Tode
verurteilt hab, da sie ohne Erlaubnis
in bürgerliche Wobnunaen acdrunae
värkn, m da Möbel, Teppiche und
Bilder zu rauben. T Smdate be
riefe sich aus die Verordnung der Räte
republik, wonach sämtliche Einrichtung
gegenftände bürgerlicher Wohnungen in
da Eigentum der Oessentlichkeit über
gehen., Pogany wollt bet von diesem
Recht 'nicht wisse nd drohte mit
Pulver und Blei und Tod wie nur je
ein preuUschn Sennal. -
Auf dem Latton deS Kriegsministe
rium steht nun der blasse. ' kleine
Szamuely. da verwachsene Ungeheuer
mit dem schlichte Rabenhaar, und hält
ine zündende Rede. Pogany habe feine
Macht mißbraucht. Er wollte den gro.
ße Tyrannen spiele. Weg mit dem
Gegenrevolution'!. Tod ii&er ihn!
Tod! Tod! Tod!
- Pogany selbst ist wahrend diese
Sturme der Gefangene der Rätercpu
blick. Fr wird von Leninbuben im ge
schlossene Zimmer bewacht. Und al an
der Tür de Zimmer unfreundliche,
Bajonette klopfen, stürzt - der tapfere
Franz (ZLndör vor die Soldaten.' Po
gany ist für diesmal gerettet.
'
Ahn Stunden nach dem jähen Um
siurz hatt ich mit Pogany eine interes
sant 'Begegnung. Ich durfte Zeuge
fein, di d gefallene Größe sei neues
Amt, da Lolkiamt des Weußern, de
trat. Die geschah unter Umständen, die
mich auf Persönlichste zurückführen.
Da nu in dem Persönlichste ein Stück
dies vertrackte Zeitgeschichte liegt, ist
e vielleicht kein zu große Unbescheiden,
heit, wen ich aus mein Erinnerungen
in allem Detail zurückgehe.
Weia Hau würd nämlich von dem
Propagandaamt t Kommunisten in
Lefchlog genommen. .
, Wir geben Ihnen echt Tage, dann
Müsse d Füch gepackt sein! Sie
haben ohnehin zu diel Bücher für inen
Privaten, ewe Anzeige genügt und Ihr
BLch solle sofort kommunisiert wer-cenl"--
Wein Gotik Ich teils. die Russen
vnd Türke und Deutsche und Oester
reiche? und di diele Magyaren gerne
rtragen, die do früh di abend die
zur BuSühung ihre? bolschewistischen
Prypagand notwendige Willionen (a
einem Abend soll im Hau an die 30
Millionen ffii den Wiener Umsturz ie
acht ßersese fein), bet dem knallrote
Prspsgandachef Eruft Por, holen und
da hede so still Hau mein Pille
Arbeit immerzu bestürme. Aber mein
Bücherei, da Werk ine Leben, gebe
ich nicht her. Sie soll kommen, sie
solle' hole! -
it zum Spott meine antimarxisti
schk - tiefe Schmerz liber da der
lore Siaenwm pipze Hühner, fchnai
im &"&m ntz käbM Hähne im Neben,
rsum, in imm Salon,-worin der
Diener he Prcpszandaamtel nd dessen
Geliebt zu hausen teliebe und .ihre
Hübserhof hinter einem Fauieuil halten.
M, . i hysterische Oeibsbilv er
warie ich n?ch immer da Wundnbare.
- ßi it?;A zpantz ScItV
nd
Ende.
beauftrag! für Aeußere ist der Chef
de Propagandaamte. Der Man hat
mir fo viel Verbindliche gesagt, viel
leicht hilft r mix nun. Dieser rettende
Einfall kam mir nacht, er ließ mich
nicht weiter . schlafen.' srllh um 9 Uhr
war ich schon auf dem Wege zu Pogany.
Ein Automobil nach dem andern
ach. ich rkenne unter den- Wagen auch
da, wa einst mein Eigen war!
läuft vor da Tor'de königlichen
Schlosse. E heißt jetzt NalionalpalaiS.
Den Srastwagen entsteige Jünglinge,
zwar ohne Hut, doch mit langen Haaren.
Und e ist in Dränge und Fluchen auf
den feierliche königlichen Gängen, Man
geht a einer Tafel vorüber, auf der
,U lesen ist, daß in diesem Raum die
Erinnerungsgegen stände der Königin
Eljsabeth bewahrt werden, dort bewachen
zwei Rote Soldaten einen geschlossenen
Raum, worin die heilige Krone de
Stepha .für wen etwa, für Bela
Kun? bewahrt wird. , Nun erscheint
ma endlich vor dem Bureau de Volks
beauftragten. De, einstige Dien des
Grafen 1 erkennt einen und macht
durchsichtige Anspielungen auf da
Trinkgeld. Ich verstehe die Anspielung
nd werde zum Lohn der guten Tat
nicht einmal in den überfüllten Warte
räum, fondern direkt in die Stube de
welterschütternden Amte de? Polksbe
ustragten ' selbst geführt, ,
' ' Ein königlicher Saal. ' Prachilampe,
Prachtofen, aber der Teppich bettelst von.
Tintenflecke. ' Rech! und links in der
Mitte stehe Schreibtische. In einer Ecke
tuschelt 'der Propagandachef, der . die
Farbe sein roten Gesinnung auf seinem
Schädel trägt, der kleine Ernst Por. mit
einigen Russen. In einer andern Gruppe
konferiert ei schwarzer, unheimlicher Ge
selle mit einigen Damen. Für wen wird
der neue Befehlshaber ein gütiges Lächeln
haben? ' Es ist ine Aufregung wie zu
Versailles vor der Thronbesteigung eines
neuen KönigI. :- "
' Pogany steht vor dem Schreibtisch.
Im dicken, wollenen Winterrock,- feine
Hand auf die SchreibtischPlaM gestützt.
Als er sich nochmals umsieht, bemerkt er
mich in der Fensternische.
Es gelingt mir, meine private Sache
m eine prinzipielle Angelegenheit umzu
wandeln, indem ich auf die allgemeine
Arbeiispslicht und auf das VeZordnungs
mäßige Recht des Mitgliedes der Schrift
stellergeftllfchaft auf ein Zimmer, welches
siine Arbeit ermöglich!-, bestand. ' '
- Sie müssen also einsehen. Herr Volks
beauftragter, daß ein neues Zeitalter.d'.s
Rechtes nicht mit einem flagrante Ln
reckt einsetzen darf." i,
Triumph! Den Poseur habe ich bei
seiner Pose gefangen. Der schlaue Po
gany ist mir auf den Leim gegangen.
Er gesallt sich in der Rolle des gerecht,
Kadi und verspricht mir. selbst ins HauS
zukommen, um die Ortsvethältnisse zu
studieren:', Keine Kleinigkeit ist zu klein.
Man muß M -selbst, machen. . . :
2n einer Viertelstunde empfange ich
Pogany auf meiner Schwelle. Er sähet
im Auto mit dem Roten und mit dem
Schwarze vor. Unangenehm, die wer
den gegen mich arbeiten..,, ... ,1
.Ich gestehe, es ist unangenehm, duse
Requirierung bei einem Bekannten."
.Da sind Gefühle eineZ .Bourgeois,
Genosse VoZksbeauftragter. die Sie aus
merzen, -müssen." bemerke ich, bittet
lächelnd, indem ich den Man bebend in
die Bibliothek führe,
.Genosse Por hatte recht. ; Sie habe
entschieden zu viel Bücher, . . , .
Pogany sieht mein verzerrtes Gesicht,
aNe Erinnerungen an seine verblichene
Schriftsteller;! wachen Zn ihm aus:
.Wir wollen Ihnen di Bibliothek be
lassen. ..."
Ich atme auf. , . '
Pogany tauscht nun niemanden mehr
mit der Pose. Sein Stern ist im Sin
ken. Sein LebenZlied schnurrt ab wie
der Gesang einer verdorbenen Phonygra
phenplatte. deren letzte Noten in kreischen,
den Mißton fallen. Auch mir entschwin
det der Mann. Ich spreche ihn nur och
in einziges Mal. aber er findet da keine
Worte mehr zur Antwort. Allerdings,
es war in bemerkenswerter Augenblick
und ein vielsagendes Schweige. Es war
mZ. Mai. ; ;
Ilannibal nts portas, die Rumänen
siechen por Szolnok. V Da Ministerpra
sidiuN erlebt neue Wunder.. Wieder
summt das Bienenhaus, wietzet laufen
Autos us nnd in.- Pogany rscheint
mit Stiefeln knarrend, mit Sporen klir
nd, in Fekdunisorm in braunem Khaki.
Seine quabbligen Forme strotzen au
dem Anzug hervor, sein Beinkleider der
bergen unheimliche Waden.' In feine
EürtelMchea sind mysteriöse. Werkzeuge
verborgen, kleine Handgranaten, sßr den
Hausgebrauch vielleicht? Der Mang will
Schrecke und Ehrfurcht gebieten.- Er
will den bolschewistischen Mackensen spie.
ltN."' -. - '
Pogany rennt auf mich zu. , Er will
mir tma sagen. Er will .auch di
Situation durch in Wort retten. Er
schluckt, er gluckst, aber kr findend pas
sende Ewigkeitkwort nicht, den er gehf
eilend davon. Ich höre, wie im Neben
kaum iner seiner Kollege auf ihn los
geht: - "
Dg, Jozst, nimm dir auch s? ei
Vriefpavin mit der Aufschrift; Königlich
ungarisches Vinifterpräsidium. Al
wZgks Andenken, damit man - uns
glaubt, daß wir einst hie? waren."
So Hl dieser Nqturbursch-VoMkom
missar im Gegensatz ,u jenem Poseur in
schlichter Einfachheit da Ewigkei'.Zwort
der Situation gesunden.
, A
...... , ,. , -
Es ist a alle och rinnerlich, wie
e Bela Kiin leider gelume ist. de der
ßfft? Vrbe?ter?"t Z', rttfmnr--.fn
fnnls ' :. , ,. ; -
?kUky7wi ! Rote Arniee Nct.
muß der .Nvsln" roch esrobt wer
itn. Da nützt nick,!. Eine Pr?be. rv:i
Proben, der Darsteller de Nspvleo
trotzt mit der siegreiche marschierende
Arme und meldet sich trank.
rnb da nützt Sicht. Er kann di
Krankheit nicht t die Ewigkeit hinziehen.
Di Arme dringt dil Kafcha vor, der
Napoleon wird an da Nampknlicht ge
zerrt.
O ihr Serbe , und Rumänen und
Czeche und Franzose und ihr feine
weißen Herren der Gegenrevolution,
hattet ihr blök an dem Abend geahnt,
daß das Rote Hauptquartier geräumt
Wird, daß alle unser Roten Heroen, all
diese veririte Literate de Hauplquar ,
tiers in den Logen des Raiionaliheaters
fitzen, ihr hättet es wahrlich mit einem
Vormarsch auf Budapest versucht. Alle
sind da, nur Pogany fehlt. Er ist S
dem Ernst seiner Führerroll, schuldig, ,
zwar bebenden Herzen und mit seinen
Gedanken im Nationaltheater fern von
der Front das rot Banner sein be
tvaffneten Hamsterer wehen zu lassen.
Während der Aufführung schleiche ich.
mich ins Theater. Das Publikum kann
ich im Dunkeln leider nicht sehen und im
Licht der Paus will ich mich nicht sehen
lassen. EI könnte gefährlich fein, um
eine Meinung befragt zu werden. ,
Eben poltert Napoleon auf der Szene.
Er will nicht, daß man ihn kröne. Nein.
Keineswegs. Alle, nur das nicht. DaS
Zeremoniell ist ihm zuwider. Mama Lä
titia, die Brüder und die Schwestern re.
den umsonst auf ihn ein.
Hat es die Familie jener von Pogany
mit ihrem Jozst auch so schwer gehabt?
Ich male mir. di Jamilrenszene aus.
Weh', mir. wenn man mir den Volks
maicstätverlktzenden Einfall ' ansieht.
Eilig ziehe ich mich zurück, noch ehe es
für mich zu spät wird. ' .
Das Stück ist'LbiigenS durchgefallen.
ES war-nämlich keine anpassungsfähige
bürgerliche Kritik mehr da, um dem
Autor zu schmeicheln. Und die zwei
kommunistischen Blätter .wollte. in di
fern billigen Fall unbescholtene Unab
hängigkeit zeigen, indem sie das Stück
unbarmherzig verrissen. . , -
- . ,
Nach einem Durchfall im Theater ist
es schwer, die Würde Mackenfens zu
wahren. Pogany giebt also den Kampf
auf. Er wird mondain. Er macht
Schauspielerinnen den Hof, er deran
staltet Trinkgelage, läßt sich die Kunst
lerinnen in das bischöfliche Palais zu,
Stuhlweißenburg bringen, wo er resi
diert. Auch bürgerliche Damen fehlen
nicht, die für einen Paß ins Ausland,
für ei wenig Fett, Mehl oder sonstige
Ciegestrophäen was ist für eine
Gans nicht alles zu haben! mit ihrer
Gunst nicht sparen.', , . , ,
Die letzte Zeit seines Amtieren der
bringt Pogany in seinem Salonwagen
, am Plattensee. Angeblich um von dort
aus mit seinem Heer die Gegenrevolutio
näre Mftungarns niederzuhalten, In
Wahrheit führt er dort ein recht unter
haltliches Badelchen im lärmenden Bade,
ori Siosot. . Wer ihn in seiner Beliebt
heil sehe will, der kann ihn sehen, wie
er sich von den Wollen" des ungarische
MeereS bespülen läßt. " Genosse Volks
kommissär-ist nämlich so herablassend,
daß er fein Bad zu gleicher Zeit mit dem
Publikum nimmt. . . .
Nun veranstaltet die Armee 'Pogany,
dem Gentralisfimu Ehre , ein Wett
r-nne. . Tribünen wurde g.but. ganz
Siofok rückt, aus. da sitzen die Dame
und Herren.' A"? das Anlangen des
Serenissimus wk gewartet. Denn er
weiß, was sich gebührt, er laßt auf sich
warten.. Nu erscheint Pogany endlich
in Begleitung seiner Ayjutante, g ki
n;r .Seile mit .einem sehr beZggntin
Mann .der witzigsten Feder und 'der
galligsten Tinte. Als sie sich dem Renn
platz näher, mimt Pogany seiner Ge'
wobnheit gemäß Ueberraschung: v
Ach so, hier soll Z in Wettrennen
geben, und das Feld ist ja dazu bereitet.",
(Obwohl gakz Siosok feit Tage von
nichts anderem , sprW und die Borbe
reitungen vor Pogany? Augen getroffen
wurden, geziemt ' e dem Fekdhnrn,
derlei Kleinigkeiten z ignorieren.)
.Nein. Genosse' t- antwortet unser
Humorist .hier ist da Feld für eine
Schlacht bereitet, denn euch zu Ehre
soll eS hier zwischen den Bürgern und
den Proletariern des Badeortes zu einer
Schlacht kommen . ,," : '
..'.
Kaum zehn Tage nach dieser Apo
theose.von Siosok steht PoZany im Helm
mir roter Schleife und in voller Feld
uniform vor der Grenzstation Kiraly
hida. Ei Herr, der ebe auf der Flucht
in dem , Zug nach Wien war, erzählt
mir daß er den Manr?,vhn ih sofort
m erkennen, in dieser Tracht erblickt
habe. , Mein Freund meinte, es , mit
einem Verrückten zu tun zu habe und
wollt das Fenster offnen und 'schreien:
.Ja, waS fallt Ihnen den ein, als
roter General nach Oesterreich gehe zu
wollen!" als er de Pogany erkennt und
hinter ihm zwei- Detektivs bemerkt. Po
gany sieht bleich, s an di mit Fett
bedeckten Knochen zitternd vor dem öfter
reichische Beamten, der ihm i wohl
kkwachie CoupS zuweist.
,
Und damit endet vorläufig Pogany
Karriere. Für ih giebt es nur noch
in.e einzige Station: Das Gericht. War
er Tiszas Mörder: 2 der nein? Die
Nichte Tiözas, di bei dem Word nekun
ihrem Onkel stand, , sog Pogany nach
der Photograph:, wieder erkannt haben.
Ob sich di Körntest nicht int? Ich der
mute, si irrt sich.' Da Attentat war
in zu männlich Niedertracht, als daß
wir e Pogany zutrauen würden. Wir
meine, r habe dazu bloß den Befehl
erteilt. Den scho Chateaubriand hat
di große Wahrheit vuSgesprochen, daß
nichts lakaienhafteres richt derach
tevkwertere, nichts feigere und nicht
borniertere giebt, als ine Terrorist e.
Und Pogany war doch i Tenorist und
zwar nicht inmal ei Terrorist aus
Pari oder Petersburg,, sondern in
jämmerlicher Terrorkopist u Budapest,
was für die Herren de rote und de
weiße Terrors, kür de proletarischem
Sowjet oder für da deliae,. Kasino
tribunal gleichviel, eine Mörder mit
der aedungene Hand de andere k
-...
i iSsitt Menschen, die m STCiJ
' ihr Jugend haben. -
Im Lande der "
Ieuljchljerrenrilter.
. 11111 .
von Wilhelm Cslirad Gsmsll.
"" '. k.dtiltiier CofaI.Hwtat.)
- Eine alte, traurige Wahrheit hat wie
der eiumal Geltung erlangt. ES heißt,
daß wir erst im. Verlieren richtig zu
schätzet lernen, was wir besitzen. Es
heißt, tag wir den Wert erst im tieferen
Begreifen erfassen, wenn unS die Dinge
schon entgleiten de, gar scho genommen
sind. Sa ist es jetzt mit der Ostmark.
Ärüher hat man sich vielleicht noch einmal
politisch, interessiert oder uninteressiert,
über die Fragen der Polenpolitik unter
halte. Man stellte Thesen auf. die mehr
oder minder mit Schlagmorten frisierte
Weisheiten gaben, die jedoch von den in
den Ostmarken herrschende Tatsachen
nur ganz selten einen Schimmer des Aer
ständnisses hatten. Was sollte man auch
über dies Dingt sprechen, wenn man
,1m Reiche" wohnte; was sollte man sich
vor allem aber um das Land kümmern,
durch daS so fern im Osten die Weichsel
fließt. DaS Land gehörte ja auch zum
Reichesamit war es gut. damit baite
es Verpflichtungen und genoß de .Vor
zug oller Selbstverständlichkeiten, ' wik
jedeS andere' Gebiet, wie etwa Thüringen
oder Brandenburg oder.fonst irgendeine
der dielen Landschaften. -
Ostpreußen war Ostpreußen, und das
Weichselland das Weichselland..- Gut. da
mit. Man verbuk da Brotgetreide, das
aus jenen Gebieten kam, die davon
so viel hatten, daß sie abgeben konnten
im gauze Reiche,' ohne sich etwas
dabei zu denken. Kam die Rede auf die
Ostmark, und waren die Polensrage und
der Hakatismus nach einer Viertelstunde
erledigt, fo war auch das Land erledigt;
denn nurganz wenige Menschen wußten
etwas von de Leuten,' die .dort oben"
an Rußland grenzen es sei denn, daß
mag über ihre breite Wundart in Witzen
lächelte. Heute rächen sich dicss-Zu stände.
Es erweist sich, daß es besser gewesen
wäre, wen siir mancherlei Volksaufklä
rungen,, die unternommen worden sind,
wenn z. B. in der Schule in der Geo
graphiestunde bg Stelle des weitschweifi
gen Unterrichts über die Zentralstaatcn
Amerikas und Asiens etwas mehr vom
deutschen Heimatlande im Osten erzählt
worden wäre. Heute nun. da über das
Reich die Not kam. da die zwingende Er
nicdngung, . die uns Machtwille' und
Rache des gegnerischen Bundes auferleg
ten. da, nachdem der Mord unserer Wir!
schast Tatsache geworden ist, nun auch'
noch der Raub an Land und Menschen
folgea soll. 'schaut das aus dem Schlaf
erwachte Deutschland sich endlich die Ob
jekte ön. mit denen derFeind sein Spiel
der Willkür trieb.' Jetzt fragt man. waS
das Weichselland bedeute. Jetzt. besinnt
man sich der ulkn kolonisatorischen Aus
gaben, ..die die. Deutschherrenritter im
Altpreußenlande geleistet haben, als sie
am breiten, mächtigen Fluß des Ostens
die Vrückenstellen durch Burgen und
Städtebauten sicherten, die die Handels,
ftrsßea van West nach Ost beherrschten
und das Land mit seinen Sieslungen zu '
wunderbarem Reichtum ausblühen ließen.
Und dieses ganze Gebiet, das nach
Verlust, von beinahe ganz Pose nun.
auch, vom Teutschen Reiche abgetrennt
werden soll: hie LandzI!5,le von West
pnußin und des südlichen Ostpreußens
geben dem 'Bürger, der die Schlasmütze
abzog, ,u Lenken. Heute heißt es rund
weg, daß die jetzige Regierung in der j
vtmr:ensrage alles verdorben ' habe.
Alles!.... Zu Unrecht wird her Bor
ffurs nicht erhoben; denn hätte, man zur
rechten Zeij Wanner mit Umsicht, Weit
blick und. geistiger Schärfe nach dem
Osten entsandt, so'hätte logisch sich dar
us in zieldolleres. bewußtes Einsetzen
der Regierung entwickeln müssen. Die
laxe Politik de Abwarten. deS Hoffens
auf den guten AuSgang der Dinge hatte
niemals versucht werde können, und di
Stimme der Mahner aus dem Volke, die
fßr die gefährdeten Landesgebiete eintra
ten, hätten eine weckender Wirkung auf
die Masse gehabt, ja der Wille der Masse
hätte zur echten Zeit eine zielbewußtere
Politik der Regierung tatkräftig unter
stütze können.. Das alles ist verpaßt und
dorben wprden, und heute gibt es für
alle Teile nur noch ein Sichabsindenmüs
sen mit den traurigen Tatsache dieser
zweifellos anzufeindenden, dieser kritisch
zu verdammenden RegierungSpolitik. Es
kann darum nicht wundernehmen, wenn ,
olle die, welche ihr Heimatland durch da
Fallen an Polen gefährdet sehen, ihrer
Empörung ungehindert freien Lauf las
sen. Und daneben ist eS wohl auch allzu ,
selbstverständlich, wenn heute in den ab
zutretenden, wie in den Abstimmungs
gebieten sich Organisationen gebildet ha
den, die in freier, ' zielbewußter Arbeit
sich auf sich selber stellen, um poch hakten
zu können, was es z halten gibt, gm
lich zn den Abstimmungsgebieten die
Sammlung aller Stimmen zugunsten' dcZ
Deutschtums, nd in den Abtr'tungZge
bieten di Sammlung, aller zielbewußten
deutsche Bürger und Bauern, um den
Untergang der deutschen, Kultur zu der
hindern.
Folgend auf meine Reis nach Brom
berg nd in das Bromberger Land, dcks
zu Pose gehört, habe ich nun versucht,
die Stimmung in Westpreußen zu er
fassen. Es ist das .Norridor"G:biet,
das- ganze Stromgebiet der deutschen
Weichsel, das di fruchtbar Landschaft
von Danzig. Elbing. Marienburg, Ma
rienwerder, Graudenz. Zhorn umfaßt.
Danzig, der neu Freistast. fühlt sich im
Schutze der Entente vot Machenschaften
der Pole ziemlich sicher.. Die Folge
davon ist, daß durch das internationale
Lebe, da di Hasen, dk so lange
kriegsruhig gelegen hat. wieder seiner
Bestimmung übergab, die Leuie nur noch
Von .gute Geschäftsauösichten' sprechen.
Danzig. di, deutsch Stadt, hat sich
schnell mit ihrem Schicksal abzufinden
gewußt. Sie schlug den allen Weg ein,
der uns vo jeher nach dem Auslande
fchi'le ließ, und so traurig es ist. es
Uiuß hei ehrlicher Betrachtung g'saat
werden: Dszig sieht die Abirinnunzs
frage lediglich als eine lohnende Anmei
sung auf daS künftige Geschäft nt Po
lc an. . So ist es den auch kein Wun
der, daß man südlich an der Freistaat
grenze, in Marienbuxg. und dem Ma
rienburger Werder 'Itark mit den Ge
schäfiskassen der Osthanseate liebäugelt.
. Die Stimmung ist hier ziemlich Psion
menweich. trotzdem alles geta wird, um
de Deutsche ihre Ausgaben klarzu
mache. Wie Marienburg, so ist uch
Marienwerdcr in Abstimmungsgebiet, in
dem noch in letzter Stund diel Arbeit zu
leisten ist. Hier mache sich Einflüsse deS
KreifcS Stuhm geltend, da diese Gebiet
am stärksten vo polnischer Bevölkerung
durchsetzt ist: Hier wirken auch religiöse
Fragen mit, da die Katholike di Ueber
macht haben, die sich so schon IS .polni
sche Kolonie fühlten, und darum auch
dem Anschluß an Polen durchaus fqm
vathisch gegenüberstehen. Di Tage ,dek
Abstimmung werden also in diesem Ge
biet deS WeichsellandeS eine schzrfe Probe
kür daS Deutschtum 'bilden. Und daS
ist kritisch: obgleich zu h?ffen ist. daß d
wie in Posen so auch in Westpreußen ge
schasfenen. gut organisierten Gruppen der
deutschen Bolksrat mit Erfolg zu arbei
ten imstande sind. - ':
Zwischen Marienwerder und dem rasch
und' reich emporgeblühten . Graudenz
liegt sydana die Grenze, die die Entente
für daS unbedingt ag Polen fallend
westpreußische Gebiet des .Kdrridors"
auf dem rechte Weichselufer gebildet hat.
Man durchfährt dieses Gebiet, und da
bei erfüllt zugleich Trauer und Ejnpö
rung das Herz. Hier wird einem klar,
in welch 'großzügiger" Weis di, En
iente daS SelbstbestimmungSrecht zugun
fteg Polens regelte, indem si einfach ur
deutsche Land dem neuen Staats Pole
überwies, um ihm die. Verbindung zu
dem von Deutschland, abgerissene Ge
bietsstreifen auf dem linke Ufer 'der
Weichsel zu schaffen. Nicht anders wie
in Graudenz sind di Gefühle, die eine
in Thor befallen. Auch diese Stadt ist
durch den Ententefpruch deutsch gewesen,
trotzdem sie wie Graudenz und all die"
andere Städte vo deutschen Bürgern
gebaut worden ist, die," dem Rufe der
Ordensritter folgend, au dem Westen'
des Landes kamen, um sich als Koloniste
im Weichselgebietk niederzulassen. - Die
Geschichte früherer Jahrhunderte Wird,
wie es ehedem schon wiederholt der Fall
gewesen-'ist, wieder durchstrichen, Ut
Gang natürlicher Entwicklung gehemmt,
die Kurve, die die durch ihren regen Han
del mächtig aufblühende Stadt besaß,
unterbrochen. Mög Thorn damit nicht
wieder das Schicksal erleiden, da es
schon einmal erfahre hat, als 'es nach
langer Zeit des Aufbaues unter di
Herrschaft Polens kam und damit dem
vollkommenen Verkalk entgegenging. WaS
wir aber noch mehr zu bedauern und zu
bedenken haben, ist, daß mit Graudenz
und Thor zwei kräftige Festungen, di
das Reich im Osten- schützte, sük un
verloren gehe. Thor aber war der
Schlüssel der Ostmark; seine Festungs
werke, mit Eifer und : Fürsorglichkeit
durchgebildet und ausgebaut, habe ernch
in diesem Kriege sin Roll gespielt, als
sie, wie es such mit BreSlau der Fall
gewesen ist, die AusfallStore gegen Polen,
bildeten, als nach den ersten, vor War
schau nicht erfolggekrönte Operation
der deutsche Trum der zweit Ein
fall nach Polen vorbereitet wurde. Aus
dem Raum der Thorner Festung brach
die S. Armee unter Mackenfe auf, der
dang die Festungeg Wgrscha und Novs
Georgiewlk sich beuge mußten. Diese
Thorn und Graudenz. mit dem, der He!
devname eines Courbiör, für. uns auf
immer verbünde ist. wird nug. ohn ge
fragt t'i werden. jern polnischen Staat
angegliedert. Man kirn sich wohl leicht
denken, wie die Stimmung der Deutschen
ist. die durch die Abtrennung vom Reich'
hieletz verliere nd ihr Schickssl in dem
neugegründete Polenstaat nicht kennen.,
' ' Aber such in diesen beiden Städte
sind d! das 'Deutschtum sammelnde
Organisationen .eifrig g dn Arbeit.
Le.ioer fehlt, wie. mir scheine will, noch
die letzt große sichernde Einigu.ng. die
allein zum Ziele führen kann. Neben
dem deutschen VolkSrat ist die deutsche
Arbeitsgemeinschaft tätig: Sucht der
Bolksrat über im Land di Masse zu
sammeln und. u einer .deutsche Partei
zusammenzuschweißen, d. h. all Bürgsr,
alle Bauer des Lkindes, losgelöst von
de Dogme der Parteiprogramme, der
eigen Fahne zuzuführen: deutsch zu sein
und damit di Kultur zu schützen, di
das Land aufbaute, di alle! ihm de
Wert gab. fs sucht di Arbeiisgemein
schaft di politische Parteien anzuerken
ne, und nur in dem Gedanken, da
Deutschtum zu schützen, zu einigen. Bor
lausig wirke heid Organisationen mit
und nebeneinander; wir will ober fchei
nen. daß es günstige? wäre, wen sie, in
einander aufgegangen, jne erhöhte Stoß
krasj bekomme würde und so die Ge
müter in der Art nicht beunruhigten, daß
heute viele yor'der Wahl stehen, welche,
der Kampsgemeinschafte gegen das Po
lentum si sich anschließen sollen. Darin
freilich ist man sich in diese Gebiete
auf beiden Seiten einig, daß e ist den
Abstimmungszone um die Stärkung des
deutsche Bewußtseins und u di Ge
winnung von Stimme handelt, die das
Land mit ausschlaggebender Mehrheit
für Deutschland erhalte solle, wohin
gegen z lich in den von ?er Sntent Po,
leg zugesprochene. Landstrichen heut
nur noch darum Handel kann, dg?
Deutschtum zum Schutze der Kulturwerte
vornehmlich such hier wieder, wie im
Bromberger Land Und im Netzedistrikt
zur Erhaltung der deutsche Schule, der
deujsche Kirche und einer deutschen
Press, zusammenzuschließen. Im llge,
meinen ist die Bewegung in den Abstim
mungZaebikten jetzt stark im Fluß, und
man darf hoffen, daß sie. wenn die Wahl
tag herankommen werde?,aller polnische
PrcpsJnda zum Tretz ein für Teutsch
land günstiges Resultat erziele können.
Freilich auch Polen arbeitet mit alle
Mittel. Geld spielt bei seine Agen e
kein, Rolle. Aus den siarldurchsetzten
polnischen Nreft.n gehen die Strömungen
aus. di tief bis In die deutschen Gebiete
hineinst eahlen. sa das Deutschtum
" . . 1 -' ' . . hu a.t t I.Mri
nicht genug aus de, Waazi " .
Hat man den ganzen Komplex vtesek
jetzt im Osten all, Herzen bewegend
Fragen durchdacht und steht dann in
mal in iner stillen Stund auf wm -der
Hügel des welligen, grüne frucht,
baren Landes, steht und läßt d' Augen
schweifen, so wtz die Trauer nicht mehr
weichen, die einem beim Anblick ll der .
Scbönhcit der schon verlorenen, zum m
noch zwischen Deutschland und Pole
stehenden Gebiete des Ostmar b.
kommt. Oben an der Nogat trifft da
Auge auf die Stadtmasse voü Mgrlkn
. . . . ei. OwVäviMjiminlf
Ufa. vlö VUS HU? JVVW.fctMW
überragt. Südlicher agder Weichsel
steigt da altertümliche Stadtbild von
Wauden, auf. und nicht minder ein
drucksvoll ist daS Gemälde. daZ Thorn
bietete Türme. Mauern. Tore, der
Dansker und di Giebel des alte
Schlosse alle da fo echt, so ur
deutsch, wie Bilder anderer mittelalter
lichn Städte unseres Landes. Da
greift an die Seele. Ich sah diese Stadt,
bilder zuletzt , noch im GMan,der
untergehenden Sonne, fah den Tag Übe,
den Türmen sinken, fah den Mond auf
steigen; ich sah Graudenz. das hochge
beute, auf dem mächtigen Welchselufe,
wie auf Felsen liegen und schied von
diesem Stroin, der stark, stol, und breit
mit drängenden Wassern durch das T
Land zieht. Nur ein Gedanke wa? im
Anblick dieser Laildfchaften immer wie
der in miz lebendig: . Wir verlieren
dieses Land. Ist !as furchtbare Schick
sal Wahrheit? Und wen es, was bis
jetzt bestimmt, sein muß. sein soll , ,, .,
wann werden diese deutschen Landschaf t
ten, diese deutschen Brüdet wieder bei
und. mit uns sein? ....
Erzlager ans dem tmt
rück.
Schon lange Jahre ist bekannt, daß
'im südöstlichen Teil de Hochwald:,
und JdarmaldeS. dem mittleren Teil
des Hunsrück. Erzlager sich befinden,
hauptsächlich Manganerz. Solche La
er finden sich bei Schmarzenbach, "
Eisen, Sötern. Abenteuer, Ellcnberg.
Buhlenberg im südlichen Teile Birken
feldS. Bergen. Berfchmeiler. Niederwör .
resbsch. Niederhofenbach und Henstein
im nördlichen Teile. Bereits zu An
fang deS vorige Jahrhunderts wurden
die Erze - bergmännisch gewonnen.
Durchweg war es Tagarbeit, doch wa
re auch stellenweise Bergwerk ange
legt. Die geförderten -Erze wurde den
Eisenhütten von Abenteuer, ASbach und'
Nonnweiler zugeführt, natürlich nur
auf Achse, dort wurde daS Eise durch
Hochöfen geschmolzen. Auch die nötigen
Kohle ; mußten, da man Eisenbahnen
noch nicht kannte, auf dem Landweg
von de, Saar, twa 59 bis M Mo
nutet weit, hergeholt werde. Aus Er
zählunge lter Leute ist mir erinner
lich. daß di Bauer aus der Umge
bung des Nonnweiler SchmelzweUS in
ihre; freien Zeit nckch Merchieiler .fuh.
.'-, von dortiger Grub 80 Zentner
Kohlen zu hglen Hin und Rückfahrt .
nahmen drei Tage in Anspruch, . ihr ,
0 erdienst betrug drei Taler!
Der heimische Eisenindustrie ftan
den also stets große Schmierigkeite im
Wege. Sie lohnte sich aber immer noch,
solange ftin Wettbewerb do außen
auftrat. Die Erzeugnisse der Gieße
reien gingen .hauptsächlich nach Süd
deutschland und der Schweiz. Als spä
terhin daS belgische und englische Roh
eisen auf dem deutscht Markt rfchien
ging es mit den Hütten zu Ende. Das '
'ausländische Roheisen konnte säst zur '
Hälfte dessen geliefert werden, was tfA
Erzeugerpreis ' des . heimischen Eisens,
ausmachte. ':Trotz Ermßigung der.
Preis ging der Betrieh immer mehr zuu
rück; selbst öer auf, ausländisches Eisen '
gelegt EiZsuhrzoT. konnte di deutsch?..
Fabrikation nicht mehr 'retten. Jmnierzk',
mehr wurde der. Betrieb, verkleinert, bis,.
schließlich alle aufhört. ' Di zahlrei l
chen Erzgruben blieben liegen, die Hoch v
os und - Hämmer, wurde stillgelegt..''.
Einzig übriggeblieben ist die Gießerei s
Mariahütie. Das deutsch Vaterlands
hat durch den .unglücklichen Krieg fehrj
viel Erzgebiet verloren. , ES steht zu er K
warten, daß man nunmehr wieder aukv'
alte Bodenschätze zurückgreift. Jnsolg,
der verschiedene Eisenbahnbauten ist '
in Lebensfähigkeit des Huvsxücker -Erz
und Hüttenbetriebs wieder in den '
Bereich der Möglichkeit gerückt. Neben, i.
bei sei bemerkt, daß auch Kohlenfeldek K
in diesem Bereich sich finden, sg bei Ber f
gen iKirn) und Eisen. Ersteres würd ( '
irt früherer Zeit teilweise abgebaut, letz'i j'
teres ist noch nicht genügend auf sein
Stärk, untersucht. Hoffentlich ist di 1;
Zeit nicht mehr allzu fern, da h auch am
Hunsrück wieder di Amboss klinge
nd Funken sprühen. - i
. , ,, ., .... : I
Eine Baukunstksmmer für WSrt,
emverg. um ver rein geschaftstech
Nischen Berufsauffassung I Bgufrage
gegenüber das Qualitätsprinzip hochzu
halten, hat in Kreis von junge dürt
tembergischeg Architekten verschiedener
Richtung im Februar dieses Jahre in
Versammlung von etwa 100 Baukünft
lern einberufen, die eine Baukunstkams
mer für Württemberg begründet.. Im
zweiten Heft der Mitteilungen del
.Deutschen Werkbundes"' führt M. El
fasse, NähtrrS über Organisatio
ArbeitZprogramm der Kammer au.
In der Zusammensetzung de, Kamm
kommt der akistskratisch Charakte, d
Kunst, der Begriff der Auslcs. deutlich
zu Ausdruck. . Aber auch dem demoira
tischen Prinzip Ist sg weit wi, möglich
Rechnung getragen. Di nebeneinander
mpthknden Orgauisationen.der Bau-
bcratüngsstelle. , des Landesaussä-usse
siit Natur, und Heimatschutz, des Bun
des für Heimatfchutz und des Landes
konservatoriums. sollen, soweit bautunst i
leiisch Fragen in Betracht kommen, i
einer einheitlichen Organisation vereinigt
werde. Di Kammer selbst wird be
ratende Tätigkeit ausüben und künstle.
njaj Ar!! vermitm,
f
l