Tägliche Omaha Tribüne. (Omaha, Nebr.) 1912-1926, October 25, 1918, Page 2, Image 2

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    Seite 2-TägIiche Omayc, Tribünc-Frcitag, den 23. Oktober J018.
tägliche Bm
TRIBUNE PUBLISHING TO.
f Pm be Tageblatts: Durch brs Träger, per Woche 2i Cent;
bis Post, bei Burandbezahlnng, per Jahr $si.00; sechs Monate $:..00;
f Monate SU.Q; bei Vorandbezahlung von zwei Jahren $10.00.
j Preis des Wochenblatts bei Loranöbezahlung $2.00 das Jahr.
107 1309 Howr Htt.
1lphoni
Des Molnes, laBranch
Entered aa second-class matter March 14, 1912. t the postoffice of
jnaha, Nebrastca, ondei the et of Consrreaa. Marcb 8. 1879.
, TUE POLITICAL CREED OF THE TRUE AMERICAN
I believe in the United States of America as Government of the Teople,
, by the People, for the People; whose just powers are derived from the
nsent of the goTerned; a Democracy In a Bepublif i a Sovoreljrn Nation of
tany Sovereign States; a perfect Union, ono and inseparablej established
pon those principles of Freedom, Equality, Justice and Humanity for which
loierican Patriot Bacrificed their Iives and Fortunes.
, I, therefore, believe it is my Duty to my Country tolove it; to Support
t Institution; to Obey its Laws; to Respect Its Flag and to Defend it
jtatnst all enemies.
? Omaha, Ncb., Freitag, de 25. Oktober 191S. !
j Entweder oder
Das ist ungefähr der Ton der ichtcn Note des riindenfcit Wilson
w die deutsche Negiening. Entweder das deutsche Volk imuint die Zügel
'einer Negienmg vollständig in die Hand und fährt den Staatswagen selbst:
zntweder es befreit sich gänzlich von seinen bisherigen politischen und mi!i
iarischen Machthabern, die ihm goldene Berge versprochen und es und die
adrige Welt in grenzenloses Unglück gestürzt haben, oder es mus; den
zitteren Leidenökelch bis ziir Neige austrinkm. und sich auf einen Kampf ge
saßt machen, der nur zu seiner vollständigen Uebergabe führen kernn,
i, WaZ wird die Antwort fein?. Iin Interesse des deutschen Volkes selbst,
im Interesse des Weltfriedens, ist zu hoffen, dasz dciZ deutsche Wölk die leiste
Gelegenheit, die ihm anscheinend gewährt ' ist, eine verantwortliche kon
stitutionelle Rcgierungsform zu sckzaffen, ergreifen wird, um die ge
förderten Reformen 1?rZ Präsidenten ohne Rückhalt durchzusührcn, selbst
wenn dies den Sturz der kiöchstcn Spitzen des Reiches kosten sollte. I'cht
heißt es, das Wohl des Volkes, des ganzen Volkes über alles stcllendas
will Herr Wilsou und nichts anderes: nicht die vererbten Vergünstigungen
der Klasse, sondern die Rechte der V!asse sind zu wahren.
Die lehts deutsche Antwort hat selbst zugegeben, dasz die Massen des
deutschen Volkes bisher auf die Entschließungen der Regierung wenig oder
gär keinen Einfluß hatten. Sie gibt zu, daß das Volk nickt den An
teil an der Regierung hatte, den es in einem modernen Staatswcscn
haben sollte. Durch' die neuen Refonnen sei ober in diesen Punkten
eine Aendenmg geschaffen, da von jetzt ab der Reichstag allein, also die
Vertreter des Volkes, über Krieg und Frieden zu entscheiden hätten.
Serr Wilfon sagt nun. die angemeldeten Reformen genügen nicht:
sie müssen erweitert, vergrößert werden; es muß Garantie zu ihrer dau.
crndm Durchführung gegeben werden. ' ' .
Wenn schon, denn schon! - Wenn die deutsche Regierung , schon zu
gibt, daß Reformen nötig waren, daß sie eingeführt ' wurden, daß dem
Wolke neue Rechte im Parlament eingeräumt wurden, dann sollte sie auch
den letzten Schritt zur gänzlichen Demokratisierung des Reiches tun. Ta
mit, und damit allein, scheint jetzt dem Frieden der Weg geebnet zu sein.
Nie wieder!
Am 21. August 1916 wurde durch die Unterschrift des Präsidenten
eine Vorlage Gesetz, tvclche den Präsidenten ermächtigt, vor dem 1. Juli
1019 mit der Erstellung von zehn erstklssigcn Schlaäztschisfcn, sechs eben,
solchen Schlachtkreuzern, zehn i Kreuzern, fünfzig Torpedobootzerstörern,
neun Hochsee-Tauchbootm, achtundfünfzig Küstentauchbooten und ein
lnznbl von Hilfsfahrzcugen verschiedener Art zu beginnen. '
Dieses Programm wurde bislang nur zum geringen Teil durchge
' führt. Der Eintritt Amerikas rn den
die Regierung, zunächst alle Kräfte einzusetzen für den Bau von Zcrsto
rcrn" und anderen kleineren schnellen Fahrzeugen. Denn die Gefahr, die
?.ur See drohte, kam von den deutschen Tauchbooten, die an: besten mit
vielen kleineren und schnellen Fahrzeugen bekämpft werden mögen, nicht
von kr deutschen Schlachtflotte. Diese wurde in Schach gehalten durch die
'Schlachtschiffaeschwader Englands, Frankreichs und Amerikas, die zusam,
inen der deutschen Flotte weit überlegen waren an Schiffen, Geschützen
und Mannschaften. Es war ganz und
... - . -
bei so artiger nanarilmahme der
lung. eines der beschlossenen" Großkampfschiffe in dem Kriegs gegen
Deutschland noch Verwendung finden könnte, schien völlig ailsgeschlo,sen,
daß man sie in diesem Kriege noch einmal benötigen sollte. Die Schlacht,
icbiffs und Schlachtkreuzer konnten warten und mußten warten. -
Mehr als zwei Jahre sind verflossen, feit der Präsident ermächtigt
wurde, sechzehn Großkamvfichi fe (Super-Dreadnaughts" uns miaazv
kreuzcr) in Auftra? zu geben, und nur einige find im Bau. und dem Laien
und Durchfchnittsbürgcr, der den baldigen amerikanischen Siegirnd Frieden
gesichert glaubt, konnte es scheinen, als yave man ganz vcrzzazier aus cie
Durchführung des Schlachtschiff.Bauprogramms, als erachte man die arnc
rikanische Kampfflotte auch ohne weiteren Zuwachs als groß genug für die
Zeit nach diesem Kriege; denn nach des Präsidenten Erklärung soll der
kommende Friede ja ein gerechter und damit dauernder und von einer
Liga der Nationen gewährleistet Friede sein. Auch wurde eine Vc
schränkung, bezw. Vernnndcnmg der Rüstungen der Völker in Aubsicht gc.
stellt. Wozu La die weitere große Flottenstärkung?
In Washington denkt man anders. Ganz anders Der Flottense.
kretär Daniels erschien kürzlich vor dem Marineausschuß des Hauses, zu
gllnsten des neuen SchiffbauProgrOmms zu sprechen, um dessen Annahme
das Flottendevartemcnt den Kongreß ersuchte. Und dadurch kam es her
aus, daß die Rcgicrimg nicht nur entschlossen ist, daö Programm von 1916
voll und ganz durchzuführen und alle durch das Gesch vorn 2Q. August
ermächtigten" Großkampfschiffe noch vor dem 1. Fuli 1919 in Bau zu
Leben, sondern vom Kongreß die Ermächtigung und die nötigen Vewilli.
gungen zum Bau von weiteren zehn erstklassigen Schlachtschiffen und sechs
cben solchen Schlachtkreuzern begehrt. Dieses neue dreijährige Programm
ist," sagte Sekretär Daniels, eine Fortsetzung der in 1916 angenommenen
Politik und hat den stetigen Aufbau und Ausbau unserer Kriegsflotte im
A?ige., TaS Ziel ist eine Kriegsflotte, die allen Anforderungen gewachsen
ist ........ Die Großkackpfschiffe. zu deren Bau die Regierung in 1916
ermächtigt wurde, werden den besten jeder anderen Flotte gewachsen fein.
Die sechzehn Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer, zu' deren Bau der Kon.
greß, wie ich ziiversichtlich erwarte, die Regierung in Bälde ermächtigen
wird, werden, wenn fertiggestellt, dem Besten gleichkommen, daS dann
auf den Meeren zu finden sein wird."'
TaS scheint schlecht zu stimmen zu den Weltfriedens und AbrüLungs
Hoffnungen in Wirklichkeit wird es dieselben stärken. Es mag' manche
Andern" nachdenklich machen muß patriotische Amerikaner mit Zuver.
ficht und Stolz erfüllen und wird unzweifelhaft den vollen Beifall des
Volkes finden, trotz der großen finanziellen Last, die eö für die Steuerzahler
bedeutet. Denn cs bedeutet eben auch die Sicherung der Fruchte, die der
Sieg dem Lande bringen fall; die Sicherung der Vormachtstellung, die
Atticrika gcwnnn! Es bedeutet, daß in absehbarer Zeit nie wieder irgend
i in? fremde Macht es wird wagen können, verächtlich auf Amerika herabzu
r:-fcn, über, Amerika zu spotten und Amerikas Rechte zu verletzen oder
si.7r, was auch schon geschah. Amerika Vorschriften zu rnacken, ibm unver.
fi' irric Forderungen zu stellen. Es bedeutet, daß Amerika gesonnen ist,
nie wiedcr in die Lage zu kommen. Anmaßungen fremder Möchte dulden
u müssen und Amerika sich stark genug halt? will, die Erhaltung des
Friedens erzwingen zu können: den gerechten Frieden, den eZ durch feinen
Sieg errang, dauernd inachen zu können; wenn nötig. Andern zum Trotz.
? ic starke Flotteiidermchrunz ist gute rein.amcrikanische Politik.
(.Chicago Abendpost".)
. SerüZslchiiet bei Einkäufen iie in dieser LÄunz. Anzeigenden .und
tr.z?J sie darauf aufmerksam!
aha Tribüne
- VAL J. PETER. President.
TYLEK MO.
Owshs, Nrbrsaks.
Office: 407-Ktd Are.
Krieg im Frühjahr 11)17 bestimmte
gar unwahrscheinlich, daß, selbst
v . k vn rv i Y
Äauarvcit uno lazncu :cr ocrnguci.
Das prolclarirrkind.
Von Karl Jcutsch.
Zerstörende Faturgewaiten haben
eine BorsleUung von bösen Göttern
zeugt, öle tn der Geiiatt des Teu
jelsgtaubens blö heute tn der Kui
tunvett spukt, Tieiereit iKmöruck als
X.'uvaitrome und töinschlamiei, ma
chen aus ein geistig sorlgeichrMenes
lichtecht die .euze! in JWeiischetifl
statt und ihre Umaken, so dag mo
deine Pessimisten, da naeZ heutiger
Gafeimtni eine weiheu vder Biel
freit, von Ülk-Uceacittüit nicht zulujim
M und ein Uiott, der mit Bcwufjliciiv
i)(iii'3 Hilf i'cthi'n null r.!
- I ..vwö, . V t jtUMJ 11
scheint, einest unbewußten Uiw,Uen
vmiehmen, der auä Tumnibeit cuic
U'idooUc Wett schafst. Unter allen
Untaten aber erregen das grüßte
Entsetzen die an ztmdern verübten.
Welcher gutgeartete Äeiisch ka,m ein
5md sehen, chne sich semer zu
freuen, ei zu lieben, ihm, wenn io
tig, ali Schützer und Heiser beizu
stehen? Uno wie ist es diesen e
schöpjen, die solche iLeiuhIe erregen,
in denen die iWeiifchhM sich erneuert,
aus denen die Hnmmg der ZutunN
beruht, im Lause der ahttaujeude
ergangen?
In Äorderasien wurden sie den
Jeuergöttern lebendig verdraiml:
dir Pyaiilaiieteuzel verwanoeUe .sei'
ne Anlle:cr,m wirkliche Teui.el. $m
ganzen AUertum wuroen tlelile Km.
der geichlachtt, um aus ihren (Slie
dern oüer Eingeweiden auvmrame
der andere ZauoermlUet zu bern.
kn. JUojii steveiueii chnniicheii al,r
hundert an lieierieil maurtsche Aaub
Ziige, chnjUiche und Mische Hausier
LüMren europäischer Kinoer m die
Hurem reicher Wühaniincoaner, und
lie Knaben wuröen sur ihre Äestmi.
nmng durch die abscheuliche jpera.
tion präpariert, die heute imr noch
Aegerknabicin zu erdulden haben;
selche, allerdings, wie von Kennern
der Islammichcn Wett versichert
wud, in großer Menge und in js
roher Wcize, daß die nieiiien dabei
ccrdluten. Aul der Höhe des Hexeii
wctzniinns, der übrigens in sehr vie
lcn Fällen nur der erheuchelte Bor
wand Zur Habsucht, Nachmcht, Poii.
tit oder sadi,l!jche iLrauiauueit war,
in der awitic des siebzehnten ayr
Hunderts, fielen diejer Tullhett auch
jlinöer zum Cpcx. Frieörich von
Cpee erwuhitt m "seiner .Eauuo
enntinaliä" einen hervorragenden
Siechlsgelehrten, der die Gesenken
sciner ztollecn gegen die Fütterung
und Lcrbrennunz ganz kleiner Kin
der widerleg.?, die Rainen solcher
.tteinen Fiichleiii", die ihm als ver
Süchtig denunziert wurden, in sein
L'ütizbtich schrieb und ihrer Folle
rung mll'chagen zuschaute. Von,
Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Ost begann nian in EnglaiiS dem
neuen tüloch, dem Mauunen, Tau
s.nöe von Kindern in Fobnleit und
Gruben zu opsern, wie es Marr,
Engel und Lchiilze.lIüllernig be
schrieben haben. Die jizfleinauschen
Mißhandlungen blieben nicht aus die
' Industrie im engeren Sinne be
'schränkt. Wohl das Gräßlichste von
allem ist das Schicksal der lleinen
Koimnfeger; 17 wurde darüber
dem Parlament berichtet, und als
vierzig ahre spater der Graf has
teSburi) jane philanthropische SlgUa
tirn begann, Mo er den Greuel
noch unverändert. Wie es in di Ar
nenhäusern jener Zeit auzh und
in den Folterkammern, die sur Pri
raterziehungsanzialten ausgegeben
wurden, wiijcn die Romaule,er aus
.Oliver Twist" und, Nicholas
Nickleby"
Und nachdem die Gesetzgebung
den geradezu, - verbrecherischen For
nicn der jiniderauSbeutung ein Ende
gemacht hat, ist der neue Stand des
LehnarbcltcrprolelariatS übrig ge
blieben als eine Bruljiälte von Km
derclend, uiid verbreitet sich allmäh.
lich über die ganze Welt. Japan,
der seiner Enropäijicning das Pa
radies der Kinder, ist sur Hundert
taufende eine Hölle geivorden, und
in den Bereinigten Staaten wird die
ZZahl der FabrikS und Grubenlindcr,
die noch vergeblich des gesetzlichen
öchutzes harren, auf anderthalb bis
zwei Millionen berechnet. Ohne jede
absichtliche Grausamkeit gestaltet sich
das Leben des tZroletarierlindes
tcaurig durch die Nötigung zu vor
zeitigen, ungeeigneter und übermä
seiger Erwcrbsarbeit, durch ungc
nugende Nahrung, schlechte Woh.
nung, Mangel an Wartung, Pflege, j
Anflicht, Erziehung oder durch da;
Gegenteil von Erziehung. Das alles!
ist ja allgemein bekaniu und wird
in Leitungen und Zeüschristen, in
Vereinen und Bortriigen tausendfach
ervrtett. Nur ha'eil d:e Angehörigen
der höheren Klassen meistens seine
!i.'orstcllunz von der AuSöchnunz des
Uebels, 'darum ist das reichliche sm
t:stijche Material willkommen zu l;cu
tn, das Otto- Ruhle in seinem klei!
pen Buchs Das proletarische Kind"
lAlbcrt Lanzen, München) bietet.
Za der Verfasser ein fozialdemckra.
tlschcr Waiiderlehrcr ist, wird man
s:ch nicht wundern, ungerechtfertigte
Verallgemeinerungen und schiefe Be
leuchtungen in seiner Tchrift zu finden.
und wer die einzelnen Angaben prü
fcn wollte, würde wohl so manche be
anstanden ttlüssen. Eine Unrichtig
keit wenigstens springt in die Augen.
Er geißelt die Unvcrnunst der kri
minalislischen Behandlung der Ber
gehungcn von Kindern und Jugend
lichen und behauptet, die Aussüh
nmgeil der Justizresorincr hätten
.unsere tn Formalismiis erstickte
und in bedenklichem Selbstgefühl be
Zangene Ctrasrechtspslege fast völlig
unberührt gelassen". Die Reform ist
bekanntlich im Teutschen Reich wie
n Oesterreich aus mancherlet tose,
hauptsächlich durch die Einführung
dcr. Jugendgerichte, längst in die
Wege geleitet. Trotzdem und auf die
Gefahr hin, daß durch dieses Buch
einige falsche Vorstellungen verbrei
iel werden, muß seine Lektüre enip
sohlen werden, denn nur die Keimt
nis der ungeheuren Masjcn von Un
glücklichen, denen Hilse nottut, kann
den Hilfsaktionen edler Frauen und
Männer die erforderliche Energie
und andauernden Schwung verlei
hen. Um von den Taufenden von
Zahlen des Buches nur eine anzu
fuhren: in einer einzigen sächsischen
Fbrilssladt (Ürimmitschau) werden
HjiJO Kinder von Fabrikarbeiterin,
nc'n gezahlt; zwei Drittel davon er
srcuen sich einer sehr fragwürdigen
gelegentlichen Wartung und Aussicht
von teils verwandten, teils fremden
Personen, beinahe ein Drittel bleibt
sich selbst überlassen. Und unter den
Kindern, die von der Mutter, wenn
sie des Morgens in die Fabrik ge
hen, eingeschlossen werden, befinden
sich eist paar Dutzend Säuglinge,
nich denen tagsüber niemand sieht.
Jede Mutter wird ausrufen: Das ist
j.i entsetzlich, kann nicht geduldet, daZ
muß geändert werden!
Freilich sind alle im Gange besind
lichen Hilfsaktionen nur palliativer
lit; wer das Uebel an der Wurzel
fassen wollte, der müßte die Bestre
bungcn der Cozmlisten verwirklichen,
oder der wisfenschaftlichen EMwick
hing eine andere Richtung geben,
oder die Zunahme der Bevölkerung
hemmen wollen und können. Je
denfalls muß, wer an radikale Ab
Hilfe denkt, allen seinen Erwägungen
cie ErfahrungstaLgche zugrunde le
gen, daß das Uebel in dem Maße
wächst, als sich die Welt industriali
sicrt. Gewiß sieht es auch auf dem
!i.'ande hie und da recht schlimm aus.
Wenn nicht das Schlimmste, so doch
das Abstoßeiidite von dem, was
Rühle aus dem landwirtschaftlichen
Leben mitzuteilen weiß, ist der
Hütckiudermarkt in Friedrichshafen,
dcr die genuichen Huier der Jugend
Tirols nicht eben im besten Licht er
scheinen läßt. (ie Volkswirtschaft
liche Ursache dieser Kinderausnützung
izt ohne Zweifel die gering? Bevölke.
rungskapazität der engen Flußtälcr
dieses schönen Berglandes.) Aber
zwischen der landmirtfchaftlichen und
der induitriellen Kinderarbeit besteht
der große Unterschied, daß jene in
freier Luft, diese in ungesunden Fa
briks und Wohnräumen verrichtet
wird. Diesem Umstand und der
ziear groben, über meistens ausrei
mder Kost ist es zu danken, daß
die Agrarprovinzen Preußens einen
größeren Prozentsatz Militärtaugli
wcr liefern als Berlin, obwohl des
sen Bevölkerung sich beständig aus
der Abwanderung junger Männer
vom Lande - und die Abwandern
den sind die unternehmungslustig,
stcn, also wohl auch körperlich kräf.
t'.gstcn erneuert. (Apropos Kost
mag daran erinnert werden
Aühle erwähnt es nicht , daß die
Großstadt auch schon die Bauernkin
der niit Aitshungerung bedroht. Die
Bauern, in das Getriebe dcr Geld
wirtschaft hineingezogen und gezwun
gen, so viel Geld wie möglich her
auszuschlagen, verkaufen ihre ganze
Milch an die Molkereien und nah.
rm ihre Kinder mit Surrogaten; bis
ror fünfzig Jahren bekamen, in
Schlesien wenigstens, auch die Hof
arbeiter als einen Bestandteil ihres
Deputats so diel gute Milch, als die
Frauen und Kinder brauchten.) Die
Hauptsache aber: in der Landwirt
schast kann bei gutem Willen Kinder
elend vermieden werden, in der von
5ionjunkturen abhängigen, die Men
siben in städtischen Steinwüsten oder
auf rauchenden Cchlackenhaldcn an
häufenden Industrie ist es nicht mög
lich. Als Paradiese für die Erwachse
ren, und darunauch für die jiinder,
sind heute noch übrig die dünn bc
rölkerten, eines milden Klimas und
glücklichen Gleichgewichts von Ur
Produktion und verarbeitenden Ge
werben sich erfreuenden Länder Au
stralien, Neuseeland, Südamerika,
hier besonders Argenticn. !
Auch tn Deutschland gibt eö noch
Bezirke, in denen landwirtschaftlicher
Groß, Mittel und Klcinbcsitz, städti
sches Kleingewerbe und mäßiger
Fsbriksbctrieb so gut gemischt find,
daß Elend und speziell Kinderclend
nur Aiinahnicn, keine Massenerschei
nunz sind. In meinem Wohnort gibt
es weder Fabriken noch Hausindu
firien, die Kinder beschäftigen, noch
werden solche vor Cchulanfanz zuin
Semmel und Leitungstragen be
nützt. Die armen Kinder treiben sich
außer der Cchillzeit spielend im
Freien herum; sie sind lustig und gu.
ter Dinge, und nur wenigen sieht
man Sorge und Net an. Ein psar
Dutzenö von ihnen besuchen einen
liindcrhcrt, in dem woh'.tätiae Da;
s men, um der Verwilderung ,u
steuern, sur Anfertigung dcr Schul'
arbeit, Uebung in nützlichen eng
messcncn Bcschastigiliigen und anslän
dige Erholung sorgen. Die älteren
Kinder warten in den städtischen An
lagen ihre kleinen Geschwister; etliche
größere Knaben lungern am Bahn
hos. um sich Niit Koffcrtragen ein
Paar Nicke! zu verdienen, einige an
dcre sammeln in dcr Nähe dcr Koh
lenlagerlpätze die verstreuten 5!ohlen
stllckchcn für Muttern auf. Dies und
natürlich Hilfe in dcr Häuslichkeit
it alles, waö es an Kinderarbeit
hier gibt. Not und Elend herrscht
nur in solchen Familien, wo entwe
dcr dcr Bater ein Trunkenbold oder
arbeitsscheu oder bloßer Gelegen
heitsarbeiter ist, oder wo die Kinder
zahl die Mittel eines Lohnarbeiters
oder kleinen Handwerkers übersteigt,
Ein kleiner Schuster oder Schneider,
ein Fabrikstischler, ein Bahnarbeitcr
kann, wenn seine Frau eine tüchtige
Wirtschafterin ist, bei zwei Kindern
anständig und einigermaßen behag
lich. wenn auch natürlich nicht üppig
leben; bei sieben Kindern ein sehr
häufiger Fall hört die Gemüt
lichkeit auf. Wie foll es eingerichtet
werden, daß mit jedem neuen Kinde
das Einkommen steigt? Natürlich
wird das Gebiet des Idylls durch die
Bevölkerungszunahme nnd die Mcn
scheiianhäiifung immer mehr eilige
schränkt, aber vorhanden ist das Jdijfl
noch. Es gehört zu den ungerecht
fertigten Verallgemeinerungen Ruh !
les, daß er die großen Unterschiede ,
zwischen den Arbeitern verschieden
Gegenden und verschiedener J,idii,
sttien verwischt und den Anschein er
weckt, als ob alles, was Lohnarbeiter
heißt, proletarisch lebe; davon kann
gar keine Rede sein, und Kinder, wik
die in der Gosse geborenen der Lon
doncr Slums, die weggcworjeuk
Speisereste aus dem Straßenschnmt
aufklauben müssen, um sich davon zu
nähren, gibts im Teutschen Reiche
überhaupt nicht.
Will man sich den Unterschied-zwi
schen ehedem und heute (nur den Im
terschied in dein fraglichen soziale
Gebiet; welche Borzüge vor älteren
Zeiten das moderne Leben auszuwei
scn hat, geht unö hier nichts an)
recht klar machen, so muß man sich
das Leben des hörigen deutsche
Bauers im Mittclalter (nicht im
siebzehnten und achtzehnten Jahr '
hundert!) vor Augen halten, wie es
uns die zahlreichen Weistümer und
Höferechte malen. Besonders die
Fürsorge sur den Nachwuchs berührt
unser Thema. Während der Schwan
gcrjchaft der Bäuerin durste der
Bauer aus dein hcrrschastlichen Obst
und Gemüsegarten an Fisch und
Wildbret aus Bach und Wald llolen.
wonach 'die Frau gelüstete. Wurde
ihm, wenn er auf dem Hcrrenacker
pflügte, die Niederkunft gemeldet, so
sollte er das Gespann einem anderen
übergeben, sofort nach Hause gehen
und .seiner Frau etwas Gutes an
tun, auf daß sie seinen jungen
Bauern desto besser Pflegen könnte".
Die .errfchaft mußte Holz ansahren
lassen zum Wasferwärmen, damit
daS Kindlcin fleißig gebadet werde.
Der einzige Fall, wo es dem zinsein
sammelnden Fronboten erlaubt war,
das Haus des Hörigen zu betreten,
war, wenn ihm gemeldet wurde, daß
die Bäuerin ist den Wochen liege;
dann mußte es daS ZinShuhn, das
ihm Ober's Gatter herausgercicht
worden war, hineintragen und der
Frau zurückgeben. Hier sehen wir bei
der untersten Schicht dcr Gesell
s'hastspyramide (das war die hörige
Bauernschaft; landlose Lohnarbeiter
gab es nicht, und das internationale
und rechtlose fahrende Volk stand au
ßerhalb der Gesellschaft) die Person
lichkeit respektiert, die individuelle
Lage berücksichtigt, das Familien
leben im eigenen Hause sestgegrün
dct, gesichert und umhegt. Wie wäre
dos alles möglich im Ameisenhaufen
dcr modernen Großstadt, in dcr Tag
und Nacht gleichmäßig fortrascndcn
Arbcithetze, bei dcr Abhängigkeit der
Unternehmer von der Weltkonjunk
tur, beim Hin und Herfluten der
vom Konjunkturwechsel ergriffenen
?lrbeitermassen, beim nomadcnhasten
Wohnungswechsel in der Großstadt?
AnkkuFöcier'Mimikry. ' j
' Daß daS Kuckucks.Weibchcn feine
Eier mit Vorliebe in fremde Nester
legt, weiß jedcö Kind. Weniger be
kannt dürfte aber sein, daß eS die
Natur dieser Nabenmutter ermög
lichte, die Sticfeltern' ihrer Jungeg
dadurch zu täusckzen, daß die Kuckucks
eier häufig ganz das Aussehen der
anderen in dem Neste . befindlichen
Eier annehmen. In der dänischen
Ausstellung zu NalmS im Jahre
1014 war u. a. eine Sammlung von
KuckuckZeicrn zu sehen, die in den
Nestern, in denen man sie gefunden
hatte, ' eingeliefert worden waren.
Auch die übrigen Eier der betreffen
den Nester hatte der Aussteller, ein
dänischer Pastor, beigefügt. XU
Sammlung enthielt nicht weniger
als irjl Kuckuckseier, von denen 201
in Farbe und Zeichnung den anderen ,
Eiern des Nestes vollkommen gli
chen; 100 waren sehr ähnlich und
mir ZI anders als die übrigen Eie:
deS FundneiteZ.
eil.. it?
mal mwwiw litt
der Tkiglilhcu Olillihll Tribimc
Heule können wir wieder eine kleine Zunahme der Bausteine d
Täglichen Omaha Tribüne melden; ihre Zahl ist von C!0 aus Wl f
stiegen, lim neuen Lesern, die mit dicscr Bcwkgnng nicht gena der
tränt sind, die Cache zu rrklörcn. mochten wir nochmals konstatieren,
duft diese Bansteine an zweijährigen Abonnements ,m Betrage von
$10 bestehen, die für die Tägliche Omaha Tribüne m Bor, bezahlt
werde. Durch diese Bausteine wird es uns krmogli.ht, d,e druckt ude
Schnldknlast zn vrrmindcrn. die wir nn aufladen mnten, als wir e
zwnngenmveise ei (iigcnljcirn für die Tagliche Omaha Tribune
kauften.
TaS Ctiftrn von Baustkincn sollte für die Leser seht ein lcson
derrr Llusporn sein, denn wer immer die Tribüne aus ,'vtt alire n
Voraus bezahlt, erhält sie noch für 510 fr zw Jahre, wahrend
der AbonncmcntöprciS von das Jahr bereits am I. Oktober in
Kraft getreten ist. Sobald wir 1,000 Banstrine beisammen haben,
wird diese Bergiinstignng znrückgkzag,rn. An diesem Grunde cllcirt
sollten wir in nächster Ant wicdkr nvrhrrre Bausteine krhnltcn. Da?
gute Werk darf nicht nntcrbrochrn, sondern muß zum Ziel 'gebracht
werden. Wer ist dcr Nächste, der wieder Leben in die Bude bringt,
indem er einen Baustein stiftet dnrck, Bezahlung von $10 für ein
zweijähriges Abonnement?
wßplttm&Qt I
l r,
An die Herausgeber
deutscher Seitungen!
Da infolge des Eingchclls dcr Täg.
lichcn KansaS City Prcsso", in Kansas
City, Mo., ein volles ,,5ont" dieser
Point dcntscher Matrizen in unseren
Händen vorblieb, möchten wir hierin it
'anzeigen, daß dieses volle Fönt" Mntri.
zen zu einem niedrigen Preise zn haben
ist. Wegen Näherem wende man sich an
den Herausgeber der Tribüne.
Tägliche Gmaha Tribüne.
'imemmsmmmmsssmasmsmimmwmi
H P"
I Zur gefälligen Benchtung
An Ur Abonnenttnder Täglichen
Omaha Tribnne!
Indem feit dem 1. Oktober d. I. die neue Verordnung der
Ver. Staaten Krikgs.Judustrie'Bchördc, laut welcher olle durch die
Vost versandten Zeitunam im Voraus deiablt sein müssen, in Krast
( I C . V'-l v rrr t
getreten uno von svoaze zu Woaze zlriltcr ourchgesuyrr w,ro. w er
suchen wir hiermit die wenige Leser, welche aus irgend einem Gnin
de die Tagliche Omaha Tribüne" bis jetzt noch nicht vorauöbrzahlt
haben, folchcs jetzt sofort z tun, damit in dcr Zenscndung dcr Täg
lichen Omaha Tribüne" keine Unterbrechung eintreten möge.
Man beeile sich und erspare' sich und uns Unannehmlichkeiten!
Wir wurden ja unseren Lesern gerne mehr Zeit zum Bezahlen
gewähren, allein die jetzigen Postgcsetze und Vorschriften erlauben k
solches nicht. I
(?
Daher richten wir an alle unsere werten Abonnenten ohne Ans
nähme die dringende Bitte, von jetzt an das Datum auf dem kleinen
Adrcßzcttcl ihrer Zeitung genau zu beachten und das Abonnement j
sofort zn erneuern, sobald dasselbe abgelaufen ist; ratsamer ist eS
jedoch, dieses schon früher zu besorgen. . $
Ferner richten wir die freundlicheVitte an alle unsere wertm j
Leser und Freunde, unS bei der Verbreitung der Täglichen Omaha k
Tribüne" behilflich z sein. Macht Eure Freunde. Nackbarn und lZ
Bekannten auf die Tägliche Omaha Tribüne" aufmerksam' und em
(3 hitdlt WMfi. &
n-v .v,..v.
WMsMSWWUlWMWWW
i Tägliche Omaha Tribüne
Das einzige Tageblatt in deutscher Sprache
im ganzen Westen
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AbonoementLpreise:
Per Post, bei Loranöbezahlnng, ein Jahr $0.00
Pn Post, Bei Vorankbkzahlnng von zwei Jahren $10.00
Prei des Wochenblattes, da? Jahr bei Joraukbrzahlnng '
Ort und Datum, 191 . ;
Tägliche Omaha Tribüne, 1307 Howard Str., Omaha, Nkbr.
Werte Herrn!
Hiermit sende ich Ihnen für .... Monate für die
Tägliche Omaha Tribun AchwngSvoll.
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