Tägliche Omaha Tribüne. (Omaha, Nebr.) 1912-1926, June 14, 1918, Image 6

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I Das Gliick m Blclldhcim. j
t
Roman von
'
a LortfeKunaZ.
" Leid übersah Sellentin M der
Groß seiner Aufgabe all die kleiner.
Hindernisse, die dem im Wege lagen.
Er hatte bei seinen Experimenten schon
sein eigene? Vermögen zugisetzt und
schonte nun auch daS deS Herrn Zierold
nicht. Mit eine? genialen Riicksichts.
los?gknt verfügte er über dessen Börse.
ES war ihm ganz gleichgültig, ob eS
sich um Hunderte oder Tausende han
bette, wen er eine neue SKffverbm
düng, .von der er sich Erfolg versprach,
probirte. Er hatte offenbar keine Zeit,
an M Kosten einei Erfahre? zu den
fen, sobald ihn da Verfahren selbst
kteressirte,
Mit bleichen Wangen unS fieberhaft
erregten Augen saß Felix Sellentin
Ivieder über seinen Retorten und
Schmelztiegeln. seinen Probimaschi
tun und Maschinentheikn. als ein Ge
hülfe Sei ihm eintrat.
fSt Eommercienrakb 5JietoTi
wünscht rnit Ihnen z sprechen. Herr
Doctor. sagte dieser.
Lassen Sie mich in Ruhe, Lorenz,
erwiderte Herr Sellentin weich, fast
bittrab, xreb verwandte lein Auge von
sei Arbeit.
Der Herr Commerrrenrath .... oe
ant der mdere wieder verblüfft.
1 Ja doch? unterbrach ihn der Chemi
!. Ich bin gleich fertig.
ES dauerte aber noch eine gute halbe
Stunde, ehe ffeliz Sellentm endlich
seufzend von seinem Tisch aufstand.
Lassen Sie um GotteS willen alles
siehe und liegen wie k liegt. Lormz.
hören fe? bat der Chemiker wieder
mit der ssnderbar weichen, kindlich be
scheideen Stimme. ,'
Selbstverständlich, Herr Sxfe.
Seien Sie ganz ruhig. ES tottrat
Niemand dran.
Erfi jetzt wechselte Sellentin den
Rock, setzte den Hut auf und ging nach
dem DirectorialgebÄrde. um den Cm
mercienrath aufzusuchen. WaZ konnte
er von ihm wollen? fragte er sich unter.
wegS. War schon wieder in Unglück
geschehen? War irgend em Arbeiter
unvorsichtig gewesen? Er sah aber
nichts auf dem Hofe, keim Aufregung,
kein Geschrei.
Endlich trat er bei dem Commmien
rath ein. Dieser hob flüchtig den
Kopf und sah über einen Stoß Rech
nungen weg auf den Eintretenden.
Ah. da sind Sie ja, Herr Doctor.
Bitte, nehmen Sie Platz, bemerkte er
flüchtig. Dann rief er irr'S Neben
Zimmer: DaS Conto LaLoratorium,
Schmidt!
Sofort brachte der Angerufene os
verlangte Conto. .
Herr Doctor. ich habe Sie zu mir
kitten lassen, um Sie einmal einen
Einblick in die pecuniäre Verhältnisse
deS don Ihnen geleiteten Laborato
riumS thun zu lassen begann Herr
Zierold.
Oh, ich inierefsire mich dafür gar
nicht. Herr Commercienrath, erwiderte
Dr. SÄentin.
'Aber ich umsomehr. fuhr der Com
mercienrath fort. Sie wissen, daß ich
eine jährliche Pauschal-Summe von
zwanzigtausend Mark für daö Labora,
torium ausgeworfen habe. Dak ent.
sprach bisher den Verhältnissen. DaS
konnte ich zur Sicherung der Arbeiter
und für den Fortschritt in der Technik
thun. Sie haben aber nie damit auS
pereicht und im letzten Jahre beläuft
sich da? Conto deS LaboratormmS auf
tweillndsechziatausend Mark. , ..
Die erzielten Verbesserungen ...
varf der Chemiker ein.
. . . sind soviel nicht werth, unter
krach ihn der Commercienrath. Die
Kosten kommen auf Conto Ihrer
fruchtlosen Versuche in Sachen der
Starkstromleitung. Ich bebaun aber,
nicht reich genug zu sein, solche Wer
suche bezahlen oder auch rar unter
stützen z können. Sie sind gewiß
vom besten Willen beseelt, Herr ot
tot, und vom aufrichtigsten Strebe
erfüllt, ich aber bin veranlaßt, meine
BetriebSspesen nach Möglichkeit einzu
schränken und bedaure sehr, Ihnen da?
jConto deS Laboratoriums von heute ab
sperren zu müssen.
, Wie meinen Sie das. Herr Sommer
cienrath? fragte der Chemiker etwa?
bleicher werdend.
Sehr einfach. Sie geben zu diel
Geld aus und ich entziehe Ihnen das
Geld. Ich werde in Zukunft über die
Anschaffungen deS Laboratorium!
selbst bestimmen und mich dabei aüfS
Vllernothwendigste beschränken. Ver
sieben Sie jetzt?
i O ja! Sie wollen mich loS sein!
Durchaus nicht. Nur will ich nicht,
daß Sie mein Geld ausgeben, um lee
nn Phantasieen nachzujagen.
. Ich bitte um Verzeihung. Herr Com.
inercienrath, aber davon verstehen Sie
doch wohl weniger als ich. Wie stellen
Sie sich denn die Thätigkeit eines Ehe
rnikerS im Laboratorium vor. das ein
anderer, der von seinen Arbeite nichts
versteht, versorgt?
Und wie stellen Sie sich. Herr Toc
lor. einen nur halbwegs vernünftigen
Mann vor. der seinen Geldbeutel einem
andern in die Hand gibt, damit er mit
dem Gelde macht, waS er will?
Tie beiden Frager ' sahen sich der
tlüfft an. und jeder wartete offenbar
auf die Antwort deS andern. AIS
eber keine erfolgte, fuhr der Csmmer
Izrs&'lztLjrMt! $MlM&
Woldemar Urban.
'
sehen. daS geht nicht, Herr Doctor, und
da ich, wie schon erwähnt, veranlaßt
bin. mein Geschäftsspesen einzu
schränken, ich könnte sogar sagen, daß
ich in diesem Falle gezwungen bin, daS
zu thun, daß mein Interesse daS uner
bittlich fordert, so bleibt weiter nicht!
übrig, als daß Sie meine Wünsche an
nehmen. In Ihren persönlichen Be
zügen fällt deshalb kein Pfennig fort.
Ich weiß sehr wohl. waS ich an Ihnen
habe, und eS würde mir leid thun,
wenn Sie sich von der Fabrik trennen
müßten. Aber dazu liegt ja auch gar
keine Veranlassung vor.
Sie sind darüber im Irrthum. Herr
Commercienrath. Eine Stellung, wie
Sie sie mir da antragen, würde ich
keine Stunde bekleiden.
Aber warum denn nicht?
Weil ich Sie nicht um ?khr Geld be
trügen will und weil ich vor allen
Dingen in einer solchen Stellung nichts
leisten kann.
Aber '
Bitte um Verzeihung. Zerr Com
mercienrath, die Sache liegt klar und
einfach. Ei ist gerade fo. als ob Sie
einem Arbeiter sein Handwerkszeug
wegnehmen und dann zu ihm sagen:
Nun arbeite! Ich lieb meine Arbeit.
Mir ist die Arbeit nicht Mittel zum
Zweck, sondern sie ist mir der Zweck
selbst und wenn fet irnr v VJiiuu
verweigern, deren ich dazu bedarf, so
suSe ick mir eben einen anderen, der
sie mir gewährt. Ich muß da thun,
wer! ich nur fo exifnren. leben kann.
Und Sie erlauben, üben Doctor. daß
Sie einen solchen Mann finden? fragte
der Commercienrath.
Sonst würde ich ihn nicht suchen, er
widerte der Chemiker kurz.
Es entstand eine kleine Pause. Der
Commenienratb lab kick seinen Mann.
wie er gewohnt war, mit einem scharfen
Blick über die Brille genauer an, als ob
er ergründen wolle, ob eS dem jungen
Chemiker mn tKtx vroyung srnn
sei. Er ließ ihn offenbar nicht gern
von fi eben. Eine unvemmmte
Ahnung sagte ihm, daß damit der gute
litaft aus sein Faorrl auszöge, ver
Geist selbstloser, auf daS Wohl der Ge
sammtheit bedachter Arbeit. Er hätte
ihn aucb nicht gehen lassen, hätte irgend
einen Ausgleich gefunden, der die
Gegensätze vereinigt, wenn er nicht
die unglückselige Idee einer .guten
Bilanz gehabt. Er wollte uno mußte
sparen, damit ihm seine Nachfolger
den erzielten Gewinn capitalisirten.
ES handelte sich nicht nur um die der
hältnißmäßig geringfügige Summe,
die der Chemiker für sein Laborato
rium beanspruchte, fondern um daS
l5.avital. das ikm die Gesellschaft im
Verhältniß des nachgewiesenen Nutzens
für d?e Fabrik auszaylen mupe, vas
beißt also um den zwölf bis fünfzehn-
fachen Betrag.
Ueberleaen Sie sich das wohl. Herr
Doctor, ermähnte ihn Zierold endlich
wohlmeinend. ;
Da gibt's nichts zu überlegen. 1
Ei verlassen eine aut und auZ-
kommlich dotirte Stellung, ohne dafür
eine Ersatz zu haben.
Da ist Nebensache. Mir liegt
nickts an der Stellung, sondern an
meiner Aufgabe.
?tö will Ihnen noch etwas sagen,
Herr Doctor. Ich fürchte sehr, daß
Sie sich selbst einen sehr bösen Streich
spielen, den Sie bereuen werden, wenn
Sie sehen, daß Ihre auderweitigen
Bemühungen vergeblich verlaufen. Ich
will ?ibne also, da wir doch in einem
halbjährlichen Contract stehen, Ihre
Stellung ein volles halbes Jahr offen
Kalten, iodak Sie sie innerhalb dieser
Zeit wieder antreten können, wenn Sie
wollen, allerdings unter den Bedin
gungen, wie ich sie Ihnen soeben dar
legte. Sind Sie damit zufrieden?
?kck bin filmen für ?kbre freundliche
Rücksicht auf mein Verhältnisse sehr
dankbar, Herr .ommercienraky, wenn
ich auch hoffe, keinen Gebrauch davon
machen zu müssen, erwiderte der Ehe
miker. '
Wir werden sehen. Ich lass ftönen
ein halbes Jahr Spielraum. Di Zu.
kirnst wird unS zeigen, wer von uns
beiden mit seiner Ansicht im Recht
war.
Damit trennten sich die beiden Her
ren. Der Cdemiker ging nas einem
Laboratorium zurück, allerdings wie
flügellahm. Seine Tage in der Fabrik
waren aezäblt. Er empfand daö Vor
gehen dS CommercienrathS wie ein
Mißtrauen, daS lhm die AroeiiSiuzr
lahmte. Zierold wieder hatte sein im
meibi bttcktenkwertbeS Anerbieten
auch nicht SuS reiner Nächstenliebe ge
than. C wollte sich den jungen
Mann verpflichten, ihm die Rückkehr
leicht machen. Von Mißtrauen war
keine SRefcfcj Im Gegentheil empfand
der Commercienrath einen großen Re
spect vor dem jungen Manne, der so
snne ben'önlicken Interessen einer
Aufgab opferte, deren Lösung ja sehr'
wunfchenwerth. aber in Fachrrein sur
unmöglich galt. Wenn sie ihm aber
nun wider Erwarten gelang, so wollte
Herr Zierold sein Freund und Gönner
sein, um womöglich die Hand nach
dem Lohn auszustrecken, der der Arbeit
in ganz unberechenbarer Fülle werden
mußte. Niskiren wollte er unter den
obwaltenden Umständen nichts mehr,
gbex er wollte sich auch die Ernte nict
Tägliche
entgehen lassen.
Der Chemiker war ein sonderbarer
Mensch. Man hätte ihn nea Mann
der firen Ideen nennen können. Das
ganze Leben schien ihm gleichglllkia zu
sein. Still, in sich gekehrt, bescheiden,
hinkte er seine Straße durch die Welt,
wunschlos, interesselos. Nie sprach er
Jemand aa und war am liebsten allein.
Wenn er von einem anderen angesprc
chen wurde, so antwortete er höflich,
freundlich und wohlwollend, ober wer
zu beobachten verstand, lai doch in sei
nen Augen die Bitte: Laß mich in
Ruhe! Geh deiner Wegel Du störst
mich. Nur wenn Jemand an .feine
Idee" rührte, dann regte er sich auf.
dann bäumte sich in dem blassen, ge
brechlichen Manne eine titanenhafte
Kraft und Energie auf. die ihm eine
ganz unerwartete Bestimmtheit und
schneidende Schürfe verlieh. Seine
fixen Ideen waren sozusagen seine
Brennpunkte im Leben, alle andere
um ihn her lag in Nacht und Nebel.
Er wußte wohl, daß ihn sein eigener
Bruder, der ihm feinen Doctortitel
nickt veraeben konnte, für hochmüthig.
eingebildet, dünkelhaft verschrie, und
daß er im ganzen oxt oarur gaix.
Mit einem Worte hätte er seinen Bru
der Lügen strafen können. Aber er
that es nicht. ES war ihm ganz glelQ
aültia. waS die Leute von ihm glaub
ten. wenn sie ihn nur in Ruhe ließen.
ES war in den Adendstunvn. oc
tor f?elir Sellentin kam zu der ge
wohnlichen Stunde aus der Fabrik
und hinkte müde und abgespannt nach
öause. Er ging nicht den näheren
Weg. der ihn durch die Dorfstraße
geführt haben wurde, waS er date.
sondern nahm einen Fußweg, der ihn
an der Varkmauer deS Schlosses
Blendheim entlang führte.
Plötzlich hört er Hunvegeoeu, uno
als er aufsah, erblickte er Fräulein
reu tun wfnVihfm M fiifi nerblicb
VVIA ..i s.vwf.... " ZP 7
bemühte, ihren Hund don der Berfol
gung einer Katze zurückzuhalten. So
fort ivrana er bin, und half der tun
gen Dame, ihren Hund zu bändigen.
Sie kamen dabei mit den opsen oicyi
,samn. und als sie sich gleich da
rauf gegenseitig ansahen, glühten die
Gesichter delder m einer Aufregung,
hi, nmLslick blos von der Anstren
gung mit dem Hunde herrühren konnte.
Ich bitte um Berzeiyung. gnaviges
Fräulein, stammelte Felix Sellentin
verwirrt.
mtr warum denn, feerr Doctor?
erwiderte sie. etwaö gezwungen lachend,
ich bin Ihnen sehr dankbar, daß Sie
mir helfen, den wilden Esunan zur
Raison zu bringen. Bitte, halten Sie
ihn mal fest. Ich will nur mein
Kleid hochnehmen. Me geht'S Ihnen?
Ich habe Sie so lange nicht gesehen.
Schlecht genug.
Warum nicht garZ Ist Ihnen etwas
Unangenehmes passirt? ,
ES ist schon schlimm genug, wenn
einem nichts Angenehmes passirt.
Glauben Sie vielleicht. Herr Toc
tor. daß andern die Annehmlichkeiten
so ohne weiteres in's Haus schneien?
'M hat jeder sein Bündelchen zu hucken.
Wie geht's in der Fabrik?
Gar nicht. Ich werde vermuthlich
in den nächsten Tagen abreisen.
Sie wandte sich erschrocken nach ihm
um.
Abreisen! wiederholte sie. Wohin
denn?
Nach Berlin. Ich bin in der Fa
brik so gut wie entlassen. Man treibt
mich nicht gerade fort, aber man ver
anlaßt mich, zu gehen. Und infolge
dessen gehe ich natürlich. Da ich hier
nicht zu meinem Ziel kommen kann,
so muß ich sehen, ob ich bei einer der
großen elektrischen Aktiengesellschaften
ein geeignetes Arbeitsfeld finde.
Sie wollen Blendheim verlassen!
sagt sie wieder, noch immer überrascht
von der Nochricht.
WaZ soll ich denn noch hier? erwi
derte er kurz.
Sie antwortete nichts und auch ihm
gingen Gedanken durch den Kopf, die
ihn wohl sehr stark beschäftigten, die
er aber doch nicht auSzusprechen wagte.
Es entstand eine kleine Paus. wLh
rend welcher sie schweigend nebenein
ander hergingen.
Sie hatten Besuch auf dem Schloß,
gnädiges Fräulein? sagte er endlich
wieder in einer merkwürdigen Aufre
gung. die ihn fogar verhinderte, sie bei
dieser Frage anzusehen.
Fräulein von Blendheim dagegen
sah ihm dabei scharf in's Gesicht.
Dann erröthete sie sehr, tief und schlug
den Blick wieder zn Boden.
Herr von Peilewitz war da. Si
kennen ihn ja, antwortete sie leise.
Warum soll er unS als unser Guts
nachba? nicht hin und wieder einen Be
such machen?
ES ist dagegen durchaus nichts z
sagen. Im Gegentheil findet daS alle
Welt charmant und fpricht von einer
bevorstehenden . . . Verlobung. Wo
rum denn auch nicht? Gleich und gleich
gesellt sich gern.
- DaS ist nicht wahr, fuhr sie heftig
auf.
Wie? fragte er überrascht.
Wer hat Ihnen davon erzählt?
forschte sie eifrig. .
(Fortsetzung folgt.) '
Guter Rath. Bauer (schwer
krank, zu feiner Frau): Weißt, Leni,
ich stirb gern, denn Tu ärgerst mich
ja zu diel." Frau: HanneS, thu'S
nti, paß auf, es wird Dich reuen."
Bei der Viehzählung.
Landrath: .Es ist ja merkwürdig,
daß hier im ganzen Bezirk nur zwei
Esel sein sollen!" Bürgermister: .ES
VlJÄ&JlSjU!
Omaha Tribüne.
Neues aus
Ratur- und Heilkunde.
Fremdkörper im Ohr.
Wenn jemand irgend einen Gegen
stand ins Ohr bekommen hat, wie es
1 namentlich bei schlecht beauf
sichtigten Kindern häufig geschieht.
so sollte gar kein Veriuch zum Her
ausziehen des Fremdkörpers gemacht
werden, weder von seuen des Be
troffenm noch von feiten der Ange
hörigen oder anderer Personen au
fccr vom Arzt, es sei denn, daß die
Äeseitigung ersichtlich nur geringe
Schwierigkeit machen kann. Unzählig
,ft ist es vorgekommen, daß bei jol
chen Versuchen die Fremdkörper erst
recht tief ins Ohr gedrängt worden
sind, bis in den knöchernen Teil des
Gehörganges n;;d vielleicht sogar bis
in die Paukenhöhle. Wenn es sich
nun um Haarnadeln, Zündhölzer
und ähnliche spitze Dinge handelt, jo
können natürlich sehr leicht Berletzun
gen desGehörganges eintreten. Ge
wohnlich wird der Arzt erst dann
geholt, wenn der Patient durch Un
geduld und Schmerz dazu gebracht
wird, sich allen weiteren Versuchen
der Hilfe von unberufener Seite zu
widersetzen. Die Sache ist weit ern
ster, als sie dem unerfahrenen Laien
erscheint. Die Reihe der Todesfälle,
die im Gefolge der Einkeilung von
Fremdkörpern in die Trommelhöhle
durch Ertrankungen des in Mitlei
denfchaft gezogenen Gehirns vorge
kommen sind, ist durchaus nicht ge
ring. Liegt der Fall irgendwie
schwierig, wie es sich ost schon ohne
weiteres aus der. Natur des ins Ohr
eingeörungenen Gegenstandes schlie
ßen läßt, so sollte nicht der Haus
arzt, sondern der Ohrenarzt zuge
zogen werden. Die nicht in der Oh
renheilkunde geschulten Aerzte grei
fen nämlich gewöhnlich zur Pincette,
die aber nicht helfen kann, falls der
Fremdkörper den Raum des Gehör
ganges völlig ausfüllt, sehr wohl
aber schaden kann. Tie Hauptgefähr
besteht in der Verunreinigung der
Paukenhöhle durch den Fremdkörper,
die wegen der leichten Reizbarkeit der
dort befindlichen Schleimhäute zu
folgenschweren Ansteckungen Weran-
lafsung geben kann. Dr. Alt emp-
fiehlt zur Entfernung eines Fremd-
korpers zunächst einen Versuch mit
Ausspülungen, die in den meisten
Fällen schon zum Ziel führen wer
den, namentlich, wenn es sich um
harte Gegenstände handelt, wie Stein-
chen, Korallen, Glasperlen oder ins
Ohr gelangte Tierchen. Schwieriger
wird die Behandlung, wenn die Ein-
dringlinge in Fruchtkernen, Erbsen,
Bohnen und ähnlichem bestehen, die
unter dem Einslutz von Wasser quel-
len. Alsdann ist besser Oel zu wah-
len oder vor der Ausspritzung etwas
Alkohol ins Ohr zu träufeln. Das
mechanische Herausziehen versucht der
Ohrenarzt erst, wenn die Ausspülun
gen erfolglos geblieben find und wenn
sich außerdem überzeugt hat, daß
der Patient genügend stillhalten wird.
so daß Verletzungen durch das In
strument nicht zu befürchten sind,
andernfalls muß der Kranke vor dem
Eingriff betäubt werden. Die ganze
Behandlung wird natürlich um so
schwieriger sein, ie mehr Versuche
vorher von unberufener Seite gemacht
worden sind und zu emer Reizung
und Verletzung des Gehörganges ge
führt haben. Man hat zur Entfer
nung von Fremdkörpern' aus dem
Ohr bereits Operationen vornehmen
müssen, bei denen die Ablösung der
Ohrmuschel notwendig war, um ge
nügend an die betreffende Stelle her
ankommen zu können, zuweilen sogar
noch die Entfernung von Knochentei
len aus den Wanden des Gehorgan-
ges. jijits war der Fall bei einem
achtjährigen Kind, daS sich einen
Stein rns Ohr gesteckt hatte, den die
Angehörigen und der ohrenärztlich
nicht geschulte Arzt zu entfernen ver
geblich versucht hatten; der Fremd
körper lag ganz hinten am Trom
melfell, in das bereits ein Loch ge
stoßen war. Selbstverständlich trat
auch nach der geglückten Operation
noch eine Eiterung des Mittelohrs
ein, zumal das Trommelfell schon
vorher entzündet gewesen war, jedoch
wurde das Gehör nach 14 Tagen
vollständig wieder hergestellt.
Ter Jugkndwaljosmn.
Durch die Forschungen von Kahl
bäum und Kräpelin ist der Verlauf
von Wahnsinnsanfällen bekannt, die
sich nicht selten im Alter der begin
nenden Mannbarkeit, aber bei beiden
Geschlechtern, einstellen. Zwei schot
tische Aerzte haben eine Reihe von
Beobachtungen über diese Erkrankun
gen mit besonderer Rücksicht auf die
etwaige Mitwirkung von Bakterien
ausgeführt und eingehend erörtert. 12
Fälle von Krankheit wurden auf ihre
äußeren Merkmale, auf die Blutzu
sammensetzung und die Gegenwart
von Bakterien im Blut oder in den
Geweben erforscht. ' Tie Krankheit
zerfällt in zwei Stadien. Das erstere
wird als das akute bezeichnet. Da
bei zeigen sich stets Störungen der
Verdauung, die fast regelmäßiges Er
brechen nach einer Mahlzeit zur Folge
haben. Tie Herztätigkeit ist beschleu
nigt und unregelmäßig. Nach läng
stenZ vier Wochen tritt das zweite
Stadium ein. daS mit dem Namen
dez ttalogijches pt;. . xacj.fte mrxn ssm
Katatonie ist eine der sonderbarsten
Erscheinungen innerhalb der vielen
Geisteskrankheiten und ist wohl mit
der Bezeichnung 'Spannungsirresein"
verdeutscht worden. Sie zeigt eine
Abwechselung zwischen völliger Star
re und krampfartigen Erregungen, der
Muskeln. Der Zustand der Regung
losigkeit, auch Katalepsie oder Starr
sucht genannt, ruft einen unheimli
chen Eindruck hervor, da der Kranke
wie eine Statue zuweilen monatelang
unbeweglich in einer einmal tilge
nommenen Stellung der Glieder ver
harrt. Der Eintritt des katatonischen
Stadiums wird häufig durch einen
Fieberanfall angezeigt. Die Störun
gen der Verdauung und des Säfte
kreislaufs bleiben bestehen, und die
Gliedmaßen werden kalt, verfärben
sich und schwellen an. Die Tempera
tur ist immer unter der normalen.
Auffallend ist, daß die Kranken in
diesem Zustand für eine tuberkulöse
Ansteckung besonders empfänglich
sind. Der Geist scheint gleichfalls er
starrt, weist aber auch gelegentlich
lebhafte Erregungen auf. namentlich
Verfolgungswahn. Die Prüfung des
Blutes hat erwiesen, daß unmittelbar
nach dem Einsetzen der Starre der
Gehalt an weißen Blutkörperchen her
abgeht, dann aber rasch bis auf ein
Uebermaß steigt. In acht Fällen wur
de das Blut auf Bakterien untersucht
und dreimal ein eigentümlicher Strep
tokokkus gefunden, der insofern als
Erreger der Krankheit Befallenen
zum Gerinnen brachte. Die Beobach
tungen an Kaninchen, die mit diesem
Keim geimpft wurden, verstärkten die
Vermutung. Die Versuchstiere gerie
ten in einen Zustand von Uebelbefin
den, unregelmäßiger Temperatur, ge
steigerten Hautreizen und sonstiger
Abstumpfung der Sinnestätigkeit.
Leider haben auch die neuen For
schungen die Behandlung des Ju
gendwahnstnnz im katatonischen Sta
dium als recht unbefriegend befunden.
Es läßt sich nicht viel mehr tun, als
die Kranken im Bett zu halten, auf
flüssige Ernährung zu setzen und die
Verdauung durch Einführung von
Salzlösungen zu unterstützen. Es
wurden Versuche gemacht, durch
Zucht jenes Bazillus Heilserum aus
einer damit geimpften Ziege zu gewin
nen, aber das Verfahren hat sich bis
her nicht bewährt. Obgleich also diese
Form des Jugendwahnsinns durch
eine akute Vergiftung zu entstehen
scheint, die von bestimmten Verände
rungen des Blutes gefolgt und durch
einen Zustand geistiger Verwirrung
begleitet wird, so nimmt die Krank
heit doch in ist Regel ihren Verlauf,
ohne sich durch die bisher versuchten
Arten der Behandlung beeinflussen zu
lassen.
Schninhörigkeit der Kinder.
Es ist überraschend, wenn man
hört, daß 20 bis, 20 Prozent unserer
Schulkinder schwerhörig sind, darun
ter manche in einem Maße, daß sie
dem Unterricht zu folgen nicht im
stände sind. Während aber die Kurz,
sichtigkeit in den höheren Klassen und
Schulen immer mehr und mehr an
steigt, gibt es in den höheren Schu
len kaum mehr Schwerhörige: diese
sind zurückgeblieben. Und doch wäre
es nachgewiesenermaßen leicht, auch
die Hälfte der schwerhörigen Kinder
in der Volksschule von ihrer Schwer
Hörigkeit zu heilen, wenn darauf nur
mehr geachtet würde. Aber nicht nur
das schwerhörige Kind, sondern zweck
mäßigerweise auch ein jeder unauf
mertsame, zerstreute, schwer fortkom
wende Schüler sollte hier und da deP
Arzt vorgestellt werden, und es würde
sich als des letztem .Untugenden"
nicht selten ein geschädigtes Hörver
mögen entpuppen. Denn mangelhaf
ter Fortgang in der Schule und
schlechtes Gehör stehen in propor
tionalem Verhältnis zu einander.
Und dazu ist noch manchmal die ganze
Ursache einer monate- und jahrelan
gen Schwerhörigkeit in einem verhär
teten Ohrschmalzpfropf oder in einem
unbeachtet gebliebenen Fremdkörper
zu suchen, die den Gehörgang aus
füllen. Sehr wichtig ist es auch, bei
schwerhörigen Kindern stets die Au
gen kontrollieren zu lassen, denn ein
gesundes, normaljichtiges Auge kann
ein schwaches Ohr durch das Ablesen
der Worte von den Lippen wesentlich
unterstützen. Bei schwerhörigen Kin
dern muß man auch mit dem Turnen
vorsichtig sein. Gewisse Ohrerkran
kungen werden meist von Schwindel
begleitet, der geringste Sturz kann
aber bei geschädigtem Ohr zu schwe
ren Gehirnerkrankungen (Gehirnhaut
entzündung, Hirnabszeß) führen. Je
jünger das Kind ist, desto mehr
Sorgfalt ist der Schwerhörigkeit ?
widmen. Besonders verhängnisvoll
wird sie, wenn sie zu einer Zeit ein
tritt, bevor die Kinder noch sprechen
können; denn ohne die akustischen
Eindrücke lernen die Kinder keine or
dentliche Sprache. Aber nicht nur
die Sprache bleibt zurück, sond'ern
auch die ganze psychische und intel
lektuelle, sowie die Gemütsbildung
erleiden eine große Einbuße.
In North SearSmont.
Me., ist die Telephonistin Frau El
len Cooper Pease von ihrem Gatten im
Telephon-Bureau erschossen worden.
Sie war erst 18 Jahre alt und ihr
Gatte, von dem sie sich seit zwei Iah
ren getrennt hatte, ist wegen Mor
FrenndlichergegenChwkjen
Sie gelten'jetzt in lierta aerad für
ntntiehrlich.
Eine gute Reihe Jahre war die
Abneigung oder Feindseligkeit' gegen
chinesische, wie auch gegen sonstige
orientalische Zuwanderung in West
kanadischen Provinzen noch größer
als in Paflk'Landern der Bereinig
ten Staaten. Und vielleicht glauben
viele, daß es jetzt noch so sei. Soweit
aber die Provinz Alberta in Be
tracht kommt, scheint sich Ui der
Mehrheit der Bevölkerung ein vollr
ger Wandel in dieser Hinsicht voll
zogen u haben!
Man höre nur, waS ein Korre
spondent fast gegen Willen denn
er sieht persönlich diesen Wechsel gar
nicht gern - darüber zu sagen hat:
So lange ich jetzt hier bin. habe
ich noch keine einzige feindliche
Aeußerung über diese Einwanderung
gehört; und rch habe bei allen KIas
fen der Bevölkerung Nachfrage ge
halten.
Wären nicht die Chinesen," sagte
mir einer der städtischen Landbauer
in Calgary, so konnte ein Arbeit
mann hier kaum noch existieren. In
ihren Marktgarten und ihren Neitau,
rationen bieten sie Preise, welche für
den Arbeiter noch .erschwinglich sind.
Wie lange, das steht freilich dahin.
Neuerdings iit man m Calgary an
läßlich eines Streiks der weißen
Aufwärter nahe daran, auch eine
chiiiesllche Gewerfchaft zu organisie
ren; und wenn man damit Erfolg
hat, so werden natürlich auch die
chinesischen Speisewirtschaften ihre
Preise erhöhen müssen."
Ein Beamter des AckerbauTe
partements von Alberta sagte mir:
Ich könnte in ein paar Tagen noch
mindestens 500 hlnejen aus Fao
men in Alberta unterbringen. Auf
diesen Farmen werden die Chineien
nicht als Landbauer, sondern als
Hausdiener gesucht, um den Frauen
wenigstens wahrend des Sommers
die ganze häusliche Arbeit abzuneh
men, damit die Frauen draußen zu
jammen mit ihren Mannern arbeiten
können. Viele armer haben mir er
klärt, sie würden ihre Farm aufge
ben, wenn sie keinen solch Vei
stand erhalten könnten!
Sonst aber tun sich die Chinesen
doch am meisten als Marktgärtner
hervor. Sie leisten m der enolgrel'
chen geschäftlichen Ausbeutung jedes
Fleckens Erde, das sie unter Kon
trolle bekommen können, geradezu
wunderbares und haben uns Weiße
weit in den Schatten gestellt. Und
sie sind sehr vielseitig im Ziehen
ihrer Produkte. Alles gedeiht unter
ihren Handen, und es ist fast un
glaublich, welche Erträgnisse sie aus
einer Farm von einem halben Acre
ziehen können. Haben sie aber gar
eine Farm von drei Acres in Besitz
oder Pacht, so halten sie sich in der
Hauptzeit sechs oder sieben chinesische
Arbeiter und zwei Pferde, lefr
tere nur für Ausfahrten, dam die
Arbeit aus der Farm ist ausschließ
lichHandarbeit." Natürlich fehlt es in Calaarr, auch
nicht an chinesischen Wäschern: aber
auch noch m manche andere Berufe
Iino die ymefen eingedrungen. So
fabrizieren sie z. B. gute Strickerei.
Waren.
Aus einem Briefe.
.Das Besteben einer Selbstrea-e-
rung in unserem Lande hat tüchtige
und freiheitliebende Männer aus l.
len Herren Ländern hierhergeführt, so
vag mir im wayren inne des Wor
tes eine Wcltnation geworden sind."
.Deutsches Blut wurde reicklick für
unsere Freiheit im Befreiungskriege
verzollen.
.Während unserer weiten aro5,-n
nationalen Prüfungszeit unterstützten
unsere urger deutscher Geburt und
Abstammung einhellig die Sache der
Union und Freiheit."
.Zu unserem Gemeinwesen trägt
das deutsche Element ein besonderes
Maß geschäftlicher und 'industrieller
Tüchtigkeit bei, sowie auch die Kraft
oer eoenssreuve (Joyous Livlng).
.Und deutsche ideale und deuticke
Wissenschaft Haben die Anregung ge
wayri sur die Entwicklung aus dem
Gebiete der Forschung und Erfin
dung."
AuS einem Briefe, der vom 18.
März 1S04 datiert ist.
Tiefer Brief ist an Dr. Marder.
Präsident der Universität Chicago, ge-
riaziek. ,
Er ist von Theodore Roosevelt.
früherer Präsident der Vereinigten
Staaten, unterzeichnet.
Zunahme der Leichenverbrennung
i Deutschland.
An der Statistik, welche die Ft
bruarnummer der .Flamme" über
den Betrieb der 51 deutschen Krema
torien im Jahre 1917 veröffentlicht,
ergibt sich, daß 13,942 Einäscherun
gen stattgefunden haben; das sind
213 v. H. mehr als im Jahre zuvor.
7933 der Verstorbenen waren männ
lichen. 6009 weiblichen Geschlechts;
dem Bekenntnis nach 12,051 evange
lisch, 882 katholisch. 92 altkatholisch.
409 mosaisch, 505 waren entweder
freireligiös oder Dissidenten oder ein
Bekenntnis war nicht angezeben. In
82.3 v. H. sämtlicher Fälle fand eine
ttijflwjt Ft; im. Krematorttril, fMkljrin
ii
Die Corroborees" dcr
Anftralneger.
gorroboreeS bilden in der Haupt
sache theatralische Darstellungen von
Ereignissen, die in der Kenntnis der
Stammesmitglieder fortleben und
überliefert werden sollen. So kann
jeder Stamm nach seinen-verschiede
nen Erfahrungen ein ganz verschiede
nej Repertoire von darzustellenden
Szenen haben, die ja nach der Gele
genheit wieder geändert werden tön
nen. Durch häufige Proben wir)
eine große Kunstfertigkeit darin ge
Wonnen. Auf diese Weise werden die
jungen Mitglieder des Stammes in
gewissem Sinne ständig in der
Kenntnis ihrer Geschichte unterwiesen.
Die australischen Eingeborenen zeigen
sich dabei als poetisch und musikalisch
gut veranlagt. Die Frauen begleiten
die .Corroborees" mit einem seltsa
men Gesang und schlagen nach den
Takt mit zwei Stöcken, wobei die
Stimmen je nach den Vorgängen der
Darstellung an oder abschwellen.
Im .Wide World Magazine"schildert
ein Augenzeuge, Charles H. Kerry.
eine solche Tanzzeremonie. Hat man
über eine Reihe derartiger Vorfiel
lungen entschieden, so ergehen Einla
düngen in die Nachbarschaft. Der
Stamm, der die geschilderten .Corro
borees" aufführt, besteht aus etwa
100 Mitgliedern, deren Lager male
risch am Rande der Macquarie
Reed-Beds" liegt. Die .Miamias"
oder Hütten bestehen in der Haupt
sache aus wenigen. Platten Rinöe, die
auf Pfählen ruhen. Der Wohnort
des Königs ist anspruchsvoller und
mit einigen alten Säcken geschmückt.
Der Platz für den Corroboree" ne
ben der Niederlassung ist ein durch
einen Graben bezeichneter Kreis von
etwa vierzig Metern Durchmesser, dcr
gründlich geebnet und gefegt ist. Di
weißen Zuschauer wurden an den
Rand des Kreises gesetzt, und ein
Dolmetscher erklärte ihnen die ver
schiedenen Bewegungen. Der erste
.Corroboree" stellte jcin .Austreiben
der Schafe" dar. Eine Anzahl Krie
ger in voller Kriegsmalerei traten in
den Ring, gruppierten sich und fielen
auf ein Zeichen des Königs auf alle
Viere. Neben diese Schafe" stellten
sich zwei Männer mit Bumerangs,
deren Spitze auf den Boden gerichtet
war. Sie beaufsichtigten die Tore.
Ein anderer stolz aussehender Wilder
stand zum Zählen dabei; nun wurden
Versuche gemacht, die Schafe" durch
zutreiben. Diese leisteten jedoch. Wi
derstand, und die Erregung wuide
sehr groß, indem sie stießen und zu
rückgingen und blökten, bis in der
Verzweiflung ein Mann beauftragt
wurde, ein Schaf zu fassen und als
Qeiihammel r,urcki.ibrinaen. Kr er
griff ein Schaf" beim Kopfe, und
trotz feines heftigen Widerstandes
und seiner Versuche zu stoßen, zog er
es gewaltsam durch das Tor. Jetzt
folgte die ganze Menge dem Leit
Hammel, und die Zähler und Treiber
taten inzwischen sorgfältig und syste
matisch ihre Arbeit. Da die Rech
nung aber ergab, daß einige Schafe
fehlten, wurden sie wieder durch die
Tore gezählt und die Darstellung
wurde mit Veränderungen wiederholt,
bis die Rechnung für genau erklärt
wurde. Die Frauen hörten dann mit
ihrem Gesang auf, die Männer nah
men wieder eine aufrechte Haltung
ein, die Szene war vorbei. Das selt
same Licht der Feuer, der rhythmische
Tonfall des begleitenden Liedes und
der große Ernst der bemalten Wilden
mit ihrer wunderbaren Aufmerksam
seit auf jedes Detail machte den
.Corroboree" sehr interessant. Eine
andere Szene, Das treulose Weib",
schilderte, wie eine Frau von einem
Tapferen aus einem andern Stamm
fortgelockt wird. Die Reise durch
den Wald, das Aufspüren der Flücht
linge durch den betrogenen Gatten, die
schließlich Entdeckung, der darauf
folgende heftige Kampf, bei dem alle
Stammesmitglieder die Schuldigen
zu Tode schlagen, machten diesen
.Corroboree" zu einem schauererre
genden Schauspiel. Auch die andern
noch aufgeführten Szenen, .Ein kran
ker Krieger", .Eine Schlacht" die
getreu die Zmischenfälle bei einem
Kampfe schilderte, der vor vielen
Jahren zwischen zwei feindlichen
Stämmen stattgefunden hatte ,
.Das betrunkene Weib", Schaf
schür" usw. waren ebenso sorgfältig
einstudiert. Nach Schluß jeder Szene
aber stürmten die versammelten Krie
ger in die Mitte des Ringes und
sagten mit lauter Stimme und in
schneller Folge die Namen einer An
zahl Orte in dem Bezirk her, wobei
sie schnell herumgingen und jeden
Namen mit einer Erhebung ihrer
Waffen und Fußsiampsen begleiteten;
das Ganze endete mit dem einstimmt
gen Chor: .He! He! He! Waugh!"
So wurden im Laufe des Abends ei
nige hundert Namen hergesagt. waS
einen Teil der Erziehung der jungen
Leute bedeutet, die ihrem Gedächtnis
die Namen der Orte einprägen soll
ten. die sie bei ihren Wanderungen
besuchen konnten.
Der Herr Professor.
.Langweilt sich Ihr Mann denn nicht
im Ruhestande?"
O nein, der hat Vesft!!'.una
genug; den ganzen Tag sucht er
&rule,"