Tägliche Omaha Tribüne. (Omaha, Nebr.) 1912-1926, May 23, 1917, Image 2

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    Die H'syche des Italiener
"(4UiS.)
Ter UederkiiirpS. ...
' WWschaftlich ist der Italiener ein
Knirpö, politisch ein Uebcrknirxs. Ihm
gert kS wie den Kindern, beten 5lug.eN
großer sind als der Mgen. Er hat lein
Augenmaß, und woher sollte ei'Z auch ;
haben? Ein römischer Professor ent
wickelte uns einmal die landläufige Idee,
Italien das Treniino unter still
''sZzivcigcnder Duldung Oesterreich! und
Deutschlands besetzen könnte, und als er
aufmerksam gemacht wurde, daß dieS
nicbt so ohne weiteres gehe, daß die Jta
liemr erst in Wien und, da Deutschland
doch für Oesterreich einstehe, auch In
Ber!i siegreich tinzuhcn müßten, setzte
ihn daS nicht in Verlegenheit: er be
merkte nur: ,Da brauche wir eben
einen zweiten Garibaldi."
.Saribsldl" ist das Stichwort, auf
das die Phantasie als Närrin im Ober
stübchen der Italiener ausbricht. Sie
spielt nickt ohne Grund die Hauptrolle
in der Nationalpolitik des Landes. Die
Geschichte dom Zuge jener Tausend, die
unter Gandaldis Leitung Ims neapoli
ianische Königtum gestürzt haben, Be
flügelt fort und sort die Einbildung? der
ganz Hergang der nationalen Einigung
Ks Landes hat etwas um so Märchen
haftereS. als das Volk ihn etlichen kü
nen Abenteurern verdankt und selber keine
Hand dazu gerührt hat. Tafz die Auf
gäbe, ein halbes Dutzend morsche Thron
eben umzustürzen, und Platz für das
HauZ Saüorjra zu schaffen, blendend ge
löst worden ist. macht die Italiener
blind für jede Schwierigkeit, die der Be
fticdigunz ihrer Gelüste entgegensteht:
daß sie in jedem Kriege geschlagen wor
c:n sind, beirrt sie nicht, weil sie bei je
dem doch noch was gewonnen haben.
JedeS hohe Ziel der Ratio erfordert
den Einsatz einer Vollkraft, deren sich
daS italienische Volk noch niemals fähig
erwiesen, zu deren Aufgebot es sich auch
niemals willig gezeigt hat. Doch nichts
tea alledem. was sich bedenken ließe,
tarnt dm Aufschwung einer Phantasie,
die sich an den Erinnerungen des t'ömi
sehen Weltreiches und der Renaissance,
wie sn denen der nationalen Wieder
geburt berauscht. Der kleine Gerngroß
sieht im Traume schon das Italien der
Neuzeit großer als AltRom und setzt
dem Rom der Päpste, dem Vatikan ge
aenüber sein funkelnagelneues Denkmal,
köher alS das Kapital, das hinter der
1 Varmorburg deS Rationalftolzes der
schwindet, ein Bauwerk, das. mit klas
sisch gediegener Technik, gefügt, als mc
numentaler Ausdruck des Ueberknirpscn
tumS die nationale Einigkeit noch über
dauern kann. r ' -
Sand in die Augen! Auch die Deut
scheu haben etwas davon bgekriegt und
den politischen Gesichtskreis der verflos
fönen Bundcsbrüder überschätzt. Als der
Weltkrieg ausbrach, wähnten wir auf sie
Eindruck zu machen, indem wir ihnen
Wege zu den weitgestecktcn Zielen wiesen,
die wir ihnen zutrauten. Wir hielten
ihnen vor. daß sie als künftige Welt
macht zunächst die Vormacht im Mittel
meere brauchten, die sich nur im Bund
mit Oesterreich und Deutschland gegen
England und Frankreich erringen ließe,
such gegen Rußland durchgesetzt werden
tniifctc inte Cslöour scbon sagte: fielen
die Dardanellen in russische Hände, so
wäre Italiens Zukunft im Mittelmeer
abgeschnitten. Das predigten die Deut,
sch'en und meinte es gut. Der Italic,
n.-r hat darauf gelächelt und verschmitzt
' mit den Augen gezwinkert; er glaubte
tm wollten ifin dumm machen. All das,
was wir ihm zeigten, meinte er gar nicht
ötig zu baden. Erfordert denn das
Jzonagefchäft. von dem neun Zehntel
dS Volkes leben, die handelspolitische
Vormacht im Mittelmeer? Genügt dem
Großindustriellen Obcritaliens nicht die
Adria und ein leidliches Einvernehmen
mit Franzosen und Engländern im Tyr.
. TmM Meer? Was eben ihn die
?-nr,nnlle an? Das Italien, für das
ein Cavour vorausschauend gesorgt und
ein Crispi den Trewunö ge,cizio!,en yai.
; mit wirklichen Handels und
weltpolitischen Bedürfnissen ist ja noch
gar nicht inä Leben getreten. Die Deut,
sehen haben mit ihm gerechnet, als ob eS
s,w lebte und sich aus zwingendem
Drang zur Selbständigkeit und Welt,
macht betätigea mußte. Da battea wir
ynVher .intnat Baumbachs Mutterwitz
vergessen, indem wir aus unserem Geist
kraus dachten, der doch anders ist als
iv vt a ener. Jeder nach einer Air
, Trösten wir uns; wir sind nicht die
ez''n. die sich verrechnet haben. Für
die Italiener schlug die Stunde der Ent
tanZchunF. olS sie merkten, was ihnen
, rttttf rnanaelte. Kanonen. Ge
wehre und MuniZion hatten sich in den
t.-hn Monaten der Rüstunc, beschaffen
lassen. Im Sanitätsdienst gebrach ei
s han an mancherlei, auch an Personal,
well zwei Drittel der eingezogenen Aerzte
tI3 Spezialiste für Hautkrankheiten
und Fiauenpflege nur unzulänglich zu
f.irfrhtn waren. Was aber gänzlich
f iü ii Vi! Qrsanisation. die aus dem
r-nTcrlichen Leben erwachse müßte, um
f 5 n.:;t:r,!ch zu bewahren. Aus e?nem
in;ri(,nmfhtn. ico ieder feinen Klein
Irin'fr sich besorgt, entwickelt siesich
r " j ih war in Findmsznten
r'r.mr.1 das WcdursNis doryandkn
' -n''i bei Franzosen gibt s Ver
KhTn, so oft ihnen ein Ungemach über
r n s-M kommt; aber dSbuillards",
f f, -d, f-nceft sie sich rasch zurrcht.
l'i.'r L.bei seit Jahrhunderten einen
, - r r-n ''rftttili bat. , D Italien
- v.rliercn den Kopf und tommtN
t wuts-r Zur Lcsinnun. Ihnen fehlt
' s trcfalj it.. ihre Kraft! in urnfcf
1'-trmömunn .einzufügen.
i T i -Wn säen im Frieden kein
r , t Xi'nii, so bringt der Krieg
i!,-rr.fri".ea. css eimni
r.
d?n retten Wirrwvrr,
t Aufmarsch an. so cessr.n
eine t:U IKiUian
Sine, bcsch'aulichs Studie von GitsRose.
baten zählte, an der österreichischen
Grenze den Krieg als Zwergbetrieb und
lernte erst, im Laufe des FeldzugeS seine
Kraft in größerem Maßstabe gebrau
cken, als der Augenblick, den Feind zu
überrumpeln, schon verpaßt war.
Der Unfallrrntner.
Nächst dem Kriege ist die soziale Für
sorge das weiteste Gebiet, auf dem sich
organisatorische Lorbeeren pflücken las
sen. Die Deutschen vflücken sie für sich
und für andere Nationen mit. Auf
Weltausstellungen, wo wir die Statistik
unserer Sozialpolitik vorlegten und die
an die Versicherten bezahlten Summen
in vergoldeten Gipspyramiden dersinn
bildlichten, fanden wir viel Lob und er
munternden Zuspruch, so fortzufahren.
was eigentlich nicht der Zweck un
serer Werbetätigkeit war, denn wir
wünschten die anderen zur Nachahmung
anzuregen, fanden be! ihnen aber wenig
Neigung, in den edlen Wettstreit mit uns
einzutreten. Es war einer der dielen
Fälle, wo dasjenige, was unsere Auto
ritaten der Wissenschaft als das Wahre
verkündigten, den Völker draußen nicht
genügend einleuchtete, wenigstens nicht
soweit, baß sie c? praktisch zu erproben
wünschten. In der Theorie fanden sie
unsere Sache sehr interessant. Schon in
samt Louis vermochten wir eine statt
liche Sammlung von Gutachten vorzu
legen, die unS von ausländischen Ge
lehrten und Fachmännern ausgestellt
worden waren, darunter ein besonders
lobendes von dem italienischen Gelehrten
Profumo, dessen Name auf Deutsch
Weihrauch bedeutet und der uns reichlich
solchen spendete. Doch seine Landsleute
hat auch er nicht zur Nachfolge hinge
rissen. Die Italiener überlassen die
Fürsorge ihrer Arbeiter neidlos den an
deren und besonders den Deutschen.
Der Ucberschuß italienischer Arbeit?
kräfte ist so groß, daß Millionen aus
wandern, um in betriebsameren Landern
den Verdienst zu suchen, den sie zu Hause
nicht finden. Sie schicken ihre Spar
gelder meistens heim und kehren in der
Regel selbst zurück, um ihr bißchen Habe
zu meßen. so da das Kapital des
Auslandes den italienischen Boden im
mer wieder befruchtet.' Auch die Tau
sende von Italienern, die sich in Deutsch
land der heimischen Militärpflicht ent
ziehen und scheinbar auf ihr Vaterland
verzichten, werden daheim wieder Auf
nähme finden, wenn. das Kriegsgewitter
vorüber ist; ich entsinne mich wenigstens
keines Falle!, in welchem italienische
Staatsbürger, wenn sie daS Gesetz in
Massen brachen, schließlich doch Nicht
siraslos ausgingen. Das ist ein Gewöhn
beitsrecht, auf das sich bauen läßt. , Die,
Vorteile aber, die Deutschland dem aus
saudischen Arbeiter bietet, sind so be
trächtlich, daß der Kluge sie selbst um
die Gefahr einer zeitweiligen Verban
nung nicht aufgibt. Da gibt es mehr
alS Lohn, da gibt'S auch eine Rente für
den Arbeiter, den ein Unfall trifft. Die
deutschen Verufsgenosscnschaften zahlen
rahruch rund Lj Millionen Mark an ita
liemsche Staatsangehörige, die bei der
Ausübung ihres Gewerbes in Deutsch
land Schaden nlitien haben oder erlitten
zu haben glauben. Besteht in letzterer
Hinsicht ein Zweifel, so entscheidet in
höchster Instanz daS deutsche Reichs!.
sicherunasamt. wo der eigens der Italic
nischen Botschaft beiaeacbene Sachwalter
Labnola immer schneidig aus das
Reichsgesetz gepocht hat, um für seine
Landslcute die weitestaeyenden Äoneile
herauszuschlagen, während Italien sich
zu keiner Gegenleistung irgendwelcher
Art versteht.
So hat sich im Lande, wo die Zitro
nen blühen, ein besonderer Stand von
Rentnern gebildet, die ihre Pfründe auS
Deutschland beziehen und. e nach N:i
auna. ein Leben edler Muße führen oder
weiteren Geschäften nachgehen. Verzicht
leisten sie nicht ungezwungen aus die
Rente, auch denn der Grund derselbe
die Folge de Unfalls wegfällt;
denn sie haben m diesem Punkte tyr
eigene Rechtsgefühl, da! ihnen sagt:
.Teutsches Geld ist immer gut zu neb
men, und was mein Vorteil ist, das ist
mein Recht. Die deutschen Berutsgeno,
senschaften lassen zwar, wie in Deutsche
land so auch in Italien, von Zeit zu
Zeit nachprüfen, ob sich der Zustand der
Rentenempfänger ändert, doch selten
stellt ein italienischer Arzt eine Besserung
fest, und noch seltener findet der Orts
voriteber. der das Gulamien zu vegiau
bigen hat. am ärztlichen Befunde etwaZ
auszusetzen.
Als ich in Rom war. wurde mir fal,
gender hübsche Fall erzählt: In einem
Umbrüchen Landstadtchen hat ein llntau.
rentner. der sich in der glücklichen Lage
befindet, als Signore ,u leben, den
Ebrenvosten eines Sindaco erlangt und
bescheinigt nun eigenhändig das Attest,
daS ihm das Recht aus den Bezug ver
Rente gibt, wohlbemerkt einer Vollrente,
die er infolge einer traumatischen Neu
role be ebt. Man beachte du rani
heit. die äußerst interessant ist. Sie wird
nach Unsällea beobachtet, beruht ober
nicht auf groben materiellen Verlctzun
gen. sondern auf feineren, anatomisch
nicht nachweisbaren Veränderungen deö
NervenidstemS. Der Kranke wird schlapp
und mißmutig, schläft schlecht, träumt
ängstlich, leidet an Appetitlosigkeit.
Kopfschmerzen. Schwindel, Ohrensaulen
und Flimmern vor den Augen. Der
Wtxk hfT ilm untersucht. INUN t!N fcpe
zislfach der i der deutschen Arbeit
fürsoig vorkommenden Leiden sattelfest
sein, um auS den Aussagen des Pa
tienien, auf die er angewiesen ist, einen
vbiektiven Kern herauszuschälen. DaS
läkt sich von imm italienischen Doktor
kaum erwarten. Diese rätsell,af!e Krank
heit ist sogar manchen deutschen Aerzten
fremd, so'daß UnstimmiakeitkN in ihrer
Bemteilunz sich auch in Deutschland
nickt immer derMeideg lassen. Ich sprach
darüber noch am 3. Aiilzust 1914 mit
dem höchst, erfahremn Dmktor in du
V
großen Berufsgenossenschaftcn, Regie
rungsrat Dr. Stoeckcr. während er ge
rode feinen Koffer packte, um als Haupt
mann inS Feld zu ziehen. In seiner
menschenfreundlichen Gesinnung seufzte
er: .Was wird nun auS unseren Paticn
ten mit traumatischer Neurose? Nach
dem Gutachten der Aerzte unserer sozia
lcn Einrichtungen sind sie arbcitsun
fähig; was wird aber der Militärarzt
dazu sagen? Der kennt daS Bild dieser
Krankheit nicht, hat's noch nicht gehabt."
Seitdem habe ich gehört, daß nicht
wenige von denen, die der sozialen Für
sorge als zu jeder Leistung ungeeignet
erscheinen, als tauglich zum Militär ein
gezogen worden, ausmarschiert und
jetzt geheilt sind. Im Felde haben ie
Appetit und Schlaf wiedergefunden,
Ohrensausen, Augenflimmern, Schwin
del und Mattigkeit überwunden. Gar zu
gern wußte ich nun. was aus dem Sin
daco des umbrischen Städtchen! gewor
den ist, ob auch er im Dienste de! Va
terlandeS gesundet.
Den Italienern ist in den letzten Iah
ren doch auch ein Licht aufgesteckt wor
den über das, waS deutsche Wissenschaft,
was deutsche Ordnungsliebe hcijcht.
Derselbe Berufsgenossenschaftsdirektor
Dr. Stoeckcr, der mich auf die trauma.
tische Neurose hinwies, hat m,t einem
ärztlichen Fachmann Italien bereift, um
Deutschland ! Rentner zu bejehen und
die zur Untersuchung zugezogenen em
geborenen Aerzte nach deutscher Methode
anzuleiten. Dieses Unternehmen, die
Wahrheit inS Ausland zu tragen, er
zielte ein fachliches Ergebnis insofern.
b!S selbst beim woblwollcndNea Versah
ren ein nicht unbeträchtlicher Teil der
Millioncnreiiten wegfiel, fand aber, wie
leider die meisten Versuche deutscher
Aufklärung, keine begeisterte Ausnahme.
Dem mutigen Vertreter deutscher Ge
wissenhafiiglcit wurde von Kennern deS
Volkes geraten, die Gegenden, die er be
reist hat. fortan zu meiden, falls er
nicht Bekanntschaft machen wollte mit
dem Messer, zu dessen Gebrauch der
Arbeitsunfähige immer noch fähig zu
bleiben pflegt. Jeder nach seiner Art.
TaS Viesser.
DaS italienische Gesetz verbietet bei
Gefängnisstrafe, Messer von mehr als
4 cm Klingenlänge zu tragen. Zwei
deutsche Archäologen sind kurz vor dem
Kriege bei Tiboli als Spione verhaftet
worden: sie wiesen sich als harmlos aus,
kamen aber nicht frei, weil die Polizei bei
ihnen deutsche Taschenmesser fand. Erst
nach 2 Taam wurden sie erlöst, weil die
deutsche Botschaft sich kräftig ins Mittel
schlug. 'Nicht jeder Teutsche kommt fo
leicylen jmuts oaoon, uno immer wie
der sind's doch deutsche Landslcute, die,
so oft die Polizei ihnen etwa! am Zeuge
flicken will, in der besagten Weise her
einfallen. Der Italiener tragt vas ge
setzwidrige Messer desgleichen, bleibt
ober ungeschoren und lauft erst nach der
Stecherei Gefahr, eingelocht zu werden.
Oder nein mir saut doch ein Ge
schichtchen ein. daS anders verlief. Gio,
litti. der als Ministerpräsident die
Wahlen machte und aus seinen Gunst;
lingen jene Kammermchrheit bildete, die
er schließlich. alS eS sich um Krieg oder
Frieden handelte, im Ktich getanen,
oder die ihn im Stiche gelassen hat (was
das betrntt. ist die Geschichte noch dun,
kel) kurzum. Giolitti legte besonderes
Gewicht aus die Wahl eines Ztanoioa
ten, der auf starken Widerstand stieß.
Da mußten schon besondere Mittel ange
wendet werden. Auf Befehl de! Mi,
nisterpräsldentkn ließ der Präsident die
Gegner de! ministeriellen ttanrnvaken
verhaften und einer Leidesv, itation un
terwerfen. Fast alle hatten 'cener von
mehr als 4 cm Klingenlange, wurven
inS Loch gesteckt und blieben da sitzen,
während die wohlgesinnten Wähler zur
Urne schritten.
Man sieht, wie die Italiener aua un
ter sich der Anschauung huldigen: wa!
mein Vorteil ist. das ist mein Recht.
Da Landesgesetz begünstigt durch seine
Naffuna diese Vraris. die in romani.
scheu Ländern allgemein beliebt ist. Fein
und treffend spricht das 'Diaiire lauerm,
der Tdiws deS korrekten Notars, in
Emil Auaiers Lustspiel auS: .Ich be,
Mge meine Achtung vor dem Gesetz,
indem ich eS umgehe, sx zweimal,
hunderttausend Drückebergern (embu'
m.&l. ataen deren Praxis die franzo,
sisck Kammer im Frühling 1915 noch
ein Spezialgesetz erlassen mußte, um sie
,um Felddien t zu zwingen, tehcn imn
bestens ebenso viele Italien gegenüber.
die auch nicht gern ans wiener wouen.
Der nnere Dran Zur Pflicht futi iva,
terland ist in Italien schwach, der
Zwang muß nachhelfen, sei e! auch nur
durch die Drohung der Schande. Ein be
likbtcö Bersaglierüledchea sangt an:
Tifirt Lleiche Ldel
Mch rast di rmt
lin blieb' 44 a Hau,
gütj'j wie Fetzheit ,'
Zikhp-der Deutschi ins Feld, so singt
er von Heldentum und Opferfreude. der
Italiener hingegen geht, um sich Mut
im machen, von der Verneinung aus.
Er sagt auch nicbt wie wir: .Man stirbt
nur einmal, sonder vevorzugk oas
... . . ' ..1.1
oiiwmori: -man kw hui uumut ,
d,nn b,i Leben lniabt er entschieden
Au! dem Widerstand der Reservisten,
die mit Gewalt auS den Häusern geholt
werden mußten. auS de, Prügeln, die
die Caradinieri dabei abbekamen, den
zu HMe gezogene Truppen, die nicht
einschreiten wollten, und den Schieße
reien. die schließlich doch entstanden, er
siebt man. wie ungern der Italiener, so
klink auch das Messer zum Privat
,irmi aipftt für Vaterland die
TOnff trZnt. Seine Vsdche steckt" nun
seit Monaten schon in der Klemme zwi.
schen nationalen Aspirationen', die
er theoretisch liebt, und Pflichten, die er
lieb rnttdu, .
Sinn und Aedeninnq
. n im.
Der plötzliche und selbst von den heiß
gesottensten russischen Revolutionären
nicht erwartete Sturz der Romanoffs
ist wohl daS schicksalsschwerste Ereignis
in dieser an großen Ereignissen fo rei
cken 5kit. Mit dem Sturz der Roma.
noffS ist nicht nur eine der mächtigsten.
Herrscherdynastien der letzten drei zavr
Hunderte, sondern auch ein poiitiimes
System verschwunden, das fast ohne
Gleichen in der neuern Geschichte da.
stand. Das Regime der Romanoff
war identisch mit .spotismus schlimm
ster Sorte, religiösem Fanatismus,
Rassenhaß und Massenmord, Pogrom
Herrschaft. Jnauisition in Form von
.Ochrania" (russische Geheimpolizei) uno
mit allem WaS im politischen Leben faul,
verwerflich und derabscheuungswürdig
ist. Die Romanosss. und insbesondere
NicolauS der Letzte, wie der abgefetzte
Russenzar jetzt in Rußlanv genannt
wird, waren von den Gegnern ihres e
gimeS mehr verachtet als gehaßt. Weil
sie zwei Eigenschaften besaßen, die alle
orientalisch Despoten auszeichnen; Feig.
heit und Graulamkeit. auxi,ach,,ch
dieser zwei Eigenschaften wegen war eS
NicolauS dem Letzten nicht vergönnt, das
Märtvrerschicksal Earl luaris uno
Ludwig Capet zu teilen. AIS ihre
Stunde schlug, sahen sie sich weniger
von einer Welt von Feinden, als von
einer so verachtenden Welt umgeben.
Selbst die konservativen Russen vom
Schlage GutchkoffS und NodziankoS. die
überzeugte Monarchisten sind, haben den
RomanoffS keine Träne nachgeiveint.
sondern im Gegenteil, haben sich an ivrcr
Beseitigung beteiligt. Die ,RomanoffS
sind gefallen wie ein stark angefaulter
Apfel vom Baume fallt. Was immer
auch die Zukunft Rußlands sein mag.
die RomanossS werden nichi meor zur
Macbt kommen, denn wenn sie nicht
Kraft genug besaßen, die Macht zu hal.
ten, haben sie gewiß te'ne rasi, du
Macht zurückzuerobern.
Wicle Leute glauben, daß Rußland
eine Monarchie bleiben müsse, weil das
russische Volk unwissend und primitiv
ist. Gewik ist die Masse des russischen
Volkes unwissend, aber gerade diese Un
wissendeit. die die Romanofts bewum
sinnig und zweckmäßig gezüchtet, erleich
tert die Arbeit der jetzigen Machthaber
im russischen Reich. Wenn das Bon
kickult und monarchitti ch rrainieri
wäre, wie etwa in Teutschland oder in
anderen monarchistischen Ländern, würde
sich die zetzige rujNlche inegicrung cinrr
monarchistisch gesinnten 'cane gegen,
überstehen, und diese monarchiniich ge.
lmnte Masse würde die neu zu sckf
sende ruffische Rcgierungsform mitbe,
stimmen. Die RomanottS daven es vor,
gezogen, daS Volk in Unwissenheit zu
halten, den monarchistischen Gedanken
nicht systematisch zu vertiefen und ver
breiten, und das Resultat dieser kurz.
sichtigen wie verbrecherischen Politik ist.
da in Runland beute teilte nionarcyi
stisch gesinnte Masse da ist, sondern eine
unwissende, halb verhungerte Bauern,
masse. die nur ein Interesse hat: Mehr
Land und wieder mehr Land. Wer dem
russischen Bauern Land gibt, dem wird
er folgen. Die provisorische Regierung
lann ihre Stellung nicht besser befesti
gen, als wenn sie die akute Agrarfrage
zugunsten und im -inne oer auern
löst. Wenn die Romanosss nur einen
Schimmer von politischer Jniemgenz
besäßen, würden sie die Agrarfrage ,m
Sinne der Bauern gelöst haben. Die
Lösung der Agrarfrage hatte die Roma
noffS unter den Bauern populär ge
macht. Indem sie aber diese für die
russischen Bauern so vitale Frage nicht
gelost, haben sie ven triii,cyn inn
Bauern geweckt und alle schmutzigen Ge
schichten vom russischen Hofleben und
sveiell die Geschichten und Legenden
von RaSpuiin und der Zarin zur Ver
breitung geholfen. ES kam so weit, daß
in den lebten wahren die Bauern in
allen Teilen de, Reiche? sich über die
Frage von RasputinS Beziehungen zur
Zarin unterhielten. Sie hatten keinen
Grund. NicolauS dem Letzten freundlich
gesinnt zu fem. und wenn jre. die unzu
friedenen. noch Geschichten auS dem Hos
leben hörten, die man in kein anstan,
digkn Gesellschaft erzählen darf, konnte
ibre Verachtung deS jaren räum eine
Steigerung erfahren. Ter Zar war
ihnen in den letzte Jahren seiner Re
aicruna eine aleichaültige Figur; sie haß
ten ihn nicht, sie liebten ihn nicht, aber
viele verachteten ihn. Und alS die Kunde
von seiner Absetzung daS russische Dorf
erreichte, atmeten die Bauern etwaS
leichter auf, eine Thräne hat ihm keiner
nachgeweint. Ohne Monarchisten kann
sich eine Monarchie weder aufrichten
och erhalten und eine mit Verachtung
gemischte Gleichgültigkeit für die Per
son de! Monarchen seitens der großen
Masse, muß früher oder spater zu Ruin
deS Herrscher! führen. Daher sind die
Romanoffs so bliszschnell verschwunden.
alS bätte sie die Erde verschlungen
Selbst Abdul Hamid hat tiefere Spuren
hinterlassen al! NicolauS der Letzte.
Roch biS auf den heutige Tag gibt eS
in der Türkei und in Egtiptcn eine Ha
rnidfcke Vartei. die sich lUTurken nen
nen. aber in Rußland gibt eS heute keine
Romanoff-Partei. Die kleine Gruppe
Hosparastten oder Führer der schwarzen
Hundertschaften, mit welche Nicolau,
htr t'ffct fa na verbrüdert war. wie
die Maklakoffs. Tschealowst?!. Mat
atcl. Tkeoows. Sllchomlinofsk, 09
remykinS und wie sie sonst heißen mö,
aen. sind sleich dem Ek'Zaren aller Reu.
ßcn selbst hinter Sckloß und Riegel ge.
bracht Md so unschädlich gemacht, imm
der rnjjischen Sevoümon.
Von Dr, S. Maxim.
I. Die mittelbaren und unmittelbaren Ursachen.
den. Die Gesellschaft von Hofparasiten
und Führern von schwarzen Hundert
schaften bildete die sogenannte aggressive
Romanoffsche Partei in Rußland. Mit
der Unschädlichmachung dieser .Partei"
ist der russische LegitimismuS aus der
Welt geschafft. Ist es nicht ein ent
sctzliches Schicksal, daß eine yna,ne,
die dreihundert Jahrelang geherrscht
und al! die mächtigste der Welt gegol
ten, plötzlich verschwindet, gleichsam als
hätte sie die drei Jahrhunderte nicht gc
lebt und geherrscht, fondern nur ezisticrt.
Die Romanoff.Tynastie ist nicht gcwalt
sam vertrieben oder durch eine tragi
sche Wendung der Dinge um ihre Herr
schaft gekommen, wie dies etwa vci oen
Stuarts der Fall war, sondern sie ist
von einem Meer von Zorn und Ver
achtung weggespült, weggcspien worden.
Da! ist das Auffallende und Cha
rakteristische an der russischen .Revolu
tion".
Die Beziehungen zwischen Volk nd
Herrscher, so kühl sie auch gewesen sein
mochten, können aber nur als die mittel
bare, nicht aber alS die unmittelbare Ur
sache deS Sturze Nikolaus II. angesehen
werden. Das Volt war zu groß und
lethargisch, um eine Revolution zu ma
chcn. Nach geschichtlicher Logik ist eine
Revolution in einem solch großen Nie
scnstaate wie Rußland unmöglich, denn
die Größe des Staates schwächt nicht
nur die revolutionäre Intensität, sondern
sie läßt auch in der Regel keine richtige
Organisierung der revolutionären Kräfte
zu. Die riesigen Distanzen machen eine
wirkliche Revolution, d. h. eine organi
sierte Erhebung eines großen Teiles Vol
IeS gegen die veiteyenoe Klaaisoronung
unmöglich. Viele russisch Revolulio
nan sind letztens an der Revolution ver
zweifelt, weil sie nicht einsehen tonnten,
Wie in dem großen Reich die revolutiona
ren Mächte zu einer schlagfertigen Orga
nisation gelangen könnten. Wie ist also
die Revolution doch zustande gekommen,
und wie war ihr relativ friedlicher Ver
lauf möglich? Auf diese Frage gibt'S
nur eine kurze Antwort: Rußland war
bi! jetzt gar lein Staat in unserem
Sinne, sondern ine Satrapie. die von
einer M potmynail!e zuiammcngr
Kalten wurde. Was in Rußland geschah,
war nur eine Beseitigung des Satrapen..
oder ein Sturz des Satrapen, ven er
selbst verschuldet hat. Eine Revolution
wenn auch nur regional motiviert,
gab s m China, wo der uven sich gegen
den herrschenden Norden gestellt und wo
es zu einem Kampfe zwischen den impe
rialistischen Truppen de! Norden! und
den revolutionären Armeen des Südens
kam. Eine Revolution, wenn auch nur
eine militärische, gab es in der Türkei,
wo iunatürkische Regimenter auS Maze
donien gegen alttürkisch-olbanische Regi
menter in Konstantinopel kämpften. Eine
Volls'Revolution gab's einmal in Frank
reich, ater m Rußland war nichts von
einer Revolution, keine Volks-Revolution
wie ,n Frankreich, keine militari che wu
in der Türkei und keine regionale wie in I
China, fondern eine relativ friedliche !
Entfernung des Despoten und seiner Dh
nastie. Eine Kommission von sünf
Duma-Mitgliedcrn fuhr Herrn Nikolaus
Romanoff entgegen, traf ihn in Gesell
schaft seiner wetreuen uno zeilie ym ran
blutig mit, daß er mit dem heutigen Tage
nicht mevr der Mr auer ineunen i,i.
worauf Nikolaus antwortete, daß, da er
nickt mebr ?,ar aller Neußen fein könne.
er am liebsten Blumenzüchter in Livadia
werden möchte. Von Kampf, revolutw
nären Szenen und dergleichen Dingen
war gar nickt die Rede. Wenn der Kai
ser eines russischen Reiches auf die Mit
teilung hin, daß er nicht mchr Zar fei,
antwortet, daß er Blumenzüchter werden
will, ist er entweder schwachsinnig oder er
war niemals ein Herrscher. Bei Niko
lauS Romanoff trifft beides zu. Er hat
niemals wie ein Herrscher gehandelt, son
dern wie ein willenloses Individuum,
daS sich blindlings von Parasiten führen
läßt und er hat nicht nur Willens
schwäche, sondern auch Geistesschwäche in
beträchtlichem Maße an den Tag gelegt.
Er war zu gleicher Zeit ein Werkzeug
de! Panslavismus, der ihn in den Kriez
gestürzt, und der Befürworter eines Se
paratfrieden mit Deutschland. Der
jetzige Minister deS Aeußern. Paul Mil
jukoff, ist in der russischen Duma doku
mentarisch vachqewicsen, daß zu einer
Zeit, alS die russischen Heere auf allen
Fronten bluteten, Nikolaus II. mit hoch
stehenden Persönlichkeiten in Deutschland
in freundschaftlicher Korrespondenz
stand. Der gleicht Nikolaus hat seinen
Soldaten , aanze Eisenbahnzüge von
Mutiergottesdilder geschickt, um sie re
ligiös nd kriegerisch zu inspirieren nd
hat aber auch mit Wissen mancher Ge
neräle gegen die Interesse seimr im
Felde stehenden Armee gearbeitet. Da!
war den Generalen Brussilow. Rußki.
Gurko und Alexiesf bekannt, und als die
Stunde deS Zaren schlug und die oben
genannten Generäle von der Entthro
nung deS Zaren, dem sie Tnue geschwo
ren, benachrichtigt wurden, taten sie
nichts, ukn ihn zu retten, denn selbst in
Rußland gibt e! noch Feldherren, die
patriotis,chen SinneS sind. Wenn die
russischen Generäle nicht überzeugt wa
ren. daß Rikolau! IL zu ollen Schand
taten gegen sei Heer und Volk bereit
war. hätten, sie ihn Nicht ohik weitere!
kallen lassen. Man kann über die stra
tegifchen Fähigkeiten mancher russischer
Generale zweierlei Memunc, lein, man
kann dock, aber nicht in Rübe beboupten.
fei& e alle Schurken. Eidbrechek vnd
innMt Geselle sind. Die russische Ge
ncrslität kt gewußt, daß NitolSu! 11.
l gegen du JÄtll der Lrmk kftfet,
A ä f
daS heißt, statt offen zu sagen, daß er
den Krieg nicht mehr fortsetzen will, und
er auf der einen Seite so tut, al! wär
er ein Freund der Alliierten, während er
auf der anderen Seite sein Armee ver
raten und verkauft, weil er im Herzen
Frankreich und England haßt.
Wenn nun ein Despot, der die Armee
nicht hinter sich, auch da! Voll noch geacn
sich hat. dann braucht ihm nur eine
Kommission von fünf DumaMi!glie
dein das Zarentum aufzukündigen, und
er ist bereit Blumenzüchter in Livadia
zu werden.
Der Fall der RomanoffS hat noch
auch seine rassen-biologischcn Motive.
Herrschaft, Und speziell Zarentum. setzt
Macht und Wille vorau!. Der Begriff
de! Herrschen involviert den Begriff de
Willens. Die Romanoff.Dynastie, durch
Inzucht und Ausschweifungen mehr denn
jede andere Dynastie geschwächt, mußte
zuletzt defekte und in jeder Beziehung
schwach Individuen hervorbringen. Das
schwache Individuum ist zu allem an
deren denn zum Herrschen geboren. Frei
lich, in normalen Zeiten mag auch der
Schwächling auf dem Thron die Macht
behalten, aber in Zeiten einer nationalen
Krisis, in der die Augen des ganzen Bol
kcs auf den Herrscher gerichtet sind, und.
in einer Zeit, in der die revolutionäre
Intensität infolge dcö Dislozierungs
Prozesses Im Staate zunimmt, kann der
Schwächling nicht auf dem Throne blei
ben. Sobald das Volk die Schwäche des
Herrschers erkennt, verliert die Mcjcstät
jede Bedeutung und ihre ganze Herrlich
kcit von ehemals wird in daS Gegenteil
umgewandelt. Dann bedarf eS nur der
Initiative einer kleinen Gruppe, um den
Herrscher zu beseitigen. Noch nie ist ein
kraftvoller oder normaler Herrscher ab
gesetzt worden. Alle die Opfer der gro
ßen Revolutionen, von Karl Stuart bis
Nikolaus IX, wann Schwächlinge und
Degenerierte, die die Macht verloren, weil
sie sie nicht länger halten konnten und
sie durch ihre Schwäche die Revolution
direkt provoziert haben, aber niemand
der abgefetzten oder hingerichteten Herr
scher hat eine solche moralische und phy
fische Schwäche an den Tag gelegt, wie
Nikolaus, und deshalb ist er leichter ge
aangen' denn seine Kollegen auf dem
Thron von dazumal. Selbst Abdul Ha
mid und Manuel von Braganza sind
mit größeren Ehren abgezogen als Niko
' lauS II. Manuel gleich Abdul Hamid
hat eine kleine, aber rührige Braganza
Partei zurückgelassen, ober Nikolaus No
manoff ist fort. alS hätte feine Dynastie
niemals in Rußland geherrscht; sie ist
fort, nicht nur ohne Freunde und An
bänger zu hinterlassen, sondern ohne auch
Feinde zu hinterlassen. Die tiefe Ver
achtung eines an Zahl großen Volkes
begleitete feinen Abzug. Daher war die
russische Revolution so .friedlich" der
laufen. Selbst die Leibgarde bat im letz
ten Augenblick versagt. Unter solchen
Umständen darf eS nicht Wunder neh
men. das, die irche. die pezieu in mm
land die Hochburg deS Monarchismus
war und während oll der Jahrhunderte
treu zu den RomanoffS hielt, im Augen
blick der Gefahr Nikolaus II. wie auf
Verabredung hat fallen lassen. !idie No
manoffS sind einfach abgewischt. Mit
ihrem Verschwinden ist auch ein System
vernichtet worden, da! im modernen
Europa sich nur kraft einer machtvollen
und klugen Persönlichkeit hatte halten
können, der Despotismus in all feinen
mittelalterlichen Formen, und in Im
veiialismuS, der nicht nur eine schick
kcnde Ländergier an den Tag legte, son
dern auch auf die Entnationalisierung
und Bastardierung der im großen Ruf
senreiche ' lebenden 142 Völkerschaften
ausging. Noch mehr alS der Jmperia
lismuS nach außen hat der JmperialiS
muS nach innen zum Fall der Roma.
nosfS beigetragen. Vom Wahne besessen,
daß oll die Völkerschaften gewaltsam
russisi.tiert werden mußten, haben die
Romanosss eine vrovokatorische Russifi,
zierunaspolitik getrieben, die all' diefe
Völkerschaften, die an der Peripherie deS
Reiche leben und in vielen Fällen den
Russen in jeder Beziehung überlegen sind.
zu Feinden der Romanoss! machten. '.Ist,
kolauS II. war. obgleich politisch nicht ae,
rad auf der Höhe, doch so klug, zu wis.
sen. daß et im Falle eines Kriege auf die
Lovalität dieser Völkerschaften nicht rech
nen konnte. Speziell in diesemKrieg konnte
er auf ihre Treue nicht rechnen, weil die
ser Krieg ein Werk bei Panslavismu!
war, der ols die höchste Potenzierung
der inneren Russifizierungspolitik ange.
sehen werde mußte. Die Fremddölker
in Rußland wußten nur zu gut, daß
wenn dieser vom Panslavismu! ange.
zettelte Krieg für Rußland siegreich ab
schließt, sie feine ersten Opfer sein wer
den. weil ein siegreicher Panslavismu
di innere Russifizierungspolitik noch
verschärfen wird. Die Romanoff! mutz
ten demnach zuerst inen Krieg gegen
diese Fremdvölkcr einleiten, sie mürbe
machen, niederwerfen, bevor fit Zeit und
Gelegenheit zu Verrat haben. Da, wie
gesagt, diese Fremdvölker an de, Peri
pherie de! Reiche leben, wo die russi
schen Armee entwedek angreifen oder
angegriffen werde vnd die Gefahr de!
Verrate! ine beträchtliche war, ordneten
die Romanoff! die .vakuierung" gan
zek Vö!ker an. Diese .Evakuiekung",
da heit, die gewaltsame Vertreibung
ganzer Völker nach dem Innern de! Rei
che, die von. den größten GreueZaten
begleit waren, brachte mue revolutie
nare Elemente ,n tut Inner Rußland,
Die Vertriebenen flohen nach Moskau
Petersburg. Kiew. Charkofs usw. und
erweckten dort en 5!orn aeaen da! Ro.
manofl'Rkgimtkt. SelbK den ferniM
vativen Russen mußt da! Herz ob die
ser begangenen Greueltaten brechen. Es
wüten die Millionen Ausgeiriebenen.
Beraubten und Geplünderten, die den
russischen Massen in den Städte zum
ersten Mal ein Bild von dem gaben. waS
sich eigentlich dicht hinter der Front zu
trug. Die städtischen Massen, schon so
wie so ob der vielen Niederiagen und der
DiSorganisierung bei öffentlichen Lebens
durch die fabellxiftkn Diebstähle der kor
rupten Tfchinownik! erbittert, schrieen
entsetzt auf. alS sie den Jammer von
diesen unglücklichen Vertriebenen, au
meist Greise. Weiber und Kinder,
sahen. Die Verachtung für die Roma
noffS. die noch durch die letzten
y
Rasputin. Skandale gefördert wurde,
verbreitet sich rasch über das ganze In
nere Rußlands und es war diese ver
breitete Verachtung für daS angestammte
Herrscherhaus, die die Romanoffs so
schnell verschwinden licß. Die Fremd
Völker durch Provokation und an Per
versität grenzende Unterdrückung in die
Arme der Revolution getrieben, die Ar
mee und ihre Führer aufs Schwerste ent
tauscht und erbittert, die Kirche durch die
Rasputin-Skandale kompromittiert und
die aroße ländliche BevolkcrungSmos e
durch die Vernachlässigung und Jgnoric
rung ihrer Interessen abgestoßen, sowie
die stadtische Masse samt den Jntcllcl
turnen immer wieder provoziert, stand
eines Morgens Nikolaus II. sf, um
ein geeintes Rußland gegen sich zu haben.
Er hat durch seine schwachsinnige Und
verbrecherische Politik mchr zu Wege ge
bracht, als das größte organisatorische
Genie einer Revolution: Er hat alle
Klassen, alle Schichten und alle Völker
in Nußland gegen sich vereinigt. Die
Romanosss sind verschwunden und las.
en große ökonomische und politische
Ruinen zurück. Werden die Vertreter deS
neuen Rußlands diese Ruinen ausbauen
können? Was sind die Aussichten und
Möglichkeiten des neuen Rußland? Wer
sind seine Führer? WaS sind ihre Pro
grammc? Darüber in eincln zweiten Ar,
tikel.
Sin neues Ariegsbuch
Georg (Jueri's.
Von Georg Queri, dem deutschen
Kriegsberichtcrsiattcr, ist ein neues Buch
erschienen: Die hämmernde Front .
Wer Queri kennt, hat ihn gern, den Ur
wuchsigen, der nicht für nervenschwache
Aestheten schreibt, sondern sein Wo
delle mit realistischer Feder zeichnet. Es
ist notwendig, daß gerade für Eud,
deutschland ein solcher Wahrheitszeichner
erstanoen ist; denn es war höchste Zeit.
daß die Ideen von zartbesaiteten Jagd
gehilscn, sentimentalen Bauerniunalin
aen und sonstigen Personen unmöglicher
Seelenversassung, wie sie in Hochlands
romanen den deutschen Büchermarkt
überschwemmten, endlich mit dem Besen
gesunder Realistik hinausgcfegt wurden.
Tann liegt das unbestreitbar Verdienst
Thomas und Queris. Queris Starte
ist die humorvolle Zeichnung der Einzel
figur und sein Lachen geht in seinen
Jriedensbllchern mit bis zum Sterben. -Köstliche
komische Kriegsbucher Hot,
Queri schon verfaßt und man war nv.i4i -gierig,
wie er sich mit einem ernsten Stoss"
wie ihn das vorliegende Buch darbietet'
werde abfinden können. Es war zwei
fellos ein Ezperimcnt auf die persönli
chen Kulturqualitäten des Verfassers. ES
ist glänzend gelungen! Nicht die Tech
nik deS Schreibens, die bei Queri stets
bedeutend ist, hat uns hingerissen: wir
haben eine Fülle von Geist und eine
Tiefe von Charakter gefunden, di uns
in gleicher Weis entzückt und inmrlich ,
gefaßt hat. WaS sollen wir dcn Inhalt
zerpflücken? Von der Comme, von Ver
dun, von den Maashöhcn, kurz von all
den Kampfgebieten im Westen ist die
Rede, in denen deutsche Mnner den
Krieg in furchtbarster Gestalt erleben, in
denen sie mit dem Herzen eincS Menschen
leben und mit dem irdischer Bedingtheit
entrückten Herzen eines Helden sterben.
Ein Denkmal ist das Buch für Bayerns
Soldaten. Man ist erschüttert über die
Flut des Entsetzens, die über den Käm
pfern zusammenbricht, man lacht gleich
darauf über den unbesiegbaren Humor
und die soldatische Selbstverständlichkeit
lyerischer Bauern, man genießt überall
den weitesten Horizont für Menschlichkeit
der dem Verfasser eigen ist. Man foll
da! Buch lesen und wird wie in jedem
Kunstwerk entdecken, wie nahe der Him
mel Lachen und Weinen, Genießen und
Sichentsetzen zusammengegcben hat. "
Der ,9. Sonntag.
In da! Jahr 1917 fällt ein merkwür.
diger Jubiläumstag, der allerdings kci
ncswegs durch sein Datum auffällt,
sondern lediglich eine rechnerische Zufal
ligkeit ist. Ralph I. Veeder erinnert
darin, daß der 8. Juli 1S17 der 100.
00. Conniag der christlichen Zeitrech -nunz
sein wird oder richtiger der erste
Tag der 100.000. Woche n. Chr. Ganz
infach ist jedoch, wi Beever darlegt, der
Tag nicht festzustellen, da noch ein wis
senschaftlicher Zweifel darüber besteh!,
vb da! Jahr 4 n. Chr. in Schaltjahrs
war.
Gemeiniglich wird jede! Jahr unserer
Zeitrechnung seit Christi Geburt, das
durch vier teilbar ist. al! ein Schaltjahr
betrachtet und bei chronologische Be
rechnunge di Reihe der Schaltjahre
rückwärts in die Jahrhunderte vor
Christi Geburt weitergezählt. El ist
indessen bekannt, daß die Einfügung der
Schalttage in der eisten Hälfte dcZ er
ersten Jahrhunderts, da! der Kalender
form durch Juliu! Cäsar 'olgte, mit
iniger Unregelmäßigkeit erfolgte. Es
ist kioch eine Streitfrage, welche Jahre
dek Zeitraum! von 45 v. Chr. bis 4 n.
Chr. tatsächlich Schaltjahre waren. . In
wissenschaftlichen Kreisen neigt man zu
der Ansicht, daß daS Jahr 8 n. Ehr. '
da! erste Schaltjahk n. Chr. war. Nach
dieser Hypothese war der 1. Januar
Anni Domini 1 ein Sonntag, und da
nach würd der 8. Juli 1317 der fie
Tag der 100.000. Woche unserer Zeit
r zeAuma. hin.