Tägliche Omaha Tribüne. (Omaha, Nebr.) 1912-1926, August 22, 1914, Image 2

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Das Sündenregister der auf nationaler Selbstsucht und Schick
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Me Begründer, Seeraub bis auf den heutigen Tag das j)rin
z'p dieser Seemacht. PAlkerrechtsrerltzunzen und vergewal
iizuttgen ttnrcrbereiteterGezner.- )obn!ZullsmScheidewea
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&nn, da den allermeiste Monumenten
ob-M. Ter Sieger von Irafdernr
nimmt in der Schätzung de! Britenvelkes
vnttt ollfa ffintn Heroen wirklich den
böckslk Platz rin Und jrcot weil et btn
Wellmachtinstinkt des modernen ?na
. lonci, worin die fAranftnlofen Herr
sjaslizilspiutk des antiken 9!orn wieder
us!kd!cn. vollkommener defritdigt hat.
all irgend ein an!r.r seiner großen
Lanteleut. lr hat seinen gröhlen 2ri
mph mit fkinem Lebt bejeiEit. Rbkk
die Tokxzsiunde Lord Horali TMson
trar die Geburtofiunde der britischen '
5Seltmat.
Konzivirt worden ift der britische 53U
kierrschLf.'sgedsnte, die deute in England
hoch und niedrig erfüllende Vorstcllung. '
daß Bri.annien die berufene Hcrrm bei
Crtfcafis fei, und die übrigen Polker nur
mit ibrer Duldung daraus leben, ziemlich
fsat, erft ungefähr vor driübalb Johrhun
derten. (?s ist lächerlich und zeugt vsn
geringer Kenntnis der eigenen Öe schickste,
wen die Enalänver die Legitimität il,rer
Ceuoeranetät auf dem Ozean damit bc
.runden, daß das Meer von olterZ ihre
Tomane gemefen sei. Noch unter den
Zudorj waren sie nickt einmal Herren aus
den Gewässern, die ihre eigenen Küsten be
spülten. Damals war eS die spanische
Wacht, die über das Weltmeer bis zu den
Anden reirtte. Au den Minen Perus
und den ZoUKa'uscrn Antwerpens strömte
das Geld in den Madrider Ttaatbschatz,
und die Kronen von Kastilien und von
Aragon, von Burgund und von Mailand,
von Neapel und von Sizilien strahlten
von den Stirnen der Herrscher Spaniens.
Unter Heinrich VIII. kreuUe im Aermel
kanal anfangs kaum ein einziges Kriegs
schiff mit englischer Jlagqe. Franzosen
und Dlämen nahmen englische Kaussah'
rer aus englischen Häfen ihren Besitzern
vor der Nase weg und den Fischfang in
den britischen Meeren betrieben außer den
Spaniern Niederländer und Schotten,
Hrst der Bruch mit dem Papstthum
zwang Heinrich, der selbst Marineaichitel
' tut und Geschutzmesen studiere, zur beffe
ren Vertheidigung der englischen Suite
zum Schisssbau, dessen Kosten au! dem
' Erlöse des Kirchenraubes beftritten wur
den. Tie erste englische Kriegsflotte, die
diesen Namen verdiente, war das Geschwa
der. welches 1ö4ö, kurz vor Heinrichs
Tode, von einer auf den feindlichen Schis
fen ausgebrochcnen Seuche entscheidend
unterstützt, den auf Invasion abzielenden
Angriff der Franzosen unter Admiral d'
. Annebault bei Spithead abwehrte. Auch
di-ies bestand zwar zum größten Theil
aus den Fahrzeugen adliger Raubkapitäne,
der englischen Spielart unseres Raubrit
terthums; dennoch lag in ihm der erste
Keim der heutigen Seemacht Großbritan
niens. Seeräuber bildeten aber nicht blos den
Kern, Seeraub bildete und bildet, man
rann ruhig sagen, bis auf den heutigen
Tag. das Prinzip dieser Macht. Iwan
zig Jahre später fuhr ein 80,000 Dukaten
an Bord führendes spanisches Schaff don
Flandern nach Bilbao. Aehnlich wie einst
die Schönheit der Zungen Anna Boleyn in
Heinrichs VIII. Brust Gewissensbedenken
gegen seine Ehe mit der alternden Katha
rina don Aragonicn erweckt hatten, so
entzündeten jene 80,000 Dukaten in Tho
ma Cobham, dem feeräubernden Sohne
eines englischen BaronS. inniges Mitge
fühl mit einer Anzahl protestantischer Ge-
. fangener, 1ie das Schiff zur Aburtheilung
nach Cadh bringen sollte. In der Buch.'
don Biscaya griff er es an. überwältigte
die Mannschaft, ließ die Überlebenden
sammt dem Kapitän in Segel nähen und
ersäufen, nahm cber die Dukaten liebevoll
an sich. Die Gefangenen überlieh er auf
dem wracken Schiff ihrem Schicksal, ahn
.ich wie Heinrich der heißgeliebten Anna
Eoleyn, als er den Moment für gekommen
erachtete, seelenruhig den Kopf abschlagen
ließ. Wurde Cobham auch auf Beschwerde
der spanischen Regierung in London pro
zessirt und zum Tode verurtheilt, der. er
reichlich verdient hatte, so wurde doch das
Urtheil an dem Scheusal nicht nur nicht
vollstreckt, vielmehr ging dieses sehr bald
wieder seinem patriotischen See.äuber
Handwerk nach. Das ist ein typises Ui
spiel für Englands damalige Aufführung
zur See. Zwar erging im Jahre 1SL3
ein Gesch zum Unterhalt der griegsma,
rine, aber die Staatsfinanzen erlaubten
seine Ausführung nicht und in Eimange
lung einer regulären Flotte lieh die Kö
nigin Elisabeth unbefangen und unbedenk
lich englische Piratenschiffe gegen fpani
sche und flandrisch. Kauffahrer los. Sir
John Hawkins. den die Königin mit den
Vorbereitungen Abwehr des drohen,
, den AimadaangriffeS betraute, wird von
dem großen englischen Historiker Froude
schlechthin als Korsar und Sklavmjäger
bezeichnet, U"d mochte auch der kommandi
rendk Admiral gegen die spanische Riefen,
flotte. Lord Howard, ein untadeliger Eh
renmann sein, seine Lnterbefthlshaber
Drake und Frobisher waren Seeräuber
wie Hawkins. und dank ihrer Beutegier
und Grausamkeit hatten ihn Namen, wie
Tahlmann bemerkt, in der ganM Sud,
sc, einen furchtbaren Klang.
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i.'musi.-icliinc abijcbfn.
Cl ist zu bekannt, um hier in'hr alt ?
firuft jll wttde. daß das Älllck d,e g.
länder gegr Medina Sidonia noch viel
großartiger begünstigte als einst gegen k'
nnebault der Fall gewesen war. Au
einer Schlacht waren sie kaum gerüstet, da
d Königin an der Artiklniemunition auf
das leichtfertigste geknausert hatte. Alle'
e kam auch zu qar keinem entscheidenden
Treffen. Philipp, II. Umständlichkeit
und Eigensinn, die Unfähigkeit seines
Jlottensührers, Sturm und die Untiefen
des Aermelkanals ließe das spanische
Unternehmen scheitern affluvit, IVn
st dinwiriati nunt". Gleichmobl zeigte
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WT - "mmtHmh. 4 ttumä m-.; - . . .
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lieber gewesen. Allein er stellte sich diese
die königliche Marine Englands sich bei
dieser Gelegenheit schon in der stattlichen
Stärke von 34 Schiffen und war die
Flucht der Armada auch nur zu einem
geringfügigen Theile die Folge englischer
Tkatkraft. so verlieh sie dennoch dem ma
ritimen Ehrgeiz der Briten einen weiteren
gewaltigen Aufschwung. Hotte doch Wal,
ter Raleigh schon kurz vorkx'r in Nord,
ameriki mit der Begründung der über
seeischen Kolonialmacht Großbritanniens
begonnen. Und wenn auch Franz Trake,
dessen Kaper den Ozean bedeckten, mit
seinen Brandschatzungen beider Indien
die Gewaltthaten der spanischen Konqui
stadoren überbot, es ist doch, nach Rankes
Ausspruch, ein welthistorischer Augen,
blick, wie er auf der Landenge von Pa
nama zuerst der Südsee ansichtig wurde
und Gott um die Gnade liat. dieses Meer
einmal auf einem englischen Schiff zu
durchsegeln; eine Gnade, die nicht allein
ihm selbst zu Theil geworden ist. sondern
im reichsten Maße seiner ganzen ?ia,
iion." ;.
Unter Elisabeths Nachfolger, dem
Sohne der Maria Stuart, war es, wo die
Engländer zum ersten Male ein unbedingt
tesHerrschaftsrecht auf allen Meeren 6e
anspruchten. Da von dem Sinken der
spanischen Macht die Niederländer zur
See gegen England am meisten profitirt
hatten, richtete dieser Anspruch sich in er
ster Linie gegen Holland, da ihn natür,
lich auf das Entschiedenste bestritt. Im.
merhin blieb es für! erste bei einem Fe
derkrieg der Bölkerrechtsgelehrten, indem
der Engländer Selbe die von dem Hol
länder 'GrotiuS verfochten? Theorie des
nrnre liberurn" durch seine eigene des
rnare clansum" bekämpfte, welche die
britischen Meherrschaftsgelüsie in ein
System brachte. Da die von Karl I. er
hobene Flottensteuer nur dynastischen
Zwecken dienstbar gemacht wurde, so spitzte
der Gegensatz Zwilchen Holland und Eng
land erst während der Diriatur Cromwells
sich kriegerisch zu. Die Umstände dieser
Zuspitzung enthalten in Anbetracht der
vielfachen Ähnlichkeit der internationalen
Lage, die zwischen heute und damals zur
See besteht, für die Gegenwart bedemfame
Lehren. Holland und England standen
in jener Zeit als erste und zweite Seemacht
einander gegenüber wie heute England und
Deutschland. Wenn man sieht, wie Eng
lang damals über den Kopf der älterm
und überlegenen Rivalin hinweg die Su
prematie auf dem Weere für sich in An
spruch nahm, so begreift man die psycholo,
zischen Ursachen leichter, aus denen die
Engländer heute die Deutsche deS Stre
bens nach maritimer Hegemonie zeihen,
wo diese doch lediglich zur See hieb und
stichfest gegen mögliche Angriffe werden
wollen: die Briten vermuthen bei den
Deutschen den nämlichen unbezähmbaren
! ljmachtkitzel. der sie seit jenen Taz'N
Eromwell selbst wr dem Gedan
I sil Krieges abhold; ihm wäre eine
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gütliche Einigung der beiden Nebenbuhler
ähnlich Vor, wie die Flottenverständigung
zwischen England und Teutschland, durch
die Englands effektive Alleinherrschaft
auf dem Meere stereotypirt würde. Soweit
wartn die Holländer denn doch noch nickt.
Vielmehr beantworteten sie die gegen ihren
Handel gerichtete englische Navigations
atte mit der Erössnung der 'Feindselig
leiten. Obwohl die britischen Flottenführer,
namentlich Blake und Moni. die erst in
vorgeschrittenem Mannesalter ein Schiffs
deck betreten hatten, sich gegen we'.tb:
rühmte holländische Admirale wie van
Tromp lind de Ruyler aus das Bewun
derungswürdigste zu behaupten wußten,
ihnen auch manche Niederlage beibrachten,
einen entscheidenden Eeesieg hat die eng
lische Flotte in dem damaligen Ringen
it der holländischen, das sich mit Unter
brechungen über zwanzig Jahre erstreckte,
so wenig erfochten wie einst gegen die spa
nische Philipps II. Jedesmal stand beim
Friedensschlüsse die Kriegspartie reini.
Wenn trotzdem die holländische Seemacht
fortan hinter der britischen zurücktrat, so
lag das an dem Bortheil der geographi
sehen Lage Englands und dem Reichthum
feiner Hilfsquellen, der sich dem im nie
derländischen Staatkwesen eingerissenen
kleinlichen Krämergeist gegenüber immer
überlegener geltend machte, zumal auch
unter der gottseligen Republik der from
men Puritaner der englische Respekt vor
fremdem Recht nicht um eines Haares
Breite gestiegen war. Die traditionelle
Seeräuberpoliiik wurde zwar jetzt nicht
mehr, wie ehedem, don Staatswegen durch
private Kaperschiffe getrieben, dafür aber
verwandte Eromwell'die britische Kriegs
marine getreulich nach den alten Korsa
renmethoden und häufte Friedensbruch
auf Friedensbruch. In feinen mit bibli
chen Anspielungen gespickten Instruktionen
an seinen Freund, den .Seegeneral'
Blake, giebt er einmal über das andere
Befehl zu Uebersällen mitten im Frieden,
fei es. daß sie den Spaniern (Jamaica),
den Franzosen (Dünkirchen), den Mittel
meerkuften oder den Holländern in Oft
indien galten. Auch nach der Zurückberu
fung der Stuarts wurden diese englischen
Gepflogenheiten beibehalten, beide Kriege
gegen Holland unter Karl II., und
1672, ohne jede Kriegserklärung begonnen.
Lord Shaftesbury aber perorirte würde,
voll, iu England sehe die niederländische
Republik, was Handel und Seemacht an
lange, ihren einzigen Rivalen; indem sie
nach dn allgemeinen Herrschaft sirebe, sei
sie die natürliche Feindin aller, inbeson
dere Englands! Äie modern das klingt!
Als lese man inen der periodische Lcit
artikel der Times, orm Deutsch',
weil eS entschlossen ift. seine Interessen
gegen britische Seeübermacht zu behaupten,
beschuldigt wird, es stre ach der wl
tatur Europas!
Unbeirrt durch Züicksichten politischer
Moral, ciriziz geleitet durch nationale
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Selbstsucht, ist England auf dem Wege
zur Vollendung seiner Seeherrschaft fort
geschritten und die Schicksalsgunst ist ihm
dabei in solchem Maße treu geblieben, daß
man die englische Auffassung, der liebe
Gott sei ein guter Brite, durchaus ver,
stehen kann. Je unanfechtbarer die
Ucbermacht seiner Flotte . uide, desto
mehr entschlug ei sich aller Lölkcrrcchte
bcdenken. Im Frieden von Paris deß
JhreS 1763 erschienen Frankreich und
Spanien sowohl all See wie als Kalo
nialmächte vor England tief gedemüthigt
und als diesem nach dem Abfall Nord
amerikat auch eine maritime Schwächung
drohte, ward es durch die Uneinigkeit des
französischen und der spanischen AcmiralS
vor der sonst leicht vorzunehmenden Zcr
störung der Marinearsenale von Plymouth
bewahrt. Da eS sich trotzdem zur See
noch nicht stark genug fühlte, um völlig
unumschränkt darauf auftreten zu können,
begann es 1781 einen Krieg gegen Frank
reich, Spanien und Holland seiner Ge
wohnheit gemäß, indem L feine Flotte
ohne jede vorangegangene Erklärung über
alle holländischen Schiffe, die in ihren
Bereich kamen, herfallen ließ. Ueber die
beiden andern Gegner triuinphirte Lord
Rodneys Genie. Tal Ende der holländi
sehen Seemacht wurde dadurch derbeige
sührt, daß In dem Kriege von 1709 die
Matrosen der batavischen Republik meu
terten und ihren Admiral zur Uebergabe
seiner Flotte an die Engländer zwangen.
Noch aber gab es eine russische, eine schwe
dische und eine dänische Kriegsmarine und
als diese ein Jahr später gesonnen schie
nen, ihre Daseinsberechtigung auf dem
Meere, das nach englischer Anschauung
Britannien allein gehört, zu bekräftigen,
da begann die britische Flotte den Krieg
wiederum ohne Erklärung durch Ueberfall
auf alle Schiffe der drei Mächte, deren
sie habhaft werden konnte und die Be
schiefjung Kopenhagens durch Admiral
Nelson. Diesem war es vorbehalten, den
Aufstieg der britischen Seemacht durch
den Sieg von Trasalgar zu krönen, bei
dessen Eningung Napoleon? Eigenwille
die Engländer ebenso wirksam unterstützt
hat. wie Philipps ll. Hartnäckigkeit bei
der Zerstreuung der Armada. Damit
war der britische SceherrschastStraum der.
wirklicht. Und wie um der Welt sogleich
deutlich zu machen, wessen sie sich von der
souveräne Gebieterin dek OzeanS ,u ver.
sehe habe, bombardirt die englische
Flotte bald daraus abermals im Septem
ber 1807. mitte im Frieden, vier Tage
lan? Kopenhagm und ahm die dänische
Flotte weg d!e englische Kriegserklä
rung folgte am November.
Einmal in den Besitz einer Seemacht
gelangt, der fortan keine andere Nation
die Spitze zu bieten wagen durste, hat
England den damit erfaßte Weither:
schastshebel seiner Hand nie wieder ent
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gleiten lassen, und wenn eine lange Frie
denszeit neuerdings einigen Rost ansetzen
ließ, so haben die Reforme.l Sir John
Fishert ihn gründlich abgerieben. Un
gleich den meisten Anfeindungen, denen
britische Marinechefs gewöhnlich ausgesetzt
sind, entsprangen die Angriffe, die Fisher
während seiner Amtsführung als Erster
S'eelord zu erdulden hatte, nicht blos
parteipolitischen Opportunitätsrückßchten.
Vielmehr kam in ihnen oft genug der in
stinttive Widerwille eines romantisch an
gehauchten, von Erinnerungen zehrenden
Schlendrians gegen den in Fisher verlor
perten Geist einer neuen, nüchternen und
praktischen Zeit zum Ausdruck. John Ii
sher fand,, als er die fachmännische Lei
tun des britischen MarinewescnS iTbrt
nahm, eine Flotte vor, deren Admiralität
noch unter Segeln und Masten aufgewach
sen war, deren Offiziersstellcn den regie
renden Klassen vornehmlich als Berfor
gungsmittel für die jüngeren Söhne
großer Familien galten und deren Ber
theilung über den Erdball dem modernen
Kräfteverhältnis der Nationen und de
ren wirklichen und vermeintlichen Aspira
tionen nicht mehr entsprach. Er sollte der
Modernisator der gesammien englischen
Marineverwallung werden und er ist es
geworden, freilich nicht ohne in allen ih
ren Zweigen den Widerstand der Tradl
tion zu erfahren, d. h. die Macht der
Trägheit. Er stellte an das gesammte
Personal, vom Dockarbeiter bis zum Ha
fenrneister und vom Seckadetten bis zum
Schiffskommandanten nicht bloß höhere
Anforderungen, als herkömmlich waren,
sondern größtenthcils ganz neue, wie sie
eben der sachlich lange vollzogene Ueber
gang von einer Flotte aus Holz, Hanf,
seilen und Segeltuch zu einer von Dampf
und Elektricität beherrschten nachgerade
forderte. Wenn er eine Masse alter, noch
mit Vorderladern bestückter Kähne, die die
periodischen Reparaturkosten längst nicht
mehr werth waren, auf Abbruch ver
kaufte, so wurde ihm die von einem sen
timentalen Konservatismus ebenso ver,
dacht, wie es die Gouverneure entlegener
Koloniolgebiete ihm nicht verzeihen konn,
tcn, daß er durch Abberufung bis dahin
in fernen Gewässern stationirter Gefchwa
der den äußeren Glanz der von ihnen
vertretenen britischen Reichsmajestät
scheinbar herabminderte. Und doch wären
ohne diese Maßregeln gerade diese beiden
Fifher'schen Reformen schwerlich möglich
gewesen, die in viel höherem Maße als
feine dem Ausland einen neuen Start im
Flottenwettbau bietende Inauguration
der Dreadnought Aera die allgemeine
Billigung der öffentlichen Meinung Eng
land'S fanden: die zu erhöhter Kriegsbe
reitschaft vorgenommene ständige Be
mannung der Reserveflotte mit drei
Fünftel der Besatzung und die gewaltige
gegen Deutschland gerichtete englische
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E N LG Ll S C M E.
Floiten-Konzentration in der Nordsee.
Vergegenwärtigen wir unS, daß dieser
größte moderne Mehr der ohnehin er
drückenden britischen Seeübermacht von
einer konservativen Regierung an die Ar
beit gerufen, den größeren Theil seiner
Aufgabe unter einem liberalen, zumeist
ostentativ friedensschwärmerifchen Regi
ment in einer Weise zu lösen vermocht
hat, die ihm auch don imperialistischer
Seite die Zensur Vorzüglich" eintrug,
so führt uns das auf da! heute obwal
tende nationalpsychologische Verhältnis
der Engländer zu ihrer Kriegsflotte.
Haben die Briten, als a siow people
wie sie selbst sich bezeichnen, sich auf ihren
Seehenschaftsberuf erst spät besonnen, so
haben sie sich ihm alsbald nicht bloß mit
der ihnen eigemn zähen Konsequenz ge
widmet, sondern, wenn auch meist unauS
gesprochen, darunter mehr und mehr den
Beruf zur Weltherrschast verstanden.
Längst erfüllt daS Bewußtsein, da! ce
borene Herrenvolk bei Erdballs zu fein,
die ganze britisch Nation von den Gi
pfeln der Gesellschaft biS herab in die
Gcsindestllben und von der äußersten Lin
ken bis zur äußersten Rechten. Die .Ge
nossen" Blatchford und Hyndman waren
davon nicht minder durchdrungen alt
Lord Charlek Beresford und Joseph
Chamberlain. Hieraus erklärt sich da!
Verhältnis der Engländer zu ihrer
Flotte; denn diese ist da nationale Welt
Machtmittel und wird von ihnen ohne Un
terschied des Standes. deS Geschlechts und
der Parteirichtung als solche! betrachtet.
Daher ihre grenzenlose Popularität. TeS
halb ist eS für ihre Stärkung und für den
Kurs der Flottenpolitik ganz einerlei, ob
Konservative oder Liberal am Staat,
rüder sitzen. Dieselben fortschrittlichen
Briten, die iiber den sogenannten deut
schen Militarismus zu Lande (staatliche
Lebensbedingung) die Achseln zucken, ihn
reaktionär und kulturfeindlich schelten,
sind die enragirtesten Militaristen zu
Wasser. Ein radikaler Marineminister,
McKenna, war eS, der durch irreführende
Angaben über da Tempo deS deutschen
KriegsschiffbaueS die schlimmste englische
Aarinepanik dS letzten Dezenniums in
szenirte, um inen Lorwand zum Bau
von acht anstatt vier neue Dreadnoughtk
zu gewinnen. Und sein pacifistischer"
Amtsnachfolger Winston Churchill be
zeichnete die Kiel-Legung Überzähliger, d.
h. für den englischen Geldbeutel und die
englische Mannschaft schwer zu über
trumpfender deutscher Kapitalschifse mit
unverblümter Drohung als cafuZ bclli.
Verräth solcher Bluff immerhin in
richtige Gefühl dafür, daß auch der briti
sche Mastenwald nicht in den Himmel
wachsen kann heroische Programm
Forderungen, wie je zwei neue englischt
gegen jede? neue deutsche Schiff, lassen
sich zwar aufstellt, ihre Erfüllung schei
tert schließlich a natürlichen Hindernissen
so hält England doch an dem Anspruch
auf unumschränkt Weltmeerbeherrschung
heute noch so fest wie ehedem, wo sein
Monopolstellung als Industrie, Handels
und Kolonialmacht ihm einiges Recht da
rauf verlieh und diese? gleichzeitig vor
auswärtiger Anfechtung schützte. AuS
dem Verlust jener Monopolstellung und
dem Emporsteige der fleißigsten, streb
famflen, tüchtigsten und ausdehnungsbe
dürftigsten Nation der alten Welt, näm
lich der deutschen, erglebt sich die schwe
bende Krisi der britischen MeereSherr
schaft. Freilich ift nicht diese Herrschaft
selbst, vielmehr nur ihre Schrankenlos!'
keit bedroht. Allein die Engländer ver
standen unter der eigene Freiheit von
jeher die Unterdrückung anderer, und in
dem sie von sich auf andere schließen, ha
be sie die Deutsche im Verdacht, ihnen
zur See an den Kragen , wolle, wo
doch der rein defensive Charakter deutscher
Marinerüftungkn nicht allein in dem deut
schen Flottengesete ausgesprochen, sondern
diese Charakterisirung von jedem, der biS
auf drei zählen kann, auf ihre Ehrlichkeit
ll'rfe
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nachzuprüfen ist; denn eine richtige Ab
schätzung deS zwischen der englischen und
der deutschen Marine bestehenden Starke.
Verhältnisses erfordert nicht einmal die Be
herrschung der vier SpezieS.
Noch also verharren die Engländer aus
einem mit jedem Jahre mehr veraltenden
Standpunkt, den sie mit der geographische
Natur ihres Landes ganz unzureichend
begründen ', denn die von ihnen bean
spruchte absolute maritime Hegemonie ist
in Wahrheit für dal englische Jnselreich
so wenig staatliche Lebensnothwendigkeit,
wie eine absolute militärische Suprematie
S für daS von allen Himmelsrichtungen
her Landangriffen ausgesetzte Deutschland
ist. Nur ein von Weltmachtsehrgeiz be
stssenel England bedarf der Seeallmacht,
Deshalb endet die konstitutionell Gesin
nung der Engländer vorderhand och an
der eigenen Meeresküste. Auf dem Wasse,
wollen sie unumschränkt weiter gieren
Dasür, daß in solcher MeereZabsolutiS
muS England'S sich mit der moderne
deutschen Weltmachtstellung f länger je
weniger verträgt, zeigen sie nicht daS min
beste Verständnil. Im Gegentheil erkl
re einem sogar gemäßigte englisch Ma
rinepolitiker, wenn man sie auf die defen
jiven Bedürfnisse von Deutschland übers
hinweist, die deutschen Kolonien seien die'
Vertheidigung nicht werth. Wie einst die
Franzosen des zweiten Kaiserreiche!, der
blendet durch eine windig ,.?loir" und
nationalen Größenwahn, die Einigung dn
deutschen Stämme verbieten, den Deut
schen ihren innerpolitischen Statut dar
schreiben wollten, so will heute England,
gestützt auf eine seekriegerische Vergangen
heit, von mäßigem Glanz bei unerhörte
Erfolgen und auf eine brutale Flotten
Übermacht entscheiden, wat deutsche Be
sitzungen den Deutschen werth sei und
wie viele Schiffe sie zu ihrem Schuhe
bauen dürfen, ohne daß die britischen Ka ,
nonen dreinfeuern. kurzum, e maßt sich
die Bestimmung de! deutschen weltpoliti
schen Statut an.
Theoretisch wird England den Anspruch
auf Alleinherrschaft zur Se vielleicht nie
mal fallen lassen, allein mit der Zeit
wird eS wohl Ambitionen aufgeben müf
sen, die einmal begründet gewesen sein
mögen, eS ober von dem Augenblick zu
sein aufhören, wo eS sie nicht mehr zu
stützen vermag. Einet ausdrücklichen eng
lischen Anerkenntnisse!, daß diese Zeiten
vorüber sind, bedarf eS garnicht. Ein
solche würde nur zu einem Flottenabkom
men unerläßlich sein, bei dem Deutschland
sich nickt von bornherein mit der Rolle
einer Macht minderen Range! begnüg'
will, wie England sie auf dem Ozean dij
her eben allen anderen Mächten oktroyirt
hat. DaS war zwar eine Ueberhebung,
aber da sämmtliche Nationen sich ihr füg
ten, konnt ma sie de Briten umso we
iger Übelnehmen, als sie iiber die da,
erforderliche Seemacht geboten. Tat
reuige Eingeständnis, daß sie solchem
Hochmuth nicht mehr gewachsen sind, kan
ihnen zur Schonung ihreS so lange do
aller Welt genährten Selbstgefühls n
spart bleiben, auch wenn die Vorautsetz
ungen dazu einmal vollkommener, all vor
läufig der Fall ist, erfüllt sein' werden.
Man darf et getrost bei der Gewißheit be
wende lassen, daß John Bull alt der
ständiger Mann aut unabänderliche
Thatsachen die unausweichlichen Konse
uenzc ziehe und Micheln zur See dl
jenige Stellung faktisch zuerkennen wird,
die er sich mit oder ohne seine Zusiim
mung zu erringen weiß.
Conftanti von Zedlitj'. ,'
Auf der bei Urach iiber dem Urache
Wasscrsall gelegenen Waldwi, wuriH
am 12. Juli ei von dem Schwäbische
Albverem gestiftetes Denkmal für de
Dichter Gustav Schwab eingeweiht. Dal
Denkmal, ein Feltblock mit dem Bronze
lief des Dichters, wurde do ein Ur
nkclia Schwab enthüllt.
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