Tägliche Omaha Tribüne. (Omaha, Nebr.) 1912-1926, December 30, 1912, Image 3

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    ...
Tätliche Cmaßa Iri&iute.' Montag 30. Ttt.'mbkr JDI2.
V
w
Än Dunkel gehüllt.
D
Romc i von
wmMmmmMmmmmiMMjaz
(2. Fortfetzu-a.)
. Trocken waren ihm die L!ppn. der
ngstschweiß stand aus s,ner Stirn,
d'.e fcänbe ittcrten.
.Milli. ich bin ein ruinierter
Mann. Und m, reine remve 'jJien
schen in mein Verderben. Erbarm
- Dich!"
.Georg, mein ganzei Herz ift Er.
barmen. Doch Dir ist nicht zu tjtU
fen. Was würden Dir die fünf
undzwanzigtausend Mark belsen? Sie
retten Dich niajt. rom ir einen
Rat geben. Melde ruhig den NcmkurS
an. Beginne von neuem. ES ist hart
in Deinem Alter, ober eS wird Leon
eine Lehre fein. Für einen neuen An
fang würde ich Dir nach besten
Kräften helfen."
Kind, das verstehst du nicht. lie
bernimm die Bürgschaft für mich.'
.Bürgschaft wäre in diese m Falle
ein Verlieren
Da erhob sich der Grokkaufmann
fchwerfällig.
.Verzeih. Milli. ich war wohl auf
dringlich," sagte er mit dem schwa,
chen Versuch eines Lächelns.
Er reichte seiner Schwester eine
kalte, feuchte Hand. In seinen Au
gen loderte ein düsteres Feuer.
- Frau von Hunn hielt di Hand
mit festem Druck umspannt.
'..Mein armer Bruder. Mach sei
ncn dummen Streich."
- .Keine Angst. Schwester."
Und er legte seinen müden Kopf
an ihre Wange und weinte bitterlich.
. Frau von Hunn strich dem Ver.
zagten sanft - über den ergrauten
Scheitel. .Armer Kerl. Ich kann
Dir doch nicht helfen. So nicht. ES
wäre Verrat an Max und es ist Dir
nur eine Galgenfrist. Wenigstens,
'mein Junge., nicht ohne sein Wissen.
. seine Erlaubnis. Komm morgen her,
ich benachrichtige M."
Was half ihm das Morgen? Heute,
noch in dieser Stunde mußte er die
Zusage haben. Doch plötzlich er
llchmte in ihm die Kraft'zu weiteren
Bitten. Lebensüberdruß packte ihn;
ein Ekel vor dieser unwürdigen Si
tuation. Er hatte nur einen Gebein
ken: Ruhe jetzt. Allein sein. Und
so lallte er nur noch: .Gut. morgen."
und damit wankte er fort.
Mit aroker Besorgnis schaute Frau
von Hunn ihm nach. Dann fetzte sie
sich wieder an den Schreibtisch und
überlegte eifrig, wie ihrem Bruder
xndqültig geholfen. werden könne.
Sie beschloß, selber mit ihrer
Schwägerin zu sprechen. Es gab
nur ein Entweder Oder. Sich ein
schränken oder dem gänzlichen Ruin
verfallen. Da gab es-eigentlich kein
Besinnen.
' Der Großkaufmann eilte wie ge
hetzt einer Haltestelle der Straßenbahn
zu. Noch mußte er Menschen um sich
, dulden, deren Gegenwart ihm lästig
war. Er sehnte sich nach seinem
Bureau suf dem Nödingsmarlt. wo er
ungestört seinen Gedanken nachhangen
konnte. Wo , er Entschlüsse , fassen
konnte und wo er über fein Schicksal
entscheiden mußte.
Bon seiner Familie fühlte er sich
momentan losaelöst. Er verwarf auch
jeden Gedanken an sie.' Zu viel an
' öe quälen Geoanien ourcyireuz
ten sein Hirn und mischten sich zu
inm tnilken iMaoZ.
Seine Schwester hatte jausenmal
techt, alle Darlehen waren nur eine
Galgenfrist gewesen.
Und Einschränkungen machen, wo
?in sollten sie bestehen?
Du fürstliche Sommervilla auf
dem Uhlenhorst verkaufen, und daS
-vornehme große Winterhaus auf der
Esplanade? Sich mit einer elenden
Mietwohnung, von vielleicht sechs bis
sieben Zimmern, begnügen, keine Rei
sen machen.
. Zu Hause rotgeweinte Augen, ein
schmerzlich verzogener Mund, bittere
Klagen nein.
Nach ihm die Sintflut. Das alleS
würde er nicht ertragen.
, Georg . Ollenschläger blickte wild
Um sich.
Lauerte nicht der Wahnsinn bereits
. hinter seiner Stirn?
Wie es in feinem Kopfe hämmerte
wie die Gedanken sich jagten, wie daö
stach, schmerzte
Halt, hier mußte er aussteigen.
Er taumelte auf die Straße, stol
Perte vorwärts.
Also daS war das Ende; der Ab
schlni eines schönen, arbeitsreichen,
vichstplagten Lebens. Schrill lachte
er auf.
In den Kontorräumen umfing ihn
eine angenehme Stille.
Er richtete sich auf. ihm wurde kfo
rer. .
Was er im Begriff war zu tun,
erforderte kalteö Blut.
Er ließ sich vor feinem Scbreib
tisch nieder, öffnete rechter Hand ein
Fach, und entnahm demselben einen
Kasten.
, Zierlich wie ein tändelndes Spiel
zeug leuchtete ihm ein kleiner Rcvol
ver entgegen als er den Deckel dek
Kastens zurückschlug.
Er setzte den Kasten auf die Platte
seines Schreibtisches, lehnte sich tn
feine Sessel zurück und verfank in
Grübeleien.
A. Wilden.
ifzjvi&zmitz
Ganz ohne Abschied konnte er sich
i 1 f M si . . I I . fi . 4- . . m
niqi yinuoeriikyikn in ein rano, au
dem es kein Wiederkommen gibt. Er
wollte feine ganze Liebe zu den Sei
nen noch einmal au? sich herauSströ
men lassen. Liebe war die Triebfeder
feine Handelns gewesen. Und daß
er sich jetzt so feize htnwkzstahl, ge
schah auch auS Liebe. -Ach
er hatte nach irdischer Berech
nung ja noch soviel Zeit. Stunden
blieben ihm. EI war soeben erst zehn
Zu Hause wurde man ihn nicht ver
missen. Sein Damen würden ange
regt heim kommen, lachen und schwat
3n, und endlich sich zur Ruhe begeben
Liselotte würde fragen: .Papa
noch nicht da?" Und Leonie antwor
ten: .Er wird schon kommen."
Allein, er würde nicht kommen,'
nie mehr.
Nur nicht weich werden. Wozu sich
in der letzten Stunde noch mit sehn
süchtigen Gedanken quälen, di nichts
an seinem Entschluß ändern konnten
niemand nützten. Morgen war
alles Über tanven.
Morgen! Was würde dieser Tag
für in schrecklicher werden für die,
die er schmählich im Stich lassen
mußte. Liselotte war erwachsen, sie
würde heiraten. Die Zukunft seiner
kleinen, heißgeliebten, launischen Frau
aber wurde er noch in dieser Nach
seinem Bruder ans Herz legen.
Da saß er nun an seinem Schreib
tisch.
Ein großer Bogen lag vor ihm,
aber öie Feder war trocken.
Georg Ollenschläger stützte den
Kopf in die Hand. ES bedürfte
schließlich nur weniger Worte. Wozu
solchen Kraftaufwand? Und r hatte
noq geil, viel Zeit. Stunden.
Dann umaaukelten liebliche Bil
der der. einsamen, mit sich ringenden
Mann. Er schritt zum Traualtar,
die Brust geschwellt von Tatendrang.
das Herz voller Liebe. Ein Engel
schritt an seiner Seite, so blond, so
unschuldig, so blendend schon.
Nach einem Jahr legte man ihm
in Töchterchen in btn Arm, sein
Ebenbild. Und daS Weib feiner Liebe
genas und blühte nur noch schöner
aus zu seiner Lust.
Erinnerung reihte sich an Erinne
rung. Georg Ollenschlager lächelte.
Da schrak er empor.
Zwölf! Hatte er geschlafen?
Er ergriff die Feder.
Liebe.. Liebe, immer wieder Liebe
kritzelte .diese auf das ungeduldige
Papier
Dann kam der Brief an seinen
Bruder. Auch das war bald erledigt.
Jetzt tauchte er die Hand in den
kleinen Kasten; sie hielt die blitzblanke
Waffe. Ein Griff ein Knall und
alleS wäre vorbei.
Doch die Hand, die den tätlichen
Streich ausführen wollte, zitterte; es
war so schwer, Abschied von allem
Liebgewordenen zu nehmen.
.Feigling!".
Georg Ollenschläger riefs und seine
Stimm halte in der nächtlichen Stille
grell, anklagend, durch die öden, wer
ten Räume.
Er setzte die Mündung des Lau
fes an die Schläfe da klopfte eS.
Entsetzt sprang der Mann, der sich
allein gewähnt, auf der Schuß
entlud sich.
Es war nur ein schwacher Knall.'
nichtsdestoweniger hatte der beschei
den draußen Harrend denselben ge
hört; er stürzte, ohne die Aufforde
rung zum Eintreten abzuwarten.hinein.
Herr und Diener standen sich ge
genüber.
Der Großkaufmann war noch ganz
benommen von seinen felischen Käm
pfen. und er stammelte fast entfetzt:
Johann, wo kommst Du her?
Aber auch der 'Diener, der 6e
reitS zwanzig Jahre dem Haufe Ol
lenfchläger in treuer Ergebenheit ge
dient, war nicht minder erregt..,
.Herr, Herr," sagt er lallend, wäh
rend ein scheuer Blick die Waffe
ßrifte, die auf dem Schreibtisch lag,
Herr Ollenschläger, die Korridortür
fand ich nicht verschlossen, und ich
sah von der Straße aus Licht oben."
.WaS starrst Du nach dem Schreib
tisch. Mensch?" brauste Georg Ol
lenfchläger auf, der anfing, sich auf
sich selbst zu besinnen.
, Er hatt in der Aufregung natür
lich vergessen, die Tür. die zu seinem
Kontor führte, zu verschließen. Wäre
daS nicht gewesen, wäre jetzt alles
überstanden. Jetzt stand er hier wie
ein ertappter Sünder vor seinem ei
genen Diener.
Die Waffe dort, die wollte ich
reinigen. UebrigenS hast Du nichts
gesehen," setzte der Großkaufmann
streng hinzu. .Leute Deines Schla
geS dürfen nichts sehen"
.Herr, seien Sie versichert, ich habe
nichts gesehen."
Was wolltest Du hier?"
.Ich suchte Si im Klub; in mei
ner Angst rannte ich hierher Frau
von Hunn "
.Was, was ist mit Frau von
Hunn?"
Frau von Hunn ist ' soeben er
mordet worden." ;
Georg Ollenschläger oriff' mit den
Händen in die Luft,' das Zimmer
dreh! sich mit ihm, r schlug aus den
Boden nieder, noch es der Diener
hinzusxringen konnte, ihn zu halten
Johann war tief erschrocken. Er
beugte sich über seinen Herrn to
war er nicht. Er bettete ihn. so au
eS ging, auf den Teppich und wollte
nun einen Arit holen, als fein Blick
auf die Waffe fiel. Er legte den
Revolver vorsichtigt in den Kasten
und schob diesen in dal noch offen
,!ei)nde Fach des Schreibtische
Dann gewahrte r die beiden Briefe
Diese steckte er einweilen zu sich. Er
öffnete einen Fensterflügel; in dein
Raum rrschte ein leiser Pulver
geruch. und nun. da fein Herr noch
immer rein rkvenseicyen von ucy gab,
eilte er zu vem nachflen Arzt.
Nur einige Häuser weiterhin wohn
t einer. Er hatte Glück, er traf ihn
zu aue.
Als der Diener sein Anliegen vor
getragen, erklärte sich der Arzt, ein
noch junger Mann, 'sofort bereit, ihn
zu oegieiien.
An der Unglllcksstätte onaekom
men, konstatierte Dr. Brott nach ei.
ner kurzen unteruchung einen Ner
verschock schwerster Art. der ietoi
falls durch einen ungeheuren Schreck
hervorgerufen war.
Es wurde nach einem SanjtätS
wagen telephoniert, der in kurzer Zeit
eintraf. Man bettete den Leblosen
aus die Bayre und in schnellstem
Tempo ging es nach der Uhlenhorst
hinaus. Dr. Brott begleitete den
Patienten, um ihn dem HauSarzt der
Familie Ollenschläger zu übergeben.
ZweiteSKapitel.
Dem , Automobil entstiegen zwei
Damen. Sie begaben sich eiligst
durch den Vorgarten in das hell er
leuchtete Vestibül der stilvollen Villa
des GroßkaufmannS Ollenschläger.
Diener und Jungfer halfen der Hrr
schaft aus den weichen Umhüllungen
ycraus.
.Der Herr schon zu Hause?" frag
te Xsi eiolte.
Und auf die verneinende Antwort des
Dieners sagte Frau Leonie in ihrer
leichten sorglosen Art: .Er wird schon
kommen.
Es war genau so wie Georg Ol-
lenfchläger es vorausgesehen.
Es lag ein greller Kontrast zwi
schen den beiden gleich liebreizenden
iZrauenersmeinunqen.
Der älteren Dame merkte man in
keiner Weise ihre neununddreißig
Jahre an. Sie hatt eine feine El
fcngestalt, knapp Mittelgröße. Jede
ihrer Bewegungen war von einer sei
tcnen Grazie umflossen, ihr zartes
Gesicht mit den großen blauen Mad
ckenaugen besaß, da sie , lebhaften
Temperamentes - war. ein reizvoll
wechselndes Mienenspiel; doch obgleich
temperamentvoll bis in die Finger
spitzen, büßte ihre Haltung niemals
etwas von der angeborenen Bornehm
btxt ihres Wesens ein.
Liselotte, die Tochter und das einzi
qe Kind des Hauses, glich ihrem Va
ter ausfallend. Nicht nur hatte sie
seine große schlanke Figur, geerbt, sie
besaß auch nichts von der schillernden
Außenseite der Mutter. Vielmehr
lag in ihren Augen ein sinniger
Ernst, der sie weit über ihre Jahre
sie zahlte kaum zwanzig ge
reist erscheinen lieg.
Trotzdem umfloß ein eigener Zau
ber ihre schlanke, jugendliche Gestalt
mit dem vornehmen Air.
In dem feinen Milieu dieses er
klusiven KaufmannskreiseS der gw
ßen Hansestadt aufgewachsen, hatte
sie doch nicht wie so viele lhresglei
chen die inseitigen Gesichtspunkte. Sie
hatte daS Leben mit offenen Augen
angeschaut, Fehler und Mangel ent
deckt, die ihren AlterSgenossinnen
gänzlich fremd geblieben, aber ,auch
das Gute und Schone mit tiefer Ge
nußfähigkeit in sich aufgenommen.
Man liätte Liselotte, dem Wesen
nach, für die ältere halten können,
während die reizvolle, pikante Leonie
mit ihrer Oberflächlichkeit und ihren
kleinen Launen für die Jüngere gel
ten konnte.
Trotz der Verschiedenheit der Cha
rattere verstanden sich Mutter und
Tochter vorzüglich, da sie sich har
monisch ergänzten. Es hatte sich mit
den Jahren ine Art Freundschaft
zwischen ihnen entwickelt.
Zu dem Gatten und Vater blick
ten beide mit großer Liebe und Ver
ebrung auf. Bei der Tochter war
dieses Gefühl, dem ganzen inneren
Ernst ihres Wesens nach, tiefer ge
artet als bei der oberflächliches stets
nach Abwechslung haschenden, ber
wöhnten Frau. Die schöne Leonie
wurde zu sehr von Aeußeruchkeuen
beeinflußt, auch war ihr leichtes fro
heS Gemüt nicht für den Ernst des
Lebens geschaffen.
Die beiden Vamen vegavcn ich
sofort auf ihr Zimmer. Sie hatten
einen angenehmen Abend verlebt, jede
Einzelheit bereits auf der Rückfahrt
durchgesprochen und sehnten sich nach
Ruhe.
Indessen hatten sie noch kaum mit
der Nachttoilette begonnen, als Herr
Ollenschläger telephonisch angerufen
wurde.
So mitten in der Nacht, daö muß
e befremden.
Liselotte eilte in deS VatrS Zim
mer ans Telephon.
(Fortsetzung folgt).
- Flamilitnstolz. Mutter:
Amalie. sieb zu. daß du untr die
Haube kommst, du wärst in unserer
(j MStA ki .
Mumie sen iw Jayren oie erjte an
Jungfer!
Y,r goldene Saum.
ein SJlfaütn Hon Cwub Lecpold.
?ung und neuverheiratet waren sie.
sie bewohnten in weißgekalktet
Häuichen dicht an einem großen
Walde.
Sie hatten alle, wal Menschen
verlangen können, nur kein Geld.
Er war so etwas wie Holzhauer;
mit ffieig unv evuid schlug er sich
redlich durch' Leben und schaffte ge
rade bat Notwendige herbei. Und
sie liebten einander so innig, wie zwei
junge Menschenkinder einander lie
ben können. Sie waren ja genüg
sam und hübsch und strotzten vor Ge
sundheit.
An Liebe und Ouellwasser war
geradezu Ueberfluß vorhanden. Am
Abend, wenn die Sonne groß und
rot hinterm Walde unterging, saßen
sie vor dem Hause auf einer kleinen,
grüngestrichenen Bank und umarm
ten einander. Die Stockrosen glänz
ten gelb und violett in dem starken
Licht, und Rosen blühten zwischen
blauen Vergißmeinnicht und großen,
duftenden Lilien. Tief im Buchen
walde rief der Kuckuck, und unten
im Erlengebüsch an dem kleinen See
lockten die Nachtigallen, von Mücken
gesättigt und von Liebe berauscht.
Aber dann wurde es Winter, und
die Frau begann, etwa? zu entbeh
ren. etwa. daS über die reine Liebe
hinausging. Drüben, jenseits deS
Waldes, lebten Damen, die goldene
Schuhe und schwarze Federhüte tru
gen und in rotlackierten Schlitten mit
weißen, herabhängenden Decken und
schweren Bärenfellen spazieren fuh
ren. Sie beneidete diefe Damen,
und sie sagte ihrem Manne ganz of
fen, sie habe eS satt, in umgeänder
ten Kleidern umherzugehen und auf
gewärmtes Mittagessen zu bekom
men.
Eines Tages kam der Mann in
größter Aufregung von feiner Arbeit
nach Hause. Wie gewöhnlich hatte
er im Walde gestanden und hatte
Brennholz gehauen fürs tagliche
Brot, da war ibm dlöklick eine
freundliche Fn erschienen, die ihm
auf das liebenswürdigste ein besseres
Leben und ein reichlicheres Einkam
men anbot.
.Ich traf sie gerade vor der Mltt
ocr a ten Waldsrau. saa e er. nock
ganz benommen von seinem Erlkb-
nis. .Und sie war sehr zuvorkam
menv. Denke Dn, sie will unS Geld
verschaffen, so viel wir babcn wollen.
Aber die Bedingungen flößen mir
aueroings Angst ein. ': will mich
in einen Goldbaum verwandeln, fg
daß Du ieden Taa binaebrn und
mich schütteln und all die Goldstücke
'ammein rannn so viel Du ver
magst.'..
.Das ist ia ausaeich.iet!" meinte
die Frau. Wenn sie das wirklich
für uns tun will, dann kannst Du
Dich wobl ein wenia ovkern. da
Dein liebes. guteS Weib doch so gro
szen vorteil öavon atte.
Der Mann aber lab aan, mutlos
aus. .Natürlich ist es ein Glück, daß
zie uns yeisen will, sagte er bekum
mert. Aber sie bat mich schon dar-
auf vorbereitet, daß die Verwandlung
eyr scymerzhast sein wurde.'
Was macht das?" rief die Frau.
,Bedenk' dock einmal de,: NuKkn. dn
wir von dem bißchen Schmerz haben
können. Denk' an alle die Wünsche,
die ich mir dann erfüllen kann, n
alle die neuen Hüte und Kleider, die
ich mn kaufen kann. Wenn Du mich
wirklich liebtest, würdest Du aar kein
Aufhebens von der Sache machen."
Aber ick bin ia auch srob." rwi-
derte der Mann und küßte sie zärtlich
mitten auf den Mund. .An die Lei
den gewöhnt man sich wohl schnell,
besonders, wenn Du dadurch zufrie
dengestellt wirst. Aber nun sollst Du
hören: Die gute Fee hat mir erklärt,
wie oas Ganze zugeht. Man emp
findet oben im Kobke einen Miam
Schmerz, wenn die Zweige herauszu
wachsen beginnen: und wenn dann
oas Gvivgeiv aus sen Zweigen her
vorwächst und Du in den Karten
kommst' und mich schüttelst, dann soll
vas so zu turnen sein, als ob man
mir ein Messer direkt ins Herz
stieße." ,
.Das ist alles?" rief die ftiau.
Nun bist Du schon seit so vielen
Jabren Lolüsäller und bast us
schließlich Deine Arme gebraucht....
va kann es Dir öoch wohl nichts
schaden, wenn Du auch einmal Dein
Gehirn ein wenig gebrauchst und ein
isolobaum wirst!
.Solange ick es ertraaen kann.
werde ich schon aushalten," versicherte
L. tYYl . sW W . im
ver Mann. Äver eins will ich Dir
saaen: Wenn es slck nickt um Dein
Glück bandelte, würde ick nie den
Mut haben, das alles über mich er
gi.yen zu lassen.
.Daö fettte blon noch " saa te die
Frau unwillig. Du bist doch kein
Feialina! Mach' Dick dock nickt
,chiechter, als Bu bist:' Und sie
ftrablte geradezu vor Neuaier und
Erwartung.
Dann kam die Fee.
.Ich babe schon mit ibrem Mann
gesprochen," sagte, sie zu der Frau
uno legte rmen großen ; schwarzen
Seidenbeutel auf den Tisck. ..ck
möchte sehr , gern etwag-für Sie tun.
Aber ich will Sie noch einmal darauf
vorvereuen, : naß : eZ außerordentlich
chmerziM ijt, crn Volooauni zu
werden. Da kostet Llut. Nach der
Berwandlunz fliefn vn Zeit zu
Zeit ein paar Blutgtrorsen auS der
Krone deS Baume, die erlaub ich
mir in dieser kleinen Flasche sam
mein. Einen anderen Lohn verlange
ich für meine Bemühung nicht.
Nun. wollen wir jetzt einen Versuch
machen?"
Im selben Augenblick verlor der
Mann da Bewußtsein.
.Hat Ihr Mann schwache Ner.
ven?" fragte die Fee teilnehmend und
nahm ihren Hut ob.'
.Gott, nein - er ist blos, so feige."
entgegnete die Frau. .Wollen Sie
nicht inzwischen ein Taßchen Kaffee
trinken? Dann kommt er wohl von
selbst wieder zu sich."
.Vielen Dank! Eine kleine Tasse
starker Kaffee ohne Milch wird mir
recht gut tun. Ich will doch nicht
hoffen, daß Ihr Mann an Blutar
mut leidet!"
.Seien Sie nur unbesorgt, liebe
Fee! Sie werden so viel bekommen,
wie Sie wünschen."
AIS die beiden Damen Kaffee ge
trunken hatten, erwachte der Mann
und schlug die Augen aus; er machte
einen ganz verwirrten und recht be
mitleidenswerten Eindruck.
.Schämst Du Dich denn gar
nicht?' flüsterte seine Frau ihm zu.
.WaS soll die fremde Dame denn von
Dir denken?"
.Ich habe nicht den Mut." jam
merte der Mann, .ich habe nicht den
Mut! Ich bin so furchtbar empfang
lich für körperliche Schmerzen! Lie
ber will ich arm bleiben und mein
Gehirn und mein Herz unversehrt
behalten. Ich finde, auch Gold kann
man zu teuer kaufen."
.Feigling!" schrie da die Frau.
.Aber gut! Wenn Du nicht willst,
so will i ch ! Wollen Sie einen Ver.
such mit mir machen, liebe Frau,
damit mein Mann sehen kann, daß
i ch keine Angst davor habe, ein paar
Schmerzen auszuhalten, wenn es sich
um sein Wohl handelt."
Alle drei gingen in den Garten,
die Frau an der Spitze, sie war zu
begierig nach dem Gold und den
neuen Kleidern.
Dann berührte die Fee sie mit
ihrem kleinen Stäbe, ein halberstick
ter Schrei wurde laut, und im sel
ben Augenblick stand da ein fchlanker
kleiner Goldbaum, dessen lange, feine
Zweige hin und her wehten. Und an
den Zweigen hingen viele Hunderte
von glänzenden Goldmünzen. Der
Mann fiel auf die Knie und verbarg
das Gesicht in den Händen. Er
schämte sich wie ein Hund über sich
selbst. Näher und näher kroch er
an den funkelnden Baum heran,
legte feine zitternden Hände um die
strahlende Rinde und bedeckte den
schönen Stamm mit brennenden
Küssen.
Aber er rührte nicht eins von den
Goldstücken an, um seiner verwandel
ten Frau nicht wehe zu tun. ,
.Wenn Sie nicht schütteln wol
len. werde ich eS tun," sagte die Fee
mit verächtlicher Betonung, und sie
schüttelte den Baum, daß alles Gold
herabrasselte.
Nachdem sie es aufgesammelt hat
te, steckte sie es in ihren schwarzen
Seidenbeutel, der dadurch einen recht
beträchtlichen Umfang bekam. Dann
berührte sie den Baum wieder mit
ihrem Zauberstab, und im selben Au
genblick stand die Frau in ihrer rich
tigen Gestalt neben ihnen. Sie
schluchzte und klagte über starke
Kopfschmerzen. Noch war sie ganz
wirr und betäubt von alledem, was
sie soeben durchgemacht hatte.
Es dauerte lange, bis sie wieder
ganz zu sich kam.
.Entsetzlich!" flüsterte sie ein überS
andere Mal. .Ach. wie sehr ich ge
litten habe! Es war, als ob mir ein
rostiges Messer direkt mitten inö
Herz gestoßen würde."
.Na ja, aber jetzt ist es doch über
standen.' sagte die Fee. und das
Ganze hat ja nur vier Minuter. ge
dauert!"
.Wie ich Dich liebe und bewun
dere!" rief der Mann feiner Frau
zu. Wie soll ich Dir nur danken
für Deinen Opfermut?"
.Stell Dich nur nicht an," sagte
die Frau, jetzt ist die Reihe an Dir.
Aber das will ich Dir sagen, wenn
ich das noch einmal durchmachen
müßte, dann würde ich den Verstand
verlieren."
Und nun berührt die Fee den
Mann mit ihrem Zauberstab, und
im selben Augenblick stand ein Gold
kaum da. schöner und reicher als der
vorige, bis zur Erde bedeckt mit roiem
Gold.
Die Frau begann sofort, den
Vau'm zu schütteln, und bei ihrem
Eifer passierte es ihr. daß sie einen
Zweig abbrach. Aber sie achtete n?cht
weiter darauf, so eilig hatte sie eö
mit dem Einsammeln deS Goldes. -
Sie dürfen nicht zu heftig vor
gehen." sagte die Fee. .WaS Sie
heute nicht einsammeln können, damit
hat es ja Zeit bis morgen. Jeden
Tag wachsen die Goldstücke nämlich
von , neuem. Mit etwas Behutsam
keit und Behendigkeit können Sje ein
und auch zwei Jahre lang Ertrag
aus dem Baume ziehen. Aber Sie
dürfen nicht die Zweige abbrechen,
denn dann riskieren Sie,' daß , Ihr
Mann ' für Lebenszeit Invalide
wird." . t -v
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Hiik die Matinee.. TaS Ilackmlttaas
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wie die. Matince etc., etwas elegantcr geinacht ivcrden, indem man SerrnclrilW
vnd eine Halskrause aus schlvarzem Net. mit schwarzem Samt eingefaßt, hin.ju
fugt, brausen diescr Art wurden an der reizenden Vliise aus altblauem Crepe' de
Cl,ie angebracht, welche liier abgebildet ist- Tie blaue, Bluse begleiten ein Jacken
und Rock'Äostüin aus allbla. --..
.Kann ich ihn so ohne weiteres so
stehen lassen?" fragte die Frau de
kümmert.
.Warum denn nicht?" erwiderte
die Fee.
.Denn wenn mein Mann wieder
Mensch wird, dann wird er sich nicht
leicht dazu bewegen lassen, sich wieder
in einen Goldbaum zu verwandeln,
fürchte ich. Er soll deshalb ein paar
Tage so siehen bleiben, und ich will
abwarten. Er st i r b t doch wohl
nicht davon?"
.Seien Sie nur ganz ruhig, liebe
Frau." sagte die Fee. .Ich will wie
der bei Ihnen vorsprechen, wenn ich
einmal ' bei Gelegenheit vorbei
komme."
Damit ging die Fee ihrer Wege.
Tag und Nacht lag die Frau nun
auf allen Vieren draußen auf dem
Rasen und schaufelte das Gold zu
fammen. Sie rüttelte und schüttelte
den Baum, daß es in seinen Zweigen
sang und rauschte;. unh mit inniger
Freude sah 'sie' daß er voll großer
Goldknospen war, die eine neue Ernte
versprachen.
Hin und wieder, wenn das Auf
sammeln der Münzen sie ermüdet
hatte, sprach sie zärtlich und tröstend
mit ihrem verzauberten Manne und
bat ihn. um des Himmels willen so
lange wie möglich auszuhalten, da
sein und ihr Glück davon abhänge.
Und der Baum rauschte so seltsam
im Abendwinde, und die' Rinde
schwitzte Blutstropfen, die still am
Golde herabglitten und in der Erde
verschwanden
1 .Mein ' armer Freund," sagte sie
bewegt, ist es wirklich so schlimm?
Sei nun lieb zu Deiner kleinen Frau
und quäle mich nicht allzu sehr Ich
will einen kleinen Gang in der Stadt
besorgen und komme vielleicht erst
morgen abend nach Hause. Es fehlt
uns ja fast alles in de: Wirtschaft,
und ich werde nicht vergessen, etwas
zu kaufen, das auch Dir rechte Fr:ude
bereiten und Dich überraschen wird.
WaS meinst Du zu einer Gießkanne
und einer Gartenschere? Na, leb'
wohl, mein Freund."
Und dann ging die Frau zur
Stadt, wo sie sich ein Paar goldene
Schuhe mit hohen Absätzen und einen
rosenroten Federhut kaufte. Auch
zehn seidene Kleider in allen Regen
bogenfarben kaufte sie. Und als sie
nun so fein war, meinte sie, in diesem
Aufzug könne sie ins Theater gehen.
Da saß sie in ihrer vergoldeten
Loge und strahlte Ivie eine Prin
zessin in dem rotseidenen Kleide mit
den gelben Samtschleifen; und sie
dachte: nun bin ich doch endlich ein
mal in meinem Leben ins rechte Gleis
gekommen. Nun fehlen mir nur noch
Diamanten und Fuhrwerk. Wie die
Leute mich durch ihre Operngläser be
trachten! Bin ich denn wirklich so
schön? Der alte Kammerdiener dort
in der Loge gegenüber findet es
offenbar. Wer wohl der junge Mann
sein mag, der mich da fortwährend
anstarrt? Ihm könnte ich mein Herz
ausschütten, er sieht so verständnisin
nig aus, und er hat einen Scheitel im
Nacken. Ich will jetzt leben und mich
amüsieren!
Eine ganze Woche blieb sie in der
Stadt, und als sie schließlich wieder
nach Hause reiste, hatte sie den jun
gen . Mann bei sich im Wagen. Sie
saß auf seinem Schoß und versicherte
ihm zärtlich, sie sei gerade Witwe ge
worden. Er glaubte ihr, weil er so
verliebt war und soeben eine größere
Summe von ihr geborgt hatte.
Als sie. in dem Waldhause anka
men, behielt sie ihn bei sich als eine
Art von Geschäftsführer und Sekre
tär, denn allein konnte sie ja nicht all
daS Geld zählen, das täglich bei ihr
iisammensträmte.
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Da kam eines Tages wieder die
Fee vorbei.
Na. liebe Frau," sagte sie, .wie
geht eS? Nun wollen Sie wohl gern
Ihren Mann wiede rhaben?"
.O Gott!' meinte die Frau.
.Glauben Sie wirklich, daß das not
wendig ist?"
Ja. finden Sie das denn nicht
selber?" fragte die Fee.
Ich bin, offen gestanden, etwas '
besorgt, daß ihm ein Schaden zuge
stoßen sein könnte. Sie hätten mich
längst holen müssen. Ich verkehre in
Familien, wo der Mann eS höchstens
einen Monat lang aushält. Gold
bäum zu sein, und Ihr Mann hat
jetzt Gott weiß wie lange dagestan
den!" ;
.Soll ich nun auch noch Vorwurfe -bekommen?"
klagte die Frau. .Wenn
Sie meinen, daß er Schaden erlitten
hat, dann, finde ich, können wir ihn
ja ebenso gut stehen lassen, wie er
steht."- . - - ,v-
Ich hafte für nichts." sagte die
Fee. s .Aber wir wollen in den Gar
ten gehen und einmal nachsehen, wie
er sich ausnimmt."
Ich habe nicht den Mut, ihn zu
sehen. Ich will ihn nicht sehen!" .
Da ging die Fee allein in den
Garten. Die Frau und der Sekretär
saßen inzwischen im Hause und
schmiegten sich dicht aneinander. Da
hörten sie in weiter Ferne jemand
jammern und stöhnen.
DaS ist mein Mann!" schrie die
Frau.
Sind Sie denn nicht Witwe?"
fragte der Sekretär verblüfft und'
spähte nach einem bequemen Aus
gang.
Nicht ganz." flüsterte sie er
schrocken.
Sie hörten jemand die Garten
treppe hinaufwanken, und jetzt ver .
nahmen sie die tröstende Stimme der
Fee.
Die Tür ging auf, und auf der
Schwelle stand ein taumelnder, zit
ternder Greis, der mit seltsamen, er
loschenen Augen siarr vor sich hin
blickte.
Als der Greis die beiden da drin
nen sah, faßte er an sein Herz und
sank plötzlich zusammen.
Nun sind Sie von ihm befreit,"
sagte die Fee. Freuen Sie sich dar'
über, er wäre doch nie wieder Mensch
geworden." -
Schluchzend warf sich die Frau
über den Toten. Ihr Gewissen er
wachte, und sie hatte so grenzenloses -Mitleid
mit sich selbst.
Dann erhob sie sich langsam und
wandte sich zu dem Sekretär, der
ganz zerknirscht dastand.
Nun müssen - Sie Goldbaum
sein," flüsterte sie fast unhörbar.
Zeigen Sie mir, daß Sie mich eben
so lieben wie der, der dort liegt. Sie
haben mir so oft erzählt, daß Sie in
den Tod für mich gehen könnten.
Nun nehme ich Sie beim Wort. Le
ben Sie wohl, mein Freund."
Den Sekretär überlief ein Schau
der.
Dann ging die Fee mit dem Un
glücklichen langsam in den Garten
hinab. i
Unverfroren. Handwerks
burs.che (der auf dem Apfelbaum sitzt.
zu dem herankommenden Bauer):
Gut. baß !sie kommen, lieber Mann:
sagen Sie mal. was kostet der Zent
ner von diesen schönen Aepfeln?",
Jmmergtmütlich. Schau
spieler (auf der Bühne den Dolch z!e
hend): Wohlan, so ende du denn n,ei
i,e Leiden, treue Waffe! flrntb
chen (ruft von der Galerie :eru,i
ter): Hären Se, die Sache will sich
denn doch recht überlägt sein.
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