Tägliche Omaha Tribüne. (Omaha, Nebr.) 1912-1926, November 11, 1912, Image 7

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Dik pd,. .
' In einem srUhkrkn Modebr!cht ist
kkkkiti von den Drapierten und den
dazu im Gkgknsatz flkhentxn schlich
ten Kleibern mit glatten Linien vnd
fast taillkurmäbigem Schnitt die Nrdk
aewksen. (51 versteht sich wohl von
selbst, dah die ersteren überall da orn
Platze sind, wo einige Ansprüche an
lkleganz fiestellt werden, wehrend JI
tnfostjt titiö mehr für dtt Straß
reiervun bleibt. Wan wird nämlich.
solange 8 die ffQiüfrunii juffifi mif
bn diel Straßenkleider tragen, die.
oui Dtn movernen Sammeten. Plü
schen oder flauschigen Wollenflokfen
sif:ut, genügend ftolieicmitj aewäb
ten und bei kaltem Wetter durch eine
per movernen großen Pelzumnahmen
Ergänzt werden. Diejenige Art von
Kleidung, die man jetzt in Paris
Directoire" , nennt, ist eigentlich
kyvksch sur d,e Kkidermode und Bai:
ungefähr den Mittelweg zwischen dem
emsachen Taluenkleide und der fr
spruchsvollen drapierten Nachmittags
miette. Die drapierten Nackmittaas
kleider. für welche die großen Pariser
scynnder vielfach halbseidenen Cache
!ire. Libertysatin, Moiree zusammen
mt sammet oder Plüsch verarbeiten
um oen modernen dünnen Tücken mi
Ihrem seidigen . Glanz ausgeführt.
tieotn sie ebenlo gut aus!) sind ae
wohnlich von einem dreiviertellangen
jo lumpaletot. event, aus abstecken
dem Stoff, der ebenfalls rafft ist.
. begleitet, und der in der Garnitur
en Stoff deö Kleides wiederholt.
Wiese Paletots find hinten nicht selten
TO lang, san sie in einer kleinen
,'Cchleppe nöejt. Häufig hat man sie
linnen derart ausgearbeitet, daß sie
Mus veioen Seiten tragbar und und
m Anzug dann fehr verschiedene
Wirkungen geben. Hier wie auch bei
den einfachen Straßenkleidern und
ebenso bei Straßenmänteln und
Jackenkleidern fällt eine Farbenfreu
digkeit auf. die man fönst im Winter
liehen Straßenbilde nicht gewohnt
war. So grelle Farben wie Bischofs
lila. Absinthgrün, Kardinal. Königs
bkau, ' selbst abgetönte Nuancen wie
.bleu electric". Gelb bis Goldbraun
und verschiedene Arten Fraise wirken
natürlich zunächst etwas überraschend,
doch ist nicht einzusehen, warum im
Winter ausschließlich indifferente
Farben getragen werden müssen. An
den Jackenkleidern lassen sich die der
schiedensten modernen Schnittformen.
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(I die mehr oder weniger vom klassischen
l . Tailleur abweisen, feststellen.
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In Paris gibt man augenblicklich
. 'j der ',Cutaway"Form mit noch auf
, . fälliger zurückgeschnittenen Vordertei
)hn den Vorzug. Die Rückenteile sind
länger, sie wachsen oft zu richtigen
.Schwalbenschwänzen- aus und wer
..''frpi auch allgemein so genannt. , Mir
V cfer Form geht gewöhnlich der In
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in,
crovable" Stehumlegekragen einher.
vorn leicht auseinander stehend und
mit, schwarzer Seidenkrawatte zu
sammengehalten.
Eine Farbe, die stets von autem
Geschmack zeugt und nie gegen die
Mode verstökt. ist schwari. Die in
unserem ersten Modell (Fig. 1) zu
Tage tretenden schlanken Linien tra
gen diel zur Erhöhung der Grazie
und Eleganz bei. In schwarzem
AtlaS ausgeführt, mit .Pertha' und
Aermelaufschlagen au? iwerer Eeru
Spitze, macht ein solches Kostüm einen
sehr , vorteilhaften Eindruck. Der
Spitzenkragen reicht hinten in einer
scharfen Spitze blS über die Taillen
linie hinaus und ist in der Taille un
tcr kleinen schwarzen Atlasknöpfen
gerafft. Der seitige Rockschlutz ist
durch eine Reihe großer Atlasknöpfe
markiert.
Für das jugendliche Gewand des
nächsten BildcS (Fig. 2) wurde Ko
penhagener blauer Serge von außer
gewöhnlich feiner Qualität gewählt.
Ein breiter Kragen aus schwarzem
Atlas reicht vorn nur ein wenig über
die Schultern und wird hier gewisser
maßen ergänzt durch strahlenförmig
angeordnet Bänder aus schwarzem
Samt, an der Spike verziert mit
blauen Krhstallknöpfen. Dieses wir
kungsvolle Besatz - Arrangement fin
det sich auf der Taillenlinie wieder,
wo jeder Bandstreifen eine Falte des
Kleidstoffs begrenzt. Durch diese
Fältchen wird eine gefällige blusenar
ige Füll der Taille erzielt. Der Rock
hat Seitenschluß, dessen untere drei
eckig Oeffnung mit schwarzen Samt
bändchen besetzt ist.
Verlockend schon in Farbe und
Schnitt ist das im nächsten Bilde
(Fig. 3) veranschaulichte Kleid auö
IV.
Ij"!
JP
: ......... iY.
sealbrauner Charmeuse mit Samt
besab in tieferer Schattierung. Äus
Samt gefertigt sind der Kragen und
der schmale Gürtel, der dorn ine
kleine Perlmutterschnalle trägt. !8e
sonder, gefällig ist Schnitt und An
ordnung der Aermel, deren breiten
Aufschläge mit Knopsbesah und ßwei
schmalen Spigenruschen geziert sind,
Die Oberarmel sind unter dem Aus
schlag gebauscht. Ein Passementer!
Motiv in der Farbe des Samts ziert
die Front der Taille. Der Nock hat
einen Doppelten Tunika-Essekt.
Die nächste Abbildung (Fig. 4)
zeigt uns einen Samthut in dunkel
blauer Farbe mit breitem Rand, und
als einzige Garnitur ein graziös nach
hinten zauenves Feder'Arrangement,
da! den Rand um mehrere Zoll übe;
ragt. Die Krone ist rund und ziem
lich niedrig, waö für die diesjährige
Mode bei dieser Art von Hüten cha
rakteristifch ist. Für den Federschmuck
in schillernden Farben können Strau
ßenfedern, Federn von Paradie?vö
geln und Aigretten verwandt werden.
Gin reizendes Abendgewand in
rosafarbigem Krepp ist der Gegen
stand der nächsten Skizze (Fig. 5).
VL
Mit Ausnahme des Spitzenkragens
und einiger Längen Band ist der
Besatz vollständig aus dem Kleidstoff
yergtcllt. Der viereckige alsaus
schnitt der Bluse ist fast ganz von
der Spitzen-.Bertha" verdeckt, die aus
breitem Spikeneinsatz mit doppelter
Kante gefertigt wurde, und durch
welche ein breites, vorn in einer
Schleife endigendes breites Atlasband
in kontrastierender Farbe geschlungen
ist. Der Rock ist mit zwei Reihen
Rosetten aus dem Kleidstoff besetzt.
Ein wenig eigenartig und kompli
ziert ist das zuletzt (in Fig. 6) wi,
dergeqebene Kostüm aus mausfarbi
gem Samt und Joch aus rahmsar
vlger spitze. Es t t vorne un Eton
Effekt geschnitten und hinten mit
dem eingangs erwähnten .Schwalben
schwänz" versehen. Die sehr schmalen
Revers fallen über einen breiten Kra
gen, der bis weit über die Schultern
reicht, ueber diesen legt sich em zwn
ter Kragen aus rahmfarblgem Alias.
mit dem auch die Aermel verziert sind.
Einen wkiteren Schmuck der Aermel
und Weste bilden kleine schwarze
Atlasknopfe. Der Gürtel aus schwar
zem Atlas trägt eine Schnalle aus
Bernstein. Die etwas schräg geschnit
ene Tunika ist von einem breiten
Samtstreifen umsäumt.
- Ein tötlicher Un
glücksfall hat sich in Magdeburg er
eignet. Der dortige Stadtverordnete
Kaufmann Friedrich Kratzenstein, In
Haber der Speditionsfirma Albert
Lüddecke, wurde auf der Rückfahrt
von der Jagd ?m Eisenbahnwagen
durch Selbstentladung seines nicht
entladenen Gewehrs getötet. Der Ver
torbene war 51 Jahre alt und er
reute sich großen Ansehens.
Di aufblühende Ge
meinde Hohecnfchönhoufen, nordöstlich
von Berlin, beabsichtigt das alte
Schloß nebst feinem zehn Morgen
großen Park anzukaufen. Der Plan,
der vorläufig erst in der Grunder
werbskommission besteht, dürfte die
Zustimmung des Plenums finden.
Der Kaufpreis beläuft sich auf etwa
400.000 Mark. Die Gemeinde hat d
Absicht. Schloß und Park auf eine
Reihe von Jahren an einen Unter
nehmer zu verpachten, der hier ein
VergnügungS Etablissement großen
Stils errichten will. Der alte Bcsitz.
der gegenwärtig einem Fabrikbesitzer
Sckmidt gehört, hat eine interessante
Geschichte. Das Schloß ist über fünf
hundert Jahre slt. Die Quitzoms
hausten auf ihm vorübergehend. Von
späteren Schloßherren seien erwähnt
die Köckerike. der Staatsminister von
Friedenthal, der hier in den 70er
Jahren Anpflanzungen und Fasa
nttien anlegte, der Landrat Scharn
Weber und Graf Friedrich von Schön
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Bon L. El, &ulMl.
Ich weiß nicht, ob ei daher kam
daß in ihrem Elternhaus, ein nl
Wiege stand, auf der Tulpen und
brennend Herzen gemalt waren, in
der Dachkammer oder tn sonst eine:
vergessenen Winkel, in den sie nl
Kind schlich und träumte von den
lebenden Puppchcn. die so eine Wieg
füllten und die alles von selbst tun
konnten, die Augen schließen, mit den
Beinen strampeln oder ob eS ri
verlorener Funke von Romantik war
der in dein alten Herzen hervorbrach,
weil er doch nie im Leben einen rech
ten Ausweg gehabt hatte wie dem
auch fet sie kam ganz von selbst
aus die Idee, den Leutchen eine Wie
ge zu schenken.
mt sie den Vevanien einmal ge
faßt hatte, ließ er sie nicht mehr loS
sie war ganz Feuer und Flamme und
lief gleich zum Schreiner, um sie ma
chen zu lassen. Sie mußte von Lin
denholz fein mit abgerundetem Kopf
und Fußende und Läufen wie in alt
modisches Schaukelpferd. Die Flll
lung wollte sie selbst anfertigen, die
Maleret der Tulpen und brennenden
Herzen aber, auf die sie sich am mei
sien freute, sollte ihr eine jung
Freundin besorgen, die moderne Lieb
haberkllnste betrieb und den Pinse
über zahlreiche Haussegen, Wand,
breiter und Photographierahmen em
sig spazieren ließ.
Da saßen denn die beiden Tag für
Tag zusammen in einer Stube des
winzigen Hauses, daS sie von eine
alten Tante geerbt hatte. ES stand
m einem kleinen Gartchen voll Bau
ernblumen, di auch die Modelle für
die Malerei lieferten. ES gab Tage
und Zeiten, wo sie nicht an der Wu
ge arbeiten konnte, weil sie Stunden
zu geben hatte, denn sie füllte ihre
alten Tage und ihren mageren Geld
beute! mit solch fremdsprachlichem
Unterricht, wie er gerade ihres Weges
kam. Not hatte sie keine zu leiden
aver auch leinen llebersluß. Elgent
l,ch hatte sie es recht schon und ge
mütlich haben können in ihrem äui
chen, wenn sie nicht unglücklicherweise
eine Passion gehabt hatte, der
frönte in der Zeit und außer der Zelt,
Sie konnt nämlich nicht leben, ohne
andern etwas Liebes zu tun. An u
gendeinem Plan dazu spann sie stets.
DaS macht nun diese Geschichte
unzeitgemäß. Obgleich sie Wort für
Wort wahr ,st. st sie doch gar nich
unmaor chetniicy. weu sie aus eine
Zeit zurückgreift, wo die Helden ei
ner Erzählung entweder ganz blen,
dend weiß oder ganz schwar, waren
Das alte Fräulein gehörte, fürchte ich,
zu den ganz weißen. Das kam aber
nur daher, weil sie keine Zeit hatte,
ein schwarzes Lasier zu kultivieren.
Das Schwierige bei einer solchen Sa
che ist dies, daß so ein Charakter nur
schwer glaublich zu machen ist in ei
ner Zeit, wo wir schon längst nich
mehr an schwarze oder weiße, son
dern nur noch an graue, schachbrettene
und Kümmel und Salzmenschen ae
wohnt sind. Ich habe mich deshalb
redlich bemuht, an ihr Eigenschaften
zu entdecken, die auf das hohe Lichl,
das auf ihrem Charakter lag wie der
Silberschnee auf dem Montblanc, ec-
nen dunkeln Schatten werfen könn
ten, da ich aber nicht! wirklich Dra
malisches finden konnte, mich ent-
schlössen, ihre Passion für andere
selbst als einen großen Fehler anzu
sehen, sozusagen einen Trieb, dem sie
in ihrer Schwäche nicht zu Widersie'
hen vermochte, genau so als ob sie
em Gewohnheitssauser gewesen Ware
Als die schön dunkelgebeizte Wiege
einmal im Hause war, gab eS keine
Minute mehr, die nicht auf ihre Aus
fchmückung verwandt wurde. Das
Häuschen war voll Leinenschnikel.
das junge Mädchen kam täglich mit
ihren Pinseln und den Tuben voll
Oelfarbe Sie war von der Begei
sterung des alten FräuleinS so ange
steckt, daß sie gar nicht anders konn
te. als mittun. Während sie nun die
Muster auf das Holz pauste, schnitt
die andere die Kops und Deckende
züge aus und stopfte daS Kissen mit
schonen, weißen Federn.
Ach Gott sagte sie dann, und
wog das winzige Ding auf der Hand
.wie süß das kleine Köpfchen dar
auf ruhen wird! Und daS Wasser
trat ihr in die Augen, wenn sie sich
den kleinen Kalzikops vorstellte.
Das Fräuleinchen mit den Pinsekn
sagte aber immer nur: Ach ja, Frau
lern" sie hatte nicht viel Phantasie
und stand eigentlich gänzlich unter
dem Banne der großen Enthusiast,
äugen, mit denen das alte Fräulein
sie anschaute.
Die kleinen Bettücher mußten na
türlich mit einem feinen Hohlsaum
verziert werden über drei Fädeil
, dessen Gestichel zwar ihren Aug?n
nicht besonders wohl tat, ober vi
Wirkung des Ganzen unglaublich er
höhte.
Ueberhaupt nahm sie als Jdeali-
stin. die sie nun einmal war. nicht die
geringste Rücksicht auf sich und andere
in der Ausführung ihres Planes.
Ihre Augen, ihre Börse, ihre Zeit
mußten erbarmungslos herhalten.
DaS junge Madchen, das tagtäglich
eine kleinsten Frondienste leistete, tt
a alles so herzlich gern, eS wurde
ober auch gar nicht erst gefragt, ob eS
ZieZvlkge.
wolle oder nicht. DaS alte' Fräulein
wäre auf solch eine Idee gar nicht
verfallen. DeS weiter war sie auch!
gar nicht auf den Gedanken gekom
wen. daß in unsern Zeitläuften die
'U!!ege doch sozusagen ein uberwun
dener Standpunkt ist, daß man viel
mrtir ttL hnriUfif k!
bürger in ein hygienisches Drahtkäl!
r VVtAlklf l r IUMV)l r
chen zu legen, da fest auf vier Bei
nen steht, weil die alte Unsitte de
Wiegen dem Gehirn des Kindchens
schaden könne.
Clever otk. an all das valte sie
nicht im entferntesten gedacht. W'e
hätte sich auch eine nüchterne, eiserne
ekl teile mit einer Wiege vergleichen
können, einer Wiege mit Tulpen und
brennenden Herzen, in deren schau
kelnder, mit Poesie getränkter Behag,
lichkeit daS deutsche Volk eben daZ
geworden war, waS eS war. und niqt
daS schlechteste unter den Völkern.
Sie hatte nämlich einen ganz be
sonderen Respekt für ihre eigene Na
tion, wie sie Menschen oft haben, die
lange in der Fremde gelebt haben
und sich deshalb mit allen Fasern an
die Heimat klammern. Manchmal
freilich werfen sie alS unnützen Bal.
last alles über Bord, WaS sie an ihr
Geburtsland erinnert, und werden
tockengiander oder Amerikaner und
ganz rot und verlegen, wenn man sie
an ihre deutsche Abkunft erinnert.
Daraus geht nun wieder hervor,
daß die Theorie der weißen oder
schwarzen Seelen falsch ist und daß
es tatiacollch nur solche gibt, die aus
schwarz und weiß so zusammenge
legt und gesprenieit sind, wie em
italienisches Mosaik. Denn sonst
hätte das alte Fräulein ein Draht'
dettchen fertig vom Xlteseranten bezo
it, mit fabrikmäßig hergestellter
Füllung. waS ihr auch nicht teurer
gekommen wäre, ihr aber viel Zeit
und Muhe erspart hatte, ko aber
mußte sie, eigensinnig und eigenbro,
lerisch wie sie nun einmal war, zeden
Saum, jede Nacht, jeden Stich selbst
machen, mußte jedes Blümchen und
jedes Blatt unter den Fingern des
Fräuleinchens entstehen sehen, nur
damit sie die Freude auskosten und
die liebevollen Gedanken los werden
tf i r . t
ivnnie. oie sie sur oen neinen roen
durger binemstichelte. und wenn das
nicht krasse Selbstsucht ist, dann weiß
ich nicht Bescheid.
Als nun das Unikum so weit fer
tig war, die Bezüge gebleicht und
mit Bändchen gebunden, die rosenro
te Satindecke gestickt zu Seide
hatte es leider nicht gereicht kam
endlich der große Tag. an dem die
Wiege ihrer Bestimmung übergeben
werden sollte. Nicht ein Stich fehlte,
as alte und das mnge Fraule,n
sahen sich selig und voll Stolz ' cn.
Ein Dienstmann kam mit einem
Handwägelchen, um das liebevolle
Kunstwerk an seinen Ort zu bringen,
und wenn es ihm schwer vorkam, so
wußte er freilich nicht, welch ein Ge
wicht von Imponderabilien hineinge-
legt worden war.
Den beiden aber war es so zumute,
als ob sie etwas Liebes begrasen
hatten. Die Stube war auf einmal
o leer. Aber über einem Taßchen
Tee richteten sie sich wieder an dem
Gedanken aus. welche Freude die An-
kunft der Wiege hervorrufen würde,
Nun hatte die Geschichte wohl ein
eliges, fröhliches Ende nehmen kon-
nen mit der Ankunft und weichen
Bettung des kleinen Erdenbürgers.
Es kam aber, wie so vieles in dieser
Welt, ganz anders.
DaS junge Paar, an dessen Ge
chick da alte Fräulein ein fo wer! I
ätiges Interesse nahm, stand woh!
mit beiden Füßen auf dem Boden ei
ner neuen Zeit, in der Wiegen mit so feierlicher, merkwürdiger und seli
Tulpen und brennenden Herzen gar er Gefühle, daß ihr die Tränen in
keinen Raum hatten. Es muk da so die Augen traten und immerzu die
recht felbstzufrieden gestanden haben.
daß ihm auch nicht der geringste
Raum für m teilnehmendes Ver
. , L I
ändn S anderer Gedanken und Ge
üblswelten verblieb, und besonders
Nicht für das zarte VesUhl von lltuy
rung. daS in einem sensitiven Men
schenherzen aufgeht, wenn eS sieht,
wie sick ein anderer liebend um sein
. L . ... . . '
Schicksal bemüht hat. Sonst hätten
r '. -v, r. '..' ' i.ü
si Nicht 0 yanoklN Ivanen. sonst
bätten sie sicher nicht das Zarte,
Schone, das ihrem Kind in , jeden
Stich und Strich hineingelegt wor
L- . . . . . 'It.K.- . ?V j - jf c .
den war. fo gänzlich Übersehen und
nur ibrem Berdruk über die weck,
lofiakeit und Sckrullenbaftialeit des
Geschenkes Ausdruck geben können,
Es aibt ia Menschen, die sich gerade
- , . . n J ... I
über eine ihnen uaedachte Freuve
mehr erbosen als über alles Mißliche,
was ihnen der Himmel schickte.
' '
Da fragt wohl mancher: Ja. aber
ollten sie als ehrliche Menschen doch
nicht lieber sagen, waS sie fühlten,
Mrmih nhrr 5, hätten iw rnrt in
w...u, .... ,.. a-- i- 1
ühlen dürfen und das macht einer
olchen Diskussion ein Ende, denn
man kann keinem Menschen seine Ge
fühle vorschreiben. Wenn ihr's nictt
fühlt, so könnt ihr's nicht erjagen"-
V i m ..it. ..v '
laai woeiye uno man iiinn mi:
hoffen, baß solche schiefen Töpfe be!
t v . i - il
der naa ten neiung iyres ions, vie
der große Schöpfer und Töpfer dot
nimmt, etwas weniger stumm und
eng geraten.
Der junge Ehemann also, kaum
daß er einen Blick auf die Wiege ge!
m rf-ii. i V. i
worfen hatte, besann sich nicht lange,
chickte flugS nach einem zweiten
Dienstmann, hieß . ihn den Krempel
auf einen Karren laden und zurück
I fahren.
Da hätte r nun in dem Stüben
der alten Jungfrau stehen können bi
In olle Ewigkeit und hätt sie täglich
an die Bitternis erinnert, die sie er
füllte, als si: ihre Guttat so wieder
zurückkommen sah.
Aber die Vorsehung mußte schon
seit langem ein Auge auf dieser Un
glückswiege gehabt haben. Denn sonst
hatt: diese Geschichte gar nicht so ab
sonderlich und wie die Franzosen sa
gen: o a dropoö enden können.
Während näm!ch daS ölte ffräu
lein noch ganz bestürzt und mit nas
en Augen vor ihrer Wiege sak
eS war kaum eine Stunde vergangen,
daß der Dienstmann sie vor ihre
HauStur gestellt hatte , kam da
Fräuleinchen hereingestürzt. Man
konnte sehen, daß sie den Kopf vo
von einer Neuigkeit oder einem Be
gebniS hatte, so daß sie die Wiege
ganz übersah, und ehe ihr die alte
Dame noch mitteilen konnte, waS da
mit geschehen war. berichtete sie. daß
draußen im Gartchen eine Frau hucke,
halb ohnmächtig, und waS man denn
tun solle.
Das war nun die richtige ßrs
stärkung für das alte Fräulein. J?n
vix hatte sie sich all die kleinen Gril,
len und all den großen Schmerz über
ihre Abwiisung aus dem Kopf ge
schlagen und war mit flatternden
Hauben und Schürzenbändern in das
Gärtchen geflogen, wo die Fremde
hingesunken war, gerade m den R'.t
tersporn hinein. In der einen Hand
lrug sie ein Glas Milch, m der an
dern einen Kognak.
Und daS zeigt, wie sehr sie ih:e
sieden sinne beisammen hatte, trotz
ihres Aergers und ihres Idealismus,
Es stellte sich denn auch bald her
aus, daß ein Obdach und Pflege für
die Pliqerm im Rittersporn von bo
sten Nöten waren, denn ihre schwere
stunde war gekommen. Es dauerte
auch keine Viertelstunde, da war sie
schon im Häuschen, in einem saubern
ett, und schaute mit sonderbaren.
ruhelosen Blicken auf die fremde Um-
gebung,
Sie war em derbes, braun
I . i . .
orannies Frauenzimmer Mit zer
scyii enen Kleidern und kecken, dw
kein Augen. Am Morgen lag ein
dunkeläugiges Bübchen neben ihr im
ett.
Das alte Fräulein schwamm in
einer heimlichen, ganz sonderbaren
und unerhörten Wonne. Sie setzte
ihr Hütchen auf und ging hin, um
den kleinen Gast bei der Behörde an
zumelden. Von Legitimationen hat
te er naturlich keine Spur,
Zie Mutter war nach em paar
Tagen wieder aufgestanden, hatte ihr
Kind im Schoß gehalten und ihre
rastlosen Augen durchs Fenster über
das Gärtchen schweifen lassen. Nach
ein paar weitern Tagen hatte sie
heimlich ihre alten Lappen zusam-
mengesucht und war auf und davon
gegangen,
Das schwarzäugige Bubchen aber
hatte sie dagelassen
Gerade an dem Tage aber, an dem
sie verschwand, war das alte Frau
lein in das Kämmerchen geraten, in
das sie die llngluckswiege gestellt hat
te, damit sie ihr aus den Augen war.
Ueber den gewichtigen Ereignissen de:
letzten Tage hatte sie sie dann ganz
vergessen
Wie sie aber nun so davor stand.
war es ihr wie eine Erleuchtung von
loben gekommen, daß auf der Welt
nichts ganz zwecklos geschieht, und
daß die Wiege des Bubchens halber
da war und daS Bübchen der Wiege
halber. Da kam ihr eine Mischung
Wangen herabliefen und wie Regen
aus oie uipen uno rne orennenren
Herzen sieien.
t. . rt... i.
war nugs m o äuomnerm
nenstube gelaufen, um den kleinen
. tr l.
i zu ymcn uno qmeinzuprooieren.
denn sie mußte doch sehen, wi ihm
seine neue Wiege stand. Da stellte
es sich heraus, daß die Mutter auf
und davon war! Sie suchte ste im
i. NI C. ...
V", ,ci,, uvuy ic uiicu vc:
schwunden. Es war ihr des Kindes
yciiocr ein qreaen uno in wcizmerz,
aber im ganzen wirklich kein so
limmkr ais oer, oa oie Wiege zu
rückkam. Sie fand sich ab damit,
Der Kleine bekam die Flasche, die r
- . ?2 , ci' l. ti .
ucy ai vcinunsiiges nmo niaji ver
schmähte.
Und dann kam er in seine Wiege
Jetzt guckt er sie schon auS den
lieben, kleinen Kissen recht unver
P if i rw . i i mtm
mam "n. 151 2a.1 - rastlosen,
schwarzen Augen seiner Mutter. Aber
' ''i 17 imuwiij, w
unuiucii jjku neu uno uuicn tuT-;
1 . ... v... ...
4 r ,B mnn
W überzeugt ist, sie bnngtS wenn
m zu emem guten nve.
, Und daß Gott es will, ist ja klar,
wst hat e er die ganze Sache nicht
in sput inrnfirim
r -i
k t i , n n n t. h n m, .;;fif,
,e iange 3eit in ben im Laden aus
backen bemm. ohn TtA .
einein Kauf zu ntscklieken. Endlich
sagte der Inhaber: .Wünschen Sie
etwas zu kaufen?" Die Dame sah
f ' . . . . . '
erstaunt auf: .Was sollte ich sonst
wollen?" Ich dachte. Sie nehmen
Inventur auf, gnädig Frau!"
Praktische Zwecke.
?!ur solch bat Amundse brl Ulm e
planle S!rdpslreis tm Auge.
Wie man sich erinnern wird, hat
Roald Amur.dsen, der Entdecke des
Südpol, nach feiner eigenen Ver
sicherung die .Diversion' nach dem
Südpol nur deshalb ausgeführt, um
durch eine kühne, .sensationelle" Tat
Volk und Regierung seiner Heimat
zur Hergabe der ihm damals groß
tenteilö noch fehlenden Geldmittel für
eine Treibfahrt "durch das Nordpolar
decken zu veranlassen. Diese Speku
lation ist richtig gewesen: Amundsen
ist inzwischen daS nötige Geld zur
Verfügnug gestellt worden, und eS
handelt sich nur noch um' die lehte,l
Vorbereitungen. Das Erpeditions
schiff .Fram" war nach der Rückkehr
auS der Antarktis in Buenos Aires
verblieben und ist dort ausgebessert
worden; es wird vermutlich noch vor
Ablauf dieses Jahres uf das Kap
Horn in den Großen Ozean segeln,
dort mehrere Monate magnetische
Vorarbeiten ausführen und vom kam
menden Fruhio.hr ab in San Fran
cisco zum Aufbruch nach der Bering
Itrcche bereit stehen. Dieser ist für
den Juni zu erwarten. Was gedenkt
nun Amundsen am Nordpol zu lei
sten?
Nansens berühmte dreijährige
Treibfahrt von 183S 96 durch das
Nordpolasbecken hat wichtige oeggra
Phische Fragen gelöst, andere, neue
entstehen lassen. Als Nansens bedcu
tendstes Ergebnis darf bezeichnet wer
den. daß r an Stelle des erwarteten
vielleicht inselreichen seichten Meereö
um den Nordpol eine infelfreie Tief
see auffand, in der er bis zu 4000
Meter lotete. Zur Auslotung große
rer Tiefen war der Fram" damals
nicht ausgerüstet, deshalb nicht, weil
eben eine Flachs vermutet worden
war. Es ergab sich aber doch soviel,
das das unbekannte Nordpolarbecken
zum weitaus größten Teile mindestens
2000 Meter tief fein müsse. Dem,
entsprechend bildete sich nach Nansens
Heimkunft die Anschauung, daß der
Nordpol im Meere, nicht auf dem
Lande läge; denn Land von nennens
werter Ausdehnung könne dort nir
gends vorhanden ' sein eine An
chauung, die Pearys Zug zum Nord
pol ja auch als richtig bestätigt hat.
Dieses Meer will Amundsen gründlich
erforschen und zwar mit Hilfe einer
Treibsahrt, d. h. einer Fahrt, bei der
das vom Eise eingeschlossene Schiff
mit demEise treibt; er hat daher seine
Expedition als eine hydrographische
und als rein wissenschaftlich bezeichnet.
Zunächst kommt es ihm auf die Lo-
ungen an. aber diese sollen nicht
allein die Tiefenverhältnisse klarlegen.
Man kennt jetzt Methoden und In
ftrumente. mit denen man Bodenpro
ben nicht nur ; vom Meeresgrunde
elbst, sondern auch aus mehrere Me
ter darunter liegenden Schichten har
aufholen kann, und daraus können
und müssen sich wichtige Tatfachen für
die Erkenntnis der geologischen Ge-
chichie des Nordpolarbeckens ergeben.
Andere Aufgaben Amundsens sind
genaue Tcmperaturmessungen in der
artifchcn Tiefsee und Strömungs
beobachtungen in ihr durch Ekmans
Propeller - Strömungensmesser, so-
wie Beobachtungen darüber, wie sich
die Gezeiten in den unteren Meeres-
chichten bemerkbar machen. Die Ur
achen derMeeresströmungen sind noch
nicht aufgeklärt: fo weiß man nicht.
ob da die Winde eine wesentliche Rolle
prelen oder nicht. Im Polarmeer '
können die Winde dort, wo es mit
einer festen, Eisdecke überzogen ist, auf
das Wasser nicht einwirken; deshalb
ind von Beobachtungen gerade hier
wichtige und vielleicht entscheidende
Aufschlüsse über die Ursachen der .
Meeresströmungen zu erwarten.
Ueberhaupt sind alle Messungen von
einem im Eise festliegenden Schiffe
icherer als von einem Schiffe tm
ffenen Wasser. Schließlich gehören
natürlich auch . meteorologische und
magnetische Beobachtungen , zu
Amundsens Aufgaben. ,
Den Nordpol selbst hatte Amund
cn von Anfang an nicht auf dem
Programm, obwohl er damals noch
tcht gefunden worden war. Hierüber
ieß sich Amundsen zu Beginn des
Jahres 1909 folgendermaßen aus:
Viele Leute denken, eine Polarerp-
dition sei eine Verschwendung von
Geld und Menschenleben.' Für diese
Leute verbindet sich die Vorstellung
von einer Polarezpedltion mit der vcn
einem Rekord, d. h. der Aufgabe, den
Pol zu erreichen oder' doch höhere
Breiten als frühere Expeditionen.
Handelt es sich in der Tat darum,
dann haben jene Leute mit ihrer Mei
nung von der Bedeutung solcher Ezpe
ditionen recht. Ich muß aber mit
allem Nachdruck betonen, daß Polstllr
mcret nicht der Zweck meiner Expedi-
ton sein wird. , Diese Aeußerung
gibt, nebenbei bemerkt, eine Vorstel-
ung davon, wie Amundsen personlich
ernen Erfolg am Sudpol einschätzen
dürfte. Was Amundsen im Nordpo
argebiet jetzt erreichen will und kann,
t aber nicht durchivea abstrakte Wis
enschaft; seine dortigen Beobachtun
gen müssen vielmehr manche Erschei
nungcn der südlicheren, der Schisfahrt
dienendm Meere erklären und damit
praktischen Zwecken nützen, '