Nebraska Staats-Anzeiger und Herold. (Grand Island, Nebraska) 1901-1918, October 04, 1917, Sonntagsblatt, Image 11

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    Kinde-V Not.
MIIIIM
—
n. sen-muss s
Ja, ee wollte diese Frage stellen
Ee war entschlossen. S on sian et
vor dem Offtztee im tbelsateam
die andern wie eine dichte Mauer
hinter ihm. Ein peitsendee Mit des
Offiziets traf ihn. Ohne mit der
Wiens-er zu zucken, hielt Konrad den
slict aus. Er finunte iibee sich tel
ber. wie ruhig, wie still plötzlich alles
in ihm geworden war. Mit voller
Deutlichkeit erkannte nnd fühlte et
einei: daß er vor einer große-n Ent
scheidung feines Lebens sinnt-. Und
es wollte ihm scheinen. als les diese
Entscheidung etwas so« Selbstver
ständliches-, so Zwingeiides, laß et
zur nicht mehr vegeth wie ee nicht
s
chon längst ihr so ruhig, so ltae. so
ill hatte gegenüberteeten können.
»Motive Sie als Feeiwitliger in
die Armee eintreteni« fragte ver Of
fiziet. Und wie Musik klangen Kon
rad vie Worte.
«anohl!«
»Wie heißen Stet« · — 3
»Ftiedrich Wilhelm König!«
Ohne jedes Stocken laut kie Ant
wtkt —
»Wie alti«
»Achtmibztvanzig!«
»Was sind Sie?«
»Gutsbesitzer!«
»Von um«-«
»Aus Pommetnl'
»Meist«
»Sie-w
Schlag auf Schng kamen Frage
nnd Antwort.
«Besitzen Sie die Mittel, sich selbst
aus utiisten und est-salicisan
»åawohl!«
·«Haben Sie die Mittel l;iek?«
»Juki-phil«
»Wünschen Sie bei der Klivnlleeie
oder bei ver Jnlunteeie einzutreten?
Oder etwa bei der titulierte-«
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Durij Lic- ctn teile-r EIN-is is Lx zit
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Er erhielt nur Die lukje Mitlei
-lung, daß er als Grimmig-« del de
Jnfcmterie angenommen sei und daß
er III unverzüglich beim Gar-nimm
lommondo zu melden und die erfor
getlichen Mittel bereit zu halten im
e.
Als er dorihin inm, legte er diese
Mitteilusr vor, und niemand fragl
ilm ein ori meer- Mun hieß den
Kämpfer aus Oefierreichö großem
Jahr von herzen willkommen
a, das Wunder nmr geschehen,
ein CI und Ichlichi, wie atses Große
u uir. —
Dser König Friedrich Wilhelm hat
ie einen neuen Frei-einigen — Fried
rich Wilhelm König.
Und in diesem Zusammentreffen
Fig-isten manche rineguee Vorbei-ea
Fug-g fiir den Träger diefed Namens
e n. .
« - - »
Der ug hatte begonnen. Die
eußif rmee hatte mit der ruf
Fcheu ihre Vereinigung vollzogen
und war von der Oder durch Sachs
fen bis an die Elbe, die Saale und
Pleiße vorgerückt.
Eine undergleichltche Stimmung
rtfchte in dem herr; Gottvertmuen,
odetmut, Vaterlandöliebe lebten in
jedem einzelnen und machten ihn zu
den höchften Opfern und Anstrengun
gen fähig. Freilich, nuch an Stunden
der Verzagtheii und des Meiumuts
fehlte es nicht, nlr der erhoffte glän
zende, unnufhaltfame Siegesmarfch
nach aris fo gnr oft ins Starken ge
riet. ur lnngfan tnm man vor
wärts, und als man endlich nach
langen Wochen zu Elbe und Saale
gelangte, ohne irgendwelchen nennens
werten Widerstand gefunden zu ha
ben, merlie man, daß man jetzt erft
einer Entscheidung entgegennge. Na
poleon, fo hieß es, fei in Gewalt
rnörfchen von Mainz aus mit einer
starten Armee im Anzug, ferne Vor
truppen ftiinden fchon in Thüringen
und der Kaifer feldft folltr sich in
Erfurt aufhalten. Bald mehrten sich
die Anzeichen. daß ei in der Gegend
an der mittleren Saale in der Ebene
zwifchen Halle, Weißenfrls und Leip
zig zu einem Zufmnmenftofz kommen
werde. Man geriet in Fühlung mit
dein Feinde« die Voriruppen begrüß
ten frch täglich durch Schüsse uno
kleine Reiterangriffe, und über das
ganze lHeer breitete sich jene getvitters
fchwiile Spannung, die zur Entla
-du·rrg drängt und sich der Massen un
mittelbar vor großen, umwälzenden
Ereignissen zu bemächtigen pflegt.
Das Regiment, ir; welcher- Konrad
eingestellt worden« gehörte zum Korps
des Generals don Bliicher, und mii
unbedingtem Vertrauen sah man zu
dem sugendsrischen Greis im schnee
wtiszen haar empor, unter dessenFiihi
rnng man bald von Sieg zu Sieg zu
schreiten hosstr. Noch hatte man tei
ne Gelegenheit gesunden, sich im
Kampfe bewähren zu können; aber
man ersehnte und erwartete sie, und
man atmete aus, als man die Ge
wißheit erhielt, daß an Stelle der
trostlosen Märsche nun endlich die
Entscheidung ans dem Schlaclstseld
treten werde.
Natürlich hatte Konrad sei seinen
Eintritt in das Negiment sein gro
ßes Ziel keinen Augenblict aus den
Augen verloren: Kamperinann und
Lotte wiederzufinden. Aber « das
Glück war ihm nicht hold gewesen.
Vor allem war seine sreie Zeit, die
er zum Suchen benutzen tonnte, eine
überaus tnapdez mit - zieren in
seder Art wurde de - ag vom sriis
dle Morgen bis z in spciten Abend
ausgefüllt, und dann war man mei
stens so müde, dass man wie tot ans
die Lagerstätte niedersank. An den
Marschtagen aber lonnte oon solchem
Suchen natürlich noch viel weniger
die Rede sein, denn da hatte jeder
Mann an der ihm angewiesenen Stel
le zu marschieren n. durste sias nicht
davon entfernen. Mit- andern Regi
mentern hatte man insolgedessen
taum irgendwelche nähere Fiihlung;
höchsten-l wenn sich etwa mal die ei
gene Marschroute mit der einer an
dern Truppe trenzte, sah man diese
an sich vorüberziehen oder zog selbst
on ihr vorüber und tonnte die Ka
meraden mustern.
Aber nie hatte sich der ,«-siamerad"
darunter befunden. Wo mochte er
sein? Stand er rielteicht im Yorcls
schen«tlorpø, hatte er mit diesem am
5. April bei Moder-i und Gommern
getiimpst, lag er etwa schxsn in der
tiilslen Erde
Die Ungewißheit fraß an stim
rads her-sen; seine Stunsnung litt
schwer darunter, nnd dar- seelische
Gleichgewicht wollte sich nirth ein
stellen. Der stille, l,!erde, oecschlossene
Mann wurde von Ossizieren und
Mannschasten gleich hoch geachtete
man ahnte, daß schwere Stil:ine uoer
seine Seele dahergebraust sein muß
ten, und aß er unter irgendwelche-n
Druck schwer sit leiden habe
Niemand aber war indiolret ge
nug, zn sragen. wie denn itberlsanpi
durch das ganze Heer sener Zeit ein
verfeinerte-i Empfinden und ein er
höhter Tatt ging, wie sie sonst nicht
zu sinden waren. Die Größe der Zeit
hob jeden til-er sich selbst hinaus,
adelte herz und Verstand und ließ
niichts Meine- und Niedriges im
einzelnen aufkommen.
Eine stille Teilnahme wurde stun
rad von allen bezeigt, und sie lnt ihm
wohl. Mit Ungeduld fehnze er die
Stunde herbei, wo er unter um Don
ner der Gelchiise nnd dem Knattern
des Gewehr-jenem die persönliche Vie
vtsion de- gegen ihn erlassenen
Firiegegeriehtsurteils vornehmen tiinn-f
te und die Ungerechtigkeit des letzteren
Poe aller Augen nachzuweisen hoff
k«
Die Gelegenheit tvae nlii)e.
Arn 1. Mai 1813 zogen die preu
ßischen Jenppen in der Ge end von
Leipig auf dein alten, schlechtem
beetiinnten Boden an den verbünde
ten Monarchen, dem Kaiser Alexan
der und dem König friedri Wil
lm, vorüber-. Der ge male lächer
che Stab hielt neben den Fürsten
Unter toutchender Music marschier
ieu die Kvlonnen vorbei. Konradg
lon- onko qui Gunsqu han«-»
nnd im elben Moment desegneten
sich ihre regen. Der General hatte
ihn offenbar erkannt, denn ein Liis
edeln glitt itber seine Zitge. nnd er
grüßte freundlich herüber-. Und
gleich darauf sprach er mit Konrads
Regimentstornniandeuy der den sie
giinentsrapport dein König ersinttet
hatte und danach, neben der Genera
litiit haltend, fein Regiment rnit peti
senåden Blicken an sich vorüberziehen
lie . —
Am Abend dieses Tage-z trat der
Oberst an Konrad heran.
»Ich bringe Ihnen eine frohe Bot
schaft, Ireiwtlliger!«
Konrad stand unbeweglich vor dem
Vorgesetzten , .
.tlönnen Sie reiten?" -.«
»Ja Befehl, Herr Oberst!« « -
»Ja, ja, Sie sind ja Landwirt!
Da werden Sie wohl auch im Sat
tel sisien können. Aber lönnen Sie
gut und schnell und sicher reiten?«
»Ich glaube ed, herr Oberst!«
«Gut! Der General von Gneisei
nan« hat gen-säuseln daß Sie morgen
als Ordonnanzteitee zum Stabe des
Generald Blücher kommandiert wer
den. Er will vesonderd intelligente
und zuverlässige Freiwilliqe für die
sen Dienst haben! Rennen Sie denn
den General Gireisenau?«
Konrad erzählte sein Breslauer
Erlebnis. «
»den, hin! Sie müssen jedenfalls
einen guten Eindruck auf ihn gemacht
Men, denn er hnt Sie vortrefflich
in Erinnerung behalten und befiehlt
Sie nun zu diesem bevorzugten
Dienst. Ich gratuliere Ihnen, Frei
ldilliger König, da wird ein Anan
cetnent nicht lange auf sich warten
lassen!«
F nonmd verneigte sich dankend.
»Sie werden sieh also morgen friih
5 Uhr beim General von Gneisenau
persönlich melden —- ieh habe bereits
das Erforderliche veranlaßt.'«
Mit herzhastem Händedruck ging
der Oberst
Die Kameraden drängten sich um
Konrad und beglückwünschten ihn.
»Nun aber Kopf hoch, Kamerad
Königl« hieß es. »Sie stehen im dol
len Sonnenscheinl«
Konrad lächelte schmerzlich; er
wußte, wieviel ihm noch zum vollen
Sonnenschein fehlte. —
Ain andern Morgen zur befohle
nen Stunde meldete er sich beim Ge
neral. Er traf ihn schon nach, in
voller Unisorni, vor einem mit Pa
pieren bedeckten Tisch.
»Ireiioilliger Konig, zum Herrn
General als Ordonnanzrriier lam
inandierit«
Ein freundliches Kopfniiten ani
tvortete ihm. Dann erhob sich der
General und sagte mit feinem Lä
Feeuntx auch Gxnerale tonnen pro
phetische Gaben besitzen. Jch wußte
sa in Breslau bereits, dasz wir uns
wiedersehen würden. Und hoffentlich
wehen noch heute siegreiche Fahnen
nrn und über uns. Halten Sie sich in
meiner Nähe — ich werde Sie bran
rhen tönnenX —- —
Konrad war tief ergriffen von der
herzlichen Art nnd Weise, in der der
General zu ihm sprach
»Sie sind zu gütig, Herr Gene
ral,« stammelte er.
Gneisenau wehrte ab.
Gar nicht, gar nicht! Ein wenig
Menschentenner, der seine Leute zu
kennen glaubt, und iin übrigen der
reine Egoist, der Sie in seine Dien
ste stellt. Und nan Gott befohlen —
bis nachheri«
Konrad machte kurz tehrt und
ging.
s I I
Ueber die Ebene von Groß-Gor
schen todt die Pia-lacht und schreitet
der Tod. Um die Dörfer Raimu
Kasa und Stirsiedel toiitet der
Kampf ans l;i5ct;steii. Lodernde Flam
men steigen aus den Ortschi sten z herzt
Himmel, dichter Pulverdampf
alles ein, und die Feuergalben zün
geln zuweilen aus seinen toeiszen
Schleiern heran-T wie die Glut ei
nes hochosens manchmal aufzuctt
aus ragender Esse. Die Erde zittert
unter dem Kanonendonner und dem
Schritt der rnarsasierenden und vor
riictenden Tausende und aber Tau
sende, u. durch die Lust schnitt weit
hin daö brausende Furra den hüben
tnnd das tosende » ive l'empereur!«
qvon der-ven. Die jungen Irnppen
fühlen und erkennen es: das ist heu
te ieine Piiinielei. kein Gefecht, dng
ist eine Schlucht, in der Staaten
und Fürstengeschicke aus dem Spiel
stehen« Aber eben darum tun sie bi
auf den letzten nnd jüngsten Mann
in nnvergieichlicher Weise ihre
Schall-Mein —
Gneisennu sprscht eisrig mit dein
General Bilds-en Der nickt ihm zu.
Nun wendet sich Gneisenam »Or
donnanz König!«
»Den Generali«
Der General zeigt mit dem Fin
ger in das rauchende, brennende,
prasselnde, donnernde Chaos.
»Sei-en Sie dort hinten jenes
Dors mit den Baumeeihen an seiner
Lisete?«
«Jawdhl, Herr Generali« ;
»Es ist Starsiedeli Die preußi-!
schen Gaeden mähen sich, es zu neh-ll
men. Sie bedürfen der Hilfe. Nei
ten Sie zum General Yorck, den Sie
bei Rahna finden, und bringen Sie
ihm den Beseht des Königs, alles,»
was er noch an versiigbaren Trup
pen hat, sur Umerstiißung der Gar-;
den gegen Sta del bereiteten zu las
ten. Haben S mich verstande«
« n Befehl, Den Genera-IF
« ann reiten Sie vorwärts, was
»an Pferd hergeben willl Und Gott
idesodlenk
Konrad jagte davon. Die Kugeln
fetten um ihn her wie die Mücken
fchtvärme an warmen Sommertage-L
Er achtet es nicht. Ueber Tote nnd
Verwundete führt der Weg, an täms
pfenden Sirup-den« dluienden. sterben
den Menschen vorüber-. Reiterlofe
Pferde jagen vorbei, Gefchiitze ras
eln daher, durch den Pulverdampf
wehen lustig die Fahnen im Mai
wind. —
Jetzt hat Konrad den General
Yorct erricht. Er macht seine Mel
dung. Der alte Jlegrim hat üble
Launr.
»Alle verfügbaren Trltppen?«
brnmmt er unwirfch. »Gar keine Re
serven behalten —- toll, toll!«
Aber er beißt an. und IJWI weiß
es bereits im Heer-, wenn der alte
Jsegrim mal angedissen hat-, läßt er
nicht mehr los. —- ,
Das weiß auch Konrad-, und zu
frieden reitet er zurück. Mit klingen
dem Spiel greifen die Yorcls en
Truppen an —- ein mörderischer Fi
fenhagel schlägt ihnen entgegen.
Hinein!
Konrad jagt an den angreiseaden
Regimentern vorüber. Man ruft Ihn
an, grüßt ihn: »hmra, Kamerad!«
Und »Harm, Kameradenl« antwor
tel er. ·
Vageldtcht sausen die ern-gem
Und mitten in diesem Kugelregem
kaum zehn Schritte von sich entsernt,
sieht er arg dem Flügel einer quan
cierenden ompagnie zwei Freiwillis
ge — einen alten —- einen jungen. —
Und der alte mit ioehendem Bart
marschiert breit vor dein jungen, als
ob er diesen durch seine mächtige Ge
stalt vor den seindlichen Kugeln dek
len wolle. —
Jcn Nu ist Konrad heran. Name
rad!« jubett er.
Und ein lauter, janchzender Ruf
antwortete: »Kameradt«
Immer dichter sausen die Kugeln,
und hinein in den feurigen, töilichen
Regen marschiert die Kompagnies
marschieren mit ihr die beiden Frei
tvilligen. Aber aus den Augen des
Alten und des Jungen trisst ihn noch
ein langer Blick. —
Jegt sind sie im Pulverdamps der
schwunden —- ein einziges-, wildes,
wirres, wiistes Knäuel ist dort vorn.
Konrad galoppiert weiter — die
Pflicht rust — so gern er möchte, er
dars sich nicht anschließen. -
Aber dennoch — ein seliges Ge
er iennt jetzt die Regimenisnnmmer
—- und eine starke innere Stimme
sagt ihm: »Er-Iß sie ohne Sorge zie
henl Für die ist heute keine Kugel
gegossenl«
So lomntt er zu Gneisenan zu
rück. Der sieht ihn forschend an
,,Was ist Ihnen, junger, Freund?
Jhr Gesicht leuchtet, Jhre Augen
strahlenl« —
,,E5 ist ein Stück Seligkeit vom
Himmel auf mich gefallen, Herr Ge
nerall«
»Dann schließen Sie es in Jhr
Herz, damit es .3hnen niernand rau
ben laun.«
ä- A
Die Schlacht isi zu Ende. Die
Mainacht sinlt nieder aus die blut
getriinlte Walstntt. Ein halbes Dut
zend brennender Tötser gießt ein
grausiges Licht drüber ans. Weder
Freund noch Feind erklärt sich sur
besiegt; ieiner weicht ans seinen
Stellungen. Wo der Kampf abge
brochen wurde, nn denselben Stet
len ruhen und rasten die Irnppen
O
der Verbiindcnn, mitten zwischen
Toten und Verwundeten, zwischen
Trümmern und Zerstörung. In in
rer aller Herzen lebt nur ein Otesjihlx
«Mokgen geht«-«- tueiter! Dann sollt
ihr uns kennen lernen! Und du, Bo
naparte!«
Und dieses Gefühl nehmen sie nlle
mit in ihre Träume. da ihnen ein
kurzer Schlaf gewährt wird. —
Durch die in allen möglichen Stel
lungen und Lagen Sthlasenden
schleicht sich ein einZelner. Von Zeit
zu Zeit sragt er: » tnmpercnann!«
,3weite tiompngnie, Kanterad!«
«Wo liegt sie-«
«Weiter vorn!«
»Daniel«
i Und weiter wandelt Konrad.
iFeUerfiannnen beleuchten feinen Weg
t— er kann niisi irren. Er hat sich
iUtlaub erlxsetenz er habe csnen ten
iren Freund im Yorckfchen storpg ge
ifnndem nach dein er sich ertundigen,
,den er besuchen wolle, wenn er noch
lebe. hochherzig hat ihm der Gene
rnl den Urlaub erteilt.
nAber bis 3 Uhr zurück sein! Ve
dor die Dämmerung eintritt.«
Damit war Konrad entlassen
Und nun sucht er und sucht. —- —
,.Kamperinann?« fragt er wieder
einen, der sich gerade aufrichtet und
ihn ansieht.
»Ja doch! Gleich hier! Ein paar
Schritte vor mir liegen sie beide,
Vater und Sohn.« — — « «
ngiindt « «
Ein leiser Jubel, ein Daniseufzer
in Konrads her-ten. Daan sucht er
weiter. Jeden Liegenden blickt er
scharf an, ob er nicht vertraute, ge
liebte Züge findet. Und liest —- — —
Heil fällt der Feuerchein auf ein
iugendfrischeö Gesicht, auf blonde,
kurze Los-en —- er beugt sich nieder
—- ein Paar Augen werden aufge
chlagen —- und nun ruhen beider
u en ineinander-, und Seligleit
spr cht aus ihnen.
«Kamerad!«
Ueber beider Lippen kommt leise
derselbe jubelnde Ruf.
»Was ift dein Vaterli« fragte Kon
tad.
»Er schläft, tronradl Giinne ihm
die Rahel Mit seinem Les-te hat er
mich gedeckt heute. — —- « «
»Ich ssh M« Wi
,,Aber wie fandest du unsi«
Jm Flüsterton erzählt et alles.
Erzählt auch, wie es gekommen, daß
e-- des Königs Rock trägt. Und atem
los hört sie ihm zu
»Und was sagst du zu mir's«
fragte sie leise, und ihr Auge sucht
schen den Boden. »Bist du mir böse?««
»Wie — dir -— warm-IN
»Weil ich« —- und ganz leise, faft
unhörbar haucht sie die Worte —
»weil ich mein Geschlecht verleugnete,
etwas tat, was ich vielleicht Licht tun
follte.«' —- —
»Wie könnte ich dir böse sein?«
Und ganz nahe kommt .l)r Mund
seinem Ohr:
»Komm-, sey rat es sur tsnyl Was
dir verwehrt war-das wollie i tun:
dich stei mass-it von dem Flu , un
ter dem du siehst. Es wird der Tag
lornmen, Konrad, wo alle Welt sagen
wird: So etwas tut fein Mädchen
siir einen ehrlos-n, seigen Mann!
Wenn sie ein Unerhörtes um diesen
Mann wagt, so muß dieser Mann
ihrer Liebe wert sein! Und wenn die
Welt das sagen wird, dann. Konrad,
dann soll die Stunde da sein, wo ich
biegt rusen werde!«
ränen stürzte-i ihm aus den Au
gen. Wie ein—Keulenschlag tras ihn
jedes einzelne Wort.
»Nicht weinen, Wir sind im Kriegs
lager — und Jus ist hart wie der
Boden, aus dein ich liege. Sei stille,
Konrad, die Stunde lomnst —- sei
ewiszt Und der Sieg wird unser
eint«
Da hob Kaniuermann un Kopf.
Erstaunt erkannte er den-Besuchen
»Konrad!«
»Weder Kamperniann!«
Die Männer umarmten sich, und
sie hörten beide ·lzrc Herzen durch die
Stille schlagen.
Jn schnellen Worten und in lei
sein Flusterton wiederholte sionrad,
wie er hierher lata. Mit steigende
Verwunderung horte Fianxpermaan
zu
»Jst das Zufalls Oder ist das
»Gottes Hand, Vater,« entgegnete
Lotte, »ein der mir sicher gehen dis
in den Todt«
siampermann nictie.
»Sicher bis in den Tod!·«
Einen Augenblick weihevolles
Schweigen. Dann nale Flampers
inann aufs neue das Wort:
»Und nun, lieber tionraix lassea
Sie uns aushalten aus dem Wege,
den wir betreten haben. Eigentlich ist
es ja wider alle Abrede, daß Sie
nach uns suchte.i. Ader aus eine Zol
che Entwickelung der Dinge und ein-.
solche Wendung, wie sie mit Jhncn
vorgegangen ist, lonntea irir aller
dings nicht gesaszt sein. Sie sollten
alles erst später crsahren« —
»Wenn alles vollbracht wul« fiel
Lotte ein. ’
»Ja dann: sent in oer Schleier
zerrissen von. der Zeit. und Sie ha
ben die Figuren unseres Schachspielss
mit rascher Hand vom Brett gewor
sen. Nun lassen Sie uns zu dreien
ot·llbringen, was wir zu zweien ton
gen wollten. Fiir die llntoahrhastcgs
I leit, die Sie mit Jhrem Namen ge
s trieben haben, wird man Ihnen Vers
izeihung angedeihen lassen —— daran
list nicht zu zweifelt-. Täuscht mich
I nicht aller-, so sind Sie auf dein Wege
zu Ihrem Gliick —- hnlten Sie es
mit fester Hand, stonrad!«
Feierlich tlanJ das Gelöbnis des
angeredetem
»Ich werde etl«
Und Kampermann fuhr sort:
»Wir find alle stinder oer Not —
lSie wissen eg, lieber Freund! Aber
-wir wollen srei werden von dein ei
s fernen Reis, den sie um uns geschwie
Edet hat, und one können wir, wenn
wir den Hammer zu schwingen ver
i
i
i
i
i
i
i
stehen, mit dein der Reis zerschlagen
werden kann. Zwei Teile hat dieser
lHammer: nimmermiider Wille —
das ist der Stiel — und causdauerw
de Kraft — das ist das Eisen. Da
mit werden wir uns von dem Ring
befreien, den wir Kinder der Rot
mit unserm ganzen Vaterland tragen
müssen Glauben Sie es, lieber Zion
rad: einmal stillt dann dieser eiserne
Reif von uns ao, einmal gewiß, sei
eo im Leben, sei es im Sterben —
»Wille und Kraft sprengen ihn, bei
idem einzelnen wie bei dein ganzen
s Voltl« —
; Kampermann schwieg. Aug seinen
Augen strahlte ein hehrer Glanz, sein
Bart wehte leise im Nachtwind, und
wie ein Prophet des Alten Testa
zments erschien Konrad der verehrte
I Mann. ·
! Lotte hatte ihren Kopf an Kon
s rads Schulter gelehnt, und-jetzt nahm
er wahr-, daß ihr herrliches, blondeö
ihaar der Schere zum Opfer gesal
len war. ,
; »Wie schadet« sagte.er, faßte eine
»Locke und zog leise daran.
; Sie aber lächelte nur.
- »Was schadet es, Konrad! Sie
wachsen wieder hie es Friede isti'«
s «Wnnn wird das seini«
·
" wenn wir Bd UND
einigen Mbedeut« antwortete Ie tap
fer nnd fiel-.
— Ltekedoll fragte er noch kurzen
SchMig .
Wäre et aber nicht doch vielle ich!
dets , Kamerad, du zögest wieder-·
Hausei«
nHeftig schüttelte sie den Kopf. —
»Nein, nein! So mußt du nicht
sprechen, Konrad! Ein halb voll
brachtes, im Stiche gelassenes Wert-;
dringt leine Ehre nnd macht nur lit
cherlich — nur das vollendete wird
getrönt!« ;
»Aber ich wäre ruhiger um dichl«
»Ja Hause oder hier« auf bit-mi
gem Felde oder im Kugelregen —
Iwir stehen in Gottes Hund, Kon-.
radi«
Knmpermann neigte zusiimtnend
den Kopf.
»Lnssen Sie sie, Konrad«, bat er.
»Sie hat recht! Was angekcngen ist
muß durchgeführt werden —- sonst
steckt kein Segen drin. Aber nun ist
lZeit zum Scheiben Nur noch zwei
tStunden bis drei Uhr! Dann sollen
Sie on Ort und Stelle sein, Kons
rad, nnd bei uns wird Reveille gest
l blos ent«
E Konrad sah ein, daß er recht hat
te - es mußte ge schieden sein E
gqh Lotte die Hand .
»Seht-Ue dich mir, mein guter Kn«
merad!« i
Jn ihren Augen tont wieder je-.
nek seltsame, rä.selvol1e Bl ck, den en
sch nie zu teuren wußte, und die
Glut des Feuers, das vom Dorfe-«
her darin spiegelte-, machte diesen
Blick noch seltsanier und rutselvollet..
,,Erhalte du dich uns-, steinernle
entgegenete sie schlicht und drückte
seine Hand.
»Du-z ist auch mein Wunschl« sag
te «Kampermann voll Deutlichkeit
»Tun Sie Jhre Pflicht mehr als
einmal, tun Sie sie doppelt nnd drei-i
sach, aber setzen Sie sich nicht unnö
tig Gefahren aust«
Konrad versprach es.
»Gott sei niit Jhneiu Konten-F
»Auf Vier-ersehen ztnnieradl« .
»Sobnld es möglich ist! Lebt
wohlt«
Er schritt durch die Nacht dahin
und gespenstisch groß schien sein
Schlitten im rot-Helden Licht der lo
dernd-en Flammen Vier Augen sahen
ihm nuch, bis er in der Dunkelheit
verschwunden wur.
Tnnn legte Lotte oder Leibar, wie
sie jetzt genannt wurde, ihr Huupz
»zum Schluer nieder
,,Gute Nacht, Jttnter!«
,·Gute Nacht mein Kindl«
Jlsre Hände suchten und fnnden
sich zu leisem Grun. Sie schloß die
Augen. Tief nu) rudig gingen ihre
Eltenizijgtz ulg ob sie in sanftem
Schlummer läge-. Jtlser durch ilxre ge-«
schlosseneu Wundern statkl sich Ung
smn Träne um Linne.
I I I
Ein Unendliches Glücksgefijhl hat-)
te von Konrad Besitz genommen Etl
hntte sie wiedergefunden, die ei- ges
sucht. Der eine Teil seiner Aufgabe-;
war geldst. Und wie hatte et Das ge-.
liebte Mädchen wiedergefunden! Jtur
an ihn dachte sie, nur fltt ihn hatt-(
delte sie, für ihn litt sie, hungerte
und durftete ini Feldlnger und jetzt
ihi Leben ein. War eine totche Liebs
nntee Menschen erhiåktt tell-er doch
wollte ihn neben eitler dieser Seligleits
ein Bangen nicht v.tlnssen; wenn sie
fiele, wenn eine Kugel alten Hoff
nungen ein Eine bereitetei
Jhtn grnuttr.
»Nein, nur das nicht, Vater inr
Himmel! Und wenn es dennoch le
schlossen wäre, dann laß tin-Ah zugleich
mit ihr unteigenn!« So stieg ein
heißes Gebet zum Herrn der Welt
enipo , der der Menschen Otefchidc
lenkt wie die Wiisseebäche. —
Er kam rechtzeitig zum Stiin
quartier zurück. Ochon war das Le
ben hier erwacht, und das erste, was
ee erfuhr, war die Mitteilung, Daß
sein Kommando als Okdonnanziesp
tei beim Stab aus unbestimmte Zeit
verlängert sei. ,
(Fortfetznis.g folgt). -«
—-—-- - .- -. W
—- Ein guter Vater-. —- Ein
alter Schleusenräumer bekommt von
seinen Kindern als Geburtstagäpräs
sent einen Karten mit Seife. Ge
rührt mustert er« ihn ven alten Sei
ten. Dann schließt er ihn sorgsam
in die untersee Lchnblade der Kom
inode und murmelt: »Jottedoch, die
juten Jöheenk Lit bleibt ja doch mal
alles sor sie!«
—- N a i v. -—— Lehrer: Wissen Sie,
Meier, Sie tönnten sich Jhr Schul
geld wiedergeben lassen!
· Schüler: Geht denn das, Here
Lehrers
— Auch ein Beweis. —- Ein
paar junge Leute stritten lebhaft mit
einander iiber die Heirntslvul rer
meisten Mädchen »Es gibt eine
ganze Anzahl »Mindean die gar nicbt
heiraten tvollen,« beznettte der eine.
,,Oho! Wie können Sie nur so
etwas behaupten!«
»Ganz gewiß; ich spreche aus ei e
net Erfahrung; so ost ich noch efne
gefragt habet »Wollen Sie meine
Frau werden?«, hat sie immer nein
gesagt!«
—- Kindermund. — »Sag
mal, Onkelchen, gehst du denn eigent
lich nuch.nvch in die Schule?«
»Ich, wieso denn?««
»Papa sagte doch gestern, dv -
ltommst immer mehr herunter-t«