Nebraska Staats-Anzeiger und Herold. (Grand Island, Nebraska) 1901-1918, November 18, 1915, Sonntagsblatt, Image 12

Below is the OCR text representation for this newspapers page. It is also available as plain text as well as XML.

    «W
II Jupiter-IX
schildert-ne- der Mfk nden Ereignisse
« vor dec Er rang.
«Die gewaltigen Eindtäcke der Et
eignisse unmittelbar not dem ll dek
nng Orest - Litpwik childeet
. kwia Betst-qui ia folgendem span
nenden Bericht:
Der Feind isi wieder über alle
Berge Bot unseren Augen dehnt
Ich im Zeiähnebel die Ebene. und den
horizont säumt ein Streifen von
Dampf und Dunst. Jn die Helle des
dämmeran Tages mische sich der
Stutfchein gtell lobean Dötfen die
Kojnten zeichnete-n ihre Föhttr. Hin
nnd wieder hasche die Silhonette eili
ger Kam-stinken über ferne Rappen.
Igewiyige Myutpntkouillem Fran
en-· nnd Kindetichreck der von der
Schotte vericheuchten, in Aengften da
hinbcütenden Bevölleeung. Das Gras
der kais-schen Divisionen ist weiter.
Fiirsie galt es in der verflossenen
Recht. im Gefchwindfcheitt über das
Sumpfgetände hinauszukommen in
dem vei Tage vor dem nnchdtängem
den Feind jede Stodung in dem Flu
ten der Massen eine Katastrophe het
nufbefchmäten müßte.
VII IUSMUIKUT cllllca Mit Isl
Rnch Norden, isnrner nach Norden!
Die Epifoden des Ringe-is um die
Lußliner Bahn find in die Erinne
rung hinabgefunten. allein Gegenwär
tiges. Zukünftige-s beherrfeht unfer
Bewußtsein Was noch jiingfi in un
absehbaree Weite lag, was viele fiir
ein hirngefpinft siegoerwöhnter Phan
taften halten mochten. hist, ehe wies
unsrerfahen Geftntt gewonnen: Breit
Litotvet —- der Borinarfch auf die
Festung.
Die Sumpfe bei Antopol haben
wir unhehelligt passiert- sn den zer
störten Brit-ten. vie den einzigen uns
zur Verfügung stehenden Pfad durch
ins Moorlnnd zerfchnitten, wars
zwar ein endlos Warten und Stille
ttehen. und doch hoben wiss den heu
tigen Tag auf nnfere höchstleiftung
gebracht von rund 30 Vorworfchliivi
metern. Das macht. daß die Pioniere
auf dein Posten waren und ihre Not
fiege mit fahelhafter Behendigteit ziins
werten. Weiß Gott« wo sie die Bal
len herzauherten. Stand da mitten
auf einer der grünen Sumpfwiefen
ein Schwarm von Auswnndererwck
gen, die Leitergeftelle hochbetiirmt mit
bunten Decken, Körbrn und hat-Frat,
—— pas verjagte Böltlein wehteidig in
mitten des Bafars tauernv. . . Und
du erlebte ich das Wunderliehe. wie
plöhtich eiettrißert gleichst-an die
Leutchen auffuhr-, fonrt und fonsj
deck- ihre thfeligteiten von deu;
Fahrzeugen heruWn und senten
rvie hie jäh entleerten Fahr-enge ficht
in Bewegung festen. und wtiolpnne
zu einem« trahtrqh in langer Reihel
der Spur eines deutschen Pioniers
leutnants folgten Jene Walde su
rqllten. wo haufen gefällte Bäume ge
ftapelt lagen, und wieder zuriictrolli
ten fehwerbeladen —- dahin, wo ver
toslte Brückentriisnnzer aus dein Moo
re ragten. . Die Oel-ei fliegen, die
Dämmer klopfen das erfie Geichiit
bewegt fich behutsam über die zittern
den thlen.
unr- wieder urndriingt uns die Ebene,
die rujsifche —- die unermeßliche.
hinter uns fchwelen die Refte von
Sesnswitcn eine einzige. fehier end
lose Rainenftättr. Einer der ver
ruchten Mitanftifter des ungeheuern
Brandes fand nicht mehr die Zeit,
sich aufs Pferd zu schwingen, als
unsere Vorwften du- Dsorf bettete-.
Irgend-wo im Baume hängt der Ko
IAL H
ilnsere Blicke irren iiber den Feldern,!
Mär-n nirgend einen Ruhepunkt, nie-i
xtcrxa me Spur menschlichen Verwei
l-k--:-, oder ein Weil-weichen der Ruf-i
t..r. Breite Flächen Landes liegen?
H tunc-nun und brach. Hier und
dort iideriouchcrt Unkraut ein dürftig
L».k»ieks7ijd, uno hundert Schritt weiter!
zijnxn dass Moor. Und doch ist hierl
Ui.cnfchen.1rdeit nm Werte getoesen,’
hat m Schweiß und Mühe dem
Sumpf einen Geviertzoll noch dem ein-s
dem nögeeungen and hat den Boden
gemellt, damit- pas Wasser sich inl
d:n Furchen smnmlr. Jst-et die Be-!
holte-uns ist nusgesiotbem wo daheim
in diesenSpsätsommetzeiten frohe Ern
tetknte die hände regen, starrt einen
biet die Oede nn. Jn den Wäldetns
an unserm Wege ist es die gleiche,
bedriickende Einsamkeit Da und dort
liegen Baumtiesen am Boden, geknickt
und gestürzt von dein metallenen Wet
ter-schlug. Jni halbduntet des innern
Gehölzes lauert seht ein häusteinv
menschlicher Gestalten . . Vertriebene
Sipprn die, der Msatenlnute ent
tonnen verängstet nnd matt in den
Fotft getan-seit kamen, vereinzelt tus
sische Soldaten, die ans die Gelegen
heit lauern inne tief-erwiesen — ohne
ssie hast zu riskieka nnd auch wohl
ein paar jener feitsomen Individuen
wie sie. meist nettes-date abgemagette
Greife, eines sites-bade jenes-en
W
sprang um die tnisiernden seltenJ
Kein Windmühlenflügel riihrt sich.s
zerbrochen liegt das Mergnäh sb
und zu stößt man aus eine Rassen-z
leiche, aber nur selten —- die Russenj
find Meister irn raschen Abtrnnsport
ihrer Toten. Reden dein Körper
der Spaten, noch von der ust
umkreispr und ein Mullvee d-»
piiclchen, dluigerstet, nur halb ent
spu1t- ?
I Das ist vie wiedeknhkmde Szene
rie: Felder, Wälder ohne Mensch und
iGetiet, nnd Dörser. die niederbranns
sten· Eingeäschert von der Kosatens
Isackei. Freilich« an materiellen Wer
sten siel den Mordbrennern nnr ein
IGeringes zum Opfer —: unter solch
Inkmseiigem Dach nächtigte in Deutsch
lTand tein Tagelöhner. Wie diese
HäuserT die do in Rauch und Flam
Imen ausgingen, so haben die hätten
Fder Hötigen am Fuß der mitelalter
llichen Zwingburgen ausgesehem klein
Fund armselig, geduclt und dumpsz
Kind nkn Ende glichen die Bewohner
ieinnnder auch. Da nnd dort ragt
wohl, nli einziges seines Geprägee
itn Umtteij von Meilen, ein Schloß
mit pompöiet Säulensront aus der
Oede. Da wohnen die herren des
Landes« denen die Aecker und denen
die Wälder zu eigen find. Die Ge
danken schweisen nach Deutschland, wo
das alles so andere ist. und unwill-c
liirlich mag mancher sich seligen: Kann
denn hier von einer öffentlichen Mei-·
nung, einer VoltsnertretimgI einein
organisch gefügten Staatswer die«
Rede sein? Fragen, Fragen, die nie-J
mand hört, Fragen, die untergehen;
in dem großen Halbdunkeh Reiß-;
l--h
hat seit hundert Jahren im Gesicht!
dieser Landschost irgendein wesentli-i
cher Zug sich verändert? Bruch liegt
die sumpsige Ebene, tein Wandergesell
schmettert dem Walde sein Lied und!
die hütten aus Holz und Stroh der
brannten zu Schutt und Asche. . .
so tote damals, als das Völkerheer
der Fünfhunderttausend gen Osten
slutete.
Jn unausdaltsamem Vormursch
schieden die Kolonnen sich dor, und
Meilenschrite schreiten wir alle Tage.
Unsere Galizien - Relarde sind längst
gebrochen Und heute baden tvir den
Bug erreicht! Sprung da Mitlin
nu- grauem Horizont ein schimmernd
weisz Kirchlein ins Mittagslichtt Ko
den am Bugl Den letzten diesseiti
gen Russen warfen unsere Kanonen
eins vor die Fuße; da hatte der
Fährmann es eilig. Eine Stunde
später, und mir entdeckten den Strom;
set-en zwar nur einen gern-blauen
Streifen blisen —- es war Freude
genug
20 Kilometer unterhalb Laden liegt
BresbLitotvsL Arn Rachthirnmel über
den qualmenden Trümmern am Rand
unseres Bin-ais spielen die Schein
werter der Festung, irr und saht so
wie Wetterleuchten
Ruhe? Wie est war nicht der
Wunsch des Gedantens Vater gewe
sent Und wieder gingen die Gerüchte
um, bis schließlich eines Nachts wie
von ungefähr eine Division, die ir
gendwo in Reserve stand, angerasselt
Lam, die unsere abzulssen, und an
unserer Statt den Rassen das Pug
User zu wehren. Ein paar Marsch
tage die Biwalzelte der ront entlang,
nnd wir landeten in lata.
Artillrrieiaserne del Städtchens bot
uns Quartier. Zwar taten Dürst
und Besen im dersdeten stussenheinr
not, aber dann ließ fis-I da unter
Dach und Fach ungestört hausen. Wer
Lust hatte, ging in den Ort spazie
ren, wo man die neuesten Depeschm
an die Tore der Stabhumtiere
schlug. wo österreichische und deutsche.
leichte und schwere Kolcnnen über
das Pslaster lärrnten, und wo die
Juden vor Schabbetssnjang rnit ver
mehrtem Eifer ihre ngaretten und
Weißt-rote unter die Mit-set brach
tes. .
Mit ver Ruhe, mit all den Hei-l
nen, harmlosen Alttagsfreuden, dies
man im Gedanken on one friedlicherek
Dasein sich hier draußen im Feld fvi
oft und gern nuscnalt, war's wieder
ein trügerisch Ding gewesen. Ruhe
ex: in strömende-n Regen holten sie
uns aus der Rasernenherrlichteit von
Binch . . Das nächfte halt war Ro
titnp. Ein Ort, der vor Tagesfrist
Schaut-las einer furchtbaren Kriegs
epifode gewesen war. Auf dem Fried
hof ein frifcheö Kreuz am andern,
ZM Gewehre nicht weit davon, und
600 tote Kofatenpferde. Die stoss
ten hatten Attacke geritten. Jn der
deutschen Front sollte eine Liiite klaf
fen, hatten sie drüben gerannt, nnd
hatten zum Sturm sei-lasen. Die
»Liicke« aber sperrten zwei Schüsentis
nien, Heini an heim und Lauf an
Lauf. . . Da tatn die Springflut
geraiischt —- de blinten die Läufe und
tnattetten und zwei Mofchinengewehs
te, die instit-ten . . Die Ruser brachen
zusammen; ein dünneö Fähnlein. das
die erste, Linie überrannth Fusbe
rot der zweiten. Einkommen st tei
net
Neben einer Unmenge von vers-stif
nen Unifoemen unt- UM nass
stiicken aller Urt, die He Miit nnf
dem Sei-Weib betten fes-meins
neigen, sahen des Abends einige
senkt-ev Gesang-ver ou W Los-t
Leåur. W weit Mes- aiek M
Pfeer die Brunnen Singen! d- M.
ien fie die pre zufannsm raschel
Jt.-n und berieien sich. Singen. Eseni
;Der Doknieischer, sichtlich der
jniacher der Koronm fernere den Fir
tel. Dann fangen sie. . . fi nee
allein. ein surfch mit pröchi« Jes.
nor, nnd in den Kehrt-eint ten die
andern ein, sich im Takt in Pfif
ten wiegend, mit einer Begeifiernng
und einer Disziplin, die manches Sei-«
fang-vereinsmiiglied unter uns dass
in Erstaunen feste. Den Text der;
Weise verstanden wir nichi; es waren
Klänge. aus-denen halb Midheit
sprach, halb Melanchoiie und Sehn
fucht. Nicht der Einzelfchickfale Weh
irui, Witan nnd Verlangen, aber die
Sehnsucht, die unmisgefprochene, nn-1
ier Tag gliinmende, leidende —- die
Sehnfuche eines Volkes.
Unfer Votmarsch Vollzog sich in ei
nem großen Halbkreis; in dessen
Rrenns und Mittelpunkt finnd die
Feste. Unmittelbar neben dein weisens
Dünenfnnd, der an den Rädern unfe
rer Fahrzenge aufwirdelie. gähnien
die fchwar en Spiegel der Wasser imI
Moor. s waren faure Wochenl
für unsere Monierr. Die Stiftupr
der abgeht-isten Baumbestiinde gaben!
uns einen Begriff von dern Umfangs
der Aufgaben, die dieser Bormarfchj
unsern Kriegiarchitetten gestellt hats
Die größte, die sie bewältigien, wars
hier die Beil-e üter den Bag. Auf
einer Schnitt-, die unter den Zent
nergeroichien unserer eiiernen Wagen
auch nicht unr-einen3oll vreit schmeckt-«
ie, überschritten wir den Strom. Der
rveil hundert Meter bugnufwärts die
alte, von deutschen und rufsifchenz
Vollireffern nacheinander bearbeitete;
Brücke kurz vor der Wiederherstellung;
Wir erreichten qutschitt und Hin-!
totvitza und treuzten das Bahngleiss
Liebsten-Orest Litotvsr. Und riietil
ten, die wir eine Woche zuvor bei Ko
den arn Bug südlich der Festung ge
standen hntten, nun in ihre-n Norden
in Feuerftellung. Die Front nacht
SiidenS Ein Schott Russenschrapnells’
begrüßte die Auffahrt knit Gelt-ich
und Gepolten Aus den hügeltätntnen
ringsum tret-vierten, Sendlinge der
Außensartö, die schweren Kattbey so
nahe mitunter, daß wir nicht recht
wußten, ob sie uns drüben entdeckt
hatten oder auss Geratewohl die Ge
gend bestreutern es stundenlang nicht
recht wußten. . . Stunden, in denen
man fieberhaft Zeitungen buddelt,3
Gchneltseuer aus den Rohren jagt nndZ
wieder Deckungen buddelt, wenn Pan-;
se ist. Stunden, die stiehen wie aus;
Sturmesslügelm Stunden, nach de-·
nen, wer noch das Leben hat« aus
jubelt, als hätte er einen Schas se
sunden
Jn abziehende Kolonnen schleuder
ten unsere Kanonen ihr Mei. Wir«
stellten höchste Entfernungen em und!
hätten doch, wär-I gegangen, zweimal
und dreimal so weit gezielt. Und
in vie schwarzen Zuge hineingeseuert,
die hinten weit —- aus der Festung
strömten Durch das Fernrohr sah
rnan die Rauchsahnen der letzten Loto
tnotiven, die BresbLitotost ostwärts
enteilten, aus den heeresstraßen den
Staub der abmarschierenden Truppen
und der rollenden Karten und die
schwarzen Korn-sonnen des vertriebe
nen Volkes. Die stänrnung der Feste
war iin Gange. Schon stieg in den
Rachniittagestunden dichter Qual-n
iiber verschiedenen Ecken der Stadt
empor, in der das surchtbare Ereignis
sich vorbereitete, silr dessen Notwen
digteit allein moitowitische Witlliirs
hereschast die Formel findet, der ge
sitteten Menschheit aber das Vers-änd
nis abgeht.
Ali die Nacht heradsant, verstumm
te in beiden Lagern das Feuer. Jest
konnten wir unsesiihrdet vor uns den
hätgel betreten, von dessen Kninni bei
Tageshelle ein eiserner Schauer uns
hinweggesegt hätte: vor unsern Au
en brannte der Horizont brannte die
stungl Mit ehe die« Stadt, rel
Fort-, oer seranz oer Dotter —- one
Ganze eine lauen nnierbrocheneBrnnd-;
stätie von zwei Meilen Breite, über-!
s.rahli von einem gigantiichen Feuer-s
schein, ver das Firmgmeni pure-um
übergoß und die Rache zur Dämmer
stunde erhellte. Der Feuerhero selbst
war ein lichter Streifen lochenber
Weißglui, in der nmn leine Bewegung
unterschied. Dazu war die Entset
nung zu groß. Wo aus der Nähe
gesehen das Element an hundert Stel
len entsesseli rnsie und rauschte, haus
bohe Flammen ausleckien und über
dem zusammenbtechenben Gebäu sprü
hende Garben gen Himmel schossem
nahm das Auge nur eine gleißenve
Helle wahr. Und bat sahen wir: —
wenn bin und wieder ein neuer Ge
bäudeloenplex von usen Gluten ergrif
sen wurde, wie eine Riesensnckel aus
loberte und in dein Meer bersonl. We
nige Minuten vor S Uhr zuckte ein
jähgeipaltiger Zeuerschein aus der
brennenden Fest- der das weite
Land aus einen nblick wie mitl
Gaunerei-eile muss belichleie . .
Ein Fort slog in die Lust. 60 Se
lnndskkbltet scholl ein du«-wies Kra
chen ber. -
Ersqiitiety von der Größe des«
spielt übernäliigi. standen vie
aus unserm l. So brannte Mos
kau. . . Glas siill Und schwei san-.
CI sit-i Dinke, sile die unsere pro-l
esse-Leim M possie. segelsseih
Ins-see m eine sue: vie Fest-ins
»denn-, sie esse-en die Festes-. . .
passen-m les-ist s
Von Gustav Falle.
Wie kenn X» dies elende Rest, In
der Ehre, eine eroberte rnssische Kn
none aus seinem Maeltplas stehen
zu habenl Ins dem Marttplas
wo sie sich neben dem tleinen Henn
nen, ans dem eln steinernet Adler
etwas trübe-thust throntr. vor der
Städtapsthele. die Mändung ans
den gegenüberlle den- .Goldenen
Engel« gerichtet, eldst lächerlich nor
lormnen mußte und dem Betten-is
Stoff zu den litt-seen Improvisa
tionen gab.
Wie aber laut das Restchen ln
Hinterponunern Inst seinen lcuun
viertausend Etnwolsnern zu der sel
tenen Ehre. eine erpderte russtsche
Kantine ans seinem Mnrltpkas ste
hen zu haben?
Nun, nicht anders wie Etsleben
zn seine-n Lutherdenlrnal oder Frank
furt zu seinem Goethe. Der Gerte-»
rol, dessen Truppen diese russlschen
Geschüse —- ei waren im ganzen
sechs —- erobett hatten, war zufäl
lig in X. geboren. Man sagt, aus
der Durchreise. Genug, tn dein
Augenblick, als er das Licht der
Welt etbltkltg besond er sich in dem«
Städtchen. Die schnell herbeigeruseH
ne Amme lebte noch nnd wurde als
Sehenirottrdtglelt gezeigt. s
Als Ertenntlichleit für die Mund-»
liche Ausnahme, die er del seinem
ersten Erscheinen in X. gesunden«
hatte der General von den erobertenj
Geschüsen seiner Vaterstadt eines!
..e- sehe-»- -.»2,..».;-« «t;-.«i;.e...«4
weise traf es sich, daß in der Korn-l
pagnie, die eigentlich diese Kanonen
erobert hatte ein ebenfalls ans XI
gebürtiger Musketier war. Und derl
Vater dieses beiden der den Stop
pelgesichtern der biederen Bürger
ziim Sonntag einen Feierglan der
tieh, pflegte von diesem Caschiik
nichts anders zu sprechen als: Einil
seine Kanonef
Da alle seinen Eniil tannten, aber
teiner den General je zu Gesicht be
lommen hatte, stieß er damit bei
seinen Kunden, den eingeseisten iind
uneingeseistem nur aus Wohlwollen
und zustimmendes Schmunz eln .
Dir ersten Tage des Rausches den
der Besitz einer solchen Sehensiviirit
digteit hervorgerusen h-,1tte waren!
vergangen Die Wirte hossten zwari
noch immer aus ein baldiges Aus
bliihen des Ortes, indessen es tonn
te einem scharsen Beobachter nicht1
entgehen, daß die Kanone ein se r(
beschiiuliches, sriedliches Dasein
führte und nachgerade sich zu lang
iveilen schien. Und anszer dein
Barbier sprach eigentlich tein Mensch
mehr von ihr.
Indessen verbreitete sich tii der
weiteren Umgebung von X. die Kun
de von ihrem Dasein-mehr iind
mehr, iind tain na Tagen und
Wochen auch zii Jurgen Stossel;
das heißt, Tage vergingen, bis die
Kunde zii Stossel kam, aber Wo
chen, bis Stossel sur stanoiie lam
Indessen, dasiir erschein er auch nicht
allein, sondern in Begleitung Gre
tens, seiner Eheliebsten.
Dass sie das Ding einmal sich an
sehen mußten, hatte lange bei ihnen
sestgestanden. Jedoch, bis der Ent
schluß zur Reise gedieh, bedurfte es
geraumer Zeit wie bei allem, was
Stossel oorhatte. Auch hier war
Grete die treibende Kraft. Und so
spannte Staffel eines Tages an«
nnd tutschierte mit ihr nach X.
In einein kleinen Geißhaus am
Eingang des Städtchens machten sie
batt iind fragten sosort nach der
Kanone
Das ioiire recht, meinteanirt.
Die Kanone sollten sie sich niir inal
ansehen. Täglich täineii Iteisende
von nah nnd sen-, niir uin diesen
none zii besichtiaen.
»Das märe,« sagte Staffel, nnd
Orete meinte. das habe sie sei im
iner Iesagi. Sie hätte schon tingsi
mai anspannen lassen. Aber ehe
Stossel sich dazu entschliisse, das
pserd herzugebeii tsnne es dreimal
Pfingsten iiiid wieder Weib-lacht
Tag wollte Staffel nun nicht
wahr hoben. Und see stritten srch erst
eine Weile. bis ver fchelrnifche Wirt
sie aus vie Beine beachte. Sie sollten
nicht etwa denken, daß die Kanone
zu jeder beliebigen Tageszeit den
Besuchetn sur Verfügung stände.
Bis zwölf Uhr wäre sie nur zu se
hen, dann tauche fie Mittag
.Donnettoetter,« meinte Staffel,
und nahm Hut nnd Stock nnd be
deutete, sie solle dann nur schnell
tomrnen.
.So ein Ding macht doch tetn
Mittag,« meinte Mc unterwegs
schnippisch nnd ungläubig
·Das wohl III fagte Staffel,
»aber der sitt steini tschi die Sol
daten, die Wache dabei flehen. So
ein Mensch ums doch auch einen
hope-en essen-'
Als sie aof den Maeitpla anta
rnen. feil-en sie die Aanone a ein tat
hellen Tag stehen und ein Gesicht
W ais wollte sie gähnen. Gunst
allein stand fie, und es toat kein;
Soldat zu sehen. tote sie doch er-l
wartet hatten. ceete sah sich us.
Da stand m der Iiie der Iwij
these ein fu Besch- der releltel
Ha m t see- iiae our-km
itsee vie Kanne tun-Un- !
crete fties Stvfsel nn, Ctoffel
snd den relelnden angting. Ihn!
Stoffei zog die Mitte nnd eigte
mit dem Daumen dee linken nd
iiber die Schulter nach der Kanone.
Idee Pia-spuke- verstand ihn sp
I.teich Jn, das sei die Kanone, und
e sollten nur Uranqehen nickte et«
,derfiändiich zurück.
Stoffei schwentte noch nmt dan
ftend seine Mühe und gin mit de
hetften Schritten näher. retefolg·«
’te hin ein wenig zaghaft Sie e-«
iniette sich vor dein Ipotdeter A erj
Zinnen war sie bei der Kanone wo.
JStoffel bereits das btnnte Rohr mit(
der Hand tätscheite und wollte nun
titljnen Mutes dein Untier in den1
Rachen sehen, als der Jüngiin aus«
der Apotheke mit ein paar siegen
den Schritten neben ihr war und(
sie beiseite riß Ob sie denn um«
Gottes willen nicht wisse, daß sv«’
eine Kantine vorn tosginge Unge
sädriich sei eg nur hinten. (
Geete sprang erschrocken Durst-J
und Stoffel riß den Mund aufH
«Gottes Donner, da hätten wir bei-(
nahe etwas Schönes nngetichteti« :
Also Vorsicht«wnrnte der Ring-?
iing noch einmal und verzog sich
wieder auf seinen Rekelplad
Staffel und Grete sahen sich ängst
lich nn. Stoffel lachte zum Apois
theter hinüber, aber der Manier er
hob den Zeigefinger.
Alle Wetter, dachte Stoffet, ist daz;
ein Stück, und ieine Woche danebenlj
Jst es denn schon-jäher zwisleAu ;
kr- roar zehn Minuten oaruder.x
Da gab wohl der freundliche junge
Mann drüben vor der Apothete sol
lange Obacht. Er wandte sich noch
einmal nach dem Freundlichen um.
Ja, da war der-auch verschwunden.
Staffel schüttelte den Kopf; halbl
ungläubig, halb ängstlich gingen sie
nochmals im halbtreis um das ge-!
fürchtete Rohr herunt. Aber daßlz
Stossel in Wirllichteit leine Angst«
hatte, zeigte er, indem er beim Weg
gehen sich noch einmal umwandte
und die band mutig auf die Ka
none legte. Freilich sah es so aus.
als wenn ein Junge schnell einmal
ein Pferd sireichelt, vor dem ers
nicht sicher ist, cb es nicht hinten
ausschlögi. Unterdessen lauerte hin
ter der Gardine des Apothetenfens
sters ein Blondlapf und wollte sich
ausschiitten vor Lachen.
Jin Wirtshaus waren Stossel
und Grete des Los-es doll ilber die
neue Sehensrviirdigleit don X· Aber
bei aller Begeifterung hatten sie im
Innersten ihres Herzens ein leises
Gefühl, als ob irgend etwas nicht
stimmte. Sie wußten wirklich nicht
genau, ob sie nicht am Ende doch
gefoppt seien, denn sie sagten sein
Wort vorn Losgrhen der Kanone und
von der Warnung des Apothelers.
Aber Soldaten hätten sie nicht
gesunden, gestand Staffel.
.Nach zwölfs· fa te der Wirt und
zog seine Uhr. « er Mann will
auch mal was in den Magen haben.«
Das sahen Staffel und Gerte ein«
denen selber ein wenig flau bei der
Kanonenbesichtigung geworden war,
weshalb sie sich ein gutes Mittag
rsien bestellten. Und eine Flasche
Wein wollte Staffel auch haben.
Der Wirt brachte sie. Das sei recht,
sagte er. Emils Kanone müsse or
dentlich begossen werden.
«Ernils Kanonek fragte Stoffel.
Der Wirt tat erstaunt: »Das wis
se er nicht?« Und er erzählte dem
Staffel und seiner Grete die ganze
Geschichte von Einli- Wie der eigen
händig die Kanone erobeet habe.
Und sorgte dafür, daß beide den
Mund während der Erzählung nicht
wieder schlossen, es sei denn. dass sie
einen Schluck Wein itber die Zunge
laufen lieben.
So waren es zwei Flaschen Ro
ten geworden, als Staffel zablte
und aufstund O je, Grete sauste
ihm unter den Arm fassen, so be
rauscht war der Staffel von allen
crlebnissen. Aber gut heimgekom
men ist er doch; denn sehr bald nah-n
Gerte die Ziigel und Ins-guts lang
ten sie u hause an. Danach bat
der Stossel fest ausgeschlafen Die
Orete aber auch» « ·
Das sit me Geschichte von ver rup -
sifchen Annsne auf been Makttplnkl
zu X» die aber auch die Geschichte
oon Staffel und Gerte heißen kann-F
Kanonenvoll ist ein altes Worts
Sonst könnte man glauben, ezschtiei !
be sich von Stoffels Rausch her.
-
— S e u f z e r. Buchhandlungng
hilfe (ien Felde, als ee eine Füchse
Wkrstchen erhielt): Jenener einer
wird's-! Jeht fangen die Fleifcher
auch schon mit Miniaturausgaben nn!
—hurnoe im Felde. Eli
fügt sich, das ein fremder Ossizier
im Kriegsquartiee eines Kameraden
übers-achten mus. Als es spät ge
worden. weist der Gast r qui eine
Schlitte Stroh la der e und sags
.Wenn sieh here Kenner-ad fest zur
Rachen-he besehen wollen? Wie Sie
sehe-, hat mein Bursche das Frem
den-immer schon hereingebracht!«
—- Uenau wie en aufe!
Ein Lsnvflurmmunn M drei lauten
zu späteMWMeet Der Unter- iziee
hält ehs- desweåen eine f erte
Strafpredist. kI ee fein weg
W, muri-esse ee im Fortgehen-: »Der
is noch Miene-see als meine Dilet« «
.— « » «- l» -.
I Unm- Iussdmet us des-s titsc
fssuplosh .
Hochgeschädzts Redatzjoue
- — kam Se
schon vätzea Dage
ais d mehr von
J m DOM
mans gehend
wnl Sie giedigsd
tut-schuldiger wet
; den, indem ich Se
nämlich inzwischen
Umzug hadde. Die
Faxe da anden in
Entwka Wäh
dxtwinkei, wo Se
außer den sei-li
chen Niederschläg
gen ja doch nifchd
Dass-km war mer
nämlisb los-m
ist-gib inm, un wie'ch Se erfuhr, daß
mei aides Regimend in Warschau ein
gezogen is, Muth Se so unwider
schdehiichen Abbedid uis Gewinn
daß'ch bloß nss de nächste Gelägenheed
ichdnnnde um die gleene Luft-verän
deeurig vorzenähm. No, meine Ireede,
ais ich heeroe, dnß ii baue Mörser
bodderien enff nach Rnßmnd follden
un ii Zug Jniandsere zur Bedeckung
midmißde. Weiden, angenommen
wiir’n un obdnrnbsen war erns. Liib
wohl« du Land, wo de Zidronen
bliean Wenn se reif find, gomm' ich
wieder un helfe fliggen. Botteifig
much erseht mit Rigolnjewidfchen
Poch rasch ä banr hiehnchen tub
en. —
Unser Modorbndderie wurde also
vor Roma Scheorschieofii (ooch io ii
unnusschbrechiicher Name, der Iichuff
gud iöckfich iwcoerhaubd nich versen
ichen läßdy ufgeichdelld, un zwar
hindre än’ gieenen piegel midden in
ein' Geireideseide, damit se die Geg
ner durch ihre Berfchdetdivchen nicht
gieich erienn’ un heeichdens das Gern
nöhm gennden, nich unser unsre Ga
nonen. Wir Ininndrifden biieroen
bei dein Geschidz un buddeiden uns
ein — im Falle eines Falles-, ver
fchdedn Sei . . . Am nächst-en Mor
en ging die Schießerei los. Gouv
fchdrnmdnch das hödden Se heer’n
folLen! Jch hab' in oiesein«großen
ikamdf ichon manche Addncke uh mei
ne beeden Drotnmelfiiller erdulden
missen, awer so ii Heiienliirni war
doch weeß Gn visbkben noch nich dage
nefeni Dag und Nochd wurde inni
wer und herirver gefroren Landgra
nncen, Minen un Gasbornben fessel
den dazwischen. Bum irach —- orrr
—- ssid nicht -- grrrrr dum bum
dnm — fchnädderiidino pöng sifiifsi
irnchi. Na, wenn Si ausfiehelicher
wissen wollen » ich hab' mr die
sanse Diskusfchon nifichoenografiero
un wär« se nach’n Kriege ni- drei
lsiindchen Roman ’riiusgeden. Rdchde
desondersch war’sch ii schnuerlichichees
net Schaulchdieh Flammenpeilen
klädderden zum Schviirnew dausende
oon Ganonen bollerden zwischen, der
Himmel fah aus. wie rode Grioze
mid himbeersohie — kurz, es war n
erhawener, under-jeglicher Eindruck
usz emofindsome Gemüt-.
Ae gieenes Jndermezzo inuß«ch Se
hier erzählen. Cenmni nämlich inwde
de ruiftfche Irdillerie unire Budderie
anscheinend doJ usigeichbierd un
ichieede disoerse i were Sachen 'riwer.
Gehe Gronnde exoiodierde noch wärt
tich dicho nor unsrer Schdellnng, un
ä Schblidder riß m’r meine geliebve
Bfeife nus’n Munde, Gott iei dank
is je selddienfiiiilsig gebiieweni Jch
dod das Schon-e Eisen trif. un nu
ichdeasu S- skch naß meine Dass-ch
teed vor, ais ich onnrufs in englischer
Schdriiche lesen ioiindu »Bei-re to.
you!'. was uss deiifch ungefähr hees
Un koll: Friede iei mie Euch! Das
Geschoß wnr nämlich amerikanische-i
Urichhrnngj un dieserfchioderd hab ich
do wieder ämnl erkannt-, wo- fier
gemiedoolle un fromme Leide doch de
Acnerilnner find; sogar ihre Grans
den, die tie nn unire Feinde liefern.
keriiihn e miv siwelichbeichen —
ie das nich rieherndi —
.-·-k sp-,s
QIUU UUUlUl tschi csä Jllsullscllc
Hain Schdrum vor morsch marsch! —
hutka —- ich iiidek Gnawe hol-« ge
bkillv wie ä Seewe, geschlagen wie ä
Dreschileegei un geschdochen wie 'ae
Wanze. Nu — den Erfin davon
wissen Sie ja schon aus der Jeidung:
Die Feidung unverd, 85,000 Gefan
gene. 700 Gefchidze un ungeheieke
Menge-i von Miegsmaderioh womid
ich fiek beide eigdwensd schließen will;
’5 nächste-not meet-! Jhe gedteiek
Gottlieb hahnemanm
«-.
—- Daeuns auch. Richter- Wie
kamen Sie denn dazu-, sich als Sohn
eines Dauptnmnns auszugeben-?
Anestantt Ra, nts ich noch diente,
hat mein hauptmann mich oft Mein
Sohn« genung-!
— Den-fehlen Er links
aus dem Mnnihalenteies unversehrt
zurüc.
—- Beim Regi. Urst: Sie mill
fen mehr laufen! Was sind Sie denn
von sen-»
’ Mantu- Stiefieiiger.
seziz So —- hmz sann versuchen
See-« m sm- qn wichen-out
—- Rikj u macheni Tom-jin
W sit denn dass Das Echo humo
Iiiert in heute sur Ii I
E mische-: sen S«, das
Vät- much als set-was in Osti
ö