Nebraska Staats-Anzeiger und Herold. (Grand Island, Nebraska) 1901-1918, June 07, 1912, Zweiter Theil, Image 12

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    pie cEnte
Eise .wahre« Crittw t. von Vill
Gretel-reichem
- Oir waren bei unserm Onkel Ju
fizrat zu Tische geladen. Das war
kein ringen-ähnliches Ereignis. Denn
Ia alte joviale Onkel und die gute ge
nischliche Tante sahen gern am Sonn
tag eine Reihe jugendfrischer und sto
Qer Gesichter um sich. Dann ging es
Irr-ähnlich lustig her und namentlich
verstand es Kustne Henni durch ihr sil
serhelles Lachen« das durch den gering
Pen Anstoß geweckt wurde, die Fröh
Zichleit der Gesellschaft wachzuruseth
So ging es auch heute. Die liebe
’ rbstsonne schickte ihren wärmenden
trahl durch das Fenster des dunkl
getäfelten Eszimmers und neckisch
spielte der helle Schein in dem golde- j
sen Blondhaar des lieben Mädchens-.
Ein Kobold neckte den andern, und
wenn der Sonnenstrahl das lecke
sSiumpfnäschen des kleinen Raclers
traf, dann wars dieser den Kon zurück s
Und die blauen Augen blitzten unt die
Wette mit dem Sendboten der Sonne, :
als wollten sie in ihrem Ueberrnut sa- I
gen: Wer ist schöner und dringt tiefer
in die Herzen unserer Vettern, du für
Oihige Sonne oder wir?« Die tleine
Dexe war ihrer Macht über uns nur zu
hohl bewußt und der Glanz ihrer Au
gen drang tiefer und bezaubernder in
unser Jnneres ein, als der laue Strahl l
der Rachntittagssonnr. Wo blieb de-«
ten Kraft. wenn Kusine henni in un- ’
serem Kreise war und besonders mir
armein Burschen schienen dann leine
anderenSonnen, als die zwei blihenden
Schallaugen heunis. Ein fröhliches
Gespräch, Scherzrvort und Witz würz
ten das Mahl. Die Tanie hatte einen
saftigen Entenbraten aus den Tisch ge
sest und jeder zollte ihrer Kochlunst
eifrigen Tribut. Goldener Wein periie
ist Glase, denn der Onkel hielt es mit
der alten Wahrheit, daß zu einem gu
ten hattpen auch ein guter alter Trop
fen gehöre. Nachdem die Mahlzeit be
endet, erzählte und der alte Herr, daß
er heute vor vierzig Jahren die Tante
zum ersten Male gesehen. f Aus einer
flüchtigen Reisedekanntschast have sichs
dann ein Menschenleben voll srohen I
Glückes und seliger Zufriedenheit ent
wickelt. Aus zwei unersahrenen ;
jungen Leuten sei ein behäbiges .
altesEhepaar geworden, zu dessen voll-. !
nandigem Giiicke nichts weit-: fkhcth
als eine Reihe lieber Kinder. Dieses s
Geschenk sei ihnen leider versagt geblie- s
ben. Natürlich hieß es jeßt: »Eeziih
len«, denn jeder wollte wissen, wie On- «
kel und Tante sich kennen und lieben
gelernt und ein Paar geworden waren.
Nach kurzem Drangen verstand sich
der alte herr auch dazu· Er lehnte sich
bequem in seinen Stuhl zurück, und
nachdem er eine hadana angezündet,
deren aromatischer Dust bald das gan
ze Zimmer erfüllte, begann er:
»Deine vor vierzig Jahren, an einem
hellen klaren Herbstmorgen, stieg ich in
Clausthal im Harz in die Postkutsche,
um hinunter nach Goslar zu fahren.
Ich war damals ein junger Reserendar
in hildesheim und hatte im Austrage
meinerRegierung Alten nach demBerg
amte überbracht, die zur Schlichtung
eines Streits dienen sollten, der zwi
schen dem Bergamte und der Steiger
schule iiber gewisse Vorrechte der letzte
ren ausgebrochen war. Doch das ist
ia nebensächlich. Also ich suhr mit der
Postlutsche in den hellen Morgen hin
ein. Jhr jungen Leute habt den rich
tigen Reiz des Reisens nicht mehr ken
nen gelernt. Euch fährt das brausende
Dampsroß mit Windeseile durch die
Gegend. Städte, Dörser, Wald und
Wiesen sliegen an euren Augen vor
über und ihr könnt nicht genießen und
tu euch ausnehmen, was die Gegend,
die ihr durcheilt, euch bietet. Damals
spat es anders.
Da saß man mit dem Schwager aus
dem Bocke und subr in den dustenden
nrorgensrischen Tag hinein. Ueber
Berg und Tal, durch den grünen Wald
nnd an blumigen Wiesen vorbei ging
die Fahrt. Und aus seinem Korn
blies der Schwager alte halbverge ene
Volksweisen und wenn er auch nicht
immer den richtigen Ton tras, sein
Spiel wirkte ansteckend und drängte
m Mitsingen. War doch die Brust
o voll srommer Gedanken und das
z jauchzte vor Freuden über die
Ost-e Natur und ·ubelte um die Wette
satt Frau Lerche, e an i ren Liedern
Ader uns empor stieg zum onnigblauen
Himmel
Wahrlich, damals in der guten alten
seit. da war dagReisen noch ein wes-e
valles Beginnen. Oder man laß, wie
ich an jenem Morgen, von dem ich
breche, weil es ein wenig kühl war, in
wackligen kleinen Kalesche, gemüt
lieh in die Ecke gedrückt und tief in den
. chon abgelessenen. aber weichen alten
lülchpolstern und träumte vor sich
in. Vetloren fchweifte das Auge
dann durch das Fenster über die Um
gend und fast unbewußt nahm es alle
e Bilder auf, die in langsamem
Wechsel vorüber ogen. Und dann un
"letzo man b Mitfahrenden einer
»Es-»den Musik-ung, bildete sich
n Urteil ilber ihr Woher und Wohin,
bee ihre Persönlichkeit ihre Vorzüge
Und Nachteile und weckte bei sich selber
- — R let, ob mem wohl recht gera
ann versuchte man ein Ge
snzulniipfem wenn das Schwei
» zu lange wurde, um liessdurch
Js- teni certede Kurzweil
zu oerfchaffen und die Zeit hinzubrtns
gen
An jenem Morgen nun freilich oon
Idein ich spreche, fah ich nicht lange
durch das Fenster, sondern schaute niir
mein Gegenüber an. Das war näm
lieb ein hübsches blühendes Mädchen,
das vielleicht 16 Jahre alt fein konnte
lclnter einem großen breitrandigen
citohhut der mit Mobnblnmen gar
niert war blickten zwei große blaue
Augen mit einein Staunen in die Welt
iind ein niedliches Stumpfniischen gab
dein frifchen Gesichtchen ein teckes Aus
sehen· Auf ihrem Schoße trug sie ein
offenes Körbchen. das mit eineinStiicl
chen Zeitung zugedeckt war, neben ihr
stand eine buntgeftickte Reifetafche. Die
Positutfche tiittelte und schüttelte auf
rein holperigen Chausseepflaiter und
ängstlich, faft tranipfhaft hielt die
Kleine ihr Körbchen fest, unter dessen
losem Deckel sich etwas bewegte, als
Hätte sie etwas Lebendigrs darunter.
Ich zerbrach mir den Kopf, was es
wohl fein mochte, riet hin und her bei
mir, bald auf ein Hündchen, bald auf
ein Kätzchen Aber ineine Neugier
follte auf leine zu lange Probe gestellt
werden. Der Poftoinnibus hielt an
vor einein Waldlrua, wo kurze Station
gemacht tout-des Wir beiden Passa
aiere lletterten aus, uin eine Tasse hei
ßen Kaffee zii trinken. den die Frau
Poftbalterin für die Fahrgäsie ftets be
reit hatte. Höflich wandte ich mich
um, uin meiner fchweiafanien Gesell
fchafterin aus deni Wagen zu helfen.
Aber sie beobachtete meine Bereitwillig
teit nicht, sondern mit ihrem Körbchen
iin Arme wollte sie leichten Fußes aus
der Kutfche springen. Da verwickelte
sich ilir Kleid an der Tür und sie wäre
gefallen, wenn ich nicht schnell hinzu
gefvrungenxund sie in meinen Armen
aiifaefanqen hätte. Aber das Körb
chen entfiel ihren händen und kugelte
aui die Erde. Der leichte Papierdeclel
flog fort und aus dem Korb flatterte
laut fchnatternd ein reizendes kleines
Entcbem das sich gleich davon machte.
»Meine Ente. ach meine Entei« rief
die Kleine laut und ängstlich, während —
ich schon eifrra hinter dem ichnanerw T
den und ängstlich sortflatternden Tier
chen an war, um es wieder einzufaw
gren. Nach länqerem Bemühen gelang
mir das auch und stolz brachte ich den
Fliichtlina zurück, urn ihn seiner rei
zenden Besitzerin wieder zu übergeben.
die ihn mit freudigem »Dann schön«
wieder in Empfang nahm. Nun war
das Cis gebrochen. Wir setzten uns
an den Kafseetisch nachdem das Ent
lein wieder in dem Körbchen unterge
bracht war, das ich diesmal mit einem
Leinwanddeckel versehen und verniiht
»hatte. den ich mir von der Wirtin ge
ben ließ. Nach kurzer Vorstellung ka
lmen wir eifrig ins Plaudern, die Klei
ne war auf der Heimreise nach Goslar.
Sie hatte Bekannte in Clausthal be
sucht und sich aus deren Geflügelhof
»ein Entlein mitgenommen, das sie lieb
ieretvonnen hatte. Wir hatten gemein
Jschaftliche Bekannte, fanden viele An
kniivfungspuntste und nachdem wir
wieder in der Postkutsche saßen und
schließlich nach langer Tagesfahrt
abends in Goölar ankamen, da waren
wir beide gute Bekannte geworden.
Was soll ich noch viel erzählen. Von
dem Tage an machte ich häufig einen
Abstecher von Hildesheim nach Goslar
und nach einem halben Jahre war mei
ne herzige Reisegenossin meine liebe
Frau und ist heute Eure Tante. Un
lere Bekanntschaft und unser Glück
verdanken ir also einer unbedeuten
den kleine Ente. Die Ente ist des
weqen auch ein gar geachteter Vogel hei
uns geblieben. Bei allen festlichen
Gelegenheiten, wie Jhr wohl schon he
mertt habt, gibt es bei uns Entenbras
ten!«
Lachend schloß Onkel Justizrat
seine Entengeschichte. hob sein Glas
und sprach: »Prosit Altchen, die Ente
soll leben!'« und« ,,Hoch die Entei« rie
fen wir, die Richten und Neffen, indem
wir mit der Cntentante anstieszen. Auf
meinem Teller lag ein Wunschknochen
von dem gerade verzehrten Entenbras
ten. Jch hielt ihn Cousine Henni hin
nnd bat sie, ihn mit mir zu brechen.
Mir blieb das größte Stück in den
Fingern und als man mich fragte, was
ich mir gewünscht hätte, sagte ich:
»Auch so ein herziges kleines Blond
töpschen mit blauen Augen und einem
lecken Stumpsnäschen zur Frau, wie
Onkel Justizrai es in der Ententante
gefunden hat.«
Dabei sah ich bedeutsam aus mein
holdes Gegenüber, das tief errötete, »
dessen blaue Sterne mich aber garnicht «
its-weisend Monsieur Des Rest über-;
gehe ich mit Stillschweigen, denn diese "
Geschichte ist eine wahre Geschichte und «
teine Ente und meine intimsten Fami
lienangelegenheiten gehen andere Leute ;
nichts anr
THE-« v f
Arzt: »Liebe rau Schulze, Sie dürer
die ans-male owulenz Jhres Mannes
nicht auf die leichte Schulter Wi«
cLin cshednnna
dumoreste von Ilsktd I. disk-sittsa
Eine harmonischere Ehe all die des
Jebsenschen Ehepaarez konnte man sich
kaum denken. Er war rotblond, sie
hellhlond. Er hatte fünfzigtausend
mit in die Ehe gebracht, sie siinsunds
dreißigtausend, sie hatte jedoch noch
zwanzigtausend zu erwarten. Er war
dreißig Jahre alt, satte eine Warze
aus der Nase-. und liebte seine Frau
grenzenlos. Sie hatte sich an ihrem
vierundzwanzigsten GeburtstagI I
heiratet und hatte ein unbedeu e d
Muttermal am Halse, das sie veran
laßte, niemals ausgeschnittene Taillen
zu tragen« auch hatte sie, bevor sie Zeh
sen heiratete, niemals eine ern ere
Neigung siir einen ihr nicht verwand
ten jüngeren Mann empfunden.
Sie lebten, wie schon erwähnt, in ei
ner ungewöhnlich harmonischen Ehe.
Beide fanden, daß die Lust etwas
drückendes hatte, wenn sie sie nicht ge
meinsam einatmen durften, und wenn
sie einmal ein paar Stunden getrennt
gewesen waren, begrüßten sie einander-·
als oh er nach fünfjährigen unschuldig
verbüßter Zuchthausstra·e freigelassen
worden wäre, oder als oh sie von einer
Weltumsegelung zurückgekehrt sei.
Aber ver Mensch ist ja nun mal so
veranlagt, daß, wenn es ihm gut geht,
ihm doch noch immer etwas zu wün
schen iihrig bleibt, und Frau Jebsen
sing an, von tleinen weißen Foxter
riern zu schwärmen, obwohl sie zwei
Bluthunde besaßen, die imstande ge
wesen wären. zwei Einbrecher aus ein
mal totzubeißen. Auch siir Kanariens
vögel schwärmte sie, obwohl Pakt und
Hof ihre-«- Guteö von gesliigeltem Ge
tier wimmelte, und schließlich begei
sterte sie sich auch fiir Zwergponies. ob
wohl sie den Stall voller Vollblub
pserde hatten, die ven Kilometer in ein
paar Minuten zurücklegten. Aber sie
versäumte nicht« jedes Mal ängstlich
hinzuzufügen: »Man aber nicht, daß
ich sie deshalb haben möchte, nein,
nein, ich hätte«nur .Last davont«
So lebte denn das junge Paar. mit
Ausnahme von drei Tagen im März,
wo die junge Frau an einer leichten
Erkältung litt, in ungetrübier Glück
seligkeit von Weihnachten bis zum
Sommer, wo das Grün aus den Flu
ren zu sprießen begann.
llm diese Zeit begann Herr Jebsen
eine geheimnisvolle Reise vorzuberei
ten, die er auch wirklich aussiihrte.
Außerdem tat er so merkwürdig ver
schlossen und geheimnisvoll. daß seine
Gattin richt umhin konnte, sich ge
tränkt zu fühlen. Freilich währte jene
Reise nur vom Morgen bis zum
Abend, aber Frau Kebsen durfte nicht
mitteisen. Freilich war es nur ein ge
ringer Teil des Tages, wo here Ieb
sen nicht an Frau Jebsens Hals hing,
dabei mit den Armer nicht ohne Erfolgs
eine Boa Konsttiitor nachahmend, aber
in diesen wenigen ledigen Minuten
lonnte er in so sonderbarer Weise sei
nen Gedanken nachhiingen, und wenn
sie ihn aus seinen Ausgangen begleiten
wollte, kam es immer häufiger vor,
daß er sie sansi abwehrte.
Ehe die Sonne zur Rüste gegangen
war, wußte sie nicht nur, daß er zu
dem Förster des Nachbargutes gegan
gen war, sondern auch, daß der Förster
tagsiiber nie zu Hause- war und daß er
eine Tochter hatte, die der rohe Bau
erngeschmael hübsch nannte.
Und das konnte er nur ein paar
Tage vor dem 27. Juni tun, der der
Namenstag seiner Gattin war! Als er
zurückkehrte, drängte ihn sein schlech
tes Gewissen. doppelt zärtlich mit sei
ner betrogenen Frau zu sein. Selma
Febsen war nicht nur eine liebevolle,
onbern auch eine kluge Frau, sie
brachte es fertig, zu scherzen und zu la
chen und voller hingabe den Lieblings
salat ihres Mannes zu bereiten.
Aber als here «Jebsen am vierten
Tage in derselben Richtung davonging,
beschloß sie,das Drama zu einer Krisis
u bringen und folgte ihm nach dem
zärsierhaush sest entschlossen, im ge
eigneten Augenblick dazwischen zu tre
ten. Sie ging in einiger Entfernung
hinter ihm her und hörte den Mann,
den sie so hoch geliebt hatte, eine
schwungvolle Melodie aus einer Ope
rette pseisen. Wie iies mußte die
Seele eines Mannes besudelt sein, der
im Junimonat mitten in der herrli
chen Natur mit leichtseriigen Erinne
rhiånsen an die Großsiadt zu kiimpsen
t .
q
Jetzt trat et in das Föriterhäuschen
ein. Es begrüßte ihn freudiges Hun
degrbelL das darauf schließen ließ, daß
er ein gern gesehener, häufig wiederkeh- »
render Gast in dieseni Haufe war. Er i
Iwari die Tür mit lautern Knall hinter I
Ysickl ZU- ;
’ Mit blutendern herzen und glühen
den Wangen ftand Frau Jebsen vor
dem Förfterhause und legte ihr Ohr an
die Türrißr. Was sie da zu hören be
kam, war so abscheulich und schamloö,
wie sie nie zuvor etwas gehört hatte.
Zunächst erscholl das laute, freche
Lachen eines jungen Weibes. Dann
hörte sie deutlich, wie ein paar Klapse
fielen. Aber nicht schüchtern und zö
gernd, alI wenn ein unger Mann hei
einer Schlittensahrt ie Erlorene sei
nes he ns unter dem Schuh der
Mn attlich und respektvall aufs
Knie klopft, andern wie man sich einen
Sultan vor llt, der umhergeht und
seine Odalisten liappii. Dann hörte
die arme kleine Frau ihren treuloer
Gatten ausrufen: »Wie hist Du doch
einmal hübsch u. niedlich, meinSchnOP
Wahnsinnig vor Zorn und Eifer
sucht wollte die sngliickliche. hetr ene
Frau mit einem Jammerfrhrei die iir
anfreißrn aber die Kehle war ihr wie
zugeschniirt. Sie wankte an das Fen
ster des Hönschent um mit einem ein
zigen Blick die ganze Treulosigleit th
res Gatten zu ermessen.
Am Herd stand die Försteritoschter
und lnetete im Schweiße ihres Ange
sichts einen mächtigen Brotteig. Und
auf der hölzernen Sofahanl faß, dem
Fenster den Rücken zutehrend, Herr
Jebsen und hielt einen nllerliehsten
Forterrier auf seinen Knien.
»Adieu, Du kleiner Schelm, wie wird
Selma sich freuen wenn sie Dich zu
sehen belomrnt,'« sagte Herr Jebsen, in
dem er sich langsam erhob.
Jn wonnigem Schreck sprang Frau
Jcbsen in ein nahes Gebüsch, um sich
zu verbergen. Aber sobald sich der
Schlag ihres Herzens ein wenig beru
higt hatte, und ihr Antlitz den gewohn
ten Ausdruck stillen Glückes wieder er
halten hatte, stürzte sie nach Haufe und
nackte sich jubelnd und singend an die
Bereitung von herrn Jebfens Lieb
lingsgericht. . l
IDte Use-altem- au Den-tm
Ein äußerst interessante und wich
tige Konstruktions-Jde wird gegen
wärtig in einer mitteldeutschen Prä
zisionssWertstatt bearbeitet. Es han
delt sich, wie das »Verl. Tgbl.« mit
teilt, um eine von dem Techniter
Sborowitz in Berlin gemachte.Erfin
dung, wonach in das Getriebe der ös
sentlichen Normaluhren, wie fie in al
len Städten aus den Straßen und
Plätzen zu finden sind, ein tinemato
graphischer Ausnahmeapparat einge
baut werden soll und zwar derart« dasz
er von außen absolut nicht zu bemer
ten ist. Der Apparat tann entweder
fortgesetzt laufen, oder er kann von ir
gend einer oder mehreren beliebigen
Stellen aus vermittelst drahtloser Te
legraphie in Tätigkeit «eseht werden.
Die Erfindung bezweckt, das Stra
ßengetriebe irgend einer bestimmten
Gegend zeitweise oder fortlaufend
tinematographisch auszunehmen. Mit
telst dieser Uhr wird es also z. B.
möglich sein, feststellen und trontrol
lieren zu tönnen, ob eine Stadt irgend
eine bestimmte Person beherbergt,
welche Straße diefe Person passiert
hat, wohin ihr Weg führte. und zwar
unter ständiger, genauester Angabe
der Zeit. »Diese Detettiv-Uhren« sol
len aus allen größeren Bahnhösen und
in den größeren Städten in den ver
schiedensten Stadtteilen angebracht
werden« um jederzeit das Straßenge
triebe linematoaraphisch aufnehmen zu
tönnen. Es ist leicht einzusehen, daß
solche Uhren als ein sehr wertvolles
ilfsrnittel zur Erleichterung des Auf
deckens von Verbrechen. wie zur Er
mitteluna von Verbrechern dienen und
«ur Festhaltuna plötzlich eintretender
reignifse im Bilde führen können.
Unter geliebtes Deutsch. i
Der Adiutant einer deutschen Ma
trosendivision verössentlich aus der
Sammelmappe der ihm zugegangenen
Schriftstiicte in der Marinezeitschrist
«Ueberall« einige .Bliiten« deutscher
Stiltunft, von denen folgende hier im
Auszuge wiedergegeben seien: Gesuch
des Schlossermeisters N. um Entlas
sung seines Sobne5. «Verzeiben
Eure Mnjestiit. wenn ich wage, siir
einen Augenblick Jbren Tron zu be
steigen, indem, indem ich usw.« —
An das verehrliche Negimentstommans
do in Kiell »Da bei den jetzigen Zeit
verbältnissen, viele junge Leute Stel-«
lenlos und Brotlos geworden sind,
welches zwar bei mir die verböltnisse
nicht sind, aber ich im Handelösach
keine lust habe, und ich mich daher sesi
entschlossen, mich von dieser Bahn zu
wenden und mich den Seemiichten zu
widmen bochachtungsvvll N. N.
lBavern).« « Ein Tagesbesebl »Das
Uns-biegen der Retruten der Seeartil
lerie findet morgen vor- und nachmit
tag statt. Y» Oberst.« —- Ztoeite Ab
teilung: 1. Matrosendivision. »Na
tionale: von Müller ist militärisch
ausgebildet Ruderiibungen sind mit
demselben vorgenommen worden. v.
XI -— Erste Abteilung: 1. Watte-sen
division. «Dem Kaiserlichen Statt-ons
gericht teilt die Abteilung ergebenst
mit, daß der Matrose V. infolge ei
nes Schreian S. M. S. .Gazelle«
derstorben ist. N» Kavitänleutnant.«
Ein höchst selisamer Todh
seisusuåfm Jst-s n
bringt die »Answers« in Zusammen
hang indem sie erzählen: Bis-mar
pflegte zu sagen, daß sein Leben ganz
von der Dreizahl beeinflußt werde.
,,Urteilen Sie selbstl« sprach er zu sei
nen Freunden. »Ich habe drei her
ren gedient, habe drei Namen, in mei
nem Familknwappen sind drei Eichen
blätter, ich habe drei Kriege herbeige
führt U und habe drei Friedensder-»
;triige unterzeichnet, ich ritt im deutsch «
französischen Kriege drei Pferde, diei
eines nach dein anderen getötet tout-s
den, nachdem ich dreimal aus dem»
Sattel geworfen war; ich habe die
Zufammentunft der drei Kaiser vorbe- s
reitet, habe den Dreibund in’ö Leben.
gerufen, babe drei Kinder, habe als
Wahrspruch meines Hauses die Wor
te: »Ja Trinitate Robur!« und habe,
fwenn ich den Wißblättern und Kar
ritaturen ·chnern glauben darf, auf
meinem "del nur drei waret«
Yag Reich der Frauen.
Its schen sit-In
Stvßvstassi
Großmutter höteli still fii’i Enteitinv, i
Da trägt wie Seinen iciibat, feltnen
. · chcs
Ein Walzetlied der müde Abendwind.
Ein Walzet tlingt -—- Großvater nickt!
und sinnt 1
Großmuttetö Band sacht auf die Ar- «
but sinkt, I
Ein siiß Etinnetn lockt und lacht und
spinnt
Lichts-eile Träume:s—hotch! Ein Wal
zet tlingi
Voll tosa Blüten leuchtet rings ein
Land,
Die Sonne bliyt, der Frühling
jauchzt und singt,
Die beiden Aiten tauschen band in
Hand
Und lächeln. »Weißt du’8 noch?« —
Ein Wolzetilingt.
shans hetbeki Ulrich.
pssu Dankes
Dankbarkeit ist ein Gefühl, welches
eigentlich angeboren sein müßte, und
das ist es tatsächlich auch bei sehr die
len Menschen. Jn diesem Falle wird
es stets Bedürfnis sein, siir eine, em
psangene Freundlichkeit oder sür eine
genossene Wohltat aus innerstem Her
zen heraus dem Dankbarkeitsgefiihl
Ausdruck zu verleihen. Jst dies Ge
fühl jedoch nicht angeboren, so muß
es unerzogen werden. und man be
ginnt am besten damit, bei den Kin
dern irn zartesten Alter. Die Händ
chen zusammenlegen und zu bitten, ist
fast immer das erste, was die liebende
Mutter dem Kinde lehrt, aber selte
ner schon wird das Kind zum jedes
maligen Danken durch händchengeben
angehalten.
Wenn es auch ansangs nichts weiter
ist als öußerliche Form, so wird die
Form doch nach und nach zur Ge
wohnheit und aus der Gewohnheit
folgt schließlich bei reiserem Ver
ständnis das Bedürsnis.
Wie ost hört man die Aeuszerung:
»Ich freue mich sehr iiber dieses Ge
schenk, über die Aufmerksamkeit, aber
ich kann es nicht zeigen.« Das ist ja
nicht richtig! Es ist sa kein großer
Wortschwall nötig, im Gegenteil, ein
einsacher, inniaer Druck der hand, ein
herzlicher Blick und die Worte: »Ich
danke herzlich -- oder meinen besten
Dank', sagen ost mehr als lange Re
den. Die echte, aus dem setzen strö
mende Dankbarkeit sindet übrigens
zu jeder Zeit das rechte Wort. dort
aber, wo ein schüchternes Gemüt, ein
stolzer Sinn nicht so recht Worte sin
den, da eben tut die Gewöhnung von
klein aus das ihrige.
Es giebt auch sehr viel Menschen,
die ohne sich siir undankbar zu halten«
dennoch das Danten Unter-lassen
Diese würden sehr erstanut sein«
wollte man sie unter die »Taktlosen"
zählen, wohin sie doch eigentlich ge
hören. — —
Vor einiger Zeit feierte eine mir
bekannte Dame ihren ersten hochzeits
tag. Jch war gerade zugegen, als ihr
von ihrem Gatten ein schöner und
wertvoller Schmuck überreicht wurde.
Die Augen des jungen Ehemannes
strahlten vor Freude, sein Gesicht
drückte die höchste Befriedigung aus,
daß es ihm möglich gewesen, einen
schon lange gehegten Wunsch seiner
geliebten Anna zu erfüllen. Wochen
vorher hatte er sich daraus gefreut,
was wohl sein Weibchen zu dieser
Ueberraschung sagen würde. Und was
sagte sie: »Ja, ganz -hiihsch!« Das
kam so tühl heraus, als lohnte es nicht
weiter darüber zu sprechen; die junge
Frau sah oder beachtete nicht die ent
tüuschte und betrübke Miene ihres
Mannes, sie schien es für ganz selbst
verständlich zu halten, daß ihr Wunsch
erfüllt wurde.
Wie häufig kommt es vor, daß man
zu einem Geburtstage schriftlich gra
tuliert, auch gleichzeitig einen Blu
menstrauß sendet, und wie selten wird
davon Notiz genommen, wahrschein
lich hükt man es für überflüssig, für
einen Glückwunsch zu danken. Jst die
Sache auch nicht des Dantes tvertJ
so doch des Dankens. I
Dank ist ein Gefühl des herzens,?
Danken eine Form. aber eine Form,
die man nicht verlegen soll, weil man
sonst die hüflichteit leicht verlegt. Er
weise ich irgend jemand eine noch so
kleine Aufmerksamleit, «so beabsichtige
ich doch in erster Linie, eine Freude zu
bereiten, und es ist nur natürlich, daß
ich auch gern erfahren möchte, ob diese
Absicht gegliiekt ist.
set-e Linsensystems III use
Frühjahr einzusehen-I
Bei Zimmerpslanzen ist vor allem
ein Unterschied zu machen zwischen
lrnutigen und hvlzigen die Be
griffe sind zwar etwas dehnbar, aber
für Laien die einsachsten die er
steren müssen unbedingt jedes Früh
jahr un slanzt werden« hingegen
T können so che, die harte, holzige Trie
be entwickeln, unbeschadet längere Zeit
in dem gleichen Gefäß sieben. Alle
Sommerbliiher, Fuchsien, Gerauien,
Begonien, heliolrop und dergl. müs
sen jedes Frühjahr aus den Ueber
winierungiräumen heraus nnd in
Fische nahrhaste Erde verpflant
werden« Sobald sieh im Felihjasr
die ersten Zeichen der beginnenden
Vegetation zeigen, treten auch in den
Wut ln Reubildungen auf; um diese
sogle ch in die frische kräftige Erde zu
leiten und der Pflanze sofort eine
reiche Nahrungsquelle zu erschließen.
ist das Frühjahr. der geeignetefte
Zeitpunkt zum Verpflanzen. Zu die
ser Zeit verträgt auch die Pflanze am
leichtesten und ohne schädigende Fol
gen alle Kürungen der Wurzeln,
denn trockene urzelenden oder fiv
rkige, faulende Stellen müssen ausge
schnitten werden; später erleidet das
Wachstum der Pflanze durch solche
Operationen immer eine Stockung.
Den allergrößten Einfluß aus das
spätere Gedeihen der Pflanze übt na
türlich die Erde aus, und die nicht ge
nü nde Berücksichtigung der Erd
mi chung ist eine der hauptsächlichften
Unterlassungssünden, die bei der
Zimmertultur vorkommen. E·ne leich
te, nahrhafte Muttererde mit - andzu
saß wird für die Sommerbliiher als
geeignetste Erdmischung zu bezeichnen
fein. Die zum Umpflanzen zu be
nußenden Töpfe dürfen die Größe des
alten Topses nicht zu viel überschrei
ten; es empfiehlt sich, sie zu waschen,
um sie von allen anhaftenden weißen
oder grünen Ausschlägen zu saubern
und sie porös zu erhalten. Durch
Auflegen eines Scherbens auf das
Abzugsloch, der durch eine dünne
Sandschicht zu bedecken ist, sorgt man
für guten Wasserabsiuß. Gleichmä
ßige Verteilung der frischen Erde zwi
schen alle gelockerten Wurzeln ist die
Hauptsache; auch dürfen die Pflanzen
nicht tiefer geseßt werden. als sie frü
her gestanden sind. Einen genügenden
Gießrand zur Wasseraufnahme muß
man gleichfalls in Betracht ziehen.
Die Pflanzen, die nicht sedes Jahr
verpflanzt zu werden brauchen, sind
meistens die wertvollsten: Myrthem
Azaleen, Kameliiem Araularien, Kal
teen, also alle, die irri- Winter ihre
Belaubung behalten. Azaleen und
Kamelieu werden verpflanzt, wenn sie
mit ihrem Blithen zu Ende sind. Ein
Ausfchütteln der Erde aus dem filzi
aen Wurzelballen dieser Pflanze wür
de unbedingt ibren Tod herbeiführen;
bei diesen genügt es vielmehr, wenn
der Ballen mittelst eines spitzen hölz
chens geloekert wird. Jedoch stellen
alle diese Pflanzen höhere Ansprüche
an die Erdmischung, sie erfordern zu
gie· Teilen Laub-, beide- uwd
ftbeeterde und kommen unbedingt
nur in diesen Erdarten vorwärts. Bei
Azaleen und Erilen muß sogar die
Deideerde vorherrschen: ein Mangel
daran wird vielfach die Ursache fein
daß die Azaleen nicht wieder blühen.
Besonders müssen die in Heideerde ge
dslanzen wöchse sehr fest einge
drückt rden, so daß man den Topf
an der Pflanze hochheben kann, ohne
sie herauszuziehen. Vorteilhaft ift
es, diese Wurzelballen erst gut von
Wasser durchziehen zu lassen. um ei
ner späteren Ballentrockenheit vorzu
beugen. Große Kübelpflanzem wie
Lorbeerbiiume, Oleander, Palmen,
pflanzt man nur um, wenn der Kü
bel schadhafi oder die Dank-wurze
lung zu sinkt geworden isiz sonst hat
man in öfteren Düngungem beson
ders solchen aus aufaeliisiem Kuh
dung, ein Mittei, der Pflanze neuen
Nähtstoif zuzuführen Das Verfah
ren iii genau das gleiche wie bei klei
nen Pflanzen, und besondere Maß
nahmen sind nicht erforderlich
stät bei schwache-i Lager-.
Frühstück Gekochte Zwetfchen,
gebratener Apfel, Hafergriitze lAbends
antochen, über Nacht in doppeltem
Ton in den warmen Bactofen stellen,
Morgens nochmals aufkochen), gekoste
tes Brot (Toaft), Butter-. «Apfeln1us,
Cereal-Kaffee. —- Mittags: wenige,
aber gute Supoez Fleisch mäßig, ge
kocht oder broiled, auch im Ofen ge
braten, weniger in der Pfanne. Alle
Sorten, nur von Schweinefleifch blos
mageren Schinken oder gut durchgebra
tene Speckfcheiben Gemüfe, gut
durchgekocht, Spinat und Kohl ge
hackt, Rüben durchgefchlagen, Sellerie
durch die Fleifchmafchinex gekochte
Zwiebeln, Hülfefriichte durchgefchia
gen. Kartoffeln im Ofen gebacken
oder zerstampft. Desserts: Früchte ie
der Art tnur nicht Brandy- oder Ef
figfriichte), fondern gekocht wo es
möglich ift. An rohen: Orangen,
Aepfel und Niter ibeides gemahlen)
Datteln, Feigen; Cuftard, Junket,
Gelatine, Puddina, die nicht viel
Stätte enthalten, Reis nicht in Mir
nern, nur als Errmr. Kuchen: kein
Pie, k«ein Blätterteig, aber fonft ein
fache Kuchen mit hefe oder Backpuii
Ioer: Spange Cate, Forrntuchen etc. ie —
einfacher. je besser, auch kleines Ge
biick. —- Abends: am besten gar nichts.
Wenn das nicht -geht: Tbee, Cereal
Hkaffe, leichter Kakao, Crackers oder
IToafh diinne Scheibe Pumpernickel,
weißen Sauermiichkiife, geriebenen
Schwetzerkiife, ein Nitbrei ohne But
ter (das Ei in ein Glas geschlagen, tn
kaltes Wasser gestellt, dies langfan
zum Kochen gebracht, dabei geriihrt
bis das Ei hakbfeft ift), gekochtes
Obst. —- in der Magen blos schwach,
fo verfuchen Sie dies: ift er aber
trank oder Sie find anderweitig lei
dend, fo muß der Arzt Ihnen eine
.Dttit auf Jken VI W