Nebraska Staats-Anzeiger und Herold. (Grand Island, Nebraska) 1901-1918, May 24, 1912, Zweiter Theil, Image 12

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    Glas-Ist
Sieh-« m em- eugnfchm
M m Kaki- Schule
; si sei setz ganz-en Morgen in Lon
? Q- Iuhergervandert und hatte keine
I-isest gefunden Es war sonderbar
THE eine Stadt, in der überall ein so
M Treiben herrschte. ihn zur Unta
z fis-is verdammte Es zuckte ihm in
des Fingern tätig zu sein; er setzte im
- Geiste Zahlenreibin untereinander
Und entwarf Schriftsiiicke und doch
spoer keine Seele ihn beschäftigen
Sobald er eine Freimarke iibrig hatte,
wollte er an die Zeitungen schreiben
nnd sie auf seine unnormale Lage aus- »
merkst-m machen. !
Während er verstohlen eine Semmel .
verzehrte —- er saß dabei auf einerj
der harten lehnelosen Bänle in der»
Börse ———, ließ er sein Tagewerk nochj
einmal wieder an sich borüberziehen
In einem Kontor nach dem anderen
.our ihm ein äußerst tühler Empfang!
zu teil geworden Nein, Sie brauch: l
« keine Kommis, hatten kaum genug «
ZE- iun, ihre eigenen Angestellten zu
Iefehiiftigen und je ehter er sich um
Teufel scheerte desto besser. Lehr
Inge tümpstrn die Stumpfnasr sit-er
ihn und beobachteten ihn scharf, damit
et nicht etwa Tintenfässer von der
Toonbanl kam-endete Geschasigiw
habet, die so taten. als erlagen sie fast
der Last der Geschäfte was das Aus
sehen ihrer Pulte keineswegs bestä
iigte bedeuteten ihm mit berablassew
der handhewegung das Lokal zu ver
lassen, noch ehe ihm ein Dutzend er
klärende Worte über die Lippen ge
kommen waren. Jeder behandelte ihn «
wie einen oerdäcbtigen Menschen
Es würde ganz belustigend fein,
wäre es nicht so schrecklich gewesen;
Der allgemeine Eindruck war, daß er
durch den Trunk heruntergelommen
sei — er. der nie iin Leben einen
« Tropfen Altohol ungerührt hatte! Ein
Mann fragte ihn zehn Minuten lang
aus« und dann, als die Flagge der
Hoffnung wehte, riet er ihm, sich urn
Hilfe an feinen Pfarrer zu wenden.
Es war schier unglaublich, daß ir
gend jemand in diesem Jahre des
Heils Arbeit haben wollte und nicht
mildtiitige Gaben.
Er verzehrte die Seinrnel bis auf
das lehte Krümchen und warf die Pa
pierdiite fort. Ein Trunk am Spring
Ikkmnen draußen würde seinen Durst
löschen. Sein Grübeln iiber die
Gründe feines Mißerfolges brachten
ihn zu dein Schlusse, daß feine Bil
dung an allem schuld sei. Seine ge
- bildete Sprechweise, die irn Gegensag
zu seiner armseligen Kleidung stand,
.befremdete die Leute: etwas mußte
sit dem Manne nicht in Ordnung
kein, sonst wäre er nicht ohne Stelle.
Ein Anstreicher oder ein Tapezierer
site vielleicht Beschäftigung gefunden,
aber er, der eine schöne Hand schrieb,
jeden beliebigen Geschäftshrief auf
fesem fchnell und genau addiren
konnte —- nein, fiir ihn gab es leine
seschäsiigung
· Vielleicht schadet ihm sein Aussehen
Adertoie konnte ein Mensch. der gar
nichts verdiente, eine feine Garderobe
habet-? Morgen wollte er einen Laden
qsssnchem in dein getragene Kleider
see-lauft wurden und sehen, ob nicht
ein alter Zhlinderhut gegen diesen
Vier-rück- anständigen aher teinen Ein
druck machenden Strohhut einzutau-»
M war. Wie schwierig und ver
- stellt er auch sein mochte, der hohe
- Hut würde den Gentlernan bekunden.
—- er war ein eitler Narr!
- Morgen —- aber mittler-weile —
skittlerweile gab es«Weib und Kind
nnd tautn einen Pfennig für die not
wendigen Lehensbediirfnissr.
Er schüttelte die Schlatfheit ab, die
angefangen hatte, ihn zu lähmen —
vielleicht war die Semmel ein zu reich
liches Mahl gewesen —- und stand
sehwerfiillia auf. Er begriff jetzt,
weshalb enttäuichte und entmutiaie
Menschen gewöhnlich fchlurfenden
Schrittes, mit gebeugtem Rücken und
scheuen Blicken einhergehen: es geschah
weil ihre Niederlage aleich einem
spihen Eisen durch ihre Seelen in ihre
Körper eingedrungen war. Er war
nicht müde, und dennoch war die
Kraft, den Rücken aufzurichten und
die Füße beim Gehen aufzuheben, von
ihm gewichen. Er war durch und
Jan-G ehrlich und rechtschafer und
kannte den Menschen doch nicht ge
rade int Gesicht sehen. Das Brand
enal det Mißerfolgs stand ihm auf
der Stirn
Das Wasser det Brunnens war er
qui-end kühl, aher ach, diese Metall
: W! Ehe er den feinen benutzte
Mlte er ihn sorgfältig aus, dann
Iståe et zwei Becher voll hinunter,
»Ist ihm war zu Mute wie einem er
set-schien Riesen.
H Mitleichterem Herzen und mit ei
s« Im Inst fiir dat, wat ringsum vor
«Wfcheitt er weiter. Hätte er nur
Schuhe jenes Spiel-engenka
·fett, der feine Waren so Mpert an
sei-O schlieser können, wenn sie auch
VII ko zerrissen waren! Könnte er
M tm Zeitungtjungen dort dritben
Feste-hassen Zeitungen ftir bute
Marien und Westen unbekümmtt
II ei- SMMU MM
s- MWiBennJabererhstie
»Macht-see
MW.-H -
r--—-, ÆM
allgemeine Mangel. Der, welch-s
gern mit ilse eines allzu mistrauii
schen M ums eine Gesellschaft ge
gräsrdet hätte. —- der deriiiusey der
esse Karte sein eigen nannte und nach
eine-ne Laden trachtete, —- det Kommt
m Hersundvierzig Jahren. der Konr
seit blieb, —- alle miteinander bejam
nrerten den Mangel an Kapital Men
fchea aber-, die Kapital besaßen, lie
lßen sich aus törichte Unternehmungen
kein. Vielleicht war er so besser daran.
. Jm Laufe des Nachmittags wurde
seine Stimmung weniger grillenhaft.
’Schlechte Ernährung hatte die Funk
tionen seines Gehirns gehemmt: er
konnte nicht mehr mit derselben Leich
tigkeit träumen oder sich Dinge aus
malen. Ein hungriger Ausdruck trat
in seine Augen; um Nase und Mund
legte sich ein scharfer Zug; das Gesicht
sah eingefallen aus. :
Fast unwillkürlich verließ er die«
reichen Stadtviertel und suchte diez
iirrneren auf. Die Armen siihlen mitz!
den Armen; dort würde er auf dassi
wahltuende Verständnis stoßen, das·
ihm anderswo nicht gewährt wurdHl
Aber der erste Gewerbetreibende, an
den er sich um Arbeit wandte —- ein
Plalat im Fenster meldete: »Gesuchi
ein Gehilfe« —- riß die Augen auf
über die Unverschämtheit der Forde
rung.
»Sie würden sich besser fiir ein
Kontor eignen, mein guter Mann.
Hören Sie aus meinen Rat und ver
suchen Sie Jhr Heil in der City. Ich
kann einen so seinen Mann nicht
brauchen.«
Er blieb endlich stehen« müde von
dem unaushörlichen hin- und Verlau
fen. Wie eine Vision tauchte sein
Heim mit seinen Hunger leidenden
Lieben in blendender Helle vor ihm
auf. Mit leeren händen heimkehren,
hieß den Seinen das Todesutteil
sprechen.
Jetzt begriff er, aus welchem Sinne
Verbrecher gemacht werden. Seine
Ansichten von Moral fingen schon an,
sich zu verändern. Unter gewissen
Umständen war das Stehlen fein ge
meines und veröchtliches Laster.
Wurde ei aus zwingender Notwendig
teit begangen, sv kam es ihm wie eine
Sache vor, auf die ein Mensch stolz
sein konnte, und fiir die er, im Falle
des Crtapvtwerdens mit der Miene
eines Märtyrers eine Gefängnisstrafe
erdulden würde. Die sozialen Un
gerechtigkeiten des Lebens erregten ei
nen Sturm in seiner Brust. Er lngte
um sich und überlegte, wen er fich als
Beute auserfehen sollte. Er stand ge
rade vor einer Schenke. Auf einem
steinernen Fensterfims hatte ein Stra
ßenvertiiufer ein Brett vle frischer
Veilchen, die in zierliche Sträußchen
gebunden waren, fiehen lassen. Wem
gehörten tie? Jrgend einem verfein
menen Menschen natürlich, der seinen
ganzen Verdienst vertraut. Der
Mann blickte- nach rechts und links.l
Eine Anzahl zerlurnvter Kinderi
schaute unverwandt in das Fenfter ei- »
nes Spielzeugladens, der neben der»
Schenke lag. Alle Leute, die in Sicht;
waren. drehten ihm den Rücken zu.
Er ergriff das Brett und verschwand
mit feinem Raube um die nächste Ecke.
Zwanzig Minuten.spiiter stand er
draußen vvr dem Bahnhofsgebiiuve
Jund das Geschäft ging glänzend.
«Veilchen, einen Pennh das Sträub
chen!« Die Blumen waren frifch und
die Käufer fanden sich in Menge ein.
Niemals hatte er in seinen glücklich
ften Tagen Gehirn und Seele fo bei
teinern Geschäfte angestrengt Jetzt
jspielte er um einen hohen Einsah —
Idaz Leben von Weib und Kind —
und jeder Pennh, den er in die Tasche
gleiten ließ, bedeutete eine größere
Linderung ihrer Not. Ein sittliches
Vergehen war zu einer herrlichen Tu
aend erhoben worden. s
Nach einer Stunde war fein Brett
leer und seine Taschen voll Penns
ftiicten. Nach zwei Stunden stand er
mit leeren Taschen, aber die Arme voll
guter Dinge, vor der Tiir ihres ein
zigen Zimmers.
»Sufe!« rief er durch die Tür. Es
erfolgte teine Antwort und er trat ein.
Jm Zimmer war es dunkel, nur durch
das Fenster fiel ein fchwacher Licht-:
schein. Er tastete nach Streichhölzern
und zündete eines an.
Das Kind schlummerte, warm ein
gebüllt, auf dem Bette. Seine Frau
war nicht da. .
an überlief es kalt. Etwas war
nicht in Ordnung. Sein Blick fchweifte
durch das Zimmer. Ein Schauder
durchrann ihn, als er einen halben
Briefbogen, auf dem etwas geschrie
ben stand, auf dem Tische liegen fab.
Das Streichbolz ging aus und ließ
ihn im Finstern.
Eine Setunde lang fürchtete er sich
zu sehr, um sich zu regen. Endlich
strich er mit zöternden Fingern noch
ein Streichbolz an und entzündete ein
Lichtftiigrpchen auf dem Laininsimt
Das Wachs trapite auf seine Finger,
er trat schwankend an den Si ch nnd
beugte sich über den Brief.
Die Schriftztige tanzten im flackern
den Lichtschein. Er fuhr sich mit der
band über die M und feste M
Licht«nieder.
Sein Weib hatte geschrieben
Pergieb Init. Willst« aber ich m
cis-Mep- nk-M.m,
Des-- seist-Kassen
MHI »- M-« III-WITH
ben. Ich werde nicht nicht auf dieser
Weit fein. Ich wollte Dir bente bel
ien nnd ging nach Conent Gear
und san as mein Geld ftir sinnen
aus, die ich versanken wostr. M
dein ersten erworbenen Penny ging ich.
in einen Laden, um ein Spielzeug Mr
den Kleinen zu laufen. Ei war viel
leicht unrecht, aber ich hatte es ian
versprochen Und während ich fort
war. bat jemand meine Veilchen vorn
Fenstersirnz gestohlen. Jch kann ni
mehr —- obne mich wirst Du Di
leichter durchs Leben schkagew nnd
deshalb gebe ich von Dir.« l
Der Mann sont neben dem Tifss
auf die Kne, barg das Gesicht in den
»Häan un stöhnte schmerzlich
Plönlich erhob er sich und langte
nach seinem Hatte. Er wollte ibr noch
und sie retten. Er wollte wieder gut
machen . . .
Von unten tönte der abgemessene
Schritt von zwei Schutzleuten herauf,
die eine schwere Last trugen.
per Yachfocgen
Eine Geschichte aus dem Leben; von
Betty.Rittweger.
Mit fest ineinandergeschtungenen
Händen wandert die schlanke schwarz
gekleidete Frau ruhelos hin und her.
Der weiche Teppich verschlingt den
Schall ihrer Schritte. Es ift toten
still im Zimmer.
Wer Frau Anita vor einem Jahr
ktesehen hat-und seitdem nicht wie
der, der wiirde bei ihrem Anblick er
schrecken. Das schöne Blondhaar ist
ergraut und die Gestalt« ist gebeugt
wie unter einer Last. Der plösli
Tod des Gatten, des geschähten -
tapellmeifiers und Lehrers am Kon
serdatorium, hat diese Veränderung
hervorgebracht Es war eine Ehe ge
wesen, wie man siesselten findet, ein
gegenseitigee Verstehen und Miteinan
derleben. Anita war ganz in ihrem
Gatten ausgegangen und hatte sich in
seinem Ruhm gesonnt. Sie hatte teine
Kinder und so lebte sie nur dem ge
ffiebten Mann. Und als er ihr ge
nommen wurde, wußte sie nicht« wo
aus noch ein und das Dasein schien
ihr wertlos.
Viele Ehren wurden dem Toten zu
teil, die dem Kunstler und dem Men
schen galten. Man veranstaltete
Trauerfeier-n und man gab Konzerte,
die ausschließlich seinem Gedenten ge
widmet waren. Das Fürstenpaar er
schien persönlich bei ihr. um ihr seine
Teilnahme auszusprechen Wochen
lang wurde es nicht leer von Be
suchern bei Frau Anita, die ihr ver
ficherten, daß ihr Gotte unersetzlich
fiir alle Musitfreunde sei. Dann
wurde es stiller und stiller.
Ein halbes Jahr war vergangen,
seit der geliebte Mann sie verlassen
hatte, und ohne Erbarmen schritt die
Zeit über ihren Jammer hin und das
Leben ging weiter. Frau Anita hatte
sich um nichts getiimmert, hatte ganz
ihrer Trauer gelebt. aber erst seit eini
gen Wochen mischte sich in diese
Trauer eine Bitterkeit. die ihr vorher
fremd gewesen war. Die empfand sie
»erst, ais ihrem Gatten ein Rachfolaer
irrnannt wurde, und dieses Gefühl
isteigerte sich von Tag zu Tag. Die
Blätter brachten lange Artitet über
den kommenden Mann, der, eine be
reitb anerkannte Größe« freudig be
grüßt wurde und von dessen Wirt
samkeit man sich sowohl für die Oper.
wie fiir die Symphonie-Konzerte und
das Konservatorium vie! versprach.
Ab und zu wurde ein Lob für den
Toten eingeflochten, aber bisweilen
doch auch angedeutet, dasz die Ernen
nung gerade dieses Nachfolgerz doch
wohl einen Aufschwung stir das Mu
sikleben der Residenz bedeute. Das
Gefühl, das sie für diesen Nachfolger
empfand, grenzte an haß.
Am 1. April Hatte der neue Kapell
meister sein Amt eingetreten und heute
sollte das erste Symphonie-Konzer:
unter seiner Leitung stattfinden. Auch
die Antiindigungen fiir dieses Konzert
hatte sie mit brennenden Augen gele
sen, und es war ihr gewesen, als ver
liere sie nun erst den Gatten ganz.
Wohl versuchte sie, den Haß zu be
kämpfen; ihr Verstand sagte ihr, das-,
ihr jener sremde Mann nichts- zuleid
getan, daß immer der Lebende recht
habe. Aber es hals nichts.
Unter ihrem Fenster lief in Zwi
schenröumen von zehn Minuten die
Elektrische vorüber. Die Linie sührteJ
dem Theaterplas zu. Taxameter roll- j
ten und Autoö sauchten. Natürlich»
alles wollte den großen Mann bewun- ?
dern, der »seinen« Plan einnahm, den»
Platz ihres geliebten Toten! Und man .
witr e ihm zujudelm Kränze würdens
ihm its-erreicht werden« und Niemand,"
Niemand würde dessen gedenken, der
viele Jahre lang mit begeisterter hin-«
gabe an derselben Stelle gewirtt hatte.
Nach und nach wird ei stiller aus
den Straßen. Das Mädchen kommt
und fragt, ob es den Tee bringen soll.
Frau Inita nickt nnd versucht dann,
etwas zu ießen. »Aber vergebens
·-—- die ehRst ihr wie zageschnttrt.
Ganz erschöpft sinkt die Einsame
endlich in einen Sessel am Fenster,
nnd eine Art Betaut-»aus nimmt sie
Hang-m Zu gewaltig ist die Erre
"«iurs der ·-lehten Stunden gewesen.
«Vai hatten eines We ens vor dem
, dat, tie allein-zweiten reißt
- si- Wsisswslbl « - »
if III WMAIO reicht rh
t
eintretend eine Karte mit den Bir-11
dieasidige nfofpiitn färeis
nen Inaenblet empfangen m ·
Inita liest, und eine slntnseile
itmt ihr zum hergen. Er —- der
achkolger ihres Gatten! Jeht in die
ten: «Der sk- läst fragen. ob ihn
ra
Efer Stunde-i Was will er, was sucht
"er bei ihr? Unbegreiflich. Aber ah
« mochte Wichtiges sein, was er ihr mit
weifeni Rein, das geht nicht. Es
zuteilen hatte.
»Ich lasse bitten« Ganz teise
spricht sie. und ihre eigene Stimme
klingt ihr fremd. Wie seltsam das
alles ist!
Und dann steht er vor ihr; nicht
herrifch und selbstbewußt, nein, mild
und gütig blickt er sie an. Einen
Lorbeertranz hält seine Hand. »Es
ist eine ungewöhnliche Stunde, gnä
dige Frau. aber ich konnte nicht an
ders. Verzeihen Sie, wenn ich Jhnen
zudringlich erscheine. Man hat mich
heute über mein Verdienst geehrt, und
ich möchte Sie bitten, diesen Lorbeer,
den man mir spendete, als ein Zeichen
meiner Dantbarteit Jhrem Toten
brinqu zu dürfen«
»Das ist W ich weiß nicht — Herr
Kapellmeifter -- ich versteh· nicht ——-«
«O, das ist doch nicht schwer zu ver
stehen, gnädige Frau! Ohne Jbren
Gatten hätte ich nicht eine so vorzüg
lich geschulte Kapelle zur Verfügung«
Es ist für mich leicht, auf dem Jun
dament. das er gelegt, weiter zu
hauen. Und keinesfalls darf ich mir
den heutigen Erfolg zurechnen. Des
halb gebührt der Kranz meinem Bor
giinqer.« «
..-. --L
Noch wankend er jprichn ton nch
alle Bitterkeit, aller Haß in Frau
Anitcks setzen. -Sie holt tief Atem
nnd reicht deni Nachfolger ihres Gut
ten die Haud. »Ich danke Ihnen, o
ich danke Ihnen. Sie wissen nicht,
was Sie mir geben mit diesem« Kranz!
Er soll das Bild meines geliebten
Mannes schmücken und mir ein Zei
chen fein, daß er undergessen ist.«'
»Das war’s. was ich Ihnen damit
sagen wollte, gnädige Frau. Nicht
wahr, Sie gestatten mir, meinen Be
such zu vatsenderrr Stunde und in Ge
sellschaft meiner Frau recht bald zu
wiederholen? heute folgte ich nur
einem plößlichen Impuls. den ich nicht
unterdrücken konnte. Auf Wiederse
hen!« Noch ein Händedruck, eine Ber
deuaung und Frau Anita ift wieder
allein.
Aber ed isi ein anderes Alleinsein
als vorher Sie fühlt, daß sie
eben einem Großen gegenüberaesiam
den but. Und willig beugt sie sich vor
dieser Größe.
Mitreise berühmter san-see
über dte Frauen.
Milton, der blinde Dichter des »Ver
lorenen Paradieses«, war zum dritten
Male derheiratet und in dieser Ehe
nicht besonders glücklich. Eines Ta
ges machte ihm Lord Buekingham das
Kompliment, daß seine lMiltons)
Frau eine Rose wäre. »An ihrer
Farbe«, entgegnete der Dichter. «lann
ich es nicht erkennen, denn ich bin
blind, aber an ihren Dornen fühle
ich ei, daß Sie recht haben.« Ein an
dermal wurde der Dichter gesragt, ob
er nicht seine Tochter in einigen stem
den Sprachen unterrichten lassen woll
te. —- «Nein', sagte er, »eine Sprache
ist siir ein Frauenzimmer genug.« —
Aus die Frage, warum der Thronerbe
Englands mit 14 Jahren gelrönt wer
de und erst im 18. heiraten dürse, ant
wortete Miltom »Weil es schwerer ist,
eine Frau als ein ganzes Königreich
zu regieren-« —-- Aristipp, der griechi
sche Philosoph, wurde einmal von ei
nem seiner Freunde gesragt, zu wel
cher Art von Frauen er ihm riete. Er
antwortete darauf: »Ich kann Dir zu
keiner raten, denn wenn sie schön ist«
wirst Du don ihr hintergangenx ist sie
häßlich, wird sie Dir mißsallen Jst
sie arm, wirst Du ruiniert; ist sie
reich, wirst Du ihr Stlade. Jst sie
geistreich, wirst Du verachtet; ist sie
unwissend, wirst Du Dich langweilen
und ist sie böse, hast Du die hölle«« —-—
Dieses Urteil des griechischen Philo
sophen dars die Frauen nicht zu sehr
betrüben. Die Denker Griechenlands
haben so schiese Ansichten iiber die
Natur der Frauen gehabt, daß unter
ihnen allen Ernstes die Frage anstau
chen konnte, ob die Frauen auch eine
Seele haben. ---- Morih Joiai, der un
aarische Romandichter,·tat einst den
Ausspruch: »Es giebt zweierlei
Frauen: solche, die ein herz haben. die
lieben Einen, und solche. die kein herz
haben, die lieben Hundert« Von
n Paul stammen die schönen Wor
te: »Die Frau ist gewöhnlich der let-te
reund, der dem Manne im Unaliict
leiht.« --—- Navoleon l» der weibliche
Talente sehr schähte (wenn sie ihre
Begabung nicht gegen ihn richteten,
wie Frau von Stael), sagte: .Ei ieht
Frauen, die nur einen Fehler eu,
daß sie nicht Männer sind.« »
Ovid viel! »
; Ja X. kommt ein junges Möbel zum
lMesser. Ja der Hm des Bedieneni"
xfragt der Messen »Na Liebchen, was
haben Sie denn auf dem herze-IV
»Hu halb Bund Nierenfett!« war die
prompte Antwort
Lebt-s Nisus-ji«
Gotttn MS der Gaste die Reife in
das Seel-ad verweigert): »Schön-'
Dich, nicht einmal das bischen Wasser
,gännst Du eines-W
f-. k »so RAE-IF - - AHII
Yrauenekke
Ost Fisch
Wenn ich den Wanken frage
»Wo tommß du herf«
»Von sause. non Vatese.« spricht er,
Und seuszet schwer.
Wenn ich den Landmann frage:
»Wv gehst du hins«
»Na-h hause, nach hause,« spricht er
Mit leichtem Sinn.
Wenn ich den Freund nun srage:
»Wir blüht dein Glück?'
»An hause. zu hause,« spricht er
Mit srohem Blick.
So hat man mich gesraget:
»Was quält dich sehri«
»Ich tann nicht nach Hause,
Hab leine Heimat mehr.«
Verschönert-s des deines
»Was machst Du denn dat« ries
ich, als ich Betty aus einer Leiter ste
hend sand, eifrig damit beschäftigt, ein
Brett über ihre Zimmertiir zu nageln.
»Gehst Du nicht, daß ich ein Wand
brett anmache?« lachte ste. »Phnllis
Greh hat eines iibet der Tiir ihres
Schtaszimmers und das steht ent
zückend aus, aber ich fürchte. meines
wird nicht so hübsch, denn es ist nicht
sehr gut und ich verstehe nicht so ge
schickt zu hämmern. Aut« Sie schrie
aus, denn das Undermeidliche war ge
schehen —- sie hatte mit dem hammer
statt aui den Nagel aus ihren eignen
Finger geschlagen.
Als der verletzte Finger glücklich
verbunden war. wendeten wir unser
Interesse wieder dem Wandbrett zu.
Es war richtig befestigt, aber uns
laclirt und rauh, und die Wand trug
Spuren von den hammerschliigen
Bettn sah mißbilligend auf ihr eigenes
Wert, während sie den verletzten Dau
men streichelte.
»Was soll ich nur machenisp fragte
sie. »Ich wollte das Zimmer so gern
recht schön haben, wenn Mildred aus
Besuch zu mir kommt. und nun habe
ich nur die Wand beschädigt
»Lasz den Mut nicht sinkent« trö
stete ich sie. »Wir wollen uns lieber
überlegen, was sich tun läßt. Hast
Du noch etwas Cretonne von den
Bothiingen und Kissen in Deinem
Zimmer übrig?«
«Nur einen schmalen Streisen
Mist Dir das etwasi« und sie brachte
ein Stiick Stoss vvn etwa 6 Zoll
Breite und doppelt so lang wie das
Brett herbei.
W
»Wie tollen einmal veriuchen,' er
widerte ich, nabm hatnnier und Nägel
nnd stieg aui die Leiter: unt ben Nanb
des Brettes naaelte ich nun eine
aleichnräszig aeiälieiie Wische und
Beitn trat zurück, utn ben Eindruck zu
bewundern.
nAber das isi ja reizend!' rief sie
aus« «viel hübscher als das Breit bei
Guns. Diesen Wanbteller lönnen
wir baraussiellen, einen Nagel in das
Brett schlagen, damit es nicht herun
ierrutscht und noch ein paar Bena
menie anbringen, dann sind wir fer
tig. Das Brett siebt io biibsch aus,
baß ich am liebsten in allen Zimmern
welche anbringen möchte.«
»Das würde ich doch lieber bleiben
lassen. Denke poch, wie langweilig
bat wäre!« erwiderte ich, ais wir uns
in das Wobnzimmer begaben.
»Diese abscheuliche Cari« sagte
Bettv, als wir in ber behaglichen
Stube saßen, »ich weiß niemals, was
man damit anfangen soll.«
»Warum versuchst Du es nicht auch
hier mit einem Wanbbreti?« sragie ich.
»Ja, ein langes, niedriges würde sichs
recht gut ausnehmen,« überlegte Bettv,
»oder lieber zwei Wandbretter, das un
tere für Bücher und Zeitschriften und
das obere für Ornamente. Was
meinst Du dazu? Denkst Du, daß
man damit den Raum ausfüllen
tönnte?«
»Wenn es richtig gemacht wird, ge
wiß, aber es mufz sebr ordentlich ge
zimmert werden, und da Du teinen
geschickten Bruder haft, würde ich es
mir an Deiner Stelle vom Tischler
anfertigen lassen; lacliren können wir
das Brett sa selbst, aber das Sätzen
und hämmern wollen wir lieber nicht
unternehmen.«
Während des Plauderns hatte Vetty
schnell eine Stizze entworfen. »Das
gebe ich dem Tischler,« sagte sie, »und
wenn er etwas daran andern will,
dann iann ich das ja immer noch«
tun.« Nach diesem Entschluß verließ
ich sie. .
Erst nach einigen Wochen tain ich
wieder dazu, meine Freundin zu be
suchen, und das Erste, was ich bei
meinem Eintritt in das Wohnzimrner
»bemertte, war der neue Wand-breit
Fschinnch der so schön geworden war,
fdasz ich ihn taum als unsere eigene.
Erfindung wiedererlanntr. Unaesäbri
einen Fuß von seder Ecke entseenti
stand ein schlanles Bein. und due
Ganze glich mehr einem in die Eite«
hinein passenden grazissen Tis ali»
einer einfachen Bretterreibr. Au dem
oberen Brett standen Blumen und
Ornamente und ans dein unterm
stlcher nnd Zeitschrift-m wie seity es«
Mut hatte, nnd dass-are gab dem
ssimmer einen traulichen und wohn
llieben Ausdruck
» »Komm in das Eßzimnrer,« sagte
Qetty als Antwort aul meine aner
lenuenden Worte, «dort haben toir
auch ein Wandbrett angebracht.« Diese
Anordnung war ganz verschieden von
den iidlichen Wanddretteen. denn statt
durch unanlednliche Eifenitiitzen nnxrde
es durch schön geschnihte Holzsiiitzen
gebt-Um Die Lackirung von Breit
nnd Stühen paßte zum Holztoert des
Zimmets und es ließ Raum sitt ein
großes Glas und ein mit Eretonne
überzogenes Tablett.
»Ja der Küche baden wir ebenfalls
Bretter angebracht,« sagte Betttfg eben
ins Zimmer kommende Mutter. »Das
war meine Jdee.«' und voller Stolz
rotes sie auf zwei hübsche Bretter mit
Gewittzdiichlen. Auch diese Bretter
hatten Holzstiitzen in der altmodiichen
Art. nämlich so, daß unter dem Brett
ein Holzftreiien an der Wand beseitigt
war und zwei dreieckige Stiiete als
Stüyen dienten.
—..-,—..
«Stehtt Bis sagte Denn g Maus-,
»ich habe mir vom Tischler diese
Stützen auszeichnen lassen; also wenn
Dn willst, kannst Du er nachmachen·
Ein anderes Brett habe ich mir über
dem Ofen anbringen lassen und das
erspart mir so manchen Weg. Aus
diesem Brett stehen die Gewürzbüch
sen, bie ich während Ebes Kuchens
brauche. die Topsdeclel Ifund an aer
Seite hat es Haken siir dx Kochiöiiei.
Wie Du siehst. siihrt eine schmale
Schnur fast iiber die ganze Längs
lanie des Brettes, welche die Tapf
deckel hält und noch Raum siir die
Gewürzhiichsen läßt«
»Wie metlwiirdig,«.sagte Bettv, als
wir von unsrer Jnspeltionseeise aus
ruhten, ,noch vor einer Woche besaß
das Hans lein einziges Wandbrett.
höchstens außer dem in Kathleen’s
Zimmer, aus dem ihre Schulbiicher
und Pariere stehen. Es ist ein sehr
vraltischei Dina mit Vorhänqen da
Vor, um die Bücher vor Staub zu
schützen Auch Mutter hat in ihrem
Zimmer eines sär ihre Lieblings
bücher, neben dem Fenster, an einem
Blase, der sonst unbenutzt bleiben
würde.« -
Ists Inst-M QCIIIIIOUOII XI«
Ein zierliches, zum Unshiingen be
stimmtes Tailettenlissen ist sehr mat
tis(h, da es nie im Wege ist und doch
stets am richtigen Plahe und leicht zu
finden. Das unserer Vorlage ent
w
Ein zierliches Naseltitsen
sprechenbe Kissen war von grauet
Seide, die Stickerei in rvsa und grün
ausgeführt unb das zum Abschluß
dienende eingelrauste Band, sowie vie
zum Aufbängen bestimmte graziög ge
schlungene Schleife von dazu passen
bem« grünem Seibenbanb·
Die hübsche Spitze empfiehlt sich
durch das den getlöppelten Spitzen
ähnliche Muster Man arbeitet sie der
Quere nach in hin und zurückgebenden
Touren auf einem Anschlag von 80
—
Spitze in Hiieiarbeit
Luft-naschen Da unsere deutliche
Vorlage die Stiche aiie genau erken
nen iäßi dürfte eine weitere Beschrei
bung unnötig sein Von feinem Garn
gehäieit ist die Spitze zur Verzierung
von Soinineriieivern und Biuien
oder zum Beiaß von Unterwäiche von
schönster Wirkung
·
Immer zerstreut
Professor ider mii feiner jungen
Frau zum ersten Male zu hause
speisi): «Krlinee, das Beschwerdebuch!«
Die Ini- ies Seien-.
Er: »Sag, Geliebte, willst Du mein
Los niit tnir teilen«i«
Sie: »Mit wie viel ist's dean her
autgeiotnrneni«
Eint-m
»Weißt Du, Bei-ihm meine Verlo
bung mit dem Baron ifi mir lett ei
gentlich ein RätieM
» »Aha, da venifi Du tschi fieihiq
übte die Aufiiiiuns Mk