Nebraska Staats-Anzeiger und Herold. (Grand Island, Nebraska) 1901-1918, October 04, 1907, Sweiter Theil., Image 12

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    »Juki-ver herum vor Gericht
. Ein sonderbarer Jahrgasi.
f-Untrr der Anklage des Betrageö
der 34 Jahre alte Kolporteur
« » . Roderich B. vor Gericht
Der Angeklagte, der aus einem Bei
ne lahmt und sich einer Krücle bedient,
erscheint dringend verdächtig, den
, oschienkutscher Richard K. um das
geld für eine Droschkensahrt vom
hnhos Jeiedrichstraße nach dem Ge
richtsgesängnis in Moabit geprellt zu
haben.
« Bors: Sie sind nach Ausweis der
Akien einmal wegen Unterschlagung
mit drei Tagen Gefängnis vordestraft
nnd haben die Strafe in diesem Jahre
derbiißt.
Angel1.: Dei stimmt und is so weit
apropoh. Jcl konnte aber meine drei
Dage Jesängnis nich antreten, weil ick
in Charlottenburg wohne, und von da
bis Boabit kann ict mir mit meinem
lahmen Beene nicht fortbewegen.
Bors.: Sie haben aber doch die
Strafe tatsächlich angetreten und auch
derbiißt
Angeli Anjetreten2 Nee. Anjesah
ten habe ick die Strafe, und jrade die
serhalb stehe ick heute schon wieder vor
dieset Forum nnd muß mir von Neuem
jejen den unerbittlichen Arm der irdi
schen Jerechtigleit derdessendieren. Jci
hoffe aber, dieset Mal den Schlag der
öttin Themis mit meinen schlagenden
teidigangsfriinden abzuwehren.
Ieiesnne mir jänzlich unschuldig und be
antra e Freisprechung und eenen Ver
lveis For die Anllagebehiirde, die sich
vgtrswieder mal janz unnötig in’t Je
· r jelegt hat und mit ihrem Stras
anttrage wahrscheinlich jehörig in’t
Essen drin liegen-wird
-;k-»2-«; ... - ( .
Iti
is
»
?
Das Gericht beschließt aus Antrag
des Vertreters der Staatsanwalt
schast, gegen den Angeklagten wegen
Ungebühr vor Gericht eine Hastsirase
« von einein Tage zu verhangen und die
desinitive Entscheidung über diesen Be
schluß bis zur Beendigung der Ver
handlung auszusetzen
Bors. Wenn Sie sich noch einmal
erlauben, die Achtung vor dem Ge
richtshose durch ungeziemende Aus
lassungen zu verletzen- wird die Haft
Wie sosort gegen Sie vollstreckt wer
Angekl.: Jck habe rnir woll zu dra
stisch ausjeauetscht, wollte aber beiLei
he nich den Herrn Krirninal zu nahe
indem ick mit in dein Jlauben befand,
es sei Jedermann jestattet, Sirafantrii
ge, wie auch jerichtliche Erkenntnisse
frei von der Leber weg zu tritisiren
Je! will mir aber bescheiden und von
dein«versassungsnräßigen Rechte jedes
preußischen Staatsbiirgers, det Maul
zu halten, den ausjiebigsten Jebrauch
wachen.
Bors.: Jch sehe, daß die Androhung
der Haststrase ihre Wirkung verfehlt
hat. Wollen Sie sich nun aus den Jn
halt der Anklage erklären?
Angeli Also irt hatte von der
Strasdehörde eine schriftliche Einla
dung erhalten, drei Dage. die sie inir
wegen Unterschlagung uffjebruinmt
hatten, in dem wunderschönen Moiabir
verleben, wo et wunder vollen Rum
isch zu prspeln jidt und die Zeit bei
tenkleben und Strohmattenslechten
so angenehm verstreicht. Wenn ick
· aber Jemand zu mir rinlade und der
Oetressende is verlahmt und kann uff
; eine Pedale nich jut fort, so jehöri et
, det ick ihm irn Wagen oder Auto
okholen lasse. Wir leben doch in einem
Tilisierten Staate. wo et ooch an
ahrzeugen aller Art nich jrade fehlen
at. Jcl konnte also erwarten, det die
sehördr. der ick als lahmer Mann be
kannt din, mir im Wagen nach Maja
dithdholen toerde. Jck habe aber
vetjeblich darun gelauert und nur den
Kopf zerbrochen, warum der Wagen
nich vorfuhr. Endlich, als et die höch
ste Zeit war, sagte icl mir: Die Behör
. de wird verjessen haben, oder ei liegt
sp wieder mal ’ne Verkehr-Sitzung vor.
·: Wenn ick aber von Charlottenburq bis
Bahnhof Friedrichitraße die Stadt
k Dahn benutze und mir dann uff eene
Droschie fchwinge und fein durch den
« Jhierjarten rassele, so wird der Direk
» tor in Moiabit als hurnaner Mann
» doch janz sicher den Droschtentutfcher
: , bezahlen.
« Z Das ist doch mehr als naiv. Sie
-- wollen wirklich geglaubt haben, Laß
die Verm-theilten in einer Preschke auf
. Staatsiosten am Gefängnis verfahren
; Um ihre Strafe einzutreten? Vielleicht
. erwarten Sie auch noch, daß Ihnen
J. ; der Direktor der Anstalt den Schlag
" Issnet und Sie unter tiefen Bücklingen
: in die Zelle geleitet.
; · Un fl.: Jck bin een schlichter Mann
Epiijud b mir,fo wat nich in, aber ick
. man würde wenigstens den
- Itfcher bezahlen, indem der
M M sonst vach ichsxeppen
We. J- hatte mir nämlich jänzlich
sichs nnd uff andere Art konnte
meinem lohnen Pendal nich
Ulongen Wenn een anschei
" iirkt unt-mut, so wird er
- am sahst-of iu n Hat-wagen ab
lt und de wird jedieuert und Spa
Aber bei uem lahmen
»Wie-r ItFehigr.et nich mal uss ne
-. OMR W. Das Gericht
H Mr let-« on Verteidigung ge
zu würdiges totges- »
, . W Wisalles zu
- WITH ro TM
· M M derbiisung einer
M eine-e Tasse wegen Un
I IW
W
« sei sei-e «- m sei-eh «
Stolz war er wahrscheinlich W,
aber sicherlich gross-Ethik der Löse.
der dieser Tage aus einer
in Albert· im französischen Departe
ment La Somme, entwich. Alterden
Eingeborenen, die wie närrisch da-.
vonliesen, genügend Furcht ein-jagt
hatet, faßte der freundliche Löwe vor!
der Thür einer Kneipe Postv. Er
hatte ohne Zweifel Durst; er hat sosi
gar sicher Durst, denn als er seineni
Bändiger und die achtunggebietenden
Gendarmen antrotten sah, eilte er
mit gewaltigen Siiden zur —Triin
te.Der Bändiger lief hinten nach und
noch etwas weiter hinten die Sendu
men, denen die Jagd keinen besonde
ren Spaß zu machen schien. Endlich
hatten die Verfolger ihre Beute er
reicht. Der Löwe hatte sich vorsichtig
in eine ftille Ecke zwischen dem Was
sertiimpel und dem dazu gehörigen
Bauernhause zurückgezogen und hart-I
te in Gemeinschaft mit zwei Enten 1
die ihn neugierig beguckten, derDingel
vie da kommen sollten Zuerst tamk
der beherzte Bändiger, der bald ritt-I
lings aus dem Löwen saß und einem
der Gent-armen zurief: «Geben Sie
mir rasch einen Strick!« Der einzige
Strick den der Gendarm bei
ki)1tte, war seine dreifarbige Degen- chi
ifchärpez er band sie los und zitterte!
Its-bei an allen Glied-m denn mit vers
Schärpe verlor er auch den Degen-(
fsrine einzige Waffe in dem bevor-i
stehenden grausigen Kampfe mit dem!
Löwen Es kam aber zu gar keinem!
Mime der Löwe sah die Gendarsi
men der Reihe nach mitleidig an, ging
noch einige Schritte zur Tränte hin-T
unter unt seinen Durst zu stillen, j
iund ließ sich chdann von feinem Bän-;
diger wie ein Polizeigefangener ab-E
führen. Und dieser Löwe heißt -—;
Brutus! ;
T er Zinswesen
Ein lnuniges Postiuriosuni wirdi
der ,,.Br Morgenzth mitgetheilt
In München meinem ehemaligen
Wohnsitze, so erzählt die Zuichrift,
war ich auch Inhaber eines königlich
bayeriichen Teleponhanrufs. Wie bei
uns in Preußen wird auch im schö
nen Bavetlande die telephonilche Ver-.
Findung durch Damen hergestellt.
Ganz im Gegensah zu Breilau stand
ich mit den Münchener Telephonfriiu
lein auf einem ziemlich freundschaft
lichen drahilichen Vertehrsfußel
Eines Nachts langte ich ——ich glaubte. i
ich war kurz vorher im Hoihriiuhauie
— zu etwas später Stunde zu Hause
an. Arn nächsten Morgen sollte ich
um fünf Uhr-früh eine Reise antre
ten. Mich niederlegen und erst inl
Jspäter Mittagsstunde erwachen, wäre
I— ich kenne mich darin sehr genau-(
eine feststehende Thatiache gewesen
Eine Weckuhr nannte ich auch nicht
mein eigen. Da tam ich aus eine tiihne
Idee: das königlich daherilche Fern-;
z fprechsamt muß mir aus der Vetlegen
jheit helfen. Jch hob die Hörer ah. i
»Das Fräulein vom Amt meldete sich:
»Hier Amt!«—— u.Ach mein liebes!
Fräulein (»liebes« betonte ich nach
,driicklich), hätten Sie nicht die Güte,
Hinich um Punkt fünf Uhr telephonisch
izu wesen, ich muß dringend verrei
len!« Jch hörte ein lustiges Lachen.
»Na —- ich werde mal lo gut sein,
schlafen Sie wohll« — Punkt 5Uhr
ichnarrte das Telephon mit einer Ve
remenz. als ob nicht ein in schweren
Schle Verfall-um sondern ein Tod
ter geweckt werden sollte. Jch sprang
aus dem Bette und lief an den Fern
sprecher. «Fiinf Uhr ausstehen!« tönte
es mir lustig entgegen. Ich war ent
zückt und gab meinen Gefühlen in be
redten Worten Ausdruck. Doch das
königlich dayeriiche Telephonfriiulein
schnitt mir das Wort vom Munde ad,
indem sie meinte: »Bitte —- teine Be
umtenbeleidigung . . .'«
W
Der Höchste-end
William Jennings Brnan erzählt
aerne eine Geschichte aus der Zeit« da
er noch nicht so gut bekannt war wie
1etzt. Ein geseierter Kampagneredner
Nebraslas sollte in einer politischen
Versammlung in Linroln die Haupt
rede halten, erkrankte aber im letzten
Moment und Bryan mußte sür ihn
einspringen. Natürlich machte es
Herrn Bryan etwas nervös« einen äl
teren und weit besser bekannten Red
ner zu vertreten, und die Worte, mit
denen ilin der Präsident der Versamm
lung den Anwesenden vorstellte, waren
euch nicht gerade geeignet, seine Zuver
sicht zu heben. »Mitbiirger,« sagte der
Vorsitzende, »das hier ist der Stellver
treter für unseren leider plötzlich er
krankten Staatimanrn Ich weiß nicht,
was er Leisten kann, aber die Zeit war
zu kurz und wir mußten den nächst
besten Redner nehmen« den wir kriegen
lonnten.«s
III Odem seine.
Ei diirfie wohl schwer fallen, einen
Bote-traten zu sind-ern der ans einen
längeren Namen stolz sein kann, als
der König von Sigm. Europäer re
den ihn meist alt Ehulalankorn an,
ade; sein voller Name lautet in Wirk
lichkeit: SodmetschsPrasParmamind
Maha - Mulalakprn - Patindr - De
bia - Maha - Mong - hart - krista
raina - Maja-Ja - Dornen e - Wa
ruhniabrongse - Parabut - Wank
t-tiara - Iaja · nikarotama
haturanta - parama - maba - k
rnbae - tiragasankas - Parmnad r
nriietnaha - rujad - iraia - Para
Ranart - Past- P a - Cbulas
TM - Thomin
M
vers-MINwa
, Der reiche santier Beuret in Paris
Essai-nie keinen sehnlicheten Wunsch, als
Tarn hof- dei Königs Ludwig des
anzehnten zugelassen und damit ge
adelt zu werden. Sein Ziel derselgte
Beuret mit höchster Zähigleit, und es
gliiette ihm in der That, in dieser Be
ziehung eine Anbahnung zu finden; es
tam nämlich dazu, daß Ludwig, der
streng auf Adel am those hielt, ihn im
Schloß Marth, wo Bourei inr Vor
zimmer sich befand, beim zufälligen
Passiren dieses Raumes ansprach:
»An danthar für Besuch, Monsieur
Bouret, werde ihn erwidern und ver
spreche. zu einein Pfitsich auf Euer
Landbaus zu tommen.«
»S«ire,« erwiderte Bouret· in Chr
surcht ersterbend, .Euer Majestät
würden damit mein Glück auf den
Gipfel treiben!«'
Nun aber war das Versprechen
Ausrede, denn der König wußte, daß
Bouret überhaupt kein Landhaus
hatte. Allein der strebfakne Bankier
tauste sofort Grundstücke in Gebir
Fontaine, zog die ersten Architektur
von Paris zu Rathe und errichtete
nach ihren Plänen ein priichtigeö
Schloß; Möbel nach dem neuesten Ge
schmack wurden angeschafft, ein Pakt
mit Garten angelegt, darin die selt
samsten Pflanzen und eine ganze Se
rie von Pfirsicharten, die ein heer don
Gärtners pflegen mußte.
Endlich war alles fertig, und Von
ret wartete nun ungeduldig auf den
Besuch des Königi. Aber die Zeit
verging. und Ludwig iani nicht.
Adermalö fette Bouretalle hebel in
Bewegung, unr dein König begegnen
zu können. Steter Tropfen höhlt den
Stein. Beuret setzte endlich eine Be
gegnung in Versailles durch- Man
postirte den Bankier neben eine Thür.
die Ludwig passiren mußte, und in
der That sagte der König, als er sieh
plötzlich Bouret gegenübersah: »Ah,
Sie sind's, Bouret?"
» aus Bronze aufstellen.
Woran dieser mit tiefer Verbeu
gung antwortete: «Sire hatten die
Gnade, mir einen Besuch zu verspre
chen und mein Schloß durch dero Ge
genwart ehren zu wollen!«
»Schon gut," sagte Ludwig, »wir
werden in Ihrem Pakt eine Jagd der
anstalten.«
Bouret zog fich ganz bezaubert zu
rück, aber den Jagdpart hatte er
nicht.
Da gab es jedoch kein Zögern für «
ihn, et kaufte unverzüglich große Mls H
der in der Nachbarschaft seines Gutes, !
und nun ging es an eine Jagdeinrich- s
tung. Ialanerie, Säue, fonstiges ;
Wild, Kleinwild und Hühner waren
vorhanden, aber Jagdwagen, schöne
Pferde, Hunde, Kutscher, Reittnechte,
hornisien wurden beschafft, die Un-»
kosten beliefen sich auf vier Millionen- I
Auch ausländifches Geflügel und Wild l
feste er ein, und inmitten des Waldes
au einem Eichenhiigel ließ er ein Mo
nument des Königs in Leben-grüße1
(
Jahre verftrichen—-det König tams
nicht. Die Rasse nüßten sich ab in den j
Ställen, die hunde wurden alt in den ;
Zwingern Inzwischen war auch der ;
König gealtert, und mit schwerem»
Versen entschloß sich der gute Bouret.
nochmals um den Besuch des Königs
nachzusuchen· Es wurde Bouret in
den Tuilerien eine förmliche Audienz
bewilligt. Aber wie erstaunte Bauten
von der ehemaligen Maieftät war nu:
noch ein gebrochener, vorn Alter ge
krümmter Mann an einern Stock üb
rig geblieben.
- . i .
»Sltc," begann äsvuteh »m- rouge,
daran zu erinnern« daß Sie bei inir
zu jagen zugesagt hatten; mein Pakt
ftrotzt von Wild, das des Abschusfes
durch Eure Majestiit wartet.'«
»Ich bin "«zu alt zur Jagd,« erwi
derte Ludwig, «aber sagen Sie Ma
dame Bouret, ich würde bei ihr gerne
noch einmal tanzen, sobald ich di
Gicht aus den Beinen los bin!«
Nun aber war Bouret unverheira-·
thei, allein er verbeugte fich dantend
und empfahl sich mit den Worten:
»»Sire, ich eile, Euren Worten die
Hoffnung auf baldige Genesung hin
»zufiigend, urn alles vorzubereiten zu
jdern Tag, der mir das höchste Glück
zmeinei Daseins in Aussicht stelltl«
s Mit Feueretfer ging er auf die
sBrautfchau, er wandte sich an alle
’guten Freunde, veranstaltete Soireen.
und dank seiner Dukaten war er bald
genug versorgt. Er heirathete eine
Bafe der Frau Marausse von Poe-wa
dour. Und nun würde der König
kommen, fett war ei wohl sicher.
Ubert-alt gingen Jahre bin. der
König zeigte sich nicht. Baueet ge
nirte fich, nochmals um Indiens nach
,zufuchen, aber er gedachte in Bersatllej
öfters Nachfrage zu halten. Jedes
rnal jedoch, wenn er erschien, verkün
dete ibtn der Minister: »Setne Mase
ftiit gehen nicht mehr aus. Jen Falle
etwaiger Besserung wird er an fein
Versprechen erinnert werden«
Boueet wartete also immer noch
und erkundigte sich respettvoll Tag
für Tag nach dem allerdöchften Erge
hen Seiner Majeftät. Ali dies abfu
lut nichts fruchtete, dachte er, ei könnte
wohl nichts schaden, wenn er nochmals
um einen Empfang bitte. Gesagt, ge
than! Er warf sich tn Wichs und er
klärte dein diensttbuenden stammer
berrne »Ich mdchte Seine Majeftät
Iden König sprechen, um ihn an den
iBall zu erinnern· den er aus meinem
»Schlos besuchen will.«
s »Thut mir leid,« erwiderte der Bös
»ling. «tverther Verr Haut-et, a ein
ISeine Majeftiit tanzt nicht mehr, denn
jsoeden ist er gesiorbenP
.
Die Jntelltsene der speie.
Eine medizinische Fachzeitschrist,
die alte «Gazette Medicale de Parie,«
berichtet in einer ihrer lehten Num
mern: «Gewisie Affen in Guhana, die
Brüllafsen, find vielleicht die intelli
gentesten und sonderbarsten unter
allen Affen. Sie sind nicht nur un
ermüdliche Redner und ausge eichnete
Sänger, diese «Tend’re der "lder«
sind auch hervorragende Chinaqu
Wenn ein Brüllasfe verwundet ist,
eilen alle feine kleinen Kameraden zu
ihm, umringen ihn, bedauern ihn leb
haft und, was noch wichtiger ist, sie
helfen ihm auch· Die einen führen
ihre Fin er in die Wunde ein, als
wollten te deren Tiefe sondiren, die
anderen suchen eiligst Baumblätter,
die sie in die Wunde einführen, um
das Blut zu stillen. Noch andere
machen sich aus und suchen heilende
Kräuter, die sie aus die Wunde legen,
um so eine schnelle lHeilung herbeizu
führn.« Dieser Bericht, der zunä ft
etwas unwahrscheinlich klingt, diir te
doch den Reisenden, die Getegenheit
haben. Affen aus der Nähe zu be
obachten, durchaus glaubhaft erschei
nen. Und um ihn zu beträftiYeT fiihrt
Henrh deVardille in den » nnalei«
aus seinen eigenenErfahrungen einige
nicht minder merkwürdige Beweise
von der Intelligenz der Affen an.
Der berühmte Schimpanse Edgar.
den diePariser ien Jardin des Plan
:ei viel bewundert haben, sammelte
in einer alten Kasserolle allerhand
Kiefelfteine, die er zum Auftnacken
von Kernen brauchte, ein Stück Fla
sche und einStiicl schwarzes ug.
Was wollte er aber mit dem tiict
Glas und dem Zeug anfangen? Er
that das Zeug hinter das Glas und
ftellte sieh so einemSpiegel herzmrn
dem er mit dem Ausdruck grosier
Befriedigung immer wieder seinGe
ficht betrachtete. Dieser Zug ist um
so bemervenswerthen als die Thiere
gewöhnlich sehr selten irgend welches
Erstaunen zeigen, wenn sie ihr Gesicht
in einem Spiegel erscheinen sehen; die
Hunde 3.B. wenden vor einem Glat
ichrant meist den Kops ab und geben
fort, ohne ihren Doppelgiinger zu be
achten. Die Erfindung des Spiegels
durch einen Menschenassen ist eine,
Tbatsache, die eine ganz anders ent-»
wickelte Intelligenz anzeigt, als sie die«
Assen von Gunana durch die hilsesz
leistung an Verwundeten beweisen.1
Uebrigens kommt ei nur bei dem As
sen und bei dein-hundeva daß die
verwundeten Thiere sich gegen eitig
beistehen. Merkwürdigi in dem er
wähnten Fall, daß die A sen auch den »
Blutverluft zu stillen wissen, und daß;
sie die heiliräsiigen Kräuter tennen. i
Parville erzählt einen Fall, den er;
selbst erlebt hat und alles ihm Be-J
iannte übertrisft. Das Abenteuer
begegnete ihm in Mittelamerita, am
Rande eines mächtigen Urwaldes. Er
hatte einen kleinen Menschenasien ge
sangen und gab ihm die Freiheit erst
nach einigen Monaten wieder nach
dem er sich gewöhnt hatte in einer
hätte an der Seite des Menschen zu
leben. Es war ein ausgezeichneter
Gesahrte der sich sehr· schnell zivilis
sirte und sehr anhänglich war. Ost
ging er den ganzen Tag über sort
aber piinltlich am Abend stellte er sich
immer wieder ein. Er sprang dann
seinem herrn aus die Schulter und
Hiiberhiiuste ihn mit Liebiasungen.
jEines Tages brachte sich sein here
Jinsolge einer Ungeschicklichleit eine
sttese Schnittwunde mit einem Messer
am Finger bei, als er von einem
Baume einen Zweig abschneiden
wollte. Als der Asse das Blut in
Strsm n fliehen sah, verschwand er
pliinli . Pardille hatte bereits den
Finger mit seinem Jaschentuch unr
tdickelt, als einige Minuten später der
Asse wieder bei ihm erschien, mit
einein Pack Blätter in der Hand. »Ich
verstand, was er wollte, und legte die
Blatter auf die Wunde Pedro —sd
bies der Aste —- bezeugte seine Be
riedigung darüber durch ahllvse
Lustspriinge War dies nun usallis
Oder war ei ein Akt der Ueberlegs
ungi Es scheint mir schwieri« .
schreibt Bari-illa »hier an einen u
sall zu glauben Das Thier schien
n bestiedigt darüber sein, daß ich
seine Blatter benutzt tie, als daß
man nicht lauben arti te, daß ei sie
in der rcht. meine nde zu hei
len,gepslitett hatte.«
-qv
Ilelandi set-han«
»Aus Weimar schreibt man: Nach
dem vor Jahren schon das Wohnhans
Wielands in der Nähe des allen hof
rheaters «modeenisirt« und ini Früh
jahr dieses Jahres auch die alte Bor
sabttmauer zu Wielands Dafe, hinter
der noch der unveränderte Pferdestall
des Dichters lag, abgebrochen worden
war, hat man jest auch die letzte
Spur von dem ehemaligen heim des
»Steuer«-Dichters die alte Thür,
durch die er so oft seinen Weg ge
nommen, ausgebrochen, um sie entwe
der gan durch eine neue zu ersetzen
oder an r alten dem Geiste r
Neuzeit weitere Konzessionen zu ma
chen. So fällt in Weimar eine klassi
fche Erinnerung, nach der anderen
tret aller Verordnunxm Gesede und
Beerinimeieeei««zum chuce der Al
Mümer'.
W
Its de- stiusvt
Passagiet (det von seiner Schwiegermutter abgeküßt wird, siöhnend): ;
»O fa doch, fahren Sie ab, Schaffnet!« H
Stich-tut werd seist-h
Jn dem diezjiihrigen Touristenjahrs
buch siir Schweden behauptet de Fahl
borg, daß der berühmte MiilariSee
Lan dem die Jnselstadt Stockholm liegt,
später einmal ganz ausgetrocknet sein
Hvird. Er weist dabei auf die That
Isache hin, daß seit langem schon eine
Thebung des schwedischen Bodens bei
gleichzeitiger Sentung der deutschen
Ostseetiiste erfolgt. Besonders deutlich
soll jene im MiilapThal hervortreten
Wo man früher Fische sangen konnte,
stehen jetts wogende Kornselder Ur
sprunglich war der Wahr-See eine
tief in das Land schneidende Meeres
bucht; erst am Schlusse des achtzehn
ien Jahrhunderts wurde er durch die
Schleuse bei der Stockholmer Nor
strörniBriicke in ein stehendes Gewässer
verwandelt und nach und nach als
Binnengewässer süß. Das allmähliche
Berschtoinden dieser malerischen Dam
pserstraße ist nicht nur im landschaft
lichen, sondern zugleich im geschichi
lichen Interesse sehr zu bedauern.
Denn das Jnselschlosz Gripsholm mit
seinen düsteren Mauern, berühmt
durch seine historische Porträtsamrm
lung und berüchtigt durch den tragi
schen Tod von Gustav Wasag ältestem
Sohn. dein Könige Erich XV» wird
dann später tein Jnselschlosz, sondern
nur ein gewöhnliches Landschloß sein«
Tempora mutantur!
« Der Ichuestseetrirekirsx der
Schwache.
Ein Antwerpner Gescligelziichter
hat ein interessantes Experiment ge
macht, das die erstaunliche Geschwin
digteit der Schwalbe feststellte. Er
hatte eine Schwalbe gefangen, die un
’ter dem Dache seines Hauses nistete
und gab sie einem Manne mit, der!
eine Anza l Brieftauben zu einem
jWettfluge von Compiegne nach Ant- l
Pers-en brachte Die Schwalbe wurde
Hin dem erstgenannten Orte rnit den«l
Brieftauhen zugleich um 714 Uhr aus- i
gelassen und schlug soiort die Rich
tung nach Norden ein« während die
Brieitauben erst noch eine Anzahl Bo
gen beschrieben, ehe sie ihre Richtung
fanden. Bereits 8 Uhr 23 Minuten
war die Schwalbe wieder in ihrean
Nest rn Antwervem während die ersten
Tauben erst gegen 111X2 eintraien
Die Schwalbe bat also die 235 Kilo
rneter in einer Stunde 8 Minuten zu
rückgelegt, das heißt, sie war mit der
kolossalen Geschwindigkeit von 3855
Meter in der Minute oder 201 Kilo
meter in der Stunde gelogen.
W
sesiieteej gedeckt.
· herzog Karl von Württemberg war
ein sehr gestrenger Herr. Er hatte ein
mal im Schtoarzwnldstädtchen Nagold
auf der Durchreise ein Mittagessen be
stellt. Da kommt ein Schwarm Flie
gen herbei und speist uneingeladen mit.
Darüber wird der herzog böse und
sagt zur Wirtin: »Jn des Kuckucks
Namen, deck« Sie den Fliegen doch be
sonders!«
.Die Wirtin verneigt sich bei diesem
Ausruse und tut, wie ihr befohlen ist.
Nach einer kurzen Weile tritt sie wie
der vor den gestrengen herrn herzes
macht einen Knicts und sagt: »Es ist
gedeckt! Befehlen nnn Eurer Durch
tnucht, daß sich die Fliegen seyen!«
RGO-welk
Frischem »Besten tause mir-doch
eine Trompete!«
Vater: »Nein, ich mag das Getute
nicht bitten.« » ·
grinchem »Bitte, Papa, ich will
an nur blasen, wenn du schlasst!«
Inseuhh «
Krautbuber (den harmlosen spie
lend, als er wegen Brandkgung vor
Gericht siebt): »Aber schauen Scheu
Richter, es ist doch gar nicht der Retk
werth! War ja nicht amal a'Brand,
iondern nur so n’ Primle «
Richter: »Tröiten Sie sich —- Sie
wean auch nur ein paar Jabrl trie
gen « » «
Ein-Miete
Wirth laut sinke-runden Ton-mein
farnilie): «A Bier g’ftillig? Graf
dank ma anzapft!«
Derr )l)ochnäsig): »Nein, Bier
wünschen wir nicht. Wir sind Absti
nen ler. Wasser, lieber Herr Wirth,
T Zier ist für den Menschen die
Hauptsache und nicht der Altoholl
Aber drei Glas Milch können Sie
uns bringen!" -
Wirth wert-lässt zu feiner Frau):
»Was hat er g’sagt? Abfttnenzler is
er und Wasser wär’ die Wiss-Ei
Na, mir lann’s recht sein! Da schau
halt nur, daß bei der Miti, die er be
stellt hat« die Haupts-ich aa net fehlt!«
Der Oanuttelhettr.
Richter: »Sie wurden oon dem Un
getlagten bis zum Haufe verfolgt,
und erst dort gab er Ihnen diegiebef
Warum flüchteten Sie denn ni tin's
Hauss«
Klä er: »Ich bitt’ Sie, es war zwei
llhr achts, von meiner Alten hätte
ich doch noch mehr getriegt!«
MhtruiiC
Ein junger Doktor hat sich in der
Residenz niedergelassen. Jn vener
fien acht Tagen hatten sich wohl alle
möglichen Geschäftsleute jedoch nicht
ein einziger Patient ein efunden. Arn
neunten age aber tritt r Diener in
das Zimmer und meldet: »Den Dol
gsh jest ist wirklich ein Patient drau
en!«
«Jobann," erwidert der junge Arzt,
Magen Sie ihn lieber noch einmal
genau!«
In Verlegenheit.
Kurt Wernau ist ieit acht Tagen
glücklich verheiratbet Der Einladung
eines beiteundeten Gutsbesitzers fol
gend, nimmt er berzzereißenden Ab
schied von Margaretben, um eine
IJagd mitzumachem von welcher er
Abends zurückkehrt. Mit strahlen
dem Gesicht schleppt er ein ganzes Reh
»:n die Küche. »Schau’ nur, Gretel,
imeine Jagdbeutel Das wird ein
peiichtiger Braten werden, denle ich!«
Versagt blickt sein Weibchen auf
das schöne Wild. «Schade, schade,«
klagte-, »ich besitze doch teine to große
Schüssell«
Mis- veii altes.
Eine Dame aus der Stadt macht
tnit ibrer Tochter in der Sommer
frische einen Spaziergang durch die
Kartoffelfelden
»Was sind denn das fiir Pflan
zens« wendet sich das Fräulein an
einen des We es totntienden Bauern.
»Nu, wat oll dat fien7« lacht ek,
«Kartnffeln!«
Aber warum blühen denn die bald
weiß, bnld roth und dann wieder
blank
»Den will ict Sei seggen,« ertliirt
der Bauer-—- »du mitten, dat stinn
Salzlartofielm rii rothen, dat iiinn
Pell artosseln un dii bluen, bot iiinn
Brattaetusselnt«
Die Mutter spornstreion zuibrer
Tochter-)- ,,-Und das mußtest du nicht,
du dummes Götti« «
. Schon recht.
Ein Sachse, der längere-Zeit im
Auslande weilte, trat nach seiner
Rückkehr in einen Laden, um die
Wahrheit der Ankiindiguns »Du
parte sraneais« zu erproben. r sprach
den «Siisi«, der zunächst» erschien,
sran östfch an; dieser schüttelte den
Ko und holte den Kommis; aber
auch dieser wußte keinen Bescheid und
ließ den Prinzipal holen. Dieser
zuckte mit den Achseln und wollte
eben sein Bedauern ausdrücken, als
es dem Häuser herausfulm »Na,tver
spricht denn ei enilich französisch?«
Da ließ sich der tisi vorlaui verneh
men: »Dieses-andern die Fremdenp
dieses-est
»Im-« Dich, WeiberU Jch hab’
heute zwei vorzügliche Dienstmädchen
enga iri!«
« det, Mann, wozu zwei Mäd- ·
chens Wir brauchen doch nur einei«
»Das ist schon in Drdnun ! Die
eine tonnni morgen, die an re in
- acht Tascn.« -
l