Nebraska Staats-Anzeiger und Herold. (Grand Island, Nebraska) 1901-1918, April 06, 1906, Image 4

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    Wen-Imagines
Wie sen-Oe es stets-u ius- ihre
Wende- kamst-. l
Professor Flügge, der Leiter der hy-?
ienischen Anstalt in Breslau, Preu-;
7 isch-Schlesien, erstattete im dortigen!
»Gemeindeblatt« einen eingehenden Be-(
richt iiber die bisherigen Erfolge der
Maßnahmen zur Mückenbetämpfung
in Breslau. Flügge glaubt, daß die
Versuche, die vom Februar 1905 an
unternommen wurden, schon gewisse
Erfolge gezeitigt hätten und sicherlich
zur weiteren Fortsetzung ermunterten.
Zunächst handelte es sich um die Ver
tilgung der namentlich in Kellerräw
men überwinteran Mücken, d. h. von
eiertragenden Weibchen. Vereinzelte
Mücken wurden mit der Löthlampe ab
gebrannt; in den Räumen, in denen sie
in großer Zahl vorhanden waren, be
diente man sich eines kräftig wirtenden,
übrigens nicht tostspieligen Räucher
mittels. Zur Geannung einer unge
fähren zahlenrnäßigen Schä ung der
getödteten Mücken wurden östers vor
Jdem Anziinden des Räucherpulvers
Zapierhogen längs der Wände auf dem
, ußboden ausgebreitet, auf die dann
Die Mücken herabfielen, so daß sie ge
sammelt und gezählt werden konnten.
Obschon ihre Zahl natürlich nur einen
geringen Theil der überhaupt getödte
ten aufmachte, belief sie sich in einzel
ften Kellern doch auf über 2000.
Die Vernichtung der Mückenlarven
in Tümpeln geschah mittelst eines Lar
bicid genannten Pulvers, das, mit we
nig Wasser zu einem Brei verrührt, in
eine Menge von etwa 3 Gramm auf
den Raummeter Wasser in die Tümpel
Angegossen wurde. Dieser Brei tödtet
»die Mückenlarven binnen einer halben
HStunde sicher ab, ist auch für einzelne
andere Kerfe bei längerer Einwirkung
nicht unschädlich, wohl aber für grö
ßere Thiere, Frösche, Fische. Zur Ver
Eefutung der Tümpel wurde täglich ein
g
erwehrmann ausgesandt, und zwar
ingen diese Leute während des ganzen
Sommers das gleiche ihnen zugewie
sene Gelände, so daß sie alsbald darauf
heimisch waren und die besonders be
liebten Brutstätten sehr wohl tannten
Die Zahl der vorgefundenen Larven
war manchf «al ungeheuer; die von den
Feuerwehrleuten mitgebrachten Proben
stellten zuweilen einen dicken Brei von
Mückenlarven dar. Jn solchen Tüm
peln nach einiger Zeit entnommene
Proben ergaben vollständige Bernh-h
tung der Larven.
Die sträfliche Uns-wins.
Jn der Waisenhausgasse in Wien
war’s, lange nach Mitternacht, als der
Zimmermaler Lenk und zwei seiner
Freunde in weinseliget Laune singends
und johlend einherzugen Vom nahens
Polizeikommissariat eilte ein Wach-;
mann herbei, der streng zur Ruhei
mahnte. Lenl leistete nicht Folge und;
der Wachinann sprach deshalb sein-«
Arretirung aus; doch das ging nicht
so leicht, denn Plötzlich tauchte eine«
Frau auf. die den Zimmermaler uni-«
arniie und küßte und weinend ausrief:
»Das ist mein Mann, der muß jetzt
mit mir nach Hause gehen!« Die eu
gen dieser Szene lachten herzlich, och
der Wachmann verstand keinen Spaß
und erstattete gegen Frau Anna Lent
die Anzeige wegen Einmengung in eine
Amtshandlung Beim Bezirlsgerichie
Josefstadt bestritt die Frau, daß sie die
Arretirung verhindern wollte. Jbr
Mann habe sie zuerst umarmt und sie
habe seine Liebkosung natürlich erwi
dert. Sicherheitswachmann Schreier
deponirte dagegen unter seinem Dienst
eide, die Frau habe ihm zugerufem
»Das ist mein Mann, er gehört mir.
ich lass ihn mir nicht wegnehmen!«
Der Richter, Setreiär Dr. Schachiier,
ließ äußerste Milde walten und dil-;
tirte der besorgten Gattin 24 Stundeni
Hausarresi. Sie nahm die Strafe anJ
woran der Richter meinte: »Sie wer-I
den da genügend Zeit zu Umarmungeni
hat-ein« .
O Straßburg-, o Strahl-new ;
Bei der aus Anlaß der silbernen!
Hochzeit des Kaiserpaareå von der statt- »
tischen höheren Mädchenfchule Et;
Leonhard in Aachen, Rheinptovinz.
Reigen auch das aue schöne Vongkiedi
»O Straßburg, o Straßburg, du wun
derschöne Stadt« gesungen. Der Versi
»Wenngleich fein schwarzbraun Mäd-!
chen so bitter um ihn weint« war aber
als sittlich höchst anstößig befeitiat
Statt dessen erklang e-; ebenso poetisch
wie fchwungvoll: »Wenngleich seine;
alte Mutter (!) so bitter um ihn
weint.« Zum Schluß hieß es entspre
chend statt »Gut Nazhh mein herzig’s
Schätzchen« jetzt »Gut Nacht, mein lie
ber Junge-" Und die Sittlichieit war
wieder einmal gerettet!
Die geraubten Stiefel.
By Lahr in Baden wurde unlängft ein
ann von zwei handfeften Gipsetn an
gefallen und seiner Stiefel gewaltsam
beraubt. Dann ließen sie ihn laufen
Er ging in Strümpfen zur Polizei und1
Bitte Unthat protokolliten. Bald
tesi Lherans daß die Gipset im
»Zum-ach eines Schuhmaejers gehandelt
shsmty det sei-ne u hlten Stiefel
siedet haben wollte. what war ja
M NUM; aber die Stiefel kamen
its-Mr Kriterien fest erst recht
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lee« Istewei tu Ins-.
Der »Thurmtraxler« Adlmeher aus
Mathem der in Berlin am Einho
lungstage der Prinzessm Eitel Fried
rich auf dem Petrithurme eine habe
rische und eine deutsche Landesfahne
befestigte, hat wenige Tage darauf die
,gefiihrliche Kletterpartie wiederholt und
die Fahnen glücklich wieder herunterge
bracht.
Es war ein ungewöhnlich aufregen
des Schauspiel, dessen Augenzeuge eine
vieltausendtöpsigeZuschauermenge war·
Der Aufstieg begann kurz vor z12 Uhr.
Adlmeyer, ein stärnmiger Mann, er
kletterie den inneren Thurm bis zur
obersten Ausstiegtlappe, kroch aus die
ser heraus und war innerhalb drei Mi
nuten am Blitzableiter hinauf bis an
den vorspringenden Kranz des Thurm
treuzes gelangt. Noch ein kühner
Schwung, und oben stand er, nach allen
Seiten hin winkend und von der
glimge mit Hut- und Tücherschwenten
egriißt.
Jeßt begann die Arbeit des Zusam
menrollens der Fahnen, die bei dem
herrschenden starkenWinde mitSchwie
rigteiten verbunden war. Der schwin
delfreie Ba"uvare hantirte aber so
sicher, als o er auf ebener Erde wäre
Nach zehn Minuten rüstete er stch zum
Abstiege. Die zusammengerollten Fah
nen sollten an iner Leine herabgelassen
werden, was sixs aber trotz wiederholter
Versuche als unmöglich erwies. Der
Wind trieb sie immerfort gegen die
Thurmzacken, wo sie sich verfingen. Es
blieb daher nichts anderes übrig, als
sie wieder emporzuziehen. Der kühne
Kletterer wand sie nun um seinen Kör
per und begann den Abstieg. Hierbei
lösten sich die Fahnen theilweise immer
wieder und hinderten den Mann ganz
bedeutend in seiner Bewegung.
Es war für die riesige Menschen
menge grauenhaft anzusehen, wie der
Mann in schwindelnder Höhe sich quer
über einst Thurmzaclen legte und die
statternden Fahnen, die sich um seine
Füße gewickelt hatten, löste und wieder
ordnetr. Hierbei kam es wiederholt vor,
daß er dem vor Angst förmlich zittern
den Publikum mit der Hand winkte.
Die Aufregung der Zuschauer wuchs
on Minute zu Minute und niemand
agte, laut zu sprechen. Endlich nach
einer bangen Viertelstunde war der
Kletterer in der Nähe des Aussteig
loches angelangt. Dort wurden ihm
von einem Gehilfen die Fahnen abge
nommen, worauf er mit einem elegan
ten Sprunge im Glockenthurm ver
schwand. Lauter Jubel machte sich
Luft,, und alles strömte in wilder hast
nach dem Eingang der Kirche, um dort
den Helden des Tages zu beglückwün
schen. Adlmeher ist durch diese Klet
terpartie ein »beriihmter'· Mann ge
worden und seine Photographien fan
den aus den Straßen reißenden Absatz.
Das Theologie-Studium
Jm Winter 1905 bis 1906 beträgt
die Zahl der evangelische Theologie
Studirenden in Berlin 349, Leipzig
332, Halle 315, Tiibingen 274, Erlan
gen 145, Marburg 117, Göttingen 98,
Bonn 80, Gießen 66, Königsberg 62,
Greifswald und Straßburg je 61, Hei
delberg 59, Breslau 56, Rostock 48,
Jena 89, Kiel 24, zusammen 2186 ge
en 2286 im vorigen Somer und 2136
un Vorfahr. Nach Abrechnung von
190 Auslöndern beträgt die Zahl der
reichsdeutschen evangelischen Theologen
1896 gegen 1784 im Jahr 1872 bis
1873 und 2605 1882 bis 1888. Ka
tholische Theologie studiren in: Bonn
308, Münster 263, Freiburg 241,
Breslau 238, Straßburg 191, Tübin
gen 188, München 165, Würzburg 86,
zusammen 1680 gegen 1770 im Som
mer und 1678 im Vorjahr. Rechnet
man 40 Auslönder ab, so verbleiben
1640 Reichsangehörige gegen 789 und
674 in den genannten Vorfahren. Die
reichöangehörigen evangelischen Theo
logen weisen gegen 1872 bis 1873 eine
Steigerung um nur 11.9 Prozent und
gegen 1882 bis 1883 einen Rückgang
um 34.4 Prozent auf; dagegen hat sich
die Zahl der reichsdeutschen katholischen
Theologen um 108 beziehungsweise
148.3 Prozent erhöht.
Der grobe Postadjunst
Jn einem größeren Orte in der Nähe
Münchens erzählt man sich folgendes-!
hübsche Geschichtchen, das thatsächlich(
wahr sein soll: Minister Gras Fei
litzsch rief unlängst einen Postadjunt
ten in irgend einer Angelegenheit an.
Aus die Anfrage des letzteren, mit wem
er spreche, lautete die Antwort: »Mit
Minister Feilitzsch!« Der Adjuntt, in
der Meinung, es uze ihn ein Kollege,
entgegnete: ,,Mi stimmst, der frißt ja
gerade in Lindau.« Nachdem der Mi
nister dem Beamten den Standpunkt
in nicht mißzuverstehenden Worten llar
gemacht hatte, wurde das Gespräch;
weitergeführt Der Postbeamte soll
aber nach der Unterrednng mehrere
Tage recht nervös gewesen sein!
! Kurzlebige Zeitschrif
[ t e n. Innerhalb dreier Monate sind
tersburg 35 neue humoristische
Zeit christen erschienen. Von diesen
wurden sofort 14 mit Beschlag belegt
und 9 starben eines natürlichen Todes
infolge-r ateemeiner Schwäche Diese
IS Zetisch sten enthielten 427 Karitas
tnren des Grasen Witte, M des Mi-;
nisteri Garn-nnd- über 100 von Wohle-«
donotvszew und til-er 100 vom Admiral
Diskussion-, dem belannten Mkauet
Generalgpuverneut
i
4
H
E Wrdanrrin China-. ;
Muts-tm It inu den« ist- Mssi
Iowa Io- deu met-im ·
Die Gegend von Chingchousu, in der
Provinz Schantung, hat eine starte
nnohammedanische Bevölkerung Ge
wöhnlich wohnen die Moharnmedaner
in gesonderten Ortschaften siir sich, so
z. B. soll das Dorf Chinglingchen an
der Tsingtau-Tsinansuer-Bahn, turz
vor Choutsun, eine rein mohammeda
nische Bevölkerung haben. Auch in der
Stadt Chingchou selbst befindet sich
eine ganze Anzahl Familien, die An
hänger des Jslams sind, ebenso in der
Kreisstadt Changchou. Ferner zählt
man in der Provinzialhauptstadt etwa
30,000 Mohammedaner. Sie bewoh
nen einen eigenen Stadtiheil im
Westen.
Je weiter man in der Richtung nach
Tientsin reist, destomehr trifft man eine
gemischte Bevölkerung an. Sehr ange
nehm ist dies für den westländischen
Reisenden, denn die Mohammedaner
sind sehr freundlich gegen Ausländer.
Sie wissen, daß China nicht ihre
eigentliche Heimath gewesen ist, und
bilden sich ein, mit den Europäern
stammverwandt zu sein.
Der mohammedanische Tien-(Gast
haus)-Besitzer beeilt sich, dem Reisen
den Hühner, Enten, Fleisch (Ochsen)
und Eier zu beschaffen und sucht dem
Gast die Stube möglichst reinlich her
zurichten. Jm allgemeinen haben die
Mohammedaner die Sitten und Ge
bräuche ihrer Umgebung vollständig
angenommen. Jn Tracht und Sprache
scheiden sie sich gar nicht von den übri
gen Chinesen. Nur bei wenigen kann
man an den Augen und an der Nasen
bildung die semitische Abstammung
noch erkennen. Jhre religiösen Ge
briiuche halten die Leute streng auf
recht, wenn auch einige heidnische sich
eingeschlichen haben, was ja auch nicht
weiter Wunder nehmen kann.
Jn Tsinan besitzen dies Mohammeda
ner zwei Moscheen, welche eine riesige
Ausdehnung haben. Jede kann leicht
7000 Menschen fassen, umsomehr, als
der Raum ganz leer ist. Bänke und
dergleichen gibt es nicht in der Moschee,
da die Gläubigen auf dem mit einer
großen Matte bedeckten Boden nieder
cknieem Nach Westen befindet sich die
Kanzel, beim Eingang ein Tisch mit
der heiligen Tafel, sonst ist der ganze
Raum leer und schmucklos, abgesehen
von den großen arabischen Schriftzei
chen an den Wänden. Wie die Mo
hammedaner nach China kamen, dar
iiber berichten die Priester folgendes-:
Vor etwa 1000 Jahren wurden Ara
ber von einein chinesischen Kaiser in
Sold genommen, um gegen die wider
spenstigen Könige in Schantung zu
kämpfen. Viele der Krieger ließen sich
in Nordwest-Schantung nieder, und da
sie keine Frauen hatten, haben sie mit
Gewalt sich inländische Frauen ver
schafft. Jetzt tommeii Mischeben mit
reinen Chinesmnen fast gar nicht vor.
Größere Kaufleute findet mcin bei
den Mohammedanern in Schantung
nur ganz vereinzelt; meistens sind sie
Handwerker, Höndler, Soldaten, und
Schlächter. Den Eiliohammedanern
steht nichts im Wege, Lffi,-,iere zu wer
den vder auch in der Givilverwaltung
thätig zu sein. So ist z· B. der jetzige
Präselt in Kiautschou ein Mohamme
daner.
Räuberbauvtmqnn Schaut-in
Einer der berühmtesten und vielleicht
letzten Vertreter der ungarifchen Be
tyarenromantit, Joses Sovanyu, der
vor mehr denn zwei Jahrzehnten der
gesiirchtetste Räuberhaupttnann Un
garns war, ist nach einer mehr als 20
jährigen Hast aus dem Waitzner Zucht
haus entlassen worden. Der Zucht
hausdirettor hatte bereits dreimal die
bedingungsweise Entlassung des zu
lebenslänglicher hast verurtheilten
Räubers erbeten, jedoch immer verge
bens. Diesrnal verwendete sich der
Bischof von Waisen, Gras Csattz sür
den alten Mann, der moralisch voll
ständig gebessert erscheint. Bischof
Gras Csaty erschien selbst im Kerker
und überbrachte dem alten hästling die
zreudennachricht Sovanyu, der 22
i
ahre im uchthaus zugebracht und
ch währen der Zeit durchaus ein
wandsrei ausgeführt hat, steht im 64.
Lebensjahre 1
Uralte Depvtftüetr.
Jn den Tresoks der »Bant von Eng-i
land« liegen eiserne und hölzerne Aisteni
und Kasten, welche der Bank zur Ver-i
wahkung anvertraut sind, von denen;
manche in den Tresors schon seit 200I
Jahren lagern. Die Bank lann und;
darf diese Kisten nur den Leuten aus-:
liefern, welche sich gehörig legitimiren.
Sie hat nicht das Recht, sie zu öffnen
oder der Staatsbehörde zu übergeben,
sie muß die Kisten und Kasten im De
pot behalten und sollte dies noch Hun
derte von Jahren dauern Die Namen
vieler der Depositeure sind bekannt,
nnd man weiß, daß sie gestorben sind,
aber die Erben haben nicht die Pa
piere, um die eiäenthiimlichen Des-ot
stiicke herauszuho en oder sie wiss en gar
Richt, daß diese Depotstiicke in der Bank
egm
.Alle Muselmänner, die
das 20. Lebensjahr erreicht haben, sind
miliiärdienstpflichtig und erst nach zu
Jtiickgele tern 40 Lebensjahre sind sie
vom ilitardiensi befreit. Von- der
Fall Eise-meinen Its-in flicht bleiben jedoch«
alle innin weh ner von Apii
staniinopeh die Mnkelmiinner mit ein
begriffen, ein fiir allemal verschont
Ihn Ochs-W us Ists-Mut nd In
nieste weisser-du«
Allgeneein belannt ist die Tracht, in
der wir uns den mittelalterlichen Pil
ger vorzustellen pflegen. Ein großer
breitlrämpiger Hut bedeckt das Haupt,
über die Schultern ist ein mit Muscheln
und metallenen Heiligenbildchen benäh
ter, großer, brauner Mantel geworfen,
um den Hals ist ein Hörnchen aus Me
tall gehängt und die Rechte führt einen
hohen, oben gelrümmten Stab.
Gewöhnlich führt man den Ur
sprung dieser Tracht auf die Pilger
fahrten in s heilige Land zurück. Jbr
Ursprung ist jedoch älter wie dieKreuz
züge Sie geht auf das berühmte Hei
ligthum des Mont Saint Michel in der
Normandie, Frankreich, zurück, das be
reits im achten und neunten Jahrhun
dert die Pilger von weither anzog.
Der Mont Saint Michel ist ein Gra
nitberg, der inmitten eines flachen, bei
Ebbe trocken liegendes Wattenmeeres
aufragt. Die Watten sind jedoch und
waren besonders früher nicht ohne Ge
fahr zu durchschreiten, da der Boden
an vielen Stellen unsicher und schwan
tend ist und so dem nichtsahnenden
Wanderer einen schrecklichen Tod im
Schlamm bereiten kann. Von dieser
Pilgerschaft zum Mont Saint Michel
soll die traditionelle Pilgertracht her
kommen.
Der lange Stab dient dazu, den Bo
den vor den Füßen des Wanderers auf
seine Sicherheit hin zu droben, die
Muscheln sind zum Zeichen vollbrachtet
Pilgerfahrt im Sande aufzulesen, die
Heiligenbilder sollen vor den Gefahren
des Meeres und der Reise bewahren
und das metallene Horn endlich dient
dazu, Hilfe herbeizurufen, wenn der
Pilger von einem der dortzulande sehr
häufigen Nebel überrascht werden sollte
und dadurch Gefahr liefe, sich im
Sande zu verirren und von der Fluth
überrascht zu werden.
Mit den metallenen Heiligenbildern
wurde auf dem Mont ein eifriger Han
del getrieben. Einige dieser Bilder so
wie metallene Fläschchen, um Erde von
dem heiligen Berge mitzunehmen, sind
noch erhalten geblieben und als man
kürzlich auf dem Mont ein Haus demo
lirte, fand man einige Gußformen aus
dem 15., 16. und 17. Jahrhundert, die
dazu dienten, solche Bildchenin Zinn
oder Blei zu gießen·
Die Schulen in Deuttchgsamerum
Jn den Berliner Gemeindefchulen
wurde es unlängst einem Eingeborenen
der deutschen Kolonie Kamerun gestat
tet, einen Vortrag iiber die Sitten und
Gebrauche seiner Landsleute zu halten.
Jn einer Mädchenschule zu Moabit
fand er unter den Schülerinnen eine
Landsmiinnin, die er besonders freudig
begrüßte. Der Vortrag wurde in deut
scher Sprache gehalten und war den
Kindern gut verständlich. Sie wur
den in dieAula geführt und folgten mit
größter Aufmertsamteit und häufiger
Heiterkeit den Ausführungen des
Schwarzen.
Besonderes Interesse erweckte bei den
Kindern das, was der Neger über die
Schulverhältnisse in seiner Heimath er
zählte.
Jm Jahre 1887 erschien der erste
deutsche Lehrer in Kamerun und grün
dete eine Schule. Die schwarzen Kin
der kamen alle herbeigelaufen, um den
«schtvar·zen Qntel,« wie sie den börti
gen Weißen nannten, zu sehen. Die
Klasse war so besucht, daß tein Platz
leer blieb. Der Lehrer begann seinen
Unterricht mit der Heimathstunde Ka
meruns, zeigte Karten und Bilder und
lehrte die Elemente der deutschen
Sprache. Als er aber ein Kind strafen
mußte, blieb arn folgenden Tage die
Klasse fast leer. Die Mission mußte
erst einschreiten und die Eltern durch
Geschenke bewegen, daß sie ihre Kinder
wieder in die Schule schickten. Ohne
Geschenke ist auch in der Schule nichts
zu machen. Wer was lernen soll, den
muß der Lehrer noch obendrein beschen
ken. Das gefiel natürlich den Berli
ner Göhren sehr gut.
Riesiser Zeichnung-pp
Vor Kurzem wurden im Osten
Stahl-Frachtwaggons gebaut, die eine
Tragfähigieit von je 100,000 Tonnen
haben. Diese Waggons sind jedoch
durch einen Riesenwaggon der Mil
wauteebahn vollständig in den Schat
ten gestellt worden« der eine Tragsähig
teit von 200,000 Tonnen hat. Dieser
Waggon wurde speziell für die Alliss
Chalmers Ev. hergestellt. Diese war
einen Kontratt mit der Bethlehem
Steel Eo» Bethlehem, Pa» eingegan
gen und konnte im ganzen Lande tei
nen Waggon finden, der groß und start
genug war, einen 90 Tonnen schweren
Theil der Unterlage einer Spang
maschine zu befördern. Man sragte
bei der Milwauleebahn an und diese
erklärte sich bereit, den Waggon zu lie
fern. Derselbe ist 41 Fuß lang.
Drei hilssmarschälle
g e t ö d t e t. Sechs Bandes-Hilfs
Marschälle wurden jüngst in Simi
naiv Hills bei Kansas. Indiana-Ter
ritorium, von einer Entweder-Bande
von Vollblut- ndianern überfallen
Hund drei von hnen erlitten in dem
ssolgenden Kampf den Tod. Ein Tho
mas Wosserd, einer der entionimenen
Männer, brachte die Kunde nach Tech
liqch .i T» Frei-aus TätersgpallHDias
x g opti» eing- a e» ils
Eåkfchane im- usegtichm Dissens drei
Minnensterritorinmg an die Beispi
semg der Räuberbonde zu dirigiren.
sen-M
sa- u Hand W Use-IN
»Geset- Away
Die itsse Wolga, Don, Dnjeper
Dnjstr, ug, Ural, sowie das Kaspische
Meer, der Uralsee und das Asowsche
Meer in Rußland bergen in Europa
einzig und allein einen Reichthm an
Fischen der eine Herstellung von Ka
viar in großem Maßstab gestattet.
Diesseit des Pruth und der Weichsel
ist der Kaviar eine Delilatesse, jenseit
theilweise noch ein Vollsnahrungsmit
tel. Kaviar ist gesalzener Fischrogen,
der aber in verschiedenen Gegenden in
verschiedener Güte bereitet wird. Der
am wenigsten geschätzte ist die röthliche
Boturga, die aus den gepreszten und
geräucherten Pätelrogen der Meeräsche,
es Zanders und des Thunsisches be
reitet wird.
Schon geschätzter ist der Hamburger-·
oder Elbtaviar aus Stör- und Han
senrogen, der aber nicht blos von der
Unterelbe, sondern auch von Frankreich
und Amerika geliefert wird. Der erste
russische oder Astrachantaviar stammt
vom Sterlet, einem Fisch, der etwas
über 3 Fusz lang und bis zu 24 Pfund
schwer wird. Von diesem äußerst
dünnflüsfigen und ganz schwach gesal
zenen Kaviar, der nur zur Winterzeit
bereitet werden kann, kommen aber
höchst selten geringe Quantitäten nach
Westeuropa. Er wird fast ausschließ
lich von der Hofhaltung des Zaren ver
braucht, und was dann noch übrig
bleibt, steht enorm hoch im Preis und
wandert in die Küchen reicher russischer
Fürsten und sonstiger Millionäre.
Was sonstwo als astrachaner Kaviar
oder Beluga:Malossol verkauft wird,
stammt vom Stör (Beluga), und zwar
ebenfalls vom Winterfang, weil der
Nagen der im Sommer gefangenen
Fische wegen seiner schnellen Verderb
lichteit sehr start gesalzen werden muß
und fast ausschließlich zu dem dem Ge
schmack wenig zusagenden Presztaviar
verarbeitet wird.
Sehr interessant ist, wie das Preisen
des Kaviars bewertstelligt wird. Am
Asowschen Meere wird das Pressen in
Leinensäcken so bewirkt, daß man die
Mitte des Sackes um einen in die
Wand getriebenen Pflocksschlingt und
dann die herunterhängenden Enden in
einander dteht; Bastsäcke dagegen wer
den unter einer ganz einfachen Presse
ausgepreßt Nachdem auf solche Weise
der Rest der Salzlate entfernt ist, füllt
man den Kaviar in große, mit Sei-biet
tenleinen ausgelegte Eichenfiisser (Ser
viettentaviar) oder direkt in Leinensäcke
(Sarktaviar). Jn dieser Weise vervaat,
verträgt das Produtt einen sehr weiten
Transpori.
Am Ural sind zur Ausübung des
Fischfangs ausschließlich die Uraler
Kosaten berechtigt. Sie haben in jedem
Jahr dem taiserlichen Hof in Peters
burg 70 Pud C2292 Pfund) abzulie
fern. Die Fische werden übrigens mit
langen Stangen, an denen sich spitze
Haken befinden, durch Löcher gestochen,
die man in das Eis schlägt.
Gärten der Ameisen-.
Es ift eine schon längere Zeit be
tannte Thatfache, daß gewisse Ameisens
Pflanzen zufammentragen, um aus-f
deren Entwicklung Nutzen zu ziehen.s
Solche Ameisen hat der Botaniterj
Ernst Ule auf seiner jüngsten For-J
fchungsreife im Gebiet des AmazonenH
stroms vielfach beobachtet Er berich
tet darüber: Die sogenannten Schlepp
Ameisen zerfchneiden mit ihren Kiefern -
die Blätter von Bäumen und tleinen
Pflanzen und tragen die Blattftück-«
chen in ihre Baue. Dort entwickeln sich
daraus Pilze, die den Ameisen zur
Nahrung dienen. .
Noch merkwürdiger als diese Pilz
giirten find die Blumengiirten der
Ameisen· Die Thiere tragen die Sa
men gewisser Pflanzen auf Bäume und
Sträucher und legen sie dort in den
Gabelungen der Zweige oder auch in
besondern Erdneftern nieder· Durch
weiteres Zutragen von Erde wird das
Wachsthum dieser Pflanzen und zu
gleich die Vergrößerung und Befesti
gung des Baues gefördert. Die üppig
gede henden Pflanzen bieten den Amei
sen Schuh vor den fengenden Strah
len der tropischen Sonne und rot den
gewaltigen Regengüssen Diese Blu-»
mengiitten, die Ule zuerst eingehend er
forscht hat, zeigen sich in den Bäumen
zuweilen bis in die höchsten Kronen
und gleichen fchwebenden Blumen
ampeln oder auch großen Heuhiindeln
Trauungen ohne Ring
w e eh s el lennt man wohl nur in
Cadiz, Spanien. Nach der Trauunas
seierlichteit steckt der Bräutigam einfach
eine Blume im Haar der Braut von
der linlen an die rechte Kopsseite, das
ist alles, und in verschiedenen Theilen
Spanienö ist es Sitte, daß das Tragen
einer Rose über dem rechten Ohre die
Trägerin als eine verheirathete Frau
bezeichnet.
Neuseelands Bestand anwil
»den Thieren ist aus ein Minimum zu
sammengeszchmolzem Die Regierung
t die I tsorge fiir das übriggeblie
ne Wild übernommen und sucht
durch insoufiigung neuer Arten den
Wildbetan zu vermehren. Unter an
deren Thieren hat sie auch Gemsen von
den österreichischen Alpen importirt,
welche in den Gebirgen Nertseelands
vorzitglich gedeihen dürften. ,
»Dl"e»Fu«echt« hat große
A u s e n l " So lautet ein russisches
Sprichwort « ;
stumm- met-«- um um«- Um
wseee esse-sur l- soeben-.
Zu den werthvollsten Pelztrsgern
der nordischen Zone zählt der spez
nannte Blau- oder Silbersuchs —- e e.
Abart des in allen aritischen Gegenden
vorkommenden Polarsuchses. Sein
eigentliches Berbreitungsgebiet erstreckt
sich aus die inneren Theile Alaslas,
Grönlands, der sogenannten Passiv
liinder und Oststbiriens. Aus Stüh
bergen, Jsland und in Lappland wird
er gelegentlich angetroffen, doch erreicht
sein Pelz an den letztgenannten Orten
bei weitem nicht jene eigenthiimlich
durchsichtige, an die zarten Lichtreflexe
des azurblauen Polareises erinnernde
Färbung, die den echten Grönländer
und Kamtschatia-Ftichs auszeichnet.
Der Handelstverth eines solchen erst
tlassigen Pelzes ist nahezu unbegrenzt,
was sich unter anderem daraus ermes
sen läßt, daß siir besonders schöne
Stücke von den Pelzhändlern schon an
Ort und Stelle Beträge von 82000
und darüber erlegt wurden.
Aus den Aleuten und einigen an
deren Jnselgruppen des Behringsmee
res wurden zur Mitte des vorigen
Jahrhunderts regelrechte Fuchs-Far
men angelegt, welche sich vorzugsweise
mit der Ziichtung von Blau- und Eig
fiichsen besaßten. Die Thiere wurden
durch entsprechende Lockmittel, Fische,
Zieselmiiuse und dergleichen, angekirrt
und aus einem abgegrenzten Terrain in
Freiheit gesetzt. Sobald der geeignete
Zeitpunlt heranrückte, wo der Pelz sei
nen höchsten Werth erreicht hatte, wur
den die Gehege einer gründlichen Mu
sterung unterzogen, wobei grundsiihlich
nur männliche Füchse ausgemerzt und
verwendet wurden, wohingegen die
,,Fiihen« lWeibchen) im Jnterese der
Nachzucht der Freiheit zurückgegeben
wurden.
Die Rentabilität dieser staatlichen
Farmen wurde indessen dadurch beein
trächtigt, daß ein großer Prozentsatz
der Psleglinge während der Winters
zeit über das Eis hinweg das Weite
suchte, außerdem geschah es ost genug,
daß die werthvollen Blausuchsweibchen
sich mit zuwandernden gewöhnlichen
Steinsiichsen paarten, wodurch eine
minderwerthige Nachkommenschaft er
zielt wurde.
Alle diese Uebelstände gedenkt nun
ein sindiger Norweger, welcher Ein
bürgerungsversuche mit Blausiichsen
aus standinavischer Erde in’s Werk zu
setzen beabsichtigt, dadurch zu vermei
den, daß er eine ausreichende Anzahl
edler Zuchtthiere aus einer der großen
Fiordinseln außerhalb Drontheims
unterbringt, wo sie einestheils vollstän
dig von aller Berührung mit Menschen
abgesondert sind, anderntheils durch
das stetig eisfreie Küftengewäsfer an
der Flucht verhindert werden. Da die
weftnorwegifchen Küfteninfeln im all
gemeinen über ein ungemein reiches
Vogelleben verfügen —- infonderheit die
zahlreichen Gattungen von Tauchern,
Eiderenten und anderen hochnordifchen
Schwimmvögeln schließen sich hier zu
größeren Kolonien zufammen— so
werden die arktifchen Schützlinge we
nigstens in der kritischen Uebergcrngs
periode nicht mit Nahrungsmnngel zu
kämpfen haben.
Später dürfte sich bei der ersah
rungggemöß sehr ftarken Vermehrung
des Blaufuchfeg allerdings die Noth
tvendigteit herausfiellen, den Thieren
mit gelegentlicher Nahrungszufuhr, in
sonderheit Fifchen und Krustenthierem
zu Hilfe zu kommen. Da der Polars
fuchs, wie überhaupt die meiften Ver
treter der arktischen Fauna, sich durch
leichte Zähnibarkeit auszeichnet, dürfte
das Gelingen des interessanten Planes
kaum in Zweifel zu ziehen sein. Für
die pelzbegeisterte Damenwelt würde
sich in diesem Falle die langersehnte
Aussicht bieten, sich in Zukunft gegen
etwas minder fühlbare Opfer in den
Besitz eines Pelzwerks zu lesen, wel
ches in unseren Tagen eine ähnliche
priidominirende Rolle fpielt, wie fie
einstmals dein »königlichen« Hermelin
zugetheilt war.
Der iozialtitilche TheouieiieL
Jn einem Theater zu Moskau sollte
die Neuinszenirung einer Oper von
Statten gehen, und dazu brauchte man
unter anderem einen neuen egyptischen
Thronsessei. Einer der jüngeren Thea
termaler wurde beanstragt, dieses
Prachtstüct mit Hieroglhtshen zu
schmücken Er that, wie ihm geheißen.
Einem Freunde jedoch vertraute der
Maler an, diese Inschrift bedeute nichts
anderes als: ,,Proletarier aller Län
der, vereinigt Euch!"
Die Kunde von dieser kühnen That
des Theatermalers verbreitete sich wie
sein Lausseuer unter den Schauspielern
Hund gelangte endlich auch zu den Ohren
Hder Verwaltung. Schreckens-bleich stürz- I
lten die würdigen Herren herbei, um
das prooolatorische Möbelltück in Au- .
genschein zu nehmen« Unter den An
gestellten des Theaters wurde eine
Iiundfrage veranstaltet, ob jemand
Pieroglyphen zu lesen verstehe. Es
and sich auch richtig etn «Eghpto
loge,« der im Tonfalle des heiligsten
Ernstes versicherte, die sichtbaren Zei
chen auf dem Thronsessel hätten aller
dings jene siirchterliche Bedeutung.
Daraufhin wurde der ganze theure
Thronsessel sofort vernichtet und der
Maler zur Verantwortung gezogen
Zu s "t betheuerte er, daß es sich nur
unt e nen Spaß handle und daß er von
æktpttichcn Dieroglyphen ebenso wenig
ne Ahnung habe, wie die Richter sei
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