Nebraska Staats-Anzeiger und Herold. (Grand Island, Nebraska) 1901-1918, April 06, 1906, Sweiter Theil., Image 13

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    LVer Qnetscher.
Eine Geschichte aus Transvaal von
Friedrich Meister«
Das gibt ein Donnerwetter mit
Bliß und Hagel und Wolkenbruch in
den Diggings, wenn der »Sanste
Lukas« wiederkommt und findet, daß
einer seine Grube »gequetscht« hat,«
sa te mit einer Miene tiefster Weis
t der »Haarige Tom« zu der Ge
ellschast von Miißiggängern, die im
Schentzimmer des »Lehmigen Stie
feis« herumlungerte. Und da war
keiner unter den Anwesenden, der nicht
zustimmend und versiändnißvoll mit
dem struvpigen Kopfe geniclt hätte.
»Zum lehmigen Stiefel« nannte sich
nicht unpassend das größte der drei
»Hotelö«, die in Merryberg, den neue
sten Golddiggin s in TransvaaL wie
Pilze aus der ere geschossen waren,
obgleich man die seit dem ersten Gold
sunde verätrichene Zeit noch bequem
na Wo en berechnen konnte.
as er te Erstaunen iiber den Fall,
auf den Tom-Z Bemerkung Bezug
hatte, war einer allgemeinen Auf
regung Zewichem die so groß war,
daß die igger, einer nach dem ande«
ren, ihre Arbeit im Stich gelassen und,
sich allenthaiben in Gruppen versam
melt hatten, um ihre Gedanken über
den bevorstehenden Sturm auszuma
chen. Nur ein Mann wurde von die
er Unruhe nicht angesteckt, und ge
rede erwkatte diese Erregung verur
sa t. ochten die anderen Vicke und
ansel wegwerfen," er arbeitete unge
stört am Gestade des Baches weiter
und summte zu seiner eigenen Erbau
ung ein Lied dazu.
Hier sind ein paar Worte zur nähe
ren Erklärung der Sachlage nöthi .
Als vor etwa zwei Monaten zuert
das Gerücht laut wurde, daß der Bo
den von Merrnberg ein vielverspre
chendes Goldlager sei, da befand sich
unter den ersten Diggern, die, wie die
Aasgeier u einem Kadaven von allen
Seiten Ferbeiströmtem auch Lukas
Guldendam ein Mann von Simsons
gestalt und Simsongiraft, wiist und
berwildert, wie eben nur ein Digaer
verwildern kann, und dabei so streit
siichtig, daß man ihn mit dem Humor
jener Kreise bald nnr noch den »So-if
ten Lukas« nannte. Da er bereits hin
reichende Erfahrung als Goldgräber
hatte, so ward eg ibm leicht, die er
aiebigste Stelle ausfindig zu machen;
diese nahm er ohne weiteres fiir sich
in Besti- und Niemand tvagie es, ihm
den »Claim'« oder Antheil streitig zu
machen. Hier arbeitete er mit eiser
ner Ausdauer vom Morgen big in die
Nacht, so daß es auch in dieser Leist
ung ihm Niemand gleichthun lonnte.
Nach zweirnonatlicher Arbeit hatte Lu
ias Gul endam für etwa sechghundert
Pfund terling Gold zu Tage geför;
deri. Dies reichte bin, um einige Wo
chen herrlich und in Freuden zu leben,
und dies zu thun, nah-n der Sanfte
Lukas sich nunmehr vor. Er kaufte
ein Pferd, legte das Gold in einem
Leinwandbeutel vor sich über den Sat
tel und ritt nach der ersten Stadt aus .
englischem Gebiet, um hier das Golds
in der Bank niederzulegen und sodann
den dafiir erhaltenen Cheet nach Dig. -
gerbrauch todtzuschlagen, das heißt,
ihn einein mengchenfreundlichen Gast- »
wirib einzuhän igen und nun bei die-— ;
sem so lange zu zechen, zu schlemmen E
und gleichgesinnte Brüder zu trakti
ren, bis das Guthaben erschöpft war-, ;
oder wenigstens vom Wirth fiir er-?
schöpft erklärt wurde, was nicht immer i
da elbe war. !
or seiner Abreise hatte er zur Si s
cherunöz seines Anrechtg an den Claim ;
teine esonderen Vorkehrungen getrof- J
fen; sein Ruf als Raufbold und uns- ;
besieglicher Kömpe und die Drohung, .
jedem das Genick zu brechen, dem eg!
einfiele, seinen Claim zu »quetschen«,s
das heißt, von demselben Besitz zu er
grei en, reichten hin, denselben unan
tast ar zu machen.
Er mochte ungefahr zehn Lage ad ;
wesend sein« da erschien ein Mann im
Di geriamp, der nur wenig mehr alg
« aufek nnd Pieke mit sich führte.
Ein schlankrr, jugendlich aussehenden
bartloser Gesell, kaum mittelgroß, init
ties gebranntem nicht unangenehmen
Zügen und einem Paar grauer, klarer
Augen, aus denen zugleich Verschlo
gen ;eit, Entschlossenheti und unheug
samer Muth blickten. Er nannte sich
Greuels-nd Er schlug sein Zelt auf
und schlenderte dann durch die Dig
gings mit Sachkenntniß die verschie
deneanaimö betrachtend. So gelante
er auch an die anscheinend verla en
lie ende Grube des Saniten Lukas.
St n Blick ühetslog das Terrain; er
nahm ein wenig Sand auf und prüfte
denselben aus der flachen Hand. Dann
fragte er den im Nehenclaim Arbei
tenden, weshalb die Grube brach liege.
Der Gesragte, iein anderer, als der
haarige Tom, gab die gewünschte
Auskunft, schilderte die Persönlichkeit
des ahwesenden Eigenthümers nnd
deutete dann auch an, welchem Ge
schick der Vorwitzige anheim fallen
würde, der diesen Claini »auetichen«
sollte. Andere herzukominende Digger
bestätigten Tatns Angaben.
»Wie heißt denn dieser gefährliche
gis-aw« fragte nun der Neue ganz
»SanfterLukaö heißt er.'«
«.Vat er nicht noch einen anderen
Namen?«
»O ja, Guldendam glaube ich,«
sagte der Haarige Tom.
»Na, wenn Mynheer Gulpendam
zurückkammt, dann kann er sich einen
anderen Claim suchen,« suhr der junge
Mann sort. « ier ist Gold, das aber
wish sich Greve and halen.«
Die Umstehenden sahen einander
erschrocken an, und dann versuchten
gez dem lecken Gesellen von seinem
rhaben abzureden Dessen Ent
schluß aber wurde dadurch nur um so
fester.
»Ich will Euch was sagen, Leute,«
versetzte er ruhig. »mein ganzes Ber
mögen sind siins Pfund; die ver-wette
ich gegen dieselbe Summe daraus,
daß ich den Claim behalte. Und setzt
Jht zehn gegen meine süns, dann
quetsche ich auch noch sein «Huisje«
Gänschen, Hütte) obendrein. «
Diese Wette wurde angenommen; I
daraus wies man dem kühn-en Fremd- i
ling die Breiterhiitte des Tyrannen!
von Metryberg und dieser nahm in !
größter Geiniithsrube davon Bestjen !
Er richtete sich häuslich ein Und be
gann dann die Arbeit in der Grube.
Zwei Tage später langte ein Och
senwagen im Camp an und demsel
ben entstieg Lukas Gulpendam. Die
wiist derlebte Zeit hatte deutliche
Spuren auf seinem gedunsenen Ge
sicht zurückgelassen Sein erster Gang
war in den »Lehmigen Stiefel«, wo
ein Dutzend Digger soeben in lebhaf
tem Gespräch iiber Greveland be
gtissen war. OBeim Erscheinen des
Sansien aber Verstummte jeglicher
Mund, und eine Grabesstille verbrei
ltete sich in dem von Schnapsdiinsten
durchzogenen Raum. Verwundert,
forschend und argivöhnifch sah Lukas
sich im Kreise Unt, den Grund dieser
langem-ähnlicher Id·1rseigsau!teit zu
erfahren. Reif-r ist-er wollte den An
fang machen, jeder scheute sich, den
brutalen Menschen aus den jungen
· zu benen, der durch seine
Kühnheit und sein ruhiger-. zielbe
wußtes Wesen bereit-J allgemeine Ach
tung erworben hatte.
Gulvendam aber hielt diese Unge
wißheit nicht lange aus.
»Was ist los-Z« rief er, den Nächst
stehenden rauh bei der Schulter
packend.· »Was gieht’-·3 hier?«
»Da ist einer gekommen und hat
Euren Claim geaueticht,« war die
lanasame Antwort.
Alles stand mit osfenem Munde, in
»Erwartung des Ausbruch9, der nun
Junvermeidlich schien. Der Sanste
Lukas aber stand wie vom Donner
gerührt. Er konnte den Gedanken
gar nicht fassen, daß Jemand sich ge
gen ihn so etwas herauszurrehmen
wagte. Er schnappte nach Athem; er
.vergaß sogar zu fluchen. Diese
jWahrnehmuug war den Diggern so
"neu, daß mehr cis eins der gebrann
ten Gesichter sich su einem Grinsen
’verzog. ja, die Fernerstehenden sicher
ien sogar ganz hörbar-. Ehe Lukas
sich noch gefaßt hatte, sagte eine
Stimme von der Thiir her:
»Und Euer Huisje hat er auch ge
quetscht!«
Gulpendam stierte einige Augen
blicke wie abwesend um sich, dann aber
sand er seine Zunge wieder. Nach ei
ner Salve von Fluchen, die das Haus
und die Gemiither wie ein Lawinen
start ers-«ittertcn, schlug er mit der
Faust drohend aus den Tisch.
»Wo finde ich den diebischen
Hund?« brüllte er in Muth »Ich
will hingehen und ihm die Leber aus
schneiden!«
»Ich sah ihn vorhin in Euer
huisje gehen, berichtet-: eine Stimme
aus dem Hause.
Der Sanste Lukas rannte wie ein
toller Stier zu: Thiir hinaus. Die
Digger folgten ihm, theils urn den
Spaß mit anzusehen, theils auch um
iu verhindern, daß der Wüthende dem
jungen Greueland ganz und gar den
Garaus machte.
Inzwischen saß der ,.Quetscher«
ruhig in Gulpendam·s Huigje und
trank aus einem Blechtops seinen·
abendllchen Thu. Da vernahm er
draußen das Getrappel vieler eilig
herankounneuden ist-ne, auch rue
sluckende Stimme des zornigen Lukas
vernahm er. Ein seltsames Lächeln
überslog seine Züge, und wiederum
bor) er den Blechtops an die Lippen.
Gerade als er den letzten Tropfen
hinunteraleiten ließ, wurde hinter
ihm die Thiir ungestiim ausgerissen
und der Sanste stürnite wie ein Un
gewitter herein. Drauszen vor dem
Eingang drängten sich die neugieri
gen Digger.
Grevekand verharrle ruhig aus sei
nem Sitz, einem leeren Fasse; er er
hob sich auch nicht, als der Besitzer
des Huisjes mit der Faust aus ihn
zulaim nur noch einige Schritt war
der getvaltthätige Raufbold von ihm
entfernt, da· wandte er den Kons, masz
den Gegner init ruhigem Blick und
sagte kalt:
»Du, Lukas, las; das-. Zwei Jahre
lang bin ich Deiner Spur gefolgt,
durch ganz Siidastita, von Diaaings
zu Diggings. Jetzt habe ich Dich ge
sunden und nun tonnnst Du mir nicht
wieder los. Du kennst niich.«
Waren es diese Worte. war es der
Anblick dieses ruhiaen und doch so
unbeugsam energischen Gesichtes —
aenug, die Erlchiitterung, die Lukas
vorhin iin »Lebmigen Stiefel« erfaß
te, war ein Zephyrbauch aegen den
Schlag, der ihn jetzt tras. Die erho
kene Hand sank schlass herab. sein
Mund össnete sich, die Augen schienen
ihm aus dem sahlen Gesichte zu quel
len. Schwer setzte er sich nieder aus
eine Bank. Soviel war gewiß.
Grenelantz der Quetscher, hatte nicht
zu fürchten, dasz er aufgefressen, oder
date ihm der itops gespalten werden
würde.
Einige Minuten lang hielt der
iLetztere seine Augen fest auf den ge
Hduekten Poltron gerichtet, dann wen-»
« dete er sieh gegen die Zuschauer.
»Ihr könnt gehen, Kameraden,«
sagte er. ,,Zu sehen und hören
giebt’s heute Abend nichts mehr. Der
Sanfte Lukas und ich haben nur noch
ein wenig privatim zu verhandeln.«
Was hernach noch in dem Huisje
vorging, das hat Niemand erfahren.
Am nächsten Morgen aber sah man
Gulpendam die Arbeit in feiner Grube
wieder aufnehmen, verdrossen, wider
willie», aber fleißig und wie es schien,
unter der Aufsicht Greveland’s. Und
so ging es fortan Tag für Ta ; der
Sanfte Lukas that die schwere rbeii
mit Pieke nnd Schaufel, Greneland da
gegen übernahm die viel weniger an- .
strengenden Aufgaben des Waschenk
und SortirenS. Sie fanden Gold,«
viel Gold; aber mit dem aeleaentlichen »
Lustigfein Gulpendam’s hatte es auf-— :
gehört, dagegen brachten die beideni
Genossen re elmäßig zweimal im Mo- H
nat ihren ewinn zur Bunt, wo er;
unberührt liegen blieb und Zinsen;
trug. - ;
So ging es Jahr und Tag. Lukas-« i
Verdrossenheit und innerlicher Grimm ;
hatten sich in eine gewisse hoffnungs
lose Ergebung verwandelt.
Eines Tages verließ Greveland die
Diggingö, ebenso plötzlich, wie er ge
kommen war; den Sanften Lukas aber I
nahm er mit; wohin, das erfuhr Nie- J
mand. ;
Etwa ein Jahr später machte sich«
der ,,Haarige Toni« auf die Heinifahrt
nach Holland. Sein Claim war er-;
schöpft, er hatte jedoch fchon längstI
sein Schäfaien in’s Trockene aebracht.;
Jn Amsterdam lebt es sich gut undl
behaglich, vorausgesjejßt daß man dies
Mittel dazu hat. « an findet daher.
unter den dortigen Rentnern manchen ’
ehemaligen Goldgräber aus Trank-s
vaa . U
Auch-Tom hatte sich hier zur Ruhe T
gesetzt. Als er eines schönen Nach-»
mittagss die prächtige Heerengracht
entlang schlenderte, fiel ihm eine Cant
page auf, die von einem Paar stattli
cher Hochtraber gezogen wurde. Darin
saßen eine Dame und ein Herr. Der
Letztere, eine mächtige Gestalt in ele
gantester Kleidung, hatte ein Gesicht,
das ihn lebhaft an den Sanften Lukas
erinnerte. Er fragte einen vor seineri
Hausthür stehenden Bürger, wem jene
schöne Kutsche wohl gehöre. ?
»Die gehört dem Mynheer Gulpen- ;
dam, oder vielmehr Mvnheer Gulden
dam’g Frau,« war die lächelnd gege- i
bene Antwort. « «
.,Hat denn Gulpendam eine Frau?«
»Gewiß, und was sür eine; dies
Dame da neben ihm.« «
Tom schaute die Dame an; auch die ’
mußte er schon einmal irgendwo ge
sehen hoben. Die Equipage suhr jetzt
dicht an ihm vorbei. Jetzt hatte er’5.
Er riß erstaunt die Augen auf und
schlug die Hände zusammen.
»Sie scheinen die Dame zu kennen,
bemerkte der am Thürpsosten lehnende
Bürger freundlich. i
»Ja, die tenne ich,« antwortete der ’
ehemalige Digger, »als ich sie aler
das letzte Mal sah, da hies-, sie nicht
Frau Gulpendam, da hieß sie Quet
scher Greveland.« —
Californiens« Flagge.
Zur Richtigstellung mancher Jrrthüs
mer. Von R u f u S.
Wenn man von Sagen und Sagen
haftem hört, dann versetzt man sich
unwillkürlich in vorgeschichtliche Zei
ten zurücl, damals gab eg noch teine
Geschichte-schreiben welche das Ge
schehene wahrheitggetreu niederschrie
ben und es höchstens nach ihren sozia
len, politischen oder religiösen Ansich
ten ein wenig särbten. Damals er
zählte der Vater dem Sohne, wag er
selbst von seinem Vater und seinem
Großvater gehört hatte, und absichts
los und unwillkürlich that Jeder ein
wenig hinzu oder schmückte das Ge«
schehene aus. Aus der großenSchlange,
die der Held im Walde erlegte, wurde
der Lindwurm, aus dem wilden Stier
der seuerschnaubende Minotaurus,
und so entstand die Sage, die wett
sche Darstellung des Geschehenen, mit
einem mehr oder minder großen Körn
chen Wahrheit und viel vhantastischer
Zuthat. Jedes Volk hat solche Sa
en, die Griechen, die Römer, dieDeut
schen haben ganze Bücher derselben,
uifid sie sind interessant genug zu
le en.
Avex auch die inngzeren Voller va
ben welche, sogar das Bolt von Cali
sornien. Jch meine nicht die alten
Jndianerfaaen, die ss natürlich allem
halben in Amerika giebt, auch hier.
sondern ich meine die ganz modernen
californischen Sagen, mit denen die
Geschichte der Erstehung unsere-»O
Staates sofort umwoben worden ist,
u. A. die Sage von der Entstehun der
californtschen Flagge. Anders it die
Geschichte von Willard B. Farwell er
zählt worden, anders von Fel. Mili
eent W. Shine, anders in einem Briefe
des General-J Bidwell an Dr. S. H.
Willen. Am toahrheitsgetreuesten ist,
was Herr E. B. Holladay nach einer
Unterhaltung, die er seiner Zeit, am
18. Mai 1894, im Hause des Gene
rals Bidwell hatte, tnitgetheitt hat,
und in Folgendetn will ich den Leserin
die sich dafür interessiren, das Wesent
liche davon mittheilen
General x temont begann den Krieg
gegen Mexi o ang pld lich, indem er
eine Anza l After e, ie der Regie
rung von extto gehörten und welche
von der Nordseite der Bat von San
Franciseo nach der Südsette gebra t
werden sollten, und die unzweifelhat
in dem Kampfe der eingeborenen Ca
Zlifornier gegen die in Calisotnien
swohnenden Ameritaner gebraucht(
werden sollten mit Beschlag belegte.
Sein Vorgehes war einigermaßen un
tlug, denn es war übereilt — die
Vlmerilaner in Californien waren
nicht gewarnt worden und die Sache
hätte leicht zu einem allgemeinen Ma -
sacre derselben führen können.
Als Fremont zum zweiten Male in
Californien eintraf, im Oktober 1845»
izum ersten Male war er schon im»
Frühjahr 1844 hier gewesen), hatte er
die größere Explorations-Expedition,l
die er kommandirte, östlich von der
Zierra Nevada zurückgelassen, und
lam mit nur acht Mann auf dem ein- »
zigen damals existirenden Emigran
’ten-Trail von den Bergen herunter
und nach Fort Sutter, wo damals
gerade Bidwiell in Abwesenheit des
» apt. Sutter das Kominando siihrte.
Er gerieth sofort in Streit mit Bib
well, weil derselbe sich nicht sofort
ihm anschließen und ihm alles, was
er haben wollte, liefern konnte, und
erst als Sittter zurückkam und mit
Bidwell sprach, denselben auch mit
einem Salut von 40 Schüssen im
Camp begrüßte, wurde die Freund
schaft wieder hergestellt. Bei diesem
Salnt wäre Fremont beinahe erschaf
fen worden. Fremont ging dann mit
seinen Leuten weiter nach San Fran
ciåsco und von da nach Monterey, um
daselbst den amerikanischen Consul
Lartin zu sehen. Durch diesen erhielt
er die Erlaubniß, im San Joaquin
Thal zu überwintern, und General
Castto gestatte-te ihm, im Frühjahr
feine Exploration big hinab nach dein
aber zerfiel Fremont mit Castro, er
mußte sich nach den Garilan Monu
tains zurückziehen und entkam von
dort vor den Schaaren Castro’s nach
dem San Joaquinhal und von
dort nordwärts nach dem Saeras
mento-Thal. Er zog sich nach Ore
gon hin, und dort erhielt er durch ei
nen Boten der Ver. Staaten Regie
rung jene geheimnifzvollen Ordres,
die nie veröffentlicht worden sind«
welche aber, wie allgemein geglaubt
und behauptet worden ist, die Mit
theilnng enthielten,. daß der Krieg
zwischen den Ver. Staaten und Me
xico unvermeidlich und beschlossene
Sacke sei. Alles, wac- nun geschah,
würde unertlärlich sein, wenn Fre
mont nicht solche oder ähnliche Ordreg
gehabt hätte. Er ergriff sofort die
Offensive. Von Oregon siidwiirts
eilend kam er mit einer kleinen ban
zahl Leute nach Sonoma, und brachte
alsbald den General Vallejo, seinen
Selretör Victor Prudone, seinen
Bruder Silrada Vallejo und seinen
Schwager Ic.:ob T. Leese nach Fort»
Sutter. Jetzt war thatsächlich der
Krieg begonnen, obscbon von einem
Widerstand, von Feinden etc. that
sächlich keine Spur zu sehen war.
Tfremont suchte tell-er nsit seinen Leu
ten vergeblieh nach Feinden.
In diesen Tagen begab sich Bid-»
well nach Sonoma, um mit Fremont
daselbst zufaininenzutreffen Er traf
ihn nicht anwesend, sah aber dort an
einem alten merilaniickten Flaggen
maste, der nie vorher benutzt worden
war, eine wunderliche Flagge. welche
die daselbst stationirten Leute Fre
mont’s daran angebracht hatten. Vqu
derselben war ein ,,coclsino«, wie eit
die Merilaner nannten. Einer der
»Bor)s« hatte den Vorschlag gemacht,
einen Grimm-Bär darauf zu malen,
ein Anderer wollte, dafz der Griley
gerade dabei sein sollte, einen Conote
niedersenkt-lagen Jn Ermangelung
eines Künstlers, der das malen konn
te, hatte man sitt schließlich damit be
gnüat. einen Bär, oder so etwas, wasz
einen Bären vorstellen sollte, darauf
zu malen, mit rother Farbe. Das
war die erste Bären-Flagge, doch ist
dieselbe niemals offiziell gebraucht
worden, niemals haben Californier
unter derselben marschirt, und die
ganze Geschichte mit der »Republic
California«, Welcke von dem halb
närrischen halb enthnsiaftiscken Wil-l
liam B. Ide, dem ,,Co!nrnander« von
Sonoma, wenn Frexnont nicht da
war, ausgegangen war, ist nur ein
inie ernst gemeintes Intermezzo gewe
en.
Colorado-Rider auszudehnen. Bad
Es sind allerdings damals in So
noma von einem lsoinite dahin ge
hende Beschlüsse gefaszt worden und
dem unterdesz von den Staaten einge
troffenen Leutnant Gillegpie wurde
ein Bericht unterbreitet, in welchem es
hieß, daß die Unterzeichneten die Un
abhänaigteit Csiliforniens erklärt hät
ten. Dieser Bericht wurde in Sow
ma Und anderen Orten vorgelesen
und allenthalben von den Amerika
nern unterzeichnest — aber die Bären-:
slagge ist nie aus Sonoma herausge
kommen und als einige Zeit darauf
Fremont, Gilleivie und Andere von
dort nach Monterey kamen, hatte da
selbst Commodore Sloat schon im
Namen der Ver. Staaten die ameri
tanifcheFlagge aufgehißt. Auch Sloat
hatte damit Ordres vorgegriffen —
er erhielt aber sehr bald von Commo
dore Stocktom der auf der Frexiatte
»Conareß« ankam, die Nachricht, daß
der Krieg gegen Mexico ofsiziell er
klärt war. Damit wurde Alles, was
von Fremont, Sloat und Anderen
vorher gethan worden war,legalifirt.
Der Kris« wurde bald beendet und
Californien wurde den Ver. Staaten
anaegliederL Die Bären-Flagge war
damit ,,«erledigt« und die Sterne und
yStveifen flatterten in unserem Staat
und werden daselbst für ewige Zeiten
flattern.
W
Mitm- Frauen.
Zu den Frauenberufen, die nie
mals überfüllt sein werden, gehört
das Bändigen und Vorführen wilder
Thiere. Diese unbehagliche Beschäfti
gung ergreifen meist nur die Töchter
berühmter Thierbändiger, wie zuni,
Beispiel Frau List, die Tochter Ha
genbecl’s. Solche Frauen mit starken
Nerven haben sich· schon in früher Ju
gend mit den wilden Katz-en vertraut
gemacht, die Gewohnheit hat sie abge
stumpft und ihnen das natürliche
Grauen von den Bestjen überwinden
helfen. Daß sie aus Liebe zu den
Thieren oder aus Verlangen nach den
Aufregungen der Bändsigung ihren
kühnen Beruf gewählt haben, braucht
man nicht immer zu glauben, trotzdem
siie es so oft in den beliebten Inter
views versichern, die natürlich für die
Wirkung auf die Oeffentlichkeit be
stimmt find und denNinibus der Bän
digerin vermehren helfen sollen. Jn
Wahrheit mag wohl jede dieser kiihnen
Frauen im Herzen die unterdrückte
Furcht vor ihrem gefährlichen Begin- ;
nen tragen; sie haben meist auf ihrem;
Körper einige Narben, die Zeugniß
von der Tücle ihrer Psleglinge ab
legen, und wissen, daß fie niemals vor
Ueberfällen sicher sind. Das Gold
zieht die Frau in den Dressurkasig;
denn die Zähmung der Bestie ist ein
sehr eintraglicher Beruf, der in einer
Woche mehr abwirft, als durch einen
bürgerlichen Beruf in einem Jahre zu
verdienen wäre. Zu den bekanntesten
Dompteufen, die man gegenwärtig im
Cireus oder auf den Varietebühnen
fehen kann, gehören die schöne Mifz
Heliot, die »Löwenbraut«, und Tillh»
Bebe. Miß Heliot lennt angeblichi
lein Angstgefiihl, wenn sie mit grazio
fer Verbeugung nnd reizendem Lächeln
allabendlich zu ihren Berberlöwen
tritt und mit den »grculichen Katzen«
spielt und tändelt. Sie liebt ihre
Thiere, un;- diese vergelten die Zunei
gung ihrer lieblichen Lehrerin so
warm, als ob sie nicht afrikgnifche,
sondern Salonlötven wären. Aber auch
Miß Helin ist schon öfters angefal-;
len worden und wird dag Gefühl nicht l
unterdrücken können, daß sie in furcht
barer Gefahr schwebt, wenn die natür
liche Wildheit, die in dem Thier nur
schlummert und nicht schläft, einmal
zum Ausbruch kommt, ohne daß diei
kräftigen Doggen, die ständigen Be
aleiter der Dommequ den ersten An- f
prall abzuwehren vermogen Ein all-l
gemeineg Bändigunggshstem gibt es
nicht. Die Mittel sind oft die gleichen,
aber ihre Anwendung darf nie zur
Schablone werden. Jedes Thier ver: i
langt ein genauer,v Studium seiner
Eigenthiiinlichieiten und jeder-« Thier,
das der Bändigerin überceben wird,’
ist fiir sie ein neues unbetanntes Ge
biet, das erst erforscht werden muß.
Die Bestien mijssen die Bändigerin
fürchten und sich ducken lernen, wenn
ihr Blick droht. Tilly Bebe, die Ri
vglin vn Miszsseliot und so genannt;
wegen ihrer ttleinheit und Zierlichleitj
ihrer Erscheinung, hat in ihrem Käfig
fünfzehn bis sechzehn prachtvolle Lö
wen, unter denen sie sich völlig zwang
log nnd ruhig bewegt, während sie die
leise knurrenden Thiere allerlei Grup
pen und Finnftftiice vorführen läßt.
Neben der Abrihtung zu der eine fast
übermenschliche Geduld, Ausdauer
und Ruhe gehört, hat die Bändigerin
noch fijr gewissenhafteste Pslegei ihrer
Zöglinge zu sorgen, die natiirlich ein
sehr großes Kapital repräsentiren.
Denn ein Tiger, der ungezähmt etwa
RU) Dvllars kostet. hat nach seiner
Zähmnng und Abrirtftnng, die oft zwei
nnd mehr Kehre in Anspruch nimmt,
den zehnfgchen Werth. Thierbändiae
rinnen sieht man selten mit mehreren
Thiergrten arbeiten wag in der That
noch viel gefährlicher und schwieriger
ist und meist nur von männlichen
VIindiuern gezeigt wird. Auch Ma
dame Morelli. die Jaguartiinigim ver
wendet zu ihren Gruppen nur Ja
anare, und bringt nicht« wie es Hagen
beck gethan bat. dreffirte Leoparden,
Tiger und lkisbären zusammen Sie
bat die tückiscien Thiere aanz in ihrem
Banne und spielt mit ihnen wie mit
Katzen. Aber auch das Beainnen, sich
ieden Abend in den mit den bunten
Wagnaren aefiillten Käfig zu wagen,
ist srton gefährlich genug und vermag
dem Zuschauer das Gruseln beizu
bringen. T. C.
-—’-v —- -
Sprüche der Weisheit
Hat jemand dir was Gui’g gethan, l
so sollst du allezeit denken dranzund»
that dein Nächster dir ein Leid, sei
zur Versöhnung stets bereit. ’
Its Il· si
Aug’ und Ohren sind die Fenster
und der Mund die Thür in’s Haus:
hat man diese wohl Vettoal)et, geht
nichts Böses ein und aus.
Ik Iß si
Alles wahrhaft Große geht in der
Welt nicht unter, und fob es schon
scheinbar unterainge, osenlt die
Pflanie, wenn sie abstirbe das Sa
nienkorn in dieErde aus der es sei
netzeit, wenn die Sonne des Früh
lings den Keim weckt, Verjiingt wieder
hervorgeht
sit si- st
Wohl unglückselig« ist der Mann,
Der nnterläßt das, was er kann,
Und untersängt sich, was er nicht ver
exht
Kein Wunder, daß ee zugrunde geht.
Ein heissem-blose- Fall.
Arzt: »Sie müssen das Trinken
aufgeben, lieber Manni«
Patient: »Aber, Herr Doktor, ich
habe seit Jahren keinen Tropfen gei
stiger Getränke zu mir genommen!«
Arzt: »So? Na, dann müssen Sie
aufhören, zu tauchen!«
Patient: »Geraucht hab’ ich über
s haupt nie!«
z Arzt: »So, so! Ja, das ist freilich
jsschlimm, dann bleibt Jhnen nichts
Anderes-, das Sie ausgeben könnten,
als den Geistl«
Gründtichck Besehen-.
Herr: ,,Also Dein Meister ist Miy
lich gestorben?«
Lehrbube: »Ja, sein Herz und seine
Hand haben seit gestern aufgehört zu
schlagen.«
Künste.
Ein Diener, der eben eine«Schiissel
auf den Tisch setzen wollte, ließ die
selbe sallen, so daß sie in Stüne zer
brach.
»Das ist keine Kunst,« sagte sein
Herr, »das kann ich auch!«
,,Hm,« schmunzelte Johann, ein
schlagfertiger Junge, ,,nachdem ich’s
Jhnen erst vorgemacht habet«
Mildctuder Umstand.
Richter: »Sie haben also Jhrem
Nachbar am Biertisch ein Glas mit
solcher Wucht an den Kopf geworfen,
daß es in tausend Stücke zersprun
gen ist?«
Augeklagter: »Gezäl)lt hab’ ich die
Scherben nicht, aber ich denke mir,
das Glas wird schon einen Sprung
gehabt haben!«
Zwei Seiten.
Gast: »Nun, Herr Wirth, wie ge
fällt Jhnen mein Kollege, den ich Ih
nen vosr vier Wochen als Gast zuge
fiihrt habe?« «
Wirth: »Was foll ich sagen —- er
gefällt mer nit!«
Gast: »Wie denn das«
Wirth: »Er ißt für zwei und fiiuft
für drei, das gefällt mer—aber er
hat sehr oft ,,zusällig« lein Geld bei
sich, das gefällt mer nit!«
Variabmiden-Monolog.
»So, jetzt hat meine Weste jliicklich
blos noch drei Knöppe un drei Klump
löcher, die nich ausjerisfen find. Be
scheiden, wie ick nu mal bin, würde ick
mir Damit ja ooch bejniijen, aber da
muß nu mein janz persönlichet Pech
wollen, det die drei Knövpe oben sitzen
un die jefunden Knopplöcher sich un
ten befinden. Nu frag’ ick eenen
Menschen, ob det nich Schickfals Nie
dektmcht ist« ’
ReinfalL
»Von der Univerfitiit schreibst Du
doch auch hoffentlich recht oft an mich,
Huao?«
Studim »Gewiß, Onkelchen, be
ftimme nur gleich, um wieviel jedes
mal.«
Aur- der Justruttionsftundr.
Leutnant: »Wie schreibt man Sig
nal?«
Rekrut:,, Signal wird nicht ge
schrieben, Signal wird nur geblasen.«
ARE-ironisch
Fram »Du bift abscheulich, ich lasse
ni.ich von Dir fcheiden!«
Mann: »Und dazu soll ich Dir
wohl wieder eine passende Toilette
machen lassen?«
Seine Ansicht.
Bauer (der beim Notar soeben ein
Scbriftftücl mit drei Kreuzeln unter
fertiat hat, als ein anderer eine Ur
tunde ebenfalls mit drei Kreuzeln un
lirf-.t;reibt): »Du schau, Alle, der heißt
auch so wie ich!«
sei-streut
Professorggaltim ,,Dent’ Dir nur,
Will;selm, Dein Kollege Duselmeier ist
lei einem chemischen Experiment in die
Luft s»eflogen!«
»Nun --— er wird schon wieder her
untertoinmeu!«
Immer derselbc.
Rittmeifter: »Höre mit Bedauern,
lieber Schneidig, daß Verlobung zu
riielgegangen!«
Leutnant: «J was, Herr Rittmei
fter -—«— andere Millionäre haben auch
schöne Töchter!«
Erster Gedanke.
BuchhalierJ »Herr Meier, Ihre
Gattin ist mit dem Kaisirer auf dem
Antoniolsil durchgebrannt«
Herr Meier: »Hofientlich haben str
acniigend Benzin milaenommen!«
Großer Verdienst.
Dame: »in eg- richtig, Herr Pro
fessor, die Chinefen sollen schon vor
kreiiausend Jahren das Klavier er
funden haben?«
Professor: »Ganz richtig, aber ihr
größtes Verdienst ist, daß sie es vor
zweitausend Jahren schon wieder ab
geschafft haben«
Mist-L
Das Kleid gefällt mir gar nicht«
Du wählst Dir aber auch immer das
Schlechteste!«
»Da hast Du recht ----darum habt
ich auch Dich genommen.«
Der angestreaqte Doktor.
l ,,Jun·qer Mann, werden Sie nur
flein Arzt! Gestern LBube ikb bis ein
Uhr Naelths allein echnnnaen für
meine Patienten geschrieben·«