". M Die Mutter-liebe «Blll.sl Du sticht-un der eitlen Liebe Bill-, o deine einer kkeuen Mutter Blick. « » Wenn sie des Klnch Kummer krdkiend lkllli Und lächelnd ihm erzählt von späkmn Glücks XVIle Du etfchnii'n des echten Glücke-Z Bild Lsf lchnue einer Mutter Seligkeit : nn le durch llikek itindik Ibnicn kiiblkr G qie k klir treue Bis-is noch Dankbarkeit Drum wahr· Dir viele-n kranken Glücke-S Sie-m fei " würdig Dich dkk Miiiktckliehk Glück! te bt Dich dann crust »Zuk- Schickfcil in die .1--. ein', -»So denkst Du freudig nn das Hatt-F zurück, « Das-s Tcinkr Eltern Viehe limit. die arm Dein Wledcrlehrcn kenn mil frrisd·n(-iii Blick. Die harte Pflicht ovelletke von Hugo v. Giesen. « Nun war es also eingetroffen! Atlas sie zwei Jahre lang mit bangem ;»-«;ittern« gefürchtet, jetzt war es Wahr sheit geworden. Sein Anwalt hatte . - ihr geschrieben, daß er nun wieder von seinem Recht, im Frühjahr und Herbst — «;;r«;s7« sein Kind je vierzehn Tage um sich zu haben, Gebrauch machen wolle. Schon als sie Morgens auf dem Frühstückstisch das große, graue Cou vert, das für gewöhnlich die Einlei . tung der Verhandlung barg, in die -. Augen belam, hatte sie der Schreck er ·" griffen. Jetzt stand sie vor ihrem ei genen Rechtsbeistand und rang nur « immer die Hände »Ich mag es nicht —— und ich wills nicht mehr«! Er hat lein Recht —- —? Der Anwalt unterbrach sie. »Doch . gnädige Frau«, sagte er ruhig. »Ihr s« gefchiedener Gatte hat das Recht. Bei der Auseinanderfetzung damals haben Sie sich beide dazu bekannt. Jhr Knabe ist über sechs Jahr. Sie wis - sen, von dem Moment an kann der Vater die Erziehung für sich bean spruchent« Sie wußte nichts mehr zu sagen Sie drückte das Tuch vor die Augen und begann zu schluchzen. Etwas rathlos stand der Anwalt neben ihr. Dann begann er liebevoll E auf sie einzusprechen. - »Sie brauchen doch nicht selbst — —’ Sie haben doch so viele zuverläs sige Freunde, die Ihnen gern die trau rige Pflicht abnehmen würden, gnä is dige Frau!« F Sie schüttelte den feingeschnittenen, « « blassen Kopf. »Nein, nein...das «-, mag ich nicht —- und das geht auch s nicht! Sie wissen, wie der Junge ist. Lebhaft und-wild, wiss leider auch sein Vater war. Und kränklich bei - alledem. Wenn ihm etwas passirte, ich , würde mein Lebtag keine Ruhe mehr haben.« Und seit jener Zeit saß sie nervds und aufgeregt in ihrer kleinen Woh nung, und bangte dem Tag entgegen, wo die harte Pflicht sie auf den Bahn hos trieb, um dem Vater ihres Kin des entgegenzufahren. Kein Schlaf kam in ihre Augen. Nur das Bild ; s stand immer vor ihr, wie vor zwei Jahren zum letztenmal ihr Junge mit » feinem Vater gejauchzt und gelacht hatte, wie seine Wangen sich gerüthet, s seine Augen gegliinzt hatten, wenn er mit ihm zusammen war, und wie ihn heiße Sehnsucht quälte, als jene Zeit dann vorüber war. Wenn es jetzt wieder so wäre, wenn iene frohe Liebenswiirdigteit, die einst sie selber gefangen nahm, ihr jetzt auch das Herz ihres Kindes entriß! Den einzigen Trost, das einzige Glück, das ihr zerstörtes Leben noch kannte?! Sie mochte es nicht ausdenken, denn das fühlte sie fest und klar, das würde sie nicht überleben. Aber freilich, sie war in den letzten Jahren immer still und traurig gewesen, sie hatte das Lachen taum noch gekannt, aus ihrem Leben war der Frohsinn verbannt. Wenn das Kind diese Heiterkeit entbehrte . .. » »Jetzt, wo der Tag der Begegnung näher rückte. fiel es ihr schwer auf die Seele. Mit Gewalt raffte sie sich auf »- aber ihr Junge stand scheu dabei. Er fühlte wohl instinktiv, baß dieses Lachen nicht echt, diese Lustigkeit nur erzwungen war. i- Das hatte er von seinem Vater. - Dem konnte sie auch nichts vormachen. Der ahnte jede leiseste Verstimmung "—- in thr, der durchschaute die Muste, - die sie in den Tagen des Streits und »Daders trug, wenn sie ihn lächelnd fe "- ster ans Daus zu fessein strebte. Der sviirte es in seinen Künstlernerven Ach und auch diese unglückseligen Nerven hatte er von ihm. Bei trübem Wetter saß er vergrämt und miß muthig in der Ecke und starrte vor sich hin —- und lam die Sonne, dann war - er wie umgewandelt, konnte sich freuen über iede Kleinigkeit und iu beln, als wäre ihm das größte Glück geworden. Dann holte er sich auch die kleine Geige, die ihm sein Vater noch geschenkt, und unter seinen winzigen Fingern sprangen dann die Töne her vor und hüpften die Melodien, daß "« - n seine neun Jahre leicht vergessen unte. Sie hatte diese Neigung, die ibr eine aliietliche schien, mit aller Kraft un » rücken wollen, hatte das Instru « t ihm fortgenommen und ihn auf » Schularbelten verwiesen. Da z er still und traurig geworden » fein Wort webr aesprocksem und « Nachts auf den weißen Kissen sich :«- weint. km Ueber-nimmer hiirte . n oftmals schlucken, aber sie be « « a sieh immer wieder . . . bis ein Yeömåka Staats- Anzejger Und Yrrold v J. P. Wittdolvh, Herausgehen Grund Island. Nebr. 24 November 1905 (Zweitckacil.) Jahrgang 26 No.13 E— ängstigt und gequält ihm endlich die Geige wiedergab. Seitdem was-Z ihr, als schwebte zwischen ihnen beiden das Gespenst des Mißtrauens, und das bedrückte sie jetzt doppelt. Warum war ihr ge schiedener Gatte nicht lieber gleich ganz in dem von ihm so verhiinmelten Amerika geblieben, warum mußte er jetzt zurücktommen, wo sie fast schon ruhig war und sich geborgen fühlte! Seine unstete Natur trug natürlich »auch daran die Schuld. Ach und was hatte die nicht schon alles angerichtet! Aber was half das Grübeln und Sinnen. Gewähren mußte sie seinem Willen doch, denn er war imstande und verlangte das Schlimmste von ihr, die Trennung von ihrem Kinde. Das wollte sie nicht aufs Spiel setzen. An einem llaren Sonntag fuhr sie fort. Der Zug war nur mäßig be setzt, so daß sie ein Abtheil siir sich allein hatten. Der Knabe stand am Fenster und schaute in den lachenden Morgen hinein. Seit er wußte, wohin die Reise ging, war er lustig und gu ter Dinge. Man sah’s ihm an, er freute sich aus seinen Vater. Und aus dieser Freude heraus plap perte er unaufhörlich über alles, was er sah und merkte. Jhm siel’s taum aus, daß die Mutter nicht antwortete. So voll war ihm die Brust. Erst als er Thriinen in ihren Au gen sah, wurde er aufmerksam. »Mutterchen, du weinst . . . . ja, « sagte er verdutzt. Da riß sie ihn heftig zu sich heran: »Sag. Kurtchen, sag mir’ö ehrlich . . . . könntest du wohl mal von mir gehen — mich verlassen?« Er sah sie von der Seite an. Nein, Mutterchen. warum denn?« »Auch nicht, wenn Vater lieber . . . wenn er —- lustiger mit dir ist?« Jetzt schüttelte er nur den Kaps. Sie aber nahm ihn in ihre beiden Arme und kiißte ihm wild und heiß die rothen Lippen, die ganz eigenartig zuckten und bebten. Aber ruhiger wurde sie doch nicht. Sie sah nur, wie er verängstigt von nun an am Fenster stand und mit heschatteter Stirn in’s Leere starrte Denn sein Blick traf die Pracht da draußen nicht mehr, seine Gedanken waren weit, weit fort . . . . Sie brauchte nicht lange mehr zu grübeln, wo sie wohl waren. Denn taum waren sie angelangt, hatten im Hotel den Staub abgeschitttelt und waren ein paar Schritte iiber die Pro menade gegangen, da zuckte plötzlich Idie kleine Hand in der ihren, da riß er sich plötzlich los und stürzte hastig hin zu dem Mann, der ihnen langsam entgegenkam. »Vater, Vater —-— -——« Ueberrascht blickte der aus. »Junge, Kurt ——- —·« dann nahm er ihn mit ungestümer Zärtlichkeit vom Boden und hielt ihn stumm an sich gepreßt. Die Augen waren ihm feucht, und die etwas grauen Wangen sätbten sich mit leichter Röthe. Lässig trat die Frau ihm näher. i »Du siehst, Walter,« sagte sie kühl, »wir sind deinem Wunsche gesalgtt« Unwilltiirlich streckte er ihr die Hand sentgegem »Ja —- und ich dante dir j iehr —- sehrl Du weißt ja nicht, wie jsehr ich mich in den zwei Jahren nach Imeinem Jungen gebangt.« Sie übersah die Hand und lächelte bitter. »Nach . . . deinem Jungens tUnd als er zur Welt kam, war er dir gleichgiltig Du iiimmertest dich nicht sum ihn und auch nicht um mich.« s Er stellte den Jungen wieder aus tden Boden. «Gertrud, wollen wir in tGegenwart des Kindes nicht lieber den alten Streit vergessen?« »Wie du willst," gab sie kurz zu ;riick. »Für die nächsten Tage gehört er dir . . . da bin ich ja sowieso über i i ) Iflijssia." Mit weniger Worten umg Jten sie sich noch über die Stunde, zu Jder der Knabe in’s Hotel zurückge Jbrachte werden sollte, dann ging sie ! hochaufaetichtet davon. i Mitleidia den Kopf schüttelnd, sah Ider Mann ihr nach, dann nahm et »seinen Junaen« bei der Hand und sog mit ihm fort. Nach wenig Schrit ten febon scholl fein Lachen wieder durch die Allee· Jn dem Hotelzimmet aber schritt die Mutter ruhelos umher. Sie zählte ife Minuten auf der gleichmäsiia ti ckenden Uhr und glaubte nicht« daß die richtia waren, sie preßte die beiden Fäuste auf das heftig ilopiende Herz und konnte es nicht zur Ruhe zwin gen. Und sie saß und zermarterte sich das Hirn, was sie ihrem Kinde wohl anthun, was sie ibtn wobl bieten könnte, um seine Liebe sich siir immer tu erhalten, und sie fand nichts, fand nichts, was ihr groß genug erschien. Sie ging schließlich und kaufte ihm allerhand Spielsachen. Aber sein Dank war doch nicht wie sonst. Die Lippen sagten viel, aber das Herz war nicht dabei. —— — Und sie fühlte es, wie dieses Herz ihr zu entschwinden drohte. Gewiß, es ging ja nur zu dem Vater. Aber was wollte der? Der war doch fort gegangen und hatte Sorge, Qual und Angst nur ihr, nur ihr gelassen. Sie fragte ihn oft: »Jungchen, bin ich dir denn gar nichts mehr? Hast du denn ganz vergessen, wie Mutter chen dich gepflegt hat, wenn du trank warst, wie Mutterchen mit dir gespielt hat?« Verschiichtert legte er dann die Arme um ihren Hals. »Nein, Mut terchen ganz gewiß nicht. Wirklich nicht, aber . . . Vater ist so lieb, so lustig —-— —« Da fragte sie nichts mehr, aber sie wurde streng mit ihm, wie nie zuvor. Auf die Minute mußte er nun kom men, sonst schalt sie mit ihm in bitter heftigen Worten. Und doch saß sie eines Abends und wartete schon fast eine Stunde iiber die festgesetzte Zeit. Da hielt sie’s nicht länger aus« Jn Zorn und Wuth stürzte sie, ihn sich zu holen. Ohne anzutlopfen riß sie die Thiir zum Zimmer ihres geschiedenen Gat ten auf. Da sah sie Vater und Sohn vor dem Notenpult « · Schritt endeten die Geigen ihr Spiel. »Was — was ist denn?« Erschreckt hatte sich der Vater umgedreht. »Wer ist mein Kind?« schrie sie ihm entgegen. Er sah nach der Uhr. »Ach so,« sagte er dann. »Verzeih, wir haben uns im Spiel verspätet.« »Versp·atet?« Sie lachte höhnisch auf. »Sag’s doch nur ehrlich, mit deinem Spielen willst du das Kind mir nehmen, wie du mir im Leben al les« genommen, was Glück und Frie den ist. O, dich kenne ich wohl! Ein Künstler soll er werden Jvie du, nicht wahr —— und Ehr’ und Pflicht verges sen, und auch so hinauslaufen in die Welt wie du. Nicht wahr, das willst du doch?! Aber ich dulde es nicht, und wenn ich mit Gewalt ——- —« »Du brauchst leine Gewalt zu üben. Er bat so sehr ——- da wollte ich ihm. . . ich ganz besonders, den Wunsch nicht versagen. Aber das echte Künstler blut, das in ihm lebt, du wirst es ihm nicht hinauspeitschen, und wenn du noch strenger zu ihm wirst. Bei mir« —- seine Stimme wurde plötzlich weich -— «hat man es versucht, und du siehst, was es aus mir gemacht. Un stet und rastlos bin ich geworden! Mehr wie jedem anderen Menschen muß dem Künstler der Frieden aner zoaen werden, und gerade in diesen Tagen, da hab’ ichs so ost gedacht, » wenn wir zwei alten Menschen —- ——« s »Niemals!« sckrie sie da auf. Dann ; Packte sie ihren Sohn am Arm, stiilpte Jihm die Mütze auf den Kopf und stiirmte mit ihm aus dem Zimmer. Jn dieser Nacht fand sie teine Ruhe. Jn seinem Veilchen wälzte sich ihr Junge und«schrie im Schlaf nach dem Vater. Von ihr sagte er lein Wort« Da brach ihr Stolz in sich zusam- ? men. Sie sah die Jahre gehen und l den Jungen zum Mann heranreisen, l von Niemandem recht belehrt und ge warnt. Sie sah ihn in die Welt hin-— ausgehen, wie es sein Vater gethan, und sie sah ihn sriedlos wandern, ge: rade wie er. Und wer wußte, ob auch ihm das Schicksal hold war. In dieser Nacht faßte sie einen hel denmiithiaen Entschluß: Sie ging zu ihrem geschiedenen Gatten und bat . .. um seine Heimtehr —— ---— »Um des Jungen willenl« Der lachte sie wieder hell und freundlich an· Jhr aber zogen sich plötzlich silberne Fäden durch das dunkle Haar und tiefe Falten um den Mund herab. Das sind wohl die Zeichen des alles-schwersten Kann-setz —.- — Was der Mensch am meisten liebt. Mit einem Jahr —--- seine Amme. Mit fünf Jahren - - die Mutter. Mit zehn « die Schulteriein Mit fech zehn die Freiheit. Mit zwanzia « die Geliebte. Mit dreisiia —-« feine Frau. Mit vierzig —- ieine Kinder. Mit sechzia Jahren -— seine Bequem liilsteiL und zu allen Zeiten sich selbst. Von der Schuster-h Direktor: »Warum willst Du denn ; unseren jugendlichen helden schon wie der entlassen, er spielt ja ganz gut!« Direktor: »Das schon — aber die l Lampen versteht er nicht zu putzen!« Der Tausendmarkschein. Humoreske von T e o v o n T o r n. Herr Felix Richtenberg — erster Brolurist der bekannten Konsettions firma Bartholomy sFe Sohn — legte das Zeitungsblatt kopfschüttelnd bei seite. »Haben Sie gelesen, Schmidt?« »Was -—« »Von dem neuen Gaunertnifs, der , bfei Lesser Fc Wintler gemimt worden its« l »hab ich.« »Na und was sagen Sie dazu?« t Benno E. Schmidt —- er war drei Jahre in London gewesen und hatte dort die Gewohnheit angenommen, seinen zweiten Vornamen nur durch ein-en Buchstaben anzudeuten-—- zuckte die Achseln und driiclte den spiegel blanlen Cylinder vorsichtig aufs Haupt. Es war seine Tischzeit. ; » »Was ist da viel zu sagen, Herr .Richtenberg,« erwiderte er leichthin. « «Wen’s trifft, den trifft’s!« » »Auch ,’n Standpunkt! Jn Ihrer Jverantwortlichen Stellung als Em Jpsangsherr müßte Jhnen ein solcher i Fall zu denken geben —« i »Giebt er. Aber doch nur insoweit, Hals zu den siebenundneunzig verschie denen Methoden, in denen heutzutage sein offenes Ladengeschäft behumbst, bestohlen und betrogen werden kann, »eine neue getreten ist, die man sich merken und vor der man sich in Acht nehmen muß. Das ist kein Kunst stück. Bei ganz neuen Tricks aber muß immer erst einer reinsallen. Es . kommt nur darauf an, wer. Mahl s zeit, Herr Richtenberg.« »So ein Mumpitz!« knurrte der lProturist hinter dem Davoneilenden her! »Muß! Kein Mensch muß rein I fallen, wenn er gehörig aufpaßt.«« I Herr Felix Richtenberg war abso lut sicher, daß ihm nichts passiren konnte. Dennoch fühlte er sich unbe haglich. Die Geschichte bei Lesser u. IWintler ging ihm nicht aus dein «Kops. Daß er das auch gerade jetzt hat-e lesen müssen —- an dem einzigen . Tage in derWoche, an dem er »Stall wache« hatte iiber Mittag. Mit einer nervösen Grimasse erhob er sich aus seinem Schreibsessel. Die Daumen in die Armausschnitte der blütheniveißen Weste gehalt, trat er an das kleine Fensterchen, durch welches man einen Theil der luxuriösen Empfangs- und Verkaussriiume übersehen konnte. Alles leer und still in dieser todten i Stunde. Die Kasse geschlossen. Statt des baumlangen Portiers, der auch zum Essen gegangen war, lehnte ein Groom am Eingang vor der hohen Glasthiir, die nach der Straße führte. Die drei Kommis standen in müder Grazie beieinander und erzählten sich - das Neueste vom Haugvoigteiplatz. Nachdem Herr Felix Richtenberg diesen Frieden einige Sekunden lang hatte aus sich einwirken lassen, beru higten sich seine Nerven. Er na-«)in wieder in seinem Sessel Platz, saltete Die Hände über dem runden Bäuch lein und bemühte sich, an etwa-«- an deres zu denken. Es gelang ihm das auch nach wenigen Minuten schon so gritndlich, daß fein Haupt immer tie fer sank —- bis die Nase des Herrn Prokuristen aus der aus der Weste sich bauschenden Hemdbrust ruhte. Er hatte noch nicht lange so geses sen, als ein Anrus ihn ausschreckte. Einer der Kommig stand vor ihm und hielt eine Banknote hin. »Verzeihen Sie, Herr Richtenberg. Der Kassirer ist noch nicht da. Wol len Sie, bitte, hier vierhundert Mark herausgeben« -1vas —— wa —s- —— ——— —4 ach« so — Vierhnndert —! Gleich mein Lieber, gleich. Was ist denn los draußen — -——« »Ich habe einer Dame die Crepe de (sl)ine-Robe nnd drei von den neuen! bnntseidenen Binsen verlanit«, er widerte der Konnnis mit leuchtendem Stolze. »Alle Wetter! Eine bekannte Dame —---—?-« »Nein, von außerhalb. Sie hat es sehr eilig Will nach dem Anhalter Bonnhof Wenn Sie also die Güte haben wollten — ————— Herr Felix Richtenbetg hatte be reits den Schlüssel in den Arnheim qebohrt. Jetzt ließ er die Hand sin ten und machte eine kranse Nase. ,,Freind —? Sehr eilig —? An— hat-ice Bahnhof —-? Hören Sie mal —- das ist ein merkwürdiges Zu sammentreffen. Haben Sie die Ge schichte gelesen, welche gestern bei Le ser und Winller passiri ist —?« « ,,Allerdings. Aber diese Dame be ’zahlt doch baar, Herr Richtenberg. Mit einem Tausendmarlschein!« »Sehr schön. Und wissen Sie ge nau, daß das ein Tausendmarkschein ist —? Das Papier ist neu. Das Papier ist verdächtig neu —- —« Der Prokurist hielt den Sol-einge gen das Licht, betrachtete und befühlte ihn von allen Seiten. Das Resultat der Untersuchung war, daß er die Note dem Kommis zurückgab , »Ihr jungen Leute werdet nie ge » scheidt. Springen Sie mal von hin " ten herum drüben nach der Depositen lasse und fragen Sie an, ob derSchein echt is .« ! »Aber Herr Richtenberg, die Da me — ———« ! »Wird so lang-e warten. Jch werde inzwischen hinausgehen. Beeilen Sie sich-« Die Kundin —- eine schlank ge-i wachsene Dame mittleren Alters von vornehmen Allijren — reagirte auf die liebenswürdige Unterhaltung, in welche der Prokurist sie zu verwickeln suchte, höchst einsilbig und ablehnend Unrubia nestelte sie an ihrem silber nen, mit einer Grafenkrone geschmück- E ten Pompadour, schaute nach der Droschie aus, die« draußen ihrer harrte, und brach endlich mit der nn geduldigen Frage hervor: »Ja, wo bleibt denn nur der junge Mensch mit meinem Gelde! Jch muß fort.« ,,Einen Augenblick, Gnädigste,« einen einzigen Augenblick! Die Kasse ist leider um diese Stunde geschlos sen —- und da ist er eben mal wech seln gegangen.« »Das finde ich aber sehr merk würdig. Ein Geschäft wie das Ihre hat nicht vierhundert Mark zur Hand —? Haben Sie den Herrn etwa weggeschickt, weil Sie in die Echtheit der Not-e Zweifel setzten? —?« Herr Felix Richtenberg bekam eine fürchterlich rothe Platte. »Aber ich bitte Sie, Gnädigste ——« ’ »Das würde ich mir auch sehr ’ verbeten haben.« . Der Proturist sandte ein Stoßge I bet gen Himmel, daß er den Kommis serleucbten und ihm eingehen möchte, den Schein nicht nur prüfen, sondern auch gleich wechseln zu lassen. Leider erfüllte sich diese Hoffnung nicht. Der junge Mann tam anaejtiirzt und blinzelte beruhiand mit den Augen. »Haben Sie kein Kleinaeld bekom men?« hauchte der Proturist ihn ver zweifelt an. ,,Kleingeld ——? Ach so — — — nein, leider nicht. Man hatte auf der Bank augenblicklich keins.« »Diese Farce habe ich nun satt, meine Herren!« rief die Dame empört. »Im anderthalb Stunden geht mein Zug, und ich habe noch Bersrbiedenes Zu before-en Außerdem paßt mir Ihr beleidiaendes Mißtraiten nicht. Sie haan den Bankschein priifen las sen. Ich verainbte aus den Kan und bitte um die Note!« »Aber, hoc-verehrte, gnädiae Frau, seh bitte tausendmal uns NerXerbnnC Jch muß allerdings gestehen, daß ich s— —--- aber wie das in unserem lite scbiift liegt —-—— es ist erst gestern thie der bei der Firma Lesser u. Wint ler ——«« »er Verzichte und bitte um mein (5ield!« Olme aus die unerschöpflichen Ent schuldigunan und Beschwörunaen des Prokuristen Zu hören, nahm die Da nsse ihren Tausend markirt-ein und ver ließ erhobenen Hauptes das Lokal. »Da hätten wir also sechs-hundert Em Tageslosung weniger.« saate Benno E. Schmidt, als der Proturist ihm den Vorfall erzählt. »Noch nicht, noch nicht,« erwiderte Herr Richtenbera aufaereat. »Ich habe einen ersterblicben höflichen Brief aeschrieben und den Wonarowitzer, ! der die Dame bedient hat, nebst den ! Sack-en und vierhundert Mark auf den Anhalter Babnbof aefebieit Viel- ! leickst nimmt sie die Sachen doch noch. » sich habe dem Wonaroniitzer xnianiig ; Mart monaiiiche Zulaae versproebem I wenn er das Geschäft zu Weine brinat. Jcki denk’, er tnird’5 »was-ein« »Ich denke nicht. Und wenn erlö masbi. dann ist was faul an der Ge schicbte -—« ,,Wiefo faul? Was reden Sie von faul! Da kommt er ja schon! Das Nacket bat er nirbt ——— und ans die Brusttasche klopft er sieh-! Na, Gott sei aetroinmelt und gepsiffen. Es wäre ais-b ewig schade gewesen um das Geschäft. — Na, wie war’s, Wonqroivitier? Nehmen Sie sich ’n Stuhl, nehmen Sie sich zwei Stühle und erzählen Sie!« »Gut ist’s aegangen, Herr Richten berq. Jch habe die Dame im Warte iaal abgefaßt. Erst hat sie noch eine sWeile aescbolten, dann aber habe ich i sie breitaeredet. Hier ist der Tausend markschein." W s »Brav, lieber Wongrowikeh Nr brav. Es bleibt bei den Mantis Mark — und wenn Sie mal ein paar . Tage Urlaub brauchen —- —« »Dann wird er keinen triegen,« wars Benno E. Schmidt trocken ein, nachdem er die Banknote einer Prü fung unterzogen. »Der Schein« den Sie untersuchen ließen, war echt?« ,,Goldecht! Weshalb fragen SieV »Weil dieser falsch ist." »Das ist nicht möglich,« stammelte der Prokurist. »Das ist — —« »Das ist so, wie ich gesagt habe, Herr Richtienbera Bei ganz neuen Trick-H muß immer erst einer reinfal len. Werks trifft, den trifst’s. --—, »Unt» aller Kamme-« Mit obigem Ausdruck be eichnet . man bekanntlich eine ganz chlechte l Arbeit. Warum sie um ganz schlecht zu sein, unter der Kanone sein muß, ist freilich völlig unverständlich. Jetzt aber zeiat Professor Dr. Ernst Schwabe in Leipzia auf einleuchtende Weise, wie der Ausdruck durch eine alberne Wortverwechslnng entstand. Prof. Schwabe fand gelegentlich schulaescbichtlicher Studien über das Kurfiirftenthnm Sachsen in einem Aktenbande aus dem achtzehnten Jahrhundert, der auf eine städtifche Lateinschule Vezua hat, folaende Er zählung: Die Schüler der Anstalt waren im Latein besonders verwahr lost, Und das erregte den kerechtiaien Grimm der Väter der Stadi. Auf ihre Veranlassung nahm daher der Oberpfarrer eine Visitation vor, ins dem er die Schüler ein ,,(ixtempo :ale« schreiben ließ und sich dann an die Zensur machte. Das Eraebniß war sehr unbefriediaend; denn in dein Bericht an den Stadtratb theilte der Oberpfarrer mit, das-, er sich ,,einen Canon« von fünf Zenfuren (optime, bene, sie Satis, male, pessime) ge macht, daß aber leider viele der Arbei ten so schlerbt«seien, daß sie nur als »sub ommi Canone« (unter jedem Ca non) bezeichnet werden könnten. « Kanon war also die Staffel der Schü lerzenfuren, und aus diesem Sprach gsebrauch hat sich durch Mißverständ niß oder Verdrehung obige Redens art entwickelt. Jm DankfagungssMouat. Die Ulovembernnmmer der »Dentfchen Hausfrau«. Tas- soeben erfchienene dritte Heft des weiten Jahrgangs der ,,Dentfchen Haus« 2ran« kann fich, was Ausstattung sowie Inhalt anbelangt, mit den ersten Frauen Zeitschriften des Jn- und Anslmides messen. Jn vollem Einklang mit der edlen Silyönheit dest- lorbeerbelränzten Frauen lopfesJ, welcher das Titelblatt ziert, ift die Stimmung, welche den Inhalt be seelt - -— wahr- schlicht und edel. Auf den festlichen Prämienfeiten wird besondere migeliindigt, daß auch Abt-une mentsgcrnenernngen bei Ertheilung von Prämien mitzähle-r nnd es somit den Leserinnen der »Tentschen Hausfrau« sehr leicht gemacht wird, die reizendften Spielfaelien fiir den Weihnachtstisch zu erwerben Mancli erfreuliche Neuigkeit bezüglich der Prämien sowie der Grösse und des Inhalt-J der kommenden Hefte der Deutschen Hansfrau« wird auf 4der edttorteuen Seite angetundtgt· ’ Die nächste Seite schmückt ein stim mungsvolles Herbstbild, begleitet von einem sinnigen Danksagungsgedichte Darunter beginnt eine kurze, sesselnde Erzählung. Damit ist der Reigen der unterhaltenden Artikel der November nnmmer eröffnet. Zunächst werden die Leser mit Wort ttnd Bild durch Alt Nürnberg. dem Heime der deuts en Ziinstiy geführt. Die sortlausende o belle: »Der Wintergast in Dorf Zeedam« entwickelt sich in dieser Nummer beson ders interessant Die Plauderei für junge Mädchen: »Pflichten nnd Freuden itu Winter« nnd die sür Frauen: »Unser Heim im Winter« sind womöglich noch strittiger uttd ltilsreirher alH je zuvor. Tie Anweisung zur Anlage von Mist beeten, begleitet Von Nathschlägen zur ttiosentnltnr itn Winter, tann nicht ber sehlen, manche-in Gärtner ttnd Blumen freund bon nnschätzbarein Wer-the zu sein. Die Zeite, welche der Werkstatt im eigenen Heini gewidmet ist, bietet ganz besonders werthvolle Anleitungen zum Zinituern bon Bltnnenständern und zum Bau eines kleinen (—55ewächshaused. Mit besonderer Freude werden sicher lich die beiden reiehhaltig illustrirtcn lLunidarbeitsteilen begrüszt werden. von denen die eine dem Her-stellen von Baum schmnck gewidmet ist. Denjenigen Frauen, welche ihre Män tel selbst anfertigen, bietet die Novem bernunttner der »Dentschen Hausfrau« aussührliche nnd praktische Anleitungen in dieser schwierigen Arbeit Die Mode seite ist diesmal tnit Rücksicht auf die Be dürfnisse der Jugend nnd des Hausbaters zusatnmengestellt worden, da für die Frauen schon iit früheren Nummern ge sorgt wurde. Professor Filiigler ist atniisanter als je zubor und bietet seinen Schülern beson dere Preise an. Izu der Fragen nttd Antworten-, Haus und Herd- nnd Vriestasten - Abtheilung giebt sich die immer wachsende Begri sternng nnd hilfreiche Mitwirkung der Leserinneti t«uttd. Nicht zu bemessen sind die sinnreichen litt-dichte nnd die beiden Lieder: »Er-hä ser’-J Sonntagsrslied« nnd »Ich hatte einst ein schönes Vatet·lattd«t welche diese « reichlmltigty 28 Seiten starke Nummer enthält. stutz, die Nobetnberntnntner der »Dritt selten Damian-« beweist wiederunn daß die Redattion das Vertrauen, welches das Teittssslttlmm i-- d,n Nishi-Etwa Aktspmz sVorhabetis gesetzt hat, voll und ganz würdigt und vollständig rechtfertigt und . dag ,,«r’åe Leu-we Hausfrau ntug aus dem Pfade fortsthreitet, den sie sich bor gesteichnet Lllle deutschen Frauen, welche dieses »Heft sehen, werden es sich nicht entgehen lassen. darauf u abonniren. s-— Probe . ntnmnern der « eutschen Hausfrau« sind jbei dem Herausgeber dieses Blattes zu serhaltem ,der auch gern Abonnetnents entgegenntmmt.