Nebraska Staats-Anzeiger und Herold. (Grand Island, Nebraska) 1901-1918, October 06, 1905, Sweiter Theil., Image 11

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    E Matt Hchrkihkbriek von
III-exi- kankstkngeL
No. 175. Jch
hen Jhne ver
zählt, was ich
for en Truhel
un for Eck
fpenzes gehabt
heu, bis
ich for jeden
von die Kids
e Ausfitt for
die Schul ge
habt heu. Wie der Philipp die Bill
aesehn hoi, do hot er mich gefragt,
ob ich mehbie iwlvet geschnappt un
trehsia wär. Er hot mich auch ge
fragt·, ob ich denke deht er wär en
Millionär. Do hen ich gesagt: »Nun
Phil, luckehiek, ich will nii, daß die
Buwe etum laufe, als wann ihren Pa
en Beitelbub wär. Die Leut solle nit
sage, mir dehte nicks for unsere Kin
nek gewwe un mehbie mer könnte es
ntt etsordem Wann mer zu arm da
for ware, dann soll der alte Mann
tut soviel Bier drinie un so sori.
Solche Riematts will ich nit höre un
so»t den Riesen is es besser, wann du
mich aanz allein zu die Kinnet iende
läßt. Jch aewwe schon nicks aus, was
nit nöthig is.« Tzo hoi der Philipp
aesaat: »Ahlrechi, wann du’s den Weg
hen willst, dann tend du dazu« Sel
lemols sin ich skoh gewese, wie er so
iesia aewese is, answer ei tell juh, jetzt
duhn ich wische, er deht liewer zu den
Bißneß tende, sok dasz ich nur nach
das Hauskiepe auszuaucke hätt. Wie
die Buwe am erschie Daa aus die
Schul heim sin komme, do hoi der
Bennie aesaai: »Ma, ich brauche e
neue Grämmer un e neue Hisiektie.«
Du kannst e Täei tleime, hen ich ge
saat, denke niebbie die Tietscher, mir
hätte Geld zu fresse? Euer alte Bi
chek sin noch plentie aut. Wei, hoi der
Bennie aesnat, du weißt dois qui ge
nun, daß ich in en annere Rieder fin
un do mus; ich doch oss Kobrs auch
disserente Bichei ben. Seil is osf
Rohrs ebbeg annerichier newesc. Wie
der Johnnie lommc is, do bot er ge
saair »Ma, die Tieischer bot aesaat,
mer müßte morae unsere neue Bücher
mitbrinae. sonst müßte mer nach die
Schul stehn. Was die Krenl, ben ich
gesagt, du duhst doch keine neue Bicher
drauche,«du bist doch gar nit gepähst.
Tag iH ek- ia grad, bot er gesagt, ich
den so hart lerne müsse, daß mei
Bücher vom Studire ganz verrisse scn
un die Tietscher sagt, es wär iei
Wunner, daß ich nit ebett komme
debt: aus so verrissene Biicher könnt
sie auch nicks lerne. Sell is oss
Kohrs e« gutes Ahrgnment gewese un
ich hsn gedenlt, ich besser mache mich
e List, bitakiS sonst vergeß ich die
Hälft. So is denn eins nach die an
nere von die Kids komme un jedes
bot e neues Sett Biicher gebraucht un
ei tell iud, ich hen gar. nit gedenkt,
daß en Bücherschapp so viele Bücher
an Hand hätt. Bilahs ich ben die
englische Teitels von die Bücher nit
mitaus ortoaraviebsche Mißtehks
chreilre könne, hen ich die Kidg gefragt
lebst alles usszuchreitvr. Wie ich in
den Stadt sin komme un hen mei List
hingelegt, do bot der Stohrlieper ge
chmeilt un bot gesagt: Wei, Lehdie,
Sie müsse ia en ganze Sack vollButve
ben. Die Riemart bot mich keiner ge
ärgert un ich den weiter gar nickg ge
sagt, als er sollt sei Bißneß meinde
un sollt sich nit um mei Butve beküm
mere. Das war all was ich gesagt
den« awwer ich hen ihn noch en Blick
hingeschmisse, daß er die Schills triegt
bot. Er bot dann arig neig an mich
getvehtet un hot mich en Peil Bücher
eingepackt, das; ich ordentlich ver
schrocke sin. Ich hen genohtißt, das;
er sriekwentlie geschmeilt hot un
schließlich den ich’s doch nit mehr
stende könne un hen gesagt: Mister,
sage Se mich doch for Pittiesehts ob
Jlme Ihr Schmeil nit emol abwehre
duht? Wann ich Jhne Ihre Fehs an
aucte, dann trieg ich e Gänshaut.
Well, hot er do gesagt, das is das
Feds, was ich mit uss die Welt ge
bracht den un es bot mich so gut ge
gliche, daß ichs bis uss den heutige
Dag behalte ben. Mei Fehs is also
von Naduhr aus plessent un sor sei
Naduhr taan mer doch nit helfe. Wenn
ich awwer ietzt en eätträ Schmeil an
vittte, dann is en anter Riesen for da.
Jch set-weile nit iwwer Ihne, Mäd
dern. bitahs do is nicks zu schmeile,
i-«· ichrneile auch nit iwwer das Biß
nes was ich ietzt duhn, nosser, ich
schmeile blos, bitahs Sie ben io
ichmarte Kinner. Ich hen nit gewißt,
ob ich das for e Kompliment anfehn
ben tolle odder tot en JnsolL Ieb
hen neiaatt Meine Buwe fm keine
von die Schmarteite awwer auch noch
lang teine von die Dummste; wann
awnser einer ais zu dumm aus törne
sollt, for ihn in einige Prohfescken zu
juhse,« dann macht das auch nicks aus,
dann kann er Buckkievet tver’n un in
den Geschäft kann einiges Rindvieh en
Suckzeß mache.« ans, do is der
Schmeil iort geweie un der Storkieper
is jetzt sierjius geworde. Mäddem,
hot er gesagt, en Koitiemet schmeiß
ich nie nit aus den Schavv enaus un
wann er noch so unverschämt is un
for den Riesen brauche Se auch keine
Fier zu ben, daß Jhne ebbes hövpene
debi; ich will Ihm nur sage, daß for
mein Schmeit en ganz perticketet Rie
sen da is. In die List von die Bucts
s« tin nämlich auch drei Deimnawweks
uiigemaekt, eine davon is: «Et toff
to bte eBurklet,« und die anneee heißt
k Die mistiriius Wedding«. Bieteids
Steht auch hier das Buch »Don- tu tern
J weg losse un sollt mich nor die Schul
J bitt-her schicke. Dann fm ich heim.
jWas es do gewwe bot, das will ich
! es Fiickt, das ich mich mein Ellboh ac
’sptehnt hen un das-, meine Händ so
. spht sin, fdaß ich se den Daa siwwe
izehn molmit Linnement triete muß.
Es is awwcr auch e Fäckt, daß die
’ sämmtliche Kids allikvwer fohr ssn un
: Achtung Ysours
Schnit- cktng«. Wann Jhne Jhr Vu
Jnatts Well, Sie wisse nit wie mich
I das hot siihle mache-l Jsch hen mich ge
we so iicher lese wolle, dann müsse
se doch schuhk genug schmatt sein,
schehmt wie alles-.i Ich hen denStoht
tieper gesagt, er sollt die drei Bücher
gar nit etempte zu beschränke Es is
daß se zwei Däa nit in die Schul ben
gehn könne. Der thl hot ihre Kör
perchet betracht un hot zu mich gesagt,
er deht schuhr denke, die Kinnek hätte
die Miesels odders die Schickenpacks,
bilahs se hätte alliwwer rothe Spatz.
Wann et am nächste Daa aeguclt hätt,
dann hätt er mehbie blaue odder
schwarze Spatz sehn könne. Ei tell
fuh, es is en hattet Schapp, Mutter
zu sein un was das heißt, das mer’n
Se wohl auch noch aus-sinne, wann ;
Se’s noch nit wisse. Mit allerhand
Lizzie HansstengeL
Loeal Odium-in Texas.
Auch der größte Staat der Union,
Texas, macht nun seine Erfahrun
gen mit Local Option nach Counttes.
Jn allen wird mit großer Erregtheit
tund wechselndem Erfolg fiir und
gegen lolale Prohibition gekämpr
» Ein großer Theil des Staates ist
tauf diese Weise unter den gemein
schädlichen Druck der Prohibition
gekommen, zumal jene Counties, die
nur eine dünngesäete deutsch-amerika
tnische Bevölkerung haben. Jn den
t meisten Counties wird aber wohl der
icfrfolg der Prohibition unter dem
sLocal Option - Gesetz nur ein vor
übergehender sein. Prohibition er
weist sich meist bald dem Geschäfts
lieben so nachtheilig. daß sie viele
ihrer bisherigen Anhänger sehr bald
l schon gegen sich einnimmt.
) Einstweilen freilich ist von einem
lallgemeinen Rückgang der Prohibi
tionsbewegung noch nicht viel zu mer
! ten. Jrn Gegentheil ist sie durch die
!Legislatur jenes Staates durch neu
hinzugetommene drückende gesetzliche
Bestimmungen noch wesentlich er
stchwert worden. Sie beziehen sich
l auf das Verbot des Verlaufs und der
Ablieferung von geistigen Getränken
in allen Counties, in denen bei der
letzten Abstimmung das Prokuri
- thust-Element den Sieg davongetra
gen hat.
t
Das eine dieser Gesetze, welches so
eben in Kraft getreten ist, bestimmt,
daß Personen, die in Proliibitions
Eounties des Staates Bestellung auf
; geistige Getränke entgegennehmeu,
eine Geldstrafe von 850 bis 8300
- und eine Freibeitgstrafe von 30 bis
90 Tagen Gefängniß zu gewärtigen
haben.
Ein anderes Gesetz ordnet an, daß
alle Sendungen von geistigen Ge
tränken nach Prohibitionsz tsounties
: als solche bezeichnet und außerdem die
»Namen des AbsenderH und des tim
vfängersz tragen rniissen. Zuwider
handlung zieht ebenfalls- dem Be
treffenden sowohl Gelds, wie Ge
« sängnißstrase zu.
Wenn derartige Sendungeu nicht
abgeholt werden, muß die betreffende
Eisenbahn- oder Ervreß - Gesellschaft
sie umgehend auf Kosten des Versen
ders zuriiclbesördern, trenn sie sich
nicht ebenfalls schweren Strafen aug
setzen will.
Damit wird der Handel in geisti
aen Getränken in allen Otohim
tions - CountirH sehr bedeutend er
schwert. Umaangen werden diese
Beftinnnungen natürlich dennoch häu
fig werden, wie noch bisher alle Pro
hibitioirg- nnd Temperenzaesetzr. Je
unerträglicher durch scharfe gesetzliche
Bestimmungen die Prohibition ge
macht wird, desto rafcher wird man
sie wieder abschaffen, da schon bei der
nächsten Wahl im Countn von Neuem
darüber abgestimmt werden kann.
Allem Anschein nach wird sie in einer
Reihe von wenigen Jahren nur noch
in solchen texanischen Connties sich
erhalten haben, die leine größeren
Städte und leine starke deutschamei
rilanische Bevölkerung haben.
In dem Kampfe zwischen dem Voll
und den Truits ziehen die letzteren die
Krieasentschädigung immer im Vor
aus ein.
L M F
Zufriedener werden die Japaner sich
fühlen. wenn sie betrachten, was sie
erreicht haben, statt sich den Kopf da
riiber zu zerbrechen, was sie etwa hät
ten erreichen können.
« i- -
Ein Judiläum wird aus Wien ge
meldet: Die Frankfurter Würfte sind
ietzt hundert Jahre alt. Ganz so alt
sind unsere Rothen Heißen nicht, aber
doch oft ziemlich alt.
·- iis s
Kein Wunder, daß Cuba 22 Mil
lionen Dollars im Staatsfärtel hat.
Für seine Freiheit und Selbständig
leit brauchte es die Rechnung nicht aus
eigenen Mittelnc zi: belaleichen
Frau Taaaart will einen Roman
schreiben. hoffentlich nicht ihren
eigenen.
O O
Wenn Japan site die Verpflegung
der aefangenen Rassen Sommerhotels
Roten berechnet, dann tannes schließ
lich doch noch auf die gewünschte
Krieaientichitdiaung kommen.
Drei Männer, die mit nicht gerade
bemerkenswerihem Geschick ruderten,
lenkten ihren Kahn in eine kleine
Bucht, banden ihn an und schlichen
dann geräufchlos durch die Weiden ans
Ufer. Jn einiger Entfernung von
einander senkten fie dann ihre Angeln
ins Wasser und warteten mit der Ge
duld, die indifchen Biißern und ento
Päischen Anglern eigen ist, oer Dinge,
die da kommen sollten.
Zwei von ihnen starrten auf den
breiten, von iippig griinenden Getön
den eingefaßten Wasserfpiegel des
zzilusfes, es war dies der rundliche
Herr Plumpte -— er hatte seine Leder
settfabritation im richtigen Moment,
als nichts-· mehr damit zu machen war,
verkauft nnd lebte jetzt al: »Sche
dreier - Rentier«, und der gerader
krmisch magere Kräußler.
Der Dritte im Bunde, der Magi
stratsassiskent Happe, befaß eine Lei
denschaft, die fich mit feinem Angel-I
fport in fein Gemiith theilte, er last
fiirs Leben gern hnrnoriftische Bücher. ’
Ein solches zog er denn auch hente aus s
der Tasche, und während er instinktiv:
auf das Zucken der Angel achtete, amti- i
sirte er fich im Stillen· Einige M«lei
konnte er seine Heiterkeit nicht zurück
halten und platzte herang, wurde
Beim Angeln.
(
l
i
’ dann aber stets von seinen eifrigerenJ
i
Sportggenossen durch drohende Hand-s
bewegungen zum Schweigen gebracht.
Die Ausbeute war heute wiederj
recht gut an dem stillen Landvorspruw
ge, obwohl eg Sonntag war. An den
anderen Tagen hatten die beiden An«
gestellten keine Zeit, und »der Dicke«
wagte sich nicht allein so weit hinauss.
Die Wege an den beiden Ufern des
Flusses waren zwar voll Spaziergän:
ger, aber hierher in den stillen Winkel
kam niemand.
Das-— wag war dag? Hnndegehell
und Kindergefchrci kam näher nnd nä
her. llnwillig sahen sich die Klingler
um und bemerkten eine refolnt auefe
bende Frau, die mit einem anschei
nend recht ungezogenen Jungen und
einem laut lläffenden Pudel plötzlich
zwischen ihnen erschien.
,,«Llllon-5, hier, Phylax!« rief sie mit
nntchoringender Stimme, und als-.- der
Pudel echappirte, liefen fie und ihr
Junge mit lautem Geschrei hinter ihm
her.
»Pst! Pst!« machten die ’)lngler, jene
lehrten sich aber nicht daran, sondern
fiihrten den eingesangeneu Siöter an
eine flache Stelle, um ihn zu baden.
Ihre energischen ziomniandoivorte
und das laute Jvhlen des ausgelasse
nen Jungen der Frau erbitterten die
’ Angler im höchsten Grave; alle drei
erhoben sich daher und gingen ausNDie
Gruppe zu.
»Ich lann meinen Hund baden, wo
ich willi« Auf diesem Satz stand die
Frau sest, Und alle Gegenreden der
Angelsportler machten sie nur wider
spenstigen Der Streit spitzte sich zu,
und plötzlich ergriminten der dicke Ren
tier und der hagerc Buchhalter derart,
oasz sie den Hund anpaciten und ihn
in weitem Bogen in den Fluß hinaus
schleuderten.
,,Hilse! Mörder, Mörder!« lreischte
jetzt die Frau.
Wenngleich nun der ,,gesnordete«
Pudel bald ans Ufer schwamm, so war
der Ruf doch von Spaziergängern ge
hört worden, und eine Anzahl von ih- :
neu verließ den Fuszweg um nach dem
Ufer vorzudringen.
Die entriistete Frau, von ihrem laut !
heulenden Jungen begleitet lief ihnen
entgegen und beklagte sich mit lautemz
Geschrei, dort wären drei Männer, die !
ihren Hund ersäufen wollten. s
»Das lann schlecht ablaufen!« sagtes
Buchhalter siräuszler, mit seinen mage
ren Beinen nerviis hin und her sahrend ’
»Mit dem Angeln ist H heute ausl«
brummte der dicke Plemple, und das!
Richtige traf der Assistent, indem er?
vorschlug: »Wir machen uns am Besten ’
aus dem Staube!« s
Eiligst wurde das Angelgeräth zu
sammengerasft, und die Männer eilten i
ihrem Kahn zu. Gerade waren sie vom s
Lande abgestoßen, als einige Männer
und Frauen mit der Geberde von Rä
chern der Unschuld erschienen und ih
nen in Ermangelung von Steinen eine
Blüthenlese von Ausdrücken nachschleu
derien, die selbst in den reichhaltigsten
Siomplimentirbiichern vergeblich ge
suchtwerden durften.
Während die Angler niit ihrem
»Kahne nicht gerade geschickt der Mitte
des Flusses zustrebten, verdichtete sich
s der« Menschenhaufen am Ufer.
I »Was ist denn los?« Das war die
Haeläusige Frage. Geriichte wachsen wie
Lawinen und Desizite -— kurz, bald
waren die Begriffe »Frau mit einem
! Kind« nnd »ing Wasser werfen«, sowie
’ die Rufe ,,Hilfe!« und Mörder!« der
zart toinbinirt, daß es sest stand: die
i drei ir·)ert)recl)erisci1en Männer dort hat
s ten eine Frau und ihr Kind ins Was
ser werfen wollen. Begiinstigt wurde
diese nonsieuation dadurch, das-, die
Wrau mit Sohn und Pudel sich ihrem
Waturell zuwider ganz still davon ge
macht hatte. ,
; »Die Kerle d"rsen nicht entwischen«,
snies ein Herr, der eine sehr laute und
; vohlklingende Stimme hatte und sich
i aher. wie alle Inhaber dieser Eigen
z chast. gern hören ließ. »Die Sache ist
s eis sür den Staatsanwalt.«·
s Wie alle laut und wohltllngend ge
sproehenen Worte, übte auch diese ihre
Wirkung, die stets wachsende Menge
wanderte nach der Uebersahrtsstelle
slußaufwärts, der Stadt zu, also in
jener Richtung, nach der die drei Ang
ler ebenfalls ruderten. Eine Anzahl
Personen fuhren über und verbreite
ten auch am anderen Ufer das Gerücht,
und nun sahen die nur langsam vor
ivärtg kommenden Angler, das-, eine
regelrechte Jagd aus sie eröffnet wurde,
an beiden Ufern folgten spähende und
rufende Menschenschaaren ihrer Fahrt.
Buchhalter Kräußler bebte am gan
zen Körper, er konnte das Ruder
schon kaum mehr führen, der »Dicke«
transpirirte schrecklich, und der Affr
stent seufzte: »Wie soll das werden?
Aber gut ist’s nur, daß die Spottw
derer heute alle bei der Regatte sind,
sonst hätten sie uns längst!«
»Was giebtg denn da?« fragte einl
Gendarm, der aus seinem Dienstgangel
dem Menschenschtoarm begegnete i
»Die Männer dort«, war die in(
ausgeregtem Tone gegebene Anttoort,i
»haben eine Frau und ihr Kind ins
Wasser geivorsen.«
»Sie wollten sie ertriinlen, aber sie
tiefen um Hilfe «
»Ja: Hilfe, Mörder! haben sie gefu
fen, ich habe es selber gehört - -« i
»Und dann sind Leute gekommen
und haben sie noch im letzten Augen-;
blick acrettet.« J
Der Gendarm machte ein etwas un« .
gläubiaes Gesicht, nahm aber ebenfalls I
an der Verfolgung theil.
Jn der Nähe der Stadt beaegneten
die drei Fliiehtigen verschiedenen Kah
neu mit Sonntaggrudererm die eri
staunt auf die abgeäseherten Männer
blickten.
»Das ist nun auch ein Vergnügen!«
hiirten sie einen jungen Mann sanen,
indem er seine Kahnaenossen ans sie
aufmerksam machte.
Ein großer Kahn, in dem die Har
monita gespielt wurde. zog vorüber,
doch die sich immer gleichbleibenden
Allorde deg- Tonzieherg vermochten die
Geauiilten nicht zu erheitern. :
Beim Kahn Vermiethimgipplatze
sprang der Gendarm mit einigen hand
festen Elltiinneru in ein Boot, nnd nun
gings-J slott darauf log. s
Inzwischen hatten, durch die Zurufe ;
der Menge veranlaßt, die Jnsassen
einiger Kähne die Gehenten gestellt
und sie gezwungen, nng Ufer zu fah: H
ren. Hier wurden die Drei Angler, die
vergeblich ihre Unschuld betheuerten,
gefaßt, gepufft, getnusft und als
Spucknapf benutzt, ihr Angelgeräth
wurde in tausend Stücke zerbrochen-—
Richter Lynch übte sein Amt gewissen
haft aus.
Endlich nahte als Retter der Gen
darm, und ihm, sowie den Männern,
die ihn begleiteten, gelang es mit
Mühe, die übel zugerichteten »Mörder«
in ein Haus zu bringen. Hier nahm
er ein Protokoll auf, und ein Glück»
war es, daß das Auge dei- Gesetzes
mit richtigem Blicke taxirte.
Einge Stunden später wurden
dann die zerschundenem zerfetzten
Opfer der »Rächer der Unschuld« von
zwei herbeigeholten Polizisten nach
der Stadt begleitet. Zu Leide that
man ihnen dort natürlich nichts-, man
sdkentte den unbescholtenen Männern
Glauben, zumal das Opfer des »Mind
versuchs« sich nicht meldete.
Lange aber dauerte eg, ehe die drei
Eportggenoikn wieder einmal zum
Angeln hinaugzogen Und als dabei
Buchhalter Feräußler sagte: »Ganz
leise muß man den Köder hineinwer
feu«, erwiderte der YJiagiftratgafsiitent
mit schmerzlichem Seufien »Ja, den
Räder, aber einen « Hiöter werfen wir
nicht wieder hinein!« l
Unsere Handschrift.
Jm Laufe einer Gerichtsverhandis
lang, worin es sich um die Echtheit
einiger Dotumente handelte, wurde
ein Sachverständiger, Vorsteher einer
Schreibschule, gefragt: »Ist es wahr,
daß sich die Handschrift alle sieben
Jahre ändert?« »Ja, es ist so«, sagte
er, »aber die Aenderung ist kaum
merklich. Umstände habe einen sehr
großen Einfluß auf die Handschrift.
Eine Veränderung würde zwischens
dem 20. und dem 49. Jahre sichtbarer
sein, als zwischen dem 21. und dem
28. Und die Ursache davon? Jn sei
nem 49· Jahre hat ein Mann entwe
der Erfolg im Leben gehabt, oder
Fiasko gemacht· Mangel an Erfolg
schtoächt die Handschrift, Erfolg da
gegen zeigt sich in tühneren Buchsta
ben und Zierungen Charles Dickens’
Handschrift z. B. änderte sich in 21
Jahren. Das geschah nach seinem er
sten Erfolge. Je mehr sein Ruf
wuchs, desto größer wurde die be
lannte Verzierung seiner Namensun
terschrift. Die Handschrift eines
Mädchens ändert sich gewöhnlich nach
der Heirath.«
-—--——
Dre Friede von Portsmouth sollte
Friede von Ohster Bay genannt wer
den.
II sit II·
Linetvitsch soll froh sein. daß er
keinen Sieg errungen hat· Da braucht
er sich jetzt nicht vor ein Kriegsgericht
stellen zu lassen.
Il· sit sit
Jn Schweden nennt man einen
Plumber Vattensledingsentrepnot
Diese schöne Bezeichnung ist besonders
angebracht, wenn er seine Rechnung
einschickt.
Sie-heiterer Berühmtheit-m
Dort, wo die Wogen der Salzsee
gegen den Kai des Blasieholmshafens
heranfluthen, erhebt sich das Haus« in
dem der Asiensorscher Ser Hedim
rastloser Arbeit hingegeben, in gänz
licher Zurückgezogenheit lebt. Es liegt ;
so dicht an den rauschenden Was-i
sern, daß man bei einem Blick
aus den Fenstern des Studierzimmere
mitten auf hoher See zu sein meinen
könnte. Bücher rings an den Wän
den, darunter in Prachtbiinden die
stolze Reihe seiner eigenen Werte nnd
hier und da Erinnerungen, aus fer-v
nen Wunderliindern heimgebracht.«
Nachdem Sven Hedin über seine
letzte Reise ein populäre-:» in zwölf
Sprachen übersetzteg Wert Jm
Herzen von Asien ——-- veröffentlicht hat,
legt er jetzt mit der ihm eigenen eisers
nen Energie und entl)usiastifit;en
Selbstausopfernng die wissenschaft
liche Ausarbeitung der Beobachitnaen «
und Ergebnisse seiner Reisen in einem
tvahrhaften Riesenwert nieder, zudem
ihm der hochsinnige König und der
Reichstag bedeutende Mittel zur Ver
siigung gestellt haben. EI- umfaßt
sechs Bande von ganz ungewöhnlicher
Größe. Bei den Zeichnungen hat den
Forscher sein künstlerisches Gesetz-in
wirksam nnterstiit3t. Von den beiden
bis ietzt abgeschlossenen Banden be
handelt der erste den Taringflnszund
die Taringwiiste.
Nur ein Sven Hedin konnte die
Lösung dieser gigantifchen Aufgabe
wagen, er, der mit derselben That
trast und Schaffengsreudigteii, die
ihn bei seinen Wanderungen geleitet
hatten, auch dieses hohe Ziel verfolgt,
der nie auf halbem Wege stehen bleibt
und durchführt, wag er sich einmal
uorgenommen hat. Die Vormittags
stunden von 5bi512 Uhr sind der
Ruhe gewidmet, dann lieft er die zeit
raubenden Korrekturen, und wenn er
gegen Abend seine Wohnung verläßt,
so geschieht es nur um der fiir ein so
großes Werk erforderlichen mannig
faltigen Arbeiten willen. Seine regel
mäßigen Arbeitgstunden liegen iu der
zur Konzentrirung des Geistes geeig
netsten Zeit von 1011hr Abends bis
5 Uhr Morgens. Wenn sich auch bei
ihm die Pläne neuer Reisen entwickeln
mögen, so wird er doch dem Wander
triebe nicht eher Folge geben, als bis
das Wert beendet ist, wag in zwei
Jahren der Fall sein dürfte. Jn die
fen Tagen ist er zum Sommerausent
halt in die Schären nach Utö abge
reift, too Segelpartien einige Abwechs
lung in sein Arbeitgprogramin hinein
tragen.
Einer der hervorargendsten For-s
schungsreisenden der Geaenwart ist
auch Professor Nathorst, Direktor der
Abtheilung fiir fosfile Pflanzen im
naturhiftorischen Reichstmifeuni, fiir
dag übrigens-» wie fiir die Vllademie
der Wissenschaften, im Jahre 1907
ein eigener, imposanter Bau in der
Nähe des Thiergarteng zur Ausfüh
rung gelangen wird. Die letzten Rei
sen diese-·- durch gewinnende Liebenng
triirdigteit und edle Bescheidenheit
ausgezeichneten Gelehrten eritreclten
sich auf die nördlichsten Theile Von
Grönlandg Osttiiste, die noch von
heidnifchen Estiinog bewohnt und von
besonders furchtbarer Winterkälte
heimgesucht ist. Sein gegenüber der
Technischen Hochschule aus der Drott
ninggaten gelegeneg Heim ist ge
schmückt mit Erinnerunan an seine
kiihnen Fahrtm vor allem mit Pelzen
riesiger Eigbiiren, von denen er eine
große Zahl mit eigener Hand erlegte.
Die verschiedenen Museen haben durch
die wissenschaftliche Ausbeute seiner
Reisen werthvolle Bereicherungen er
fahren, so das lZoologifehe Museum
unter anderem durch ein Paar präch
tige Moschugochsen Hier befindet sich
auch die westlich von Spitzbergen durch
einen norireaischen Schiffer geschos
sene Brieftaube Andree5, und Profes
sor Nathorft legte mir sein-, Gründe
dar, die ihm vermuthen la·sen, daß
Anderes Ballon bei Fraitz--Josef5:
Land gesunten ist.
Andreeg Gefahrtez der verdienstvolle
Meteorologe Dr. Ectholm, glaubt je
doch annehmen zu dürfen, daß der
Ballon in der Behrendzbueht nieder-.
gegangen ist. Leider haben uns,
fiihrte er aus« von den im Sommer
1900 gefundenen fünf Schwimmkör
pern Andreeg nur zwei schriftliche
Mittheilnngen gebracht, während Ne
übriaen leer waren. Der größte, den
Andree nur dann fallen lassen wollte,
wenn er sich in der Nähe deg Nord
pols besiinde, wurde bei König-Karl
Land, der zweite an der Südkiiste Js
landg, der dritte an der Nordtiiste
Norwegeng gefunden. Der Vierte
Schwimmlörper enthielt die atthsijhri
lichften LIJiittheilnngem die, achtStnns
den nach dem am 1. Juli 1897 nni 2
Uhr Nachmittags erfolgten Anfstieg
Von Strindberg in einer Höhe von»
250 Meter niedergeschrieben und von -
den Theilnehmern der tsrpedition nn- »
terzeiehnet, in die Worte anstiingent
»Wetter herrlich, Humor ausgezeich
net.« Dann aber hat ein furchtbarer
Schneesturm den Ballon in eine solche
Gefahr gebracht, das; Andre-e seine
fämmtlichen,s je zehn Pfund schweren
Schwimme er iiber Bord werfen
mußte. Vo der Vehrendszbncht, nach
Eckholms Annahme der Srhanplatz der
Katastrophe, ist dann der Balan an
die Nordtiiste Norwegens getrieben
worden, wo man auch einen großen,
ballonartigen Gegenstand bemerkt hat.
Durch den ihm verliehenen Nobel
preis besonders in den Vorderarund
getreten ist Professor Svante Anhe
nius. Das Studiezimmer dieses noch
jugendlichen, sehr jovial und lebens
froh dreinschauenden Gelehrten geht
auf den Mälarfee hinaus. Professor
Arrbenius, dem die Chemie eine nm
Grundlage verdankt, erzählte mir,
daß er seitvier Jahren damit be
schäftigt sei, sein neues System auch
aus die medizinische Chemie, die Se
ruiutherapie anzuwenden, daF er nach
seiner in diesem Herbst er olgenden
Heirath in dem bei Mosebacken errich
teten Nobelinstitut für Chemie eine
Wohnung zu beziehen gedenke
Er ist Professor in der sogenannten
freien Universität Stockholms. Unter
ilxren Vierzia Professoren und Dozen
ten befinden sich hoch-angesehene Ge
lehrte wie Johann Beramanns, der
bekannte Vortämpfer für Abstinenz,
iu, der sich iibriqeng 5735l),(10() Perso
nen in Schweden bekennen, Und Haupt
einer von Abstinenzlekn gebildeten
Dichterschsule· Jhr interessantestes
Mitglied ist Mauritz Sterner, ein
Mauren der dem Studium in seinen
XUtußestunden oblaa, der seinem
Handwerk bis zur Ableguna sämmt
licher Graman treu blieb und jetzt
Gymnasiallebrer ist.
Dass arößte naturalistische Talent,
das seit 25 Jahren die schwedische Li
teratur wie die schwedische Gesellschaft
in Vlthcm hält, August Strindberg,
bewohnt dag- oberste Stockwerk eines
riesian Ziegelsteinbaug neben dem
Rarlavlan Eine weite, grüne, von
blendend weißen Landstraßen durch
srblänaelte, in der Ferne durch ein«
lfsjebölz begrenzte Ebene entrollt sich
lsier den Blicken des Dichters-, der in
tiefster Einsamkeit künstlerischem
Schaffen sich l«,«inaibt. Niemand theilt
niit ibui die aeräuinige Wohnung, die
ers mit Borlceve Im Glanze ihrer
sämmtlichen elektrischen Lichter er
blickt. Denn seine jede Schranke als
Kerker empfindende Natur hat auch
die dritte Ehe gelöst, die er mit einer
anmuthigen schwedischen Schauspiele
rin geschlossen hatte. Sein patholo
gisch geioordener Frauenhaß hat sich
aber aus diese seine gesetzlich geschie
dene Gattin nicht übertragen. Jms
Gegentheil scheint die alte Liebe zu
ihr. mit der er jetzt öfteer zusammen
speist, wieder aufzuflammen, und
seine kleine Tochterhängt mit großer
Zärtlichkeit an dem Vater. Der Dich
ter führt ein ganz zurückgezogenes Le
ben: des Morgens lange Spazier
gänge ans einsamen Pfaden im Thier
garten und dann den ganzen Tag
hindurch Arbeit, übermäßige Arbeit.
Nie zeigt er sich im Theater, wie denn
anch die Berichte seiner Gattin über
den Erfolg eines seiner Stiicke ihn
ganz uninteressirt ließen.
Hochaufgerichtet, eine ungestüm
trotzige Persönlichkeit, an der ein Zug
wahrer Giite jedoch wohlthuend her
vortritt, mit jugendlich blitzenden
Augen stand er vor mir, durchaus
dem Bilde entsprechend, das man sich
von dieser problematischen, Vergleiche
beinahe ausschließenden Natur zu
machen geneigt ist. Er trat aus seiner
Zurückhaltung nicht herang: »Ich exi
stire nur. wenn ich schreibe,« bemerkte
er, »ich habe meine Person ganz mei
ner Dichttunst hingeovfert und be
trachte mich als einen Verstorbenen,
dessen Stimme aus einer anderen Welt
lieriiliertönt Jch Verlange nur da
nach, meinen Schlaftvandlergang un
gestört fortsetzen zu können. Ausge
seltreett, müßte- ich fürchten, nicht mehr
träumen, d. h. dichten zu können!«
In dieser selbstgewollten Einsamkeit
wandelt er seine Pfade, selbst ganz
unaeirsiß darüber, wohin ilxsn sein
rastloier Geist noch siihren oder wei
ches Stiiet Geschichte nnd Leben er
noch mit seiner leidenschaftlicheu Ge
nialität gestalten wird.
Büchersfchickfah
Bücher haben ihre Schicksale, daö
zeigen am deutlichsten die öffentlichen
Verfteigerungen. Da sind z. B. Vor
einiger Zeit die achtzehn Bände der
achten Auflage der Euchclopaedia
Britanniea in einem kleinen seh-zitt
schen Landstiidtchen mit Hausrath
und anderen Büchern unter den Ham
mer gekommen. »Achtzehn Bände,
gut gebunden, gut erhalten, alles Wis
fenHwerthe enthaltend, nur ein Jahr
zehnt alt.« Niemand hatte den
Muth, ein erstes Angebot zu machen.
Da raffte sich ein unternehmungglu
stiger Zuschauer auf und bot drei
Pence. Und dafür hat der Mann al
les, wag vor zehn Jahren wissens
werth war, erhalten.
Ein anderer Fall. Kürzlich sandte
ein Herr einen alten, vergilbten Band,
den er vor einigen Jahren in der Aus
lcae eines Buchtrödlers gefunden
nnd für zwei Shilling getauft hatte,
in die Geschäftsstelle Sotlelvas zur
Verfteigeruna. Der alte Sctuuöker
erregte das lebhafteste Interesse unter
den Biicherkennern, Von denen A.
Jaelsnn den Band für IR« Pfund
Sterling CFFWHW erstand. Eis war
die von der Gräfin von «liennbroke,
der Schwester Sir klinlip (Zidiieys,
angefertiate Uebersetzung der »Tragö-«
die des Antonius« mit der Jahreszahl
1590.
Als im Jahre WIO die treffliche
Uebersetzung genauer Vss1r«-eit11ng,
der Nulmiuat des uerlieru lentronn
men und Tinte-es Lin-dir Filiayyam
Von Edmard Fsitiaerald erst-dem woll
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selbe Stiicl in seinem ursprünglichen
braunen Umfehlage wurde iiinctft un
ter dem Hammer in Sothehyg Ge
schäftsstelle an den jüngeren Quaritch
für 46 Pfd. Sterling (8230) Verkauft,
vermuthlich für einen amerikanischen
Auftraggeber.