Nebraska Staats-Anzeiger und Herold. (Grand Island, Nebraska) 1901-1918, November 18, 1904, Zweiter Theil, Image 6

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Rerrenloses Gut.
Roman von Oäkie Bernhard.
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FMRENEMFRÆN
Es
(7. Fortfetzung.) ·
Die Minuten, die-noch bis zum Ein
tritt der .beften Freundin« vergehen,
benutzt Elly, um sich noch einmal
stiin lich im Spiegel zu mustern —
eine Beschäftignna, die sie vorzugs
tkeise liebt. Ehrlich ist die kleine,
gbsche Person, man muß es ihr las
! Wie Hanna es ihr neulich ein
mal ernsthaft vorgehalten hatte: »Elly, »
eigentlich bist du doch sehr eitel und
ioiett!« da hatte sie nach einigem Be- (
innen erwidert: »Ja-ich bin est
bet«-— mit einem schelmischen Au
genzwintern und einem kleinen, ver-»
ügten Lachen — Jst es mit denn so «
hr n verdenten?« ;
W hanna jetzt iiber die Schwelle
tritt, ruft Clly hastig:
«Sieh mich an und sag’, wie ich dir »
Alle-Und dann will ich dich an
n und sagen, wie du mir gefällst!« !
Die ganze Elly Rede liegt in diesem s
Ausspruch.
hanna mustert das reizende rosa
kai iitchen sehr aufmerksam Sie weiß,
Elly viel auf ihre Kritik hält
etnd das mit Recht, denn sie hat einen
feinen arben- und Formensinn,
,,tiinftleri chen Blick«, wie Maxi Rode
immer betont, und Maxi ist Maler, et
muß das wissen!
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sys- Yu »Ist-, Wust
Vanna nachdriiclich. »Nur hier die
Blumenguirlande an der Taille muß
weiter nach rechts, und die unten aus
dem Kleide auch-— das wirkt besser.
Wart’, ich mache dir das gleichk«
»hab’ ich das der Schmegans, der
Emilie, nicht gleich· gesagt« rust Ellh
rnig. »Aber nein-— und nein —
f: muß es bleiben! Du gutes
Mem Zerdrüc’ dein Kleid
hanna hat sich auf den Boden nie
dergekauert wobei est um sie her von
neuer Seide rauscht und knistert —
mit ein paar raschen, geschickten Grif
fen drin t sie die Sache in Ordnung.
Cllh mu tert sich von neuem sehr lange
im Spiegel:
Hex wirklich, es ist viel besser!
Tau nd Danl!«
Nun erst hat Elly Augen für ihre
Freundin
»Komm daher, laß dich anschauen!
Wir haben noch viel Zeit vor uns, du
bist himmlisch früh gelommeni Jetzi
haft du wieder dein süßes, verscham
tes G’sichtel, o du gutes Seelchen!«
«Ja, du weißt, mir ist ei immer
peinlich. so zur Schau zu stehen —
selbst vor Papa und Mama——selbst
vor dir!«
»Pu- gar nicht!« erklärt Elly la
Etlvas blaß erscheint das Mädchen
in dem zartgriinen Seidenlleide, das
von einer leichten Silberwolte über
rieselt ist. Das dunlle Köpfchenl
trägt leine Blume keinen Schmuck
aber die gelocte Frisur stimmt gut zu
der needrigen Stirn dem seinen Pro
fil, den gradgezogenen Brauen. Seit
wärts im Gürtel siect eine Wasserrofe
mit grünen Blattern — weiteren Auf
Pus hat das Kleid nicht.
»Stilvol1 —- sehr stilvoll!« meint
Ellh. »Ganz im Jugendsiil gehalten!
Ich würde in dem Anzug nach gar
nichts aussehen» .fiir dich ist er wie
gewisse-it- .
Danna nahm diese Beurtheilung
lächelnd entgegen. Sie dachte, daß sie
sich wiederum in Ellys rosiger Seiden
und Apfeldliithenpracht nicht würde
sehen tonnen . . . »ein-Z schict sich nicht
fiir allei«
st du kein Bukett, Hanna?«
« ein! Wer sollte mir eins schicen2«
»Wer? Na, Maxi hats mit Gewalt
thun wollen, aber weil ich deine Tei
iette nicht gemußt hab’, hab' ichs ihm
ausgeredet «Denl’,«we«nn du zu dem
amp un France-nimm verommen
hättest oder Gloire de Dijvn!'«
»Aber du hast schöne La France
Liosem Elly!« Hanna sah nach den:
geaziös gewundenen Bulett auf dem
mißumhangenen Toiletteniisch.
»Natürlich von- ihml Der arme Kerl,
wie er’s wohl ansängi, aus seiner
lumpigen Obetleutnantsgag’ all die
Blamensiräuß’ zu bestreiten! Selbst
tsedend bestreitet er sie nicht, et nimmt
sie auf Pump, der süße Kerl der! Gib
nat acht, wie goldig er heut’ wieder
ausfchanen wird! Die Augen von dem
Radi, die haben mir’i rein-weg ange
than — nnd lkieg’ ich ihn nicht« ich
gely direkt in die Jsar!«
ann- mußte lachen. Dieser blonde.
to ge Kind-stopf, in Seide und
Spi n, lachend, schäternd —- und als
Jmt aiivn dann der Sprung in die
Jiatl
Hoffentlich kontmt’s nichi dazu,
und die Eltern nehmen Vernunft an,
wenn sie erst einsehen, daß das mit
dem Cotia nichts ist, weil vor allen
Dingen er mich gar nicht wird haben
stellen! Du, hannetL entsinnst dich
noch auf den Cotta und sein »Gewiß
fes-S geli? Natiitlich — so ein Kunst
wer. wie du biß! Also komm badet,
fes dich zu mit —- aber vorsichtig.
M zu rasch, damit wir die Reben
Wierdriickent Nun will ich die das
m des-Cato ers-TM . spa- ver
sz . » t— . M
START-«- 2« W
swi ei Wink Ins-i
—
»Das ist einerlei! Also dieser Cotta
—du. schön ist er aber gar nicht, ich
habe ihn neulich im Maximilianeum
!gesehen! Längsi nicht mehr jung und
nichts Künstlerisches in der Erschei
nung und iein Schneid und gar nichts!
Wenn ich meinen Rudi dagegenhalt’ —
diesen bildsauderen Menschen —«
« »Er wird doch gescheit aussehen?«
» »Mein Rudi2 Natürlich thut er
das -- oder hast den Cotta gemeint?
Nu fix-dumm schaut er nicht drein
. . . aber sonst . . . wie der den Weibern
so gefährlich sein soll, das ist vorläu
sig meinen Augen verborgen!«
»Ist das denn wirllich der Fall?«
« r Maxi sagt’s doch! Jn Rom
sind die Frauen schrecklich liederlich!’
Ich sag’ dir, ich hab’ im Maxi seine
Schubladen Briese gesunden —- duii
Jtalienische und stanzösischt und
deutsche — englische waren bloß we
nige.«
»Aber wie kannst du das lesen?«
»Wenn er doch die Schlüssel stecken
läßtl Und Spaß macht’s tolossalent
No, unser Maxi ist ja nun auch keine
Schönheit — bloß eben jung — tönnt’
dem Cotta sein Sohn sein-der ist
ia schon über die vierzig weg! Also in
Rom, da stellen die Damen was aus
mit ihm — die Einladungen regnen
Spuk-ihnt herzlz und die voxnebmsten
.--- »L-—
Jesus( sey-use seu- uvt lqus aus« Vusuuk
Sachen macht er, das ist wahrt Maxi
hat ein paar Photographien —- ich
toerd’ sie dir mal später zeigen —du
tritft Augen machen, sag’ ich dir! Sein
Atelier, das soll was Wundervolles
sein —- in der Via Margutta natürlich,
da siden sie alle. die römischen Künst
ler — eine Sehenswiirdigteit des neuen
Roms, und das will schon was bedeu
tenl Max-i hat den Cotto fiirchterlich
gern, er sagt, et ist eine richtige be
deutende Persönlichkeit, ein nobler
Charakter, dabei ein samoser Kame
rad, ganz schlicht und lustig, ohne Ar
roganz. Er soll viel Geld für arme
Maler und Bildhauer hingeben. das
heißt dann bloß, wenn er was von
ihrem Talent hält —- den anderen, die
sich nur etwas eindilden« und nichts
können, denen gibt er das Reisegeld,
wenn sie zu ihm kommen »Geh hin,
mein Sohn, und sündige hinfort nicht
mehrt« soll er zu ihnen sagen... er
meint, mit Meißel und Farbe sündi
genl Jst das nicht possirlich?«
Hanna nicktr. Sie hörte mit ganzer
Seele zu.
«Sein schönes Atelier in Rom, das
hat er einfach einstweilen zugeschlos
ten und will sich hier unterdessen eins
miethen Er verdient ein großes Stiicl
Geld, die amerikanischen Nabolsstaus
sen viel bei ihm-da sind denn auch
die Preise danach! Die Frauen hat er
siesig gern, sagt Maxi, aber nicht
zum heirathen, bloß zum Amiisement.
Er hat geäußert, ein Mensch wie er
taugt nicht fiir die Ehe-sum da mag
er recht haben, und die vielen Weiber,
die er kennt, werden ihm just teine
hohe Meinung oon unserem Geschlecht
beigebracht haben! Unter denen. die
s in Rom am haufigsten mit ihm qesehen
worden sind, ist nun eine, die sie dort
alle einfach die polnische Gräsin nen
nen, weil sie nämlich einen Namen
hat, bei dem man sich dreimal die
Zunge zerbricht, eh’ man ihn heraus
betommt — cz —und sz—— und h-—
na, kurz, scheuszlicht Sie ist übrigens
keine Polin von Geburt, sondern eine
Deutsche, aber schon als ganz junges
Ding nach Warschau gekommen und
leinigen Jahren Wittwe, wohlhabend,
unabhängig, tinderlos, viel aus Rei
sen, vorzugsweise in Rom, das heißt,
wenn Cotta aerade da ist. Geht er
mal anderswo hin, dann geht sie auch
anderswo hin, bloß niertwiitdigerweise
immer aerode dahin-. wo er ist. Sie
syll eine schöne Frau gewesen sein,
Maxi sagt, man sieht es noch, aber sie
wandelt doch schon start aus den Nai
nen von Karthagv. Die internatio
nale Aristotratie dort in Nein soll sich
herrlich über das Verhältniss der bei
ten amüsiren —- nämlich eigentlich ist’s
gar tein Berbältniß, was man so
nennt! Ec, der Gotte-, soll jedem Men
schen, der’s hören will, erzählen, er
habe die Gräsin Cilly —Abtiitzung
von Cäcilia —- sriiher sehr geliebt,
aber damals sei sie siir ihn nicht zu
haben gewesen —- und bei seinem Ab
scheu vor der Ehe wisse er auch nicht
zu sagen. ob er sie selbst damals ge
ieirathet haben würde. Und jetzt, da
sie ganz- sicher zu baden- sei, habe er
sehr viel Freundschast siir sie, so viel,
Daß sie ihm sast unentbebtlich sei und
er sich sehr steue, daß sie so viel bei
sammen sein könnten . .. aber diese
Freundschaft nöthige ihn ganz und
gar nicht zur Ehe mit der Grä in, er
bebe ihr dies ost und ost sei t ge
sagt, sie sei ei zufrieden, und tie lie
serten der sensatipnsliisternen Welt
nichts weiter, als den Anblick eines
Geistes- und Seelenbiindnissei zwi
schen wei sreien Menschen, wie man
es ni t alle Tage in sehen bekommt«
Ich finde dabei nichts zum amiisis
ten und lachen!« bemerkte hanna
ernsthaft
«Rctiirlich nicht — mil du wieder
ehe« Dort ans Seen und
Judex-gew. dsn lieber Rat-et
IaIlser der Mart sagt, wenn nitin dein
Eotta auch seine Gesit nWort siir
Wort glaubt —- denn lge but er
nicht —- init ihr, der polnt Ora
sin, ste ’s ganc anders geäkøbbrennt
noch lt terlob iir ihnen Künstler und
siimint bloß in eine Geistes- und Gee
lenbundtbeorie ein, weil sie nicht an
ders kann, weil sie ihm aus diese Weise
wenigstens nabe bieiben bars, »als
Freundin« — wen-n sie andere An
fpkiiche an ihn neu-u mate, würde sie
ibin sosort lästig fallen, und er würde
sie zum Teufel schicken. Maxi meint,
es ist tein Zweifel, daß er schon zu
Lebzeiten des Grasen mit der schönen
tEIN ein ganz gehöriges Techtelinech
c —
,,Du sokltest so etwas gar nicht nach
sprechen, und ich sollte es nicht an
hören!'· unterbrach Hanna die Redne
iin; sie war plößlich bis zur Stirn
errötbet.
»Na, hör’ mal, bannen was stillt
dir jetzt ein? Spiel’ dich doch nur ja
nicht aus das Baby von vierzehn Jah
ren aus-—- nein? Darfst auch nicht gar
zu prüde und unschuldsvoll sein« ..
weißt, das wird den Leuten auch lang
ireilig, so ’ne» sittsame weibliche Tu
aend!«
Hanna lachte, aber es kam etwas
gezwungen heraus, und sie war in
ihrem Jniiern seltsam betroffen. Sie
hielt sich nicht siir unbedeutend und
langweilig — durchaus nicht! Wenn
sie aber den Menschen so erschien»
konnte sie es ihnen am Ende derben
ten? Sie verschloß ihr Empfinden so
sorgsam in sich, gab sich so wenig,
war und blieb zurückhaltend, selbst
. wenn man sie suchte —- durste sie sich
wundern wenn die Leute bald dessen
Jiberdriissig wurden und sie schließlich
stehen ließen Sie hielt sich siir wertty
voller, als Elly zum Beispiel» .aber
wie war die immer von Herren um
. iingt, wie drängte man sich um sie-—
lwie mochten selbst die älteren Damen
sie gern, wenn sie auch dies und das
an der kleinen, vorlauten Person zu
H tadeln fanden! Ellh that und sprach
’ und las sehr vieles, was hanna ganz
unpassend sand, sicher .- aber lang
"weilig würde sie niemand nennen
während sie mit all ihrer Tugend-haf
tigteit..
! Ach es war auch nicht das, was sie
leben seht so erregt hatte —nicht das!
! Sie wollte keine vorgefaßte Meinung
Jgegen Willsried Cotta haben — sie
wollte ihm unbefangen gegenübertre
ten! Und wenn er sich gar nicht um
sie iiitnnrerte und kaum ihren Namen
bei der Vorstellung hörte und sie nicht
in die geringste Beziehung zu ihm
trat gleichviel! Er war ein be
E riihmter Künstler, den sie bewunderte
und verehrte und es that ihr weh,
geradezu weh teinen unbefangenen
Eindruck von ihm entgegennehmen zu
ltönnesu fein Bild verzerrt und ent
stellt zu sehen. Die Künstler waren
teine heiligen, das wußte sie, und sie
hatte sich auch diesen großen Bildhauer
nicht als Heiligen gedacht-aber sie
niinschte inbrünstig. Ellh hätte ihr
teine Details aus seinem Leben er
zählt!
Nun, das tonnte sie nicht ausspre
chen. Löcherlich machen wollte sie sich
vor Ellh nicht, und sie wußte, das
soiirde geschehen, wenn sie ihr Empfin
ten verriethe — ganz davon abgeseixgn
daß sie fast nie in tlaren Worten S
auszusprechen vermochte, was sie rn
nerlich bewegte. So war es schon dem
Kinde Hanna Piotrowsth ergangen
-—— dern neu hnjiihrigen Mädchen er
ging es eben o.
Es pochte distret an die Thiir —
Emiliens Kopf erschien unter dem
blaugriinen Vorhang
»Die jungen Damen möchten in den
Salon niibertommen — bitt’ schon
um Cntschutdigungt Gniidige Frau
la ,en herübersagen, es wären die
erten Gäst' soeben angetomrnens«
»Was fiir Gäste, Ernilie?« fragte
Cllh interessirt. «Miinnliche?«
Emilie lachte.
»Den und Frau Bantdireltor -—
und Frau Präsident und die Iriiul'n
Gertig —"
vGottes willen!« seufzte Ellh. »Das
ist sa ein bielversprechender Anfang!
Wer noch?«
rr von Miedinngu
» tel Arthuri n also- hilst’5
Wichti: auf, auf, zum fröhlichen Ja
—s
gen! Wie seh' ich aus, Emilie?«
»Bildschön, gnä' Fräul’n!«
»Emilie, Sie sind Partei! Hör« du,
hanna —- Ontel Arthur wird sich
heute bis-trete Mühe geben, mich an
diesen Cotta heran zu bugsiren —
naß aus! Cz wird ein Schauspiel ab
geben, Götter und Menschen zu er
sreuenl Zu gut! Wenn ich mir's
überlege, wie mir alle berühmten
Bildhauer der Welt gestohlen werden
könnten, und ich hab’ keinen anderen
Gedanken, wie meinen Rubi, und dern
sein tleines Fingerl ist mir lieber, wie
alle Künstlerhände zusammen . . . und
jetzt kommt so ein braver, alter Onkel
daher und hat «Pliine« rnit unsereinem
. hast du Wortes«
Alles dies wurde hastig in Hanncks
Ohr geslüstert, während die beiden
Mädchen ans sltichtigen Füßen durch
den breiten, hellerleuchteten Korridor
huschten. Eben schrillte wieder die
elettrtsche Glo4e. .neuer Besuch! Jsm
Solon kamen den Eintretenden Ellyi
Brüder en gen, der schlank, hoch
teutnant —- der viel
liebte Rndt war dessen intinier
Fee us —- und der ewtas unterseIt
siebenteve Maxi, der eine höchst unter
ha,tte bet kann-U
Richtig-de Wgen- Leise »Seit-einst HCsCLte
nndtne n smmentniss
Idnrste sich Mastg den Gegenstande
-.-.—--.-..,
feiner Vewun nicht Minnen
denn es galt fiir i n, die Thiir im
Au e zu behalten, um Cotta abz
pa en. den er seinen Eltern vor a
Dingen vorzustellen hatte —- denn na
tiirlich hatte der geniale Mann sein
Wort gehalten und leinen Besuch im
Rode’schen hause gemacht-nur zwei
Karten hatte er hingeschickt, das sah
wenigstens nach utem Willen aus.
Rasch füllten ich die hübschen, e
räumigen Zimmer-. Es fand ich
liiemlich viel» Jugend zusammen, und
Ellh slgtterteldald hierhin und dort
hin, fast immer ihre hanna an der
Hand hinter sich lxrziehend Jn Hanua
war ein eigenthiimliches Gefühl wach
geworden, seit sie diese hellen, ge
schmückten Röume betreten hatte —
ctwas bang Erwartungsvolles, wie sie
es als Kind gehabt hatte, ehe sie den
Weihnachtsbaum und alle Geschenke
zu sehen bekam und sich mit klopfen
dem herzen fragte, ob sie auch ihr Ge
dicht ohne Anstoß würde herfagen tön
nen. Umsonst, daß sie sich sagte, diese
Freude sei völlig unbegriindet, es
werde eine Gesellschaft sein wie jede
andere... das erwartungsvolle Ge
tühl war da und ließ sie nicht los,
während sie sich alten Damen vorstel
len ließ, Ellys Freundinnen begrüßte
und mit höflichen jungen herren
Wechselreden austauschte. Sie stand
jeßt inmitten einer Gruppe junger
Leute im Boudoir der Hausfrau,
einem sehr hübschen, in mattgelb und
Silber gehaltenen Raum . . . daher
tonnte sie nicht sehen, wie eben jeßt im
Solon Maxi Node wie ein Stoßvogel
auf einen großen, brünetten Herrn
zuschoß, ihn freudeftrahlend beim Arm
packte und zu seinen Eltern führte,
denen er den Ankömmling feierlich
präsentirte: »Den Professor CottaH
aus Rom!«
Viel-n Dank Gnkihinfte Ahnen
desgleichen, herr Rode, daß Sie mir
erlauben, an Jhrem hübschen Fest
theilzunehmen, ganz unbetannt, wie
ich nen bin —'·
. Dorne Cotta ist niemanden
unbelannt, der nur das geringste Jn
teresse an den heutigen Kunstbestw
bangen nimmt!« beeilte sich Frau
Rode, eine noch hübsche, blonde Frau,
yerbindlich einzuwersen »Bei meinem
Mann und mir ist dies Interesse
selbstverständlich ein sehr großes, schon
durch unseren Sohn angefacht, der
uns gar nicht genug von -hren herr
tichen Werten, herr Prose or —«
»O, nicht doch, Gnüdigste, ich
bitte!« Wie ost in seinem Leben hatte
der WeiMe schon Phrasen dieser Art
anhören und abwehren müssen! »An
Jhrem Sohn übrigens werden Sie
noch, will’s Gott, Freude erleben. Er
macht sehr gute Sachen, der Maxi,
et hat« im letten Jahre namentlich,
eroße Fortschritte gemacht und tolos
al biet in der Technik wegbelom
men!"
»So?« suhr Maxi dazwischen. über
das ganze Gesicht lachend. »Aber.
Meister, das haben Sie mir selbst
bisher noch gar nicht gesagt!«
»Hab’ ich nichts Nun, dann sag’
ich’s jetztl Kommen Sie nur, Maxi«
— neu angetommene Gäste wurden
den Eltern von ihrem Sohn, dem
Oberleutnant, zugeführt —- »lassen
Sie’s einstweilen genug sein mit dem
Vorstelleni Postiren wir uns hier in
diesen stillen Wintet am Fenster, und
lassen«s mi a bissel ausschnausen!«- ?
Cotta hatte lange Zeit in Wien ge- T
lebt und sich den gemiithlich klingenden!
österreichischen Dialelt angewöhnt. »
Nur zu gern gehorchte Maxi; er.
lonnte es aber nicht verhindern, daßi
ein paar seiner nächsten Freunde sich.
mit dazu gesellten. Einer von ihnen, s
ein tüchtiger Kunsthistoriter, warCotta «
bereits bekannt, die zwei anderen, ein
Mater und ein Kupferstecher, waren
ebonene Münchener und hatten sich
r deshalb bereit finden lassen, das
heutige Fest mitzumachen, weil sie
Aussicht hatten, den «großen Willsried
Gotte-« anzutreffen.
»Gut nicht schön —- üingst nicht
mehr jung — nichts Künstlerisches in»
der Erscheinungs« So hatte Ellh Rade
vor einer guten halben Stunde den
berühmten Mann charatterisirt, und
siir den oberstächlichen Beobachter
hatte sie recht. Sehr viele Menschen
aingen ohne weiteres an Cotta bor
iiber, ohne sich nach ihm umzuschauen
vier etwas Besonderes an ihm u sin
Jbem Erscheinung Haltung, ante
ken, min net agent-tote aus oem
Rahmen des gewöhnlichen Gesell
schaftsmenschem und nu: tret ein Stu- ’
dium aus den Menschen machte, konnte
an dem seinen, Ipöttiichen Munde, an
dem geistreichen Z unt Stirn und
Augen eines jener ndividuen erken
nen, die viel zu lagen, viel zu ver
schweigen wissen. deren Umgang einen
Gewinn bedeutet.
Cotta hielt die ftahlgtauen Augen
meist halb schlossen, auch hatte et
sich, »un! be er zu sei-ein« ein leichtes
linzeln angewdhnt, das seinem Ge
sicht häufig einen ungewollt hoch-nöthi
gen Ausdruck gab.
»Seht erfreut, meine herren!' Er
schüttelte kräftig die idin entgegenge
ltreckten höndr. «Lassen wir einst
weilen die schönen Frauen und die
tleinen Mädchen». die laufen uns
nicht davon, und niemand entgeht be
kanntlich seinem Schicksal! Uebrigens.
Jln München in allen Eheent Ich
hed’ in den paar Tagen auf meine-:
Schlendeegängen durch die Stadt und
rie Ga iganlagen so viel bsches
Weil-l s getroffen, daß i meine
helle ceuV dran half haben müsset-IF
» detee Typus, wie det römische,
wasc« meinte der Kupfer .
»Ich —- lvsien's tni aus 0 ’n tö
e
»i—
mischen Typust Wenn Sie heut
ta I durch Itom loaeieren laun
egen Sie verhält smiißig ten zu
sehen —- M i, half irch rechti
Rom —- ich bitt' iei Mal ist da
alles zagen-andert, was bat sich da
alles niedergelassen durcheinanderges
mischt! Wer nicht lang dort lebt und
sindig ist, was siebt der von der wirt
lichen römischen Beoiilterungi So
gut wie nichts, weil der lolossale
Fremdenvertehr alles vertvischt, über
fluthet! Jnternationales Touristen
treiben —- das ist die Signatur von
Rom für den, der es nicht ganz genau
ienntt«
»Ist es also wahr, daß Sie ganz
von Rom fortgehen, ganz bietbleiben
wollen, Herr Professor?« fragte der
junge Maler.
»Ich sort von Rom? Jch mein Rom
l-eklassen? Ganz in Deutschland leben?
Fällt mir im Traum nicht ein . . . aber
auch nicht im Traum! Was Rom
mir ist —was die Stadt mir bietet
. .. . das ist und bietet mir teine —
teine aus dem ganzen Erdenrund!
Mögen die Leut’ doch alle dahertom
inen Und schwatzen, das sei überwun
dener Standpuntt, und die traditio
relle römische Schwärmerei sei lächer
lich heutzutage nnd gehör’ gar nicht
i mehr in ein richtiges Künstlerleben
hinein —- es thät's viel besser ohne das
.. . bei mir thut’s es nicht —zu mir
gehört Rom und der Römertultus,
und wer etwa darüber lachen will-—
schönt Jch geb’s ihm srei —er bat’s
umsonst! Der Maxi tann mir’s be
zeugen, trotzdem er sich bloß ein ein
ziges armseliges Jährchen die römische
Lust bat um die Nase wehen lassen —
und was will ein Jabr sagen fiir
Roms Aber ne Jsdee hat er dennoch
bekommen was für ein unvergleichli
ches Leben das da ist in der ewigen
Stadt — und wie’s den Künstler, den
Bildhauer zumal, packt und zuerst nie
derwirts in den tiefsten Abgrund und»
VATM doch Wicvck Wie mit iüUchV"
Fäusten in die Dis reißt, wenn er
anfängt, die Anti e sehen und ver
itehen zu lernen! himmelosatra, was
steh’ ich hier und mach’ den Prediger
in der Wüste! Kommt nach Rom, alle
Zusammen. . . und wer Augen hat zu
sehen, der sehe!«
Entsetzung folgt.)
Op
»Jenseits-ein«
Berlin, Mitte Oktober. Mit
dem Anwachsen der heutigen Riesen
heere machte sich die Rothwendigteit
immer mehr geltend, die einzelnen
Hauptglieder untereinander, besonders
aber mit dem Oberbefehlshaber durch
schnellere Nachrichten - Uebermittler
zu verbinden, als Meldereiter, Rad
fahrer u. s. w. sie darstellen. DieDraht
telegraphie ist besonders in den letz
ten Jahrzehnten derart verbessert wor
den« daft sie sogar an den vordersten
Kavalleriespihen mit Erfolg benutzt
werden kann, und wo aus irgend wel
chen Gründen ihre Verwendung aus
geschlossen war, hat nicht ohne Erfolg
die optiiche Teleraphie, nachdem sie
durch die Draht-k legraphie fast voll
ständig aus der Reihe der militärischen
Hilfsmittel verdrängt worden war,
neuerdings in den verschiedenen Ar
ineen wieder mehr Aufnahme für die
entstehenden Liiäen gesunden. Aber
beide Nachrichten-Senkt haben neben
ihren rohen Vorzügen auch wesent
liche achtheile. Die Stationen der
Drahttelegraphie vermögen infolge des
Aufenthalte-L welchen die Le ung der
Leitung hervorruft, bei schne en Ode
rationen diesen nicht in dem gewünsch
ten Maße zu folgen, ganz abgesehen
davon, daß die Drähte empfindliche«
Stellen fiir gegnerische Unternehmun
gen darbieten·
Die optische Telegraphie ist in ho
hem Grade abhängig Von der Witte
rung, denn Nebel, Regen u. f. w. schlie
ßen ihre Anwendung vollständig aus.
Hier tann die JuntewTelegradhie er
gänzend ein reifen, weiter wird von
ihr nicht-J gefordert Denn daß diese
tieueste Nachrichtensender, sowohl
Drahttelegraphie wie optische Delegras
phie vollständig verdrängen tönne, wie
zu Anfang vielfach angenommen wur
de, daran denkt ietzt niemand mehr,
da auch der Funken-Telegraphie noch
manche nicht zu beseitigende Nachtheile
anhaften. Diese bestehen zunächst in
der geringeren Telegraphie-Geschwins
digtett gegenüber der Dra ttelegra
tihie, dann aber vor allem in in Um
» stande. daß es ur Zeiknoch tein abso
»L!.13.t?:«!--«L JFOLHLIEZ en se .ka
i
Unchlh WI Us( Ilgclscu Uns cui-Ich «
durch andere mitgeiesen werden« denn
; selbst die sogenannte Abstimmung ver
sagt, wenn an Stelle des etwa nicht
mehr ausnehmenden Morseschreibers
der Hörapparat benutzt wird. Dieser
ist so empfindlich, daß er aus alle siir
die Funken-Telegraphie in Betracht
kommenden Wellen ohne weiteres an
spricht, gegen ihn giebt ei teine Ab
Itarnmung
Etwas günstiger liegen die Verhält
nisse gegenüber dein zweiten bedeuten
den Nachtheil, welcher darin besteht,
daß ein iinbesugter den Teiegranims
vertebr zwischen zwei Stationen durch
absichtliches Da wischengeben non
sankenteiegrapbis Zeichen stören
kann. Die Gesellschaft Telesunten,
entstanden durch die Fusion des Sy
stems Stabe-Auch bat durch einschnei
dende Ver essernngen diesen Uebel
stand wesentlich berabgernindert. denn
sie ist mit ihren Apparaten im Stande,
bei nur 5 pCt. Wellen-Unterschied eine
seindiiche Störun ab schalten. Das
Mittel besteht in e ner oichen konstrui
tiven Aussiibrung der Sendes und
Empfang-Apparate, daß d e eine
ichs-se eränderung der aus andten
und aufzunehmean elettri cheu
Schwingungen etmäg glickcäh Derin
liegt die Ueberlegenheit S stern
Telefuntem welches bei den pers
tionen in Deutsch-Südwesiafrila seine
Fenertaufe erhalten wird.
Die deutsche beeresleitung war die
erste, welche die Bedeutung dies
neuen Hilfsmittelö fiir die Kriegf h
eung in richtiger Erlennunf so hoch
einfchätzte, daß sie bereits rn Jahre
1902 eine sahrbare Funkentelegras
phen- Anlage der »Gesellschaft für
krahtlose Telegraphie, System Pro- -
fessor Braun und Siernens und hals
ie« in Gebrauch nahm. Diese bewahrte
sich in den Manövern außerordentlich
gut. Mit dem MorsesSchreih-Appa
rat arbeitete die ctation noch sicher bis
auf zwei Tagemiirsche, mit dem Ost
Apparat auf 3——4 Tagemiirsche. Die
Apparate der schon oben genannten
Gesellschaft Telefunten erreichen mit
dem gleichen Energie- Aufwand die
doppelten Entfernungen, was die end
eniltige Einführung dieses Systems in
die deutsche Armee zur Folge gehabt
hät.
Während bei dem früheren Sy ern
die gesammten Apparate einer ta
tion auf einem vierriidrigen, von sechs
Pferden gezogenen Fahrzeug, dessen
Vordertvagen mit dem Hinterwagen
nach dein Protzensystem verbunden ist,
·mtergebracht waren, vertheilt Tele
fnnten alles auf drei Kein-n rnndnkch
die Möglichkeit geschaffen wurde, daß
die Station in beschleunigter Gangart,
auch außerhalb der gebahnten Stra
ßen, den Trup nbewegungen zu fol
gen vermag. «ese Anordnung wird
ter Funken-Telegraphie ermöglichen,
auch bei einem Gebriegstriege oder bei
liebersee-Expeditionen in Verbindun
mit der Matine und Verwendung bet
einein Landungscorpö von erheblichem
Nutzen sein.
Die Karten sind zweirädrig, mit
Tonnetschen Rädern, eisernen Acher
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und starten Federn ausgerüstet. Sied-·
werden vom Bock Ffahrem der ausser
dem Führer noch für einen Mann der
Bedienung Platz bietet. Die drei Kar
ren einer Station führen die Bezeich
nung: Kraftlarrem Lipparatiarrem
Geräthetarrcm Der Krafttarren ent
hält die Strom-welle, bestehend aus ei
nem Benzinmotor von etwa 4iiP, di
relt geluvpelt mit einem Wechselstroms
generator von etwa 1 Kw. Nu -
leistung nnd der Erregermaschine. e
Kühlung des Motors geschieht durch
Wasser-, welches in einem oberhalb dek
Benzindynamos aelagerten Behälter
ixsitgefiihrt wird. Die Ciriulation des
Wassers wird automatisch durch eine
tleine Zahnradpumre bewirkt, und
das Wasser durch ein Rippenrahrshs
stem und durch einen Ventilator ge
tiihlt. Tsas zum Betriebe erforderliche
Benzin wird in einem neben dem
Wassergefäfi gelagerten Behälter von
etwa 30 Liter Inhalt mitaefiihrt. Der
Inhalt ist so bemessen, daß er für ei
nen etwa 30-stiindigen ununterbroche
nen Telegraphendienst ausreicht.
Die Zündung des Motors ist elets
triscki, Kerzenziindung mit Atlumulai
torenbetrieb. Die Zunderallutnulatos
ren werden von dem Erregerdynainos
des Wechselstromgenerators automa
tisch geladen. Der Apparattarren ist
durch ein Gefiell in wei Theile ge
theilt und enthält die — nde- und Em
pfangs-stlpvarate. Die Grundlage des
ganzen Systems bildet das System
des Prof. Braun und Siemenö und
Hals-sie Jm vorderen Theile des
Kartens, vor Beriihrung geschützt, lie
gen die HochspannunassA parate: der
Jnduttor, die Flafchen- atterie mit
Kraut-etlichen mehrfach untertheiiter
Junlenftrecte und Hochipannugstransi
farmator. Letztere drei sind durch ei
ne herausnehtnbare Klappe an der
Seitenwand leicht zuanäglich emacht,
sodaß ein Auswechfeln von zlaschen
und Verstellen der Funtenslrecke be
auem bewrtstelligt werden kann. Jm
hinteren Theile liegen auf dem Boden
der Morsetaster und aus einein gut fe
detnd gelanerten Brett zwei Ein
piangsstöpseh sowie ein Gegenge
wichtsumschalter mit zwei hebeln an
gebracht. An der einen Seitenwand
befindet fah der Hör-Apparat mit elels
irolytifchem Deteltor und Telphom
Der Geräthlarren ist zur Aufnahme
des Gasbehälters und des erforderli
chen Schanzzeuges, sowie der Ballons
und eines Reserve-Beniin-Reservoirs
lrftinnnt Die Ballonc dienen zum
Hochnehmen des Luftdrahtes bei
I
windstillem Wetter, während fiir den «
gleichen Zwecl bei bewegter Luft ein
Leinwanddrachen am Oberbau des
MUSIA Ins-I« Ist-s msOsI4III fass III-h
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Zur Bedienung einer derartigen
Station sind auf dem Mariche und
Leim Betriebe insgeiatnnit erforder
lich: 2 Offiziere,2 Unterossiziere, S
Mann, wobei eine Ablösung für den
Betrieb vorgesehen ist. Der Aufbau
der Station nimmt höchstens 10 Mi
nuten in Anspruch unb in ber gleichen
Zeit können die gefamnrten Fahrzeuge
marschbereit sein« Diese Schnelligkeit
in Verbindung rnit dem Fortfall jeg
licher Leitung macht dieses Susten- be
sonders fiir die so nothwendig, aber
bisher noch nicht ermöglichte Gefe ts
relegrapiiie geeignet, wobei als be on
kserä günstig zu berücksichtigen ist,-daß
die Stationrn den Vertebr mit einan
der aufnehmen tönnen, ohne ihre bei
drrfeitige Stellung vorher zu kennen.
SO—
Jede neue Entwöhnung von einein
Bedürfnis ist ein weiterer Schritt sum
Glück.
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Die beiiebiefie Modeirnnthett« fau
ter Leute heißt «Ueberanitvengnng«.