Nebraska Staats-Anzeiger und Herold. (Grand Island, Nebraska) 1901-1918, August 26, 1904, Zweiter Theil, Image 13

Below is the OCR text representation for this newspapers page. It is also available as plain text as well as XML.

    W
Mike, der Wolf-formen
Momenthilder aus dem Westen, von
D"r. Gerhard
Sechs Stunden war ich bereits im
Sattel, langsam sanl der gluthrothe
Sonnenball hinter eine Welle der Rol
lingsPriirie Süd-Daiotas, unheimlich
lange Beine zeigte der Schatten mei
nes Bronchos aus dem sandigen Bo
den; müde waren wir beide, mein
»Billh« und ich, und aufmerksam hielt
ich Umschau nach irgend einer astli
chen Farrn,«wo ich mit meinem ferde
sür die Nacht einen Unterschlups sin
den tönntr. Endlich erblickte ich im
Süden, als ich gerade aus einer Hügel
welle angelangt war, gegen den hori
zont sich abhebend etwas, was einer
menschlichen Behausung ähnlich war.
Jch ließ meinen Billh schneller aus
greisen und tam dann auch bald zu der
Gewißheit, daß eine Form vor mir
lag. Allerdings vertrauenerweckend
sah mir diese Niederlassung nicht aus;
ein deutscher Farmer war es ewiß
nicht, der dort wohnte; sicher hauste da
ein Sohn der Grünen Jnsel, ein
. »l!irischer", wie die Deutschen den Ir
),- länder drüben nennen.
Jch hielt vor der Hütte an, mein
lautes Hallo fand erst leinen Wider
hall. Endlich rumorte es im Innern.
und der Bewohner erschien aus der
»Porch« (Veranda, welche jedes noch
so einsacheFarmhaus besitzt) mit der
tnurrigen «rage: ,,What’s the mat
ter?" bös ich gab ich ihm mein Be
gehren kund, aber erst nach einer miß
trauischen Musterung meiner Person
lud er mich ein, abzusteigen, und hals
mir, meinen Broncho in dem Stalle
unterbringen; einen Arm voll Heu
. nebst einem Duhend Maistolben wars
, er meinem Billh in die Krippe; der
aber schnaubte und prustete, stampste
ärgerlich mit den Vorder-süßen und
schaute sich mit zurückgelegten Ohren
, argwöhnisch nach allen Seiten um,
nbss III ist«-II flfssmnfxl 's san-II »Ob«-If
i
;
It
--x «—-—--—« wesw
tig hungrig sein mußte. sz sah von
dem so ei enthümlich sich ge ahrenden
Pferde au den Jrishman, der grinsend
meinen seagenden Blick mit dem lato
nischen »smelling wols« beantwortete.
Richti ! Da ingen ja an der hinter
n tallwan eine ganze Anzahl
olsssellez nun roch auch ich den
eigenthiimlickzdurchdringenden Geruch,
der meines illhs Nase so molestirte.
Wir gingen nun hinein in dieWohn
stube. wo mir mein Gastsreund zu
nächst einen echten Kentucky-Whisly
tredenzte, ein Glas war dazu nicht
nöthig, wir tranlen beide abwechselnd
nach Grenzerbrauch aus der Flasche.
Mittlerweile war es nun Nacht gewor
den, beim Scheine einer trüben, qual
menden Petroleumsunzel bereitete Mike
O’Neill, wie er sich mir nannte, in der
Ecke der Stube, die zugleich siiiche und
Schlasgemach war, ein kunnte-Abend
drot, bestehend aus einer Pfanne ooll
Spie eleier, einen paar tiichti enSchei
ben chinlen, Brot und Kas ee. Nach
dem wtr tüchtig zugegriisem ich ließ
mich dabei nicht nöthigen, das kurze
»Dein yoursels!« genügte mir vollkom
men, steckten wir unsere turzen Pfei
sen an, wobei Mile mit sichtlichem Be
hagen von meinem Iabal »schmolte«,
stellten unsere derben Holzstuhle so
nahe an die Wand, daß wir bequem
aus den zwei hinteren Stuhlbeinen
wirren tonnten, mit dem Kopie an die
Wand gelehnt, und singen an zu
»ialleii'«. Nachdem ich lnrze Augtunst
gegeben iiber mein Woher und Wohin,
stagte ich nun meinerseits-:
»Weil, Mr. LNeilL Ihr seid wohl
ein tüchtiger Wolfgjager, dain Jhr so
viele Stall-s draußen hängen habt?«
—- Und als ob diese harmlose Frage
das Signal gewesen wäre, erhob sich
auf einmal draußen, wie rnir schien,
taum einige hundert Meter entfernt,
ein durchaus echte-s WolsggeheuL das
mindestens zwei Dufend stimmbegabs
ten Wolfslehlen ent iamrnen mußte.
MU- fmv IIIle ZA kam ee.-kl- l- ----- A
---; -- -- · v· was-s- V ------ —
q-- s-- »w-» n-, sie-s- vsaqsk qesussess
und mit einem Sude nach der Ecke, wo
mein getreuer zehnfchiiffiger Marlins
ftutzen lehnte, als mich ein gröhlendeg
Gelächter meines Gaftgebers verblüfft
inne halten ließ.
»Na-er mind, Sir,« sagte er lachend,
»nur nicht fo hitzig, trag sind ja meine
Wölfe« Jch mußte wohl ein äußerft
Itftreiches Gesicht aufgefetzt haben,
nn er fuhr zur Erläuterung fort:
»Wä. Sir, das find meine Wölfe, aber
fie find draußen im Paiteur eingefrnzt,
die können nicht ·rau5.«
»Aha« dachte ich, «diefer Mite ift
gewiß einer oon den Jägern und Fal
lenftellern, welche die herumziehenden
Zirtuffe nnd Thierbuden mit dem nö:
thigen Viehzeug verfotgen.« So feste
ich mich beruhigt wieder bin und frag
te: »Wievie Wölfe habt Ihr denn da
lebendig auf Eurer Farin?«
»Weil,'« meinte darauf Mite bedäch
tig; »fo ungefähr fünfzig Stück wer
den's wohl jetzt fein.«
»So, woher bekommt Ihr aber das
Pöthige Fleifch für die BeitienW fragte
ch
»Na, irgendeinen alten Gaul kann
ich immer bei einem Nachbar auftut
ben. habe noch nie mehr wie einen Dol
lsr bezahlt, meift aber gar nichts.«
»Dann Geht Euer Gefchaft wohl
vorzüglich
»Weil, der Wolf, gron oder tlein.
bringt tret 12 DollarM antwortete
Mike pfif fchmunzelnd, »bab· nicht
viel Ar t mit den Beefters, bezahlt
sich gut, kein Risiko-'
Das Geheul besitzen verstummte
allmählich, und n wir unfere
Zfeifen aus erau , le ten wir uns«
ide einträegtigli auf breite La
gerstätte nieder. Im nitch n M
or n
wagte mirj Mike feine W«lfe. AK
ßn hinter dein daufe lief eine
wiss-« - -.--.-. .—-»· ..-.,..·-.«-.
1
gelwelle hin, am Abhang befanden sich »
eine ganze Anzahl Löcher, die Wolfs- ;
höhlen etwa sechs Fuß hoch umschloß
ein Drahtneh, wie es auf den Geflügel- ;
farmen gebraucht wurde, ein Gebiet;
von etwa 10 Acke. Als wir uns die- z
fer »Wolfsweide« näherten, sah ich et- f
liche dieses lichtscheuen Diebsgesindels, f
es waren Cohotes der größeren ArH
soviel ich im Morgengrauen bemerken -
konnte, schleunigst in ihren Verstecken
verschwinden. Doch ich hatte nicht viel
Zeit, mir näher die ganze Geschichte
anzusehen; nachdem ich meinen Bin
efattelt, der sichtlich erleichtert aqu
schnaubte, verabschiedete ich mich von
meinem Gast eber, welcher mit Ver
gnügen die Hälfte des Vorraths mei
nes umfangreichen Tabalbeutels als
Gastgeschent annahm, und ritt in die
thaunaffe Prärie hinaus, hinter mir
aber hörte ich wieder das langgezogene
Geheul der offenbar ihr Frühstück er
wartenden Beftien. — — ———
Zwei Jahre später führte mich mein
Weg durch das siidliche Minnesotaz in
dem ileinen Städtchen Houston kehrte
ich in einem der dort üblichen Land
hotels ein, um zu übernachte-L Als ich
mich der Var näherte, um mir ein
Glas Milwaukee Bier zu gönnen, und
der Hotelwirth, der zugleich auch sein
eigener Schanktellner war, mich nach
meinem Begehr fragte, schaute ich über
rascht ihm ins Gesicht. Den Mann
mußte ich doch kennen, die rothen
Haare, die tfiffigen kleinen Aeuglein,
heisere Stimme —-- richtig, je t wußte
ich es, das war ohne Zweifel tite, der
Wolfsjäger aus Datota; zwar sah er
heute viel manierlicher aug, als da
malsan seiner öden Form, der strup
pige, rothe Bollbart war fort, aber es
war doch Mike O’Neill. Auch er
schaute mich prüfend an, dann flog ein
litz des Erkennens über seine Züge,
und mit einem lauten »Hallo, Doc,
Epw are he?« reichte er mir über den
» chanttisch seine mächtige Tahez ich
schlug teii tig ein und fragte dabei:
»Nun, ite, was machen Eure»
Wölfe?« .
Wie glühendes Eisen ließ er da
plö lich meine and fallen, sein ebeni
no so jovial chmunzelndes Gefichti
ver errte sich zu einer Grimasse, und!
It er ffliifterte er mir zu: »Bi) Jingo, i
« oc, chweigt still davon, wenn Jhrt
mir die Euch einst erwiesene Gast-i
freundfchast nicht gar iibel vergeltens
wollt!« Ueberrascht und gänzlich ber- :
ständnileos schaute ich ihn an, worauf »
er hinzufügte: »Wenn’s Euch recht ist,
Sir, zeige ich Euch Euren Noom für
die Nacht'
Kopfschiittelnd kletterte ich hinter
meinem Wirthe die steileStiege hinauf,
welche zu den oberen Räumen des Ho
tels, den Gaftzimmern, führte.
Mike wies mir ein großes, eräumii »
ges Zimmer an, in dessen itte ein
mächtige-· Bett zur Ruhe lud; er
stellte die Lampe auf den Tisch, fchaute
mich noch einmal scharf prüfend an,
dann fagte er, tief Athem holend:
,,Uff. Doc, da hättet Jhr mir bckd eine
schöne Suppe eingebroctt!« .
»Ja, aber wag in aller Welt ist denn !
los mit Euch, Mister O’Neill?« fragte »
ich, immer noch gänzlich im llnklaren,
warum der joviale Mike so mächtig
aufgeregt und dazu so geheimnißvoll
that.
Darauf erwiderte Mite: »Well, ich
habe jetzt noch keine Zeit, Euch die
ganze Geschichte zu erzählen. habe noch
zuviel Fiostiimerg Wunden) drunten
im Saloon, mufi wieder hinter die
Bar; aber wenn es Euch recht ist, toms
tne ich nachher auf ein Stündchen vorm
Zubettgehen zu Euch, dann sollt Jhr
alles wissen, nur ieht bitt’ ich (711ch,
lafit drunten tein Wort von Wölfen
fallen, denn fonit « damit machte er
eine höchst drolligc Gebärde dec- Da
voniau ens. mechi neugierig gemacht
durch sein geheimniszdolles Geboren,
solgte ich ihm wieder nach unten, nach
dein ich mein leichtes Handgepäck un
term Bett verstaut hatte, um mir die
Gesellschaft im Schentraum oder
»Labby«, wie ein Platat an der Wand
pruntdoll vertundete, etwas näher an
zusehen. Cowdoys oder sonstiae aben
teuerliche Gestalten, wie sie einem sonst
in den Gelchichten aus dem wilden
Westen begegnen, waren nun sreilich
nicht darunter, es waren liarmlose,
durchaus friedliche Einwohner des
Städtchens, ein Grocer, ein Schuster
und ein Schneider, der Friedensrichter
nnd etliche Farmer aus der Nachbar
schaft, welche sette Schweine Zur Stadt
gefahren hatten und nun noch auf ihr
autes Geschäft sich eäniae Schuppen siir
den heiinwea zu leisten gedachten Mit
Ausnahme des Friedensrichters waren
es alle Deutsche, wie ja sast aain Min
nesota von deutschen Bauern besiedelt
ist.
Das Gespräch drehte sich zuerst uin
leichailtiae Dinge, Ernteaussichtem
iiehzucht u. dergl» bis einer der Far
mer, dessen Farm in einem einsamen
Seitenttiale des Mississippi lag, er
göhlth das; ihn heute Morgen. als er
ie geschlachteten Schweine zur Stadt
suhr, wieder die ,,verdollten Konutts«
Monate-V ganz unverschämt belästigt
hätten.
»Den ene Beest war so dreist, daß
ei dicht an den Wa n kam un nach de
Swiii «tschumpte« lto jump-—sprin
snx awerst ich wischte ihm mit de
ipp (Peiische) eens ut, daß he jaul
te,« ertleirte er ärgerlich.
«Ja,« stigte ein anderer Fariner hin
zu, «dat wird alle Jahri lliinrner mit
die Wöls’, zethadr zurück waren mich
to viele da, unn doch if die Bondie
medinie aus erlegte Wöle voinStaate
epahly so hoch, zwöls Dahlers sor
fon Beest, Schaap’ tann teener nich’
mehr hallen.«
Unwilltiirlich schaute i bei diesen
Worten aus den Atelwirt , dein sicht
l
lich diefe Wendung desGesprächs höchst
unbehagliche Erinnerungen weclen
mußte, dabei blinzelte er fo ängstlich
nach mir hin, daß ich beinahe lachen
mu te. Was mochte wohl Mike für
unliebsame Erfahrungen mit ,,feinen«
Wölfen gemacht haben, daß ihm felbst
solch ein harmlofeg Gespräch über
Wölfe Belleminungen verursachte.
Endlich brachen die Farmer auf,
auch die anderen Gäfte verließen das
Lokal. Erleichtert athmete Mile
O’Neill auf, er hatte die ganze Zeit
wie auf glühenden Kohlen gestanden
und ftändig mich ängstlich beobachtet,
ob nicht irgend eine unvorsichtige Be
merkung über «feine« Wölfe dem Ge
hege meiner Zähne entschlüpft Er be
waffnete sich mit zwei Flafchen Cali
fornier, und zwar recht gutem, wie ich
nachher schmeckte, nnd geleitete mich
nach oben. Dort machte ich es mir im
Schaulelstuhl bequem, ftopfte meine
lurze Pfeife und forderte meinen
Wirth, vor Neugier brennend, auf, mir
nun endlich die Affaire von »feinen«
Wölfen zu erzählen. Nachdem er auch
feine Pfeife in Brand gesetzt, fing er
bedächtig an.
»Well, Doc, das ift »funny«, daß
wir uns nach zwei Jahren so wieder
begegnen müssen. Damals war ich
Mile der Wolfsfarmer von Dakota,
und heute bin ich ehrfamer Hotelleeper
von Houfton, Minnefota; damals flat
irte ich meine Wöl e« —- ,,1lnd heute
Flalpirt Jhr Eure äfte,« warf ich
lachend dazwischen, »doch nun ftellt
leine tiefsinnigen, philosophischen Be
trachtungen über Einst und Jetzt an,
fondern fagt mir vor allem, warum
Euch Wolfsgefchichten solchen Schre
cken einjagen, wie ich vorhin drunten
bemerlte; einen Haken hat doch sicher
Eure Geschichte, denn Wölfe fangen
und an einen Zirtus oder eine Thier
bude verlaufen, ist doch wahrhaftig
nichts Schlimmes.«
»Was? an einen ,,Show« verlau
fen? So? das habt Ihr danials ge
glaubt?«« lachte Mile luftig auf,
»wenn’s bloß das gewesen wäre, säße
ich wohl noch heute auf meiner Form
und hätte ni t bei Nacht und Nebel
ausreiszen mii en, gerade als das Ge
schaft am besten ging. Ja, Jhr schaut
mi wohl verdutzt an, wißt immer
no nicht« was das für ein Geschäft
warf Nun, die Sache war höchst ein
fach: Jhr habt ja meine Faim damals
gefehen, ein elend Stück Land, meist
.Sand, und immer ,,up and down, so
’ne verflixte Rollingotiirie, dazu teine
Bahn und teine Ortschaft in der Nähe,
wo man seine Ernte gut hätte losma
den können — ich kam nicht voran, bin
eben tein »Di:tchman«, der sichTag und
Nacht mit Wonne schindet und plagt.
Gern hätte ich meinen einsamen Platz
verkauft, aber teinee wollte ihn· So
ließ ich zuletzt die ganze Farinerei sein«
verkaufte mein Vieh, hielt nur noch
meine beiden Göule, ein paarSchweine
und Hühner, bebaute nur ein paar
Acker mit Hafer und Mais für diese
und ging aus die Jagd. Am nahen
See gah’s wilde Enten und Gänse die
Menge, Präriehiihner waren auch ge
nug da, und oft aenua lief mir so ein
verflixter Conote vor meinen Schich
prügel, dessen Stalv mir das County
jedesmal mit 12 Dollarg honorirte;
das gab Brot, Whisly und was ich
sonft nöthig hatte· So aina es eine
Zeit lana recht aut, aber nich und nach
lernten die Enten und Hühner mich
kennen, die Wolfe wurden auch vor
sichtiger und spärlicher, hatte ich doch
schon manches Dutzend ipeagetnallt —
ich fah die Stunde kommen, wo sich
meine Jägerci nicht mehr lohnen wür
de nnd im andere Aaadariinde auf
;suchen, also meine Farm im Stiche
flossen müßte. —-- Na, profit! das
Sprechen strengt an!« Damit that er
einen tiefen Zug, wobei ich getreulich
setundirte·
Meine Spannung wuchs. jetzt muß
tesich des Räthsels Lösung zeigen.
» ,,Nur weiter, Mite!« drängte ich, »wie
war’s denn nun mit der Wolssfarm?«
! »Tate it easy, Sir,« sagte Mite ge
,mächlich. ,,tommt schon. Also da
Jtomme ich eines Morgens nach einer
vierzehntägigen Streiferei wieder mal
heim, da fand ich die Bescheernng
Während ich in der Ferne die Cohotes
;suchte, hatten die Beesters der-weilen
J meiner Farm einen Besuch abgestattet
Hund meine beiden Schweine nebst
sämmtlichen Hühnern aufgefressen,
und was das Tollste bei der Sache
war. in der Bank, die Ihr ja damals
gesehen, dicht hinterm Stall, hatten
die Spitzt-oben eine Höhle gegraben
und sich gleich häuslich niedergelas
sen. Zuerst faßte mich grimmige
»Wuch, da blitzte aber ein Gedanke
Idurch meinen Schädel, so ging es.
Lhne mich viel bemertbar zu machen,
zoa ich wieder ab, ritt nach meinem
nächsten Nachbar, der zehn Meilen
entfernt wohnte. gab ihm Geld, daf;
er mir mit feinem Gespann in der
nächften Stadt aus dem Hardware
store Misenwaarenladen allen vor
röthigen getvebten Draht holen sollte.
Jch sagte ihm, ich wollte eine Geflii
gelzucht anlegen und mich mit der
Drahtfenz gegen die herumstrolchen
den Wölfe sichern. Das glaubte er
auch, und eines Abends brachte mir
Zim auch eine ganze Wagenladung
raht. Vorher hatte ich natürlich
die Höhlen, in denen, tvie ich nach den
Spuren urtheilte, mindestens fünf
Wölfe saßen. gut vertheilt. Nun be
gann site mich ein harter Job (Ar
it), die Pfosten einrammem den
Draht spannen, dabei hoch genug. daß
die Beesters nicht drüber, und tief ge
nugin die Erde, daß sie nicht darun
ter weg sich autgraben konnten — das
kostete Schweiß, arbeitete wie ein —
Dutehman. Längi der Fenz schüttete
ich Kies, der stets die Löcher von selbst
wieder ausfüllte, wenn so ein verdoll
ter vavte sich durchgraben wollte.
Dann konnte das Geschäft lot-gehen
Mit meinen Fallen fing ich noch eine
ganze Anzahl Wölfe hinzu, die alle
in meinen Wolsspart spedirt wur
den, fo hatte ich im nächsten
Frühjahr 21 Pärchen beisammen, die
mir nun das Geld verdienen sollten.
Das Futter war ja billig, denn ich
sammelte weit und breit die alten
yausardienten Gäule, unter dem Vor
lwandh ihr Fell zu verkaufen. Die
Innersten bekam ich umsonst, da jeder
jFarmer froh war, auf gute Manier
» solch einen unnützen Kostgänger loszu
! werden« Wählerisch waren meine
. Wölflein auch nicht, denn ein gefallenes
iSchivein oder eine Kuh, ja auch die
jabgezogenen Kadaver ihrer eigenen
jStammesqenossen schienen ihnen ganz
J vortrefflich zu schmecken. Dabei heckten
Isie, daß es eine wahre Freude war;
jschon im ersten Jahre konnte ich in
Hden verschiedenen Couutnsitzen —- na
J türlich hiitete ich mich, in einem Conn
ty zu viel Sialpe abzusetzen -— mir für
jltits Wolfgskalpe 1272 Dollars ein
- heimien.«
’ »Nanu’,’, warf ich ein, »das schmeckt
aber ara nach Jagdstory (J«cigerlatein)
so viel Wölfe!«
Doch ohne beleidigt zu sein« lächelte
jMite und sagte: »Well, Doc, Ihr habt
sdoch auch schon gejagt und wißt doch,
tdaß Missis Wolf es selten unter neun
IJunaen thut, das war doch fin meine
21 Pärchen keine besonders hervorra
gende Leistung, und überdie- musiie ich
mir doch auch den nöthigen Nachwuchs
erhalten. Well, iin zweiten Jahre, als
Jhr damals bei mir übernachtet, hatte
ich bereits über 8000 Dollarg blank
verdient, die Geschichte rentirte sich
ausgezeichnet«
»Ja, wie kam es aber, das-, Jhr jetzt
dieses einträaliche Geschätt ar. den Na
l gehangt hadtt Seid Ihr denn trotz
urer Vorsicht erwischt worden?«
fragte ich neugierig.
Miles Gesichtszüge derdiisterten sich.
»Da war der verfluchte Whisty dran
schuld. Jch hielt meine Wolfsfarmerei
so geheim vor meinen Nachbarn, machte
keine Extraausgaben, um keinen Ver
dacht zu erregen, war sparsam, urn mir
nach etlichen Jahren in einer großen
Stadt ein Hotel zu taufen· was immer
mein Wunsch war, — da platt mich
der Satan, daß ich mit Jim Forsyth
der mir damals den Draht gefahren
und längst irgend etwas witterte, mich
in Winfield, wo ich gerade wieder eini
ge Stalps abgesetzt, auf eine »Spree«
(etwa —- Bierreises einließ. Wir zo
en aus einem Saloon in den andern,
Zim forderte stets den ftiirtsten Whigs
ty — na, als wir dann zusammen
heimsuhren in seinem Buaae«« lodte der
Hallunte alles aus mir heraus. Nun
wollte er mein Geschäftstheilhalser
werden, was konnte ich ca,.egen thun?
So trieben wir nun das Gcsdxiist zu
sammen, das heißt, ich ins-site Jiin von
jedem Wolf vier Dollarg abgeben, lig
vorigen Herbst, da verlangte Jim die
Hälfte-, dieser unverschämte Bursche!
Nun packte mich aber der Zorn, ich fuhr
ihm an die Kehle und verpriinelte ihn
so, daß er wie todt liegen blieb. Oh,
hätte ich ihn nur ganz stumm gemacht!«
tnirfchte Mike inarimmia zwischen den
Zähnen, »na, da war das Ende da:
im wußte, daß Jiin mich anzeiaen wiiri
te aus Rache, so raffte ich mein Geld
zusammen, es waren etwas iiber Bin-«
Tollars, lief; meine Wölfe aus der
Ren-z s-— eLs waren noch Tiber W, schade
inn die schönen Prämiens-— und schrit
tclte den Stand Daiotas von meinen
Rußein So tam ich hier nach Houston
letzten Winter nnd kaufte das Hotel,
ixt einem in einer groszen Stadt lanate
K
ej Hishi fasse-»in inn- nnr Jus- unh fuv
:rerfluchte Whiiztu schuld.«
Belustiat Rufchte ich der Griiihlunq
des ehemaligen Wolssztarmerg u. jetzi
gen ehrsamen Hotelbesirzserg.
»Ja, lieber Mite, das war gewiß
eine recht ärgerliche Geschichte: aber
) usarum habt Jhr denn die Wölfe frei:
; aelassen? Jhr wolltet wohl jeden That-s
l list-weis gegen Euch vernichten?«
»Man-« meinte Mike verächtlich
und schnippstc dabei mit den Finaerm
»das hätte mir den stovf weiter nicht
warm gemacht; der Sheriff hätte lan
ge Beine machen müssen wenn er mich
hätte fassen wollen« und ohne mich wä
ren die Wölfe doch wahrlich keinen
Schuß Pulver als Beweistnaterial vor
Niericht werth gewesen, nicht to, Sir'?«
Ich beansigte mich, zum Zeichen mei
nes Einverständnisseg nur mit dem
Kopfe zu niden und mir zur Stärkung
frisch einzuichentera
Mike war aber zufrieden mit meiner
stummen Vinertennuna und fuhr fort:
»Nein, ich lief-, die Wölfe darum log,
damit der hinterliitiae Einimh nicht die
Italps eintassiren sollte. Der l«etrii:
aeritche Schatte hätte doch sicher iuvor
meine sännntlictien Wölflein zu Gelde
sein-seht nnd dann erit Vlnieiae erst-it
tet. Nun, auc- Dairttmrteit haben da
tiir die freiaelasienen Beftien mich an
Jim Foeihth gerächt, denn in derselben
Nacht haben sie ihm seine Schafe, dazu
ein Dutzend Schweine sowie eine
Menae Gesliiael aufgefressen. Jim ließ
ja alles draußen, weil leine Wölfe
mehr außer den meinigen in der gan
zen Gegend vorhanden waren. Dis
war die wohlverdiente Strafe fiir
seine bahsucht.«
Schmunzelnd leerte ich mein Glas,
denn unwillkürlich fiel mir bei Mites
letzten Worten jene Geschichte von den
beiden cstrauthierchen ein, von denen
eins das- andere »Langohr« schimpfte.
Doch Ehren-Mitte hatte sicherlich von
dieser Fabel noch nichts aewußt. Sein
hiederes leichtgeröthetes Antlitz strahl
te ordentlich seine Rechtschaffenheit wi
der. Daß er den Staat Dakota um
etliche Tausend Dollars betrogen, hielt
J- M —.— .
er ftir ganz in der Ordnung, daß aber
sein Nachbar, der böse Zimmm An
theil an dieser Prellerei aben wollte,
hielt er offenbar fiir eine schreiende
Un erechtigteit.
. achdem ich ihm nochmals feierlich
mein Schweigen über jene Wolfssar
merei zugesichert, zog Mike mit den bei
den eleerten Flaschen und seinem gu
ten rvifsen« ab; ich rauchte noch be
haglich meine Pfeife zu Ende und be
ga mich dann auch zur Ruhe. Die
ganze Nacht aber träumte ich lebhaft
aus Rache auffraßen; so deutlich hörte
aus Rache auffuaßenz so deutlich hörte
ich das Wolfsgeheuh daß ich mehrmals
aus dem Schlafe auffuhr
War nun die Geschichte oder der Ca
lifornier Mike daran schuld?! —
--——-—
Drei Tage nach Felle Alliance.
Am 28. Juni ist auf dem Schlacht
felde von Belle-Alliance ein von dem
verstorbenen Maler und Bildhauer Ge
rome entivorfenes französisches Denk
mal zur Erinnerung an die in der
Schlacht qefallenen Franzosen errichtet
worden: es ist ein verwundeter Adler
mit gebrochenem Flügel, der zwischen
seinen Klauen die zerrissenen Fahnen
von Jena und Austerlitz hält. Auf
dem Schlachtfelde stehen bereits meh
rereDenlmäler; zwei enqlische, ein bel
aischeg (ein Hünengrab mit einer hohen
Säule, die auf ihrer Spitze den nieder
landischen Löwen trägt) und ein Preu
fjifches, das von Friedrich Wilhelm
dem Dritten gestiftet wurde. Die
französischen Blätter haben anläßlich
der Enthüllung des französischen
Denkmals noch eine Fülle von theils
l,istorischem, theils legendenhaftem
Material über die große Schlacht, die
der Napoleonischen Herrschaft ein jä
ispä tsndo breit-te airsnmmenaetraaen
Von besonderem Jnteresse ist ein
Fund, den George Claretie gemacht
hat und über den er im »Figaro« be
richtet. Es handelt sich um eine kleine
Broschüre, die Eindrücke eines belgi
schen Edelmannes, des Grafen v.
Saint - Germain, der sich am 18.
Juni 1815, dem Tage der Schlacht, in
Vriissel befand und drei Tage später
das Schlachtfeld besuchte. Der 18.
Juni war ein Sonntag, und es reg
nete. lJn Waterloo hatte der Regen
am frühen Morgen aufgehört).
»Die Angs«, schreibt Herr de
Saint-Germain, »war groß in Brüs
sel, denn man erzählte sich, daß Na
poleon seinen Soldaten versprochen
habe, ihnen die Stadt vier Stunden
lang zur Plünderung zu überlassen.
Daher war schon am Morgen ganz
Brüssel aus den Beinen. und die Men
ge stand dicht gedrängt auf der Place
de la Monnaie, wo man sich die neue
sten Nachrichten mittheilte. Troß des
strömenden Regens standen dieBriisse
ler und warteten, geschützt durch große
farbigeNegenschirme, die damals Mo
de waren. Aug der Ferne hörte man
gegen Mittag dumpfen Kanonendow
ner. Dann verbreitete sich das Ge
riicht von einer Niederlage der Ver
lsiindetem Wellington trete den Rück
zug an.« Herr de SaintsGermain
schildert dann denVerlauf derSchlacht
und fährt also fort: »Brijssel erfuhr
die Siegegnachricht gegen l« Ilhr
Abendg· Die Stadt wurde sofort be-:
ieuchtet. Aus den Straßen umarm
ten sich die Leute« als wenn Belgien
einen Sieg davon getragen hätte. Zu
derselbenStunde ging Paris two man
die Nachricht von der Niederlage erst
am Li. Juni erfuhr) in die CoInedi
Francaise, um FrL Neorge in »Jphi:
aenie in Aulis-« zu hören. Während
ler Nacht kamen die Verwundeten
»an hie fis-n»ieswn Initiative nnrb
Briissel. Am Moraen hielt, unter
dem Jukel der Menge, ein schottischer
Lssizier mit einer französischen Fahne
in der Hand seinen Einzug Das
Wetter war wieder schön geworden;
man stellte ans den Straßen Tische
auf, und die Menge trank mit den
Siegern.«
Drei Tage nach dem Kampf schil
dert derselbe Augenzeuae den Jammer
des Schlachtfeldeg, dag er mit einem
Disizier besuchte. Es ist ein erschüt
terndes Bild: ein durxlt Sturm nnd
Stiegen ausgewiihlter und aufgeweichsss
ter Boden, nnd in diesem Schmutz und
Schlamm keiammerngtverthe Gestal
ten von Verwundeten undSterbenden.
Dann die traurineProzession der Wa
gen mit iden Verwundeten: »Aus den
mit Blut bedeckten Strohhausen ragen
Köpfe hervor. Sie sind blaß, von dem
thiitteln und Stoßen hin und herge
schiittelt, einige mit rothenLapren be
deckt; die Atmen unsaabar traurig in
diesen mit aeronnenemBlut betlebten
(Si-3sichtern. Einen faden, widerlichen
iterneti vonTod und Gemetzcl läszt die
sei sjliiensmeifleisch hinter sich
Aus dem Schlachtfelde sieht der Gras
ron St. Germain nur Vermundete u
Todte, iiberall Todte! Beim Walde
von Soiane springen reiterlose Pferde
mit ihrem ganzen Geschirr iiber Lei
et«,en und zerbrochene Vormagen Das
Dorf MoatsSnintiJean ist leer; die
Bewohner sind aeslohen Und kampiren
im Walde. Jmmer dichter werden die
Reihen der Leichen: da liegen Ney’s
Kürassire, die von den englischenFlini
ten niedergemäht wurden. EiniaeSol
daten tampiren noch mitten unter den
Todten. Jn einem von vier Gewehr
läusen getragenen Kürassirpanzer to
chen sie Suppr. Inmitten einer Lei
ehenpyramide sieht der Gras einenBer
wundeten, einen Alten von der Garde
mit grauem Schnurrbart; dem Mann
sind durch eine Kanonentugel beide
Beine weggerissen worden, er röchelt.
Aber plötzlich bemerkt der Grenadier
den Fremden und ruft ihm: »Es lebe
«der Kaiseri« entgegen. Herr v. Saints
sGermain spricht mit ihm, fragt ihn
,.Es lebe der Kaiser!« wiederholt der
Sterbende. Bei hatexSainte ist das
Ackerfeld roth von Blut, und roth sind
die Wasserpfiitzen Der Brunnen ist
angefüllt mit Leichen (noch heute fin
det man dort von Zeit zu Zeit Men
schentnochen), das Wasser fehlt und
die Berwundeten sterben vor Durst
Soldaten plündern die Leichen und
öffnen ihre Mantelsäcke: bei den eng
lischen Soldaten findet man viele Ge
betbücher, bei den französischen —
Spieltarten. Der Graf schildert
dann, wie die Leichen beerdigt werden:
zwei Pferde schleppen einen mit gro
s-en Haken (in der Art der Angelha
ken) versehenen Strick; die Haken boh
rui sich in das Fleisch ein und zerren
es fort. Und auf all diesen faulenden
Körpern Fliegen und Raben in unend
lichen Schaaren —- ein Bild desGraus
eng und des Jammerns . . . .——
Der kluge Radi
Rudi lder eben einen Dollar von
seinem Onkel erhalten): »Ich wollte
lieber, Du hättest mir einen Nickel ge
geben, Onkel Motitz.«
Onkel (erstaunt): »Aber Junge, ein
Dollar ist doch mehr als ein Nickel.«
Rudit »Das isi’s ja gerade. Wenn
ich einen Dollar bekomme, nimmt ihn
mir Papa weg, wenns aber nur ein
Nickel ist, darf id)’5 behalten!«
Grimme-kommend
Heirathscandidats: »Hier, Fritz
chen, hast Du zehn Centst Und nun
erzähl’ mir ’mal, was Deine Schwe
ster von mir sagt!«
Der kleine Fritz: ,,Gieb mir noch
zehn Cents, dann erzähl’ ich Dir lie
ber n i cht, was sie von Dir sagt!«
Aus dem Liebes-titles eines Farmers.
.. Jch kann Jhnen keine rau
schenden Vergnügungen bieten! Wenn
Jhnen aber ein kleiner Hos, aufrichti
geg Gemütli, Wiesen und Aecter und,
was das Beste ist, ein liebendes Herz
und ein kleiner Viehstand genügt —
so schenken Sie dieser Versicherung ein
geneigtes Ohr als Erwiderung!«
Aus dem Jahrmarkt
Ausrufen »Jnimer heran, meine
Herrschaften, tausend Mark zahlen
wir demjenigen, der unsere preisge
krönten Rinaiämpser besiegt!«
Herr (aus dem Publikum): »Ist das
auch sicher mit den tausend Mark?«
Ausrufen »Selbstverst·cindlich! Zum
mindesten kriegen Sie Jhr Eintritts
geld zurückl«
Unerwartete Zustimmung
Gr: »Was mag denn das Bouquet
aetostet haben, das unser Junge seiner
Braut gestern gekauft l)at?«
Sie: »So viel ich weiß, zehn Poll
lars.«
Er: »Der ist geradezu Verriicki.
Solche Verschwendung habe ich in un
serer Brautzeit denn doch nicht getrie
ben!«
Sie: »Ja, Du warst ein recht schä
s«
biaer Bräutigam.
Gewissenhaft
Baufiihrer (zu einein Bummler, det,
die Hände in den Hosentaschm den
Arbeitern auf einem Neulsau iuaudt):
»Wenn Sie Arbeit suchen, hier akokstI
use l cl;e !«
Buuiuiler: »Tante erielenst; habe
is erst jestern unter die Zahl der Ar
ssitslosen ufsnehmeu lassen, und da
Narbe id, trenu ick heute arbeeten
wollte, ja die janze Statistik um
schuieiszeu!« »
Zweideutia
»Mir Herr Doktor, woher kommt
nur, dass. ich so oft Zatiuuush bade-Z«
»Ja-.- touisnt daher, liere Praxi, daß
Sie JhrisndUtuud zu vile offen hat«-eu!«
Eine scharfe tssckcn
Zn": »Wi« lmhns twmhlscn 101r, bis
im dn tmnnnuspmnnsnT« «
Erz »N- nnrhdcm EIUIWDH eins
hauka Stunde cdu ctnc lxujbc Bekundu