Nebraska Staats-Anzeiger und Herold. (Grand Island, Nebraska) 1901-1918, August 26, 1904, Zweiter Theil, Image 11

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    Meint schreitet-rief un
Liszt- denkst-aged
NO. Ili. »
hen widder
von den Phi
lipp, wag mein
Hoilmnb ig»
gehört un den
te Ze nur emol
an, eg is ja en
Brief von ihm
liimfelf gewese.
. . . . ·- ..... Iso, wie ich
mich amwer do gefreut den«
das glanwe Se mich gar nil.
Er hol nit viel geschrikome, annoer
dafor ben ich auch kein Wort version-Ie,
von ten-. Ida-J er geschriwwe hol. Der
Brief net gequtz »Mehr Lizziek Die
Männlele is Dai- tmnriqfle Eli-gleiche
Vieh, wes-.- edxiftirl nn so ic« es nnch
un das jaq im. Was-« ich lsier durchqu
macht heir, in so e Ifclelll mit tllijktz
un Meiseg nn liadrn:f«he5, daz— cinth
einige-J l—jete, nlrnnsr id) si:: gesund nn
do is3 nitr ker Trrsbqisk kin: Exin Der
dollle Zehnnff selnllrk Wmn alles
mein West loknkne Dl1l)t, runn fin ich
in e Wem order sJ lebst-. lkejxn lsset
Dich nn Pcr Werks-weilest is auch nnd
der tm Inl) nn Dann s«-n 1ner.1ll heim-je
Womit nh :«««-;·Ies.1sc n!"! en Riß Nin
liewer «4««ki::x·-;s.« Weil lrknne Zis
Helt Opfer Iekil rsxns ;:-..«.n.:.’ «:"l««-.·l,
nknsse Ee ed 1u!,f:-, sil) Ucrftelxn lpin
Wort. »si::isr«.7e Ort-ne ntk Den Uhr
po! st, ich Nu al-: e1n;«1 sxi en »Es-Eh .:l:
nnnn Ost lkltilinis nit reitsxkiit selklirefkti
dar-is wär. Mehbie, daß die Hitz dran
fchuld is. Also in e Woch odder so, is
et widder da un ießi hen ich mich doch
viel dkiivwek geikuiveli, daß ich den
Leach mit die Wedesweilern gehabt
den. Ich sin schuf-L daß er keiteivea
mit den Wedescoeilet in den sein Platz
geht un dann find er das harte Füh
ling un off oKhrs gleicht et das nit.
For Piiiisehli, ich gleiche 's ia auch
nii, answer was for eFra u iann dann
des stände, wann ihr Hof-band infoliet
werd? Es is ja gut genug, der Phil
hot feine Fahlts un e ganze Lait so
gar« awwek wann et en Rodfi den soll.
dann kann ich doch dazu iende un ich
muß iaae ohne unbescheid: zu sein,
daß ich’s an Nahka nii fehle lasse.
Awwet das is auch widdet niemand
andekfch sein Bißneß, das sin Familie
angeleaenlieikie un dann noch e annekes
Ding, der Wedesiveilek is auch nit bei
set. Wo der e Tichehns dot, en Dkick
an den Philipp zu spiele, dann is er
in iii un wann’s den Phildann recht
viel Geld koste duhi, dann is es ihm
noch lieu-et· Was die Tichtllussie von
die Wedesweiletn anbeiriift, das macht
mich sich Ich weiß ja qui genug, daß
der Phil un der Wedesweilet e gut
guckiges junges Meedche liewer sehn
dahin wie e alte Frau von achtzig-Jahr,
akdwet das is ja ganz nadieklich un do
kann ich gar nicks drin sinne; unser
eins fiilili ja schließlich denselwe Weg.
Awwek dieseltoe Zeit sin ich doch
schinde, daß se alle beide tiespeckiebbel
Fellets sin. Schien-iß, wann ich aus
finne debi, daß der Pdil mich desiefc
behi, wei ich dehi ihn die paar Botichie
wo et noch uff sein Kopp bot, auåpulle
un dein ilin sei Nos so fläti klappe,
daß er lein Schnofi mehr iudse könnt,
wann et nit befohr eMonkietensch un
en Schiuchdteiwet juhfe dedi, for e
Odpening zu kriege. Awwer for wid
der uss die Wedesweilekn zurück zu
komme; ich duhn behie, wann ich an
Jemand vordeipässe muß un lann nii
zu ihn spreche, oddet wann Jemand
anneklcht an mich vorbeigehn dudt un
duhi iiciie, als wann’s mich nii lenne
dehi un met ware doch immer atig
HI- 7-.....v- c---;(»-» kä- IA »so
su
UISI (J sssssss Hain-»Hu F» --»
sot zu blenmr. Warum is se denn
auch so sässtgx well, der Mensch iann
schließlich auch nit heise, wann et so
e böses Maul hol un sok den Riesen
is es auch nit schön. wann ich mäbd
an die Weins-weitern sin. Wann die
Mennsohii widdet teduht komme un
se iinnc alles aus, dann wem widdet
der Dickens gerehst un biseids das sin
ich den Wedesweilet doch auch Dank
schuldig sok daß et zu den Truhel un
zu die Edspenzeg gange is un bot mich
den Philipp gesucht. Ach, was, den
ich gedenkt. eine böse Hund gibt met e
Stickelche Brot mehr, ich gehn emol zu
die Wereåweiletn un dann lann ich ja
ausfinne wie se äckte duht. Wann ich
emel eblses in mein Kopp den« dann
wekW auch teitetveg gedahn un so
schnell wie en bund ganze dubt hen
ich niei Schahlche umgehängt gehabt
un stn liingangr. Se wnt in ihre Kit
schen, wie ich ins Haus komme sin; se
hol ichuiit genug genvhtiszt· wie ich in
seid komme sin, awwet se hol nit emvl
ufsnegucki. Das settels it, hen ich ge
denit un fm ekuin gedreht un hen wid
det sott geizn wolle. Awwek in die
selwe Minnilt hot se gesagt: »Bei
haudidun Lizzie, ich hen dich ja gar
nit mehr gelennt; lebst du denn noch?
wo host du denn die ganze Zeit ge
siocke?· un so bot se noch e halwes
Das-nd Knestschens zu mich gefeiert.
Oss Koth wär das schon plentie Rie
sen gewese widdee mäd zu wein. aw
wer das ii doch nit der Pötpes gewese,
soe warum ich su se bin iommex Ich
sin denn auch stig plessent zu se ge
wese un hin gesagt. o well, die Hid
mache mich so viel Arn-eit, dass ich gar
nit kenn denke lann aus den Saus
satt zu gehn; awwer warum läßt du
Dich denn nit einol sehni Do yet se ge
I sagte »Watts die Miittee mit dich, ich
. kann doch nit das Bißneß alleine lasse
’ und an dein Battendet diependr.
Komm du nur zu mich, du haft plentte
i Zeit.« Sehn Se die Riemari, dein
Bartendek, das hat mich auch schon
widder mähd gemacht. Jch hen awwer
aufs-merke lasse. Wedesweilern, heu«
ich gesagt, heut hen ich gute Ruh-s for
dich un auch farmich: die Mennfohts
sin in e Mach odder so widdet«heim!
Do hot se sich awwer gefreut wie alles.
»Lizz«zie,« hot se gesagt, dann müsse mer
awwer ebbes mache. Jch inweite all
die Memberfch von meine Lahdfch un
du duhst auch alles inweite, was du
willst un dann hen mer e Riesepfchen
wie noch keine in diese hier Trun dage
wese is.« Jch hen gesagt, das wär der
Stoff, awwer sie sollt nor alle Er
rehnschments allein mache, bikahs
wann ich meine Finger drin hätt, dann
deht alles den ronge Weg gehn. For
mein Pakt von die Eckspenzes wollt
ich gern ufftomme. Alrecht, hot die
Wedezweiletn gesagt, awwer du mußt
mich ganz allein lasse in meine Er
rehnschmentg un jetzt nemme mer e
Rimmelchr. Das hen mer dann auch
gehabt un ich sin froh, daß der Brehi
widder uffgepätscht is.
Mit beste Niehgahrds
LizzieHanfstengel.
-——-—--s.--s—
Die Lage auf dam.
Aug Cap Haiti wird geschrieben:
Mit Haiti geht es mehr und mehr
abwärts-. Dem reichen Lande geht die
zum Leben nothwendige Luft ausz
NFrissen-s- npmsk Löst nun LI--n Use-.- sw
tsd Isvs IIIOI I IU,VlI III-I CIUSI
Jahre, und das will hier viel sagen
— der stsiiihrige General No d ans
dem Präsidentenstuhl und hält ch mit
eiserner Hand von einem Tage zum
anderen, trotz des Heeres der Expul-«
sirten und Flüchtlinge, die auf den
Nachbarinseln auf seinen Sturz war
ten nnd deren einzige Gedanken Nache,
Titebolution und Rückkehr sind.
Aber eine drückende Stimmung
herrscht in den Städen, nnd es scheint,
als ob alles geschäftliche Leben seit
einigen Wochen erstorben sei. Eine
Papieremisston von zehn Millionen
titourdes hat die Prämie in die Höhe
geschnellt; noch im Januar stand der
Kurs ans 140 Proz» während er heute
"bis anf its-»O Proz· gestiegen ist, d.h.
fiir einen ameritanischen Dollar er
hielt man im Januar 2,4 Gourdes
und heute« 5 Gourdes. Gleichzeitig
sind alle Preise um mehr als das Dop
pelte gestiegen. Dazu tam ein Mangel
cn Aleingelo der geradezu an Noth
grenztex wie weggeblasen schien das
letzte 1 CentssStiick. und es ist ein
NäthseL wo das Kupfergeld geblieben
ist, das früher »tistenweise« und nach
Gewicht auf den Märkten verhandelt
wurde.
Böse Zungen behaupten. die Frem
den hätten alles Silbergeld exportirt
tes mag trotz strengsten Verbotes et
was Wahres daran sein), thatsächlich
ist aber ein großer Theil des Silbers
in Händen des Landmannes, der vor
dem vielen werthlosen Papiergeld
Furcht hat und aus Erfahrung weiß,
daß er sich bessert dabei steht, wenn er
sein Silber in seiner hütte unter der
Strohmatte oder an unauffälligen
Orten in der Erde vergräbt.
Jrn Süden, wo der Fremdenhasz
stärker ist als an den anderen Plätzen
der Insel, ist es sogar zu Ansschreis
tungen gegen die »Etrangers« gekom
men.
Der Sitbernoth ist jetzt ein wenig
abgehotfen dadurch, daß die Regierung
vorläufig 40,0t)0 Gourdes Nickelgeld
herausgegeben hat; aber fchlieszlichist
dies doch nur ein Tropfen auf einen
beißen Stein. Die kleinen blanken 5
Cents Stiicke werden ebenso schnell
verschwinden, wie alles andere Geld
auch.
Alles das trägt dazu hei, die hai
tianisctie »SaureGurtenzeit« in diesem ;
Jahre ganz besonders empsindlich zu
machen. Der Kaufmann sitzt aus
seinen großen Waarenvvrräthen, ver
taust nichts und sieht mit Sorgen der
Zukunft entgegen. Und Haiti träumt
ran den Jahren, in denen es in Geld
schwamm, als man für Kassee 115
Franten bezahlte und der haitianische
Gourde mit dem amerikanischen Dol
lar gleichwerthig war. Aber der Kassee
ist in den letzten zehn Jahren um 75
Franken gefallen, und die Prämie aus
tstold um 375 Prozent gestiegen, und
seitdem verfällt das Reichs-Parte
montiaie von einer Krisis in die an
dere nnd Haiti und sein Handel gehen
immer mehr und mehr den Krebs
gang.
Genral Kuropattin tönnte eigent
lich der Kürze halber seine Kriegshe
richte aus einem Formular dersassen
und ihnen. folgenden Wortlaut geben:
»Ich lam, ich Loh laiindlffkuroti siegte.«
-·.---·-—--·-——
Carroll D. Wright weist in seiner
Statistik die niedrigen Preise der Le
bensmittel nach. Nun sollte auch noch
eine statistische Tabelle der händler
zu solchen Preisen folgen. Viel
Schreibereien würde sie nicht verur
fachen« ei i sei
Frankreich betrachtet, wie berichtet
wird, die ealisornischen Weine mit
mißgünstigem Auge. Nun —- wir be
trachten die französischen Reiher-eines
immer mit dem Mißtrauem daß sie
— meistentheilö — in Calisornien ge
wachsen seien.
i -
« Der Friede, so ost er auch gestört
swird. tann iviederhergestellt werden;
(
das Vertrauen, wenn ei einmal verla- »
ren gegangen ist, nie mehr.
—
Vte Villa.
VonDorothea Göbeler«
Wurm und hell in golden leuchten
der Pracht lag die Sonne über dem
eleganten VillenvierteL Wundervoll
war es in diesem Viertel; schattige
Alleen und Gärten an Gärten· Gür
ten mit weiten Rasenplätzen und bun
ten, schimmernden Beeten, Gärten mit
s dunklen Laubengängen und prächti
T gcst Baumgruppen. und in den Gär
ten die weißen Billen, kleine Paläste,
Wohnungen des Reichthumsz die an
der Ecke gegenüber dem Pakt war die
schönste. Ein Märchenschloß mit Er
tern und Thürmen und einer offenen,
söulengetragenen Halle. Leuchtende
Glhzinien hingen ihre Blüthen über
die Marmor - Ballustrade, um den
Rasen, der sich vor der breiten Frei
treppe dehnte, blühten Goldregen und
Jasmim Kostbare Palmen breiteten
ihre schlanten Wedel aug, der Brun
nen sprang und wars seine funkeln
den Schaumperlen auf ein Beet voll
trennend rother Geranien. Kostbare
Gartenmöbel standen auf der Veran
da. Tischchen und Stühle von imi
tirten Korallen, hinter den hohen
Spiegelscheiben hingen schwere Sei
den-Gardinen.
Alles, was vorüberging, sah voll
Entzücken aus die Villa.
Es gingen viele Leute vorüber. Der
Weg führte zu den großen Sommer
Rcstaurants im Stadtpart und das
schöne Wetter hatte die Spaziergänger
. in hellen Schaaren l)inanggelodt. Ele
J zranteSpaziergängeL Damen in glän
« zenden Toiletten, Herren in Uniform
und tadellosem Dreh, geputzte Kindes
J mit ihren ,,Fräuleins« und bunt to
stümirte Wärterinnen. —- —— —- —
Die beiden paßten nicht recht in
dieses Bild sorgloser Lebensfreude.
Mann und Frau waren es — sau
kser, aber einfach gekleidet, zu einfach
beinah- Das Kleid der Frau zeigte
die Formen einer längst vergangenen
Mode, ihrem Strohhut hatten Regen
und Sonne übel mitgespielt, der Rock
des Mannes zeigte abgetragene, blan
te Stellen.
Sie gingen langsam, besonders die
Frau, ein verdrossener Ausdruck lag
- auf ihrem Gesicht. Des Mannes Au
gen leuchteten dagegen, er athmete die
köstliche, frische Luft in vollen Zügen
ein. an der Art, wie er die Gärten,
die Bäume unb dle Biumen musterte,
« lag ein glückliches, stilles Genießen.
Manchmal drängte sich ein entzückter
Ausruf über die Lippen: »Wie schön,
wie wunderschön!« Die Frau sagte
leinen Ton.
»Du bist ja so schweigsam, Käthe?«
Sie tniff statt aller Antwort die
Lippen nur noch fester zusammen.
»Sieh doch nur, wie da alles blüht!
Ach, und jetzt singt auch eine Drossel,
! rizkst Dur-«
»Ja doch!«
Sie waren bei der hübschen Villa
angelangt, der Mann blieb mit einem
Ruf jubelnden Entzückens stehen:
.Sieh doch nur —- sieh doch nur blon
diese Blüthenpracht und das junge
Griin —- nnd das Wasser dazwischen.
rcss ist is köstlich! Am was hast Du
denn ,Käthe?s«
Sie antwortete nicht, erst nach ei
J ner Weile murrte sie trotzig und ver
lissen: ,,Wären wir lieber zu Hause
geblieben!«
»Jn unserer OoswohnungZ Jn der
engen Straße? Heut’ an diesem herr
lichen Frühlingstag, wo alles sch schön
ist, wo man erst mal wieder so recht
empfindet, wie wundervoll das Leben
ist?«
»Und wie wenig man selbst davon"
l;at!«
»Psui, siäthe, wieder Dein alter
Neid!«
,,Soll man vielleicht nicht neidisdi
werden?«
Ein mühsam zurückgelämpfter
Groll brach in ihr hervor: »Habt-it
wir etwa wag vom Leben? Ja.'
-,wei Stufen aus’m Hos, hasrg ji;
selbst schon gesagt. Arbeit und Ar
lseit von früh bis spöt, und wenn Du
vom Kontor lommst und ich von der
Nshinaschisie aussteh«, halin wir ae
rede so viel, daß wir satt werden«
»Sei zufrieden, daß Du so viel
hast! Manch Einer hat auch das nicht
malt«
»Und hundert andere viel, viel
mehrt« Sie sprach in dem unartigen
Ton eines störrischen Kindes: »Wir
rum soll ich denn immer an die den
ten, die weniger haben? Jch rann
ja an die denken, die mehr haben.
Warum haben denn andere Putz und
Vergnügen und ich nicht?««
»Hast Du etwa keine-? Sei dom
nicht so, Rathe. Haben wir nicht heu
te einen herrlichen Spaziergang ai
machis Und jetzt setzen wir unr- bier
her und verzehren unser Abendlsroo
im Grünen« Er wandte sich zu ei
ner Bank, die der hübschen Villa ac
rade gegenüber stand in einem Bo;
lett von Goldregen und Flieh-L
»Na? Sitzen wir hier nicht wunder
volls«
»Jawohl, wir sehen wenigsten-L
wie andere Braten essen und Bier
trinken, während wir unsere trockenen
Schmalzstullen speisen.« Sie warf
einen grollenden Blick nach den gro
ßenResta urants am Parlrande, von
denen das Lachen und Gläserklingen
deutlich herüber tönte.
»Mir schmecken meine Stullen
prächtig, und mehr als satt essen kann
man sich nicht.« Er biß herzhast ein«
rann ließ er jedoch-das Brödchen sm
»len und sagte ärgerlich: »So laß
sdsch var Gesichte-ziehen nache, des
—
ganzen schönen Tag oerdirbst Du
einem.«
»Mir ist er schon lange verdorben.'«
Sie schob die Unterlippe trotzig vor.
»Nicht ’mal ’n neues Soinmertleid
l)ab’ ich nnd die geht und putzt sich.«
Sie wies auf eine Dame, die drüben
in dem hübschen Garten auftauchte
nnd sich auf einen der Korallenstiihle
niederließ.
»Dentst Du, die muß sich an der
Nähmaschine quälen? Nein, die
wohnt in ’ner feinen Van und thut
nicht-IS'
h ,,:Wer weiß, was die fiir Sorgen
at.«
,«Ja, die wird Sorgen haben« —
Kathe lachte höhnisch ——— ,,vielleicht, ob
ihr der neue Hut auch steht. Was so
eine schon siir Schmerzen hat!«
Er antwortete nicht, aber ein trau
riger Ausdruck glitt über sein Gesicht.
Käthe bohrte mit dein Sonnenschirrn
im Sande, aus ihrer Stirn lagen böse
Falten. So saßen sie eineWeile schwei
gend, dann hob die Frau plötzlich den
Kopf und sagte, mit jähem Interesse
auftnertend: »Ach, sieh inal,!« Sie
wies hinüber nach der Villa Auf der
Terrasse war eine dunkle Gestalt er
schienen, eine Krankenpflegerin in
schwarzer Diaionisientracht.
»Da scheint Jemand trant zu sein!«
»Ja, es scheint so!« Er antwortete
rein mechanisch, gedankenlos-, ihre Au
kien aber hinan an dem Bilde, das sie
plötzlich von ihren verarollten Gedan»
ten abzulenten schien. »Wer mag ’n
trank fein? Vielleicht derMannS Sieh
·mal, jetzt geht sie zu der Frau-»ich!
Strieat die einen Schreck, es ist gewiß
schl immer geworden mit i.«hm
»Du weißt ja gar nicht, ob es ein
»Er-« ist!«
»Na, man sagt es hin — aber er
nsuß schwer trank sein.«
»Ja, sonst hätten sie wohl keine
clislegerin.«
Es entstand eine neue Pause Käthe
tonnte indessen nicht lange schweigen.
Sie war mit dem Kranken drüben be
schcistigt. »Er wird wohl da oben links
liegen, wo die Vorhänge so fest ge
schlossen sind.«
»Das kann wohl sein!«
,,Vielleicht ist er auch schon lange
krank und wird noch lange liegen mits
Fcn — siir kurze Sachen nimmt man
auch nicht gleich ’ne Schwester.
»Nein, das- stirnmt.«
Wieder Stille. Plötzlich schauerte
Fläthe zusammen: Du, es muß
schrecklich sein-, so trank zu liegen.«
»Ja, schrecklich!« Er antwortete
noch immer einsilbig verstimmt.
»Wochenlang im Bett liegen und
am Ende auch noch Schmerzen haben
und dabei wissen, daß draußen Som
mer ist nnd Alles bliiht.«
»Nicht wahr? Ja, die Armen, denen
es so geht.« Er sah mit einem eigenen
Blick zu ihr herum.
Sie bemerkte ihn jedoch nicht, sie
gefiel sich darin, dieser Vorstellung
nachzuhängen, ohne jeden Nebenge
danken offenbar. Ja, der da drüben
— da liegt er hinter geschlossenen
Gardinen und hat von seinem ganzen
schönen Garten gar nichts· Jch möch:
te nicht an seiner Stelle sein — nein,
nein ——"
»So, wirklich nicht?«· Jetzt blitzte
der Schall aus seinen Augen aus.
»Ach, Trih!« Ein jäheg Erröthen
lies über ihr Gesicht, sie hatte ihn ver
standen, Alles, wag ihr noch vor Kur
zem an Neid und Groll durch die
Seele »Im-innen ftim ins-sh» minnt
und stand vor ihr. Wie schuldbewußt
schlug sie Plötzlich die Augen nieder
nnd stamnielte noch einmal: »Ach —
Fritz —- ja, eFritz —«
»Und wie viele liegen so --— die in
den Krankenhäusern denl mal —
und wir H«
»Ja. sa« --— sie lies; ihn nicht ans
reden und erröthete noch tiefer. Plölz
lich aber hob sie doch dag- .Liaupt, und
wie ein befreileg Aufathmen ging es
durch ihre Gestalt. Einem jähen Juri
l«uls folgend, schlang sie den Arm um
ihn und lebnte den Kopf an seine
Schulter. Ueber ihr-e Lippen lani es
wie ein Jubellanl: »Und wir können
hier sitzen in all der Pracht —— und
keiner braucht sich nm den anderen zu
sorgen, und wund W da mach’ ich
Dir noch das Leben schwer um einen
neuen Sommerhnt -— und ——- ach,
Fritz, und wie glücklich lönnen wir
doch sein!«
-.-———
Die Soldaten, welche in Diisseldors
wegen Mißhandlung von Retrnten
verurtheilt sind, waren sicherlich schon
zum höheren Grade der Genieinheit
ausgerückt
si- e- si
Zwei ucfermärlische Bcsuerm aus
zer Schenlc tonimend, gerathen auf
dem Heimlrene in Streit. Der eine:
,Mensch, Du bist in vesofsenl« — Der
(ndere; »Daß ich besoffen bin, das
nimmt Aber das ist morgen vorüber
Du bist aber däinlich, und das bleibt
fiir innner!«
e- r- si
Wer die Dinge zu viel durchs Mi
lrostov betrachtet, läuft Gefahr, kurz
sichtig zu werden.
« - e
,.Aber, Herr Dietchen, was sollen
den immer die Menge Buchstaben un
ter jeder Seite Jhrer Briefe, A. w.
S. d. d. G. usw.«
»Siihnse das soll Sie näbmlfch nur
heeßem Ach, wenn Se doch die Giehde
haben mechten un gefälligst e Vischen
umwenden, ja-?-«
·- ek «
Es gibt Menschen, die ihr ganzes
Leben hindurch rechnen, und doch nie
zu einem Resultat kommen. —
Der- Zur-.
Unter diesem Titel veröffentlicht
die vornehmste englische Zeitschrift,
die »Quarterly Review«, einen bitte
ren Angrifs aus Nikolaus den Zwei
ten, einen Angriff, der umsomehr
Aussehen erregen wird, alg sein Ber
sasser, wie die ,,Review« versichert,
»ein russischer Beamter hohen Range-J«
ist. Es ist ausgeschlossen, daß eine
Revue von dem Charakter der ,,·Quar
terly Review« diese Versicherung ab
geben wiirde, wenn sie nicht vollstän
dig von ihrer Richtigkeit überzeugt
wäre, und der Artikel selbst zeigt je
denfalls-, daß der Verfasser den russi
schen Hof gründlich kennt. Sein Ziel
ist, zu beweisen, dasz die Hauptschuld
an den vielen Fehl-ern, die während
seiner Regierung gemacht wurden, den
Zaren persönlich und nicht seine Mi
nister trifft.
Gleich nach seiner Thronbesteigung
ist der Zar unter den hypnotischen
Einfluß Pobjedonosszews, des Proku
rators der HL Synode, gerathen, und
»von dieser Zeit an hat ihn ein Geist
der Selbstiiberhebung erfüllt, der im
mer mehr an Stärke zugenommen
hat gemäß dem psychologischen Gesetz,
daß Stolz so viel Platz usurpirt, als
Servilitiit ihm einzuräumen bereit ist.
Nitolai Alcxandrowitsch sing bald an,
in sich selbst den Mittelpunkt der Welt
zu sehen, den Friedenbringer der
Menschheit, den Fadelträger der Eini
lisation unter den ,,gell1en« und an
deren »barbarischen« Rassen und den
Bringer beinahe jeden Segeng siir sein
eigenes glückliches Voll. Jndein er
Ihr-. «:...,.c«:n.-4,. trinkt«-. ....«n .«s....
UIUlh IIIIHPUIIWIS JJslssIUll ksllsl Ilile,lll,
hat er sich beständig und direkt in
jede Angelegenheit der inneren und
äußeren Politik gemischt und dabei
den Laus der Gerechtigkeit aufgehal
ten, die Legalität untergraben, seine
Unterthanen ärmer gemacht, mit sei
nre glühenden Friedens-liebe geprahlt
und doch sein steueriiberbiirdetes Volk
in die Schrecken eines blutigen und
nutzlosen Krieges gestürzt. Unbestän
dig, mattherzig, selbstgefällig und wet
terwendisch wechselt er seine Günst
linge mit seinen Launen und erlaubt
einer Bande hergelaufener, obsturer
und gefährlicher Männer, die Funktio
nen der verantwortlichen Minister zu
usnrpiren, deren Empfehlungen igno
1irt, deren Warnungen mißachtet und
deren Maßregeln zur Sicherheit des
Staates ncht nur durchkreuzt, sondern
als Symptome des Ungehorsams
iibelgenommen werden«
Der Verfasser behauptet, daß Witte
nur gefallen ist, weil er nicht den
Höfling spielen wollte. Er sagte dem
Raren gerade heraug: »Eure Majestät
baben Ihr Wort gegeben, die Mand
schurei zu räumen, und die Welt
glaubte Ihnen. Ruf-taub wird nun
allen Credit verlieren und vielleicht
nicht einmal die Mandschurei gewin
nen, wenn eg Eurer Majestät beliebt, !
dieses Wort zu brechen. Krieg wird.
folgen, und wir brauchen gar sehr»
Frieden. Die Mandschurei ist zudenH
nutzlog fiir ung. Jch tann deshalb
In dieser Politik nicht theilnehmen.«
Ueber die Geschäftsführung des
Zaren werden folgende Bemerkungen
gemacht:
»Er schlägt sich beständig mitPhan
tomen herum, kämpft gegen Wind
iutjhlen, unterhält sich mit Heiligen
oder tonsultirt die Geister der Todten.
Aber oon den Mitteln, die er hat,
dem Volk zu helfen, oder ihm zu er
lauben. sich selbst tu helfen. macht er
nie Gebrauch. Bücher zu lesen hat er
längst aufgegeben, und er ist nicht im
Stande, gute Rathschläge anzuhören.
Seine Minister empfängt er mit gro:
ßer Formalität und entläßt sie mit
hochmiithiger Herablassung Sie wer
den oft iiber Dinge im Dunleln ge
lassen, die sie griindlich und friih er
fahren sollten. Kurz nach Ausbruch
des Krieges drängte sich z.B. eines
Tages eine Anzahl Würdenträger um
General Feuropattin und bestürmte
ihn mit der Frage, wie die Dinge
ftehen. Der Kriegsminister antwor
tete mit boghastem Augenzwinternz
»Wie Jhr. selbst, weiß auch ich nur,
wag veröffentlicht wird. Der Krieg
ist Alerejewg Sache, nicht meine.«
Vlls drei Minister den Haken beschwo
ren, die Mandschurei zu räumen und
den Weltfrieden zu wahren, antwortete
er: »Ich werde den Frieden wahren
und mein Geheimniß dazu.« Einem
der Großfiirsten, der am Tag vor dem
Bruch mit Japan vag die Möglichkeit
eines Krieges andeutete, antwortete
r »lleberlasse das mir. Japan wird
rie kämpfen. Meine Regierung wird
bis zuletzt eine Friedensära sein«
Jn seinem Studierzimmer ist er ge
wöhnlirh damit bes schäftigt, Antworten
auf Lonalitätgadressen zu unterieich
nen oder Bemerkungen an den Rand
der berschiedencn Berichte der Mini
ster, Gouverneure und andern Beam
ten zu schreiben. Seine Höflinge er
inuthigen ihn zu dem Glauben« das;
alle diese Antworten und Bemerkun
gen unschätzbar sind; selbst so triviale
Bemertungen wie ,,Sehr erfreut«,
»Gott gebe es« werden in großen Ty
pen gedruckt im Manuskript unter
Glas gebracht und im Archiv sorgfäl
tig wie Reliquien aufbewahrt. Ge
rade die interessantesten werden aber
nie veröffentlicht und von ihnen giebt
er eine nette Sammlung Hier ein
Beispiel. Jüngst wurde ihm vonGraf
itamsdorfs ein Bericht über die Un
terhandlungen mit Bezug auf das Ka
nonenboot »Mandschur« vorgelegt.
Er besagte, die chinesischen Behörden
hätten auf das wiederholte und drin
gende Verlangen des japanifchenKon
suls hin den »Mandschur« aufgefor
dert, den neutralen Hafen vonShang
——
7hai zu verlassen. Auf den Rand des
Berichtes schrieb der Zar die denkwiirs
digen Worte: »Der japanische Konfui
ist ein Schurke.««
Der Verfasser, der versichert, daß
er und seine Gesinnungsgenossen
treue Anhänger der Monarchie und
Gegner jeder revolutionären Agitation
sind, faßt seine Anklage nach einem
Wort über den unheilvollen Einfluß
der Großfijrsten dahin zusammen:
»Die Verantwortung für die Thaten
des Zaren«kann nicht auf die Schul
iern seiner Minister gelegt werden,
deren Rath er in den geföhrlichsien
Krisen seines Reiches nicht sucht. Nicht
sie waren es, die ihn veranlaßten, sein
Versprechen, die Mandschurei zu räu
men, zu brechen; sie beschworen ihn,
es zu halten. Nicht sie waren es, die
vorschlugen, zu verkürzen, was an
segensreicherMachtvolltommenheit sol
chen Institutionen wie dem Reichs
rath, dem Ministerausschuß, dem Se
nat noch blieb. Nicht sce waren es, die
ihn zwangen, die Monarchie dadurch
lächerlich zu machen, daß er Weisheit
in der Verfchwörung von Geistern und
Kraft in der Kanonisirung von Heili
gen suchte. Nicht sie waren es, die in
ihn drangen, die finnische Nation
durch eine Reihe unbilliger Maßnah
men zu zerstören, die eines orientalt
schen Despoten würdig gewesen wä
ren; sie versicherten ihm im Gegen
theil in klarer und nicht immer höfi
scher Sprache, daß Gerechtigkeit und
staatsmännische Klugheit fordern, daß
er einholte. Nicht seine offiziellen
Rathgeber waren es, die ihm nal)eleg
stel, UIL Uklllcllssusjc IILILUJI lssjch HEXE-cui
thums und ihrer Stiftungen zu be
rauben und die eifrigen Glieder dieser
Kirche, die im Namen ihrer Religion
und ihres Gewissens protestiren, mit
Kugeln zu strafen. Beinahe alle seine
Minister waren einmal wenigstens
einig, ihn zu warnen, daß das ein Akt
ungerechtfertigter Beraubung wäre,
und ihn zu beschwören, diesen Plan
aufzugeben oder zu modifiziren. Taub
gegen alle ihre Argumente bestand er
auf seinem Willen.«
Die »Times« behaupten, dieser
Artikel bestätige in sehr bemerkens
werther Weise Eindrücke, die man aus
anderen Quellen in Bezug auf die
Rolle gewonnen habe, die der Zar in
der Politik und Regierung seines Rei
ches spiele. Für die große Masse der
Engländer ist er aber ohne Zweifel
eine große Ueberraschung Sie haben
immer scharf zwischen dem Zaren und
seinen Ministern unterschieden und
ihm stetg den besten Willen und diesen
alle ,,Sünden« seiner Regierung zu
geschrieben.
-
Fisch nnd Maler-.
Der Pariser Maler Francois Fla
nieng hat ein Bild der Baronin Henri
Rothschild gemalt, das in der Farbe
der Toilette so eigenartig ist, daß es,
wie der Künstler selbst erzählt, großer
Studien bedurfte, um die Nuancen
Des programmmäßig festgestellten Klei
des auf die Leinwand zu bekommen.
Das Bild stellt eine junge Frau -oor,
die, auf eine Balustrade aufgestützt, in
einem Pakt sitzt und ein Kleid aus sehr
blassem mauoessilberfarbenen Sammt
trägt, Das in der Taille eine besonders
große Metallschliesze zusammenhält
Tie .ueit zurüctfallenden Tüllärmeln
lassen die bloßen Arme sehen, eine Art
Sammetecbarpe liegt über den Schul
tern, und die Stufenleiter Dieser zarten
Ucuucll UHU lIlUUULsUIUcUcu JIUUULDU,
die sich oon einem silbergrauen Hinter
grund abheben, ist Von einer unendli
chen Feinheit, eine vom technischen
Standpunkt aus besiegte große Schwie
rigkeit. »Ich wußte nicht, spie ich der
selben beilommen lönnte,« erzählte der
Künstler, »als mir der Zufall einen
besseren Dienst leistete, als ich je zu
hoffen gewagt hatte. Wie ich vor eini-A
gen Wochen ein Bild ablieferte, ging ich
itber den Hasen und bemerkte in der
Bude einer Fischslsärdlerin eine pracht
volle Mutäne, deren Schuppen sieh vom
reinsten Silber, Grau und Manne bis
zum schönsten Blau abschattirten. Sie
können sich meine Freude vorstellen,
denn Das Problem war gelöst!«
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Ein plötzlich erwachsen-s »Wart
deutend-«
Ein Mogkauer Leser der Rqu er
zählt folgende luriose Geschichte. Ein
musikalisches Wunderkind, ein Gei
ger, der in Petersburg und Moskau
als ,,Elfjähriger« allgemeine Bewun
derung erregte, wuchs von Jahr zu
Jahr immer mehr heran und hätte
schon längst im Fracianzug sich auf
dem Coneertpodium produziren tön
nen, wenn seine Elternn nicht dagegen
gewesen wären. Ihrem lLtzillen und
Interesse folgend, leate der Jüngling
die Finiehijgetien und die Stuabenjaae
nicht ab. Schließlich, im Januar die
ses Jahres-, gab man aus deutsoncert
programmen zu, dass der Violinvir
tuose schon das »1t3. Leben-jahr« er
reicht habe. Wie gross war aber das
Erstaunen aller, die den Jüngling
noch als Wunderkind betrachteten, als
er kürzlich als —-— Reserveosfizier ein
berufen wurde. Wenn das «Wunder
lind« als Hauptmann vom Kriegs
schaunlatze zurückkehrt. wird es tvohl
nicht mehr in kurzen Högchen und
weißen Strümpfen austreten können.
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Nach den neuesten Nachrichåen aus
Berlin scheint dort das Vorgehen
tltußlaiids gegen deutsche Schiffe ver
schnupft zu haben. Die Russen schei
nen sich geirrt zu haben, als sie mein
ten, die deutsche Regierung sage im
mer nur: «Prise gefalli22«