Nebraska Staats-Anzeiger und Herold. (Grand Island, Nebraska) 1901-1918, May 31, 1901, Sonntags-Blatt, Image 15

Below is the OCR text representation for this newspapers page. It is also available as plain text as well as XML.

    Al
Ins-agaaaaaooaanaaö
Vermischtcs.
IADQUDDDQIUOOUOQVQU
Die Aussichten aus elektrischen
Schnellverlehr mit einer stiindlichen
Geschwindigkeit von 125 engl. Meilen,
wie ein solche zwischen Berlin und
Hamburg zunächst in Aussicht genom
men ist, haben den Wettbewerb der
Dampf - Eisenbahnen angestachelt.
Das Fachblatt »Glasers Annalen««
enthält einen Entwurf zum Bau von
Dampf «- Lolomotiven, die im Stande
sind, kleine Züge mit Geschwindigkei
ten von 200 Km. (125 engl. Meilen)
in der Stunde iiber die vorhandenen
Geleise der Bahnen zu befördern.
Hierin läge einVorsprung gegenüber
dem geplanten elektrischen Schnellver
kehr, der besonderer Geleis - Anla
en bedarfs — felbt wenn, wie es
scheint, be andere El aßnahmen erfor
derlich wären, um neben dem gegebe
nen Dampfbahn - Verkehr jene hohe
Geschwindigkeit einzuführen.
III-U
IOUIV
Folgende gut ersundene Anecdote
wird dem Neuen Wiener Journ. aus
Berlin erzählt: Der Hauptmann v.
Wetterer gilt sür einen der schneidig
sten Ossiztere der Armee, seine Com
pagnie zeichnet sich durch besonders
gute Schule aus dem Exerzirplatz,aber
auch vielfache lerammandirungen in
den Arrest aus, namentlich aber be
wahren die Ersatzreservisten ihm ein
dauerndes Andenken· Er hat, wie
man zu sagen psleat, Haare aus den
Zähnen, doch die Zähne selbst taugen
nicht viel und er iielit sich genöthigt
einen berühmten Zahnarzt zu Rathe
zu ziehen. Dieser, im Augenblick be
ghästigh bittet ihn, sich von seinem
ertreter, der irn Nebenzimmer arbei
tet, untersuchen zu lassen. Der tim
rne Hauptmann össnet die « hüt.
schließt sie aber sosort wieder von
außen und erklärt mit allen Zeichen
des Entsetzeng: »Um Gottes t illen
das geht nicht, der Mann war ja erst
kürzlich bei mir zur Uebung einberu
sen-«
Das eigenartigsie Dorf der Welt
ist die Ortschaft Carrarroß auf einer
Jnsel der Westtiifte von Jrland; sei
ne siebzehn Häuser sind nämlich
Schiffsrumpfe, die von den Stürmen
des Atlantischen Oceans auf dieKiiste
geworfen und·von den Bewohnern
nach dem Innern geschleppt worden
sind. Eines dieser ,,.f,1äuser« stammt
aus dem Jahre 1749. Das einzige
aus von Carracrofz, ists lein altes
Ochiff ist, ist das ’iifarrt,.ius; eg wur
de aus Baumstämmen gezimmert, die
der Golfstrom aus Amerika ange
sch oemmt hatte. Diese vereinsamte,
beständig von heftigen Stürmen ge
peitschte Insel bietet noch eine andere
Merkwürdigkeit: die Einfriedungen
der Kartoffelfelder bestehen aus tost
barexn, von der Strömung an’5 Land
getriebenern Holz; auch kann man
dort Tröge sehen, die aus einem gro
ßen Mahagonibloct gefertigt sind.
Ein eigenartiger Streit ist in Rös
iin bei Magdeburg ausgebrochen. Es
handelt sich um einen Hebammenausi
stand. Die Hebamme-i haben sich Zu
einem Verein zusammengethan und
beschlossen. zu streiten, falls in Zu
kunft dasBitten derPathen zur Taufe,
das Hergebens der- Taufzeuges für die
Täuflinge und das Tragen der Täuf
linge von den Wohnungen zur Kirche
von ihnen besorgt werden soll. Die
tinderreichen Väter Köslins und die
es werden wollen, finden sich mit gu
tem Humor in die Sache, wie folgen
des Jnserat in einem Localblatte be
weist: »Zu: gefälligen Beachtung!
Bezugnehmend auf das Jnsctats er
hülfreichen Frauen Köslins in No. 4
der »Kösliner Zeitung« werden auch
die Unterzeichneten vom 1. Mai ab
nur unter folgenden Bedingungen fer
nerhin die Lieferung von Sprößlin
gen übernehmen: l) Die Babies wer
den nur bis an die Hausthüren gelie
fert; 2) Augenzeugen werden nicht
mehr geladen; B) Hemdchen müssen
selbst gehalten und vorher an den Cen
tralverband in Kairo gesandt werden.
Der Centralverband der Störche,
Kösiin.«
Warum die Chinesen Ratten essen
die Beantwortung dieser Frage dürfte
allgemeines Jnteresse erregen. Die
Ratten sollen nämlich, nach dem
Glauben der Chinesen, fiir den Men
schen das beste Haarmittel sein, und
—.«I—---. .. .. , - — .
'—.
sda die Chinesen mehr Haare brauchen
als andere Menschen, welche nur einen
eingebildeten Zopf tragen, so ist es
ganz begreiflich, daß sie die Ratte zu
isten Mahl eiten herangezogen haben.
attenfleis soll aus die Haare des
Menschen dieselbe Wirkung angiiben
wie die Carotten auf die der Pferde.
Jeder Pserdebesitzer weiß, daß die
Carotten dac- beste illtitrel sind, um
dem Fell der Pferde Glanz nndWeich
eit zu verleit;e:i. In ähnlicher Weise
d die Chinesen nnd besonders die
Chinesmnen seit urdenttichm Zeiten
davon überzeugt, daß der Genuß von
Rottensleisch nicht nur dem Ausfall
der Haare vorbeuge, sondern das-Haar
sogar wieder neu wachsen lasse und
ihm einen weichen Seidenglanz ver
leihe. Für Europäer toiirde cis sa noch
besonders interessant sein, zu ersah
ren, ob sich die Wirksamkeit dieses
Mittels nicht nur aus das Haupthaar,
sondern auch auf die Barthaare er
streckt. Wozu in aller Welt haben wir
denn unsere Laboratorien, wenn sie
uns nicht iiber Fragen von solcher Be
deutung durch Versuche auslliiren?
Recht angenehm muß es in früheren
Zeiten gewesen sein, mit der Post
tutsche zu fahren. Als im Jahre 1684
eine der ersten Posten zwischen Leipzig
und Nürnberg eingerichtet wurde,
führte die Leipziger Aanfmannschaft
schon nach Kurzem iiber dieselbe Be
schwerde. Jn der weitläufigcn Schrift
heißt es unter Anderern, daß die Pas
sagiere klagten ,,wie darben nicht allein
so liiderliche Wagen, sondern auch zu
öfteren Mahlen versoffene und nntiich
tige Postillons dabey wären, durch
welche die Passagiere-« verwahrloset
und umgeschmissen würden. Jnson
derheit ser) es am sogenannten Hun
gerberge bey Gera, welcher nm Mitter
nacht passirt würde, gefährlich, indem
an dem Wagen leine Laternen wären.«
Daraus erwiderte seitens der Regie
rung der Oberpoftmeister Kees ,,toie es
allerdings auf besagtem Hungerberge
sehr gefährlich wäre; wenn aber die
Passgiers nicht umgeschmissen sein
wollten, so möchten sie an dieser Stelle
aussteigen und beyher gehen; Lichter
und Laternen könnten die Postillons
nicht allzeit bey sich fiihren.«
—
DeniBriefe eines in Kapstadt leben
den Deutschen Dr. W. an eine Dame,
deren Sohn als VurewOssizier in
Transvaal initlämpfte, gefangen und
nach Cehlon geschleppt wispde ent
nimmt der ,,i)teichgbote« oigende
Stelle: »Bei ung ist viel Elend. Die
TObsal geht hoch einher: Pest. Krieg,
Jammer, Hunger. Unsere Herzen lon
nen nicht mehr lange die Last tragen;
man wundert sich, daß man noch
leben tann;" man ist wie träumend.
Da ist kein belser und kein Tröster
unter den Mächtigen der Erde. Aber
Einer, der mehr und höher ist als alle
Kaiser, der sieht doch unseren Jam
mer. Wir bitten nur, daß der Glaube
nicht ganz und gar Schiffbruch leide.
Ach. sehr geehrte Frau v. D., ver
zeihen Sie mir meine Worte. aber des
Unheils ist zu viel iiber uns gekom
men. Die Buren sind iiber alles Lob
erhaben, trotz all der Nöraeleien so
vieler Offiziere. Wo ist ein Volk in
der Geschichte jin finden, welches das
geleistet hat, wag dieses Heldenvolt
leistet?« —
Seitens der australischen Födera
tion ist die englische itteichgregierung
angegangen worden, die Jnselgruppe
der Neuen Hebriden siir Australien zu
erwerben. Dieselbe steht gemäß ei
nem im Jahre 1887 zwischen Groß
britannien und Frankreich geschlosse
nen Vertrage unter Verwaltung von
Marineofficieren beider Länder, die
über Leben und Eigenthum ihrer
Staatsangehörigen zu wachen hat.
Daraus ist eine grenzenloseMißwirth
schast entstanden. Die Zahl der Ein- »
gebotenen ist, infolae von Krankheiten,
Trunksucht und fortwährenden Feh-:
den von 90,()00 aus 50,000 zurückge
gangen; dazu toinmt, daß Quem-z
land sieh vorzugsweise von dort seine
»Arbeiter« holt lDeutschland besitzt
das gleiche Recht). Die Franzosen
bilden weitaus die Mehrzahl, wie auch
der französische Handel über-wiegt. Die
einzigen Augsuhrwaaren sind Kopra
und Treu-sing die reichen Erzlager
werden nicht ausgebeutet Die Insel
grupve umfaßt ein Gebiet von 1:z,227
Qtni., ist reich bewaldet und hat ein
herrliches Klima Ob die Franzosen
bereit wären, ihre dortigen Gelegen
heiten auszugeben, täme darauf an,
was England dafiir zu bieten hätte
Vexirbild.
?
Calisornischr Straußensederm
Von E. Lstcn.
Die Hauptquelle der Straußen
federn, deren Bearbeitung und Zu
richtun zum Schmuck von Damen
l)uten, Tsächern, Boas, als Pelzbesatz,
vielen Tausenden von Arbeitern und
Arbeiterinnen Unterhalt gewährt, bil
den die Straußenfarmen der Cap
Colonie. Einen kleinen Theil beson
ders schöner Federn liefert Aegypten,
und seit einiger Zeit haben auch die
Farmen in Süd-Calisornien und
Arizona zur Versorgung des Marktes
beigetragen. Die Straußenzucht Ca
liforniens ist ein ziemlich neuer Jn
dustriezweig dieses Landes und An
fangs waren die calisornischen Fe
dern, welche hauptsächlich in Amerika
Verwendung fanden, von ziemlich ge
ringer Qualität· Jn den letzten Jah
ren ist jedoch durch sorgfältigere Aus
wahl und Zucht der Vögel eine we
sentliche Verbesserung erzielt worden.
Die Fabriken empfangen die Federn
in Bündeln von je 100 Stück. Die
Federn werden sortirt und an Fäden
aufgereiht, und kommen so in die Fär
berei, wo sie zunächst in einer Seifen
lösung gewaschen und dann aus ge
wöhnlichen Waschbrettern gehörig ae
rieben werden. Besonders beliebt sfnd
die schwarzenStraußenfedern und aus
diesem Grunde werden große Mengen
von Federn schwarz gefärbt. Jn die
sem Falle kommen sie zunächst in ein
Faß mit rother Farbe, in dem sie vier
Stunden lang bleiben, worauf sie für
eine Frist von 24 Stunden in das
schwarze Farbbad gelegt werden.
Der Jnhalt der Farbenbehälter
wird durch heißen Dampf zu einer
Temperatur von 70 bis 90 Grad Cel
srus erhitzt. Nach dem Schwarzfärben
werden die Federn gebiirstet und ge
rieben und kommen dann in einen
Trockenraum- wo sie einer Tempera
tur von etwa 70 Grad Celsius wäh
rend 6 Stunden ausgesetzt werden,
um dann, im Trockenraum auf einem
Brett »aus-geschlagen« zu werden.
Dieses Verfahren hat den Zweck, die
einzelnen Fasern locker zu machen und
so den Reiz der Federn zu erhöhen.
Der Prozeß des Schwarzsärbens ist
also ziemlich umständlich und kostspie
lig. Das Färben der Federn in hell
blauem, neltenrothem, lardinalrothem
Ton u. s. w. dauert indessen höchstens
eine Stunde.
m k w,k - ,4. ,. ,,,k
Wclllc Ulc ffcuclll gclkmucl uslU
ausgeschlagen sind, werden sie von den
Fäden abgeschnitten und lose in Car
rons gelegt, in denen sie nach dem
Sortierraum befördert werden. Das
Sortiren erfolgt durch Arbeiterinnen
unter Verwendung von Brettern mit
Zolleintheilung Jede Feder wird auf
das Zollbrett gelegt und nach Feststel
lung des Maßes der betreffenden
Sorte zugewiesen. Dann wird der
Kiel jeder Feder am unteren Ende ge
- türzt und die Spitze zugestutzi. Erst
jetzt erfolgt das Sortiren nach Qua
lität.
Eine einzelne Straußenseder hat,
wenn sie nicht außergewöhnlich schön
ist, nicht genug Fasern, um voll genug
zu erscheinen, wie das allgemein vers
langt wird. Man pflegt daher meh
rere Federn aufeinander zu legen und
sie zusammen zu nähen. Dazu muß
indessen der größte Theil des Kieles
entfernt werden. Eine Arbeiterin
spaltet diie Feder in zwei Theile, doch
wird oft auch der starke Kiel einfach
abgeschnitten. Die gewöhnlichen Fe
derforten enthalten drei oder vier, die
besten siinf oder sechs Straußen
federn. Wenn die einzelnen Theile
einer so zufammengesetzten Feder auf-·
einander gelegt sind, werden sie am
Kiel der Hauptfeder entlang, welcher
ganz unversehrt ist, in Zwischenräu
men von je einem Zoll aneinander ge
heftet. Nun wird die zusammenge
setzte Straußenfeder mit einem Stiei
versehen, d. h. es wird ein Draht da
ran genäht.
Hieran folgt der Proceß des Kräu
felng, auf welchen ich noch zurückkom
me. Zuletzt wird die Spitze aus freier
Hand gefällig nach unten gebogen,
wodurch die Fasern dicht zufammen
fallen und die Feder ein noch gefällige
res Aussehen erhält. Die kurzen Fe
dern- die von dem Körper des Vogels
stammen, und unter der Bezeichnung
Flofsen bekannt sind, werden beson
ders für Boas und Fächer verwandt.
Bei der Fabrikation der Federboag
wiederholt sich der Procefz, nur werden
die Federn hierbei nicht aufeinander
genäht, sondern fortlaufend dicht zu
fammengereiht, bis zu Längen von It
bis 10 Fuß.
Die Boa wird dann über einem
Dampftesfel eine Weile gedreht, um
die Fasern für den Proceß des Kräu
selns gefchmeidig zu machen. Das
Kräuseln geschieht in der Weise, daß
man einige Fafern gleichzeitig erfaßt
und sie über das stumpfe Ende eines
Kräuselinftrumentes zieht, dessen
Klinge etwa die Form eines Gärtner
mefsers hat. Die Fafern werden mit
dem Daumen gegen das Kräuselmesser
angedrüclt, während fie über dasselbe
hinweggezogen werden; es erfordert
einige Geschicklichkeit, den gewünschten
Effekt zu erzielen. Dieser Proceß der
Zurichtung verlangt die geübteften
Arbeiterinnen, und die Mädchen, wel
che dabei beschäftigt sind, verdienen
dabei in New York während der Sai
fon 4l)—-5() Dollars pro Woche, und
in der flauen Geschäftgzeit immer noch
If— 20 Dollarg wöchentlich. In Ber
lin, Paris und London zahlt man
nicht fo gute Preise, doch werden ge
übte Federlräuglerinnen immer gut
honorirt.
Federbüschel werden in derselben
Weise wie einfache Federn hergestellt,
nur mit dem Unterschied, daß die
Spitzen noch mehr umgebogen und die
Federn zu dreien zusammen gedrahtet
werden. Bei Herstellung des Pom
ons wird die Feder gespalten, um
sie biegsamer zu machen. Dann wird
sie stark gekräuselt- rund zusammen
gerollt, mit Seide gebunden und in der
Mitte mit einem Reiher versehen.
Wenn die Federn im rohen Zustan
de zu den Fabrikanten kommen, so
sind sie je nach Qualität 150——125
Dollars werth. Jn fertigem Zustan
de haben sie einen Werth von 15—150
Dollars pro Dutzend. Der Preis der
schönsten Federn ist in den letzten
Jahren stark zurückgegangen, denn vor
etwa 10 Jahren tosteten sie noch 150
bis 200 Dollars pro Dutzend. Da
mals wurden aber die Federn weder
genäht noch umgebogen, und eine ein
zige Feder von derselben Fülle und
Größe wie die beste genähte Feder galt
als ein wahrer Schatz. Eine wirklich
schöne Straußenfeder, mag sie auch
genäht sein, hat aber vor den Augen
der Kenner immer noch ihren hohen
Werth.
Die Schattenseiten dcsChampagncrs
Wohl Niemand dentt beim fröhlichen
Finalleu der Champagnervfropfe11, beim
Genus; des perlenden Seetes, daß dieser
Göttertraiit, der die Traurigen erheitert
und die Müden wiederbelebt, auch seine
Nachtheile hat. Aber leider ist es so. Die
Champagnerteller sind ebenso traurige
Stätten, wie die Bleiii und Silberbiitten«
die Weberdörfer nnd hundert andere
Heimstätten der Industrie, welche ihre
Erzeugnisse in glänzende-Z Gold verwan
eln.
Selbst dem Eingeweihten bietet der«)ln
bliet einer weitläufigen, unterirdischen
Welt, die von Millionen von Champag
nerflaschen belagert ist nnd in denen
Weine im Werthe von vielen Tausend
Mart durch Röhren wie Wasser flieszem
einen reizvollen fesselnden Anblick. Aber
diejenigen, welche dazu verurtheilt sind,
in diesen stellern Tag für Tag zu leben
nnd ihre schwere Arbeit zu verrichten,
sind minder von dieser Welt entzückt.
Die merkwiirdigsten dieser unterirdi
schen Varchnstempel liegen unter der al
ten Stadt Evernan oder den römischen
ArchitertnrsDenkmälern von Rheine-»
tvo die Gänge in den solideu Fels ge
hauen. sich meilenweit nach alleuRichtiui
gen ausdehnen, und wo sich, wie in einem
Vergwei«l, ein Tunnel unter dem anderen
befindet. Bist- zu einer Tiefe von H« Fuss
steigt man hinab, und all die weiten
Räume sind von den Schätzen des Var
Musk- erfüllt.
An den Wänden der endlos- langen
Gänge sind hunderttausende vouWeinflas
schen anfgestavelt, deren analt den Xelä
rnngszs nnd Reisevroeesz durchmachen
nuti;. Ein Spaziergang zwischen diesen
Flaschenbatterien ist fast ebenso gefähr:
lich, wie da-; sireuzeu der Schnszlinie ei
ner feindlicheu Vatterie; denn jeden Au
genblick tann eine der Flasche-n zerspriu
gen und ihre Scherben mit der Wncht ei
nec- Shravnelsz gegen den Vesucher schlen
dern.
Jeden Morgen hiinrtlich um sillhr tau
ehen lninderte von Arbeitern in diese Ge
tviilbe unter, und erst 12 Stunden später
erscheinen sie wieder an der Oberfläche
Leider sind die Bedingungen, welche fiir
dass Gedeibeu desJ Weine-Z so giinitiu sind,
siir die menschliche Bevölkerung im hoch
sten Grade nachtheilig Während des
ganzen Jahres-, im Hochsonuner wie ini
Winter, mus; hier eine gleichmäßige
Temperatur von etwa 7 Grad Eeliinsrs er
halten werden, nnd die Luft ist so gesät
tigt mit Feurluiglein das-; dass ·«"iaiser ais
den Wänden herinitei«länft, nnd die
Scheidewände zwischen den einzelnen
Stellern davon durchdrungen sind.
In den dnntlen dunstigeu Gängen bin
ter diesen Wänden befinden sich die Ar
beiter, deren einzige Aufgabe darin be
steht, die Tausende vonFslascheiu eine nach
der andern, etwas zu schiitteln, um einen
Vodeiiitiisatz, der sich stete- darin bildet, in
Bewegung zn bringen und sie dann mit
dem Hat-J nach unten in den Ilaschenrah
men zu stellen. lind diese-Z monotone Ver
saht-en, wohl das langweiligstm dac- man
nn) oenten mun, wiederholt steh fötnnde
um Stunde, Tag um Tag, ein ganzes
Leben lang. llnd dazu die steie Kälte-,
Feuthtigkeit nnd Dunkelheit, welche die
Vorbedingung zur Erzielung eines guten
fröhlichen Chamgagnersz bilden. Ein ge
iibter Arbeiter dieser Gattung dreht bis
tin Flasche-n in der Minute nnd hält diese
lsjei.qnvindigteit zehn Stunden des-«- Tages
ausreeht, so dasz er in einein Tage neun-»
Fleisch-en dureh seine Hände gehen lässt.
Jst es da ein Wunder-daß diese Ellcänner
nach vielen Jahren einförmige-r Arbeit
ein absonderlieheCs litt-bahnen znr Ethan
tragen? Zie werden triibsinnig nnd still
nnd nähren die sonderbarsten Ideen in
ihrem stopfe. Manehe behanvten, das; esri
in den lslewölben stinkt-, das-, ane- den
dnnilen Ecken Angen bei der Arbeit zu
schauen Weleli ein traurige-I Leben!
Es ist, alsJ ob Jemand gefesselt unter ei
ner Gusse steht, während ihm Tropfen ntn
Tropfen auf den Ziheitel fälli- Er tann
gar nicht-I mehr sehen, nicht-J mehr hö:
ren, nigttcs tnehr denken
Eine Classe bon Leuten giebt es in die
ser unterirdischen Welt. deren Geschick
ettvntz weniger traurig ist« Eine Abthei
lnng besteht ais-J einer tleiuen Ztlsaar
von Ulcännern nnd Mädchen, die mit dein
Jutorteih dem Vesestigen der Zinutavseln
nnd dein Etilettiren beschäftigt sind.
Ins- Lesfnen und Wieder-verübtiesien
der Flasche-n geht mit der fast nnglanbli
then Geschwindigkeit von Hm Stint in der
Stunde vor sieh. Jn dieser skeit werden
die Flasche-n in schneller Folge von einein
Mitaben einein Arbeiter zugereiihh der
niit erstaunliche- Schnelligkeit die zweien
heran-schlägt, etwaigen Bodenansab ent
fernt, mit «Lilör« uaehsiillt, und deut
Morter Hut-einst Dac- Vertorten geschieht
schon seit einer Reihe von Jahren mittelst
der Maschinen welche den Mork erfas3t,
ihn in die richtige Form vreszt nnd dann
in den Flasehenhalsri treibt. Die Flasihen
sind dann fertig nnd werden nur noth von
den Mädchen mit ;5inutnvseln und Eti
fetten versehen.
Eine Anzeige itn Berliner Tage
blatt lautet: ,,Suche für meinen Sohn
(Einjähriger) eine Lehrerstelle in ei
nem Holz- oder Holz- und Getreides
«Geschäft.« Wie praktisch! Namentlich
in einem Getrcidegeschäft wird der
angehende Lehrer wenigstens nicht
Hunger leiden.
I
Roßkastanichudding und Bisam
Braten.
Wer von uns hat nicht als Kind
einmal in unwiderstehlicher Neugier in
die glänzendbraune Frucht der Roß
tastanie hineingebissen, um zu wissen,
»wie es schmeckt«? Pfui, war das ein
« abscheulich bitterer, herber, zusammen
ziehender Geschmack! Wir hatten uns
gründlich davon iiber eugt, daß die
wilde Schwester der arone unge
nießbar ist. Das haben wir von da
an fest geglaubt, und diese Meinung
ist auch die allgemein verbreitete. Und
mit Recht. Die Roßkastanie ist, sowie
sie in ihrer appetitlichen hübschen
Schale aus der stachlichen Hülle her
ausspringt, wirklich kein Nahrungs
mittel für Menschen. Aber ob sie sich
nicht doch ir. ein solches verwandeln
läßt? Diese Frage hat sich die Che
mie ganz ernsthaft vorgelegt. Und ;
nach mannigfachen Versuchen kommt ’
sie nun zu folgenden Schlüssen: Ja, .
die Roßkastanie ist mehr alg ein Kin- »
derspielzeuq; sie kann noch von unge- ’
ahnter Bedeutung für die Volkswirth- «
schast werden, wenn sie auf ihrenNähr- .
werth verarbeitet wird. Hören wir,’
was die Chemiker Mertwiirdiges über
die Sache zu erzählen haben.
Der Samen der Roßkastanie, dieses J
iiber ganz Europa und Nordamerika
weitverbreiteten Baumes, enthält ;
außer Stärkemehl etwas Zucker, un- i
gefähr 10 Prozent Bitterharz und fet
ten Oeleg, 27 bis 28 Prozent Eiweif-«
besitzt also, indem er sogar Linsen und
Erber übertrifft den böchftenlfimpifk i
gehalt, der bisher in nutzbaren pflanz- i
lichen Produkten nachgewiesen worden
ist. Jhres außerordentlich bitteren
und harzigen Geschmackes wegen fand
die Roßkastanie als Nahrungsmittel
fiir Menschen bisher keine Verwen
dung. Sie diente in nur beschränktern
Maße zur Fütterung von Wild. Eine
ungeheure Menge besten Nährmate
rials wurde deshalb jährlich achtlos
bei Seite geworfen und ging so für
die Menschheit aus Unkenntniß ver
loren.
Nach langen Versuchen ist es A. (
Flugge inHannover gelungen, aus ein- l
sache Weise die Nährstofse der Kasta- l
nie zu entbittern und somit ein billi
ges, kräftiges Nahrungsmittel herzu
stellen. Da der bittere Geschmack der
Kastanie nicht Von einem Alkaloid ·
oder dergleichen, sondern Don einem ,
in derselben enthaltenen Harz her- ;
rührt, so können die zu Alkaloidextrat- i
tionen gebräuchlichen Lösunggniittel (
tsaure oder alkalischeWasser) zur Ent- «
fernung des bitteren Geschmackes nicht
in Anwendung kommen. Hingegen I
gelang es aus folgende Weise, dag in
den Kastanien enthaltene Bitterharz zu
entfernen. Die Kastanien werden zu
nächst Von der braunen Samenschale
befreit, wag durch oberflächliche Rö
stung erleichtert wird, und dann pul
verisirt. Das erhaltene Kastanienpul
ver wird in einem aut verschließbaren
Verkolator mit reinem Altohol oder
Aetheralkohol durchtränkt und über
schüttet. Nach etwa achttägigem Ste
hen bei mäßiger Wärme ist das Harz
gelöst, nnd wird nu die Lösung dessel- I
ben durch Oefsnen des Pertolators ab:
gezogen.
» - nn
Our guts-scheu Verwaltuqu
Harzlösung aus dem Kastanienmehle
sind neue Mengen eines der genannten
Lösungsmittel nöthig, welche aus der
abgelaufenen Bitterharzlösung erhal
ten werden. Durch Erwärmen der
letzteren wird der Alkohol oder Aether
altohol verslüchtigt, so daß das Bit
terharz zurückbleibt Die so erhalte
nen reinen Alkohol- oder Aetheralko
holdämpfe werden durch ein Röhren
system in den oberen Theil des Perio
lators auf die Oberfläche des Rasta
nienmehles geleitet, durch eine geeig
nete Kühldorrichtung wieder verdich
tet, nach dem Ablauer abermals ver
gast, und dieser Prozeß so lange fort
gesetzt, bis die aus dem Pertolator ab
fließende Flüssigkeit frei von bitterem
Geschmack ist. Aus dem alloholdurch
tränkten Kastanienmehl destillirt man
den Alkohol ab und trocknet das zu
rückbleibende Mehl. Dasselbe enthält
alles in der rohen Kastanie enthaltene
Eiweiß und Stärkernehl und ist ein
ausgezeichnetes, angenehm schmecken
des, billges Nahrungsmittel
Wenn sich diese Behauptungen der
Chetniter bewahrheiten, dann wird die
Roßkastanie ein neues Nahrungsmittel
. werden,das man gewiß als ein moder
nes bezeichnen darf.
Uebrigens wendet eine andere Na
turwissenschaft als die Chemie, die
Zoologie, ihr Augenmert zur Zeit aus
eine Nahrungsquelle, die der Urzeit
angehört, also gewiß ein ganz gerader
Gegensatz des modernen Roßtastanien
Puddings erscheinen muß. Aus Jos
silien, die uns über die Urgeschichte
Europas Aufschluß geben« wissen wir,
daß die Urbewohner dieses Kontinents
als Jägervölter mit dem Speer und
dem Pfeil, deren Spitze aus Feuerstein
zugeschärst war, auf Thiere Jagd
machten, die heute entweder schon völ
lig ausgestorben sind, oder sich nach
dem Norden, fern von Menschenansie
delungen gefliichtet haben. Neben dem
Höhlenbären und dem Ur war eines
der beliebtesten Jagdthiere, dessen
Fleisch genossen wurde, das Moschus:i
thier und der Bifamochs. Heute lebt
dieses Thier nur mehr in wenigen
Heerden in Grönland Nun soll der
Versuch gemacht werden, dieses Ur
weltthier wieder in die eivilisirte Welt
zu verpflanzen, Und vielleicht finden
wir auch Geschmack an dem Lieblings
braten der Bewohner der Höhlen und
Psahlbauten vor tausenden und aber
tausenden Jahren.
Der vor Kurzem von ihrer Polar
fahrt heim-getehrten Koltboff’schen
Expedition ift es, wie aus Stockholm
berichtet wird, gelungen, nach wieder
holten vergesblichen Versuchen auf
Grönland je ein männliches und ein
weibliches Bisamkalb einzufangen und
lebend bei bester Gesundheit nach
Schweden zu überführen. Einst-weilen
find die-Thiere auf einem Gute bei
Boden im nördlichen Schweden unter
gebracht, und sie sollen, wenn sie sich
etwas mehr an das Klima gewöhnt
haben, in den nordschwedischen Berg
gegenden, wo die Naturverhältnisse
ihrer Verbreitung allem Anschein nach
günstig sind, in Freiheit gesetzt werden.
Der Mofchusi oder Bifamochfe ist nach
den Studien und Ermittelungen des
Konfervators Kolthoff ein so außer
ordentlich werthvolles Thier, daß feine
Verpflanzung nach Nordschweden ein
wirthfchaftlicher Gewinn von Bedeu
tung fein würde. «
Kolthoff versichert, daß das Fleisch
nicht nur eßbar, sondern sogar wohl
schmeckend sei, und da das arktifche
Hochswild bis zu 15 Centner schwer
wird, ist diese Eigenschaft für sich al
lein schon von Wichtigkeit. Der Haupt
werth besteht jedoch in der dichten dun
kelbraunen Wolle des Thieres mit
außerordentlich starken Faden. Die
Wollmenge eines einzigen Bifamochfen
soll so viel betragen wie die von zwan
zig Schafen. Eine gewiß interessante
Anknüpfung an die Urzeit, dieser Ver
such, das Bisamrind zu Zwecken der
Approvisionirung und industriellen
Verwerthung im zwanzigsten Jahr
hundert zu züchten-.
Armee-wesen.
Nach dem Reorganisationsplan des
Kriegs-Departements wird die Armee
der Ver. Staaten 77,287 Mann zäh
len. Die fünfzehn Re·imenter Ka
oallerie sollen eine Stär asvon 15,840
haben; auf die Artillerie kommen 18,
862, auf die Jnfanterie 38,520, wäh
rend das Jngenieurcorps aus 1282
Mann besteht. Dazu käme dann noch
das Porto Rico-Regiment, das jetzt
als ,,freiwilligcs« gilt und die Truppe,
die etwa aus den Eingeborenen der
Philippinen rekrutirt werden mag.
Das wird aber der Zukunft überlassen
bleiben. Bis jetzt hat sich die Armee
auf den Jnseln nur der Marabeben be
dient, die sich als gute Späher und
tüchtige Kämpfer bewährt haben,
wahrscheinlich aber nur deßhalb so zu
verlässig im Dienste waren, weil die
Taaalen, aeaen welche aelämpst wur
re, ihre Todfeinde sind. Aber eben
aus diesemGrunde wird man sie allein
nicht verwenden können; wenn eine
einaeborene Truppe gebildet werden
soll, muß sie aus den verschiedenen
Stämmen relrutirt werden und so
lange die bisherigen Feindschaften
fortbestehen, wird es das Beste sein,
auf die Dienste der Eingeborenen vor
läufig zu verzichten.
Mit den.Filipino-Truppen, die etwa
12,000 Mann zählen sollen und dem .
Porto Rico-Regiment wiirde die Ar
mee auf 10(),000 aebracht werden,
was als das Maximum für dieselbe
vorgeschrieben ist. Bis asif Weiter-es
wird es bei 80,000 bleiben. Da siir
oie phiuppinen nur 4u,uuu Mann ve
stimmt find, würde die andere Hälfte
fiir den Dienst in den Ver. Staaten
Verwendet werden« Jhre Aufgabe
wijrde, da sie in Friedenszeiten sonst
nichts zu thun hat, die sein, die Befe
stigungswerke zu bemannen und das
Material auszubildem das zum Er
satz für die aus den iiberseeischen Be
sitzungen zurückkehrenden Mannschaf
ten bestimmt ist. Mit häufigen Ueb
ungen in Feldlagern und Manövern
sollen sie darauf vorbereitet werden.
In Folge des Krieges hat das sol
datische Leben mehr Anziehungskrast
gewonnen, wie man daraus schließen
mag, das-; Desertionen jetzt viel weitt
ger häufig sind als früher, und auf
den Philippinen find sie seltener als
in den hiesigen Garnisonen. Daß dort
weniger vorkommen, mag man frei
lich dem Umstande zuschreiben, daß
dort weniger Gelegenheit zum Aus
reißen ift. Zu Schiff ist schwer ent
kommen und unter den Eingeborenen
Zuflucht zu suchen, nicht nach Jeder
mann’"5 Geschmack, zudem kann der
Deferteur dort leichter entdeckt wer-—
den alsJ hier, wo er in dem großen
Meere der arbeitenden Bevölkerung
untertaucht und fiir die militärischen
Behörden verschwunden bleibt. Das
Berhältniß der Defertionen hat bedeu
tend abgenommen, während es im
Jahre 1867 noch 26.7 Prozent betrug,
war es in 1895 nur 5.3, zur Zeit soll
eg 1 bis Z Prozent sein« Jm Kriegs
departement wird darüber genau Rech
nung geführt. Die Strafen sind nicht
mehr so strena als früher. Ein ein
gefangener Deserteur mußte früher
gewärtig sein, daß man ihm den Kopf
kahl fchor und fünfzig Peitschenhiebe
auf den bloßen Rücken aufzählte, heute
ist die Strafe naminell vier bis siinf
Jahre Zuchthaug, die unter erschwe
renden Umständen zuerkannt werden
maxi, in der Regel begniigen sich die
Behörden mit schimpflicher Augftosz
ung aug:v dem Dienste und in leichte-ten
Fällen mag der Delinquent, wenn er
wieder eintreten will, mit einem blo
seen Verweise dabonkommen. Es ents
suricht das-: dem Personalcharakter der
Armee-, der sieh aegen die Zeit vor
zwanzig oder dreiszig Jahren wesent
lich zu seinem Vortheil geändert hat.
—-..-.-.. —
Die zweite Eröffnung der Buffa
lo’er Ansstelluna hat stattgefunden.
Hoffentlich ist dies die unwiderruflich
letzte.