Grand Island Anzeiger und Herold. (Grand Island, Nebraska) 1893-1901, October 20, 1899, Sonntags-Blatt., Image 14

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te Krvnjuwelen
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.» (9. Fortsehungso
»Neuigieiten enug für eine Nachr,
sagte Paul. , lso, es gelang ihnen!"
sliisterte et Steenie zu. »Nun, seid
verschwiegen und dann sollt Jhr Eu
ren Theil haben, obgleich Jhr nicht da
bei gewesen. Jbr seid besser daran als
Hincheliss, denn Jbr seid in keiner Ge
fahr. Jeh hoffe, daß sie glücklich sort
gekommen.«
»So, daß wir nie — mehr von ihnen
hören —- und ausaelacht werden«
»Nein —- nein! Sie sind in unserer
Gewalt. Sie werden mich nicht zu
ihrem Feinde haben wollen. Sie wis
sen, ich würde ihnen leine Ruhe lassen.
in welchem Lande unter der Sonne sie
auch wären, bis das en, lische Gesetz sie
am halse geschiittelt. ein — wir
send sicher, unsern Theil zu bekommen,
wenn wie stille sind und nicht aime
duldia. Euer schottischer aesunder
Menschenverstand könnte Euch das leh
ren.«
Steenie nickte und verließ die
Wirthsstube Pauls Auaen folgten ihm
mit einem sorschenden, mißtrauischen
Blick: »Ich traue diesem Menschen doch
nicht« Seine Rache gegen Hinchcliff
und die Gewißheit, bei der Anaabe
zwanzigtausend Pfund zu erhalten«
das macht ihn unsicher. Ich muß ein
wachsames Auge aus ihn haben. Bolt!«
Ein großer, braunen löwenartig
aussehender Bullenheiszer lam aus der
halbmondförmigen Trinksiude heraus,
streckte seine großen Glieder und sah
«
so vernünftia zu Paul aus, als wollte ·
er fragen, »was wunscht Ihr-"
Paul fiihrte ihn zu dem Platz aaf
der Bank, wo Strenie gesessen harte
und sagte: »Spiire feinen Geruch aug,
Bolt! Jetzt hier!« under zeigte auf
die Stelle unter der Thüre, wo der
Schotte einen Moment vorher stand·
Der Hund beschniiffelte die Stelle un:
suchte dann seines Herrn Augen.
»Folge ihm! Komm wieder zurüct
tnd sage mir, wohin er geht!«
Nach dern Blicke des Thieres zu
schließen, hatte es jedes Wort seine-J
Herrn verstanden, und dein war so.
Noch kurzem Verzug verließ der Hund
die Schenke und trabte fort in derRiilsi
tung, die der Schotte einschlug Paul
beobachtete ihn, bis er fab, daß er ganz
nahe zu Steenie ging, die Fersen de
sehniiffeth dann wieder einige Ellen
weit zurückging und in dieser Entfer
nung hinter ihm herlief; endlich ver
schwanden ith beide aus dem Gesicht
Paul-Z Aufmerksamkeit gehörte nun
wieder ganz ihr. Er sah sie freund
lich an und lächelte: »Du mußt etwas
zu essen bekommen. Geh rnit mir. Jas
hatte eine Haushalterim aber sie hat
rnich verlassen; Du mußt Ille und Brod
nehmen, und ein Schnittchen Speck
könnte Dir auch nichts schaden«
Sie stand auf und ging bescheiden
mit ihm in ein kleines Nebenzimmer,
dessen Thiir offen stand. Hier befan
den sich ein halbes Dutzend kleiner
Tische. auf welchen noch die Spuren
von Biertrügen waren. An einem die-s
ser Tische hieß er sie niedersitzeu, stellte
eine silberne Alelanne oor sie und bat
sie zu trinken; zu diesem fügte er noch
einen halben Laib Brod und ein Seite-k
rhen kalten Speck. Sie aß mit der
Heißgier einer Hungrigen. Während
sie aß, hielt sie ihre Augen halb miß
ktauisch, halb vertrauend auf ihn ge
heftet. Sie verschlang, was vor ihr
war. so schnell, als fürchtete sie, eg
könnte ihr wieder entrissen werden, ehe
sie es verzehrt.
»Nimm Dir Zeit, Eva! Du brauchst
nicht so große Stücke zu verschlingen!
Du wirst ein Mittagessen und auch ein
— Rachtessen haben! Jrh hatte vor vielen
s Jahren ein kleines Mädchen wie Du,
Sie war nicht so schiin wie Du, aber
das liegt im Blut. Sie sah gerade so
Mc ihren Augen wie Du, und hatte
gut gegen Dick! Als ich Dich erblickte
mußte ich an sie denken!«
»Welchen Namen trug sie?"
»Mein Gott, welch’ weiche Stimme? »
Ihr Name war Marie!« -
»Das ist auch mein Name.«
»Du saqtest, er sei Evak
»Er-a Marie mein HerrJÅ
»Das ist liiibsch Aber er lautet
· fremd, katholisch-"
»Mit ist Ihre Tochter?« fragte Eva,
glücklich, daß man ihr so viel Aufmerk
samkeit schenkte und so freundlich mit
ihr sprach
- »Tai-t, schon viele Jahre. Jch werde
Dir von ihr erzählen, denn ich liebte
sie. Wenn ich nie Gott und die Men
schen liebte, so liebte ich doch mein
Mut-X
Des altenSünders Stimme zitterte.
:« . »Ich wis Dir Alles von ihr erzäh
« . km denn II wird mir wohl thun, von
ihr zu speise-, und vielleicht wenn
» Du von ihr M wirst Du Dich ent
;T·» W meine kleine Tochter zu wer
— Un «
’ Mcnrigep
iisis km Dis-am We
,Weirstekehaben.wo
dieselben Haare! Jhretweaen bin ich so l
l
l
! ich innerhalb der Thüre jede Nacht
« schlafen kanni«
»Nun ja, armes Ding!«
»Und so viel Brod und Fleisch zu
essen, wie dieses?" «
»Bessere Nahrung als- diese, Kind.
Armes Ding! Sie glaubt geradezu in
den Himmel zu kommen«
»Sie sind so gut! Sie werden mich
lieben! Der entsetzliche Simon wird
mich hier nicht finden! Aber ich bin zu
sehr in Lumpen, um Euer Kind zu
sein,« siigte sie mit einer Aufrichtigkeit
und Anmuth bei, die Thränen in seine
Augen brachten, welche seit Jahren so
trocken wie ein Magnet geblieben.
14. Capitel.
Des Depotirten Tochter.
Nachdem der Verbrecher aus des
Thiire geschaut, um nachzusehen ol
Niemand seit-er bedürfe, und gesehen
daß ter Farrner bei seinem Frühftiick -
eingeschlafen, lehrte er zu Eva zurück,
die erwartungsvoll dasaß.
»Du fragtest mich nach meiner Toch- .
ter, an die ich heute denken mußte. Vor !
vielen Jahren war ich verheirathet. Jch j
war damals nicht, was ich später wur- j
de. Ich hatte eine Frau, die mich liebte, (
ich besaß vielleicht Alles, was Liebe er.- j
wecken konnte. Das- ift vorüber. Ihr ;
Name war Marie. War waren sehr ;
Atti-flieh Jch wohnte in Conybeare- !
Forti- sechs Meilen von London. Es
giebt eine Zeit, mein Rind. siir den
schlechtesten Mann, wo er trin Ver
stechen begangen. Aue- ging anfangs
glatt und eben aber ich lam in schlechte
Gesellschaft, wurde zum Diebstahl ret
leitet, und es war nicht meine Schuld
das-, ich einen Mord beginn. Es trat
jedoch eins, ich schoß auf einen Con
siabler und verwundete ihn. Nun, ich
wurde festgenommen, was- meinerFrau
das Herz brach. Sie besuchte mich im
Gefängniß mit meinem kleinen Mäd
chen. Es war schwer siir mich die k rau
anzusehen, die ich so getränkt, und das
unschuldige Kind, dessen Vater ein
Berbrecher war. Es muß doch ein-as
Gutes in mir gewesen sein. das mir
Mariens Liebe gewonnen und erhal
ten bat!«·
»Sie müssen gut sein, da Sie mir
ein so gutes Frühstück gegeben und so
lieb gegen mich sind," sagte Eva.
»Sprich nicht davon. Jch wurde
transportirt wegen Einbruchs und
Mord, obgleich der Mann nicht starb;
aber das schien den Geseßen gleichgül
tig zu sein; sie verurtheilten mich aus
zehn Jahre.«
«Zehn Jahre!«
»Ja, sie schickten mich nach Boianv
Ban auf zehn Jahre. Die Zeit and
das Urtheil waren mir nicht so schwer,
als der Abschied von meiner armen
Frau. Laß Dir erzählen, wie sie mich
liebte —- mehr als ihren Gott; sie
fühlte, baß sie ohne mich nicht leben
konnte, und ließ sich versuchen. einer
Dante einen Ring zu stehlen, damit sie
auch transportiri würde und mit mir
zusammentotnnie!«
»Hat sie ihn gestohlen ?" .
»Ja, er gehörte Lady Margareth
Conybeare, der verstorbenen Gemah
lin des Lords, ber sich vergangene
Nacht umgebracht.« »
Eva riß ihre Augen aus, sagte aber
nichts.
«Seine Lordschast war früher mein
herr. Armee Lord, er hat ein schlech
tes Ende genommen; aber ich habe es
nicht anders erwartet. Sein Vater,
der alte Gras, erschoß sich ans Trüb
sinn. nnd man sagt, dessen Vater sei
in sein eigenes Schwert gefallen, nach
dem er in den Rief-erlauben eine
Schlacht verloren. Das la in ber —
Familie der Miß. Wie gesagt, meine
Frau stahl einen Ring und wurde de
vortirt.«
»Und habt Jhr sie dort gesehen?"«·,»
Der Verbrecher sagte mit dumpfer
Stimme: »Me! Sie starb aus dem
Wege und wurde in der See begraben.
Der Himmel wird sie einst richten siir
var-, wag sie gethan. Sie ist nun ein
Engel, wenn es solche giebt. Es war
nicht Sünde, nur Liebe tvar.es, was
sie zu dieser Handlung brachte, sie ließ
mir das noch sagen.«
»Und habt Jhr das Kind gesehen,«
sagte Eva, die ihn und sie bemitleidete,
und sich für bas- Schiclsal des Kindes
interessirte·
»Ja, es tara glücklich zu mir . Es
war nur zwei Jahre alt und so schön
als ein Engel. Sterne und Blumen
waren nicht halb so schön als das
Kind. Es War das treue Ebenbild
Ihrer Mutter. Jch war ganz ver
narrt indas Ding und wachte rnit der
aröszten Sorgfalt iiber ihm. Neun
Jahre tam sie nicht von meiner Seite.
Sie war Alles, was ich noch liebte,
Alles was mich« noch menschltkh machte.
Ich war bitte ans den dortien Ber
gen nnd sie nnterstiihte mich sachte
durch meine Liebe und Treue site sie
das Unrecht, das ich me ihrer Matt-e
besann-w YM M
Mel-te
DOHRN-USE AMICI-I
W
ein Verdrecher war. Ich-erzog sie.
bekam Bücher tiir sie drin Aufseås
und indem ich sie lehrte, unterrichtet
Ech mich selbst. Mit neun Jahren
wäßte sie aber weit mehr als ich. End
li ....«
i tht sprecht gerne von Eurer Toch
eri«
»Ja, nun da Dein Anblick mir das
Herz geöffnet, ist es mir, als-könnte ich
Iaae lang von ihr reden. Endlich wa
ren meine zehn Jahre abgelausen unks
vor zwei Jahren lam ich zurück nach
Mindan «
»Ist-achtet Jer sie mit?« fragte Eva,
die in ihrem Interesse fiir dieGeschichte
ganz zu vergessen Mien,daß sie nur eit:
Betteltind war und den Erzähle:
Riesen Morgen zum ersten Mal gesehen
atte.
»Ja. Jch eröffnete diesesWirtbshaug
und versuchte ein ehrlicher Mann zu
werden, aber ein zurückgetebrter Ver
brecher gilt immer für einen Schlltlknx
ich blieb mir jedoch treu, biLs mein-Kind
traut wurde und starb.«'
,,Starb?«
»Ja." antwortete Paul, »starb!«
und er wiederholte die schreckli n
Worte tnit düstetem Nachdruel. »Sie
war drei Wochen lang traan Als ich
; Sol-, daß Gefahr war, betete ich.« se
»Zu Gott«-« ·
«’«a, wenn es einen Gott giebt. Heiz
««I)
lbeugte meine eisengebusndenen linker
vor ihm und bat ihn, mein Kind zu
retten. Ich gelobte ihm zu dienen,
und ein guter braver Mann zu werden.
wenn er mir mein Kind erhalte. Doch.
Rind, der Himmel war starkes Erz
und mein Herz werde Stein. Meine
Gebete waren blitzende Feuer zwischen
Erz und Stein! Sie drangen nicht
durch die Decke dieleH Zimmergi! So
starb sie! und ich fluchte Gott und war
ein Teufel, bis ich DeinGesicht an mei
net Tini-re etblirltei Du brachtest sie
mir wieder in die Erinnerung, denn in
Deinen Auaen ruht ihr Blick; und
wenn sie leben würde, wäre sie in Dei
nem Alter —— ungefähr dreizehn.«
»Dann bin ich froh, daß ich tam und
mich auf Eure Stufen niedersestr. Jch
hoffe, Ihr denkt nun besser von Gott-"
»Nein, mein Kind."
»Tarf ich Eure kleine Tochter sein -.·
Ich werde dersuchen.Euch zu lieben und
Euch glücklich zu machen und Jhr wer
det wieder besser sein."
Und Eva, die ihm gegenüber saß.niit
ihren Armen aus dem Tisch, legte ihre
lleine Hand aus seine schwere dunkle ·
Faust, während ihrGesicht ieinenMan
ael an Vertrauen mehr ausdrückte, «
so mächtig ist die Sympathie der Mit «
theilung. lfr nahm ihre Hand in die
seinige nnd sagte mit bewegter Stirn
inc!
»Ja, Du sollst nein Kind sein; aber
laß mich Tit ert die Ueberreste mei
nes verstorbenen Kindes ,zeigen!«
»Ist sie hier?« sraate Eva mit
Schrecken, da sie bemerkt hatte, daß sei
ne Stimme sich veränderte. als er aus
stand, sie in das andere Zimmer zu
führen.
»Komm« und steh! Nun, iiirchteTich
nicht. Kontin’, ich will Dir zeigen, wie
ich sie liebte.«
Eva folgte ihm in ein kleines Zim
mer, das sehr nett ein erichtet war, mit
weißen Vorhängen, asen aus dem
Kamm, einem tleinen Bucherstäuder
chen mit lauter Kinderbüchern und mit
unzähligen anderen Beweisen, daß ei
das Zimmer des Kindes gewesen.
»Wie- hiet ist, wie sie es geordnet·
Sie war meine kleine gaushälterirk
Das sind ihre Bücher. ieser Kana
riendogel im Käfig war der ihrige; es
durfte ihn bis fest Niemand füttern,
als ich selbst. Das ist ihr hat und ihr
Shawl, wie sie sie aufgehangt. Ich ba
be verweltte Blumen, die sie vor mehr
als einem Jahr aus den Ti ch stellte,
getrocknet. Das ist ihr Bett. iese klei
nen Blumen auf dem Kissen hat sie ge
arbeitet.«
»Was ist das fiir ein liebes Zim
mer!«
» »Es ist mir fo heilig wie eine Kirche,
» Eva,« sagte er in einem Ton der Ehr
J furcht. »Und nun sieh hierher-i« —
Alö er dies sagte, öffnete er ein großes
Cabinet. « u Evcks Erstaunen,sah sie,
dass es mit ichtern beleuchtet roar. Erst
sah sie nur BlumenDraperiemKränze J
und einen vergoldeten Bett immei. —· ’
-Sielt. Eva- biet ist mein it um« T
Sie sah mit gemischten Empfindun
qen von heiliger Scheu und Neugierde
rot sich und erblickte den tobten Kör
per eines Kindes von etwa zebn Jal)
ren. Jbr Gesicht war in Wachs rno
dellirt und sah aanz eigentbiimlicb lieb
licb im Tore aus; ihre wache-ähnlichen
Hände waren über der Brust zusans
menaelegt und ein Kranz von Blumen
so srisch wie von gestern umgab ihren
Kons. Sie hatte ein weißes Atlas
tleid an, vereiert mit blauen und rosa
Bouquettz. Der ganze Anblick war ei
qentbiirnlich schön und rührend. Zwei
Wachs-lichter oben und zwei zu ihren
Füßen beleuchteten sonst die Scene
Eva starrte sprachlos und mit Bewun
beruna daraus bin; die Sache schien ihr
eine Augentäuschung
»Ist sie tobt?«
a. Ich habe sie einbalsamirt. Ich
lernte die Kunst in Australien von ei
nem hauptlinz Sie sieht aus wie eine
Wachss rgur; aber es sind noch ibre
lieblichen Züge, nur der Mund ist siir
immer geschlossen und die Augen sehen
mich nicht mehr an.«
denSie ist wie ein Engel, « lispelte Eva
dmztbem anhaltend, als ob sie fürch
tete· te sanfte AeRuhe zustörern
ebe, sie ist ein Engel.
Run, Eveift willst Du ihren Pia an.
meiner Seite einnehmen, aber n
meinem .denn bat gesrt
im meiner m nnd meist-I
VIII-W III-W
M
kriechen —"— tcmntt mir aus ihren Bit
chern vorlesen. Ich werde Dir ein Ba
ter sein —- tvilletn Unter siir Dich
sein« Ich hu e Dich nicht gefragt, od
Du eine Deunath oder Eltern habest.«
Er wartete besorgt aus ihreTlnttoort,
da er bisher bestimmt an enonrmen,
daß sie eine heimathlose Wo se sei· Als
sie ihren Raps schüttelte, leuchtete sein
Gesicht Er nahm ihre Hand freundlich
rn die seinige und sagte: .Sie musz
Dich zu mir gesandt haben."
»Laßt eJhr immer diese Lichter
-breisnen?«
»Jini«er, seit sie starb! Ich erneuere
fee alle drei Tage."
»Und die Blumen Z«
»Werden mir jeden Morgen frisch
f von einem Blumenhiindler gedracht.«
»Wie müßt Jhr fee geliebt hadenl«
« tsr antwortete nichts. Sie sahThrä
nen in seinen Augen. Er bückte sich
und tiiszte das schöne todte Gesicht, dem
Eva wirklich aussallend ähnlich sah,
was sein augenblickliches Interesse siir
sie erklärte. Er ließ si-: vorangehen und
schloß die Thüre seines höuglichen
Grabes so sanst und so ehrerbietig, als
wäre es ein Heili thut-r.
Als Paul, der Eva im Nehenzimmer
in Betrachtung der Bilder und im Ge
fühl des- höchsten Glückes, so schnell und
io wunderbar ihre Lage verändert zu
sehen, zurückgelassenj wieder in die
Trintstude zuriirttam fand er ein hal—
des Dutzend Gäste aus ihn wartend. -
Bei seinem Eintreten tadelten sie ihn ;
rauh, daß er die Stube sich selbst iider-- «
lasse. Er nahm eine bariche Miene an,
um allen Verdacht eines tieferen Ge
fühl-I, dac- noch warm in ihm war, von
: sich adzuwälzen, und antwortete ihnen
s ledhastz bald waren auch alle bedient
und saßen herum in der Trintstube, I
den Wohnt des Thaleg«. wie das rei: s
che schäumende Getränke von seinen
Freunden genannt wurde, trintend. !
er hätte unter dem talten, sinsterer i
Gesicht des Botanh Von Paul eine sol- z
che Liebe, solch« tiefes-. zartezs und hers. l
lief-es Gesiibl gesucht? s
l
l
l
Nachdem er allen ihren Wünschen
entsprochen, bat er Einen unter ihnen,
ter sein bester Freund zu sein schien
dieWirthsstube ein bischen zu besorgen.
und tehrte in das innere Zimmer zu
run, wo er Eva gelassen Sie deteach
tttc mit araszer Aufmerksamkeit ein v
Gemiilde, das einen englischen Landsitz ;
mit dem Port darstellte. Er war um
aeben von einer steinernen Mauer-, eine ,
Zuqbriicke führte iiber den Schloßgra «
ken, Hirsche standen ist dem Baum ;
cona; ein See mit einern Boot darauf ;
bildete den Vordergrund und in der 2
Entfernung lah man einen setkaxlnum
mit vier Thütmchem näher gegen den
Himmel zu erblickte man eine Reihe
beraaeligek Hügel. Sie starrte es an
mit affenem Munde und mit Blickst
des tiefsten Interesses
»Ich habe hübschen Bilder als die
les,E.va. Laß Dir erzählen, was ich ges
than. Ich schielte einen Knaben nach
einer Kleidermacherin und einer Putz
maehekim sie werden bald hier lein.
Ich werde Dich kleiden lassen, wie es
Die gebührt Du wirst ganz ander-«
aussehen in andern Kleidern: mehr wie
meine lleine Marie. Zene Dich zu
nsir nnd erzöhlc.'
»Eine Geschichte7«
»Ja von Deinem Leben. Wie
tam eg, daß Du ein heiniathloses, in
London sich heiumireihendes Kinz
wurdest9«
»Oh, mein Heer, ießt verstehe leh.
Ich war nicht immer so arm und
elend.«
»Das glaube ich. Wo hast Du zu
letzt gespeist? fragte ek, indem er ver
suchte, so nach und nach in ihre Ge
schictie einzugehen
»Bei drei Tagen sp-- bei Simons.«'
·Wee ist Simons?«
»Theeelens Bruder.«
»Und wer ist Therele?«
»Sie war eine ichiemse,.1rauiaii
Franzos-m aber fie iii nun ia dis« Sie
schaudern oei der Erinneriini an jene
Sanc
«Hast Du mit oieieii Leu-leis sie
lebi?«
»Ja Simon dai sie » hrgizixene
Nacht iiiii einein zerbrochenen Nr ia sie
tödtet. Er wurde in s Gefängniß ab
geführt, sie ist todt und so habe ich
keine Heimath mehr als diese « Bei
diesen Worten blickte sie ihn daiilxiar
an.
ie ichufen mir alleTaae neue Lei
’ den.«
) »Was inu Jiest Du iiir fie thun?«
s »Ich mußte Geld betteln fsiir sie
tocheii und sie bedienen.«
»Wo wohnten sie?«
»in der Denk·
»Im-o iit dat?'
»Ein Shakespeare s Allen«
»Von allen Gegenden Londons die
fchlechteiief
»Sie fanden mich in ihrem Hause.
Mein Vater starb dort und ließ rn: ch
seule —- ich meine allein. So nat-wen
sie inich zu sich iind ließen mich sü; sie
brachte schlugen Sie mich. «
«Beive verdienen ihr Schicksal. Ich
se nun, was Deine Stiinine so einn
ihiimlich macht Du hast einen etwas
fremden Accent. Wer war Dein Va
er Hi
»Ein französischer Einiaranif
«Ei, wass«
IEiii Verbannter, inein herr. Er
war sehr, lehr arin —- iind dabei so
iranii Endlich starb er in der Denf
«Dii bist also eine Französisc«
. , »Ich se nicht, mein manSpeer
Yo M iemkvst s- en heut-ZE
oi r e ae a
In- Io mä wol-l ent Ven.
sen-Zweckm- « M
betteln. Wenn ich ihnen lein Geld-«
:gabeii sie Dich schiecht behandeli?« l
W
zpsisch aber diese Leute lehrten mich
ern schlecht gemtächtei FranzösischE
»Wie alt war Du. als u herüber
lamlt mit Deinem Vaterl«
»Es iind wohl vier Jahre: vielleicht
auch mehr. Es scheint mir eine lange
——— lange Zeit.«
»Welche Erinnerung haft Du noch
von der Zeit, ehe Dein Vater start-W
· »Gutes nur weiß ich gewiß, daß ich·
MM seht glücklich war, "»ariine Felder
sph- Völkan in der Lust singen
Rette und tein Betteltind war, wie
»Wie Will der Mann --—— Simon?«
» Tonnen herrl« ,
» »- t til wahesckeinlich inNewqatr.
Jch muß den Mann leben. Nan« Epo,
rft das Alle-. was Du mir erzählen
thmstx blst Du jeht«tntlchlolsen, an die
Stelle meines verstorbenen Kindes zu
treten?'·
»Ihr allein leid gütig gegen mich;
ich lknbe sonst Niemanden, zu dein iet
I gehen » tönnte und werde Euch mein
- ganz Leben danlbar fein.«
»Ich war vom rrsten Augenblick,
nach Deiner Art zu sprechen, liber
zeugt, daß Du von auier Familie
seiest. Doch hier tommt die Frau,
naJls der ich geschickt-« Paul ließ sci
nen Liebling mit der Kleiderniacheriii
allein und suchte mit leichterem Herzen
die Gesellschaft feiner Gäste auf. Er
fand sie noch in vollem Zug der Erör
teruna des Diebstahl-s der Kroniutop
len; die Geschicklichkeit und der glück
liche Erfalq wurden mehr bewundert
von der Gesellschaft alg die Krone be
dauert. Zie betrachteten im Gegen
tleil die unbetannten lüdnen Diebe
clcs Helden, die sich Naroleon gleichfal
len tonnten
Nach diesem wurde der Selbfrrnard
des Carl Von Connbeare besprochen,
und einer der Männer demertte, daß
da wohl niclit nenua bleibe, feine
Schulden zu bezahlen; Ladd szlalel
irerde aug ihrem Hause gejagt wer-den
und betteln müssen.
»Nicht, so lange iIL noch ein Obdach
sales sante Paul herzlzafl »Jer Va
ter war meines Vaters Gutsherr; in
meiner Jugend nmr ich in Molards
Diensten und ich nierdr bis zum Erde
ein Freund vor Minoer sein.«
»Ich mag gerne, wenn man Ich lei
nrt Freunde erinnert. ader ich lZnnie
den ganzen Adel des Landes .iuer
Londonbridge springen oder lein Brrd
betteln ichen", meinte der Gast.
Diese Geiinnuna wurde mit allge
meiner Anertennung krumme-kamen
’.I(’".id", und naclx verließ tfiner nach den«
Andern die Trintitube.
l
l
1 5. El a p i i e l.
Der junge Banauier.
Nachdem irsir die Scenen und Zwis
iitsenvoriijlle unserer Geschichte bis
zum Morgen nach dem Diebstahl im
Ton-er qedracht, nehmen wir den lei
tenden Faden unseres Dramae wieder
ani, nnd treten mit Lord Neagle in die
Wohnung ch Banquiers Josaphat, an
deren Tlnire wir ihn verlassen hatten.
Tag haus desselben war äußerlich viel
eng-unten als das welchko Salamiel
bewohnte. Josaphat hatte einen Sohn
Absalon, einen jungen Mann von ed
lun Eva-nistet und itienaem Gehor
sam. Dieser iunae Mann hatte ein
data-»aus englisches Wesen. weshalb
uuch das Ttleuskere seiner Wohnung
met-r im Verhältnisk zum Wohlstand »
der Bewohner war; Josaphat wurde
nnr von dem fürstlichen Salamiel an
Reichtlnnn sehr übertroffen.
Lord Neaale ward durch einen lleis
nen. mit aetrcgenen Gegenständen an
gefüllten Laden eingelassen. »Wo isi
«Josaphat?« sra te er einen schlau aus
seh-enden Men chen mit schwarzem
Bart, der uinter dem Ladentisch stand
und einem armen Manne seinen Rock
ablauitr. den derselbe zu dein Zweck
eben erit vom Leibe qenomrnen, denn
er stand in Henideiirmeln da. »« Xer
niinscht ibn zts set:en?«
»Neagle! - sagt ihm das.«
Der jnnqe Mann lautete. liin jun
qer Mensch Ioackelte herein mit einer
steil-lernen Bcille auf der Nase und In
der Hand eine Feder
lsin Gentleinnn coiinscht herrn Jo
saphat zu sprechen«, sagte der Kleider
böndler. .
»Wer?"
»Man ihn.«
»Was wünschen Sies« fragte er mit
gellender Stimme Lord Neugie.
»Ich wünsche mit Ihrem Herrn Ge
schäfte zu machen!«
»Weiß er, wer Sie sind?«
»Sogen Sie-ihm, Reaale sei hier!
Aber schnell, ich habe leineLust zu wor
ien.« Dieser befehlende Ton hatte
Wirkung. Ter kleine Mann verließ den
» Laden, tam nach wenigen Minuten zu
. rück und winkte Lord Neaale, ihm zu
»iolgen. Lord Neagle ging mit dem
Führer durch einen dunkeln Gang, der
in einen großen prachtvollen hos
. führte, an dessen Enden ein Spring
brunnen nnd Bäume waren. urn eben
von einer siinlen etraaenen Ga erie.
Der Hof war mit ormor kieptlastert
und mit Atti-besten verz ert. Ein
großer Mann mit würdiaem Aussehen
und einem freundlichen Lächeln: das
sein mageresh aber schönes Gesicht be
lebte, erhob sieh von einem Stuhl akn
Springbrunnen, gab ihm die hand
sagte mit wohillingender Stimme in
französischer Sprache; «Willtom;nen,
Mylotrx »Ich habe Sie lange nicht e
sehen. Bei-rohe fürchtete ich, Sie le en
mir böse, daß ich Ihre Bitte um ein
Darlehen a esckzlagem Entschuldigen
Sie, dass ich ranzöslfche spreche, allein
ichtann nispt gut englisch spreche-.
Wenn ei Ihnen nicht zu liilJl hier ist«
so bitte ich, Plan zn nehmen« Lord
fpiosgle feste sich in die Sonne an den
W
Springbennnen und einige Minuten
kehrte-legen sie in gegenseitigewmegenk
. I ·
»Mit was tann ich Ihnen denn die
nen, Mnlord?«
»Ist Ihr Sohn hier, Herr Insp
a «
»Ja; aber er ist mit Israel, dem
Sohn Salamiels, zusammen.
»Ich hielt Sie nnd Salamlel ltir
Rivaten und glaubte, daß er deshalb
leine Tochter Ketlnra Ihrem Sohne
derweigerte.« ’
. »Im Wir sind Ntvalen itl Gewiss
tcn,« antwortete Josaphat lächelnd,
»wir lennen keine Freundschaft. wo
i unsere Geldinteressen enncnrriren;
L aber wenn wir uns als Glaubenng
nossen treffen, find wir Brüder.«
» ,.Trnf ich nicht, als ich zuletzt hier
I war, Vldfolon in großer Betrübniß.
weil ihm Salamiel seine Tochter Ver
sagte, nnd wenn ich nicht irre, waren
Sie auch nicht wenig aufgebracht?« ’
». a, und eiJ ist immer noch eilt
Schmerz fiir ung."
»Und er liebt Kettnra noch?«
» a, nnd selten lächelt er mehr.«
» nd liebt sie ihn ?«
a «
vh
»Und es fehlte nicht-k, alH ihres Ba
tcrs Zustimmung?«
HYZIchkS sonst. denn sie hatten die
WIUIAC schpkl seit zwei Jahren; sie
Lichten sich la schon von ihrer Kindheit
n.
Lord Nengle wurde einen Auaenblist
nachdenklich; Er hielt no immer »Zu
xiiict mit dem Harsptgrnnd eines Kom
mens, obgleich jeder Verzug von Be
« reittunq wer, aber er tiihlte wohl, das-.
der Votschlaa, den er dem angesehener
klteicksen zu machen hatte. ihm, Geld aus
die Kranjnwelen vorzustrecten nicht
iilsereilt werden dürfe, sondezn daß es
lieissen müsse: aEile mit Weile.'« Er
rrnr von friiheren Zeiten her mit Josa
titxats Familienanaelegenbeiten de
tcnnt, deshalb bahnte er sich auch auf
tiefe Weise den Weg zu seinem Herren
ind suchte ihn so fiir seine Sache zu
gewinnen. Nach einiger Zeit stand er
ruf nnd sagte mit Ausdruck: .Mr.
Jrsaphat, ich muß ein Wort mit En
run Sohne sprechen«
»Ich werde nach ihm schicken;' doch
tie Luft ist sehr lalt, wir wollen nach
dem Zimmer geben, er wird uns dort
treffen.« Nachdem er in die Hände aez
llatscht, erschien ein junges Mädchen
ron zehn Jahren mit dunkeln citat-is
schen Anqem sie war von manrischer
dir-kunst, Josaphat hatte ehre Mutter
vvn Algier als Sklavin mitgebracht
Sie liielt an, trenzte ihre Hände über
der Brust und beugte ihren Kopf, de
nutdia seine Befehle erwartend. Er
aals ihr in arabischer Sprache einen
Austrag und sie verschwand- Einige
Augenblicke spiiter erschien der junge
Mann. aus den Lord Neagle zuging,
indem er ihm lächelnd die Hand reich
te. »Ein Wort im Vertrauen mit . d
nen, Absalon,« sagte der enin che
citelmann als er seinen Arm vertrau
traulich in den des schönen Menschen
legte. Sie gingen nach dein Orangen-—
taum am Springbrunnen. Der junge
Mann saar tleiner und stärker als
Lcrd Neaglr. Sein Gesicht war dun
tel, seine Aussen groß und voll Feuer
und Leidenschaft Absolan war in je
der Beziehung-in Muster von Schön
heit; um seinen Mund spielte Osten
lzeit und Gutmiiitsiateit, und wenn er
ihn öffnete, wurde eine Reihe der
schönsten Zähne sichtbar. Zwei seiner
elegant gesamten Finger glänzten von
Diamantm »Absolan,« sagte Lord
Magie »ich habe tiirzlich die schöne
Tochter Salamiels gesehen.«
»Ich beneide Euch! Mir ist dieses
Gliia versagt. Wo nnd wann, My
lord?«
,,(i)·eitern Abend bei ihrem Vater.
Sie ilt so schön wie je «— unb, ich
weis-« liebt Sie wie immer.«
»So lxosfe ichs Aber unser Hoffen ist
umsonst, Mnlord."
»Ich habe Gründe, das Gegentheil
zu glauben! Jch kann Sie oersirhern,
das-, sie Sie liebt und ihr herz gegen
jede andere Anniibeeung verschlossen
bat. Sie wissen, daß ich mich für Sie
interessire, Abioion."
,,«’friiher!«
» Ja, und noch. Jhr Vater hat mir
viele Geiälligteiten erwiesen, so lange
ich minderiiihrig war; ich suchte die
bit e Salamielg nur aus, weil Ihr
Vater die Sicherheit, die ich ihm an
bot. nicht annehmen wollte. Jch be
wahrte teinen Groll gegen ihn, was
mein heutiges Erscheinen beweist. Jeh
bin gelocnmen,Jhre hiilse en Anspruch
zu nehmen«
»Auf welche Weise?«
«Sie sollen Jhren Vater bewegen,
mir ein Darlehen von sehr großem
Betrug vorzuttreclen.«
»Wenn es in seine-in Jnteresse tit,
brauchen Sie meine Vermittelung
nicht«
»Aber doch, die Summe ist lehr
groß· Jeh brauche weimalhunderttau
lend Pfund in ein is zwei Stunden.«
Der junge Mann starrte den Spre
cher ungläubig an. «Jst es Jhnen
Ernsti«
»Jo. Jch bin bereit, ihm Juwelen
von doppeltem Werth zu seiner Sicher
heit zur Verkügun zu stellen."
.Dos ist e ne le r große Summe.«
»Ich sra e Sie deshalb uen Rath
und bitte ie, Jhren Einfluß bei Ih-« «
rem Vetter eltend zu machen« ich
miß, pas S « Speichqu » inm
und eh
Beine-thust sind, lleehte, ee
lsnnte Einwendungen « to viel
vorzumerken-«
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