Grand Island Anzeiger und Herold. (Grand Island, Nebraska) 1893-1901, April 07, 1899, Sonntags-Blatt., Image 9

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    Mitt. Mittean sum
In unserem schnelllediaeu Jahrhun
dert, wo Zeit Geld ist· erobert der
automatische Vertäuser ein Feld noch
dem andern. Auf Bahndösen, in öf
fentlichen Gärten, in Theatern und an
tausend andern Orten stehen die b»:ld
einfachen, bald in den verschiedensten
Formen ausgeführten und ausgeprng
ten Apparate, die nach Einwurf eines
Geldstückes ihre Wnnre prompt
und sicher dem Häuser aughLindigen
Wir wollen unsern Leser heute ntit
den allerersten Vorlänfern dieser Mc
chaniesmen bekannt machen.
si- -i- :
Die ältesten Automatein
XI
Schon geaen Ausgana des vorigen
Jahrhunderts richtete sich das Bestre
ben geschickter Mechaniker auf die
Conftruetion kunstvoller Autontatem
diese waren jedoch nicht nur ihrer
0fortn, sondern auch ihrem Zweck nach
iehr wesentlich von unseren modernen
Betkaufsapbaraten verschieden. Aber
es ist sicher fehr interessant. daß diese
letzteren schon vor 2000 Jahren einen
Vorkiiufer hatten, der ihnen in Form
und Zweck ganz außerordentlich ent
spricht. Der berühmte Mathematiker
und Physiker Heron, der um 100 d.
Chr. in Alexandria lebte und lehrte,
beschreibt in seinem Werte iiber die
Gase einen Apparat, der in der Vor
halle eines Tempels aufaeftellt, nach
Einwurf eines Geldstücke-s Wasser zum
Benetzen der Hände liefert.
Mir bringen hier eine getreuliche
Abbildung des Apparates Die von
Herd dazu aelieferte Befchreibung lau
tet in deutscher Sprache wörtlich:
»Jn Gefäße, das sind Opfervafen,
wirst man fünf Drachmen, woran
Wasser zum Anspritzen heraus-fließt
Das Gefäß oder der Schatzraam sei
A B C D, der arn Deckel die Oeffnung
A habe. Jn dem Schatzraum befinde
sich das Gefäß F G H It mit Wasser
und mit der Büchfe L. aus welcher der
Canal L M nach außen führt. Weiter
fei in dem Gefässe das aerade Lineal
R X angebracht, um welches drehbar
ein hebel O P befestiat ist. Dieser
kaufe bei O in eine Platte R aug, die
dem Boden des Gefäße-s parallel fei;
bei P traqe der hebel den Deckel S,
der auf die Büchse L paßt, so daß lia
Wasser durch den Canal L M nicht
fließt. Es sei aber der Deckel der
Büchse schwerer als die Platte N und
leichter, als beide zufammen. die Plat:
te und das Geldstück. Wenn nun durch
die Oeffnung A das Gelditiiek einge
worfen wird, fo wird es ruf die Plat
Icmpklsssllchcl Ulk Vckldklcastyullg
te N fallen, den Hebel L It herabdrü
cken und neigen, den Deckel der Büchse
abcr emporheben, so das-. das Wasser
fließen kann. Wenn dann die Münze
herabqleitet, wird der Deckel die Biichse
wiederum verschließen io daß das
Wasser nicht sliefien tann."
« Merkwürdia ist der Umstand, daß
, dieser Automat so vollftdiidia in Vers
gessenheit gerathen konnte. obwohl ei
doch in höchst geistvoller Weise ersonnen
nnd mit außerordentlich einfachen
Mitteln auszuführen war. Schuld da
ran trug viellei t die Bestiiniiiuiia. die
Heion ihm geqe en hatte: im Vor
raiini des Tempels zur Hände-Das
schuna zu dienen. Das Benetzen der
i Hände, welches eine inniholische Wa
schuna, die der Gläubiae erfüllte, be
deutete, war dadurch mit einem erhel
lichen Opfer verbunden. Fünf Drach
men war fiir damalige Reiten zu viel,
denn die attische Drachme hatte da:
malg einen Werth von etwa 20 Cents,
so dafi die simibolifche Waschunn beim
L Besuch des Tempels mit Benutzung des
Heron’schen Vlutomaten fast einen
Dollar gekostet hätte.
« Die zweite Abbildiina ist ebenfalls
s! ·,k·-«in zweitausend Jahre alter Automat
von Herom Der Mechaniker hatte
eine sinnvolle Bottichtuna ersonnen
damit die Thüren des Tempels sich
dein hineinschreitenden Priester von
selbst öffneten und sich später wieder
von selbst schlossen. Diese im Alter
thuni mit Recht viel bewunderte Cin
richtung ist von einer oerblüssenten
Einfachheit. Aufl-ein kleinen links
stehenden Altar wird ein Feuer ent
zündet. das die Lust im Innern et
- wärmt und durch eine Röhre in die
l»zum großen Theil mit Wasser geltlllte
W
beilägc MS »Zuwng IMCI RIGHT
X B «L0.iitdolph, Herausgeber Grund Mund Nein-» dcn7. April 1899 Jahrgang 19. No..«-31.
Röhre H tritt; durch den entsiehenden
ilebcrdruck wird nun Wasser durch das
gekrümmte Rohr KLM entwichen und
in das mit X bezeichnete Gefäß über
fließen. Dieses beinah wie man
sieht, an einer Rette, die über eine
Rolle und um die Träaer der Thüraw
geln geht; diese Träger drehen sich
aus kleinen Spitzen, und zwar wird
beim Sinken des schwerer werdenden
Gewichig sich die Kette abwickeln, wo
durch die Träger sammt den Thüraw
geln sich drehen und somit die Thür
sliiael öffnen.
Wenn der Priester später wieder
herausgetreien und das Feuer erlo
schen ist, so wird sich die Lust im Al
tare wieder ziisainmeniiehens der
äußere Lustdruck wird daherch Was
ser aus dem Gefäß X wieder in die
Kugel H zurückdriicken. Ueber das
Amomen zum Stimmung ver Thus-e.
leichter werdende Gefäß erlangt nun
das rechts unten sichtbare Gewicht das
Uebergemicht; auch dieses hängt an
einer Rette, die über eine Rolle sijhrt
und um die Träger der Thürangeln
geschlungen ist. Bei seinem Sinten
werden sich die Träger in entgegenge
fesztem Sinne drehen und so die Thü
re wieder schließen. In der That eine
einfache und begueme Vorrichlung, um
dem Priester bei seiner heiligen Hand
lung jede Mühe prosaner Verrichtun
gen zu ersparen.
Leider ist diese von dem großen
Heron so genial erdachte Einrichtung
von den Tjghptischen Priestern zum
allergemeinsten Poltgbetrug miß
braucht worden.
Wenn das Feuer auf dem Altare
entzüntet war, so öffneten sich die
Thüren; der Gott selbst, hieß es, öff
ne sie mit unsichtbarer Hand, damit
der Priester zu seinem dem Gotte ans
geuennen Werte schreiten könne. Die
Gläubigen, die ron der unter den Die
len AC- angebraehten Einrichtung tei
ne Ahnung hatten, sahen mit starrem
und frommem Staunen. wie der Gott
den Priester durch ein so deutliche-;
und sichtbares Zeichen rief. War dann
die heilige Handlung vorbei, so blie
ben gar Viele »Zurück« um sich von
Neuem zu überzeugen, daß der Gott
Wohlgefallen an ihren Opfern und
Verkündern, den Priestern, hatte;
denn zum Zeichen seiner Zufriedenheit
schloß er nunmehr, nachdem der Prie
ster seine Pflicht erfüllt. de Teinpeltlyii
ren wieder. Gerne brachten die Ein
fältigen oder Armen im Geiste, aus
denen zu einem sehr großen Theil oie
Macht der Priester beruhte, Geld und
andere Schätze den Hütern des Plem
pels dar, um die Gottheit. die sich so
deutlich manifeftierte, sich und den
Ihrigen günstig zu stimmen.
So haben schon vor 2000 Jahren
die Arbeiten der größten Geistes
heroen zuweilen selbstsiichtigen Betrü:
gern genaht, die, auf die Ihorheit und
Harmlosiqteit der Menge bauend,
Wunder vorgautelten. die mit einsa
chen natürlichen Mitteln ins Wert ge
letzt wurden. s
Ic If VI
Der Untergang der Erde.
Von Tr. rudtoig Karell
le M. November qelanat die Erde
m die Bahn deg Biela’schen Kometen.
Dieser himmlische Voaant sollte uns
einentlich nlle 152 Jahre einen Besuch
abstatten. tfe scheint aber in seiner
Jugend Seitenspriinqe aemacht zu lnri
ben und diirste Dabei un Materie ein
gebüsst haben. Jedenfalls kreist er
nun in lanqsamerem Tempo »der in
einer qrijszeken lsurve durch das Welt
all. Alle Its-» Jahre tommt er ietzt in
unsere Nähe. txt-It und 1866 stellte
er sich den Astronomen vor· 18549
muß er wieder, und zwar am 1.'i. No
vember, bei uns seine Visitlarte abne
ben· Sie wird statt in Litlsonrnphie
in Flammenschrist am horizonte zu
lesen sein«
Der bezeielptete Komet ist« wie die
meisten seinesglei n, so lustig, dasz
sein Zusammentres en mit der Erde
nichts Anderes zur Fol e haben wird
als das Austreten zah reicher Stern
schnuppen· Weit eher wird dadurch
dem Kometen ein Ende bereitet werden,
als unserem Wohnsitz, wie dies manche
Leute prophezeien. Aber von anderer
Seite kann das einzig dastehende
Schauspiel eines Erdunterganges in
scenirt werden. Vor Kurzem wurde
durch den Berliner Astronomen Wiit
ein kleiner Planet entdeckt, der ganz
abnorme Bahnen wandelt. Ebenso wie
dieser könnte eines schönen Abends ein
Strichlein auf der empfindlichen photo
graphischen Platte irgend eines Stern- j
kundigen das Nahen eines Weltkörpers ’
anliindiaen, der es direct auf unsere
- Wohnstätte abgesehen bat. Es ist dies
keine pbantastische Vorstellung, denn
- unser bleicher Satellit bat seine gebor
i stene und vielfach berunstaltete Ober
» skiiche wahrscheinlich auch solchen Him
z melskörpern zu verdanken, die durch
irgend eine Ursache aus ihrem vorge
schriebenen Wege gebracht, sich auf den
Mond stürzten Warum sollte dies
nicht auch der Erde passiren können?
Camille Flammarion bat diesen Fall
schon vorausgesehen und in seinem
l Buche »Das Ende der Welt« verarbei
tet. .
In 500 Jahren, also im 25. Jahr
hundert, erscheint nach dem berühmten
französischen Astronomen ein riesiger
Komet am Horizont, der sich mit fabel
hafter Schnelligkeit unserer Erde nä
hert und sie tödtlich zu treffen droht.
Anläßlich dieses gewiß welthewegendcn
Vorganges strömt eine ungeheure Men
schenmenae in das Jnstitutggebäude
von Paris. Dieses wurde am Ende deS
20. Jahrhunderts (oielleicht auch 50
Jahre später!) aus den Trümmern er
richtet, welche die große sociale Revolu
tion der internationalen Anarchisten
übria qelassen hatte, als sie im Jahre
1950 den größten Theit der französi
schen Metropole in die Lust sprengten.
Jn diesem Gebäude roirdmun Cin
»Hu saurem ver voraugnchrnch iegre
astronomische Congreß abgehalten. Ei
ner der versammelten Gelehrten, die zu
meist mittelst lenkbaren Lastschiffe-z
nach Paris lamen, setzt zunächst aug
einander, daß das Zusammentreffen
mit dem gefürchteten Kometen durch
aus nicht so verhängnißvoll werden
diirfte. Vielleicht nimmt er gerade
den lit. November 1809 als Beweis
dafür an. Das Votum des Himmels
lundiaen wird sofort an allen Ecken
plakatirt und —— wenige Stunden
nachher öffnet sich bereits die Börse von
lsdicago wieder, nachdem man daselbst
schon den Schluß aller »Schliisse« in
Rechnung gezogen hatte. Nach erfolg
ter Beruhigung aller Gemütlser werden
alle Eventualitäten erörtert, Unter dr
nen die Erde zu Grunde gehen tann·
: Der Präsident der Gevlogischen ljves
sellschaft vertritt die Ansicht, daß unv«
ein nasser Tod bereitet werde. Regen,
FIva Schnee, Wind, Flüsse unv
Strome tragen beständig dazu Lei, un
sere Wohnstätte umzuaestalten Tliäler
werden durch Wasserläufe ausgewa
schen und durch die usitaefiilirten Erd
mafsen wieder ausgefüllt Das Meer
kämpft wiitikend gegen seine Gestade
an, di-. immer mehr zuruetweichen La
winen und Gletscherstsäme zersetzeu die
Gebirge und vulcanische straft-« reißen
tiefe Schluchten hinein. Auf diese
Weise haben die Alpen und Purenäen
schon viel von ihrer ursprünglichen
Höhe verloren. Noch tvirlnnaixsvoller
im Abtragen der Continentr sind die
grossen Ströme, wie Ganzer und Mis
sissippi, die löruchenweise das Erdreich
dem Meere zutragen Flammariou
nennt sie die stetigen Führer im Lec
chenzuae des festen Landes« Die aus
dem Wasser hervorragenden Massen
nehme-i einen Raum vcsu un.1-.-irl)c 100
Millionen Cubik - Kinn-Mem ein. Um
dieseltleinigteit Iveazulvascher, braucht
das « nasse Element noch etwa vier s
Miuionen ..ayre. s
Das gerade Gegentbeil davon, das
Versiegen des Wasser-·- rsnd der Tod
durch Austrocknung, solt nach dem Ge
neral-Secretair der meteorologischen
Alademie unserer Erde bereitet werden.
Auch diese Ansicht hat Viele-«- siir sich.
Man braucht blos zu bedenken, dasz
einst in der Tertiärzeit an der Stelle,
wo sich jetzt Paris erhebt, in du«-Quar
täriPeriode ein Allen-r wagte ans dem
nur wenige Puntte, wie etwa der Hö
benzug von Passy und der Mem-Vale
rien, austauchten. Alle diese Wasser-—
massen verdampstem nnd nur eintheil
tam als Niederschlag wieder zn Boden;
von diesem Ivird eine neu-Eise Menge
ausgesogen nnd von den Mineralien
chemisch gebunden. Uebrigen-z kreist
auch unser Nachbar, der Mond, gänz
lich ausgetrocknet in dem Weltraume.
Schließlich siihrt der atlantifclke Ocean
des Mars mit Recht den Namen »die
Sandbüchse«. Mit dem Schwinden
des Wassers aus der Erde wird das
der Pslanzenwelt Hand in Hand gehen.
Die Grassresser werden zu eristiren
aufhören, ihnen werden die Raubthiere
und diesen schließlich der Mensch sol
gen. Berechnet man die allmäliae Ab
nahme des Wassers, so dürste sich das
trockene Todesurtheil unserer Erde in
näefähr zehn Millionen Jahren voll
e en·
Nicht die stetige Abnahme des Was
ers, sondern die damit verbundenen
limatologischen Erscheinungen werden
as Ende der Dinge verursachen, so
ijhrt ein Dritter aus-. Die Luft besteht
aus 79 Theilen Stickstoff und 20 Thei
len Sauerstoff. Ein Viertel des übrig
bleibenden hundertsten Theiles nimmt
der Wasserdamps für sich in Anspruch
Der Rest besteht aus Argon, Kohlen
dioxhd Ammoniak und anderen Gasen.
Vom Standpunkte des organischen Le
bens betrachtet, ist dieses Biertelhun
dertstel Wasserdampf von der größten
Wichtigkeit, denn ein Atom davon be
sitzt achtzigmal mehr wärmebindende
Kraft als zweihundert Sauer- und
StickstosssAtome, folglich ist ein Molc
cül Wasserdampf sechzehntausendmal
wirksamer als die gleiche Menge trocke
ner Luft. Vermindert man die Was
serdunsttheile, so wird die Erde unbe
wohnbar. Statt des üppigen Pflan
zenwuchses mit seiner Fülle von
Blüthen und Früchten, statt der mun
teren Vögel und ihrer niedlichen Nester,
statt des in den Getoiissern pulsirenden
Lebens, der murmelnden Bäche und
rauschenden Flüsse, der Seen undMeere
hätten mir unbewegliche Eismassen ins
mitten einer unermeßlichen Wüste. Von
dieser traurigen Zeit sind wir ebenfalls
noch zehn Millionen Jahre entfernt.
Die Sonne wird nach einer anderen
Anschauung unser Ende herbeisiihr eu.
Alles wird durch die Strahlen des
Taaesaestirnes belebt. Sie verwan
deln das Wasser der Meere und
Ströme in Dampf, bilden die Wollen,
erzeuaen die Winde und lassen die Ge
wächse sprießen. Die Sonne ist es, die
in dem Bache murmelt, in dem Winde
webt, in der Rose blüht, in der Nachti
aall flöthet, im Blitze leuchtet und im
Gewitter grollt. Wenn sich einmal —
wie dies unausbleiblich ist, die Masse
der Sonne verdichtet und dadurch ihre
Wärme verliert, so wird die Erde eine
ais-gestorbene, öde Kugel .ve:d-.n, die sich
m diisterer Nacht um die einstiae Licht
sticnderin dreht. Zu diesem traurig-en
Ende aiebt uns-z Flammarion Zwanzig
Millionen Jalire Jsjeii.
Auch die i iisalichlcit ein-II electri
sckieii Grdiinteraanaes wird von ihm
besprochen
Jn jedem Falle haben wir noch nich
r re Millionen inbre Zelt um iinJ aufs
dagx nasse oder trockene, iiis das laltei
rder sonnenlose Ende norinbereit en
- - -
Des Ergogroph.
Der von dem italienischen Professor
A Mosso ersundene Ergograph ist ein
Apparat, um zu prüfen, welche Ner- i
ventraft in einem Schüler ausgespei i
chs rt ist. Dieser Tage wurden in der
Alcott School inCtiicago an denSchuls
tinderii unter Leitung von Professor
Frederict W. Sinedlen und Principal
V. W. Cainpbell Messungeii damit
vorgenommen Das Prinzip des Er
aoaraphen beruht darau» an einer
Illtuslelarupoe den allgemeinen Zu
stand des Korpers scstiustellen Wii
isnser Bild zeigt, wird dabei der Arm
eines Schülers aus eine Stiitze aeleai,
die nicht mit dein Eraoaravhen in Bei
tsiiidiina steht, welche es aber niöaliili
macht, das-, nur die Finger bewegt
werden können. Der eine lisndtheil ch
lirgoaraphen besteht aus einer Draht
schlinar. Jn diese legt der Schüler
den lzweiten Finger, und versucht den
selben, nach dem Takte eines Metroi
immg hin und her zu bewegen. Am
anderen Ende deg Apparatg markirt
ein Stisl aus einem rotirenden Papier
strcisen, die Bewegung des Finger-s
Je mehr die Kraft des Fingers nach
läßt, desto weniger Striche markirt
der Stift, bis diese endlich ganz
schwinden.
Diese Priisungen, so hofft man,
werden genauer und schneller über den
Zustand der Schüler, hauptsächlich in
Bezug aus Ermüdung und Ueberan
strengung Aufklärung geben, als sie
der Lehrer während seiner Thiitigkeit
anwerben kann.
Judianek-Kessel.
Der Reisende, der den Lake George,
einen der schönsten Theile Amerikas, -
besucht, sieht an verschiedenen Punkten «
in den Felsen sonderbare Löcher von
mehr als einem Fuß Durchmesser. Sie
sind inwendig so glatt, als hätte man ;
sie poliert. Nach der dort herrschenden .
Tradition haben die Jndianer, die in
der großen nördlichen Wildniß jagten,
dieseLöchet gegraben, geglättet und als
Kochtöpfe benutzt. Sie gossen die zu
tochende Flüssigkeit hinein und warfen
dann so lange heiße Steine dazu, bis
das Wasser warm genug geworden.
Natürlich hält diese Bersion der
wissenschaftlichenForschunq nicht stand.
Diese Löcher stammen aus der etwa
50,0()0 Jahre zurückliegenden Periode,
in welcher der ganze Norden Amerilas
von Gletschern bedeckt war. und sind
soqenannte Gletschermiihlen· Man fin
det oft auch noch die ebenfalls ganz
alatt aeriebenen Mahlsteine darin.
! Bei Lake Georae sind 22 iolcher Müh
; len bis zu 14 Fuß Tiefe. auf einer
Fläche von 1s4 Arre, bei Cahoes eben
falls im Staate New York fand man
» 1866 eine Gletschermiihle von 30 Fuß
IDurchmesser und ca.5()"i"fuß Tiefe.
« Dort lagen auf dem Grunde des Kes
H selg die Knochen eines Mastodonfz das
wahrscheinlich hineinaefallen war und
sich nicht mehr hatte heraushelfen tön
nen. Das Stelett steht nun im geolo
aischen Museum zu New York· Ein
anderer Ort derselben Geaend hat oon
ten Jndianern den Namen Canajol).1
rie, d. h. Loch im Felsen. wegen dieser
Nletschertniihlen erhalten« und ein wei
teres-, mehrere hundert Fuß tiefes- Loch
wurde erst kürzlich wieder 2000 Fuß
iiber dag Meer entdeckt.
- - ...-..-, —
Das E-isenhahn-Fahrrad.
Auf eine wirklich praktische Idee,
deren Tragweite heute noch nicht zu
übersehen ist, ist vor Kur-»ein der Ersp
findunggaeist eines praktischen Ameri
tanerg gelenkt worden. Er ronstruirte
ein Fahrrad inittelg dessea ein Radler
im Stande ist, ani dem (.chienengeleise
der Eisenbahn zu fahren und zwar
mit einer Geschwin«diaie·.t. die die zur
Zeit bestehenden Radhtecordg be
trächtlich in den Schatten zu stellen ae
eianet ist.
Das ,,tltailwah-Chcle« oder Eisen
bahnfahrrad besteht in seinen Haupt
theilen aus einem Zweirad von ier
heute qebräuchlichen Art der ,,Pneu
maticg«, ist aber außerdem durch eine
ach drei Theilen bestehende Sonder
Montirung zu einem Eiseiibcil).isahr
iad umgestaltei. Der erste Theil dieser
YItoniirung ist am unteren Ende deg
Vorderrades angebracht nnd verbin
dert, das-, dieseJRad wä« rend derFalsrt
iiber die Geleiseschienc aiigleitet Auch
der zweite Iliontirnnggtheil crsiillt die
sen Zweck Und zwar an dein Hinterrad
Als dritter Haupttheil ist dem F1hrs
rad durch eine galelsörniiqe Verbin
dung ein drittes Rad in der Spur
weite des Bahnaeleises angesiiat und
zwar besitzt dieses Rad in seinem Na
dius die Form eines gewöhnlichen
Waggonrades ist aber erheblich leich
ter und kleiner als dieses. Durch die
ses dritte Rad ist die Bulance .)ergc
stellt und der Radsahret ist ans diese
H
Weise in den Stand gese i, mit dersel
ben Bequemlichkeit und Sicherheit aus
diesem Rade zu fahren wie eins dem
sog. »Dreirad«. Der Radfa rer hat
nur darauf zu achten, möin s: hübsch
sachte hinter einem Bahnzuge zu ra
deln, um so der Möglichkeit porzuben
gen, unvorsichtigermaßen mit einem
,,Eil-, Bli - oder Expreßzus zu col
lidiren. us den einsamen, unermeß
lichen Bahnstrecken der cmericanischen
Pacific-Bahn bietet sich den »Eisen
bahn-Radsahrern« Gelegenheit, die
Schienenstränge zu benützem zudem im
Eisenbahn-Reglement der Vereinigten
Staaten zur Zeit keine Bestimmung
vorhanden ist, die die Benutzunsi· der
Schienengeleise durch »Railtoay
Cycle’s« stricte verbietet.
Ein Schilling pro Tag.
sTer Ausgedienth
Von Rudyard Kipling.
Ich heiße L’·iiell’, und ich hört’ die Redeill’
Von Virr bi- Bareill’, von Leeds dig
Lahore,
Jn Hongkong und Peshawiir,
Lucknoio und Etatvah,
Was weiß ich, in Johore und noch tausenden
»pore«.
Manche Sholerazeit, nnd ach! tief und oh!
breit, .
Tie Krankheit, das Leid ans demWege une
lag
Alt und hin bin ich schon,
Man jagt’ mich davon
lind ein Shilling mein Lohn, — Ei! Ein
Shilling pro Tagl-——
Chor:
Ehilling pro Tag!
Von Blitz und Schlag!
iiilijcllirh mer«- hat ——- einen Shilling pro
Tag!
th cis macht mich halb toll, wenn ichs so
gen Euch soll.
Wie der Kriegt-ruf erscholl von den thzi"s
einmal, —
Wie wir ritten nnd ftrittcn, undtoas wir
auch litten,
Eh wir lebten, ob starben, war den Herren
kgciL
Toch, toag iiiitzt’s alte Leiernfs Mein Mid,
das geht sclseuern
Und ich dars nicht feiern -—— als Dienstmanu,
drum lanf’ ich
Habt Ihr Nichts zu ocsorgcn?
Seit sriihestem Morgen.
Jn Hunger und Sorgen nnd Frieren Worts
d’raus ich.
Voller (khor:
tiiebt ihm den Brief
Sonst geht’5 mit ihm schief, .
Arm« alter Wachtmcister rennt mit dem
Brief! ·
Tenlt doch an ihn,
Wi-« stolz er einfi schien,
«Teiit’t, was- er jetzt ist, nnd -
Nod save the Quem!
— - - --.
Die größte Eise-warm m desn Ver.
Staaten. ·
Der jüngste Jahresbericht der Penns
sylvania - Bahngesellschast legt wieder
Zeugnisz von der colossalen Entwicke
lung dieses Unternehmens ab, welches
über 80,00()Angestellte zählt-und mehr
als ein Zehntel der Gesamnitausgai
ben der americanischen Bahnen aus
sein Conto schreiben kann. Von dem
wirthschaftlichen Aufschwunge des letz
ten Jahres, der sich in den Einnah
men unserer meisten Bahnen zeigte, hat
auch die Pennsylvania-Bahn ihr Theil
gehabt. Jhre Bruttoeinnahtnen er
reichten die riesige Ziffer von 8132,
8(;L),47().()2; ihre Betriebstdsten be
trugen 8L92,9()9,J-229.26, der Nettover
dienst also 8539,96(),14().76, eine Zu
nahme von 8676,914.19 gegen 1897.
Befördert wurden 1753,791,239 Ton
nen Frucht und 71,202,695 Passagiere,
gegen das Vorjahr eine Zunahme von
14,275,289 Tonnen Frucht und 2,
5553998 Passagieren. Nach Abzug al
ler ordentlichen und außerordentlichen
Aquanen, worunter die Legung von
vierfachen Geleisen auf vielen Linien
nnd der Bau der neuen Station in
Jersey City keine geringe Rolle spielen,
und der fünsprocentiqen Dividende ist
noch ein unvertheilter Ueberschuß von
82,642,85:3.94 geblieben, sodaß« schliess
lich fiir dag Gewinn- nnd Berlustconto
eine Bilanz von 822,445,996.62 her
Augoereekmet wird.
Besonders hervorzuheben "ift, das-,
es der Gesellschaft trotz Verringerunq
der Tonnensracht per Meile auf 4.W
Millg gelungen ist, die Selbstfrachttcr:
ften durch Verwendung größerer Lo
coniotiven derart hierabzuliringem das-;
der Reingewinn der gleiche geblieben
ist. In dieser Richtung liegt die Mög
lichleit einer noch weiter gehenden Ver
ringerung der Frachttosten, welche fur
die Concnrrenz unserer Producte nut
den ausländischen von einschneidender
Bedeutung ist.
Die Beiträge zum Unterstützunng
sond fiir Angestellte haben letztes Jahr
Wit;,2:31 betragen, die Ausgaben ar:
Sterbegcldern .':3555,276, an Kranken
geldern 85570,940. 1400 neue Mitglie
der sind dem Fond beigetreten. Eine
nicht minder erfreuliche Steigerung
baden die Einlagen des Sparfondg fiit
die Angestellten des Unternehmens er
fahren. Die Zahl der Einleger hat
sich von 578 auf 5845 gehoben, die
Einlagen beliefen sich aus über PAGA
»W, wodurch der gesamuite Fond auf
iiber P2,8s)sl,00() erhöht wurde.
Mit Bedauern oerzeichnet das Di
rectoriunr die Thatsache, daß die
,,Joint Trafsic Association« sich in
folge der ungünstigen Entscheidung dek
obersten Bundesgerichts hat auflösen
müssen. Der Bericht weist auf dass
große Interesse hin, das die Bahnen
des Landes an einer einheitlichen und
stetigen Festhaltung des Tarifs haben,
fur welche die Association Vorsorge
treffen sollte, und drückt dte Hoffnung
aus« baß qui dem Wege der Gesetzge
bung Abhitlfe geschaffen werden wird.