Grand Island Anzeiger und Herold. (Grand Island, Nebraska) 1893-1901, December 09, 1898, Sonntags-Blatt., Image 11

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    Die Dich-owed l
Stizzk von Francois TopPTks
1
Wie doch die Musik das Heimweh er
tveettt Was siie alte Erinnerungen sit
verdorrt-sit Und wie traurig in dtk4
Ton der Drehorgel klingt, die eine alte!
Pollarnelodie spielt!
Eine alte Palla, nach der vor II
Novemberdiimmernna der toeinerliche
Jahren ganz Paris tanzte, alr- Du,
junge Frau, tanm 18 Jahre alt warst;
ja Du. die arme, Rande Verblii ,te, die
einen but aus blanetn Sammet trägt,l
schon recht adgeteagensstir seine neueni
Bindebiinden und den Wagen, in dem
Bein drittes Kind schläft, unter die’
dliitterlosen Platanen des traurigen
Vatstadt-Bonlevardg schicbst.
Wie hübsch warst Du zu der Zeit,
als man diese Polh in den Bürgers
tränzchen spielte, too man mit Limos
nade und lleinen Kunden bewirthet
wurde. Wie ein Fninlkngsonsucgcn sahst
Du damals mit Deinem frischen, ova
len Gesichtchen suc- nnd den wunder
schönen, welligen Goidlmarctn von de
nen Du nun die Hälfte verloren dast.
Ohne Mitgift! Ju, Du hattest leinel
Mitaist. Konnte es auch ander-J dei der
Tochter eines ehrlichen Biere-auan
ten sein, der von seinen Borgesentenj
nichts als dieses cntmmhiqcnde Zeug-l
nise erhielt: ,,Guter und bescheidenerer
heiter. in seinem Amte sein uauchbart«
Ohne Mitaisti ALle Spiegel dcdl
Saales sagten Dir, daß Du keine
brauchtest, als-«- Du am Arme Terms-.
Vaters eintratst, strahlend in eine: m:
sasarbenen Wolle· Wer konnte da al)
nen, daß die Mamn der Toilette wegen(
zu Hause geblieben war, Deinen Nackt
aus dem Eßtisch gedlättet hatte, nnd
daß Du selbst Dein Kleid zugeschnit
ten und gemacht hattest? Trugst Dui
nicht Handschuhe big zum Ellenbogenkj
Wie hätte man da almen können-paßt
Du an den Fingerspitzen Jendemnyej
hattest? (
Höre die alte Polta, die die time-T
. rende Dretiorgel in der Novemberdämss
merung spielt! Sollte man nicht met-;
nen. es sei der von Schluchzen unter
brochene Gesang einer Irren?
Er forderte Dich ost auf mit iyni
diese Polia zu tanzen, der schöne, duntsi
le junge Herr mit tnilitiirischem
Schnurrbart, so elegant in seinem gut»
sitzenden Frac, Tein Tänzer, den Du
in Gedanken mit seinem Vornaitsen
»Fritz'« nanntcst. Er forderte Dich asth
diese Polta mit ihm zu tanzen, und die
Mazuria und den Walzer auch. Deine«
Stimme zitterte ein wenig, wenn Du
»ja, mein Herr« antwortetesi, und Dei-z
ne Hand zitterte a:. ch, wenn Tit sie in
die seinige legtest; denn er war Jus gu ;
ier Familie ein wenig u. rdunsienlt
sagte man, er natte ein Duell gehabt »
welchen Nimbnss gab ihm das! - - undi
sein Vater hatte zweimal seine Sau-i
den bezahlt. i
Wie er Dich mit fester Hand durch
die Tanzenden führte, nnd in den Rn
bevausem wo Du Dich lächelnd und
schnell athniend aus seinen Vlrni stütz
test, Dich beunruhigte, wenn er Dir
Plötzlich in die Augen sal) nnd mit lei
fer, warmer Stimme iiber ein Nin-U,
iiber einen Gegenstand Deiner Toilette,
über die Blumen in Deinem Haar Dir
Komplimente machte, sehr respektvoll
in den Ausdrücke-L aber worin Du ein
unbestimmte-» Etwas fühltest, dass
Dir zugleich Furcht und Vergnügen
machte· Ach! ein junger Mensch wie
Herr Fritz tvar nicht dazu gemacht, lan
ge aus Biille zu gehen, wo man MaiH
delmilch trant Er ging bald auf an
dere Festes und ohne es Dir zu aeste
ben, warst T-u traurig darüber, nicht
wahr? Dann verflossen 2, .., 4 ET Jah
re. Du zogst tein rosa Kleid niehran
weil Du etwas blaß geworden warst,
und auf dem Bürgertränzchen, wo das
Redertoir selten wechselt, spielte man
immer die alte Polta, die Dich an
Herrn , riß erinnerte.
Zuleß mußte man die Dinge anse
hen, wie fie lagen und einen lkntschlufp
fassen Da hatt Du den schüchternen
Jungen gebeirathet der immer mit ten
magern Fräuleins nahe der Dreißig
getanzt hatte. Früher derganeit Du«
mehr als einmal die ihm verforochenei
Quadrillentour, obgleich sein Name auf
Deiner Tanrtarte verzeichieit stand. Da- I
mais iitblteit Du etwas Mitleid mit
ihm, qettehe es nur, rnit oem quten
Herrn Jules in feiner zu sehr gestärk
ten Kravatte nnd seinen qewaschenen
Handschuhen Du hast ihn trotzdem sie-«
heirathet, nnd er ist schließlich ein ar.
beitfamer, braver Fainitienvatisr nei
worden. Er ist ietzt Bureaubeainter. wie
Dein verstorbener Vater, nnd er eriiiått
dieselbe entncutliiaenve Nat-: »B-ssck:»
better und braucht-irrer erveiter." Als«
Du kan feinen zweiten Knaben kre «
schenkt l).1tteft, ist oer ante Mir-in etwa-:
ebtgei.1.in geworden ims- Wk k.«f·j.-p»t
zu werden« liat er zwei tteine List-sein«- I
ten auf feine htoften ist-nur« HEan
aber man liat ttin nn: tust sitze-; 1»:--:n 7
den Anertennuna atthezeiiiniu Tier
Kinder, zwei Söhne zuerst, nnd ein«
Mädchen ist später qetonrmen, —-- nn
ist schwer! Glücklichertueife hat der Stiel
teste eine von-e Zwist-ne in vek Schar-I
erhalten. Mit a·ros;e: Sparsamkeit
kommt inan durch. Der Vater gibts
Moraens fort nnd nimmt fein Früh
stück, ein belegtes Butterbrot nno ein
Michel-en Wasser mit Wein in der Ta
sche seines Ueber-ziehet- mit, denn ehe
et M auf feinen Dureauftuhl seht, eht
et tn ein Witwenpension-it eine es
i
J
araphiefiunde geben. Du hast nicht«
Zeit, Dich zu lang-weitem junge Frau,"
und der Taa ist kurz fiii einen, der so
viel zu thun hat.
Nichtswahn diese Dredorgel ist un-»
erträglich? Sie ist endlich still, und es
wird Nacht. Dort unt-m am Ende des
traurian Vorstadibonlevards erschei
nen die bleichen Gasflammen auf dem
rothen Nebel. der dem Sonnenunter
gang folgt. Geh, nach hause, Madame
Julest Dein zweiter Sohn muß schOU
aus der Schule gekommen fein, und
wenn Du nicht da bist, so !ernt er nie
vor dem Abendbrot feine Schillaiifgcst
ben iiir den nächsten Tag. Weis nach
Haufe! Dein Mann wird bald aus dein
Bureau kommen. mitde und hungrig,
und Du weißt wohl, daß Ohne Dich
das kleine Dienstmädchen nicht im
Stande ist« mit Zwiebeln nnd Kartof
feln aus dem Rest des gestrigen Rind
fleifches nach ein Mittagessen zu berei
ten.
O
s-«
Wie die Musik das Heimweh erregtll
Wie schmerzlich sie alte Erinnerungen
hervorruft! Und wie kläglich ist in der
Novemberdämmeruna der weinerliche
Ton der Drchorgel, die eine alte Ga
lovvmelodie spielt! Woran denken Sie«
Frau Gräsin als Sie sie hören, und
warum bleiben Sie so traumverloreni
am Fenster Jhres Boudoirs stehen?
Woran kann sie, eine glückliche, in vol
ler Schönheit prangende Frau von 30
Jahren die alte Galoppmelodie erin
nern. die dort unten auf dem trauri
aen Boulevard jenseits der entbliitter
ten Bäume ihres Gartens aus der knar
renden Drehorgel gespielt wird?
Sie erinnert sie an das weite Amphi
theater von »Johnsons amerikanischem
Cirkus.« der voll von aufmerksamen
Gesichtern ist, so wie er es zu der Zeit
ihrer reiterischen Erfolge war. Die bei
den Negervirtuosen haben ihr komisches
Conzert beendigt, indem sie znmSchluß
die Violinen auf ihren Köpfen zer
schlagen, nnd der Stallknecht führt fo
eben ihr Kunstreitvserd in die Mancge.
Sie treten dann ein, geführt von dein
stattlichen Stallmeister in seuerrothein
Fran, in den Sie, gestehen Sie es nur
wie alle Reiterinnen der Truvpe etwas
verliebt waren. Sie arusren das Publi
kum mit einem Entrechat, nnd sofort
sind Sie mit einem Satz hoppt im Sat
tel. Eine Peitsche knallt, dass Orcheftr r
fängt eine feurige Fansare an, das ge
trüffelte Pferd seinen kleinen, mecham
schen Galon nnd hovp, hopp reiten
Sie davon!
Was für eine göttliche Gestalt warenJ
Sie damals, Gräsinl 17 Jahre ein
nnd die Kraft und Anmuth einer Ve
nu5! Ein Geniurmel erhob sich: Das
ift die schöne Adda, die Ainerikanerinl
lind berauscht von diesem Triumph
verdnfspelien Sie Ihre kühnen Luft
spriinae.
Der erste Theil Jlfres Auftretens
endiate immer in langen Bravorufern
Während die llieitknechte auf Schemel
stiegen nnd die bunten Winipel und
Reisen befestigten, und während dei«
Clown. um die Galerie en atniifireti,«
mit einer Ohrfeige seinen Kameraden
platt auf die lfrde wars, machten Sie
einen langsamen Ritt, leicht wie ein
Schmetterling auf den-. Ltiande des Sat
tclg sitzend. Dies war der belte Angen
lsliik für Ihre Betoundcrer. Sie hielten
Ihren schönen liops aufrecht unter sci
ner Krone von schwarzem blnnienge j
schmücktein Haar, nnd der w ite lttaee l
roct umgab wie eine Wolle Ihr-: miH
einem Rofatricot bekleidet-. n schönssee
formten Beine.
Es war in einer dieser lhausen, at-:
Sie zum ersten Mal den Grafen oc
merkten, der heute Ihr its-site ist, du
mais einer der slottesten Lebetniinner
von Paris. Er stand in deni ujange, der
nach den Pserdestäclen führte, gross»
schlank und korrekt in feinem zuge
knödsten Ueberros.k, einen Flieacrziverg
im Knovfloch, eine-i arauen Our auf
dem Kopfe. und klopfte seine Livven
mit den-. goldenen linon seines Spa
,iiersiödchens· Er kam am folgenden
Tage wieder, am nächstfolgenden even
so und so fort alle Tage, und Sie sent-·
ten verwirrt die Läders wenn Ihr Blick
seine deivundernden Augen traf.
Er hatte ganz den Kon verloren;
aber Sie waren eben ein anständiger
Mädchen. Von fünf Jahren tenraen
Sie Waise als Jhr Vater-. der ,,starte
Mann mit der Stan(!.e«« sich bei einem
Fall todtgeschlagen hatte. Die Cirkus:
leute adovtirten das Kind-. Der alte
Pariser Clown Mistiario lehrte Sirt
Französisch und ein wenig Lesen und;
Schreiben. Nachdem Zie dass »ei:fants
aate« dieser braven Fennftreitce ezelres1
sen, wurden Sie einer der Sterne Elz
res Unternehmen-T Sie verdienten ehr
lich Ihr Brot durch Luftspriznqs frei
lich, aber Sie blieb-In tnaendlsask und
erinnern Sie sich noch an den Abend,
wo der Gras Ihnen i:: ziemlich unzers
ter Weise den Tiirkisensltnnnck a.:b.«.l,
nnd Sie il1n in «.-teaenwaxt des Reit
tnechth sast durclmecsri-fcht l)iitt.-n'.' Das
qeniiata nm einen leidcnsrlsnftlillsen
Mann aani toll zn simclnstn Jahr-senkt
amerikanische-: lIirlus« zoq durchl
Frankreich: der Graf folgte Ihnen nach
Orleansz Tours-, Sauniur, Angees «— s
nnd endlich, in Rankes machte er oie
Thorlieit vollständig, wie ein Eltnssai
und da er weder Vater noch Mutter
hatte, nahm er Sie mit, nm Sie zu
heirathen. O wie kläglich die alte
Drehorael in der Dämmerung weint!
Was sollte man nach den ersten Flü
temochen thun. die man in einem am
Meereeuser verlorenen Dörfchen verlebt
hatte? In den Clubs stießen sich die
Herren lachend an, und die vornehmen
Damen erstiellen hinter ihren Fächern
fast vor Entrüstung. Der Graf fand
einen Ruder-ern er ging für mehrere
Jahre in’s Ausland. Ach, arme Grä
fin, wie haben Sie sich in Florenz ge
langweilt, in dem diistern Schloß, wo
Jhr Mann Sie wie ein kleiner Mäd
chen hat erziehen und unterrichten tas
sen, und wo Sie so viele Leltionen und
Lehrer ertragen mußten! Aus Dani
barleit mehr, ach, als aus Liebe woll
ten Sie dem Grafen gefallen und seiner
lvükdia werden. Aber natürlich gehör
te Zeit dazu, und so geduldig er auch
war, wie viel haben Sie gelitten bei sei
nem-ewigen: .
»Das sagt man nicht« . . . »Das
thut man nicht,« immer gefolgt von ei
nem trockenen »meine Liebe," dass Sie
zur Verzweiflung brachte.
Alle Frauen sind bildungsfähig.
»Parvenü« ist ein Wort, das man nicht
auf Frauen anlvendet. Nach Z Jahren
waren Sie eine wahre Gräfin. Der
Gras, der in den Museen gähnte,
säumte nicht länger und führteSie nach
Paris zurück. Die seit lange geschlosse
nen Fensterläden seines alten Schlos
ses llappten gegen die Mauer, und Sie
nahmen Jhr erstes Diner in dem gro
ßen Speisesaal ein. Auch hier ist Ein
samleit nnd Melancholie Jhr Loos,
Gräfin Ihrem Gatten ist eg nach vie-—
len Anstrengungen und Geldopsern für
wohlthiitige Zwecke gelungen, Jhncn
eine kleine Gesellschaft aug- Priestern
und frommen Frauen zu bilden. Wir
diister diese schwarzen Kleider beider
Geschlechter sind! Seit sechs Jahren be
suchen Sie alle Morgen Kinder-bewahr
anstalten und Schulen und langlveilen
sich des Abends in Ihrer einsamen Loge
des Theatre-·,’francais oder der Oper
fast zu Tode. Keine Kindtc. und leine
(
Hoffnung, jemals welche zu haben! Die
Jahre gehen vorüber; und das
Schlimmste ist, daß Sie fiir den Gra
sen nur tiefe Dankbarkeit und aufrich
tige eFreundschaft empfinden, und daß
Sie ihn tritisiren. O gewiß, ein voll
kommen höflicher Mann voll aristokra
tischer Löcherlichkeiten und langweilig
wie ein Konzert. Er ist jetzt 48 Jahre
alt und gerade wag man einen ehemals
schönen und nun vernünftig geworde
nen Weltmann nennt, nicht wahr? Ein
ziemlich fades Gemisch von Vornehm
heit. aesärbtem Backenbart, Vorurthei
len, arauenibut und schwachem Magen.
Endlich ist der Drehorgelton ver
hallt. Gean den immer dunkler wer
denden Himmel unterscheidet man kaum
die großen Skelette der entbliitterten
Bäume· Der Rammerdiner tritt leise
ein, bringt eine Lampe, setzt sie auf ein
Tischchen und sagt mit seiner feierlichen
Stimme: »Der Herr Abt von Saint
Thoiiiassd’Aaiiiti erwartet Frau litrii
fin im Salon.«
-- -«-—--—s-O.-0——---.—-·
Moment - Bilder aus der Praxis
Von Vllfred Peiver.
Kurtes- Hausen-U.
Was war nur mit meinem Freunde
Paul vorgegangen? Als wir noch ganz
jun e Studenten waren, da schäumte
er iiber vor weltbeglijckender Menschen
liebe, und ich erinnere mich manches
Abends oder, richtiger gesagt, mancher
Nacht -— merlivindig, daf: es immer
gerade Nachts war! -—- in der wir uns
in eine so eifrige Diskussion iiber die
idealsten Dinge tertieft hatten, das;
liiner den Anderen wohl ein hale
Dutzend mal nach Hause begleiten
mu te, ehc die hkchsten Fragen des
menschlichen Lebens in zufriedenstcl:
lender Weise gelöst lrsaren. Dabei war
er immer der Schwärmer gewesen, ich
der Sleptiker. Und wenn er auch nach
her als älterer Ftandidat der edlenHeil
knnde ruhiger und als junger Medi
tus wohl auch ein ganz klein wenig
praktischer geworden war, ein Stätt,
nnd zwar ein recht bedeutendes-, von
sdem alten LIJienschcnfreund und »Welt
beglücker« tvar doch in ihm geblieben.
Wie hatte er nicht« als- er sich als
Ltlrzt niederließ, Um die Segnungen
der modernen Medizin dem Norden
Berling zu erschließem auf den Kolle
gen Reineke gewettett, der in seiner
Nähe wohnte! Der hatte nach seiner
Meinung den Geist der Medizin so
erfayt, dasz Paul, wenn er ihn Vor
initta s seine Visitentour beginnen sah,
nicht sagte: »Er geht auf die Praxig!«
srndernx »Er geht seinem Geschäft
nach!« Ihm selbst war. um mit feinen
ei enen Worten zu reden, die Aus
ii ung seines Berufes eine »vriesterliche
Sendung«, und darum hatte es Rei
neke gründlich mit ihm verdorben, als
er bei Paukks Anttittgdesnch etwas
cynisch aus dessen begeisterte Aus-süh
rungen replizirt und gar in seiner sat
tastisclxen Weise Von seinem »Aus-«
schant« gesprochen hatte. Damit meinte
er nämlich seine eigene Sprechstnnde.
Als:-, wie gesagt, tvaLJ war nnr with-—
rcnd der kurzen Zeit unserer Trennung
in den Paul gefahren?
Nach einiälzriger Abwesenheit von
Berlin suchte ich ian wieder aus, nnd
ich ninß sagen, trotz des Lächelan das
tnir der Gedanke an seine Schwärme-»
reien entlockte, freute ich mich doch nacht
all dem Drangen nnsd Hasten ans den
Moment. wo er nach den üblichen all-s
täglichen Redensarten wieder ,,lo«:-le-(
gen« würde. Jch wollte mich mal so
recht daran erquicken! s
Und nun saßen wir uns in seinem
gemiithlichen Sprechzimmer aegeniiber,’
und ich suchte ihn mit List und Tücke
auf sein Lieblinasthema hinzuletten.
Aber was war dag? War dies der große
t
Philanthrop von eher-ein? »Geld ver
dienen«, »schonungslos mit der Bande
1:mgehen«, »sich um Keinen kümmern«
s— das waren so ungefähr die Kern
punkte seiner neuen Prinzipien.
Na, es dauerte nicht lange, da hatte
ich’-«H auch glücklich heraus.
Anders, als er ich’s gedacht, war ja
lsie Geschichte iiber umgekommen Es
war doch verdammt schwer, seine edlen
Vorsätze an eeigneten Objekten prak
tisch auszuii en, sdie Objekte waren
nämlich etwas selten. Und wenn sie
wirklich kamen — ja, das war ja eben
die Geschicktet Und gerade heute war
sie ihm passgirt
Jn einem der vielen Volks-beglück
ungs-Vereine hatte er Krettke kennen
gelernt. Krett e machte dort alles. Er
zog die Beiträge ein, schrieb, lief, klebte,
trug Cirtulare herum u. s. w. Krettke
war arm, aber ein Biedermann. Und
Krettke wurde krank. So kam denn
Paul in die Lage, seine Behandlung
u übernehmen, und er that es mit
z euereifer.
Einträglich war die Sache ja nicht,
Idenn nach einer längeren Verhandlung
in Paul’s Sprechzimmer hatten sich die
Verhältnisse derer v. Krettke vor
Pauks Augen so aufgerollt, daß er
zum Schluß dem Braven auf die
Schulter klopfte und ihn jovial mit den
Worten verabschiedete: »Na, Krettke,
machen Sie keine Redensarten, schon
;gut, schon gut! Und wenn bei Ihnen
imal wieder Jemand trank ist, dann
sgeniren Sie-sich nicht; wir können ja
lnicht alle reich sein u. s. w.« streute,
Ider eben Genesene, war tiefbeschämt
iund dankerfiillt davongegangen.
s »Arm, aber anständig, Herr Dok
’tor!«
s Es wurde auch bald wieder Jemand
strant Oh ja! Sogar Mehrere, denn
:strettte’3 hatten acht Kinder, und man
jtveiß doch! Schon allein die Kinder
krankheitenl Na, jedenfalls machten die
Krettte’s sie gewissenhast durch.
» Wahrhast rührend war die Sorg
falt der Eltern! Wenn auch nur daz
Pünktchen auf dem i nicht stimmte,
schickte man doch lieber gleich zum Arzt.
Man kann doch nie wissen, ob so eine
Sache nicht schlimmer wird!
Mit Schmunzeln hatte im Anfang
Paul's Wirthschastcrin «— es war erst
die rdritte in drei Monaten —- während
der Sprechstunden die verschiedensten
Mitglieder der Familie gemeldet oder
auch Paul aus Gesellschaften, Verei
ueu, oder wo er sonst weilte —— er hin
terließ nämlich stets seine Adresse, «
srrttelephonirt. Man sah doch, die
Praxis sing allmälig an! Aber dann
war es doch hin unsd wieder unange
nehm, den ersten Akt im Theater zu
versäumen, weil Willn Krettke sich eine
Erbse in’5 Ohr gesteckt hatte, oder vom
Stat fort zu müssen, weil Fritz Krettke
mit einer Beule an der Stirn nach
Hause gekommen war, über deren Her
lunst er standhaft jede Aussage ver
weigerte.
»Weißt Du noch, wie Du damali
hier durchreistest, und ich Dich am
Bahnhose leider verpaßte? Ich liatte
mich so recht auf das Wiedersehen ge
freut! Da hatte das kleinste Fräulein
Krettke Zahnkräntfr. tsnd sie holten
mich vor meiner Thiir noch aus der
Droschle beraus!«
Erst neulich war die iiltejfe Tochter
erkrankt. Das war nun freilich etwas
Ernsterez gewesen. Aber, gottlob, sie
war ja nach vielen Besuchen Berufs
bei Tag und Nacht glücklich wieder her
gestellt worden und nun kam sie nur
noch zweimal wöchentlich zur Nachhe
handlung.
Aber plötzlich blieb sie fort. Na,
dachte Paul, es wird ihr wohl besser
aehenl Merkwürdig fand er’L- aler
doch! Bei Anderen ja vielleicht nicht,
aber bei Krelike’5! Bei dieser Sorafalt
in ärztliehen Dingen!
Heute hatte er nun Strettle selber
aetrossen, seit vier Wochen zum erste-u
Male.
Firettte sah sehr fein au-. Reiter
schwarzer Rod, Cyllnder, toeiskeWäsitre,
»sehr gelbe Handschuhe.
s »Na, streitig Sie sehen ja so feier
; lich ani? Geht’5 zn ’ner Kindtause?«
’ «Mojen, Herr Doktert Ach, Sie mee
nen woll wesen sden neien Anzug? Mee,
det is bei uns nu nischt Besonderes
mehr! Wir liabeit’s ja nu Jott sei Dank
nich mehr neethig!«
»Nanu?s Etwa geerbt?«
»Na ob! Und -t:ichtig! Von eenen
ollen Onkel von meine Frau; von den
hat eeutlich Kerner mehr so recht wat
jewusztl Na, un nich zu knapp! Jct will
ja nischt weiter sagen, aber et reicht!«
I »Da gratulire ich, lieber Krettlek
stzlber wag macht denn LenchenZ Die
,l)at sich ja so lange nicht mehr bei mir
Jsehen lassen? Ganz gesund tann sie doch
noch nicht sein?«
Krettke wurde augenscheinlich verle
gen.
»Nee, Herr Dotier, janz jesund is
se ja ooch noch nich, aber es seht ju so
weit. ----- Wissen Se, Herr Dotter, meine
Frau hat all immer jesagt, wat der
Dr. Reineke is, der soll ja so jut sind
for sone Sachen. ’n bidlen dheier is
er ja, aber wir haben’S ja nU Jott sei
Dank dazu un ieunen’;6 ooch dran wen
den, un da ieht se un seit vier Wochen
bei den hin —-——s«
Und da nimthJ Einem der dumme
Kerl, der Paul, iibel, wenn man dar
ijber lacht! «
st
’n Doktor muß Geld have-u
Also, mein lieber 9lssessor, nun hör«
snal zu, wag- fiir einen Philosophen ich
heute kennen gelernt habe! Welche Por
tion Lebensweisheit sich miåunter so
ein Berliner Rentier und Hausbesitzer
zurechtlegtt FabelhnfU sage ich Dir.
Heute eteignet sich also der merkwür
dige Fall: Ich habe zwar Sprechstunde,
tat-ex es kommt auch wirklich Jemand-!
Jch höre es llingeln na weißt Du,
jetzt bin ich ja schon glücklich so weit;
es kann ja doch ein Bettler sein oder
vielleicht ein Liebhaber alter, von Kava
lieren abgelegter Beinlleider, unddann
säraert man sich, daf- man so leichtsin
nig war, aufzustehen; aber diesmal
hatte sich wirklich »was gesangen«. —
,,Herr Doktor zu Hause?« höre ich.
Darauf die Stimme meiner rüstigen
Schafsnerin: ,,Jatvchl, bitte nur ein
zutreten. Einen Augenblick! Jch werde
Sie sofort melden!« Und sie meldete.«
sNach der üblichen Respeltsfrist von
sfüns Minuten (die habe ich mir näm-l
"lich auch zugelegt, sdamit die Leute doch
erst im Wartezimmer etwas heimisch
werden können) öffne ich die Pforte
zum Allerheiligsten. Allerband Hoch
achtung! Mein Nachbar, der vierstoctige
Hausbesitzer von bis-erwies Herr Ren-,
tier Schappenbaumt der bekanntest
sMann unse-rer"Stras;e, der rorpulen-I
zteste Mann des Bezirks und vielleicht
jder unbeschäftigste Maan von ganz
Berlin! Der Eintritt in mein Sprech
zimmer hatte ihn sichtlich angestrengt,.
denn er nahm Platz und ,,verpustete«
Tsich in der ausgiebigsten Weise. Dann
sspielte er eine Weile llimpernd mit der
Rechten an seiner schweren goldenen
)Kette, klopfte mehrmals mit der Lin
"ten auf den Schenkel und blickte dabei
jpustend aber mit viel Interesse in mei
nem Zimmer umher.
Endlich, nachdem ich ihn, gleichfalls
mesrtlog, mit der ernsten Miene des
medizinischen Forschch durchdringend
angeschaut halte, begann er seine Lita-3
nei. Na, mit der will ich Dich lieber
verschonen! Kurz, er hatte aus der Zeit,l
two er noch ehrsamer Bäckermeister 1oar,j
vcn dem langen nächtlichen Steheiu
einen ,,Ftna1« im linken-Bein zurück-;
behalten, uno wie nnr var-v klar wurde,l
war, seitdem er ten Backlöffel niit ber
Kuponscheere vertauscht hatte, seine
scusschlicleiche Beschäftigung das- eif-:
rige Bestreben, über die Natur diese-:
Uebels in’5 Klare zu kommen. Das
dauerte nun, nebercbei bemerkt, schon
fünfzehn Jahre! Jch untersuchte ihn
lgriindlieh —- Zeit hatte ich ja dazu, —
ont dann begann ich ihm auseinander
zitsetzen, was ich über diesenFall dächte.l
Anfangs hörte er mit einer gewissen
Herablassung zu, bald aber begann oerl
Gegenstand ihn sichtlich zu interessiren,»
und er fing an, meine Ausführungen
theils mii zristimniendem Kopsnicten,
theils mit kurzen Zwischenbemerkun
gen zu begleiten, z. B.: ,,Jawoll, deti
hat Leyden ooch jesagtl« —- »Sehr rich
»tig, janz Senat-Im seine Ansicht!« oder,l
Hals-ich von der eirzuschlagenden The
irapie s rach, mit leichtem Achselzuclen
iunb lei em Zweifel: »So? meinen Sie?
Na, in Wiegbaben hielten se da nischt
Von!« ober: ,,Det habe icl Mendeln ooch
.jesagt, aber der wollte da nich ran!«
«u. s. w.
. Endlich war ich fertig, ich hatte iinns
eine Reihe von eleltrischen Sitzungeni
in Aussicht gestellt und wartete nunl
seine Replik ab. Und die lautete unge-;
.j«r5hr folgendermaßen: «Wat Sie das
-sagen, Herr Dotier, det hat Hand- nnd;
Fuß, da io nich Man zu tippen! Anders-«
haben bet die jroßen Bau-Bang ooch
fnich jelonnt, un ick muß besiirwortemi
det leuchtet mir in, un det jefällt mir
soweit janz jut. Also abjemacht, icl
komme de Woche zlveeinal bei Jhn’
riiber.
Wissen Se, Herr Dotier, ick bin ’n
mertwirbiger Mensch. Ich habe so
Inieine eijene Ansichten, und da jehc iet«
nicl von ab. Bei mir is det Erste, wo
rusf ick bei ’n Dotter sehe: ’n Dotter
muß Jelb haben! Na, bie jioszen Pros«
sessoren, die haben’t ja wie Hen, aber
die Brieber ienii’ id. Die haben ja
rsiel zu viel zu thun un haben ja lerne
Zeit, sich mit Unsereenen so lange ab:
l·i,iijeben; det jeht immer: rin! sama
zia Mart uff’n Disch -—- rang-! Na, ict
teune bet doch! Bei die jeh iel also nich
u:ebr. Aber wenn iek zu’n andern
lI otter Vertrauen haben soll, denn muss
ser Jeld haben!«
Jch machte wohl ein ziemlich ber
stänbnißloseg Gesicht und murmelie
etwas der Art, daß doch auch ein
niiißig begiiterter lKollege sehr tijchtig
sein könne.
,,Jetviß doch«, subr er fort, »Iiichtia
sein tann er allemale, aber ict bleibe
dabei, Jelv muß er haben! Sehen Se,’
ick meene ja nich wejen die theiren
Instrumente; die kriegt er ja schlieszssj
lich überall jepumpt· Aber sehen Se:s
-Wenn der Mann sdet nich nöthig hatJ
kenn hat er bei mir ville mehr AnsehenJ
er läßt sieh von mir nisebt jesallen, im
wenn ick mal ’n Rezept nich machen
lasse, oder ict thue sonst nich, wat er»
anxeoisonei nat, oenn yunzx er mir tun-»
ter, un ob ick denn wieder komme oder
nich, det is ihm janz schnnppr. Det
rlcslict aber sdoch ’n Andrer bei ’n Ren--l
tier Schappenbanm nich so leicht. Dei
ist« sdoch immer ’u Kunde! Und DanM
wenn der Mann mir behandelt, denn»
»habe ick det Vertrauen, er läßt Dir nich
löster kommen, als es neeihig ig· Der«
Mann braucht darnss nich zu sehen. lskäji
zlommi ja bei mir nich sdarnff an, aber
sitt lasse mir doch nich jerne sor dumm
Ilccseik So ’n Mann zielst leene Vi- s
handluna in de Länge, un da iiinnies
irt noch so viel antreg sagen. Senein
Sc, so ’n wunlhrbender Doktor, del-s
reist, der sieht sich de Bilder an, wo ers
Ernen hinschickt, der Andere, Der kennt.
zsc blos vole Lesen. Na, kurz uns
-int, meine Ansichs is: ’n Dotter muss
JJeld haben! Sehen Se, zu Jan wollte
ici alle lange mal lcsmmen. Sie wolk
nen in ’ne seine Siraße,— in ein ansiiinss
diges Hauf-. Wenn man Jhn’ so jeh’n
»siel)t, immer nebelt Neulich in den ele
sjanien RavsahrenAnzng zum Beispiel,
sda sahen Se samos sdtin taus. Jck sagte
noch zu meine Fran: Komm mal blos
schnell an’s Fenster, und liet Dir mal
den Dotter an! —- Na, also kurz un
jut: ’n Dotter inusz Jeld haben!«
Endlich schieden wir, und wir schie
den als Freunde. Na, was sagst Du
zu diesem Heiligen? — Uelm ens,
lannst Du mir bis zum »Ersten« Lins
ig Mart Pumpen? Jch bin mal wieder
surchtbar in der Klemme!
—---.- —
Der Setttänzer Dotter ans dein
A chener Fürsteereist-V
Da gegenwärtig verschiedeneMitihei
lungen über den vor 80 Jahren, am
29. September bis 21. November 1818,
zu Aachen abgehaltenen Fütstentongreß
durch die Blätter gehen, so darf wohl
auch die Erinnerung an ein kleines
Zwischenspiel zwischen den großen
Staatsverhandlungen aufgesrischt wet
den, welches damals dem später so be
rühmt gewordenen Seiltänzer Wilhelm
Kolter zufieL Jener Congreß inAachen,
zu welchem die Herrscher von Preußen,
Oesterreich und Russland persönlich er
schienen waren, galt hauptsächlich der
Befestigung der 1815 geschlossenen
,,heiligen Allianz« und der Hereinzie
hung Frankreichs in diesen Bund, die
durch einige wichtige Zugeständnisse an
das letztgenannte Land auch glückte.
Natürlich fehlte eg- in den Tagen der
Zusammenknnft nicht an zahlreichen
Veranstaltungen welche den Erschiene
nen zur Unterhaltung dienen sollten.
So hatte ein Engländer, Jact Badxed.
eine Besteigung des »Tl)nrncseils« an
geliindiai mit dem prahlerischen Zu
satz-I, daß er der Erste und Einzige sei,
welcher dieses Wagestück ausführen
könne. Solche Großsprecherei verdroß
den König Friedrich Wilhelm B» der
mußte, daß der Deutsch-Ung« W.Kol
ter mehrere Jahre früher das schon im
Alterthum und Mittelalter dekannte
Thurinseil wieder zu Ehren gebracht
hatte, und durch seine Kühnheit und
Getoandtheit auf demselben unbestrit
teuer Meister war. Nachdem der Eng
länder seine Kiinste gezeigt hatte, ver
anlaßte der König daher in aller Heim
lichteit den Minister Hardenberg, Kol
te-: durch einen eigenen Courier von —
Neiße, wo er gerade in Thätigkeit war,
herkieiholen zu lassen. Der Genannte
kam in wenigen Tagen an, ruhte sich
etwas aus, beobachtete den Engländer
auf dem Thurmseile und verabredet
mit seinen hohen Gönn-ern einen eigen
artigen Plan, um seine eigene und
überlegrne Geschicklichkeit in glänzen
dem Lichte zu l2,eigen. Als Badxed näm
lich beim nächsten Aufftiege vor einer
dichtgedrängten Zuschauermenge nsit
seiner Batancirstange ungefähr die
Hälfte des rion einem Kellerfenster nach
einer hohen Thurmlute gespannt-In
Seileki von unten emvorgehend erreicht
l«atte, erschien plötzlich und unerwartci
in der Thnrrnlirke eine in einen weiten
TIeantet gehiillte Gestalt. Der Fremde
wirft den Mantel ab, steht einen An
genblick in der damaligen Studenten
"raeht, der tleldsamen Pikesche, da und
beginnt dann, mit leichtem, sicherem
Schritt ohne Balaneirstange, nur mit
den einziger-redeten Armen das Gleich
gewicht haltend, auf dem Seile herab
zuschreiten Unter athemlofer Span
nung der Zuschauer kommen sich die
Beiden immer näher: die Lage ist im
höchsten Grade gefährlich, denn Bad
rede- dtunsi reicht nicht zum Umwenden
und Abwärtcsgeheu aus, während der
Andere die Absicht zu haben scheint, ihn
in raschem Siegeslaufe aug der todt
bringentsen Höhe herabzustürzen Wäh
rend der letzten Augenblicke vor dem
Zusammentreffen kniet jedoelk der Eng
liinderx ten kurzen Zurufen und Zeichen
desJ vo-: oben Kommenden gehorel)end,
auf das-s Seil nieder, klammert sich fest,
duett sich naeb Mögliehteit l;nfammen,
nnd jener steigt itber ihn weg. Ein un-«
glaub-lieber Beifall begleitet den toll
liihnen Sieger nach dieser Leistung auf
der zweiten Hälfte seines Vldstieges, der
t«naländer aber erhebt sieh vorsichtig,
scinejtet naeb aufwärts und verfehwinss
det fast unbeachtet in der Thurmlute.
Ter Mann in der Pikesche, der rasch
der Held des Tages wurde, war natür
liets tein anderer als Kolter. der den am
oberen Ende des Thurinseiles Wache
Oaltenden duer ein gutes Trinkgeld
vermocht hatte, ihm den Austritt aus
der Lute freizugeben. Der Ruhm des
erst Dreinudzwanzigjährigen ler war
1795 in Grosnoardein geboren) wurde
durch kai- Aachener Stückchen weit über
die Grenzen Deutschlands verbreitet,
ja, die Erzählung davon wurde mit
vielen Aueschmiictunaem Zuthaten und
tlebertteilnkngen versehen. Kolter selbst
hat, um seine weiteren Schicksale ganz
tut-z zu rs·1solgen, seine Kunst noch lan
ge geübt, nicht nur als Seiltänzer, fon
dern and-. als Cireukdirettor etc» und
viele ältere Leser werden sieh des seiner
Zeit sehr bekannten Namens noch erin
nern. Nach reichen Erfolgen gerieth er
ate; beinhrter Mann durch geschäftli
eheg Ungliict in eine sehr bedrängte La
ge. und wäre der Noth verfallen gewe
sen, wenn sich nicht Ernst steil, der
Herausgeber der ,,-.Ssartenlaube«, seiner
angenommen hätte. Dieser vermittelte
ilnn mit Hülfe anderer Freunde und
bsjdnner um IRTJ eine Stett-: im Jo
hannigfpitale in Leipzig wo der Greis
einen sorgenfreien Lebensabend genoß,
bis ilm am «tlt. März let-Axt der Tod ab
riet.
- Im Eifer. Freundin: »Deinen
Bräutigam liabc ich in’g Leibhaug hin
eingeben sehen. Das- lasse ich mir nicht
auszreden!« «-- »GeIogen ift’g -- was
sollte der überhaupt noch zu versetzen
lmbm!«
-— Ziveitrkei. Junger Ehemann
Cim Gastl)aus): »Nun gehe ich aber
doch nach Haufe; ich fürchte, daß meine
Frau schon schläft!« --—-- Alter Ehe
mann: »Und ich, dan Its-im noch mun
terisW -