Grand Island Anzeiger und Herold. (Grand Island, Nebraska) 1893-1901, May 17, 1895, Page 5, Image 5

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    Spezial - Prämie !
Das Leben des
ärsten Bismarck.
Eine Geschichte der Wiedergeburt der dem
schen Nation. Von
PAUL HEKMAIII.
Inhalt.
Ombståkiösutcksschiiuhmlfm. l. Jugendzeit. L. lkailnnientaisiiche !«el)rjal)ie. st.
J · WIL.
«
Von Iek Uebmiqlime des Ministerium bis zum Peager Frieden. i. z cis Verfall-Was
lsontlitL L. sie »Teiiti«che Musik« ;s. set däiiiiche .nrii·g.
Bein Kunst-l gegen cefleeeeiili bis zum sachkun- dee deutsch-französischen Krieges. l. Tcr
Bruch niit : eitei«reich. L. sie Feinde ini :Ii’i"iileii. si. :Iinvoleoii’-J »«»lleitti-alitiit«
iiiid Italien si. sadoiva nnd die Folgen. 5 Ler Jiotbdentjche Bund.
Der dmtskssfksuzösiiche Krieg. l. Tie Lwlieiitolletiiiche lkaiididntitix Z Biisninick nnd
Frankreich. st. Ntiindiiiig deiJ Feiiticlien Reichesz.
Deutschlands eueohiiililie Machtflelliiiig nnd Bieiniiecks Itiedenevolitit. i. Tic skaniötis
lche Ilieviiblii. LI. Teiitlchlniide Biindiiist
Dleiunm Gestaltung des deutschen stellt-eh l. tmtiilct imd Papst L Miit Rath
alte Konflikte II. Die loiiale seit-ge
RIIII Im Tcsk Lsilkt Umstan l· l. Jieiie Herren. Friedrich-Einth.
« Ins Buch eiitliiilt 7382 niii elegantetn Papier gednickie IJctav Zeiten, ist voll illu
stritt, niit ViginaMH lkottmik nach Lembaeh. til-:- Titelblittt versehen nnd erhiilt jeder
Aboiiiieitt, der den »An-neiget iiiid Herold« aitf eiit Jahr im Voraus beinhlt, dcis Buch
gegen zlltichiahlnng von 25 Nein-J. Ionstiger liieiszs Ost-sä
llebek Bisninicf sind schon itntäliliche Viicher nnd leoschiiren geichriebeii, iiiiieiseg
Wissens jedoch iit bis jetit noch von leineni Teniichllnietitaiiek ein qtoiieies Werk iiber
dielen bedeutenden Staatsiiieinit neiöiieiitlicht worden. Vier bietet lich niiii dein Leier die
Gelegenheit, ein Werk ans der sei-dei- eiiieg det« besten deutsch:-ainetiktinijt11en Joitrtialiflen
keiuien in lernen, tiiib btaiicht iointt nicht tii iiirchten, ischnieichelbtilte Berichte aus dein
Leben Bisniarcks iit leieii, ionbeisn nsiilirheitggenieisi die giolicn Theilen nnd aitch Fehler
dieses Staatsnianneg leiinen tii lernen.
Unter dein Namen "lT a iil »O e tin n n n verbirgt sich der bekannte Joiiriialift P a ii l
Haed i ck e, nnd glauben ivit, dciji dessen Jlanie iiit Neniige eine Garantie in, dasi dieses
Wethden besten ein die Seite geitellt tvekben lttitti.
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« Ziel-e macht
d die
? Arbeit leicht.
Dasselbe thut
SAITÄ chs
SOAR
Dieses große Neinigungsmittel kommt den
Frauen an Waschtagen sowohl wie an an
deren Tagen zu Halse und verwandelt
Leid und Lsfl m Lieb und Lust. Ver-sucht
überall zu haben. Nur her
gestellt von
The N. K. Fairbank
compuny.
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Jmportirtc
Kalender
für 1695
zu haben in der Lfsicc des
Anzcigcr und Herold,
30' .- W. .2traka.
Der hinkcndc Bote
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gewöhnliche Anggabc, 20 Eritis l
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. Münchener
Fliegende Blätter Kalender,
dex bcpn humotisUIche Kalende
30 Etuis.
Bonifakiug Kalender,
, 20 Cum-.
Regensburgcr Marien-I
Kalender, i
25 Cknfp.
Pusjiåikiich
25 Cent-.
l. P. WINDOLPH,
305 W. Lie Str.
distle Ist-Alls · III-.
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Neue Prämie.
Abt-ahnen Ltneolm
Sein Leben nnd seine össcntlichen Dienste
von
P. A. Haue-sow.
iibersctit non Jnl in s W ii r r bit r g er.
Wir Alle wissen, wer Lincoln war nnd
was er sür seinBaterland gethan und wenn
wir auch mit seinen Thaten bekannt sind,
wenn wirnuch häufig Bruchstiicke ans
seinem Leben qelesen haben, so giebt es
doch Viele unter uns, die noch nicht in
dein Besiye eines Werkes sind, welches
dan Leben unseres Märtyrer-Präsiden
ten von feiner Geburt bis zu seinctn
Tode beschreibt.
Dieses Buch ist in einein eleganten
illustrikten Papierdeckel gebunden, ent
hält 189 Seiten, ist klar und schön ge
druckt und wird von uns als
Statt-private
gegeben an Alle, die den »An-zeiget und
Herold« ans ein Jahr im Voraus bezah
len
— Bezahlt Eure Zeitung, wenn Jhk
etwas schuldig seid. Wer seine Schul
den bezahlt, verbessert seine Güter-.
per Gjiingknhiiuptling.
historischer Roman von Carit Etlar.
(Fortsetzung.)
Die Traaoner starrten ihm schwei
gend und erwartungsvoll nach. Zwei
von ihnen hatten sich aus den Abhang
des Wolle-r- hinaufgeschlichen und den
Getodteten heruntergeholt. Bei der
Untersuchung der Leiche sand man die
Aussage des Dragoners bestätigt. Der
todtliche Schuß war durch die Stirn ge
gangen und and dem Hintertops wieder
herausgekommen
Gleich daraus lenkten sich aller Blicke
aus die Treppe, oon der eine weibliche
Gestalt herabeilte und quer durch den
Hof lies. Ter ersinderische Manhei
mer hatte Frau Elsebethtz Kleider ange
zogen.
Alt- er zu den Tragonern herunter
tani, sliisterte er ihnen zu: »Schreit
Alle, so laut Ihr konnt, damit die
Banditen drüben das Ruer des Man
nes aus dem Thor nicht verstehen kön
nen. Sobald Ihr seht, daß ich zu lau
fen beginne, sollen zwei Männer ihre
Karabiner in die Luft abseuern. Schreit
nur und liirmt, so laut Ihr konnt.«
Die Dragoner gehorchten, ohne den
Plan deö Hauptniannb zu verstehen, sie
schrien wie die Besessenen Oben vom
Portal vernahm man Abels tiefe
Stimme einige Worte rufen, sie wur
den aber völlig iibertäubt. Wahrend des
Lärmens verließ der Hauptmann seine
Leute und begab sich auf die andere
Seite des Thores den Wall hinauf.
Tat- Mondlicht warf seinen bleichen
Schein aus seine Kleider. Der Lärm
der Tra» oner verdoppelte sich, als sie
LI-. oll-I:-I-A- LI---- K l—- o - -.. A
Ulb Sollt-VI syst isslsuqsblv clsuuulbssp
Einer von ihnen feuerte seinen Kara
biner ab. Der Hauptmann eilte vor
aller Augen schnell über den Wall
dahin, er stieß einen ängstlicheni Hilfe
ruf aus und geberdete sich, als wenn er
zu entfliehen suche, während er sich dem
T hor mehr und mehr näherte. Jenseits
des Grabens herrschte Todes-stille
»Schies;t doch, schießt, in Gottes
Namen !" schrie Adel mit immer ängst
licher werdender Stimme. Ihm war
Manheimerd List ganz klar, ersah die
drohende Gefahr immer näher kommen ;
aber fein Ruer wurde von den Trago
nern iibertäubt, die noch einen Schuß
abfeuerten. Manheimer sank in die
Knie, beugte sich vornüber nnd drückte
seine Pistole ad. Ehe der Pulverrauch
sich vertheilt hatte, trarh er zusammen
und liest sich den Wall hinabrollen.
Aber vom Thor her erklang ein lau
ter, schmerzlicher Schrei. Abels Gestalt
wurde Allen sichtbar; er erhob die
Arme, machte einige kranipfhafte Be
wegungen und fiel vom Gesinrs aus
den Wall hinab und von dort zu Man
heimers Füßen nieder, der, die noch rau
chende Pistole in der Hand, an die
Mauer gelehnt da stand.
Von jenseits dee Grabens schien ein
Klageruf den Jubel zu beantworten,
den die Tragoner ausstießem als sie
ihren Feind bleich und leblos auf der
Erde liegen sahen. Manheimer allein
theilte die allgemeine Freude nicht;
seit er vom Stall herabkam, war sein
Antlitz finster und sinnend. Der Fähn
rich näherte sich ihm mit einem Strom
von Lobreden Der Hauptmann unter
brach ihn: »Wie es cheint, wollen sie
Ernst machen,« sagte er. »Da einer
hinüber gelangte, schrecken vielleicht die
Anderen auch nicht vor diesem Wage
stiick zurück. Wir müssen sehen,1oie
wir fortkommen lonnen.«
»Ich sann vorhin darüber nach und
erfand eine List, die uns die Schlimm
sten vom Halse schaffen kann."
»Vorziiglich," meinte der Haupt
mann, »laßt hören!"
»Wir stellen unsere Leute zu beiden
Seiten der Treppe auf, so daß der
Schatten sie verbirgt. Wenn dann
Jemand quer über den Hof-ginge,
k---·ä—L-- LI- m:'-«
IUUIULII Ulb XUJUUULII Ilsss prlbtlpbu HUU
auf ihn feuern.»
»Mit anderen Worten, sie würden
ihn todten-«
»Ja, vielleicht," fuhr der Fähnrich
lachend fort, »aber dac- Fener auo den
Büchsen der Feinde würde fiir unsere
Leute gleichzeitig ein sicheres Ziel ab
geben, auf das sie ihre learabiner zu
richten hätten und, wenn wirsie and
den Bäumen erst heruntergeschossen
haben, werd-In wir, hinter der Brust
wehr stehend, mit den Anderen schon
fertig werden."
»Das mag sein," meinte Manhei
mer, ,,iven aber sollen wir zum Opfer
unseres Planeo machen? Habt Ihr
vielleicht die edle Absicht, der Feinde
Schüsse auf Euch richten zu lassen, weih
rend Jhr nber den Hof schreitet?«
»Ich dachte, der leiche Kaplan ließe
sich vielleicht dazu benutzen!«
»Nein,« erwiderte der Hauptmann,
»der Plan ist eines Krieger-d nicht wür
dig. Laßt uns die Deinen anführen so
gut ed geht, wir wollen unseren Scherz
mit ihnen treiben, um die Zeit zu ver
treiben, aber due soll man Hauptmann
Mattheimer nicht nachsagen, dnfz er
Krieg siihre wie eine Memme und
einen Anderen verschob, weil er seine
Haut selber nicht wagen wollte. Dies
mal weiche ich Svend Gsiinge, bis
dahin hat er mir stets das Feld räumen
müssen; man kann nicht mit einem
Feinde imnpfem der im Hinter-halt
sitzt, unt uns umzubringen, denn sie
wagen es ja nicht, Stirn gegen Stirn
mit uns zu tämpsen."
»Aber der Feind läßt uns ja keine
Mittel zur Flucht, Lerr Hauptmannl"
»Das Mittel, «iihnrlch, habe ich
hier-» erwiderte Manbeimer. auf seine
Stirn zeigend. ,.i5ocgt mirnur tn den
Saal, da sollt Ihr es kennen lernenl"
Manheimer befahl seinen Drago
nern, das Thor gut zu bewachen, dann
schlichen er und der Fähnrich sichan
das Schloß hinauf.
Als sie in den Saalkamem fanden
sie Tange mit einer leeren Weinslasche
am Tische sitzen.
»Ja, trinke Er nur, Kaplan!» rief
Manheimer. »Er trinkt und wir müs
sen kämpfen, so ist’s recht! Wenn er
aber noch ein wenig Vernunft im Leibe
hat, so denke Er einmal nach, ob es
nicht einen anderen Ausgang vom
Schlosse gibt, als den hier iiber die
Zugbrncke. «
»Nicht, daß ich wüßte," entgegnete
Tange, ohne sich zu besinnen.
»Welchen von den Gräben hält Er
fiir den seichtestenk«"
»Ich glaube derjenige, welcher sich
nach Westen zu erstreckt, tvo der Wall
ausl)ort, denn man sagt, daß in alten
Zeiten mitten durch den Graben ein
steingemauerter Gang geführt habe, der
später abgebrochen wurde. Eins steht
fest, bei klarem Wetter und an sonni
gen Tagen kann man die Spur der
Steine noch unten aus dem Wasser
sehen. Aber wenn der Hauptmann
daran denkt, sich fortzuschleichem möchte
es doch schwierig sein, bid an diesen
Graben hinunter zu kommen, denn die
Auegangathiir ist nämlich schon lange
vermauert worden. «
»Noch Westen zu, sagt Ihr, also muß
der Schatten des Schlosses auf die
s Seite fallen, denn der Mond steht noch
» nicht so hoch. Konnt Ihr mir von-hier
oben den Graben zeigen?"
»Ja, ein Fenster von Jungfer
Karens Kammer geht nach dem Graben
l)inauS."
»Komm nur, dann wollen wir
gehen.
Tange erhob sich und folgte Man
heinier in eines der anstoßenden Zim
mer.
Gleich darauf hörte man ein wirres
Getose und lautes Schreien vom-Hofe
herausdringen; kurz auseinander folgten
zwei Schüsse. Der Hauptmann eilte
in den Saal uriick.
»Da sind soie schon,« ries er; »wir
haben keine Zeit mehr zur FLucht
Folgt mir, Fähnrich « Bei diesen
Worten zog Manheimer seinen langen
Stoßdegen und sprang aus den Ausgang
zu. Hier wurde er von seinem-Leuten
zurückgehalten
»LLaev in aller Welt,« rief-ek, »ist
denn nur geschehen?«
»Wir sind verloren, Herr," schrie
einer der Dragoner bleich und keuchend.
,Zivei Männer schlichen, ohne daß wir
dac- Geringste bemerkten, hinter uns
her. Der eine war in Hemdeartuelm
er stürzte sich mitten zwischen die
unseren. Zwei schossen, aber ich
glaube nicht, das; sie getroffen haben.
Der ganze Wall wiminelt von Fe nden.
Hört nur! Jetzt rasseln die Ketten!
Sie lassen die Hugbrucke nieder!«
»Nun handelt es sich nur um’s
Fortkommen," sagte Manheimer.
»Kann Er uns ein Seil schaffen, Kap
lan, das lang genug ist, unt von die
sem Fenster bis an die Mauer zu rei
chen, die er mir vorhin zeigte-«
»Woher sollte ich wohl ein soxlangeg
Seil nehmen, Hern« erwiderte!Tange.
»Der Vogt sitzt in seiner Kam-mer auf
der anderen Seite des Hoseö, und wir
können ja nicht hinaus.«
»Holt die Betttiicher von den beiden
Betten da drinnen,« befahl der Haupt
mann.
Die Reiter brachten vier Bett
tiicher, die in Streifen geschnitten und
aneinander geknotct wurden. Während
diese Arbeit vor sich ging, vernahm
man vor der Thiir einen stets-wachsen
den Larnn Manheiiner trat an’a Fen
ster und lauschte. Er hörte Svend
Befehle ertheilen und seine Leute auf
muntern, er erkannte seine Stimme
deutlich.
Ost-Its hast anOO sZn nun-Ia Tat-O
,,».-.,. »..- Um .»»..»
vom Fenster,« befahl er, -,,nnd versucht,
ob Jhr sie niit Euren diarabiniern tref
fen könnt
» wei der Reiter geharchtenkdein Be
feh, aber die oorsichtigen Gjongen
hielten sich so hart an die Mauer, daß
die Dragoner nicht zielen konnten,
dagegen traf ein Zchuß vom Hofe einen
der Schweden in den Arm. Der Un
gliickliche ließ den tcnrabiner fallen
und sprang mit einein schmerzlichen
Schrei zuriick. Manheimer ließ das
Fenster wieder schließen und gabsden
Versuch auf.
Der Lärm wuchs von Minute zu
Minute, man hortc die Thiir unter-den
wuchtigen Schlägen krachen, die
dagegen donnerten. Sobald das-Seil
fertig und genügend lang war,.nahtn
Manheimer ein Licht und winkte sei
nen Leuten. Ueber Tanges Antlitz glitt
ein hätnischeö Lächeln, als die Reiter
den Saal verließen. Manheimer
wandte sich in der Thiir um und rief
ihm zu: »Ei- ist wohl das Beste, wenn
Er mit geht, Tangei Er kann uns,
Evenn es nothig sein sollte, behilflich
ein«
Dieser Befehl schien Tange unange
nehin zu sein. Tat- Lächeln erstarb ihm
aus den Lippen, er erhob sich und folgte
den Schweden. Der Ort, von wo aus
Manheimer die Flucht in’g Werk zu
setzen gedachte, lag nach der Seite des
Schlosses hinaus, wo der Wall fehlte,
und wo man den Graben bis dicht an
die Mauer gefiihrt hatte; diese war
sehr dick und zeigte keinerlei Oeffnun-»
gen. Nur das eine lange, schmale Fen
ster in starenö Schlafzimmer ging auf
den Graben hinaus-, nnd von diesem
Fenster aus sollte die Flucht bewertstels
lie: werdet-. I
Wie ver napttan vermuthet hatte-J
warf das Schloß hier einen breiten,
dunklen Schatten auf das Wasser. Der
gegenüberliegende Wald war in eineni
tiefen, grauen Nebel gehüllt. s
Wäscht das Licht aus," flüsterte
Manheimer, »und verhaltetEuch ruhig,
ein unvorsichtiges Wort, ein Schrei
kann unsere ganze List vereiteln.
Sobald Ihr unten angelangt seid, :
sucht eine seichte Stelle im Graben auf,
und wenn Jhr die nicht finden konnt,
dann schwimmt hinüber. Ich komme
« zuletzt-«
Während dieser Befehle hatte er
das Fenster geöffnet und ausgehoben.
Ein Reiter stieg auf das Fensterbrett,
’ man band ihm das Vetttuch um den Leib
und ließ ihn hinunter. Der erste Ver
such gelang, der zweite ebenfalls, der
Hauptmann lächelte, rieb seine Händes
und flüsterte dem Fahnrich zu: »Das;
geht prachtigl Jch denke, wir schlagen
dem guten Svend Gjönge heute Nacht
noch ein Schnippchen!"
Allmälig waren alle Reiter ohne
den geringsten Unfall unten angelangt.
Alles ging in tiefster Stille vor sichs
Jn einer Entfernung von zehn Schrit- ’
ten würde man nicht das Geringste von
dieser Flucht geahnt haben.
Als der letzte Mann den festen Boden
erreicht hatte, wandte sich Manheimer
nach Tange um. Dieser stand schwei
gend, mit verschlungencn Armen da und
beobachtete von einer Ecke der Kammer
aus die Vorgänge um ihn her.
! »Jetzt muß Er mir helfen," sagte
der Zauptmann
; -, as will ich gern," erwiderte
; Tange bereitwillig.
. »Wenn ich glücklich und wohlbehal
ten drüben ankomme, gehe ich morgen
zum Prediger in der Stadt und lege
; ein gures Wort fur Ihn ern, daß zwi
; schen Ihm und seiner Braut noch Alles
s wieder gut wird. Ist Er dagegen un
vorsichtig, so sollen seine Tage gezählt
seinl Reiche Er mir erst ein Kissenl"
Tange nahm ein Kissen vom Bett,
Manheimer warf es zum Fenster hin
aus, so daß es am Fuße der Mauer
liegen blieb.
s »Noch eins," flüsterte er.
»Wozu thut Ihr das?" fragte
Tange.
»Um weicher zu fallen, wenn das
Seil zerreißen sollte."
Nachdem Manheimer alle im Zim
mer besindlichcn Betten aus dem Fen-«
ster geworfen hatte, schlich er in den
Saal zurück und kam gleich darauf mit
einem Bündel wieder, das alle die
verschiedenen Gegenstände enthielt, die
er sich am Nachmittage als Beute aus
ersehen hatte. Dies Bündel hängte er
um seinen Hals und stieg dann auf das
Fensterbrett, wo er sich das Seil unter
den Arm befestigte.
»Neich Er mir jetzt einen Becher
Wein, wir wollen auf eine glückliche
Reise trinken."
»Wohl bekoinm’s," sagte Tonge,
als der lHauptmann trank. Dann nahm
er das »eil und fing an, Manheimer
hinunterzulassen.
»Ihr vergeßt wohl Euer Versprechen
nicht, ein Wort für mich beim Pfarrer
l einzulegen?" flüsterte er, indem er an
’ hielt.
»Nein, gewiß nicht," gab Manhei
mer zurück,« laß Er nur das Seil fah
ren!«
? »Ja, ja, das hat keine Eile," er
)widerte Tange. »Ich glaube kaum,
pdafz es viel nützen wird, Ihr könnt
s vielleicht den Pfarrer zwingen, daß er
»wir vergibt, aber seine Tochter könnt
! Ihr doch nicht zwingen, mir ihre Liebe
« wieder zu schenken-«
,,Freilich kann ich das,« entgegnete
Manheimer nicht ohne Furcht, »ich will
Ihm das Wort reden, als wenn Er
mein leiblicher Bruder wäre. Lasse Er
jnur das Seil hinab!"
. »Wenn ich es recht bedenke," fuhr
I Tange fort, »so habt Ihr Euch doch arg
jgegen mich versündigt, Ihr habt mich
! zuerst zum Svielen verleitet. Ihr habt
falle die bdsen Leidenschaften in mir
erweckt, und wenn ich sie zu bekämpfen
suchte, drohtet Jhr mir.«
»Weshalb sagt Er das jetzt?« fragte
Manyeinier, der«bei diesen Worten
erbleichte, denn die Stimme des
Kaplans hatte einen drohenden Klang
angenommen.
»Ihr werdet so schwer, Hauptmann!
. Jch glaube kaum, daß ich Euch länger
halten kann !"
»Schurke!» ries Manheimer, »Er
sann also auf Verrathl Aber ich ahnte
es, und deshalb ließ ich die Kissen
fallen!«
»Nein, Ihr ahntet es nicht, Haupt
smann Manheirner!" wiederholte
ITange, der seine Stimme jetzt so
erhoben hatte, das; die Mauern des
Schlosses widerhallten. »Ich denke
auch keineswegs daran, das Seil loszu
lassen, wie Ihr anzunehmen scheint;
»in: Gegentheil, ich will Euch hier an
den Fensterpfosten sestbinden.«
Er lies; die That auf seine Worte
)solgen, dann stieß er einen lauten,
durchdringenden Ruf ans: »Hierher,
» Ihr Gjongenl Kommt auf die linke
Seite des Schlosses, da werdet Jhr
ein Ziel siir Eure Kugeln finden und
sehen, wie ich mein Wort halte!«
Die sliehenden Reiter, welche die
, andere Seite des Grabens erreicht hat
: ten, seuerten zwei Schüsse ab. Tange
T hielt sich hinter der Mauer-, während
Her sein gellendes Nuer fortsetzte.
Dazwischen erklangen die slehenden
Bitten Manheimers und seine glän
zenden Versprechungen.
Der Mond ging iiber dem Schlosse
» auf und beschien das kreideweiße Ge
; kicht des Unglücklichen, der die verzwei
j eltsten Anstrengungen machte, den
stimmt des Seiles m lösen. Gleich
darauf sah man mehrere dunkle Gestal
ten vorsichtig die lKopfe über den Wall
stecken, der mit den beiden Seiten
fliigeln der Mauer in einer Linie lief.
Manheimer stieß einen Angstfchret
aud. Von der Hohe aus, in der er fich.
befand, fah er die Büchsenläufe der
Gjongen im Mondlicht blitzen-— ie
waren auf ihn gerichtet. Vier Schü fe
fielen. Der Körper des Hauptmauns
kriimmtc sich zusammen, seine Arme
fochten in der Luft herum. Man ver
nahm einen tiefen, tlagenden Seufzer,
und Mauheimer hatte aufgehört zu
leben. Seine Leiche hing steif und
unbeweglich von der Mauer herab.
Aber auf der anderen Seite des Gra
bens beschien der Mond zur selben Zeit
eine lrummgebeugte, magere Gestalt,
die auf einem Stein saß, von wo aus
sie Zeuge dieses Auftrittes gewesen
war. Jhr runzliches Gesicht zeigte
einen widerlichen Ausdruck von Spott
und Schadensreude. Als Manheimer
seinen letzten Fclageruf ausgestoßen
hatte, erhob sie sich und murmelte vor
sich hin:
»Ich wußte es ja, daß es so kommen
mußte, wie ich sagte: Er würde weder
auf der Erde noch im Wasser sterben.
Damals lachte er über meine Prophe
zeiung. Heute Nacht hat er blutige
Thronen darüber weinen müssen."
Mit diesen Worten verschwand Kul
sög im Dunkel des Waldes·
30. Kapitel.
Ein Opfer.
Acht Tage nach diesem ereignißvollen
Abend lag Svend zu Hause an einer
Wunde darnieder, die ihni Manheimers
Dragoner bei der Erstiirmung des Tho
res beigebracht hatten. Ane Marie saß
und spann, während Jb das Heft eines
langen Stoßdegens putzte.
»Nun, Svend,« rief Jb aus, »rede
doch ein wenig. Du liegst da und starrst
mich an. Bist Du vielleicht neidisch
auf meinen schönen Degen, den ich vom
gauptmann Manheimer erbte? Aber
u hast doch auch Deinen Antheil an
der Beute erhalten. «
»Was bekam er denn?» fragte Ane
Marie.
»Als wir am nächsten Morgen im
Schlosse Ordnung geschaffen und das
Hausgeriith wieder an den alten Platz
estellt hatten, gingen wir in den
äsfarrhos und holten Frau Elsebeth und
die kleine Jungfer Karen zurück. Da
hattest Du das Gesicht der alten Damei
sehen sollen, Ane; sie lächelte so
freundlich, als ob wir ihre besten
Kameraden waren, und eine Lobrede
hatte sie uns gehalten, die den ganzen
Weg vorn Pfarrhose bis zum Schlosse
;w’ahrte. Jungfer Karen lächelte auch,
aber ans eine andere Art. Als wir
ihnen rebewohl sagten, wandte sie sich
nach Ebend um und gab ihm eine
Blume, die sie von der Frau des Pfar
Irers erhalten hatte. Das war sein
Antheil an der Beute, und der war
auch gut.«
»Wenn der Doktor sich nnr nicht vom
Regen abhalten läßt, bei mir vorzu
sehen,« meinte Svend, der dies Ge
spräch nicht fortzusetzen wünschte.
. »Mein Arm schmerzt mich, und er ver
sprach mir, wenn er nach Jungshoved
ritte, zu mir zu konnnen."
I »Um die iUiittagszeit habe ich ihn
den Hügel hinabreiten sehen, » versetzte
Ane Marie , »er ist leicht zu erkenn-en
an seinem rothen Mantel «
»Wa·te es nicht am besten," erwiderte
Svend, »wenn wir nach Jungshoved
schickten und ihn bitten ließen, zu kom
I men? Xb thut mir schon den Gefallen,
hinzugehen «
s »Zvend, ich gehe für Dich bis an’s
Ende der Welt und noch eine Strecke
weiter-, aber nach Jungshobed ziehen
« mich feine zehn Pferde!"
»Dann gehe ich,« sagte Ane Marie.
»Ich begreife nicht, was fiir einen
Widerwillen Jb hat, auf’s Schloß zu
gehen; er schlagt es mir nun schon zum
HlUcllcU QUUU UU. C»)Usl KJI UULL Mu
annehtulichkeiten gehabt?"
»Nicht im Geringsten,« antwortete
Ili·
»Es regnet uoch,« sagte Ane Marie,
vom Fenster zuriicttretend.
»Nimm meinen großen Reiter
tnantel,» entgegnete sb, »und meinen
Filzhut, dann thut der Regen Dir
nichts."
Ane- hiillte sich in den Mantel nnd
setzte den Filzhut auf. Jn dieser Klei
dung hätte man sie fiir einen Mann
halten können Als sie in der Thür
stand, hielt Svend sie zurück.
»Wenn Tu Gelegenheit dazu hast,
so frage doch einmal, ob auptmann
Lykke sich noch aus dem chloß aus
hinkt-«
Aue wen-f ihm einen vortvurstsvollen
Blick zu. »Ach nein, Soend,«ertviderte
sie, ,,verlange das nicht von mit !"
See-nd schüttelte den Kopf, reichte
ihr die Hand und entgegnete: »Du
brauchst Dich nicht davor zu scheuen,
lieve zllnty ich gehe Dir mein heiliges
Wort, das; zwischen ihr und mir Alles
aue ist. Und wenn sie mich selbst fuß
siillig darum anslehte, würde dat- die
Sache nicht iindetu.«
Ane schaute ihn zweifelnd an, doch
entgegnete sie kein Wort; sie nickte
ihm nur zu und ging. Als sie die Thlir
Fssnete schlug ihr der Regen in’6 Ge
itht.
» Ich glaube, der Hauptmann ist fort
get«eist,« begann Iv nach einer Weile
,,ich halte ihn während der letzten Tage
nicht gesehen, dagegen hält sich Ritter
Körbitz noch auf dem Schlosse auf.
Beute Morgen sah ich ihn unten im
S ald mit dein Teufels-weihe von Kul
sö . Als sie mich erblickten, hielt der
R tter seine Rede «an. Kalten aber