Grand Island Anzeiger und Herold. (Grand Island, Nebraska) 1893-1901, November 10, 1893, Page 5, Image 5

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    Mein Freund Bcllamy
Kriminal-Rovclle.
Nach dem Ungljschcn des N. W. Wilh-m
frei den-html onn Vertha Kutschen
«.«. Kapitel.
lfrvrtsetiiiiigJ
»Sehen Sie, ich arbeite seit Iahren
an einem literarischen Werte, von dem
ich hoffe, daf; es von sich reden machen
und auch von der Nachwelt gewürdigt
werden wird. Es hat nichts niit den
ephemeren Stribeleien gemein, die site
den Tag geschrieben werden. Durch
einen Zufall hat einer meiner intiineii
Freunde einen längst vers ollenen und
in keiner Bibliothel au iutreibenden
Band von Gedichten der Minneseinger
an sich gebracht, die ich übersetzt und mit
Kommentaren versehen habe. Das
Werk soll, iii prächtiger Auestattiing
mit den Originalsiichen nnd Bignetten
gedruckt werden. Wegen dieser letzte
ren möchte ich mir eben Ihren Rath er
bitten-«
,,Soweit ich Ihnen von Nutzen sein
kann, stelle ich mich Ihnen zur Verfli
gung,« ent egnete ich lebhaft.
»Aber i fürchte, Sie werden bald
finden, daß ich zu jenen Menschen ge
höre, die gleich die ganze Hand wollen,
wenn man ihnen den Finger reicht.
Doch bevor ich fortfahre, will ich Ihnen
offen gestehen, daß ich der Hilfe Ihrer
geschickten Finger bedarf. Ich habe
nämlich die Platten aller Anfanggbuch
stabeii bereits selbst fertig gestochen, nur
eine einzige—die schönste von allen-—
will mir durchaus nicht gelingen ; ed ist
eine Arbeit, die weit über meine Kräfte
reicht, aber siir Ihre lunstfertige Hand
wäre es ein Kinderspiel-«
»Ich fürchte, daß Sie meine Geschick
lichkeit erheblich itbersehätzeii.«
»Nein, durchaus nicht. Sind Sie
Mittwoch Abend frei?«
»Ja !
»Nun, so wollen wir uns wieder hier
treffen, Sie begleiten mich dann in meine
Wohnung, wo ich Ihnen nach einein ge
miithlichen Plauderstiindrheii meine
Mappe mit allen bereits fertigen Stichen
eigen will. Was meinen Sie zu dem
vrschlag ?«
Bellaiiih kam niir bereits wie ein lie
ber, alter Freund vor, dem ich nichts
abschlagen konnte und daher beeilte ich
inich mit der Antwort :
»Ich werde mich glücklich schönem den
Abend in Ihrer Gesellschaft ·n;iibrin
gen iiiid Ihnen einen kleinen Dienst er
weisen zu dürfen-·
» Ich möchte Sie auch meinem Freunde,
detii glücklichen Besitzer des Original
MaiiiislripteS, vorstellen; Sie werden
iii ihm einen gleichgefinnten und hoch
begabten Menschen kennen lernen-«
Diese Aussicht schmeichelte niir sehr;
im Geiste stellte ich iuir die Wohnung
Bellainhd lebhaft vor, ein solch' auszers
gewohnlicher Mann mußte auch eine
außergewohuliche Umgebung haben. —
Nach meiner Meinung mochte er in einein
alten, veriouiischeiieii Schlosse wohnen
uiid vielleicht labbalistische Studien be
treiben. Ich war dein Zufall sehr dank
bar dafiir, daß er mich in den »Cireas
sischeii Divan« gefiihri und mir zur in
teressaiitesteu Bekanntschaft meines Le
bens verhelfen hatte. Tie ganze Nacht
träumte ich von Bellainh und seinem
Hause
3.iiapitel.
Trotzdem ich tnich sehr sriih in den
«Circassischen Tivan« begab, sattd ich
Bellaniy schon dort. Wir plauderten
ein Weilchen miteinander und ich saß
wie aus diladeltr isndltch mahnte er
But Anspruch- Wir bestiegett eitte
roschte und er sagte dein Kutscher die
Adresse in so leisem Tone, daß ich sie
nicht zu verstehen vermochte. Lich weiß
nur, daß wir durch ein Labyrinth von
».»eugen, schntuttigcu Straßen fuhren, bis
wir vor dein Bogengang eines Hauses
anlangten. Cu- bezahlte den Mann,
nach dessen Tauf zu nrtheileu, sehr
sreigeliig, datttt wanderten toir durch
einen sitr Londoner Verhältnisse großen
Fes, an dessen entgegengesetztem Ende
tch eine Thitr befand. Hier setzte Bel
lamh deu telopser ietnlich euer-Fisch in
Bewegung Ein zwei-g mit urzen,
plumpen Weinen nnd ungeheurem Kopfe
öffnete. Ohne ein Wort zu verlieren,
schritt mein isiesiihrte itt ein Zimmer,
welches rechte dont Eingange lag; ich
solgte ihm aus dem Fuße und konnte
uur schwer einen Ausruf det- Erstau
nenS unterdrücken. Wie ganz anders
hatte ich mir das Herrn dieses Mannes
vorgestelltl Statt einer alttnodischen
Einrichtung und talibaliitischer Geräthe
sah ich eine mit dent höchsten ieoinsort ein
gerichtete, ntodertte Studirstube, deren
etäseite Wände ringsum mit hohen ge
gxnitzteu Büchergestellen bedeckt waren.
chwere, altgenuesische Sammetvors
hänge, dicke persis e Teppiche und
Decken, allerlei zierlche Nippee ver
liehen dein Gemach einen überaus att
heintelnden, getriitthlichen Anstrich.
Ueber dein herrlich geschitiyten Mar
moriainiusitnd hing etn werthvoller,
alter tiupserstichz rechts und linla von
diesem sah ich wunderbare Kopien Bau
Dycks. Wohin das Auge streiste,
wurde es von Kunstge enstiinden aller
Art erfreut. Jn der eitte des Zim
mer-C stand ein tnassiver Eichentisch und
aus diesem tagen allerlei Bücher und
Zeitschriften Die Beleuchtung wurde
t eils durch das lustig stackerttde Feuer
im Kantin, theils durch eine Studie
lant aus Bron.e—ein kleines Kunst
wer —dewerlstelt ge.
»Sie sehen, da ich armer Krüppel
Itir meine audli keit so angene in ais
sei-glich getalte,« sa te Mr. Be amti
das Feuer ut Kaminschüreud. «Wenn
nan, ioie ich, aus seine vier Wände au
aeuieieu ist. stimmt mit nitwiilliirlich
die Gewohnheit an, dieseler hnosch uno
behaglich augzustatten ; inan wird form
lich zum Sammler. Mein Gott, was
habe ich nicht Alles schon gesatnmeltl
Gelegentlich sollen Sie Manched davon
sehen, aber heute wollen wir bei den
Minnesiingern und den darin enthalte
nen Bignetten bleiben, wenn es Ihnen
recht ist. Möchten Sie nicht die Güte
haben, die große Lederniappe dort auf
den Tisch zu heben ’.-««
Ich that dies nnd riicfte dann einen
Sessel fiic Bellainh heran. Er öffnete
die verschlossene Mappe init einem Gold
schliisselchen, das er an seiner llhrkette
trng nnd leerte den Inhalt derselben
mit verziicftcn Blicken ans den Tisch.
»Viel! sind meine Schätze, die ich wie
meinen Angapfcl hine. Sind das nicht
wunderbar awgesiihrte Arbeiten ?«
Ich nahm eines der Blätter ans nnd
blickte ans eine Photographie »Ich
dachte, ed seien die Originale !« bemerkte
ich etwas enttänscht.
,,Glanbten Sie wirklich, der Besitzer
würde sie and seinen Händen geben?
Nicht nni Allei- m der Welt! Ich
innßte mich gliicklich schätzen, daß er
mir wenigstens die photo kophischeAnfi
nahme gestattete. Mit L rgneangen be
obachtete er jede Bewegung des Pho
tographen. Tie Sammler sind meist
egoistisch und ncißtranisch wie Geizhalse.
Ich weiß das aus eigener Erfahrung.«
Dann siigte er in plötzlich verändertem
Tone hinznt »Bitte, fegen Sie sich ge
sälligst diese Photograp ien an, deren
Vfiachbildnng inir vollständig gelungen
it.«
Jch wars einen prllsendell Blick aus
die Blätter nnd sand, daß-es stopiett
Albrecht Tut-ers oder eitles seiner
Zeitgenossen seien. Doch liesz tllich
mein Gastsreund nicht zu Worte kom
men.
»Ich kann, ohne unbescheiden zu sein,
behaupten, daß ich all’ diese Dinge, die
Sie da vor sich haben, nlit Leichtigkeit
nnd genau kopiete, llnr bei dem Einen-—
wir sprachen bereits darüber-verläßt
mich meine Kunst vollständig- Sie
sollen dett Schwerenöther, der nlir be
reits lnallche schlaslo«e Nacht verursacht
hat und tuir«-ich gcsjtehe es ossett——-das
Leben verbittel·t, sofort zu Gesicht be
kommen. Ah! hier ist er! Ich hoffe
nur, daß Sie lnehr Glück damit ha
ben!« Er szog mit vertleirten Mienen
aus einer Seitentasche das vielbespros
chelle Objekt hervor nnd reichte es nlir
mit liebenden Fingern.
»Nicht so, mein Freund, das ist nicht
das richtige Licht. Bitte, stellen Sie
das Bildchen dort alls die iillszerste
Ecke des dlalninsintses So ist’s
trank-Sehen Sie es ganz genau an
und danll sagen Sie lnlr ossen Ihre
Ansicht.·«
Bereits alls den ersten flüchtigen Blick
erkannte ich, daß es ans eitlem gant an
derelt Zeitalter nnd von einein gan; an
derelt Künstler stamme, als die bereits
besichtigten Bilder-. Ein italienischer
stiiustler des l7. Jahrhunderts mochte
es gestochen haben, aber tloell viel wahr
scheinlicher dlilllte es mir, daß es das
Wert eitles bedeutenden Zeitgenossen sei.
Es stellte ein schönes, stattliches Weib
vor, das, alls eitlem Felsen siuend, in
eitler Hand eilten Speer, ilt der anderen
einen Zweig trug llnd mit sinnettdelt
Augen aus’s Meer starrte. Die ruhige
Schönheit der Züge utld die Will-de der
altllllg erinnerte lnich atl die bekannte
c-tatue der Gernlallia Ich llahm eine
der anderen Photographien aus lltld
stellte sie neben diese, unt geualle Ber
gleiche allstellen zu können Während
ich aufmerksam beobachtelld dastand,
Bärte ich eilt Geräusch iltl Nebellzinnner.
ch blickte aus utld betuerlte, daß Bel
latny ltlich mit ängstlicher Spannung
anstarrte. Sein Gesicht schien plsqlich
utu zehn Jahre gealtert.
Als sich unsere Blicke begegneten.
husehte sosort eilt Lächeln uln seine Lip
pen ulld er sagte in seinem gewöhnli
chen, herzgewinnenden Tone:
»Ich sehe, daß auch Sie vor einein
Rittljsel stehen, welches Sie verblnlst.
Nun frage ich Sie als Künstler, ob sie
es siir ntoglich halten, daß jene beiden
Bilder Einer Hand nnd einein Zeitalter
entstammen «.-«
»Um über eine so schwierige Frage
urtheilen zn tonnen, mii te ich die
Blätter einer enanen Prii ung unter
ziehen und selb t dann wäre mein Ur
theil nicht maßgebend, da ich nicht sach
verständig genug bin. Aus den sliichs
tigen Blick hin mochte ich jedoch Ihre
» Frage verneinen.«
»Ganz meine Meinung!« rief der
Alte erregt.
»Wie geriethen Sie aber itt ein und
dasselbe Manuskript ?«
»Das ist eine Frage, die mich mit
meinem Freunde, dem Besitzer, sast ent
brenne, als ich ihm den Schlüssel zu dem
äthsel liesern wollte. Ich behaupte
nämlich-nnd Jeder, der nur einen
Funken Verstand hat, muß mir Reckt
geben-»daß der ganze Bogen gestils t
ist. Er tnuß wohl ursprünglich die
schönsten Vignetten enthalten haben, die
von irgend einem geschickten Sannnler
entwendet worden sind, der die jetzigen
an ihre Stelle einsügte.·
»Wenn Sie überzeugt find, daß es
eine Falschnng ist, weshalb wollen Sie
dieselbe Ihrem Werke einverleiben?
Dieser Stich bringt entschieden einen
Mißton in dasselbe.«
»Vielleichtl Aber der Wunsch- eine
genaue Kopie des Wertes zu besitzen, ist
ei tnir sast zur Manie eworden,« ent
egnete er lachelnd. » och wie denlen
re über den Stich selbst 'A«
»Er ist das Werk eines echten Künst
lere, etwas stets, etwa in der David’
schen Manier gehalten, aber wahrschein
lich weit alter als dieser.«
»Da artigen Sie Recht haben, bog
seht will ich Ihnen verrathen, was mi
quillt und miZ schon schlan e Nächte
gekostet hat. ch kann den danken
nicht lob werden, daß bereite Jemand
vor mir dieses Gesicht und dieie Gestalt
vervielfältigt hat. Sehen Sie staj das
Bild en genau ati ttttd sagen Sie mir
anfri tig, ob Sie sich tiicht erinnern
können, es bereits irgendwo gescheit zu
haben P« Dabei sah er ttiich wieder ttiit
ängstlicher Spannung an. Ich prüste
es ganz genau ttnd antwortete dann:
»Ich tann mich absolut nicht besinnen,
es irgendwo gescheit zu haben. Uebri
gens ist es eine vorzügliche Photographie
jede Linie ist scharf ausgeprägt-«
»Sie ist ini Auslande gemacht; in
der nebeligeti Atmosphäre Londotis ver
möchte tttati gar nicht ein solches Nega
tiv herzustellen Glauben Sie, daß
Sie ittt Staiioe waren darnach einen
bedeutend vei«lleiiter:eit Stich herzustel
len, der Z. B. das leere Lvai eines gro
ßen i-) ausfüllen würde I«
»Ich habe noch tiictualsJ eine ähnliche
Arbeit gemacht, aber ich glaube schon,
daß ich sie übernehmen tottnte—-d. h.
wenn Ihnen iiithtd daran läge, daß ich
eine oder anch zwei Platten verpfiische."
»Eine oder zweit Ein Dutzend wenn
Sie wollen! Habe ich selbst doch ntehr
als zwei Dutzend verdorben. Aber
Sie, mein Herr, werden wenigstens um
Ziele koininen,« sagte er in väterli eni
- one. »Und Sie fragen nicht eittnial
nach der Bezahlung? Das kennzeich
net Sie als wahren siünstleri Auf
diese Art werden Sie aber niemals
Reichthümer ansanitnelti,« siigte er
· lächelnd hinzu.
; »Ich bitt überzeugt, nicht zu kurz zu
z kommen, wenn ich es Ihnen überlasse,
i mich nach Gutdüuien zu honoriren.
I Ich möchte atn liebsten die Photographie
Zgleich heute mitnehmen tittd ich hoffe,
Zghucti übermorgen die fertige Platte
J bringen zu contien.«
«
4. Kapitel.
Das Lächeln aus den Lippen des alten
Herrn wurde noch süßer als gewöhnlich
und ein seltsanier Blick leuchtete in
seinen Augen auf, während er fast
stammelnd sagte:
»Beurtheilen Zie die Launen eines
armen Kriippele uieht gar zu streng.
Jch hoffe mit Zuversicht, daß Sie ihnen
dieses eine Mal Rechnng tragen wer
den, denn Sie sind der liebenswiirdigste
junge Mensch, der mir je begegnet ist.«
Eine Pause entstand. Es schien mit-,
als ob der Alte meiner Liebenswiirdiip
. ieit doch nicht so recht traute nnd des
halb ermunterte ich ihn, indem ich sagte,
daß er iiber mich verfügen könne.
»Nun denn. ich wiiide mir lieber den
I Hals abschneiden lassen, ald eine dieser
-
i
Photographien auch nnr fiir eine Stunde
aus den Händen in geben. Wenn Sie
nur wußten, welche Miihe ed mich ge
kostet, bis sie in meinen Besitz gelangt
sind! »ich bitte Eie, Ihre Arbeit in
meinem Hause anzufangen nnd auch zu
beeiidigeii.«
Es entstand wieder eine Pause. Der
Vorschlag war wohl etwas absonderlich,
» aber schließlich verfallen ja newdse
« Menschen oft auf seltsame Ideen. gzch
ließ meine Blicke in deni elegant aus
gestatteten Raume schweifen und sagte
" mir, daß es sich in einer solchen Werk
Istiitte gar nicht schlecht arbeiten lassen
smiisitc Mein Entschluß war rasch
OWN
,,(-sieslehen Sie ed nur, Herr-Beunruh,
Sie halten mich siit einen beriappteu
Sanunler, der Ihnen Ihr theuree Nut
veruntreuen konnte,« begann ich lachend
»Tainit Sie ganz beruhigt seien, will
J ich auf Jhren Vorschlag eingehen.«
Ich erwartete, das; seine Augen wie-—
jber freudig aufleuchten und seine ewig
zliicheluden Lippen uiit iigeiid eine
)
Schmeichelei sagen wurden, aber nicht-J
; von alledem geschah. Er fah mich peit
send an, als ob er ineiue geheiinsten Ge
" danken errathen wollte, endlich benierilc
» er zögernd.
»Ja) glllllllc lllcl)l, Dass clc llllcls l"l’c1)c
verstanden haben. Wenn ich sagte, dasz
Sie die Platte in tueinem Hause an
» fangen nnd beenden muntern so meinte
; ich damit, daft Sie als mein Mast diesed
; nicht verlassen diirften, bie- der letzte
l Strich Ihrer Arbeit vollendet wäre.«
Während ded Sprechend wurde er
immer verlegener. Solche Bedingun
» gen war mir noch niemalo gestellt wor
" den und sie verbliifsten mich dermaßen-,
daß ich die Antwort schuldig blieb.
FBellamh wandte keinen Blick von mir
E nnd in seinen Augen loderte ein wildes
I Feuer, als er erregt alte-rief:
. ».tlommen wie zu einem raschelt Ende.
« Ich biete Ihnen fiinfzig Pfund Ster
ling siir die Platte unter det· Bediu
-guug, das; sie sich ald tadellos erweist.
« Sie verweilen so lange in meinem
J Hause, bid Ihnen dieselbe gelingt und
s ich gebe Lehnen mein Manneswort, das;
z eet Ihnen während dieser Zeit an nichts
fehlen soll.«
l Tie Summe, die Bellalnh nannte.
; wäre damals fiir mich ein kleines
! Vermögen gewesen und dennoch zögerte
i ich noch immer mit meiner Zusage, denn
ein noch unbestimmter Verdacht begann
sich itt meiner Seele in regen.
»Sie brauchen nicht zu flirchten, daf;
Ihnen etwas geschleht,« fuhr er fort.
»Wir sind in der t«age, unsere Geiste
But bewirthen zu können; nicht wahr,
ntouh ?«
Bei deu letzten Worten drehte ich mich
rasch mu und bemerkte erst jetzt, daß
sich der krummbeinige Zwerg im Tin
mer befand. Er stated dicht neben el
lamh, antwortete ihm jedoch nicht, son
dern blickte nur sragettd auf die Thüre.
Der Alte nickte kaum merklich mit dein
- Kopfe, woraus der lleinellnhold unhör
bae aus dem Zimmer schlüpste. Ein
hö st unbehagliched Gefühl beschlich
m , von dem ich mir selbst keine Re
chenschaft zu geben vermochte. Das
pldsliche Kommen nnd Bei-schwinden
des wer-ged, dad sremdartige Verlan
gen ellauitsdz sein Haue nicht zu ver
lassen, ehe ich den Stich fertig gemacht,
was wohl drei bis vier Tage dauern
konnte; die Erregung ded alten Man
ier-. die name Umaebuna. alles erweckte
mir Bedenken und ten einschloß mich,
rie Arbeit jemand Auderem zu über
l.:1sen.
So schmeichelhaft und verlockend
mir auch Ihr Anerbieten ist,« stam
tnelte ich verlegen, »mus; ich doch darauf
verzichten, da zu Hause dringende Arbeit
ans mich wartet, die ich unmöglich ans
schieben kamt. Sonst hiitte ich mich in
Ihre letzte Bedingung gefügt. Jeh
kenne mehrere Kollegen, die ebenso gut
arbeiten wic ich und es soll mir eine
Freude sein, Ihnen ans Wunsch deren
Adressen tnitzutheileu. Jetzt ist’s an
dcr Zeit, daß ich mich eutpfehle,« schloß
ich, mich erhebend und nach meinem
Hure greifend. »Bitte, bleiben Sie
« nur, ich werde schon allein den Weg hin
ausfinden,« siigte ich hinzu.
Das liebenswürdige Lächeln, das
z sonst seine Zuge verklärte, war ver
i schwanden und hatte einem harten, sin
j steren Ausdruck Platz gemacht.
! »Wartet! sie noch eine Minute,«
ries er erregt aus, während seine zit
terndcn Finger unbewußt ein Stückchen
iPapier zerkniillten. »Ich fürchte, An
totty wird die Thüre Versperrt haben.«
Mit einem Satz war ich an derselben
und fand zu meinem Einsetzen seine.
Voraussetzung bestätigt· !
» Ich ahnte, das; es der Fall sei; Au- i
touh ist ein PrachtierL aber ein Freund
lvon tollen Epäßen « Um aus unsers
· vorige-Z Gespräch zurückzukommen: wol-’
leu Zie wirklich die Arbeit nicht über
nehmen, Herr-. . . .·.- Nebenbeisbemerkt,
ifällt mir eben ein, das; ich noch nicht
s einmal jiltren Namen weise.«
»Ich heiße Costello i«
»Wiirden Sie, Herr Eostello, sich
durch nichts bewegen lassen-doch halt,
ich harre l« Mit diesen Worten sprang
Bellarnh ans nnd humpelte, so rasch es
seine Krücken erlaubten, aus dem Ge
mach. Ich war der Meinung, daß er
den Zwerg wegen des fehlenden Schlüs
sels aiissucheu wolle, ließ mich daher
wieder beruhigt nieder und blätterte in
der Mappe. Ich til-erzeugte mich im
mer mehr, das; das Frauenbild, welches
Bellamy iii solche Unruhe versetzte, un
möglich demselben Zeitalter entstammen
konnte wie all’ die übrigen Photogra
phien, die vor mir lagen. Meine Ans
niertsainieit war durch die« Vergleichung
so sehr iti Anspruch genommen, daß ich s
gar nicht den Eintritt eines Wesens be-;
merkt hatte, welches plötzlich an meiner
Seite stand-seines Wesens-, das in sei
ner eigenartigen Schönheit bei Weitem
; anziehender war alel das Bild, welches
kinirh tiiiii schon seit Stunden beschäf
tigte. Das niattc Licht der Studie
lanipe siel aus ein lsotlsiietvaclssetied,
I schlaiikestiiidrlien mit goldblondeinHaar
"nnd großen, schwarzen, träumerischen
Angen, die iiiau nie wieder vergessen
konnte, ivenn man sie einmal gescheit
Mir tuat«’e, als nli ein-; iriibliche vFigur
dein Rahmen eines regi«od·seheii Bildes
entstiegen ware. La ich sofort be
zinerkte, das; sie mich zii sprechen
; tviitischte, aber mit groszer Verlegenheit
kainpste, erhob ich mich und stellte mich
vin
»Sie haden meinen Vater gesehen
» nnd er hat unt Jlinen wegen eines Sti
ched gesprochen, mein Heri·?« fragte
sie iuit leiser Ztiniine und zu Boden
geschlagenen Blicken.
»Ja, niein -3«i·anlcin. »Ihr Herr
Papa hat mir einen sehr ehreiiden Aus
trag ertheilt; nur ist derselbe niit Be
dingungen verknüpft, die zu ersiillen ich
leider außer Staude bin.« l
»Mein Nott, Zie wollen also seineni
Bot-schlag ablehnen?« rief sie uudl
blickte mich mit angstersiillten Angen(
, Ali
»;ich mit-f» Wollten Sie vielleichtl
s die Niite hanc-i, mir eiiieiiaiidet·eiiAiitF-(
igaug zn zeigen, da gihr Diener diese
- Llsiir verschlossen hat?«
Lat- Mcidchen stand zwischen dieser
.iind mir, machte jedoch nicht die ge
, ringste Ausialt, meinem Wunsche Folge.
zii leisten ; sie versuchte sogar-, mich zwi!
T rnckiiihaltein
»Ja) hoffe noch ininier, daf; cie nichts
fortgehen werden, oliiie den Wunsch(
- ineineö Vaters in erfüllen. Sie habetti
ohne Zweifel bereite- benierkt, daß er
liber manche Tinge eigenartige Ansich
ten hat. Wenn nur erst dieses Brich
fertig ist, wird er wohl wieder riihigerl
Iwerden. Tag und Nacht denkt er an
niehtd anderes. klrli bitte Eie, geben
Sie seinen Schrnlteii iiach.« Bei die-»
lsen Worten trat sie nni einen Schritt«
« tinher ati inieh heran nnd fiihr dann niit
- bewegter Stininie fort: »Sie werden
; sich darüber wundern. mein Herr-, dafii
aneli ich Sie bestiirnie aber ieh lebe in
einer fortwährenden Angst-, das; mein
armer Vater ninii feinen Verstand ver
liert, wenn diio nngtiiefielige Bild nicht
gestochen wird. sie tonnen sich garl
nicht vorstellen, wie nervoö er in der
lebten Zeit geworden er hat siir niclits
- anderes mehr Linn nnd lstedaiikeii.«
»Es gibt dinli so viele stiinstler in
London, die ed ebenio giii niaehen konn
; ten wie ich,« warf ich ein.
» ,.;3aivohl. Aber seit er Zie zuni
ersten Mal gesehen, ist es bei ihtii fortn
k lieb ziir sixen Jdee geworden, das; gerade
sSie der Mann seien, den er brauche.
s; Er will von niemand Aiidcreni böreti.«
; Moitsetznng solgt.)
stumm nach Poeten-un
i
f Arn-Jll. Attgiiii werden die iieiieii Passa
tgier ttiateti der Sit. Joseieph G Ost-and Jal
land Bahn -—— « Akkw erster lKlasse-, tltltMtll
zweiter ltlasse -—- nach Lgden nnd Salt rote
isten, Utah; Helena, Mon.; Spolane,
Wale Poetlaitd Tre» nnd allen zwischen
liegenden Plänen in Kraft treten.
Wegen Auskunft wende man sich an den
nächsten Ageiiten der St. Jo- öe We. Jal»
oder an S. M. Adsit, Gen. Pass. Agent,
St. Joseph, Mo.
Wir könnten die Qualität nicht verbessern,
wenn Jlie das Doppelte bezahlten De
WitM Wltsoh Basel Salbe ist die beste
Salbe, welche Erfahrung herstellen kann,
loder dieGeld taufen kam-. A. W. Buch
« cit. ' ..
.,..--,«-k-·-. .. . k-:
Uns eren F Abonnenten
Gelegenheit zu geben,
die hier eIhqeshjldete Uhr In eIheIlten nnd zwar ItIIII«-:-nst- haben
wie IIIII deI wahr-f ein lle--««leleinkoInnIen eIe«tIoffe«II, wonach wir eine
qrosze Anzahl entselhen zn einem nie-miqu PIeisesI er h.eIlten
»S- IS
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