Grand Island Anzeiger und Herold. (Grand Island, Nebraska) 1893-1901, May 19, 1893, Image 1

Below is the OCR text representation for this newspapers page. It is also available as plain text as well as XML.

    Grand Island
Meejyee M eee «
gr
Jahrgang4. « Grund Island Ncbmgkth Freitag, dcn 1(). Mai 18()3. Nummer 36.
Telegraph
’1
Zustand.
Deutschland.
B er l i n, 14. Mai· Jsabella,
Freiin v. Manteassel, die Tochter des
verstorbenen Feldmarschalls v. Man
teufsel, :st völlig verarnit und bekommt
deshalb von nun an aus dem Pensions
fonds der ,,’?ldeligen Genossenschaft « eine
Pension von jährlich 6000 Mart Der
verstorbene Feldinarschall erhielt 1866
und 1871 eine bedeutende Dotation,
welche er dein Wunsche des alten Kaisers
Wilhelm gemäß zum größten Theil zum
Ankause des Gutes Topper verwandte
Dieses erbte sein Sohn, der schon zu
Lebzeiten des Vater-v wiederholt bedeu
tende Schulden gemacht hatte and der,
nachdem er als Offizier den Abschied ge:
nommen und die Bcivirthschastnng von
Topper selbst angetreten hatte, finanziell
ganz zusammenbrach Er hat es dein
Andenken an seinen Vater zu verdanke-in
daß erkiirzlich eine Anstellung ini Reichs
dienst in Ltstasrika sand. Jsabella
führte nach dem Tode der Mutter dein
alten Feldmarschall does Hans nnd wurde
weit nnd breit bekannt durch ihre sichere-,
vornehme Repräsentanin des Momen
ssel’ schen Hauses, alo ihr Vater Statt
halter in den Plieicholanden war- Jn
dein Bestreben, die Ehre des Hauses
auch ihrem leichtsinnigen Bruder gegen
iiber hoch zu halten, gab sie den letzten
Nest ihres vom Vater hinterlassenen be
deutenden Vermögenss- hin, um einige
anriichige Geldgeschiiste deg Bruders gut
zu machen.
V e r l i n ,l-t. Mai. Der Seen-ide:
Lieutenant von nnd in Schachte-n dcg in
Padcrbarn garnisoitii·-nden l. tvcstfiis
lischen Husarenregitnentes No. Esdessen
Chef Zarewitsch Nikolaus Alexaner
witsch ist, war tnit einein lsioilisten in
Streit gerathen. Mit dem Rufe: »Ei
vilisteu haben dagMaulzu halte-il« drang
er niit gezogenetn Säbel auf seinen
Widersacher ein und verwunden diesen,
einen Arbeiter Namens Brockmeier, so
schwer atn Arme-, daß eine Ainputation
des verletzten Glieder- notnwendtg wurde
Ter tltegintentaclsomtnandenr Oberst
lientenant von Belaw ist angewiesen rat-r
den. die Veranlassung des Streitea und
« dessen Verlauf genau feststellen zu las
sen.
Berti n, H. Wai. Ziebzeltn Ber
liner Bankiers baden einen Aufruf zu
Beiträgen fiir einen Wahlfondd unter
zeichnet, mit welchem die Wahl von Li
beralen, die die Regierung unterstützen,
gefördert werden soll· , .
B e r l i n, lö. Mai. Tag Walst
sche Nachrichtenburean versichert aug
halbarntlicher Quelle, daß die Verstärk
ung der an der französischen Ostgrenze
stationirten sranzöstschenTruppen metho
disch und regelrecht betrieben wird. Die
französische Regierung ist nach derselben
Quelle ferner damit beschäftigt, die unli
tärischen Linien an der deutschen Grenze
zu ver-stärken und Vorbereitungen zu
treffen, utn Truppen rasch u. wirksam zu-.(
sammenzieben zu können. Die Baracken
in dernbesestigtenLager sind bedeutend ver- i
größert und in Epinal sind zwei neue Ka
sernen erbaut utid die Besatzung ver
größert worden.
Auf Grund der nämlichen halt-ann
lichen Autorität wird angegeben, daß
Arbeiter Tag und Nacht mit der Legung
doppelter Geleise zwischen Blesine und
Neoigny an der Linie Paris und Nancy
beschäftigt sind, um die Mobilisirung
französischer Truppen zu beschleunigen
Die Franksurter Zeitung sagt über
diese und ähnliche Deutschen, daß Be
richte dieser Art augenscheinlich daraus
berechnet seien. bei den bevorstehenden
Reichstagswahlen die Wähler zu Gan-H
sten von Candidaten zu deeinslussen,j
welche die Artneevariage zu untersttlhens
bereit sind. ?
Ausland
E t. Petri·gburg, H. Mai.
Ein kleines Fährboot aus dein Flusse
Msta, nahe Boroivitschi un Gouverne
ment Nowgorod wurde heute mitten im
Strom, wo derselbe reißend ist, mitent
bar und gerieth aug seinem Kurs. Die
Passagiere wurden von Todesangst er
griffen nnd verschiedene sprangen über
Bord. Andere beniiichtigten sich eines
Bootes, das jedoch sosort übersiilit wurde
und sank. Von Tsuyenden weiß man,
daß sie ertrunken sind und viele werden
vermißt. Etwa ein Fünftel der Pas
sagiere blieb ruhig ans dein Boote und
sie wurden alle gerettet. ;
Ins-allem l
Bris b an e, lo- Mai. Die Queenss
lond Nation-il Bank nnd die Bank os
North Queensland, zwei der größten
e
»
Geldtnptnute in Australien haben in
Folge der Ponic nnd der durch dieselbe
verursachten bedeutenden Zurückziehnng
von Guthaben, ihre Thüren geschlossen
Die Depositen der-L neensland Notional
betragen im vorigen Drezembe 41,000,
000 Tsollars. Das gezeichnete Kapital
beträgt 8 Millionen Tollen-T wovon die
Hälfte eingezahlt ist. l»Der Reservefond
belief sich auf 2,500,000 Dollar·s3. Der
Erste Direktor ist Ednmrd Robert Drnry.
Die Bank hatte Zweiganitalt in Syd
nen, in Neu Süd Wales nnd verschiede
nen anderen Plätzen. Tiefe Zweigbam
kcn haben ebenfalls ihren Geschäftsbe
trieb eingestellt.
Inland-.
Schreckliches Mitteiitiiigliick.
Milwankee, 14.Mai. lsine Spezial
Tevesche oou .Houghtoii, Mich., meldet,
daß zehn Leute im Ilied Jacket Schacht
der lcatuinent nnd Hecla Mitte heute
Mittag ihr Leben verloren haben. Die
Arbeiter kamen in dem Rahrstuhl heraus,
inn ihr Mittagessen zu nehmen. Blöd
tich brach der Bolzen und der Fahrstnhl
stiirrte mit den Leuten volle dreitansend
Fuß hinab.
Tie Namen der Getödteten sind:
Allen Camerotn Sohn von isapi.
(5nmeron. ·
Jaines Cocking, unverheit·athet.
Joseph Vom-, hinterläsit Weib nnd
ein Rind.
Tie Frau war, als das Unglück pas
sirte, am Schacht mit dein Mittagsessen
und war Zeugin des schrecklichen Falles
ihre-J Mannes nnd seiner Kameraden
John Rodgers, hinterläßt Frau und
mehrere Kinder.
John »Diese-, under-heirathet, IH Jahre
alt.
Andrew litan « Jahre alt, verheiH
rathet.
Robert Wuopia, hinterläszt Man nnd
drei Kinder. !
Michael Lieoitto, Wittwei i
clautes Triean hintetläszt Weib und
drei Kinder. . ;
(50n. S. Sullivan, alleinstehend, —tu
Jahre alt.
Seiner Baarschaft beraubt.
l5hicago, tit. Mai. Ein harter
Schlag traf aIn Sonnabend einen alten
deutschen Herrn, Namen-I Marterto, der
in Calisornien ansåssig ist. Er war
aus einer Reise nach lsoblenr, seiner
alten Heirath und wollte vor seiner Ab
reise die Weltausstellung besuchen, um
seinen Verwandten und Freunden davon
erzählenzu können. Er wohnte einer
Probe der Feuer-wehe im Jackson Pakt
bei und gerieth während derselben in ein
arge-g Gedränge. Als sich das Publi
kum verlaufen hatte, bemerkte er zu sei
nem Erstaunen, daß sein Taschenbnch
verschwunden war. Dasselbe enthielt
ein Vermögen in Gestalt von 4 Hintan
send-Dollarscheinen und 8100 in kleine
ren Bill-L Sobald Herr Marteng sei
nen Verlust bemerkt hatte, machte er dem
nächsten Gardisten Mittheilung, aber
dieser wies ihn kurzer Hand ab und der
Bedauernswerthe iuhr zurück nach der
Stadt, unt Capt. Shea sein trauriges
Erlebnis mitzntheilen. Dieser vix-sprach
ihm, sein Möglichstec zu thun, aber so
wie die Sachen liegen, ist wohl kaum
Hoffnung vorhanden, das Geld oder
auch nur einen Theil davon zurückzuer
halten.
Ter New Yorker Herald eine
Aktien-Gesellschaft
Ner York, H. Mai. Es wird ge
sagt, daß das Weglassen deg Namens
von Janteg Gordon Vennett aus der«
Titel-Seite des New Yorker Heralds da
hin auszulegen ist, daß das Eigenthntnæ
recht der Zeitung in die Hände einer
Artiengesellschaft übergegangen ist.
Bennett glaubt eo sich selber schuldig zu
sein, daß sein Name irgend welcher Ver
antwortlichkeit wegen, nicht mehr er
scheint.
Eine Lokotnotive erplodirt.
Neading, Pa» ist. Mai. Durch das
Plahen einer Lokomotioe auf der Lebanon
Valley Zweigbahn der Philadelphia nnd
Neading Eisenbahn wurden heute bei
Lehanon zwei Personen sofort
getödtet und mehrere gefähr
lich verletzt. Die Getödteten sind:
Leoi Yoeum, der Lokomotivführer von
hier, John You-im 14 Jahre alt, ein
Nesse des Ersteren, der ans die Maschine
gestiegen war, um seinen Onkel zu be
grüßen.
Anlauf aus die PIankintom
Bank ;
Milwaukee, Witte, 13 Mai. Zum»
ersten Male seit vielen Jahren trug eoj
sieh heute Morgen hier u, daß eine der
hiesigen sanken einen nlans zn bestehen
Jhatte. Bot den Thüren der Plankintons
Bank standest als diese heute rriih geöff
uel wurde wenigstens 300 Leute und be
stiirmten die Zahlrlerts und der Anlauf
dauerte fort bis zum Schluß heute Nach
mittag. Die Spareinlagen wurden
nicht ausgerahlt sondern eine Aufkündig
uuq oon 30 Tagen, wozu die Bank das
Recht hat, verlangt. Alle anderen An
sprüche wurden protnpt befriedigt. Ge
gen Mittag ließ dcr Sturm etwas nach
und das Vertrauen begann zurück
eukehreik Nachmittag-I kam der Au
drang von Neuem. Das Mißtrauen
gegen die Bank kam hauptsächlich durch
den großen Betrag der Forderung dersel
ben an die bankerotte Firma F A Lap
pcn Cz Co
Die Opfer in der Calnniet
nnd Heela Mine.
Calumet, Mich., lä. Mai. Das
Hülfskvrpg von achtzig Manti, welches
sich aus einem schrägeu Schacht, der über
eine Meile vom Schachte der Red Jacket
Mitte entfernt ist, aber mit diesem
in Verbindung steht, in das
Innere derselben begeben hatte,
kehrte heute an die Oberfläche Zurück.
Sie hatten grosze Säcke mit genommen
und brachten in ihnen die völlig zer
stückelten Leichen der ungliieklichen Opfer
heraus. Die Ueberreste wurden nach
dem Hospital gebracht, wo sich eine herr
zerreißende Seeueabspielte. Tie llrsache
des UnfalleH lag in der ichadhasten
Maschinerie und besonders war es der
Zeiger ander Uhr, der dein Jugenieur
die genaue Stellung des seahrkorbs im
Schacht angiebt. Dieser hatte sich ver
schoben nnd der Maschinist glaubte, der
Korb tniißte noch mehrere hundert Fuß
aufgezogen werden. Der .Hauotinge
nieur sagt, daß Niemanden eine Schuld
tiesse, da der Zeiger noch während des
ganzen Morgens völlig richtig gemeldet
habe. Ter Leichenschauer wird alsbald
die Leichenschau abhalten.
(salutuet, Mich., 15. Mat. Die
Lkichenschaugeschworeneu brachten heute
in Bezug aus den Tod der zehn Gru
benarbeiter ihren Wahrspruch ein. Die
Mineugesellschast und deren Angestellte
werden von aller Schuld freigesprochen.
Baukräuber an der Arbeit
Pittgburg, Pa·, 15.Mai. Ein Ver
such wurde gestern früh 4 Uhr von titu
brechern gemacht, den Geldschrank der
Beaver Teposit Bank iu Beaver mit
Tsnuaniit zu sprengen. Tie Räuber
waren insofern erfolgreich, als sie den
äußeren Schrank zu össuen vermochten,
die innere Kiste jedoch, die Its-»Oui« in
Baargeld und Werthpapieren enthielt,
blieb unversehrt. Die Erplosion brachte
die Bevölkerung des Ortes schnell aus
die Beine und die Diebe mußten das
Feld in größter Eile räumen. Sie er
beuten ZLW in Silber, das iui äußeren
Geldschrank verwahrt wurde. Man hat
keine Spur von den Verbrecheru. Tie
Bank ist unter dem Namen ,,Seuator
Qitay’s Bank-« bekannt und ist das
älteste Geldinstitut in Beaver Cviitity.
Mitglieder der Heilsarniee
alg Falschiiiiiiizek
siZiour City, Ja» H. Mai. tsteoisge
Hallet nnd George Mason, Mitglieder
der Heilsarniee, wurden letzte Nacht hier
oerhaftet und waren zur Zeit im Besiti
oon falschen Silberdollaro, sowie Vier
tel: nnd Halben T-ollaret. Hallett ge
stand, daß er nnd Mason init drei Len
ten Namen-Z Mclsarty von isouncil
Vluffs zu einer Falschniünterbande ge
hörten, die ihr Wesen in Otnaha, d'in
eoln, Council Blufsg nnd Sionr lsitn
trieb. Sie führten sodann die Voliiei
auch nach einein Hause an tfafayette
Straße, das für das Falschmünzer-ge
schäft vollständig ausgestattet mai-. tso
tonrden eine ganze Masse Formen, eine
Quantität Metall und Haiidivei«to;eiige
gefunden, die inan sofort mit Veschag
belegte
Richter Lynch in Vedford,
Jnd..
Bedford, Jud» lö. Mai. John
Teri·ell, der den Condukteur L. F. Price
auf einem Eisenbahnzuge in Seyinonr
ermordete, wurde heute früh von einein
Menschenhaufen aufgeknüpft. Kurz
nach 2 Uhr fanden sich etwa einhnndert
entschlossene bewaffnete Männer am Ge
fängniß ein, zwangen den Sherisf die
Schlüssel abzuliefern und nahmen Ter
rell aus seiner Zelle heraus. Der zit
ternde Verbrecher wehrte sich anfangs
gegen die Rächer-, warf sich sodann aber
Zu deren Füßen und bettelte mit weiner
ichek Stimme am sein Leben. Die
Scharfrichter waren indessen um Theil
taub gegen alle Bitten, zum heil aber
ergingen sle sich in den schrecklichsten Ver
wünschungen über bät-Flehn Ein star
ker Strtckwnrbeben " eder am den Hals
geworfen und tn kurzer Zeit hing derselbe«
Am Aste eines Baumes im Hofe des Ge
fängnisse-T Das Lynchen wurde in aller
Stille nnd Ordnung besorgt, Nichts
konnte man hören als Terrells Geschrei.
Eine Wache wurde bei der Leiche zurück
gelassen, um zu verhüten, daß diese vor
Tagesanbruch berührt werde und erst
dann schnitt man dieselbe herab.
Vom Fähn.
Ueber den Fähn, den ,gestrengen
Thalvogt,« schreibt man der »N. Ziirch.
Ztg.« aus dem Verner Oberlandz »Ob
der Fähn iu der Zahara entsteht, oder
ob er, tvie die neuere Forschung weiss,
im Gebirge selbst sich bildet, darum be
kümmert sich der Thalbetvohner nicht.
Doch wenn sich die ersten Wellen des
entftehcndeu Sturmes bemerkbar ma
chen, obschon anfänglich noch so leise,
wenn dann die fernen Gebirgswälder
näher zu rücken scheinen, rauschend wan
ken nnd sich in ein tiefschwarzes Gewand
hiillen, wenn die Bergbäehe ihr Tosen
so dernehmbar machen, als befanden sie
sich in unmittelbarer Nähe der mensch
liehcn Wohnungen, wenn sonderbare
Tone, geheime dcliinge die Luft dnrells
zittern, dann fühlt eine ganze Bei-title
rnng den heranriickenden Angrisf auf
ihre Ruhe nnd Sicherheit« man möchte
sagen, ans ihre Existenz. Wenn der
Fijhn seine Macht in vollem Umfange
entfaltet, dann befindet sich die Thal
schast unter bedenl·lichster Schreckens
herrschaft. Er gibt seinen Willen un
umwunden kund, und was nieht met
und nagelfest ist, muß seiner straft wei
chen ; er hebt auch sestgcnagclte Dächer
auf, beschädigt die massivsten Gebäude,
entwurzelt mächtige Bäume, rollt ge
waltige Felsblöcke die Abhange hinab.
Er dringt in jedes Gebäude cin, selbst
durch die engsten Ritzen; der Begriff
des Hausrechtes ist ihm unbekannt.
Neben der Sorge und der Angst be
mächtigt sich der Menschen eine allge
meine Mißftimmung; denn die er
schlaffende Wirkung des Fähus aus die
Nerven ist ganz unzweifelhaft und höchst
unangenehm. In den Därfern des
Oderhasli ist es zur Zeit der Fähnherr
schaft den Bäckern wegen der Feuersge
fahr bei schwerer Strafe untersagt,
Brod zu backen ; es hat das ost eine be
deutende Brodnoth zurFolge, da die
thalabwärts gelegenen Letschaften, ans
denen dann das Brod herbeigesehafst
werden mus;, meist nicht mit den erfor
derlichen Mengen versehen sind. Jn
Gebäuden, deren Feuereinrichtutigeii
nicht vollständig sicher sind, darf nicht
geseuert und getoeht werden, nnd es
aben sich die Bewohner oft mehrere
a e lang mit kalter liiiche zu begniigetn
Aus offener Straße ist das Rancheu
gänzlich untersagt, nnd unablässig ziehen
Sicherheitswachen mit Alarmhdrnern
durch und um das Dorf. So verur
sacht der gestrenge Thalvogt bei seiner
Einlehr nnd während seiner Regierung,
die einige Tage anhalt, Aufregung
Miihe mid Unruhe-. «
Zieht er sich zurück in die engen Schluch
ten des Hochgebirges, so athmen Men
schen nnd Thiere wieder förmlich anf,
es wird ihnen leichter um’s Herz. Und
doch kann das Gebirge des Fähus nicht
entbehren; er ist im Grunde der
treneste Freund der organischen Welt,
die ohne ihn in jenen Gebieten, wo die
Bedingungen des Lebens fiir sie ohne
dies sehr erschwert sind, kaum zu existi
ren vermöchte· Mag der Föhn noch so
rücksigtslos hausen, er ist doch die ein
zige rast, die im Stande ist, das Re
iment eines noch viel gewaltigeren Herr
Lherch des Winters, zu brechen. Die
ouue allein thut nichts; ihre Strah
len cheinen machtlos an den angehäuf
ten chnee- nnd Eismassen abzuprallen.
Da tritt der Föhn in die Schranken, er
reißt die Bresche, er ermöglicht dem
Fühling den Einzng in’s Gebirge.
arum ist er eine segensreiche Natur
erscheinung, nnd was er daneben stin
dikt, kommt gegen die großartige Ar
be t, die er verrichtet, kaum in Be
tracht.«
Sechshnndert (?)Millionen
Nu b el, welche 18053 in der englischen
Bank ans dem Nachlasse der preußischen
Staate-angehangen Owscha Lewi de
ponirt worden waren, werden, wie die
»Lodz. Zig.« dein »Wir. Codz.« ent
nimmt, jetzt antde ahlt. Wie es ge
wöhnlich in solchenk allen ist, fand diese
nngeheuere Erbschaft eine Unmasse von
Aiiwärtern, aber nur zwei von ihnen
konnten berücksichtigt werden. Ein Fri.
Humirych, Bürgerin der Bei-. Staaten,
erhielt, nachdem sie ihre Erbschastsrechte
nachgewiesen hatte, den fünfhundert
vierzigsten Theil der ganzen Summe;
den Löwenantheil aber erbte eine ge
wisse Anna Finkelstein, gebotene Lewi.
die Fran eines Juwelen ändlers in
Jsmail in Bessarabien. s nna Finkel
stein ist die einzige direkte Verwandte
von Owseha Lewi. Drei Brüder ihres
Mannes Salomon Finkelstein wohnen
in Warkhau ; die Fintelstem in Jsmail
sind tin erlos, mit der eit wird also
der rdßte Theil dieser einz g daWehenden
Erbschaft in die Hände der in arschan
lebenden sinkelstein gelangen.
Die Zahl 130
Ueber den Ursprung des Aberglau
bens, der sich an die Zahl 13 knüpft,
schreibt man der »Fraukf. Ztg.« : Jesus
und seine Jünger, zusammen 13 Per
souen, saßen zu Jerusalem zu Tisch
und verzehrten das Osterlannn. In
der Nacht hierauf wurde Jesus gefan
gen genommen und hierauf an’s Kreuz
geschlagen. Der Vorgang mag im
Laufe der seit dem verflossenen 17 Jahr
hunderte Gegenstand mancher Erörte
rungen geworden sein, welche sich nicht
erade aus das religiöse Gebiet be
schränkt haben. Die Zahl 13 der Tisch
genossen war um die Wende des Jahr
)n:·tderts Gegenstand der Beachtung am
englischen Königshofe insofern, als man
vermied, bei irgend einem Mahle zu 13
beisammen zu Tisch zu sitzen. Nach
der napoleonischen Zeit fand das eng
lische Königshaus Vertretung in West
deutfehland durch zwei seiner Damen,
die Köni« in von Württemberg nnd die
LandgräiJiU von Hessen-.Hbmburg, sowie
durch den Vizekiinig von Hannover,
Herzog von Eaiubridge und dessen Ge
mahlin. Besonders diese Damen hiel
ten strenge an der Regel, keine 13 Per
sonen en Tisch zu haben.
Die Vandgräfin Elisabeth von Dessen
Homburg liebte es, nach dem Tode ihres
Gemahl-I, des Landgraer Friedrich
Josef (gefrorbeu 1829), die Winterzeit
in Frankfurt a. M. zn wohnen, wo sie
auch 18-t()starb, nnd auch dort liebte
sie es, Gaste in kleinerer Anzahl zu be
wirthen. Ihre strenge Vermeidung der
Zahl 13 fiel gar Manchem anf, welche
die Ursache nicht wußten, warum diese
Zahl gemieden wurde. lind so ver
breitete sich weiter nnd weiter eine in’s
Larherliche gehende Scheu vor der Zahl
1.«J, die mit der Entstehung der Ab
neigung nichts gemeiu hat. Kann es
etwa noch gelten, wenn am Wirthstisch
13 Nein- oder Bier-trink« nicht bei
sammen sitzen wollen, so ist doch wahr
lich eine Scheu vor dieser Zahl als
’aud- oder Zinnuerniunmer oder alsz
Iiiimmer eines Eisenbahn- oder Post
wagenö oder Fialers sinnlos nnd lächer
lich. Kaum noch hat sich eine Er
innerung an den eigentlichen Grund der
Scheu in dem albernen Satze erhalten.
daß von 13 Tischgästen einer sterbe.l
Daß man in der That nur von einem
Sterbenden wohl von Anfang an ge
redet hat, während außer Jesus auch
Judas dem Tode verfiel, diirfte in der
Geringschätzung des Letzteren beruhen.
Ein Unikum im schweizes
rischen Postwesen ist ohne Zwei
fel die originellc Art der Beförderung
von Brieer nnd selbst größeren Backe
ten zwischen den Ortschaften Arvigo
nnd Braggio im tesfinischen Salama
tlsal. Anf steiler-, iin Winter wegen
Lawinengesahr oft unzugänglicherHöhe,
1500 Meter iibcr Meer, liegt das etwa
400 Seelen zählende arme Dorflein
Braggio Zweimal des Tages vermit
telt ein Einspänner den kümmerlichen
Verkehr in diesem abgeschiedenen, ran
hen HochthaL Um nun den oft lebens
efährlichen, mühsamen zweistündigen
eg von Braggio nach der Poststation
Arvigo zu ersparen, kam der »Ablage
halter« anf folgende praktische Idee
Er kaufte ein solides, ingerdickes
Drahtseil, mit einem gondelartigen in
zwei Radchen laufenden Korb versehen.
und baute oben auf der anderen Thal
seite ein Bretterhüttchen als Abgangs
station, unten im Thal 1500 Meter
tiefer, ebenso ein zweites als Endstation
mit Wellbanm. Die Einrichtung ist
die denkbar einfachste. Der Korb wird
beladen, die zurückhaltende Schnur ge
löst, nnd pfeifend schießt das Veyikel in
die Tiefe, immer tiefer und tie er, zu
letzt nur noch als ein kleiner gelber
unkt den Obenstehenden erkennbar-.
as vibrirende Seil gibt ein singendes
Geräusch von fich. Plötzlich verstummt
dieses, die Post ist in Arvigo angelangt
Vier Minuten dauert die Thalfahrt,
zehn Minuten die Bergfahrt.
Der elektrifche Fiebermef
s er. Aus Paris wird berichtet : Der
Elektriker Tabernier hat einen Apparat
erfunden, der die Aufmerksamkeit der
Spital-Aerzte in besonderem Maße ver
dient. Dieser Apparat, »Thernioftat«
enannt, soll dazu dienen, um den
jeweiligen Fieberstand eines Kranken
ans elektrischem Wege dem weit vom:
Patienten befindlichen Arzte bekannt zu
geben. Der Fiebermesser wird unter-!
der Achselhöhle des Kranken befestigt,
wie jedes andere Thermoineter. Stei t »
nun das Fieber um einige Grade, fo
erhält der dienfthabende Arzt in seinem
Jnspektionszimmer durch eine entspre-«
chende elektrische Verbindung ohne Wei
teres Kenntniß von dem Zustande des
betreffenden Patienten, da auch dessen
»Bettnnmmer im Zimmer des Arztes
lzum Bors eine kommt. Auf diese Art
lwird das teigende Fieber des Kranken
von Minute zu Minute dem Arie
bekannt gemacht. Jn mehreren Pari er
Spltiilern wird die Einführung die es
Apparates geplant.
. ..«.·.
Ansziige aus chinesischen Blättern.
Der in Shangai erscheinende »Ost- «
asiatische Lloyd,« tscr sieh um die Be
lehrung europäischer Leser speziell hin
sichtlich der Zustände Cl)inas, dieses
lange noch nicht nach Gebiihr gewürdig- sz
ten uralten Zittltiirlaiide5, verdient »Es
macht, theilt in seiner neuesten Num
mer folgende Auszilge aus der»»Ling» « ·
nam hat pao« von Canton Init
4. F e b r u a r.——lini Vorkommnisse-,
wie solche sich im ver angenen Jahre »
bei Gelegenheit des Peitschens des Früh-.
jahrsochsen zutrugen, zu vermeiden, ist«
in diesem Jahre die Stunde der Cetes Ost
monie nicht bekannt gemacht wurdens
Gestern vor Tagesanbruch begaben siQ
die Beamten auf den östlichen Parade- — -;;E
platz, wo alles-in größter Ruhe verließ E.
da infolge der frühen Stunde nur wes
nige Zuschauer zugegen waren. Die Jst-;
bei früheren Gelegenheiten von der
Kaufnmnnfchaft gestifteten Schaustücke, « ""
die in der Wozesfion mitgetragen wer- I
den, fielen diesmal fort, weil Niemand J
den Zeitpunkt des Anfbruchs kannte; s
es herrscht bei den Betroffenen große sp
Unzufriedenheit darüber.
7. Fe b r u a r.——Bei Gelegenheit des
Besuches von Theatern tritt eine Un-·
sitte zu Tage, die unseren Gebrauchen
durchaus wider«spricht. Bei Einkassi
ruug der Eintrittspreise geht der Kol- T«
lekteur in die Frauenlogen hinein; zu i
diesem Posten sollten serauen für die
irrauenabtheilung des Theaters ange
stellt werden, damit die gute Sitte nicht
verletzt werde und die Frauen nicht mit
den Männern irr-Berührung kommen.
Zur Durchführung dieses Prinzips sind
beim chinesischen Zollamt in Canton.
Frauen angestellt, die das Gepäck der
weiblichen Reisenden durchsuchen.
8. Februar-.—Die Geldverleiher
werden ermahnt zu ihrem eigenen Se
gen, um sieh nicht die Strafe des Him
mels zuzuzieherh nicht zu hohe Prozente
zu nehmen. Borgt Jemand Geld, so
bedarf er desselben in seiner Noth, es ist
unrecht daraus zu großen Vortheil zie
hen zu wollen. Eiu Prozent pro Mo
uat ist ein guter Prozentsatz, höhere.
wie sie so oft gefordert werden, sind zu«
verwerer. z
11. Februar.-—Wegen des Nen
jahies wird das Blatt aus einige Tage
nicht erscheinen.——Es ist Gebrauch der
ausländischen Zeitungen, zu Neujahr
einen kurzen Rückblick auf die Ereignisse
des vergangenen Jahres zu werfen;
wir wollen diesen Gebrauch hiermit
nachahmeu Die Witterungsverhiilt
nisse vom Frühjahr bis Herbst waren
günstig, genügender Regen fiel, sod as
die Reisernte eine gute war. erb
und Winter waren weniger befriedigeend,
es fiel weniger Niederschlag, so daß wir
unter allerlei Krankheiten zu leiden hat-«
ten doch wird sich dies bald geben, da
die Beamten gut sind und der Himmel
uns also vorausfichtlich gutes Wetter
schicken wird. Das kommende Jahr
wird sicher ein gutes werden, denn wir
Eben das hiers seltene Ereigniß gehabt
chnee fallen zu sehen.
Eine Million Stockschläge.
Man wird es kaum glauben, allein es
ist nichtsdeftoweniger wahr, daß diese
stattliche Anzahl von Hieberr von einem
einzigen Menschen seinen Nächsten ver
abreicht worden ist. llud zwar gehörte
derselbe nicht etwa dem wohllöblichen
Korporalsstaude der guten alten Zeit
an, sondern war seines Zeichens ein
Schulnieisterlein, das iur gesegneten
Schwaden lebte, lehrte und prügelte.
Und was das Merkwiirdigste an der
ganzen Geschichte ist, er führte ein über
aus genaues Protokoll über die von
ihm verhängteu und höchst eigenhändig
vollzogenen Strafen Dieses Protokoll
umfaßt volle 51 Jahre und waren dar
nach den Schülern zudiktirt worden:
227,700Straf1ektionen, 911,55l’- Stock
streiche,136,96()Fuchtel- und 121,732
Ruthenhiebe. Ohrfeigen hat unser
Schulmcister nur 1(),2m) und zwar die
meisten in der« bösen neuen Zeit, wo der
Stock verpöntwurde, gegeben. Außer
dem hat er in den letzten Jahren seines
Wirkens-er starb Anno 1870 nach län
gerem Ruhestande—6000 Kinder ver
urtheilt, auf einem diinnen hölzernen
Stock u knieen und 5000 zum Tra en
von Eselsohrern Auch andere Stra en
kommen in jenem Protokolle vor, dochs
bilden, wie s on angedeutet, das Gros
die iebe. ie waren dieliebste Strafe
des chwäbischen Schulmeixterleins undi« -
sein famofes Verzeichniß iihrte daherk
auch natürlicherweise das Motto:
»Schade um jeden Hieb, der daneben
geht. « i
Lcihhaus- Esqu uartie
r n ng. Ein storrespondent des »Is
at·o«· hat den Pariser Mond do pitio
das Pfaudhaus) besticht und veröf
entlicht eine merkwürdi e Lüste ver
chiedener Gegenstände, d e daselbst im;
Laufe eines Jahres verfätzt wurden
H91,194 Betten, 549 stderdaune s
Steppdccken, 254 kostbare ö er, 39 -
Kästen mit mathemattfggn n numqu
ten, 1972 Triuts und ge check-, 460
Nähmqfchinem 57 Plan nos, NR
Operngucker sc. «,; «
·