Die Bloomfield Germania. (Bloomfield, Nebraska) 1???-1914, September 07, 1911, Image 6

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    Ein Friedensstsrer sz
Eine Erzählung
Von Vietor Blüthgen
tm. FortsetzungJ
,,Verbammte Pogge, jetzt will ich
mal ein Wort als Lsoelmann tnit Dir
reden«
Curt saf; tief betiimmert, aber ge
faßt vor seinem Schreibtijche. Er hat
te das deutliche Giefiiht der Noihioen
digteit des aethanen Schrittes una
hoffte zwei-sichtlich jetzt entweder Den
Alten zu zähmen, oder jede weitere
Berührung mit ihm abgeschnitten zu
haben. Ein armseliges vergessenes
Fenster zerstörte seine ganze Berech
nung. Er horchte auf: die Thür Des
Speisezimmers flog in’s Schloß; eH
kam herüber; auch feine Thitr wurde
ausgerissen, und herein trat, vor Wirth
bebend, der alte Baron
,,So, mein Sohn, da bin ich, tin-d
inun will ich Dtr mal was klar ma
check. Siehst Du, ich bin ein nimmer
fcher Edelsinn-V und Du auch, und
Du, mein Sohn, hast mich toie ’nens
räudigen Hund aus meinem eigenen
Zofe geworfen nnd inir ztoei solche
erle hergestellt, daß sie mich draußen
thalten sollen. So tdas aber läßt sich
etn Edelmann nicht gefallen, nnd
wenn er noch so'n alter tterl ist «
nm wenigsten bon so ’nein dummen
grünen Jungen, toie Du bist «
" »Onkel!« suhr Curt aus und erhob
sich sinster.
,,Gieb Dich nur, mein Sohn; Du
sollst Deine Revanche haben, indem
saß ich mich mit Dir schießen will:
denn mit der Reitpeitsche kann ich nicht
gegen Dich losgehem Du bist zwar ’n
ganz dummer Junge, aber Du bist
zum wenigsten ein Boddin. Hast Du
mich derstanden?«
Curt blickte sprachlos aus den alten
Mann nieder. Es lag zuviel Ernste
in diesem elementaren Vorn nnd zu-—
viel Charakter und Nerd in der For
derung, sich mit ihm zu duelliren, als
daß er das Auftreten des Barons von
lder komischen Seite zu nehmen ver:
macht hätte, obwohl diese sich dem
Auge sast nnwiderstehlich ausdrängte.
Aus der andern Seite aber: es war ja
ein Ding der Unmöglichkeit, dem Ver
langen des Erbitterten nachzugehen
Jede Faser in ihm sträubte sich gegen
den Gedanken Mochte der alte Mann
ihn in dieser Stunde beleidigent Er
toollte so wenig an eine Genugthuung
dasiir denten, tvie jener ein Recht an
eine solche hatte, und er sprach das mit
bewegter Stimme aus.
»Sie haben genau so viel Ursache,
mir ein Duell asuszndrängem cdie Ei
ner gegenüber dem Richter, der ihn
wegen irgend eines-i Vergeheng verur
theilt. Daß Sie mich beschimpfen, ver
geil-e ich dem Bruder meines Vaters-,
dem alten Mann und der Aufregung
dieser Stunde. Seien Sie um Gottes
toillen vernünftig Ontelt«
»Du toillst·Dich nicht mit mir
schießen?«
»Nein!«
Der Baron war dunkelroth im tite
sicht: er tautnelte und fastte nach ei
nein Stuhl. sank indessen neben dein«
selben zu Boden tsnrt stiirtte er
schroiten zu einer Wasserrarassex er
schenkte ein Glas voll Wasser und trug
es herzu, um ihm zu trinken zu geben;
der Baron riihrte sich nicht nnd bist
die Zähne zusammen; tnri entschlos
sen goß sich tener die nahte Hand doti
und schüttete es auf den Kopf dez ti
ten Deren dem die Muse entfallen
wett. Nachdem er das- etu warm-i
wiederiwii intte sinkt der Baron tu
sich zu bewegen. richtete sich ans unp
nadm die Zodenintihe dnn Boden.
»Du helft sltieji Iliik Esset e» Il!
Leute gemacht, mein Zahn . waren die
ersten Worte. die ei munkna fand
»und Du tisitlit Dust nicht mit nn:
duellteen Nun dtß Dis- ioeisttx e:n
alter Edetnnnn nein n Lin n e: sktn tust
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JII Un tust um« ku;
Draußen rollte ein Wagen ad. Die
Oaugthijr wurde ausgerissen, und mit
weit geöffneten Armen, völlig außer
sich, stiirzte AnneMarie von Ledzviv
in das Zimmer.
»Um Gottes-willen helfen Eie, rei
ten Sie! Sie miissen nach Br.1nitz, so
schnell wie möglich. Enkel will sich er
schienen; er will sich von Herrn von
Pan-leidig ein Pistol geben lassen
allmächtiger Gott, ich kann ihm ja
nicht zuvortoinmen, ader Sie! Sie
haben ein Pferd ans den Knieen
flehe ich Sie an Curt « Sie sind
sein Nesfe «
,,lsurt«, hatte sie gesagt. ,,Curt!«
Diesem Curi schoß es heiß durch die
Adern. Da lag sie vor ihm am Bo
den; er schaute aus den blonden Kopf,
aus die weiche, süße Gesiall; er trank
in behendem Rausch die Angstblicke der
braunen Augen, den tiesen Melalllon
ihrer Worte, den Duft, das Knisiern
und Rauschen urn sie gewaltsam
mußte er sich zusammennehmen; dies
war nicht der Moment, um fiir sich zu
sprechen. Nur wie ein rasch PUCK
terndes Rauchwöltchen stieg fiir Se
kunden der Einfall in ihm auf, eine
Bedingung zu stellen, die ihm das
Seligstegosichert hätte - nein, nicht
das Seligste: liebte sie ihn denn?
Haßte sie ihn nicht vielmehr? War
seine Gegenwart nicht eine Qual für
sie? Er stand vor einer rohen Ge
waltthat mit diesem Einfall.
,,Stehen Sie aus, Cousine Leb
zow!« sagte er, und durch feine Stim
me klang etwas von dem, was er
fühlte, und als sie feine Hand an
nahm, um sich aufzurichten, hielt er sie
einen Augenblick fest und preßte die
Lippen daraus. »Ich wähle den Wald
weg der ist tiirzer - und will reis
ten, als hätte ich die Absicht, mein
Pferd zu Schanden zu jagen. A
c·e«v()ir!«
»Viel-steh Liebster!« tarn es von ih
ren Lippen, als er draußen war. Sie
hielt die Hände gesaltet, indem sie zu
deni Bilde iiber dem Schreibtische auf
blickte, und in dem Klang dieser War-«
te sprach alles, was sie erschiittert hat
te gestern und heute: Liebe, Angst,
Sorge, Verzweiflung ein hülfes
ruf der Liebe aus dem Vorhof der
Hölle. Aber der Druck wollte nicht von
ihr weichen, Der Onlel stand im Gei
fte wieder vor ihr, als er das Frucht
bare vor sich hin sprach, indess sie mit
ihm den Wagen besteigen wollte. Sie
hielt es nicht aus hier in der langen,
bangen Ungewißheit Namenlose tin
ruhe erfaßte sie und trieb sie hinaus
in den Hof, wo Curt aus denr mit ei
ner Decke statt des Sattels versehenen
Engländer. nur den Kappzaum in der
Hand, rasch grüßend doriihersauste;
ihr geängstigtes Herz trieb sie weiter,
durch das Thor, aus den Weg nach
Branisz. Sie schritt wie beflügelt.
Vor dem Walde wandte der Reiter den
Kopf und sah, daß sie ihm nachkam,
ans demselben Wege, den er durchmes
sen. Dann tauchte er zwischen die
Bäume, und die Stanbwolle, die er
zurückgelassen sentte sich schtrsrrsiillig
langsam in der dicken schwiileu Luft
des Tages zu Boden.
Barhänptig kam er in Brauisz an:
ein Ast hatte ihn nin Kopfe gestreift
und ihm den Hut entrissen lsr kann
te nicht mehr als eine Viertelstunde
gebraucht haben: es war vollaui Zeit.
All-e in ordnen. ehe der Baron im
Waisen anlangte·
Gott sei Dant: Herr von sitannewih
war daheim. Der Waaemächter am
Thore. welcher ilun das schaumbedeckte
Zoter um«-hat« oristrtertr e:. see tun
ihm san-it in der Thier entaeaeir lies
ria erschrocken Kräutern Verm-are
hatte aer Fenster die Ankunft Unrer
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Ianricht en kann. Aber Sie darf er nicht
hieks indem wenn er kommt; er würde
iKehrt nmchen und anderwärts einstm
Ichen nno dann steht Alles aus dem
l Spi el «
»Ich will und muß auch sort«, sagte
Cnrt entschlossen »Ich muß Eousine
Lebzom entgegen gehen, welche durch
den Wild nachkommt; ich muß sie be
ruhigekk Sie darf sich keine Minute
länger ängstigen. Wollen Sie mit ei
nen Hut leihen, Herr von Pnnnetvitz,
und mich einstweilen bei den Damen
entschuldigen«t«
Herr von Pannewitz zog nachdenk
lich den Schlüssel zum Gewehrschranke
ab.
»Ich werde Ihnen den Schlüssel zur
Partthiit geben. Sie gehen hinaus
nnd halten sich da immer rechts; da
kommen Sie dem Waldwege gegen
über herauf-. Nehmen Sie diesen Hut!
Jch sorge, daß Jhe Pferd ungesehen
bleibt.«
Bald darauf wanderte Curt den
angedeuteten Weg. Seine Gedanken
beschäftigten sich mit der von Herrn
von Bannein hingeworfenen Be
merkung: »Wenn wir ihn nicht aus
söhnen können, bringen wir ihm die
Jdee iiicht aus dem Kopfe.« Ausfüh
nen das war leicht gesagt. Welches
Mittel gab es, um den alten Eisenkon
zu einer Versöhnung zu stimmen?
Eines — vielleicht. Wie gern Curt
zu diesem einen gegriffen hättet Vor
einer halben Stunde hatte es vor ihm
auf den Knieen gelegen; er hätte es
vielleicht an sein Herz nehmen können,
wäre er weniger gewissenhaft gewesen.
Es war auf dem Wege zu ihm. Die
Versuchung lam zum zweiten Male;
wenn er zu Anne-Marie von Lebzow
sagte: Nur so lann das Drohende ab
gewendet werden, daß Du mich eng
neben Dich stellst, so eng, daß er um
Deinetwillen —
Fort damit! Keine erzwungene Ehe!
Es wäre eben wieder eine Vergewal-»
tigung gewesen. J
Als er aus der Parlthür auf die«
Straße hinaus trat, fesselte eine ei
genthüniliche Erscheinung am Himmel
sein Auge. Der Weg führte in nord
westlicher Richtung. Dort hatte sichs
über dem Horizonte eine einzige lange
iveißltche Wolle erhoben, deren Enden
rechts und linls fernab hinter den«
Bäumen verschwanden. Diese Wolle
hatte das Aussehen eines der Länge
nach zusammengerollten Schleiers von
weißer Seide und flimmerte in so’
wunderlicher Weise, daß es schien, als
wälze eine unsichtbare Kraft sie über
den Wald herauf. Droben war der
Himmel dunkelblau, unter ihr von ei
ner fremdartigen glasigen Farbe, wel
che voin lichten Grün sich bis in’s
Gelbliche abstufte.
Die Schiviile ringsum war beiings
stiaender als zuvor J seltsam still
Alles ringsum. Kein Vogellaut war
zu vernehmen. Die Bäume schienen!
erstarrt zu stehen« um etwas Unges
heuerliches iiber sich ergehen zu lassen. s
Ciirt schüttelte besorgt den zwpr
Das Phänvmen war ihm freilich völ- l
iia unverständlich So schloß er denn »
die Parlthiir ab, ließ den Schlüssel in »
die Tasche gleiten nnd betrat den seit
seitigen Wald. Jii diesem Augenblicke
vernahm er ein Rollen zur Rechteii.’
welches ihn anfangs vermuthen liefi.i
oafi der Wagen des Onlels angelangt ;
sein möchte Dann rechnete er nach
es war unmöglich Wenn Jocheii leid f
lich fuhr. so brauchte es noch eine Vier i
telstunde. etie sie in Brutus sein tun-:
ten. Dabei fiel ibin etwas Beunrutu »
gendes ein: der Zufall. welchen der
alle Ziele m seit-er Emb- Held-Ist
tkr hatte im Denn-re der letzten hat
lieu Stunde nicht eriistlicher iider den
seiden iiiihsedawt ifin alter Miit-er
ctt Schlaasliissen anegesesh eine Blut
utseetiillxini des Gehirns war ess dissti
ie:vesen, wie secn niem- i?;«au".lr..
sace eio Wien rechneten Eseiinirsistii i:
time »Nun « natvriiel starren-»
Mhri wenn Xiis leasiiiie aetitse
treu innre Irr Enkel verlier-til axe
sie-n Im iunnee die Neste is.-t«.
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Am III- M M ums-Miit »I
Edsmä cui-. III U zip-um i
mm. I im Ists-. Im summi
» I- III Im ki- ssud und
den Himmel in ztvei Hälften schied,
eine blaue und eine grün-gelb glasige.
lisr bemerkte deutlich, wie die langge
streckte seidig glänzende Wulst droben
um sich selbst gedreht wurde.
Zugleich aber näherte sich jenes
samuerlich-unerllärliche Geräusch mit
rasenderSchnelligteit; es berstärtte sich
zu einein anriictenden Höllenconcert
Dieses Getöse hatte Aehnlichkeit mit
einer gewaltigen Brandung. welche der
Sturm auspeitseht so dort-rette
prasselte, gischte und zischte, pfiff und
heulte es durch einander; dazu immer
wieder jene abgebrochenen, dröhnen
den, lurzen Schläge, die sich schließlich
anhörten, als bräche in einiger Ent
lfernung ein Thurm zusammen und
i
schlage schmetternd auf den Boden.
»Ein Sturm«, sagte Euri, dessen
Antlitz alle Farbe verloren hatte. »Ein
Sturm im Walde - und wag siir ei
ner! Das geht um’s Leben.«
Er verlor die Besinnung nicht, son
dern betrachtete prüfend den Waldbr
stand. Riesige alte Buchen breiteten
die nackten Aeste aus, dazwischen hier
und da ein gewaltiger Eichenstamm
ltnorrige Arme reckend, schwächlicher
Nachwuchs, halb verdeckt durch Unter
iholz aller Art. Wenn einer dieser
IBäume stürzte, wenn nur ein Ast sei
Irren Kopf traf — —
« Herr Gott - -und Amte-Marie!
Anne-Marie von Lebzow jetzt im
Walde! Sie konnte nicht weit entfernt
sein; es war eigentlich kaum zu begrei
fen, daß er ihr noch nicht begegnet
war.
,,Anne-Marie! Cousine Lebzow!«
War es ihr Gegenruf, was et ge
hört hatte? Er wußte es nicht, aber
er stürzte selbstvergessen noch ein Stück
vorwärts. Wer unterschied jetzt noch
den Laut einer menschlichen Stimme?
Es war da; es brach zwischen allen
Bäumen zugleich hervor, eine wahn
sinnig, tobiüchtig gewordene ungeheure
Kraft, weIhe blind vorwärts stürmte,
um sich schlug, henlie, brüllte. Diese
strömende Luft, welche sich gegen al
les warf, was ihr im Wege stand, war
förmlich hart; Curt hatte eine Em
Pfindung, als drängten eisialte Hän
de, so viel an feinem Körper Platz
hatten, auf ihn ein, und mit so unwi
derstehlicher Gewalt, daß er im näch
sten Augenblick erwarten müsse, wie
ein Ball auf hundert Schritte durch
die Lust geschleudert zu werden. Sein
Hut war beim ersten Anprall davon
gegangen; auf dem Kopfe prickelte es
wie von eindringenden Eisnadelm er
tauitttelte über den Weg, ward ein paar
mal utn sich selbst gewirbelt und
stemmte sich dann mit Händen und
Füßen gegen eine Buche, sah sich in
dessen sofort mit dem ganzen Körper
an den Stamm gedrückt, als wäre er
festgenagelt. Ein Regen von abgerisse
nen Zweigen prasselte nieder-, dann
und wann trachte ein brechender Ast,
und das klang wie der dumpfe Auf
schrei eines zu Tode Getroffeuen Die
riesigen Bäume schwantten unheim
lich; die Aeste der eigentlichen Krone
griffen wie Arme iiber den Stamm
heut-Hex Die ganze Luft war ein
Chaos, ein wiistes Durch-einander von
tichlagendenh slieaendenk quirlendem
Astwerk nnd Blätter-nassen: denn die
tiefen Lagen vermorfchender Blätter
int Waldarunde wurden ausgewählt
nnd schwirrte-i wie unzählige Flocken
verdüsterud durch den Gesichtskreis-.
Dazu bravsten Töne durch die Luft,
deren lsntemdle das cln tanux zu er
tragen vermochte Was bedeutete der
Lärm einer Schlacht gegen vieles cui
fehltche wetosek Lauaaewaeue Die
kpmmnien wie von Tini-wen von
Vetteln bald diese. vrld Iene cum-ne
voraedeänaL manchmal eiu Geheul
tote doc. samt-etlichen Beinen eine-z llr
waldesr dazwischen Zchttetlfeuer einer
zanken Armee und das-) erleituttetnde
Kritik-in »Ist Bitte-»Einem Nin
i
saft- det pas sum Stunden uns "
Um anböten aussah män- nah
Yom weh-sinng geworden fein.
! Um wäre gn- um den Stamm
IIIIUMWUIM am u music fis-W
sm. aus du Stelle for-gaffen uns
fast Meliss- Gtmu »Im cum- an
»Im Uns-I »Du-Im zu werde-.
JUII M sahn « ihm die Brust zu
its-aus« m wose- n m sue-net
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III III »I M sod. Ist « »W
dsk Mo ist out m cui-. m W
eh begrub-m Damms-II des-saf
00 du Mo w VOIIQMUH M «
I
f
erstehuna entgegen. tleber ihren Fall
hin wüthete die Zersrarung weiter; der
Sturm sauste in die Lücke, suhr iiber
den Weg, welchen di-: Aeste der Krone
überstarrten, brach ists Curt’s Seite
ein halb Dutzend junxer Stämme um
oder riß sie mit den Its-Kurzem aus, daß
die Erde weit herum flog ein gan
zes Stück hin vernalvn sein Ohr dass
Krachen und Knatter::. s
Heiliger Gott! Jh :1 gerade gegen-s s
über schüttelte sich eine Eiche, wie eins
Mensch sich gegen den Griff einer’
übermächtigen Faust wehrt. Sie er
schlug ihn, wenn sie stel
Er ließ sich aus die tsrde nieder und
troch aus Händen und Füßen, so platt
wie möglich an den Boden gedrückt,
durch das Gestrüpp am Wege. Seine
Handschuhe platzterh lzerrissen. Seine
Hände bluteten. So«gicig’s nicht wei
ter; er mußte aus den Weg hinaus,
und er bewegte sich schräg hiniiber auf
die andere Seite. Noch war die Eiche
nicht gestürzt; vielleicht hielt sie sich
doch. Etwas geschützter kam es ihm
hier drüben vor, als jenseits vor dem
ossenen Wege.
Ein anderer Eichenftamm, auf den
sein Auge fiel, erweckte ihm Vertrauen.
Breit wie eine dorische Säule stand er
da, die geringe Zahl seiner Aefte bot
dem Winde wenig Angriffssliiche. Er
schleppte sich bis zum Fuße des Bau
mes und richtete sich dann auf.
Seine Lage war damit wesentlich
verbessert. Der Sturm traf ihn nicht
mehr direkt; er war gegen fallendes
Holz geschützt. Sein ganzer Körper
schmerzte ihn. Aber einen Moment
nur genoß er das Gefühl der Erleich
terung, dann brach es mit der Last ei
nes dieser stiirzenden Kolosse auf seine
Seele nieder: Anne-«Marie! Jn der
Athemlosigkeit der letzten Minuten
war der Gedanke an sie wie verschüt
tet worden; jeht war er plötzlich das
Einzige, wag ihm Entsetzen einslößte.
Was galt ihm die Zerstörung, die um
ihn tobte! Was war er sich selber!
Er liesz sich wieder hinab und troch
aus«-«- Neue am Boden hin. Mdchte ihn
ein Stamm zerschmettern er wollte
wissen, wie es um sie stand. Eine
wahnsinnige Angst beflügelte seine
Kraft. Minuten brauchte er, bevor er
die Biegung des Weges erreichte, wel
che bisher dessen weiteren Verlauf sei
nem Auge entzogen hatte. Als er drit
ben war, fcharfte er den Blick aufs
Aeußerste; denn das Sehen war nicht
eben leicht. Die ganze Luft schien tör
perlich geworden zu sein, wie strömen
des Wasser, das Erde, Blatt- und Ast
werk mit sich fortriß.
Er unterschied endlich einen mächti
gen Baumstainrn, welcher in einiger
Entfernung quer iiher den Weg ge
stürzt war. Nirgends ein menschliches
Wes-en. Aber er mußte weiter.
»«21nne-Marie!« schrie er aus.
Bei dem gestürzten Baume lag es,
lichtgraue Frauentleidung, diesen
Moment hatte er weiter nicht-s gesehen
Er war niedergesunien, vergrub den
Kopf in die Arme und stöhnte.
»Laß sie ani Leben sein, .s)err, der
du im Sturme mächtig bist, last sie le
den sie ist mein. Niemand hat ein
Recht aus sie außer mir.«
Er nahm alle Seelen und Körner
kraft zusammen, und nun kanerte er
neben ihr. Er nalnn ihren Raps ani
die Hand; das schöne blonde Haar iunr
halb aus-gelöst Die Wange tiihlte tun
todttalt an das konnte dotn Winde
sein Er lsenate daö Ohr nieder
athcnete sie oder nichts In dietein me
this-· war .:bs—otnt nichts zu entscheiden
Die Augen waren geschlossen die dtas
sen Linden leise geöffnet, Ins-. die
sanne diswuui,ltt«::::n:ereeksz E» »Wäh
uhntnachtig sein inufzte’ Er wollte
ei fo. Es war In auch wahrscheinlich
Brei öchtitt von ihr nur eine Buche
gesinnt nnd der Stamm die iitt kiber
den Wen hin ,tl.rtt, ette die ttefte de
vminnen- Det Hure tanzt» :t.-....
Marie nicht reinem hauen lieber szsr
neiite Mr dschtee Wette-nnd os-. ists-·
rutden to diin Mit en-. ssktstiiee
Alt der dkrtnnter .i-.ifri·ite Hin ne
siehet-innen nnd tettielnk·«i »r-«
Nst Tiettitwttichnntea W sk-« de
Wirthen nieder und reichte-!- ««n n ts
H ihr hin« Dann sis » « »si:
Erd-nur« Mindest nue ie« k-,
tinterdatfe hinr. bewahreka »s«
tut wurde nnd Weder « Topp-»
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Iim ins-a Ists-Maus sikis bei-m ,
Unm- men III-· an Its-m Inva
III-sus. uns Wuc- mtoam Ist-!
Ists II MUM « III-»Im UND
M IM- M n» Ime ist W- s
mass ums-m It mag m« w ;
wirke Schicht am Rande; weiterhin
standen die Stauden nur vereinzelt.
Unter unsäglicher Anstrengung hielt er
fich mit der geliebten Last aufrecht, bis
er am Ziele war. Dann ließ er Anne
Marie niedergleiten und sank erschöpft
nnd keuchend, kalten Schweiß auf der
Stirn, neben ihr in den Blattmoder.
Jm Bereiche dieser Erdwand war es
paradiesifch gegen draußen; sie und
der kolossale Fuß der Buche über dem
Paare schlossen vor allem jede ernste
Gefahr aus. Curt wund ein Taschen
tuch um die rechte, am meisten ver
wundete Hand, nachdem er die Hand-—
schuhfetzen bei Seite geschleudert
Nun nahm er die Bewußtlose wie
der in seine Arme und bettete ihren
Kon so bequem wie möglich. Er hätte
sie erdrücken können vor Wonne, als
er sie athmen fühlte. Der Sturm
sauste weiter -- er wurde stumpf ge
gen die Wirkungen und Aeußerungen
desselben; in tiefer Erschöpfung schloß
er die Augen.
Er schlief nicht; seine Gedanken
und Empfindungen tauchten nur in
einer weichen, geheimnißvollen Fluth
von Glück unter
Nach einiger Zeit blickte er plöglich
auf. Das war doch nicht der vorige
Sturm mehr? Ein starker Wind,
weiter nichts. Dieser Wind riß keine
Baumkronen mehr herunter und ent
wurzelte keine Eichen. Näherte das
Schreckniß sich seinem Ende?
kir fühlte sich stärker. Von feiner
Brust herauf klangen die Athemzüge
der Geliebten.
,,ftlnne-Marie, meine süße Anne
Marie!«
Er rührte sich nicht. Noch hielt er
das holde, ungelijfte Näthsel in den
Armen; noch durfte er glauben, fie sei
die Seine« Wie lange? Wenn sie die
Augen aufschlug, weinte sie vielleicht
vor Scham und Schrecken und
Entrüftung
»Mein Gott« gieb,sie mir!«
lfr faltete die Hände über der tiefer
und tiefer Athmenden Dabei glitt ihr
Kopf zurück in den Nacken; und der
seine, noch immer ein wenig aeöffnete
Mund glänzte wie von Rubin der
fiihrerisch zu ihm herauf. Er konnte
nicht widerstehen.
»Vergieb mir, Anne:Marie!«
Schluß folgk.)
Mich ein Strauß weis steh zu helfen
(Bildet ohne Worte.)