Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, December 06, 1900, Image 12

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    lXl:nt TaffcrkcitsmcdMe.
ihn L i c , o r K a ! s i.
Wie m-in Herr. Sie habnr käuen
Sonnen, uu v.'öiKj;otBt!i? Warum
laben Sie leinen bekommen? 5.1c wu
sen nicht warum? Tröftea ie ZA.
Kitte;i Sie einen erhalten, wüßten ie
noch weniger zu sagen, weshalb Sie
ihn bekommen haben, mi muß man
haben. Dem Einen wird das große
L00S gezogen, dem Anderen ein Zahn;
der Sine bekommt eenen Orden aus
Persien. der Andere die Peft auS Glas,
gow. Doch lassen wir daS. schließlich
hat das Ministers lum, das die Liste der
Knopslochkranken zusainmensteäie. seine
Sache doch gut gemacht; es weiß ja am
besten, wer die Leute sind, denen der
Orden Linderung bringt und eine
Freude macht. Und wenn sie eine
Freude daran haben, was hat die ganze
Sache andere Leute zu kümmern? Sie
mögen ihn in Kesundheit tragen!
Ach. diese orientalischen Orden!
Im Frühjahr war ich in besonders
guter Gesellschaft in Konftantmopel, wo
6er Sultan in einem vornehmen
Restaurant uns zu Ehren ein Souper
veranstalten ließ.
In dem mit exotischen Pflanzen und
allerlei Flaggen geschmückten Prunk,
saale hat sich um sieben Uhr eine Gesell
schaft toi etwa zweihundert Personen
eingesunken, unter denen nur ein
Türke war: der Pascha, der den Sul
tan vertreten hat. Tie übrigen äste
rekrutirtcn sich aus der europäischen
Kolonie und unserer Reisegesellschaft.
Im Frack und weißer Halsbinde war
ich pünktlich in der Vorhalle des Hotels
erschienen und hatte meinen Ueberzicher
in der Garderobe abgegeben. Als ich
meine Schritte gegen den Speiscsaal
richtete, stellte sich mir der Hoteldireltor
in den Weg. Er war ein alter Be
kannter. im'Uebrigen ein Italiener.
Wie? Sie haben Ihre Orden nicht
angesteckt?"
Nein. Wirklich nicrnr ermioerie ico.
verlegen.
Warum nicht?
Weil ich keine habe!"
Was, Sie haben keine Orden?"
Nein!"
Sonderbar, sehr sonderbar!" er.
widerte der Direktor. Das wird rieft
ges Aufsehen erregen. Schauen Sie
nur in den Saal hinein. Hier hat. mit
Ausnahme der Kellner. Jedermann
Orden. Das geht nicht so. Ich bitte,
kommen Sie in mein Bureau!"
Er führte mich in sein Zimmerchen
und öffnete einen Schrein. Er war voll
von Orden.
Ich werde Ihre Toilette durch
einige dieser Dekorationen ergänzen."
Lassen Sie das! Das ist nicht mein
Geschmack "
Ich bitte um Entschuldigung, wir
sind im Orient. Man muß sich hier
orientalischen Sitten anpaffen. Was
sür einen Orden münschen Sie?"
Wenn es sein muß "
Natürlich. Man würde Sie für
einen Anarchisten halten "
Da bitte ich um möglichst einfache
Orden."
Das geht wieder nicht, denn je
unbedeutender ein Orden, desto bunter
ist er."
Und er legte mir einen Orden an.
Das ist der Menjidi. Er kleidet
Sie vortrefflich. Hier links wird sich
der Takowa Orden gut ausnehmen.
Daneben wird der griechische Georg
Orden sehr guten Effekt machen"
Er hängte mir noch etwas Flitter
kram an und hielt mir sodann einen
Spiegel vor die Nase. Ich war ganz
verblüfft, als ich hineinblickte. Die
ältesten Generalsbrüste, die Königgrätz.
Knlsefina und Maocnta lebend verlas-
len haben, wären vor Neid grün und
dfib aemorden. Wenn ich von allen
Kanonen, die Krupp im Laufe von
sUnszig Jayren erzeug! per, nacy gian
untsen Kanallcrie Attacken Bettk er
griffen hätte, wären meine Dekorativ-
nen nicht so zahlreich und schön ge
mehn.
Als ich. mit so viel Blendwerk der
sehen, auf der Schwelle des Prunk
kaales erschien, verneigten sich die Kell
ner bis zum Fußboden und gaben mir
! A W . i. . V o ffl 'i
ois zu meinem Plage oas ciene.
toi und kerenarade fifeend. blickte ick
smher. ES flimmerte und schimmerte
auf allen Brüsten. Auch auf meiner
Bruft blieben Vieler Augen haften.
Ich fühlte mich als Bismarck des Bai
kans. Neben mir stand der Redakteur
des türkischen Blattes Vakit." ein sehr
: av.u:. si-..uc: . nc
uniiii iuiuuuci um iiiuyyiijtiu ,nvp
und Barthaar, der mich aneiferte, ich
möae mich weiter hinauf begeben, weil
der Pascha später Cercle halte. Doch
ich leistete seiner Aufforderung keine
Folge, sondern sagte mit vornehmer
Vanvoemegung:
Minn hir Nascka mit mir 111 stire
chen wünscht, wird er es mich wissen
lanen. over er wiro ncy zu mir yev
hemMt.i
Ich las meinem Nachbar vom Gesicht
Herunter, welche Meinung er von mir
Habe: Min Nachbar muß ein enorm
großer Herr sein, wenn er mit dem
Pascha auf einem so guten Fuße lebt."
Er hatte nämlich nur einen recht be
scheidenen Orden': den Mediidie-Orden
vierter Klasse.
Der Pascha nahm seinen Ehrensitz
ein und das Souper begann. Mir ge
genüber saß ein sympathischer junger
Mann, der sehr gut französisch parlirte.
Seine Bruft war mit unzähligen schö
nen" Orden bedeckt. Er mußte einer
vornehmen Familie angehören, daß
seine Verdienste so rasch Anerkennung
gefu.ldcn. Wir huden gemüthlich ge
plaudert, als er mir plchlich mit einem
gelinden -tos; die Bruft d.rildrte und
sagte:
Wo haben Sie ttc.i bekommen?"
.Im Korridor." erwiaette ich treu-
herzig. l
.Wo?" fragte er vorgebeugt.
.Welchen meinen Sie denn?" fragte
ich. mich sammelnd.
Diesen. Das ist die bulgarische
Topserkeitsmedaille!" sagte er. meine
Bruft wieder berührend.
(Es ist ein Blödsinn, mir eine solche
Tapserkeitsmedaille anzuhängen.)
Im serbisch-bulgarischen Kriege."
Haben Sie an ihm teilgenom
men?" .Natürlich!"
.In welcher Eigenschaft?"
AIS Kriegsberichterstatter."
(Damit habe ich nicht gelogen.)
Ich warf flüchtig einen Blick auf
meine Medaille. Tann schaute ich aus
feine Brust hinüber.
Sie haben ja ebenfalls diese Me
daille?" Er sah sie genau an.
Jawohl." sagte er zögernd und
fügte stockend hinzu:
Ich wollte den Stern von Rumä
nien nehmen und zufällig gerieth mir
dieser Orden in die Hände."
Wir sind demnach Eollexen."
Und wenn Sie gestatten, bleiben
wir Freunde. Unsere Freundschaft ge
winnt dadurch an Werth, daß sie auf
den blutigen Schlachtfeldern Bulga
riens besiegelt wurde."
Wir stießen mit unseren Gläsern an.
Mein Freund vom , Vakit" fragte, was
wir an einander entdeckt hättek? Ich
machte ihn und mich glauben, daß wir
zusammen für die Unabhängigkeit Bul-
gariens gekämpst Hütten.
Nach dem Souper eilte ich mit mei
nen Orden zum Hotelier. Und wen
traf ich da? Meinen bulgarischen
Kriegskameraden, dem der Hoteldirek-
tor die Orden abnimmt.
Ich brach in helles Gelächter aus.
Was machen Sie hier, Herr Eol-
lege?"
Er aerietb in aroße Verlegenheit.
wurde feuerroth und stammelte:
Entschuldigen &,e. wie tete seyen,
sind wir keine College !"
Wie denn nichts Jetzt stnd wir
erst recht welche! Herr Direktor, ich
danke für Ihre Freundlichkeit, nehmen
Sie auch mir die Orden ab!"
Wir behielten nichts aus unserer
Brust. Oder doch: mein Freund be
hielt wei Fettflecke. Eine freudige
Stimmung machte seiner Verlegenheit
Plag und er fragte lächelnd:
Mit wem habe ich eigentlich das
Vergnügen?"
Ich bin Todoresku, rumänischer
Journalist," sagte ich kaltblütig.
Freut mich. Ich bin Pantidos,
griechischer Journalist."
Es freut mich!"
Und wir wechselten Ländedrücke.
Am nächsten Tage hörte ich. daß der
kleine Schlaukopf kein Grieche, sondern
ein Velaier sei. So wahrten wir Beide
das Inkognito unserer Nation.
Her lvansinnige.
In die Ecke des Coupees gedrückt,
dic qualmende Cigarre zwischen den
Lippen, die Lider halb gesenkt, saß der
bekannte Thcaterdircktor Caradol in
dem in der Richtung nach Paris dahin
brausenden Kurierzuge. Caradol lei
tete eine größere Provinzbühne im Sü
den Frankreichs und war als guter
Direktor ebenso bekannt m der Künft
lerwelt, wie als schlechter Schauspieler
Jetzt wat er in so tiefes Sinnen der
funken, daß er das Anhalten des Trains
in St. Queen und das Einsteigen eines
Passaglers in das sonst welter nicht Dt
setzte Coupee gar nicht bemerkte.
Mein Herr." redete der Neuange
kommene den Direktor an. Sie kennen
mich nicht?"
Sie ?" Caradol blickte in ein
bleiches, seltsam verzerrtes Gesicht, in
dessen Stirn unter dem Hute hervor
wirre schwarze Locken sielen, das durch
einen zerwühlten, dunklen Schnurr
hart einer Mephiftomaske glich. Nein,
mein Herr, ich habe nicht das Ver
gnügen." Sehen Sie mich an!" fuhr der
Bleiche fort. Halten Sie mich für
wahnsinnig?"
Direktor Caradol richtete sich Üngst
lieh' wie zur Abwehr eines Angriffs
auf.
Welch sonderbare Frage!" klarn
melte er.
Gar nicht sonderbar!" lachte der
Mann vis-a-vis. Ich bin ein Wahn
sinniger, der vor kaum einer Stunde
dem Irrenhause entsprang."
Carbol sank wieder in die Kissen.
Ein zugespitzter Scherz, mein Herr!"
Kein Scherz." erklärte der Unbeim
liche. Ich wurde vor einiger Zeit in
das Irrenhaus gebracht, weil ich in
eimm Anfalle von Wahnsinn meine
junge und schöne Frau erdrosselt
ermordet habe."
Furchtbar!" hauchte Direktor Ca
radol. Entsetzlich!"
Die Aerzte behaupten, daß es Toll
heit gewesen, die mich meine Finger
wie Krallen in den weißen ach. '
schönen Hals meiner theuren Gattin
Celina eingraben ließ, so lange ein
graben, bis ihr der Athem für immer
ausblieb! Sehen Sie sich diese Finger
nur an!"
Ja ja ich sehe sie schon!" La
radol wii'chk sich den kalten Schweiß
von der Stirne und spähte scheu, sodag
es der verrückte nicht bemerken sollte,
nach dem Nolhfignal aus. Tann
flüsterte er entinuthizt: Wehe mir!
Der Signalgriff defindtt sich gerade
hinter diesem Ungeheuer, dem ich preis
gegeten bin!"
.Also, wie ich Ihnen sagte." begann
der sichtlich Irrsinnige fein fürchterliches
Geschwätz wieder, die Aerzte konnten
nicht begreifen, daß es meine unsagbare
Liebe war. die mich dazu trieb, mein
herrlich schönes Weib zu tödten
öald nach der Hochzeit faßte ich diesen
Entschluß. Schon als Knabe quälte
und tödtete ich kleine Thiere, weil ich
dabei eine unbeschreibliche Wollust em
Pfand. Ich mußte Celina erwürgen
hören Sie, mein Herr, ich mußte eS
thu, ebenso wie ich vor kaum ändert
halb Stunden den Irrenarzt mit einem
Beile erschlug, erschlagen mußte, um
meine Freiheit zu erlangen Aber
damit ist die Zahl derer noch nicht er
schöpft, die ich morden werde !
Ihr Hals ist auch nicht übel, mein
Herr!"
Direktor Caradol sah die langen
Finger des vom Mordmahnsinn Befal
lenen dicht vor sich, es tanzte alles vor
feinen Augen. Er wollte schreien, doch
er wagte es nicht, aus Furcht, den Nar
ren noch mehr zu reizen. Auch würde
das Rollen und Poltern des dahinra
senden Kurierzuges einen aus geschlos
senem Coupee kommenden Hilferuf
übertönt haben. Die Fenster waren ja
geschlossen und draußen trieben Sturm
und Regen ihr heilloses Spiel. Cara
dol befand sich mit dem Mordgierigen,
der viel jünger und stärker war als er,
ganz allein. Die nächste Haltestation
kam erst in zwanzig Minuten. Es gab
für Caradol nur zwei Mittel, sich zu
retten. Entweder mußte es ihm gelin-
gen. das Nothsignal zu geben, oder er
mußte alle erdenklichen Finessen auf
wenden, den Verrückten solange von
einer Gewaltthat abzuhalten, bis die
nächste Station erreicht war und in das
Coupee, welches keinen Durchgang in
die anderen Räume des Wagens besaß,
von draußen Sutkurs kommen konnte.
Es ist heiß hier drinnen!" klagte der
Theaterdirektor. Gestatten ete, daß
ich den Regulator stelle."
Halt was thun Sie denn?" rief
der andere. Das ist ja das Noth-
ftgnal. Dort dort müssen Sie
ziehen Ich will es thun! Und der
Narr drängte Caradol zurück und zog
die Schraube des Regulators derart,
daß es bald eiskalt wurde im Coupee
und der halbtodte Bühnenleiter zitterte.
Ha! Das erquickt!" jubelte der aus
dem Irrenhause Entsprungene. Noch
kälter wird Einer, der todt ist
ganz todt Mein Herr Ihr
Hals "
Lieber Herr," sagte Caradol. seinen
Rockkragen noch höher stülpend, möch
ten Sie nicht so gut sein, auch das Fen
ster aufzumachen, damit noch mehr
schöne, angenehme Luft hereinftrömen
kann?"
Darauf ging der schreckliche Passa
gier ein. In demselben Momente, da
er sich dem Fenster zuwandte, stürzte
Caradol auf die Nothsignalvornchtung
und riß an deren Griff.
Eine Sekunde später verkündeten
schrille Pfiffe, daß der Lokomotivführer
anhalten werde.
Der Narr nahm eine grauenhafte
Miene an. Er bewegte feine Finger.
als erwürge er jemanden, sein Blick
bohrte sich in das kreideweiße Antlitz
des Theaterdirektors ein, dem das Herz
still zu stehen drohte.
Eine Pause entstand. Die Räder
des Waggons klapperten langsamer.
Caradol empfahl seine Seele Gott.
Wenn der Zug nicht bald anhielt, war
es zu spät.
Da wurde die Coupeethüre aufgeris
sen, das besorgte Gesicht des Konduk-
teurs erschien.
Hier wurde das Nothfignal ge
zogen"
Ja, mein Herr!" sprach der Narr
jetzt so ruhig und vernünftig, daß Ca
radol vor Verblüffung fast erstarrte.
Ergreifen Sie diesen Unglücklichen!"
Erzeigte auf Caradol. der allerdings
den Anblick eines seiner Vernunft Be
raubten darbot. Er hat, wie er mir
selbst sagte, einen Irrenarzt ermordet
und ist dann aus einer Anstalt für
Geisteskranke entsprungen. Er scheint
sehr gefährlich zu sein. Ich mußte das
Nothsignal geben, da der Kranke mir
drohte, mich gleichfalls ermorden zu
wollen."
Direktor Caradol verlor die Sprache.
Eine solche Frechheit und eine solche
Ruhe, mit der jene vorgebracht wurde,
betäubte ihn. Caradol wurde von die
len Männern gepackt und aus dem Ei
senbabnzuge hinaus in der ersten Sta
tion in Gewahrsam gebracht.
Nachdem es ihm gelungen war, seine
geistige Normalität nachzuweisen, langte
Caradol zwei Tage später in Paris an.
Wuthschnaubend erschien er in dem
Bureau eines Theateragenten und er
zählte diesem das entsetzliche Reiseaben
teuer. Er schwur, daß er sich an dem
Narren, der ihm diesen Streich gespielt
hatte, rächen werde. Da ging die
Tbür des Nebenzimmers auf und der
Mordluftige aus dem Kurierzugscoupee
stand auf der Schwelle. Er sprach
lächelnd:
Rächen Sie mich an mir, Herr
Direktor, indem Sie mich engagiren.
Ich bin Francois Lemere. der Charak
terdarfteller. den Sie, ohne ihn gekannt
zu haben, in einem Briefe an diesen
Herrn Agenten einen talentlosen Cou
llilenreiker' ceheitun haben. Ich de
stieg das Eiienbahncoupee, in w,lchem
ich Sie fand und kannte, zufällig.
Aber es erwachte in mir de: Gebaulc,
Ihnen eine Probe meines schauspiele
rischen Könnens zu liefern."
,S:e ttnti ein Teufelskerl ich en
gagire Sie!" tief Tirettor Caradol
lachend auS. Ader in Zukunft inachen
Sie keinen Narren mehr aus mir!"
keonidas.
? n M i l k n a Gnad.
In der königlichen Oper gab man
heute Lohengrin".
Mein Mann überraschte mich mit
einer Loge. Er kannte meine Porliebe
für Wagner und für Leonidas.
. Und heute sang Leonidas die Titel
rolle. Das war eine Stimme! Das
umschmeichelte weich und süß das Ohr.
weinte und jubelte und schwoll plötzlich
zu mächtigen Tönen an warm und
voll wie Orgelklänge.
Schön war er selbst auf der Bühne
nicht. Schön waren nur seine Angen
große, sprechende, dunkle Augen, die
sein Spiel und seinen Gesang wirksam
unterstützten und im gewöhnlichen
Leben jedenfalls einen guten Eindruck
hatten: denn die Manschen, die ihn per
sönlich kannten, gaben ihm den Spitz
namen Leonidas mit den treuen
Augen".
Eben war die Oper zu Ende. Alles
drängte zur Garderobe und den AuS
gängen.' Wir saßen bald im Wagen
und fuhren unserer Wohnung im
Thiergartenviertel zu.
Ich lehnte mich stillschweigend zurück
und schwelgte noch in dem eben gehab
ten Genusse. Draußen rieselte ein fei
ner Regen nieder. Der Mond hatte
sich hinter Wolken versteckt.
Tie Gaslatcrnen des Thiergartens
warfen ihr mattes, trübseliges Licht
kaum zehn Schritt weit.
Was war das? Ich beugte mich
erschrocken und lauschend vor ein
langgezogener, klagender Ton klang
schaurig durch die Nacht; bald wie das
Heulen eines Hundes, dann wieder
wimmernd, wie das leise Weinen eines
Kindes.
Ich machte meinen Mann, der eilige
nickt war, darauf aufmerksam.
Die ollen Markgrafen werden um
gehen," brummte er, keineswegs er
freut über die Störung.
Wir entfernten uns immer mehr, die
klagenden Laute wurden schwächer.
Otto," sagte ich plötzlich energisch,
fahren wir zurück, vielleicht ist ein Un
glück geschehen,"
Aber Lotte " hub er an. gab
aber auf meinen bittenden Blick doch
den Befehl, zu der fraglichen Stelle zu
fahren.
Es war nicht weit. Otto sprang
heraus und kam nach wenigen Sekun
den eine schwarze, triefende, wim
mcrnde Masse, vorsichtig weitab von
sich haltend zurück.
'ne schöne Bescheerung, der Köter
hat sich 'jedenfalls einen Fuß verletzt,
was soll'n mir denn mit ihm machen?"
Ich breitete rasch die Wagendecke
zu meinen Füßen aus und zog meine
Kleider in dic Höhe: Bitte, Otto leg
ihn hierher wir können das arme
Thier doch nicht in diesem Zustande
hier lassen wir sind ja gleich zu
Haus."
Otto brummte etwas in den Bart
von Samariterwerken" und Schnu
pfen holen," aber als wir ausftieqen,
trug er mir ganz gehorsam den Köter
hinauf.
Ein schöner Kerl," sagte er lachend
Einen häßlicheren Köter hatte ich mein
Leben lang noch nicht gesehen.
Und er hatte Recht. Der magere
lange Leid eines Windhundes auf den
kurzen, krummgebogenen Pfoten eines
Dachses, der Kopf einer Bulldogge
und das alles bedeckt von struppigem,
wohl mondenlang nicht geschorenen
Haar.
Ich ließ mich aber nicht nre machen.
Vorsichtig nahm ich die kranke Pfote.
reinigte und kühlte sie mit Wasser und
band dann e:n weiches Tuch darum
Das Thier, als verstände es. daß ich's
gut meine, hielt still und leckte nur
meine Hand.
Am anderen Morgen, beim Kaffee,
präsentirte ich den Patienten meiner
kleinen, erst zweijährigen Tochter Lisy;
die stellte wenigstens keine Betrachtung
über schön oder nicht schön" an. son
dern fuhr ihm jauchzend durch das
schwarze Fell und bedauerte innig das
kranke Psötchen.
Der Köter faß auf meinem Schooß
und während ich ihn betrachtete, wurde
mir ganz warm ums Herz. Wie war
es nur möglich, daß ich gestern das
übersehen konnte?! Augen hatte das
Thier, wunderschöne Augen! Treu, gut
und so voll rührender Dankbarkeit sah
er mich an.
Otto räusperte sich bereits mehrere
male. Merkwürdig!" sagte er. als
ich davon keine Notiz nahm. Merk
würdig!" Nun. was findest Du denn so merk
würdig?" Diese diese Ähnlichkeit mit
dem Leonidas!"
So!?"
Nun brach er in ein herzliches Ge
lächter aus. Weißt Du. Lotte, wir
wollen ihn Leonidas nennen, zu Ehren
Deines gottbegnadeten Sängers."
.Laß' bi Witze," entgegnete ich
empört, und damit Du es weißt, der
Hund geht Dich gar nichts an."
Wochen, Mnate zogen inzwischen
vorüber, LeonidaS mein Maim sitzte
richtig den Namen durch blieb bei
uns. Wir lutien un maischen an
das gute und kluge Tchier gewöhnt,
und für L'y wurde er ein wachsamer
'Spielgefährte.
Ta kam ein Adeud. an welchem wir
eine Gesellschaf: gaben. Wir hatten.
bevor die Gaste kamen, alle Hände voll
zu thun; die Mädchen in der Küche, ich
beim Ordnen der Tafel.
Ta kratzte und scharrte es draußen.
Kusch dich. Leonidas. jetzt kann ich
dich nicht brauchen."
Aber daS fönst so folgsame Thier ge-
horchte nicht. Es fing an zu winseln
und als ich wirklich ungeduldig
öffnete, sprang es in tollen Sätzen zu
rück, durch das Wohnzimmer, blieb
heftig bellend vor dem Schlafzimmer
miner Lisy stehen und sah sich immer
wieder nach mir um.
Was er nur hatte! Besorgt eilte ich
ihm nach. Tas Schlafzimmer stand
offen. Mein Gott das war ja
Brandgeruch!? Entsetzt, einen
Moment wie gelähmt, stand ich auf der
Schwelle die gelben züngelnden
Flammchen ... die flackernde Kerze . .
der Luftzug zwischen Fenster und
Thür der Rauch . . . die abwesende
Bonne das alles umfaßte ich mit
einem Blick.
Lisy." schrie ich gellend auf, stand
mit einem Sprung am Kinderbett und
riß die Kleine heraus Gott sei
Dank, sie athmete sie lebte!
Ich drückte sie heftig an mein wild
hämmerndes Herz und taumelte zurück.
Wie durch einen Nebel sah ich noch
die tanzenden, auflodernden Flammen,
griff instinktiv mit einem letzten Kraft-
aufwand nach der Klingel
dann wurde es vor meinen Augen
dunkel
Als ich erwachte, umgab mich das
gedämpfte Roth einer Schirmlampe;
Otto faß mit besorgte,,, Gesicht neben
mir.
Wie fühlst Tu Dich. Lotte?"
Ich suchte meine Gedanken zu ord
neu mein Blick irrte durch daS
Zimmer und fiel auf den Hund.
Lisy Leonidas." stammelte ich.
auffahrend.
Lisy ist bei Großmama und ganz
munter. Leonidas wartet schon ge
räume Zeit auf das Erwachen seiner
Herrin und war weder durch Bitten
noch Drohen von seinem Posten zu
bringen. Hat er etwa das Malheur
verursacht?"
Stumm sah ich meinen Mann an
dann wandte ich mich zu dem treuen
Tbier. dessen Blick ununterbrochen auf
mich gerichtet war; sofort wedelte er
mit dem Schweif, lieh ein freudiges
Knurren hören, und seine Augen sahen
mich mit einem leuchtenden, fragenden
Ausdruck an: Hab ich's gut gemacht?"
Gieb ihn mir," bat ich mit erstickter
Stimme. Dann umschlang ich seinen
häßlichen Kopf, drückte mein Gesicht in
das struppige Fell und brach in heftiges
Schluchzen aus. Und dann erzählte ich
das Geschehene.
Tief bewegt beugte sich mein Mann
zu dem Hund herab: Das wollen wir
Dir nie vergessen. Du treuer, häßlicher
Leonidas."
Das Gewitter.
Der Gesangverein von Zipfclshausen
macht einen Ausflug nach dem benach
Karten Niederdorf und läßt sich dort
im schattigen Garten zum goldenen
Löwen", dem einzigen Wirthshaus im
Orte, nieder, wo sich unter den uralten,
den Himmel verfinsternden Bäumen
bald ein fröhliches Leben entwickelt.
Zur gleichen Zeit hält die Feuer
wehr von Niederdorf eine Uebung ad,
wozu auch die Feuerwehrmusik ausge
rückt ist. Nach Beendigung der
Uebung findet die Feuerwehr leider
den Lömenaarten von den 3irjfcl&aufer
Sängern besetzt und muß sich nun in
Die niedrigen heißen Zimmer des
Lömenmirthshauses flüchten.
Im Garten ist in, mischen die ftröb-
lichkeit auf's Höchste gestiegen als
plötzlich rollender Donner das Heran
nahen eines Gemitters verkündet; bald
darauf hört man das Rauschen des
Regens in den Kronen der Bäume, und
einzelne Tropfen drangen bereits durch
das Blätterdach. Die' Sänger flüchten
eiligst in die Zimmer des Gasthauses,
wo ihnen von den Nicderdorfern in
höflichster Weise Platz gemacht wird.
Als die Zipfelhauser aber durch die
Fenster schauen, sehen sie, daß draußen
wieder beller Sonnenschein leuchtet.
Die Plätze im Garten sind aber inzwi-
legen von der Feuerwehr besetzt worden,
die mit Zuhilfenahme der großen
Trommel und der Feuerspritze das Ge
Witter arrangirt hatte.
ine Erleichterung.
Dcdo. der Schirmvogt des Stiftes
Naumburg. wollte im Jahre 1190 mit
Kaiser Heinrich IV. eine Reise nach
Apulien antreten. Vorher aber wollte
er sich die Beschwerden derselben er
war von sehr dicker Leibesbeschaffenheit
dadurch erleichtern, daß er sich den
Leib aufschneiden und das überflüssige
Fett herausnehmen ließ. In der That
wurde ihm dadurch die Reise erleichtert,
aber die in's Jenseits, denn er starb in
folge dieser Operation.
Trkffrr.
Hausirer: Ausgezeichnete Dosen,
meine Herren! Wollen Se niz kaufen?"
Gast (anulkend): Solches dummes
Zeug machen wir selber!"
Hausirer: Thut mir leid, meine
Herren, das ist Zuchthausarbeitt
Sifiänft.
Richter: .A:iaklzg!er. bei diesem
Thatbestand erscheint es doch ganz un
möglich, daß Sie d,u l5inbrnch-dicdftahl
allein auZejührt haben. (Ängeklater
blickt schweigend zu Baden). Nun, Ihr
Gerissen scheint sich zu rühren und Sie
werben sich jetzt wohl zur Nennung
Ihres Genoffen erklären.
Angeklagter: Nee, Herr Präsident,
mich wurmt's man bloß, daß Sie mir
so wenig zutrauen."
Der GIdxrotz.
Parvenü (einem Freunde seii,en neu
erbauten Musiksaal zeigend): Wie ge
füllt Ihnen mein Masitiaalr
Freund: Prachtvoll doch die Akustik
scheint zu fehlen!"
Parvenü: Tie kauf' ich mer
noch!"
VrslZiigt.
Hausdiener: Wie können Sie mich
so schlecht behandeln, ich bin doch
schließlich dasselbe wie sie!"
ksn.nnii. i liks sink
Hausdiener:
Na eben, sehn Sie
wohl!"
cEvfKirtcr ll),derspruch.
A: Warum haben Sie sich denn
von Ihrer Frau scheiden lassen?" ,
B: Ganz einfach ihre schwachen
Seiten waren mir etwas zu start!"
Aus der Instruktionsftnnde.
Hauptmann: WaS thun Sie, wenn
bei Nacht das Alarmzeichen ertönt?'
Rekrut: Schlafen. Herr, Haupt
mann!" Bedenkliches Zeichen.
Bauer zum (andern): ...2öa5,
den Müller LoiSl hast D' in Tein
Dienst g'nommen?! Na. da bist D'
schön 'neing'faUen! Wenn der amal
drei Tag' nix stiehlt, kriegt er den
Krampf in die Hänö'!"
Schändlich.
Warum so verdrießlich,
Herr
Huber?"
Ja, denken Sie sich, schenkt mir
meine Alte zu meinem Geburtstag den
Hausschlüssel, und wie ich ihn probir'.
paßt er nicht."
pünktlich.
Schreiber (der sofort seine Feder hin
legt, als die Ubr anfängt. Zwölf zu
schlagen, mit einem Seitenblick auf sei
nen Kollegen): Der Kerl bleibt immer
sitzen, bis die Uhr abgeschlagen hat
der Streber!"
Im Eis.
Vorsitzender (die Versammlung schlie
ßend): Seien wir einig, meine Her
ren, wie uns der Herr Vorredner so
eben ermuntert hat, denn wenn wir
einig sind, bilden wir eine Macht,
gegen welche selbst die Götter vergeblich
kämpfen!"
Unter Backsischen.
Erna: Weißt Du waS, Elsa, ich
werde Medizin studiren."
Elsa: Nicht mein Geschmack,
warum?"
Erna: Ach. es muß doch himmlisch
sein, einen jungen, hübschen Mann ge
fund zu machen."
Elsa: Du. dann ftudire ich auch!"
Doch etwas.
Gläubiger (zu dem ihm Geld schul
denden StudiosuS, der ihn mit Ver
sprechungen abspeist): Sie haben mich
doch hoffentlich die fünf Treppen nicht
umsonst heraufklettern lassen?"
Studiosus: ..Gewiß nicht, Sehen
Sie nur hier die prächtige Aussicht!"
IVegweiser.
Sie, lieber Freund, wo geht denn
da der Weg zur schönen Aussicht?"
Wann S' über der Bruck'n fan.
halten S' Jhna rechts nur an die But-terbrot-Papier
und Wurfthäut'. nacha
können S' 'n Weg nimm fehl'n!"
von der Schmiere.
Direktor (zur Liebhaberin): Aber,
ich bitte Sie, mit diesem altmodischen
Mantel können Sie in dem modernen
Stück doch nicht auftreten! Schauen
Sie hinaus in die Zuschauer-Garderobe,
ob nicht vielleicht eine Dame etwas
Passendes abgegeben hat!"
V, die Rinder!
Herr (auf dem Lande, zu einem
8jährizen Bübchen): Also dem Pro
feffor Flacker gehörst Du?! DaS ist ja
prachtvoll! Du scheinst es nicht ein
mal zu wissen, daß Dein Papa der e
lehrtefte Mann der Welt ist?!
Hänschen: Nein, das weiß ich nicht.
Ich bin ja immer zu Hause mit dem
Papa und zu Hause merkt man
nichts davon!"
Scharfblick
Principal: Na, haben Sie den
Müller gefunden, für den ich Ihnen
die Rechnung ausgeschrieben hatte?"
Kommis: Leider nickt! In dem
Hause wohnen eine ganze Menge Mül
ler, von denen keiner unser Schuldner
sein wollte. Der Letzte hat mich sogar
hinausgeworfen!"
Principal: ..Zu dem gehen Sie noch
mals der wird's sein!"
Baum und Mensch wohin er
neigt dahin er fällt.
Zufriedenheit ist eine Tugend. Selbst
Zufriedenheit ein Fehler.