Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, November 22, 1900, Image 12

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Arbeit? virmn.
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a Sutx t,JU dui guut'it Kops
nachdenklich in die Hand gestützt und
saß vor seinem cchteibtiittje.
.Komm her. XflitiHs?, sagte kr.
als er die Eintretende aemahrtc. lind
seine Stimme zitterte ein wenig, ebenso
das Briefblatt. das er in der Hand
dielt.
Käthe trat näher und sah den Svre
cher an mit großen ängstlichen Kmder
äugen.
ttnB Oelrnbolbt hat heute morgen
bei mir um leine Hund angehalten
und will sich morgen jriih unsere Ant
wort holen!"
Unvermittelt klang die Botschaft in
deS Mädchens Chr!
Käthe kannte ihren Bater. Ter
Justizrath Hellncr ging in allen Lebens
lagen ohne Umschweife, gerade loZ auf
sein Ziel.
Ich glaube bemerkt zu haben, daß
Tir die Besuche dcö jungen Arztes.
wenn er mit Bruder Otto in unser
Haus kam. stets lieb waren, und "
die Stimme des ernsten Mannes be
kam. als er fortfuhr, plötzlich einen un
gewohnten weichen Klang und mir
und der Mutter könntest Tu keine
größere Freude machen, als wenn Du
als Helmboldt's Frau hier ganz in
unserer Nähe bliebest, als unseres
Alter Siiineilschein!"
.Vaters, lieber Vater." schluchzte
Käthe uftd legte schüchtern ihre Arme
um seinei Nacken
Niemnls hatte der schweigsame, ja
schroffe Mann so mit seinem Kinde ge
sprochen
Töchting hatte er sie genannt
und sei,
es Aiiers vccnneii uuein.
a L1 1 1 Q ,7- ... IX. .1
Ach.
bleiben
wie gerne wollte Käthe das
aber als Fritz Helmboldt's
Frau?
Ter
Vater sah den Kampf in des
Mädch
p!3 .QUtll. C'llUl"m 4Ull 11
lade von feinem Halse und sagte
. NUl,,i4l.-... IÄI4. i
ihre H
Icht K
tdeyn seinem gewohnten nlich
terneii,
Jiou:
,?
l brauchst iq nicht gleich zu ent-
n. ttind! Ucriege vix vie wame
es ist ein Bnd für das Leben.
Lu mit Deinen Jawort schließt.
vor allem laß nm oie Wunsche
t mit viiiiii ui . o
iiiiuriiirim it'sii: l -
Er künte sein J8nd aus die stirn,
uno Käthe eilte b naus.
Mutter. weißDu es schon? Was
soll ich denn nun ilun?" rief das Mäd
chen, als die treue FNju es fest an ihr
Herz nahm.
Das muß: meineMäthe selber am
besten wissen," sagte diese hast Du ihn
lieb, so wird mein Töchterchen, will's
Gott, nun bald schon eine glückliche
Braut, wenn iitibt, so bleibst Du eben
noch länger bei js und Deiner Eltern
ganzes Glück!"
Mutter, laß mich ein wenig auf
mein Zimmer gehen, die Gedanken
schwirren mir so wild durch den Kopf,"
bat sie leise.
, Sie machte sich los aus den Armen
der Mutter und eilte hinauf.
Da lag sie nun in ihrem lauschigen
Mädchcnstübchen vor dem Bett auf den
Knikn und barg den blonden Kopf tief
in die weiß? Kissen.
Hatte sie Fritz Helmboldt lieb? Ach
ja, noch bis vor wenig Wochen hatte sie
es fest geglaubt, hatte cs so glücklich in
ihrem jungen Herzen empfunden, daß
seine treuen Augen immer wärmer, im
mer liebevoller auf ihr ruhten.
Da war der andere in ihr Leben ge
treten, der andere, der ihre Seele ge
füllt mit Bildern, begeisternd, umge
ftaltend und neu. Wie ihre Augen an
den Lippen ihres jungen Lehrers im
Malen gehangen, wenn er mit feneri
gen Worten die Ideale des Lebens ge
priesen. Welch' wunderbaren tiefen
Glanz dabei die Augen des jungen
Künstlers jedesmal bekamen, wie er
dabei seine hehre Gestalt hoch aufrich
tete und dastand wie ein Sieger des
Geistes.
Noch in der Stunde heute morgen
hatte er von der Liebe gesprochen. Nicht
von der Liebe des Einzelnen zum
Einen, nein, von derLiebe, die oie ganze
Menschheit umfaßt, Allen dienend, alle
emporziehcnd zu edlem Streben, stark,
groß, allgewaltig.
Wäre ich nur reich, hatte er dabei
gerufen, daß ich diese Liebe bethätigen,
daß ich mein Leben lang hingehen
könne, Thränen zu trocknen, Gebeugte
aufzurichten und Schmerzen zu lin
dern! Des Mädchens Seel war groß und
weit geworden unter den begeisterten
Worten. Das war ja auch ihres Her
zens tiefeS Sehnen, solche Grundsätze,
solche Ziele mußte der Mann haben, dem
hr junges, schwärmerisches Herz sich
knmal ergeben wollte in unbegrenzter,
begehender Liebe.
ind Fritz Helmboldt? ES zog bei
deMGedanken an ihn wie ein brennen
k! M durch Käthe's Brust. Und
sollte je ihn jetzt für immer verlieren?
bn ach wie kalt, wie ernst, wie ver
schltsen er doch allzeit war, wie schlicht,
wie UsmenloS seine Sprache gegen daS
mit sih fortreißende Wesen, die feurigen
Worte deS Andern.
Hat er denn nicht auch Sinn für
alles Schöne und Gute im Leben?
Hatte er nicht vor Kurezm, als sie am
:"amilu!itifi) ein tiefe-, ergreifendi
11$ gelten, ßcäjfefrt: Ach. welch
Tch-tz i dech solch gutcS Bach f:u
-Uifer Volt, daß feine Seele wieo.r
fm nun tp'j öjbti irerden sann; d:,n
eins: iiiio .iufuibuio ist bot iniitichn'jl
das Ciliä, besonders auch das Leb.:t
ein. i 4d:,Ui. ,? äulein Käthe!
Der Vtngerettte fci'.te verständnißvell
V-i ihm aufiiefchaiit. Barg die hohe
2tir:i des juiigiN ÄanncS mehr litte,
große Gedanken, als die redeschömn
Lippen vnriklden?
Stunde äuf Stunde verging. Es
war Abend geworden, noch immer
herrichte keine Klarheit in KütheS
armen, käinpsenden Herzen.
Die Mutter kam und rief ruhig '.nd
freundlich wie immer ihr Kind zum
Abendbroö.
Käthe konnte nicht tssen. sie versuchte
eS. unbefangen und fröhlich mit dem
Vater zu reden. ES wollte nicht ge
llngen.
Da erklangen plötzlich Feuetsignale
durch die Straßen der alten, kleinen
Stadt und Käthe eilte an's Fenster.
um die statte des Brandes zu txox
schcn. Es brannte in einem dichtbewohnten
Hause einer nahen Straße. Laß uns
noch dorthin gehen. Mütterchen." bat
das Mädchen, und die Räthin willigte
ein. Sie mochte t'uvn Gang durch die
frische Abendluft "it) wohl geeignet
halten für oie wvf rothen Wangen
des öchterchn,s.,,
ick kamen ztl, Brandstätte. Aus
dem Dachstuhl .mehrstöckigen Hau
ses quoll dich!?" Rauch, manchmal
durchleuchtet von knisternder Flamme.
Schon war die Feuerwehr zur Stelle.
der Weg zum Hause war abgesperrt
durch mächtige lseile, daran hin fluthe
ten dichte Volksmassen. Die beiden
Franen waren etwas entfernt stehen
geblieben, da tauchte plötzlich aus dem
Gedränge eine hohe Gestalt vor ihnen
auf.
Ach, die Elemente hassen das Ge
bild aus Menschenhand!" klang voll
und weich die Stimme ihres iuuaen
Lehrers an Käthe's Ohr. Er begrüßte
die beiden Damen ebrerbietia und
sprach dann mit volltönender Stimme
weiter:
Welch ein entsetzlicher Feind kann
doch die wohlthätige Macht des Feuers
werden. Das Feuer wüthet, während
die Aermsten sich mühen, aus den un
tcren Stockwerken hinaus zu schaffen.
was noch zu retten ist. Ach. vielleicht
ist ja die kärgliche Habe der Mühe Preis
eines schweren, arbeitsreichen Lebens."
Wieder wirkte die Stimme des Künst-
lerS mit ihrem alten Zauber auf Käthe'S
erz. sie klang wie eine Glocke, tief und
voll wie Orgelton.
Da plötzlich gellte ein erschütternder
Hilferuf durch die Nacht. Meine Ktn
der, meine drei armen Kinder!" rief
ein iunges Mlb vor dem vause mu
gellender Stimme, sie schlafen unter
den Pfannen, dort hinter dem kleinen
Fenster. Sie schien von der Arbeit bei
fremden Leuten hierher gestürzt zu sein.
die Aermel ihres Kleides waren weit
zurück gefaltet und ließen ein Paar ver-
waschene Arme frei, die sie hoch empor
streckte in namenloser Qual.
Kommandorufe ertönten, eme hohe
Leiter wurde angesetzt, welche bis in
den Giebel des Hauses ragte.
Lautlos stand letzt die Menge, noch
zauderten selbst die Männer der Feuer
wehr vor dem gefahrvollen Werk.
Da drängte ich eine kräftige Gestalt
durch ihre Reihen, da stieg ein Mann
mit muthigem Fuß die Stufen der
Leiter hinan, beherzt, furchtlos, hoch,
immer höher.
Großartig, heldenmüthig, unfaß-
bar!" murmelte der Maler mit ange
haltenem Athem.
äthe sah und hörte ihn nicht. Ihre
erhitzten Augen folgten unverwandt
dem kühnen Retter vor dem brennen
den Haufe. Nun war er oben. Jetzt
schlug er mit wuchtiger Faust das kleine
Fenster ein, nun verschwand feine Ge-
stalt in dichtem Rauch. Ein Angst
schrei klang durch die Volksmassen, die
Mutter betete laut.
Die Feuerwehrleute erstiegen die Lei-
ter. da erschien das Gesicht des Man
nes, einen Augenblick hell beleuchtet, in
der Fensteröffnung, er reichte den
Männern zwei- Knaben heraus, be
täubt, willenlos, aber noch lebend.
Unter endlosem Jubel brachten die
Leute sie herunter. Oden aber war
alles still.
Käthe wagte nicht zu athmen, sie
hatte die Hände wie die arme Mutter
hoch empor gestreckt.
Da endlich tauchte die Gestalt des
Edlen vor dem Fenster wieder auf. Er
schwang sich .hinaus und trug in den
starken Armen das Töchterchen. das
Kleinste der Wittwe.
..Horch! hörte man nicht leises Wei
nen durch die Stille der Nacht. Kam
t aus dem Munde des Kindleins in
des Mannes Arm?
Frohloe du armes Mutterherz, dein
Herzblatt lebt! Das Kind, das du dop-
pelt mit Liebe umgiedst. weil es seinen
Vater nicht mehr gesehen!
Hat ein Engel sich über das Bettchen
gebeugt? Und mit wehenden Flugein
den Rauch verscheucht?
Der mutbige Retter legte das Kind
lein in der Mutter Arm.
Sein Haar ist versengt, sein Antlitz
entstellt, dennoch erkennt ihn Käthe,
als er jetzt unter der Menge ver
schwindet. Am andern Morgen hält der Justiz
rath wieder ein Schreiben in der Hand,
wieder hat er sein Töchterlein gerufen.
.Nun lim ich mir Ihre Äntirorl
doch nicht persönlich holcn. verehrter
Herr Juftizrath." schreibt Fritz Helm
bodt. so sehr meine Seele sie ersehnt,
denn bei Ausübung meiner Pflicht habe
ich mir gcstcrn einige kleine Vclletzun
gen zugezogen, fodaß ich wohl erst in
gut acht lagen wieder bcsuchrfähig fein
werde."
.Laß uns ihm die Antwort selber
bringen." bittet Käthe, und der Justiz
rath ficht, wie sie dabei heiß erröthct
bis unter das blonde, wellige Haar.
Er willigt ein.
In seinem KonsultationSzimmer auf
dem Sofa ruht der junge Arzt, nun
selber ein Patient.
Da önnct sich die Thür, da schlingen
sich weiche Atme fest um seinen Hals
und scheue, warme Mädchenlippen küs
seit leise seinen Mund, seine Augen, die
hell und klar auS dem weißen Ver
bandszcug hervorschauen.
Ich habe Dich lieb. Fritz, lieber wie
Vater und Mutter, lieber wie die weite,
weite Welt," flüstert eine süße Stimme
dicht an seinem Ohr.
Noch an demselben Tage stand in der
Abendnummcr deS kleinen Lokalblätt
chcnS ein ergreifendes Gedicht, es schil
derte den Brand des gestrigen AdendS.
Die Redaktion bemerkte dazu: Beim
Lesen des nachfolgenden Gedichtes wird
wohl kein Auge thränenleer bleiben.
So kann nur ein Dichter schreiben, der
tief in eigenen Herzen die Noth der
Armen mit empfindet.
Auch Käthe las das Gedicht und
lächelte.
Der verlorene Stirn.
L o n o n 8 oliner (Perl in).
Sie saßen am Fcühstückstisch. Ein
tiefer, schmerzlicher Seufzer entrang
sich der Brust der Frau. Der Mann
ließ die Zeitung sinken und blickte sie
fragend an.
Heut ist ja Erich's Geburtstag. . . .
weißt Tu's denn nicht?" und ihre dunk
len Augen füllten sich mit Thränen.
Er legte die Zeitung vollends aus der
Hand und sah die kleine zierliche Frau
freundlich an.
Ja, Ltsbeth ," agte er mit unae-
wöhnt weichem Ton. ich habe auch
daran gedacht den ganzen Morgen.
Einundzwanzig Jahre wird er heute
alt. unser Junge."
Aus thräncnströmenden Augen blickte
sie ihn erstaunt an: unser Junge! so
hatte er seit damals nicht gesprochen
..seit anderthalb Jahren unser
Junge!
Ich will Dir noch mehr sagen. Lis-
beth, ich habe heute die ganze Nacht gar
nicht schlafen können, ich habe über
alles nachgedacht: Und ich glaube,
Lisbcth. ich bin zu dem Resultat ge
kommen: es ist nun genug, er bat ae-
nug gesühnt wir wollen ihn zurück
rufen, unsern Jungen, den Erich "
und der narke große Mann zitterte, und
er konnte seine tiefe innere Bewegung
kaum beherrschen.
Frau Lisbcth schluchzte laut auf: so
weich hatte sie den Gatten kaum ge
sehen. Sie fiel ihm um den Hals, sie
umarmte und küßte ihn, sie fand keine
Worte, nur abgerissene Worte rangen
stch von lvren ippen.
Ruhig, Lisbcth. ruhia!" mahnte der
Mann, heut ist fein Geburtstag, den
wollen wir feiern, wie sich'S gehört;
und gleich morgen schreibe ,ch ihm
Seine Angelegenheiten draußen wird
er eyr chnell geordnet baden, und
wenn das Glück gut ist, können wir den
Jungen in zwei Monaten hier haben
'cun wurde Lisbeth redselia. das
blaue einfenftrige Zimmer sollte er be-
kommen, und einen neuen Bücher
schrank: der alte tintenfleckiae Schreib-
tisch wird frisch überzogen, Erich solls
hübsch und gemüthlich haben und sich
o recht wohl zu au e fühlen nach der
langen Lehrzeit draußen in der freund
losen Ferne.
Schon gut. schon gut." -lächelte der
Mann; und heut trinken wir eine
Flasche Ehampagner auf sein Wohl,
und richte uns ein festliches Mahl, ver-
giß auch nicht, einen Blumenstrauß auf
den Ti ch zu etzen. Die Kinder sollen's
wissen, daß der verlorene Sohn heim
kehrt, und sie sollen ihres Bruders Ge-
bur stag festlich begehen."
Mit selig verträumtem Gesicht ging
die Mutter umher.
Sie sollte ihren Erich, ihren Aelte-
ften, ihren Liebling wieder haben!
Wie hatte sie's nur die lange, lange
Zeit ertragen können, ihn fern und
elend zu wissen, ihren Herzensjungen ?
Das war ja gar kein Leben gewesen,
nur eine einzige lange, bange Sehn
sucht, nur ein Zittern und Sorgen und
Sichverzehren in Angst und Kummer.
Der schöne blondlockige Knabe mit
den dunkelblauen Augen, den frischen
rothen Lippen und dem leichtsinnigen,
röhllchen Lachen war immer ihr Lieb-
ling, ihr Herzenskind gewesen; die drei
jüngeren Geschwister mußten weit gegen
ihn zurücktreten.
Und als er anfing, kleine leichtsinnige
streiche zu machen, hatte sie vor dem
strengen, rechtlichen, pedantischen Vater
vertuscht, was zu vertuschen war, und
ihn vertheidigt und beschützt, so gut sie
es vermochte.' Die allzu harten Stra
fen. die dann doch von Zeit zu Zeit
nicht zu vermeiden waren, hatten weit
mehr sie getroffen, als den leichtlebigen
Knaben.
Und als er im letzten Jahre seiner
Gymnafialzeit in wirtlich schlechte Ge
sellschaft gerathen war, die ihn zum
Spul. chi;!&m und einem lüöcrliche
LcdkZ'.?irau?cl verknet tjalte, da wollt
der armen Ä.itt.r sst das Herz brechen
vor Leis um den Liebling.
Der Vater irar zum li'.ektir d
(.')!zm!!a!!l!iis egangn. uno oicier, ver
die großen Anlagen des üdlra'.iZ intel
ligenten Knaben allmählich vollständig
verschlammen und versumpfen sah.
halte warnend gesagt:
Seden Sie sich bei Zeiten vor: Zhr
Sohn ist ungewöhnlich begabt, aber er
ist auf schlechtem Wege; er hat das
Zeug zu einem dedeutenden Menschen
oder auch zu einem ebenso großen
Lun,peii."
Dies Wort hatte den strengen, loirel
ten Beamten hart getroffen.
Sei Lohn ein großer Lump, der
-chaude über die Familie bringen, der
seinen Namen, den er, und vor ihm
fein Vater, im Dienste des Landes und
des Fürsten in Ehren getragen, mit
Schimpf dcdlcken würde. . . .nein, nein,
das durfte er nun und nimmer dulden.
da mußte etwas geschehen.
Und als kurz nach dem brillant be
standeiikn Adituricnlcnexainen. dem nur
durch eine scharfe Bemerkung über die
sittliche Führung ein hüklichcr Fleck an
hastete. Erich durch einen neuen leicht
finnigen Streich seine Vaterstadt, eine
kleine norddeutsche Residenz, in Aufruhr
versetzte, stand des Vaters Entschluß
scst: Erich mußte fort, er mußte durch
des Lebens Ernst und des Lebens bit
tere Noth zur Einkebr und zur Bsse
rung gezwungen werden. Und sonst
war er verloren ein grvncr Lump
Und alle Thränen und alles Flehen
der unglücklichen Mutter halfen nichts;
die kleine, weiche, zärtliche Frau war
machtlos dem Willen dcö strengen, in
feinem starren Pflichtgefühl ndcug-
famen Mannes gegenüber. Nach
Afrika sollte er, dort wo mit eiserner
Energie und angestrengter Thätigkeit
dem talentvollen Jungen sich wohl noch
eine aussichtsreiche Zukunft eröffnen
konnte.
In tiefem Groll schieden Vater und
Sohn von einander. Ter Vater wollte,
was er that, ganz thun. Kein weiches
Gefühl sollte die schwere Pflichterfül
lung mildern. Er bezahlte die Reise
bis Victoria und ließ eine kleine
Summe in Pretoria selbst deponiren, die
Erich bei seiner Ankunft dort erheben
sollte. Mochte er dann, auf eigenen
Füßen stehend, sehen, wie er weiter
kam.
In bitterem Trotz, leidenschaftlichen
Haß gegen den harten Vater im Her
zcn, hatte Erich monatelang nichts von
sich hören lassen. Die arme Lisbeth
lebte kaum, und der Mann ging in
schweigendem Kummer durchs Haus.
. Endlich hatte die Liebe zur Mutter
den Sieg davon getragen in dem Her-
zcn des tief gekränkten Jungen und er
hatte ihr geschrieben: nach schweren,
verzweiflungsvoll schweren Anfängen
habe er schließlich eine kleine Anfiel-
lung gefunden beim Bau der Eisen-
bahn, eine mühselige Stellung, welche
ihn gerade eben vorm Verhungern
schütze; sonst sei er gesund.
Dann kam ein zweiter Brief: seine
Stellung habe sich gebessert, und er sei
jetzt, da ihn seine Sprachkenntnisse und
seine sonstige höhere Bildung empfahl
len hätten, zum Büreaudienft avancirt.
gesundheitlich gehe es ihm gut.
Und nun folgten in kürzeren Zmi
schcnräumen Nachrichten, die erkennen
ließen, daß er in tüchtiger Arbeit seinen
Lebensunterhalt erwarb und zu einem
ordentlichen, selbst- und zielbewußten
Menschen heranreifte. Im letzten
Brief hatte er zum erstenmal den Vater
grüßen lassen.
Und nun sollte er heimkehren! Frau
Lisbeth faß in dem einfcnftrigen blauen
Zimmer, das fein Zimmer werden
sollte und hatte noch einmal alles
durchlebt. Jetzt erhob sie sich elastisch
und ging daran, sein Geburtstagsmahl
zu richten. Als sollte er selbst daran
theilnehmen, sorgte sie für seine Lieb
lingsgerichte, stellte seine Lieblings
blumen, einen großen Strauß rother
Nelken, auf den Tisch und legte den
Forstwein, eine Flasche Champagner,
auf's Eis.
Die Kinder jubelten bei Tisch; wie
ein Alp war es von allen genommen.
Und als der Vater anS Glas fließ, um
das liebe Geburtstagskind leben zu
lassen und auf die glückliche Heimkehr
des verlorenen Sohnes zu trinken, da
war er selbst so heftig bewegt, daß
Thränen seine Stimme erstickten. Die
Mutter weinte leise vor sich hin.
Gegen Abcnd stürmte der fünfzehn'
jährige Georg ins Zimmer: Ein Brief
aus Pretoria!"
Das hat er gut ausgerechnet, der
prächtige Junge!" schmunzelte der
Vater, hat uns zu seinem Geburtstage
ein vevenszelchen enoen wollen 1 1
doch ein famoser Kerl!"
Aber es ist gar nicht Erichs Hand-
schrift...."
Hastig griff der Vater nach dem
Brief, drehte ihn nach allen Seiten um
und erbrach ihn dann zögernd.
Ein dumpfer Ton, halb Schluchzen,
halb Schrei, brach aus sciner Brust,
und leichenblaß mußte er sich stützen.
um nicht zu Boden zu sinken.
Mit weitnusgerisscnen Augen starrte
Lisbeth ihn an, und ehe er's verhindern
konnte, hatte sie ihm den Brief aus der
Hand genommen.
Ihr Sohn Erich ist auf dem Felde
der Ehre gestorben; ein letzter Wille
oder sonstige Verfügungen haben sich
nicht vorgefunden." Die Unterschrift:
ein unbekannter Name, Büreauchcf der
südafrikanischen Eiscnbahn-Gesellschaft. i
Imi! amtlich beglaubig! Zr'dlenschei.'
war beigelegt.
Ein,,, A,',eiibl!ck nu u'igkcit
- llub alles still. AIs 5 V.:! M
Hände vom (esicht sinken li,si u:i5 ans
bückie, hatic Lisbeth das Zimmer laut
los verlassen.
Instinktiv ha:te sie sich in das blai.e
Stüdchcn gefluchtet, in sein Zimmer
Da saß sie zunächst völlig gedanken
und sinnlos, wie vor den Kops gcschla
gen. tumps und dumpf. Allmahlich
erwachte sie. allmählich kam ihr das
Bewußtsein zurück
.Erich ist todt." sagte sie halblaut
vor sich hin. als ob sie es JemaiiSem
erzählen müsse. E:ich ist todt ja.
was yicß denn das? lind plohlich durch
schüttelte eS sie mit eisigem Schauer.
Erich ist tost. d.'.S heißt. d:l wirst ihn
nie, nie wieder sehen, deinen liebe
lieben Junge. Das beißt, er liegt
utcr dcr Erde, seit drei Wochen liegt
er unter dcr Erde, seine Augen sind qc
schlössen und heut ist sein Geburts-
tag, und als wir vorhin mit dem
Ehampagncr ihn Icbcn ließen, da lag
er schon seit drei Wochen talt und todt
in seinem Brcttersargc. Erich ist todt.
das heißt: er war krank und ich war
nicht bei ihm; er ist gestorben und ich
war nicht bei ihm.
Er hat nach mir gerufen, und ich
kam nicht: er brauchte Pflege, und er
war allein; er brauchte eine weiche
Hand, die seine fiebcrhciße Stirn ab
kühlte, er brauch:? seine Mutter, die
ihm seine Kissen glatt strich und die ibm
srischcS Wasser reichte, wenn ihn dürstete
Und seine Mutter kam nicht und wußte
nichts davon, daß er litt und daß er
starb unter leniden, die ihn nicht
kannten, die seine Sprache nicht ver
standen Erich ist todt, das heißt
alles Entsetzen, alles lraucn, das ein
Miitterhcrz sich ausdrücken tan . . .
Und ihre Phantasie spielte ihr grau-
sam mit, es kam wieWahniinn übcrie.
Ihr war, als müsse ihr ohn cs ein
Pfunden haben, den grausamen, den
schneidenden Hohn, daß sie ihm ver
zicyen und tun leocn ließen und cin
Wohl in Champagner feierten, wäh
rend fein schon verwesender Leichnam
in der kalten fremden Erde ruhte.
Erich ist todt. Er kommt nicht zurück.
sein Zimmer bleibt leer, sie sieht ihn
nie, nie wieder. Sie kann es ihm nie
sagen, wie sie ihn geliebt, wie sie um
lbn gelitten hat. Sein letzter, irrender
Blick ist aus völlig Fremde gefallen,
er hat die Hand nach ihr ausgestreckt
und hat tu s Leere geglissen Erich,
Erich, ich komme "
Heimlich und verstohlen schleicht sie
aus dem Haus. Am nächsten Morgen
fand man ihre Leiche im Schloßteich.
Sin sonderbarer MiethszinS.
Wie die Londoner Eity die Königin
Viktoria Miethzins zahlt, darüber wird
der grkf. Zeitung" von dort berichtet:
Ter alte Gebrauch, Grundrente und
ähnliche Abgaben in Gestalt von Natu-
ralien zu bezahlen, hat ch in England
noch vereinzelt bis auf den heutigen
Tag erhalten. Ein merkwürdiges Bei-
spiel dieses Gebrauches konnte dieser
Zage im großen Justizpalafte am
Strand beobachtet werden. Die City
von London leistete hier im Referees
Court" den der Königin schuldigen
Jahreszins für ein Stück Moorland in
Ehrop hire und für ein Anwesen in
London in der Gemeinde St. Element
Danes, das die Schmiede" heißt. Für
Ersteres find von der City von London
seit Heinrichs des Dritten Zeit jährlich
ein gutes Beil und ein geringes Beil"
und für letzteres jährlich sechs Huf-
eisen zusammen mit 61 Nägeln" als
Abgabe geliefert worden. Ein Beil
und ein kleines Hackmesser waren vom
City-Anwalt zur Stelle gebracht, und
daneben lagen ein flacher Holzblock und
zwei kleine Reisig-Bündel. Der City-
Anwalt nahm das Beil und hackte mit
einem Hiebe das eine Reisigbündel in
zwei Stücke. Dann nahm er das
geringe Beil", und er brauchte drei
Hiebe, um damit das andere Reisig-
bündel in zwei Stücke zu hacken. Der
als Vertreter dcr Königin anwesende
Oueens Remembrancer" erklärte sich
für überzeugt, dan die Beile gute Be
Zahlung" seien, nachdem er durch lautes
Zählen der sechs Hufeisen und der 61
Nägel festgestellt hatte, daß sie in
guter Zadl" geliefert feien. Tann
agte der Ouccn Remembrancer", daß
die Königin über die Gegenstände keine
Verfügung getroffen habe. Darauf
erhielt der Referee", d. h. der Schieds-
richter, in dessen Gerichte stnbe der alte
Gebrauch vollzogen wurde, die Beile
mitsammt den Hufeisen zum Geschenk.
Die Nägel nahm das anwesende Publi-
kum als Andenken mit.
Geföi?rliche Pünktlichkeit.
Neulich wäre auf unserem Bau bei
nahe ein Maurer erstickt!"
Ja, wieso denn?"
Er hatte den Athem so lange ange
halten, damit er das Mittagläutcn
nicht überhört!"
Bei der Konsultation,
Arzt (zum Patienten): Sie müssen
trachten, zu Kräften zu kommen; trin
ken Sie täglich eine halbe Flasche
Wein!"
Herr Doktor, dürft ich net statt der
Halden Flasche W.in 6 Glas Bier
trinken?"
Es giebt Leute, die einen um so
weniger verstehen, je deutlicher man
wird.
5en!i,
Prinzipal: ,U bgr,-js, Sie nich:!
Zic entspreche,, in hin Wei'c den
Ansorderungin. welche ich laut m.incr
Ailiionee an den Bi,ral in den bei
mir vakanten Posten eines Ernefi'm,.
deuten flille und bmi:bii sich um den.
selben. Whalb sollte ich 3 ic mit
engagireiil"
Bewerber: Ja. schau'n S', weil ich
a gar so lieber Kerl bin."
Iclklirung,
Vutoviw hat das Buch da g'schric.
den?" f .
DuiisMcr Bua, firt ja. dös is doch
et g'schrieben. sondern gedruckt."
Mebr ah das.
Erster Student: Ist Deine Uhr
eine Ankeruhr?"
Zweiter Student: Mehr als das!
Sehr häufig ist sie eine Retlungsaiiker
Uhr." lliiniöglich.
Du verstehst Deinem Mann auch
garnicht ein bischen um den Bart zu
gehen."
Er hat ja auch keinen."
Schwer möglich.
A lim Restaurant): Sehen Sie
mal da die beiden Kah'.löpfe, wie die
sich zanken, es wird nicht lange dauern,
dann liegen sie sich in den Haaren.
Utim Diner.
Tame: Glauben Sie auch. Herr
Doktor, daß verheiratete Männer län
ger leben, als unvcrhcirathete?"
Herr: Nein, anndiae !rau. es
kommt ihnen ur länger vor. "
Freitihkit.
Sie. inarnn, laufen Sie denn über
meine Wiese? Da führt doch kein Wea
durch!"
Na. dann machen Se gefälligst
einen durch. Meinen Se denn, mir
wär's angenehm, durch das nasse GraS
zu laufen!"
Unbedacht.
Gastwirth seines Kebiraskurorte:
Seitdem ich hier bin. sagte ich ja
immer, daß einige Esel nothwendig
wüten zur Bequemlichkeit der Gäste,
doch was nützt es, bisher stchc ich noch
immer allein da."
Gut bezeichnet.
Zofe (die von einer ?luacndfreudin
besucht wird, als dicse im Toilettenzim
mer Schminke und Puder sieht und sich
erkundigt, was das ist): Ach, das sind
nur meiner Gnädigsten ihre Kunst,
gcgenstände!"
Hülfsmittel,
Studcnt imit einer Studentin v.
hcirathct): ..Wie soll ichs nur ansän-
gen, daß meine Frau mehr in die Vor-
lesung geht?"
B: Kauf ihr einen neuen Hut!"
fwtzen-werbung.
Parvenu: Fräulein Laura, wenn
Sie die Meine werden, will ick "ahnen
Pferde, Equipagen. Bicycles, Auto
mobile und sofort nach der Erfindung
einen tenioaren Ustvallon lausen."
Aus der Gesellschaft.
Sie: Baron, man saat. dak i.
mich heirathcn, um Ihre Gläubiger zu
befriedigen!"
Er: Ich denk' nicht dran! Wenn
meine Gläubiger Geld brauchen, sollen
!ie oocy seioer yeiratyen!"
Unerhörte Znmuthung.
Schmierenschauspieler: ..5err Direk.
tor. ich bitte um einen kleinen Bor
schuß, ich muß mir etwas zu essen
kaufen!"
Direktor: Na. ich dächte, ick bätte
Sie doch erst gestern essen gesehen!"
Ein wink. . ' ' .
Feldwebel (zu einem Soldaten, der
einen Urlaub antritt): ..Lebmann
Ihre Eltern treiben ja wohl Gcffüael..
Zucht.
Soldat: Zu Befehl, Herr Feld
webel!" Feldwebel: Hm. dann bringen Sie
mir oocy ein paar Gänsekiele mit! Ich
wervr ,,c Mir llver seivst ausrupfen
Mißverstanden.
Mache einen Satz über d.
Lehrer:
Bank."
Moritz:
Lehrer."
Lehrer:
Moritz:
Das kann ich nicht, Herr
Warum nicht?"
Sie ist mir zu hoch!"
Sicheres Zeichen. j
A (zu B.): Mögen die Beiden, die
im nehmen lvinnien, vcryclrathet fein?"
B (als diese aus dem Waa?n ft.,,-,,
und er beim Aussteigen nicht behül'flich
'i' "c uiu verykiratyct!
Aufrichtig.
Gast: Ich möchte eine kleine Por.
tion Kalbsbraten, denn ich habe nur
wenig Appetit."
Kellner: O bitte, unsere
Portionen sind ohnehin nicht
als die kleinen."
großen
größer
Der Pantoffelheld.
Notar: Bitte, daS Schriftstück zu
unterzeichnen und Ihren Name , über
den Ihrer Frau zu fetzen!"
Herr: O. dark ick ifm
den Namen meiner Frau setzen?"
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s
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