Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, June 21, 1900, Image 12

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Vi Go!dr?l!en.
Zign i; f o " e r d l a d.
Xie Erregung in dem eleganten
Smelllub hatte ibm böchücn ruft
erteilt. Walmsim,:o.' 2. rnnun wäre;:
Verdi verloren und gesonnen wor
den. Eine schwüle Luft lag über dem
Spieltisch. Selbst die Mlldlichmam
inkn kckienen nervöZ zu littern.
Nur der Bankhalter, Rittmeister
a. D. BerlowZki. eine vornehme Er
scheinung mit leicht ergrautem Haar
und Backenbart, bewahrte feine voll
kommene Ruhe und häufte Geld und
- Spielmarken vor sich auf. als handle
es sich nur um eine harmlose Unter
baltuna.
Trotzdem Jeder genug mit seinen
e aenen Dianen und onnunaeo oe
schäftigt war. lenkte sich schließlich die
allacme ne . Autmerk amieil am reui
nant von Hollendach. Obgleich er nicht
reich war. wie man allgemein wußte.
hatte er doch bereits eine Verhältniß
müßig große Summe verloren, und
nun fpielte er auf Ehrenwort".
Er verlor Schlag auf Schlag. Biel
leicht Hütte er wie im Taumel weiter
gespielt, wenn ein eleganter Herr mit
schwanem Schnurr und Knebelbart
sich nicht zu ihm niedergebeugt und ge
flüstert hätte:
- Es ist genug. Hen von Hollen
dach.
Dieser erhob sich sofort gehorsam,
wie etwa ein Hypnotisirter dem Hyp
notiseur folgt. Beide zogen sich in das
Lesezimmer deZ KlubS zurück
Ich bin verloren, Marquis," stöhnte
der Leutnant.
Sagen Sie daS nicht, so lange Sie
einen Freund hqben, Herr von Hollen
- dach."
Dieser drückte ihm warm die Hand,
ließ dann aber den Kopf wieder sinken.
Sie waren mir oft ein Rathcr und
Helfer. Herr v. Rovedo. ich danke
Ihnen. Aber jetzt kann mir nichts und
Niemand mehr helfen. Ich bin ruinirt.
Mein kleines Vermögen, dessen Zinsen
mir daS Leutnantsdasein ermöglichten,
, habe ich auf Ehrenwort verspielt."
Sie haben noch Ihre Gage."
Neunzig Mark monatlich. DaS
reicht nicht hin und her. selbst wenn
ich ein Einsiedlerleben in einer ganz
kleinen Garnison führe."
Er starrte wie geistesabwesend vor
sich hin.
Wenn eS aber fein müßte "
begann er wieder stockend.
Sie sollen nicht sagen, mein lieber
Freund, daß ich Sie in solcher Lage
im Stich gelassen hätte," fiel der War
quis rasch ein. Versuchen Sie noch
einmal Ihr Glück. Hier find drei
Goldrollen, jede enthält tausend Mark."
Herr Marquis, Sie wollten, Sie
könnten " stammelte Hollenbach wie
geblendet auf 1 die schweren Rollen
blickend, welche verpackt und gesiegelt
vor ihm auf dem Tische lagen.
Keinen Dank, mein Freund, ich
weiß, mit wem ich eS zu thun habe
stecken Sie ein , doch halt, ich will
noch auf jeder Rolle den Betrag ver
merken."
Er ergriff die Feder von einem vor
, ihm stehenden Schreibzeuge und schrieb
in kräftigen Zügen auf jede Rolle:
Tausend Mark.
Ich werde Ihnen sogleich eine
Quittung ausstellen "
Unter Freunden unnöthig aber
wenn eS Sie beruhigt "
Eiligst schrieb der Leutnant den
Schein und überreichte ihn dem Mar
quis, der ihn nachlässig in dieBrust
tasche schob.
Sollte man die Goldrollen nicht
vorher öffnen?" fragte Hollenbach zö
gernd.
Meinetwegen aber wollen Sie
denn die Goldstücke einzeln einsetzen?"
versetzte der Marquis lächelnd. ,
Nein, ich wage Alle? auf einmal -
sonst verrinnt die Zeit und der Bank
Halter schließt daS heutige Spiel. Sei
netwegen wollte ich nur die Rollen
öffnen"
Unnöthig! Ich bürge dem Ritt
meister mit meinem Wort für die Rich
tigkeit der Summen, wenn er sie be
zweifeln sollte,, was aber ebenfalls aus
geschloffen ist."
Eine allgemeine Erregung ergriff
. die Spieler, als Hollenbach sich wieder
näherte und dreitausend Mark auf die
nächste Karte setzte. Nur der Bank
Halter hob mit gleichgültiger Miene ab.
König!"
Die Umstehenden athmeten auf und
Hallendach wagte Hoffnung zu schöpfen.
Der Rittmeister schlug seine Karte um.
Aß!"
- Dem Leutnant schwanden die Sinne.
Er wäre hingesunken, wenn der Mar
quis ihn nicht gehalten und wiederum
in daS Lesezimmer geführt hätte.
Fassen Sie Muth, mein lieber
Freund! Ihre Lage ist nicht so ver
zweifelt, wie Sie glauben."
Dreitausend Mark! Ich weiß nicht,
wie ich Ihnen diese Summe erstatten
soll, MarquiZ. ES ist ' eine Ehren
schuld, die ich in 24 Stunden tilgen
muß. Ich kann in dieser Zeit nicht
einmal 100 Mark auftreiben."
Halten Sie mich für einen dieser
vornehmen Halsabschneider, bester
Freund die einen armen Kerl einer
lumpigen kleinen Forderung wegen
ruiniren? Daran ist mir wahrhaftig
nichts gelegen. Ich bin zufrieden.
wenn Sie mir die kleine Summe in
monatlichen Raten, etwa zu je 150
Mark be,ablen. öieö haben Sie den
ersten Schuldschein. Wenn Sie mit!
rx'ir.m ?srsHZaz eir.ve:s!ZJden finb,
so schreiben Bit diese Verpflichtung
hinzu."
Eine bal!e Stunde später stand
Leutnant v. Hollendaä, in seinem Zini
mtx v?? dem Pistolentzften. nahm ein:
der kleme:i Wzfien heraus und lud sie
sorgfältig. Tann legte er sie auf dcn
Tisch, während er selbst aus das Soa
sank und grübelte.
Nein, eS blieb ihm nichts anderes
übrig. Sein Vermögen war dahin;
und nun war er noch die Verpflichtung
eingegangen, monatlich 150 Mark zu
zahlen. 60 Mark mehr als seine Leut
nantsgage betrug.
Er hätte den Abschied nehmen müssen
und
Nein. eZ bleibt nichts übrig, als die
Vistole."
Tann ließ er fein bisheriges Leben
an sich vorüberziehen. Er dachte an
feine alte Mutter, die von einer kargen
Majorspension lebte, und er dachte an
feine ältere Schwester, die einen ein
fachen bürgerlichen Buchhändler in Ber
lin geheirathet und mit der er sich öes
halb völlig entzweit hatte. Die Hollen,
bachs waren alten Adels, darauf war
er von jeher stolz gewesen. Jetzt, da er
vom Leben scheiden wollte, schlich sich
eine leise Reue in sein Herz. Wie gern
hätte er sich mit der Schwester versöhnt.
deren treue Liebe er im Grunde d.'S
Herzens erwiderte.
Aber da trat sie ja in fein Zimmer,
Sie brachte ihm einen Geburtstags
tuchen. mit Lichtern besteckt, wie in der
Kinderzeit, und dann kam auch sein
alter Vater herein, der schon längst im
Grabe ruhte ....
Nein. daS träume er alles! Er war
in einen tiefen Schlaf gesunken.
Als er erwachte, schien die Sonne
hell in'S Zimmer. Auf dem Tische
stand der Kaffee, und nebenan in der
Kammer hörte er den Burschen hann
ren. Die Pistole lag friedlich neben
der Zeitung.
Der braune Trank that ihm wohl,
Dann griff er nach der Zeitung. Wie
die Welt nach seinem Tode aussieht,
das wollte er jetzt erfahren, denn
eigentlich betrachtete er sich bereits als
todt.
Plötzlich sprang er auf. Täuschten ihn
seine Augen nicht? Nein, da stand es
ganz deutlich: Die Polizei in der Spiel
Hölle." und dann war geschildert, wie
die Polizei in den Klub eindrang, in
denselben Klub, in dem er gestern sein
Vermögen verloren hatte.
Leider," hieß eS am Schlüsse des
Artikels, kam die heilige Hermandad
zu spät und konnte nur einige Spieler
aus den vornehmen Kreisen feststellen,
die über den Verdacht, gewerbliche
pieler zu sein, erhaben sind. Die
Hauptschuldigen, auf welche die Poli
zei hauptsächlich fahndete, hatten sich,
vielleicht infolge einer düsteren Ahnung,
aus dem Stube, gemacht."
Leutnant von Hollenbach athmete
schwer. Es gab also doch noch etwas
Schlimmeres, als Verlust des Vermö
gens und Schulden: der Verlust der
bürgerlichen Ehre. Hätte er nicht so
schnell alles verloren, hätte er am ver
gangenen Abend sogar gewonnen, er
wäre vielleicht wegen gewerbsmäßigen
Glückspiels verhaftet, er wäre vom Mili
tür mit schlichtem Abschied entlassen
worden.
Draußen grünte und blühte alles.
überfluthct vom goldenen Sonnenschein.
Cy nein, noch war eS nicht nöthig.
von diesem schönen Leben zu scheiden.
Man muß sich nur selbst überwinden,
sich selbst und die kleinlichen Grillen
und Vortheile, die eine in engen
Schrauben gehaltene Konvenienz dem
freien Menschengeist gezogen hat.
Er setzte sich nieder und schrieb drei
Briefe, keine Abschiedsbriefe, wie er
anfangs wollte: einen an den Regi
mentskommandeur, den er um den
Abschied hat, einen zweiten an die
Schwester, der er wahrheitsgetreu feine
Lage auseinandersetzte.
Den Abschied erhielt er. Die Schwe
ster antwortete ihm liebevoll, er möge
nun, sobald er den bunten Rock aus
gezogen habe, nach Berlin kommen.
Ihr Gatte beabsichtige eine militärische
Zeitschrift herauszugeben, deren Redak
tion er gern dem Schwager übertragen
wolle. Zwar könne er freilich nur ein
Monatsgehalt von 250 Mark zahlen,
aber sobald die Zeitschrift Eingang
sinde, würde die Zulage nicht ausblei
den.
Wer war glücklicher als unser Leut-
nant.
Er trat die angebotene Stellung an.
fand sich bald in seinem bürgerlichen
Berufskreise zurecht, sandte von seinem
Gehalt monatlich 150 Mark an den
Marquis Rovedo, der übrigens oft den
Aufenthalt wechselte und außer einer
Mittheilung seiner neuen Adresse, nichts
von sich hören ließ, und lebte von den
übrigen hundert Mark einfach, aber bei
feinen jetzt sehr bescheidenen Ansprüchen
angenehm genng.
Ein Jahr war vergangen, als Leut
nant a. D. von Hollenbach das neuein
gerichtete Kriminalmuseum im Berliner
Polizeigebäude besuchte, um in seiner
Zeitschrift darüber einen Bericht bnn
gen zu können. Mit großer Zuvor
kommenheit erklärte ihm der Beamte
die einzelnen Instrumente und erzählte
ihm Fälle, in denen sie zur Anwendung
gekommen waren.
An einen Tl a tretend, nahm vollen
bach eine kurze Bleiftange in die Hand.
sie mechanisch betrachtend.
Auch ein interefsanteS Andenken,"
sagte der Beamte hinzutretend, diese
Blcistangen wurden Falschspielern ad
genommkm. Sie waren einzeln in
Papiere gewickelt und trugen die Auf
schritt: 1000 Mark in Gold. Es waren
zwei Komplizen. Der eine, der sich
MarquiS Rovedo nannte, borgte die
Rollen jungen unerfahrenen Leuten,
denen er sie als Golörollen aufschwatzte,
und sein Genosse, der Rittmeister, nahm
sie als Bankhalter in Zahlung und ließ
mit Hülfe feiner Kartenkunststücke die
armen Gimpel verlieren, aber Sie sind
ta ganz blak geworden Herr "
' Schmer fielen die Bleiftücke auf den
Tisch nieder.
Befand sich der Marquis Rovedo
nicht zuletzt in Monte Carlo?"
Zuletzt, ja. d. h. bevor er hierher
nach Berlin reiste. Vor einigen Tagen
fielen die beiden Gauner nns in die
Hände. Jetzt sitzen sie in der VLniex
fuchungshaft."
Mit sehr gemischten Gefühlen ging
der frühere Leutnant nach Hause, voller
Bitterkeit darüber, daß ein paar Schur
ken ihn um Vermögen und Karriere
brachten, voller Aerger darüber, daß er
nun bereits seit einem Jahre den größ
ten Theil seines EehalteS einem toter
nationalen Falschspieler sandte, und
endlich voller Genugthuung, daß er
wenigsten? den Rest der Summe nicht
zu zahlen brauchte.
in Unglückstag.
Humoreske von E. M.
0 bedeutungsvoller Tag! Heute
mußte sich es entscheiden, ob eS mir
vergönnt war. das schönste Mädchen
der Welt heimzuführen, oder ob ich der
Unglücklichste aller Sterblichen werden
sollte. Immer wieder stiegen mir Zwei
sei auf am Erfolge meiner Werbung.
denn darum handelte eS sich. Wie
würde mich wohl der gestrenge Herr
Papa aufnehmen? Mochte ihm meine
äußere Erscheinung auch ja, für meine
Erscheinung hatte ich allerdings ge
sorgt; noch nie hatte ich mir soviel
Mühe für meine Toilette gegeben, wie
heute. Wohlgefällig ließ ich meine
Augen über den tadellos sitzenden,
neuen, grünen Anzug gleiten, und
man verzeihe mir meine Eitelkeit
besonders stolz war ich auf den elegan
ten, modernen Cylinder, sodaß ich
mich in einem fort auf dem Stuhle
herumdrehte, um nach der Angströhre
dort am Nagel einen verliebten Blick
hluüberzuwcrfen.
Himmel! Noch eine volle Stunde blS
zum Abgange des Zuges! So lange
sollte ich noch m dem rauchigen, von
Menschen gefüllten Wartesaal des
Bahnhofs N. zubringen? Na, ich trö
stete mich damit, daß ich ja heute meine
geliebte Agathe mir erringen sollte
auf ewig wenn das Schicksal mit
gnädig sein würde! Das war s ja,
mein verwünschtes Pech, was mir Kopf
schmerzen verursachte, wenn ich nun
Herrn Zippel, ihrem Vater, der mich
auf heute nach A. in den blauen Affen"
bestellt hatte, nicht gefallen sollte.
Sie verzeihen, mein Herr, hier ist
wohl noch Platz?" redete mich eben ein
älterer Herr in höflichem Tone an und
setzte sich zu mir an den Tisch.
Mittlerweile hatte ich. froh, einen
Unterhalter gefunden zu haben, mit
ihm ein Gespräch angeknüpft, worauf
er auch gern eingegangen war. Wir
sprachen von allerlei unwesentlichen,
dafür aber recht nebensächlichen Dingen,
über die Bestrebungen der Heilsarmee,
den Bau einer Lokomotive, die Vorzüg
lichkeit der schwedischen Streichhölzer,
und von ihnen kamen wir, wie es ja
ganz natürlich war, auf das Rauchen
zu sprechen. Mein Gegenüber spann
den angeknüpften Faden fort und sagte:
Sjas i t ja das Uebel an der heun
gen Cigarrenfabrikation, daß man keine
Cigarre herstellt, die von Nikotin befreit
ist. Wenn man eine Cigarre mit
wirklichem Behagen rauchen will, so
darf man sie nur bis zur Mitte rau
chen, denn dann kommt das Nikotin
zur Geltung, .das Einem den weiteren
Genuß vergällt.".
Dabei führte er einen Cigarrenstum-
mel an den Mund, that einen kräfti
gen Zug, . und die kostbare Grimasse.
welche er dabei schnitt, gab einen be
redten Beweis für die Wahrheit seiner
letzten Worte.
Ich glaube, Sie irren, wendete ich
ein, wenn Sie behaupten, es gäbe keine
Cigarre ohne Nikotin. Hier habe ich
z. B. eine vortreffliche Cigarre, in wel
cher keine Spur von Nikotin zu merken
i t. Dürste ich Ihnen vielleicht eine an
bieten?"
Nun gut! Nehme sie dankend an.
aber nur deßhalb, um Ihnen zu zeigen,
daß auch diese sogenannte nikotinlose
Cigarre nicht frei von diesem Gifte ist."
Er zündete sie sich an, zog ganz be
dächtig den Rauch ein und stieß ih
langsam und prüfend in einigen Wolken
wieder heraus.
Nun? Wie finden Sie die Ci
garre?"
BlS letzt ganz ausgezeichnet, noch
keine Spur von Nikotin! Aber passen
ie auf. es wird nicht lange dauern.
so kommt der Nikotingeschmack."
Er setzte feine Versuche fort, ohne et-
was von dem bitteren Geschmacke zu
merken; als er mein spöttisches Lächeln
bemerkte, entgegnete er in überlegendem
Tone:
Wir wollen sehen, wer recht behält,
ie oder ich, oft kommt'S ganz plöd
lich
Himmel! Die Cigarre ging loS! Ich
Pechvogel hatte ihm in meiner Duselei
! i rta .jh A ,sT ? (Zt
tliit JlUllWl US'UIUUl Yil V1 VV" fc
hatte recht: eS kam ganz plötzlich, aber
nicht der Nikotingcschmack. sondern das
Feuerwerk.
Und was that der unselige Mann'
Bor Schreck war er vom Stuhle aufge
gefahren und hatte dabei mit dem
Ellenbogen den großen Spiegel, vor
dem unser Tisch stand, eingedrückt, so
da er in tausend Splitter zerbrach!
Das war wieder ein Streich, den
m,r mein gewohnheitsmäßiges Pech ge
spielt hatte!
Wüthend schrie mich mein Gegen
über an:
Sie unverschämter Mensch! Wie
können Sie eZ wagen, mir. den Sie gar
nicht kennen, einen solchen Possen zu
spielen: Sie "
Was nützten alle meine Entschul
digungen und Einreden! Ich konnte
sagen waS ich wollte, er hielt mich für
einen ungebildeten, unverschämten
Menschen.
Als ich eine Viertelstunde später im
Coupee saß. fühlte ich mich um 30
Mark leichter meinem neuen Bekann
ten war eine gleiche Summe abhanden
gekommen die der freundliche Wirth
leinen werthen" Gästen als geringe
Entschädigung abgenommen hatte, und
wir hatten sie. um einen Skandal zu
vermeiden, bezahlt guter Anfang für
diesen Tag! Doch ich dachte an meine
Agathe, und die Seligkeit, die mich
überkam bei dem Gedanken, heute sie zu
gewinnen, ließ mich diesen Verlust bald
verschmerzen
Schon ertönte das Abfahrtszeichen.
als noch im letzten Augenblick Jemand
ins Coupee stürzte, jener alte Herr.
mit dem ich auf so fatale Weise Be
kanntschaft gemacht hatte. Aber wie
sah er aus? Die Spiegelscheiben waren
mit seinem Rockärmel in so nahe
Verbindung getreten, daß sie ein
großes Loch am Ellenbogen zurück
gelassen hatten, und feine rechte Hand
war mit Schnittwunden ganz und gar
bedeckt. Als er mich sah, warf er mir
so feindselige Blicke herüber, daß ich
eS vorzog, wie ein Kmd, das einen
dummen Streich begangen hat, ihnen
auszuweichen, und suchte das Peinliche
meiner Lage durch ein Glas edlen
Gerstensaftes zu vergessen, das mir ein
Picolo im letzten Äugenblick vor Ab
gang des ZugeS in den Wagen reichte
Ich stellte das GlaS auf das Brette
chen, das vor dem Coupee-Fenster an
gebracht war. legte meinen Hut auf die
Sitzbank, mit der Krempe nach oben
und lehnte mich zum Fenster hinaus,
um den wüthenden Blicken des alten
Herrn zu entgehen.
Ein gräßlicher Qualm aus der Loko
moiive wälzte sich dicht an dem dahin
sausenden Zuge vorbei, und der Wind
peitschte ihn mir gerade ins Gesicht, so
daß ich mich in einer nichts weniger als
angenehmen Lage befand doch lieber
den Rauch, als die Skorpionenblicke des
Alten.
Da vernahm ich plötzlich ein schallen
des Gelächter im Coupee und drehte mich
herum; doch ich konnte durchaus nichts
bemerken, was auf die Lachmuskeln
reizbar hätte wirken können, fondern sah
nur, wie der Alte mit der zerschundenen
und zerschnittenen Hand ein volles Glas
Bier leerte.
Ich beugte mich also wieder zum
Fenster hinaus, aber als das fauchende
Unacthüm an der Spitze des Zuges
immer größere Wolken von Qualm und
Ruß von sich gab,' zog ich es vor. meine
reine Wüsche in Sicherheit zu bringen
und zog mich zurück, auch um mich an
meinem ?Zier zu laben
Wa war denn das? Mein Bier war
verschwunden, doch das geleerte GlaS
stand auf derselben Stelle, wohin ich es
gesetzt hatte. Ich hatte es nicht getrunken,
sollte es etwa der Alte
Mein Herr, fuhr ich ihn an, indem
ich ihm das leere Glas entgegenhielt.
Er lächelte spöttisch.
Mein Herr! Sie haben vorhin Bier
getrunken!"
Das ist doch meine Sache; und ich
glaube. Sie hätten alle Ursache, mir in
anderer Wese entgegenzukommen. "
Wie? Ihre Sache? Das Bier ge
hörte mir!"
Sind Sie verrückt? Lassen Sie mich
in Ruhe, sonst werde ich noch anders
mit Ihnen reden.
Das war mir nun doch zu viel.
Mein Herr! Sie sind ein unver
schämter Mensch!"
Was! Das wagen Sie mir zu sagen!
Sie Sie grüner Laffe! Sie werden
mir sofort in den Bahnhofspolizeiraum
folgen, wir fahren ja gerade in 31. ein,
dort wird man Ihnen schon den Stand
Punkt klar machen."
Aufs höchste erregt, erklärte ich mich
sofort dazu bereit, griff nach meinem
Hut. der sich, wie mir schien, schwerer
anfühlte als vorher, und setzte ihn auf.
Da war mir's gerade, als stürzte ein
Wasserstrahl von oben herab: eine hell
gefärbte Flüssigkeit lief mir über Gesicht,
Shlips und den neuen Anzug, so daß
die übrigen Herren in ein lautes Ge
lächter ausbrachen.
Da wurde mir's auf einmal klar.
Während ich zum Fenster hinaus sah,
hatte ich aus Versehen das Bierglas
vom Brettchen herabgcstoßen. dessen In
halt sich in den schönen Zylinder ergossen
hatte, und einer der Herren hatte wohl
das GlaS wieder aufgestellt.
Mein Pech hatte mich wieder gräßlich
blamirt. Ich hatte den blauen
Affen" in A. nun glücklich und ohne
weiteren Unfall, abgesehen davon, daß
mein neuer Anzug durch einen plötz
lichen Regen ganz durchweicht war, er;
reicht und saß in meinem Zimmer. Herr
Zippel wur noch nicht da. und mit
größter Ungeduld wartete ich auf ihn.
der mir nun wenigstens einen Lohn für
das Unglück an diesem Tage bringen
sollte.
Es klopfte; der Kellner trat ein und
meldete Herrn Andreas Zippel an. Mit
dem Bescheide, Herr Zippel sel mir höchst
willkommen, verließ dieser wieder daS
Zimmer, und ich eilte nach der Thür,
um meinen lieben Schwiegervater in
spe entgegenzugehen.
Ich riß die Thür auf und prallte
o chreck mit Herrn Zippel. den ich
wegen der Finsterniß auf dem Borsaal
nicht genau erkennen konnte, so stark
zusammen, daß er einige chritte zurück
taumelte.
Jetzt machte der Kellner Licht, und
ich erkannte in Herrn Zippel jenen
alten Herrn, den zu treffen ich heute
schon zweimal die Ehre gehabt hatte
Ich ging auf ihn zu, breitete die Arme
aus und rief:
Lieber Schwiegervater, es sei alleS
vergessen, womit das launische Geschick
uns heute mitgespielt hat "
Sind Sie toll!" rief er hohnlachend
Um meine Tochter wollen Sie freien?
Äle unerfahrener, leichtsinniger Hitz
köpf? Sie werden sie nie und nimmer
bekommen."
' Damit drehte er sich um und ver
schwand.
Wie vernichtet sank ich in einen Stuhl
nieder so hatte ich mir also durch
mein verd Pech sogar die Braut
verscherzt!
Lieber Leser, ich danke dir für das
Mitleid, das ich im Geiste deutlich auS
deinem Gesicht sprechen sehe; doch freue
dich lieber mit mir: Es war mir vev
gönnt, meine liebe Agathe kaum nach
Verlauf eineS Jahres heimzuführen.
und wie daS geschah, werde ich dir ein
anderes Mal berichten.
Wo der Deubel wohnt.
Jan Knuppen han von Krischon Knust
Dree Last Bokweeten koft
Un Knust har bi den Handel op
Komptante Tahlung hofft.
Doch Knuppen fat das anners op.
He har dat Geld to leef.
Knust ward natürlich ärgerlich,
So gung de Sak denn scheef.
Knust hat den Knuppen dree Mal all
En frische Reknung schickt.
Doch Knuppen har noch immer nich
Dat Geld herunner rückt.
Den Knust rcet endlich de Geduld.
He geiht man selber hen
Na Knuppen un stellt em ta Red
Un fragt: Wie ls dat denn,
Wullt Du berappen oder nich.
Ick heff dat Ding nu satt."
Da ward Jan Knuppen denn infam
Un feggt: Ick fleit Di wat!
Scher di to'n Deubel. Neejahrstag
Denn kriegst Du Geld, verfteihst?
Ick smit Di glik to'n Tempel rut.
Wenn nich von selber geihst."
Na so'n Behandlung wor uns Knust
Natürlich splittern dull,
Reup sinen Schuldner grimmig to:
Pak up, Din Mat is vull."
Glik rennt hi na de Stadt herin,
Hen na de Keunigstrat.
Da Nummer dotiern harn s' em fegt,
Da mahn der Herr Afkat.
Ganz fünsch ftigt he de Treppe rop
Bertellt hier kort kleen
Den Herrn de Sak wie't togahn wär.
Seit em dat ut'n een.
Dree Reknung hebt Se also schickt?" j
Fragt nu de Herr Afkat.
Ja." fegt uns Knust, so is det recht.
Dat stimmt ok ganz akrat;
Da veerte heff ick selbst henbrocht,
Dass hüt West" Hm. so. so!"
Brummt der Afkat in sinen Bart.
Wat sä henn dato? "
Scher Di t'on Deubel, hett he fegt!"
Un wat hebt Se do dhan?" ,
Fragt de Afkat. und Jochen fegt::
Do bün ta hierher gahn."
Der artoffelord.
Nur Wenigen dürfte die Thatsache
bekannt fein, daß die Kartoffel, welche
heute als Nahrungsmittel unentbehr
lich ist, einst Veranlassung zur Stif
tung eines Ordens gegeben hat. Dies
geschah im Jahre 1842 durch den Kai
ser Nikolaus I. von Rußland. Derselbe
wußte kein wirksameres Förderungs
mitte! für die Verbreitung der Kartof
sein, als daß er jedem seiner Unter
thanen, welcher den Kartosselbau mit
Auszeichnung betrieb, eine besonders
hierzu geprägte goldene oder silberne
Medaille gab, welche man Kartoffel
orden nannte.
Gewohnheitsmäßig.
Theaterdiener (einen Operngucker
anbietend): Vielleicht ein Glas ge
fällig."
Herr istudent): Jawohl, geben
Sie mir Kulmbacher!"
Grob.
Bürgerwehr Hauptmann: Halt!
Laßt die Hammel vorbei. Müller, ge
rathen Sie mir bei Leibe nicht unter
die Hammel, sonst findet man Sie nicht
wieder 'raus."
Alles Mögliche.
.Ihre Frau scheint außerordentlich
wirthschaftlich zu sein."
Na. ich sage Ihnen, letzt hat he ich
ogar ihr Klavier in die Küche stellen
lassen."
Aufrichtig.
Steuererekutor: Ist Dein Papa
wirklich nicht zu Hause?"
Der kleine HauS: Nein, sie können
in allen Schränken nachsehen!"
leine, M'ßpttftändnitz.
T Arzt (am Krankenbette): .Kein
Auge baden Sie diese Nacht zu
gethan?.... Na. morgen werden Sie
besser schlafen!"
Der Patient: Ach. Herr Toktor.
wollten Sie wirklich.... die Miethe
für mich bezahlen? !"
Ohrenschmaus
A: .Besuch mich doch morgen Mit
tag zum Essen. eS giebt zweifachen
Ohrenschmaus."
B: Was heißt zweifachen Ohren
schmaus?"
A: ES giebt Schweinsohren mit
Sauerkraut und dazu lasse ich meine
neue Spieldose spielen."
ln Linanz'Genie.
Mutter (bei ihrer verheiratbeten
Tochter): Aber für achtzig TollarS ein
Kleid zu kaufen, das geht doch weit
über Eure Verhältnisse da Hütte
eins um die Hälfte genügt!"
Tochter: Allerdings aber die
vierzig Dollars hätten wir ja ebenso
wenig gehabt!"
Der ahnungsvolle Mime.
Ach. entschuldigen Sie. haben Sie
vielleicht ein paar verdorbene Eier auf
Lager?"
Bebau sehr, alle faulen Eier sind
heute früh von dem Hofschauspicler
Schwimmgürtel, der heute sein Benefiz
hat, aufgekauft worden."
Gegenseitige LnttZuschung.
Schwiegervater: Als ich Dir die
Hand meiner Tochter gegeben, da dacht'
ich nicht, daß Du ganz und gar von
mir abhängen würdest."
Schwiegersohn: Ja, ich hoffte auch.
Du würdest unS so viel geben, daß wir
selbstständig leben könnten!"
Zu wörtlich genommen,
Arzt: So. da haben Sie daS Re
zept! Lassen Sie das Medikament in
der Apotheke machen und nehmen Sie
Abends vor dem Schlafengehen einen
Eßlöffel Medizin mit vier Eßlöffeln
Wasser!"
Michel :Dö3 geht aba schwer, Herr
Doktor mir hob'n z' Haus nur drei
Eßlöffel!"
Zurückgeworfener llellnerwitz.
Journalist: Hören Sie mal, Kell
ner, die Ente, die Sie mir da vorgesetzt
haben, ist aber aufgewärmt!"
Kellner: Nun, daS kommt in Ihrem
Blatt doch auch mal vor, Herr Doktor!"
Journalist: Mag sem. Ich habe
aber von Ihnen keinen Kohl dazu ver
langt!!"
Bildung.
Wirklich, mein Verehrte, am Nord
Pol ist vierzig Tage lang ununter
brachen Nacht!"
Ach, die armen Nachtwächter!"
Trostreich.
Leutnant: Johann, Sie putzen
wohl gar das Weinglas mit meinem
Taschentuch?"
Bursche: Nee, Herr Leutnant, eS is
ja meins!"
Schrecklich.
Im voriaen abre war die ihe in
Afrika so groß, daß die Strauße keine
Jungen ausbrüten konnten, weil die
Eier im beißen Wüstensande sofort bart
kochten.
Naheliegend.
Erster Herr: Was denken Sie. in
Paris haben sogar die Bettler ihren
Club."
Zweiter Herr: So? Das heißt, das
ist jedenfalls ein Fechtklub!" .
Ach so!
Wie stellten Sie eS nur an. daß
Sie von den Wilden nicht als Weißer
erkannt wurden?"
Afrikareisender: Ich bm als Schont
stein feger gegangen."
Erklärt.
Was Sie sagen! Der Buchhalter
Schnaufert heirathet eine im Fern
sprecheramt angestellte Dame? wie
ist er denn zu der gekommen?"
Sie haben sich halt am Telephon
zusammengeschwatzt."
Auch eine lyochzeitsreise.
Sie haben wohl gar keine Hochzeits
reise gemacht, Frau Doktorin?"
Jungvermählte Aerztin: Gewisser
maßen doch. Wenn ich meine Kranken
besuche machte, hat mich mein Mann in
meinem Motorwagen stets begleitet."
Vlassisiirung.
Der Adjutant auf dem Exerzierplatz
(die bevorstehende Ankunft des Kom
mandirenden meldend): Ich bitte mir
aus, Kerls, daß Ihr beim Hurrah
tüchtig das Maul aufreißt. Die
Herren Offiziere den Mund, wenn ich
bitten darf!"
Faule Ausrede,
Lehrer: So, Müller, Du hast Dich
also fchon wieder mit einem Jungen
geprügelt, und doch habe ich Euck, erst
kürzlich jegliche Rache verboten, ja. Euch
gesagt, wenn Euch Jemand auf die
rechte Wange schlägt, anstatt ihn wie
der zu schlagen, ihm auch die linke hin
zuhalten."
Schüler (schluchzend): a. 5err
Kantor. Schulz hat mich ja aber aus
die Nase geschlagen; ich habe aber doch
liiqi zwei viam.