Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, June 21, 1900, Image 11

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    SßflL. tL . A. 4..
. J.
Kellner Fritz.
Gin zriltr Vtliaus'ikllungz Humoreske
von
Wli Airfififrlh
Taverno alk-mande" ftand auf
dem WirthShauSschild ein Pariser
Nkbcnftraße, und daruntkr: .Nur
dkutlchk Bedienung.' iTaS Innere, ein
einziger großer Raum, dessen Einför
migteit durch kleine Wandnischen, in
denen gerade ein Tisch Platz hatte,
unterbrochen wurde, war ganz gemüth
lich und anheimelnd.
ES war noch in früher Morgenstunde,
und die beiden Kellner. Jean und
Friß, saßen an einem Zische neben dem
Büffet, mit dem Putzen der Gläser be
schüftiat.
.Heute wird eS wieder ein heißer
Zaz werden." sagte Fritz, ein blonder
junger Mann mit hübschen und feinen
Gesichtsziigen.
Sein Gefährte verstand ihn und
lächelte.
.Um so mehr Trinkgelder wird eS
regnen." entgegnete er. Gestern
ließ sich der Besuch schon recht schön an.
Kein Wunder, in voriger Woche haben
die schulfcrien in Teutfchland begoiv
neu."
.Ta können wir unS darauf gefaßt
machen, tagüber kaum eine Minute
zum Sitzen zu gelangen." seufzte Fritz.
,.TaS lft tut einen rechten Kellner ge
rade das Wahre. Aber in Ihnen
müßte ich mich sehr täuschen. Kollege
Fritz, wenn Sie in unserem Fache nicht
ein ganz Grüner sind. Sie baden wohl
bessere Tage gesehen?"
ff ritz zögerte eine Weile, aber schließ
lich wir eö ihm doch ein Bedürfniß,
jemandem sein Herz ausschütten zu
können.
.Jawohl, daS habe ich. und wenn ich
nicht solch ein Tummkopf gewesen wäre,
dann könnte ich heute"
Er brach ab und putzte sein Glas so
gewaltsam, als hätte er sich vorgenom
men. einen für unvertilgbar gehaltenen
Fleck herauszukriegen.
.Mein Vormund, Herr Teller." fuhr
er fort, hat in Berlin einen Porzellan
laden, ein gutgehendes Geschäft. Ich
war bei ihm als Gehülfe angestellt und
verlebte die schönsten Tage, denn Sie
müssen wissen, Jean, mein Vormund
hatte auch eine Tochier, und Frida und
ich waren ganz miteinander einig. Ta
muß mich denn der Böse plagen, daß
ich schlankweg bei dem Alten um Fridas
Hand anhalte."
.Aha. da warf er Sie hinaus?"
O nein, im Grunde hatte er nichts
gegen die Partie, nur möchte er feine
Tochter gern fo lange wie möglich zu
Haufe behalten, denn feine Frau lebt
schon seit zehn Jahren nicht mehr. Er
erwiderte mir also, gegen meine Per
son an sich hätte er nichts einzuwenden,
aber ich hätte doch noch zu wenig gezeigt,
was ich in der Welt leisten könne. TaS
könnte ich freilich in seinem Porzellan
Laden nicht zeigen, antwortete ich. und
da ich gehört hatte, da? deutsche Rci
sende in Paris gesucht und hoch bezahlt
würden, so entschloß ich mich kurzmeg
zur Reise nach Paris und ließ alle Ein
wände meines Vormundes und selbst
Frida'S Thränen unbeachtet. Aber
meine Hoffnungen erfüllten sich in
Paris ganz und gar nicht. Eine Stel
lung, wie ich ste träumte, war trotz
aller Bemühungen nicht zu finden, und
als meine Ersparnisse zu Ende waren,
mußte ich mich, um nicht zu vcrhun
gern, mit einer Stelle als Kellner be
gnügen."
Jean wollte gegen den letzten Satz,
der ihm als eine Herabsetzung deS Kell
ncrftandes erschien, entschiedenen Ein
wand erheben, aber bereits erschienen
die ersten Gäste, zu deren Bedienung er
sich erhob.
Es wurde wirklich ein heißer Tag und
zwar im doppelten Sinne. Fritz er
schien es. als hätten sich alle in Paris
anwesenden Teutschen verabredet, sich
in der Taverne allemande" ein
Stelldichein zu geben. Der Schmeiß
lief ihm von der Stirne, und selbst die
reichlichen Trinkgelder gewährten ihm
kcine Befriedigung, da er jedesmal,
wenn er ein solches erhielt, eine ge
wisse Beschämung nicht loswerden
konnte.
Plötzlich er hielt gerade drei Glas
Bier in der Hand, die er drei an einem
Tische sitzenden Herren bringen wollte
taumelte er zurück, als wäre ein Ge
fpenft vor ihm erschienen. In der neben
der Eingangsthüre befindlichen Nische
saßen Vater Teller, sein Vormund, und
seine Tochter Frida. Die Letztere
hatte sich in eine französische Zeitung
vertieft, während der alte Teller auf
den Tisch klopfte und nach der Bedie
nung rief.
Fritz schauderte. Die beiden saßen
gerade mitten in seinem Revier, und
seine ausdrückliche Pflicht war eS, sie zu
bedienen.
Einen Augenblick dachte er daran,
alles im Stiche zu lassen und sortzu
laufen. , Aber feine jetzige Stellung
war so gut und einträglich, und viel
leichtZbegnügte sich der alteTeller damit,
ein Glas Bier zu trinken und dann auf
Nimmerwiedersehen zu verschwinden.
Der Hauptgrund aber, der ihn zurück
hielt, und den er sich selbst nicht ringe
stehen wollte, war die Hoffnung, auf
irgend eine Weise Frida sprechen zu
können, natürlich ohne ihr seine jetzige
Stellung zu verrathen.
Er entschloß sich endlich den Herren
daS bestellte Bier zu bringen, und er
manövrirte so, daß er diesen beiden be
ständig den Rücken zuwandte.
.Heda, Fritz!" rief ihm Jeanj am
Büffet zu. .wc-hald bedienen Sie
denn den alten Herrn in der Nische
nicht l Der macht ja mit seinem
Wer m llntcrliik rintn f iir.4ifrli.4it
- " I" WtMft.IUfVI
Skandal."
.Jean, den müssen Sie bedienen.
wenn Sie mir das Leben retten wollen,"
flüsterte Fritz aufgeregt, .das ist näm
ich mein Pormund mit feiner Tochter.
und ich sterbe lieber, als daß ich die
en deltken als Kellner vor die Augen
trete."
Meinetwegen übernehme ich ihn."
brummte Jean, .hoffentlich giebt er ein
gutes Trinkgeld."
Was ist das denn hier für eine
Wirthschaft!" schalt Vater Teller, als
Jean ihm endlich das bestellte Bier
brachte, .ich habe schon seit einer hal
den Stunde geklopft, und der andere
Kellner dort that, als höre er nichts
er ist wohl taub?"
Nicht gerade taub, aber doch sehr
schwerhörig, mein Herr," antwortete
Jean höflich.
eignet er sich ia treniich zu
feinem Berufe. Aber sagen Sie mir
nur, weshalb der Mensch immer ruck
würtS geht."
Mein Herr, die Ursache ist eine tehr
traurige. Sein Onkel ist nämlich am
Krebs gestorben und da mein Kollege
infolgedeffen die Krankheit sehr fürchtet,
geht er auf den Rath eines Naturarztes
immer rückwärts, weil dies das beste
vorbeugende Mittel sein soll."
Höchst wunderbar! Ich möchte mir
dieS Weltwunder näher ansehen, muß
aber gerade heute meinen Kneifer ver
gessen haben."
.Ich werde mal am Büffet nach
fragen, ob hier Kneifer zu verleihen
sind. " sagte der immer höfliche Jean und
entfernte sich schleunigst, da die Gäste
nach ihm verlangten.
.Du Frida," wandte sich der alte
Teller nun an seine Tochter, .ich weiß
nicht, an wen mich der merkwürdige
Kellner dort erinnert "
Einen Augenblick, Papa, ich lese
eben einen so interessanten Bericht von
der Ausstellung "
.Laß doch, das werden wir ja alleS
selbst sehen. Aber hier kannst Tu einen
intereffanten Menschen beobachten, einen
schwerhörigen Kellner, der immer rück
würtS geht, weil fein Onkel am KredS
gestorben ist. Sieh nur. jetzt hält er sich
das Taschentuch vor 3 Gesicht, gewiß
hat er Nasenbluten bekommen der
Mensch ist ja das wandelnde Lazareth
Den muß ich mir in der Nähe ansehen.
und wenn da gleich "
Er erhob sich, und Frida unter at
waltigem Herzklopfen ebenfalls. Trotz
des vorgehaltenen Taschentuchs hatte sie
Fritz sofort zu erkennen geglaubt und
wollte sich um jeden Preis von der Rlch
tigkeit ihrer Vermuthung überzeugen
In höchster Angst sah Fritz die beiden
auf sich zukommen. Er hoffte noch
immer, daß diese Bewegung nur eine
zufällige sei, und daß ste vielleicht nur
einen andern Platz suchten. Als aber
der alte Herr gerade auf ihn zuschritt.
ließ er einen Teller, auf dem sich ein
Butterbrod befand, zur Erde fallen.
und im angeblichen Eifer, die einzelnen
Stücke- des zerbrochenen Tellers aufzu
lesen, schoß er wie ein Pfeil unter den
nächsten Tisch und stieß mit denf Kopfe
gegen das Bein einer korpulenten alten
Dame, welche aufspringend schrie, als
sei ihr Leben in Gefahr.
Em 'Tumult entstand. Die Gäste
drängten sich um die Unqlücksstelle,
und der Wirth des Lokals konnte sich
nur mit Mühe in den Vordergrund
drängen.
Sie begehen ja heute eine Unge
schicklichkeit nach der anderen. Fritz
schrie er diesen an. Was thun Sie
denn da eigentlich unter dem Tisch?
Jetzt stecken Sie ja schon lange genug
bort unten.
Er hat mich insultirt," schluchzte die
korpulente alte Dame dazwischen.
Ich habe Zahnschmerzen," wimmerte
Fritz unter dem Tisch hervor.
Jetzt hat er auch noch Zahnschmer
zen," meldete der alte Teller seiner
Tochter in einem Tone, als ob etwas
von ihm mit Bestimmtheit Erwartetes
nun wirklich eingetroffen sei.
Vater, das ist ja Fritz, unser Fritz,"
flüsterte sie, und dem Alten ging sofort
ein ganzer Seifensieder auf.
Ohne Umstände ergriff er den jetzt
ganz resignirtcn Fritz am Kragen und
zog ihn unter dem Tische hervor.
'Der alte Herr Teller entwickelte jcht
überhaupt eine wunderbare Energie,
die rasch zum Ziele führte. Er ent
schädigte den Wirth dafür, daß er seinen
Kellner auf der Stelle freigab und
sprach dem tiefgebeugten Fritz mit
Frida'S Hilfe fo lange Muth zu, bis
dieser endlich einsah, daß er sich keiner
ehrlichen Arbeit zu schämen habe.
Keine Kellner-Laufdahn endete je
fröhlicher. Sechs Wochen lang amü
sirte sich Fritz auf der Weltausstellung
in Gesellschaft Frida's, um dann wie
der als ihr erklärter Bräutigam in
dem Berliner Porzellan-Geschäft zu er
scheinen.
Gegenwärtig ist Fritz verheirathet
und glücklicher Inhaber dieses Geschäfts.
In den Wirthshäusern seiner Um
gebung ist er bei allen Kellnern der be
liebteste Gast, denn niemand giebt fo
reichliche Trinkgelder als er.
Auch ein Stolz.
Und sehen Sie. Frau Nachbarin,
hier ist unser Schlafzimmer! Ich. mein
Mann und meine acht Kinder schlafen
in Betten, die mit Fed-rn von selber
gegefflnen Gänsen gefüllt sind!"
2lllerband senke.
Residenz of John Ritsch.
Esa..
Größer Neu York.
Mister Editer!
Nämlich von wege die Leit. Mit
dene iZ eZ merklich wag Schreckliches.
Namentlich die WeibZlcit. Awwer die
Mannsleit erst recht.
Hawwe Sie schun emol genohtißt.
Mister Editer. was eZ for different
emdS vun aller
Hand Sorte verschie
dene Leit gebt, wo
immer wieder Jeder
annerscht Z, wie der
Annere?
Ta brauche Sie
nämlich nor emol in
e Strietcar ze steige
oder Sie könne es
iven uff der ebene
Gaß, wann Sie beim
Fuß walke, nohtisse.
EspescheUi awwer in
der Ear.
Mci Teiägnosis
nämlich iZ, daß die
meiste annere Leit ezsept mcinselbft der
rückt, crän, ab vun ihrer Tralli, net
recht bei Trost, meschugge un närrisch
sin oder da sie unn in erqend erer
Männer un Form vun Jnsäniti ge
strocke sein, wo dorch ihr geistige Ffr
kulties unbälänzt worn jern.
Am beste kann wer des merke an der
Art. wie die Leit sich bihäve. Ta iS
for Jnstenz die infoltirte Lädy. Tie
könne Sie in einiger Car finde. Sie
könne sie awwer aach uff der Straß
miete. Tie macht nämlich immer i
Gesicht, als wann sie forchtbar drüw
wer infoltcd wär, daß annere Leit aach
uff der Welt fein. Wann Jhne die m
folted Lädy anguckt, da fühle Sie im
wer. als wann Sie ergend en Exkjus
derfor vorbringe müßte, daß Sie sich
erlaubt hawwe. geborn zc sein. Mer
is schun immer froh, wann die Lädy
ihrer Entrüstung un lhr'm Zorn tiffl
wer die Existenz vun annere Mensche
net Erpreschen giebt. Tann, daß des
net gut ausfalle thät, des kann mer an
dem böse Gesicht vun der Lädy sehe.
Bei Mannsleit gebt es dieselbige Art
vun Mensche in nämlichem Geschlecht.
blos daß man in dem Fall der Sach
abhelfe kann, bei daß mer in der höf
liebste Weis sägt, wann er net aaat
blicklich uffhöre thät, so e unverschämt
saudummes Gesicht ze schneide, thät
mer em des Face schmäsche.
Dann is da die vorwurfsvolle Lädy
mit dem riproachvolle Face. Tie macht
immer e Gesicht, als wann der. wo
grad bei Aeckzident sie for en Aageblick
aguckt, ihre Frau Mutter umgebracht
hätt un sie könnt s ihm zwar verzeihe.
awwer net vergesse.
Dann könne Sie in jeder Car de
sarkäftick Gentleman mit dem spöttische
Lächle sinne. Wann der Jhne aguckt,
Mister Editer, da denke ie immer,
Sie hätte grad ebe e fürchterliche
Dummheit'gemacht oder es wär ergend
was an Jhrm Anzug aus of Ordnung
un llwwerhaupt kriege Sie des Gefühl,
daß Sie selwer forchtbar unbedeitend
sein, während daß der sarkäftick Gentle
man e Höll vun eme Feller is, wo zehn
mal so schmort is, wie die Bälänz vun
die Paffenoschers zesammegenomme.
Tann is der wohlwollende Gentle
män in der Car. Der gebt Jhne de
ganze Weg gute Aedmeis nn sägt Jhne,
wie mer sitze un wie mer gehn un stehn
muß un wie mer am beste liegt, wann
mer hifällt.
Ammer beseits die äbov mentschent
is in der Car aach noch der konstänt
Reader" oder, wie er in die deutsch
Päpers heißt, der treue Leser ze sinne.
Der Hot nämlich nie kei Papier bei sich,
sonnern lest immer in dem Papier vun
seim Nachbar mit. Wann mer nebe so
erer Art vun Mann sitzt (es gebt aach
Weibsleit vun dcrselbige Art), da muß
mer sehr careful sei. Nämlich wann
mer ze früh umblättert, eh daß der
konstant Reader die letzte Calumn bis
ganz erunner gelese Hot, da werd der
treue Leser sehr bös un mer riskirt sehr
bissige Rimarks.
Des sein noch lang net all die Chä
räkters, wo mer in der Strietcar sinne
kann. Wann Sie emol selwer druff
uffpaffe wolle, da wem Sie merke, daß
es noch viel ekelhaftere Keinds vun
Picpels un Leit un Mensche gebt.
Von Jhne desselbe hoffend, fein Ich
einstweile so lang
Mit RigardS
Yours
John Ritsch. Esq.
Blücher' militärisches Glaubens
Bckenntnisz.
Der alte Feldmarschall Blücher,
ohne Zweifel der volkstümlichste Held
der Befreiungs-Kriege, war mit vielen
Heereseinrichtungen, die am Anfang
dieses Jahrhunderts in der preußischen
Armee bestanden, nicht zufrieden.
Namentlich mißfiel ihm das Kanton
Wesen. Vor den Rekruten, die das
Oderkncgskollegium zu Berlin dem
rothen Husaren-Regiment, dessen Chef
Blücher war, schickte, hatte er eine, wie
er selbst sagte, tödtlichc Aversion".
Zu Anfang des Jahres 1805 ließ
Blücher, der damals den Rang eines
General Leutnants bekleidete, unter
dem Titel Gedanken über die Formi-
rung einer preußlichen 'national
Armee" eine Abhandlung erscheinen, in
der er für die allgemeine Wehrpflicht,
Verkürzung der Dienstzeit, Erhöhung
des SoldeS und eine beffere Behand
&tj
ani der Soldaten eintrat. Tie letz
tcre hatte er übrigens schon langst bei
feinem eigenen Husaren-Rcgimente ein
geführt, und zu dem Zwecke auch den
Unterosntieren die Führung deS tonst
noch in der preußischen Armee üblichen
stocke? verboten.
Blücher'S Reform-Vorschläae fanden
freilich ebenso wenig wie die von Knefe
deck. Courbiere und Anderen bei der
hohen Militär . Behörde Beachtung.
TieS hielt Blücher aber nicht ab. bei
geeigneter Gelegenheit feine alten
Pläne wieder aufzunehmen. Der gün
ftige Zeitpunkt hierfür schien ihm ge
kommen zu sein, als im Jahre 1807
ein Freund, der General Gneisen,
zur Theilnahme an der Berathung über
die, in Ausficht genommene Armee
Organisation nach Memel berufen
wurde. Gnejkenau hatte dem alten
Waffengesährten dies brieflich mit
getheilt, und Blücher schrieb ihm darauf
am i. August 1807 Folgendes:
Gehen Sie hin, von meinen besten
Wünschen begleitet! Ich ahne, wozu
ie bestimmt sind, und freue mich dar
über. Grüßen Sie meinen Freund
Scharnhorst und sagen Sie ihm, daß
ich es ihm an's Herz lege, für eine
National'Armee zu sorgen! TieseS ist
nicht so schwierig, wie man denkt. Vom
Zollmaß muß man abgehen; Niemand
in der Welt muß erimicrt sein, und eS
muß zur Schande gereichen, wer nicht
gedient hat. es sei denn, daß ihn kör
perliche Gebrechen daran hindern. Tie
einmal wobl dreffirten Soldaten müs
sen zwei Jahre zu HauS bleiben und
das dritte eintreten; dann ist daS Land
foulagirt (erleichtert), und es fehlt uns
nicht an Leuten. ES ist auch eine Ern
bildung. daß ein fertiger Soldat in
zwei Jahren so Alles vergessen hat. daß
er nicht in 8 Tagen wieder brauchbar
wäre; die Franzosen haben unS dieS
anders bewiesen; unsere unnützen
Pedanterien mag der Soldat ganz ver
gessen! Tie Armee muß in Tivisions
eingetheilt werden, die Division muß
von allen Sorten Truppen komponirt
(zusammengesetzt) sein, und im Herbst
miteinander manövriren. Die alliädv
lichen Revues muffen wegfallen. Ta
haben Sie mein Glaubensbekenntniß
Geben' Sie es an Scharnhorst und
schreiben Sie beide Ihre Meinung
Wenn Sie General Port sehen, so grü
ßen Sie ihn!"
Jetzt sind die meisten, ja wohl alle
Forderungen, die Blücher in diesem
Briefe an Gneisenau. den er mit Recht
sein militärisches Glaubensbekenntniß
nennt, in ' dem deutschen Heere vev
wirklicht.
Der elektrische Strom im Bett.
Eine ergötzliche Tragikomödie" ha
sich in einem vornehmen Vororte Berlins
zugetragen. Mit leisen Flügeln hatte
sich die schwarze Nacht auf die fröstelnde
Erde herabgefenkt, und die Bewohner
einer einsamen Villa lagen bereits im
tiefsten Schlummer. Plötzlich fchreckt
der Hausherr auf von dem weichen
Pfühle: Lisa, es klingelt!" Tie
theure Gattin aber erwidert unwirsch
Ach was. laß mich in Ruhe!" und rückt
und rührt sich nicht. Toch eine elek
irische Glocke ist ein gar schlimmes Ding;
es rasselte und knatterte fort und fort
wie ein nie enden wollendes Kleinge
wehrfeuer. TaS Dienstpersonal ver
läßt entsetzt seineLagerstätten und,schaart
sich mit bleichen Gesichtern und angst
verstörten Mienen um den stämmigen
Pförtner, der mit einer wuchtigen
Eisenftange bewaffnet beim flackern
den Schein der Stall-Laterne das Haus
und den Garten vorsichtig absucht nach
den wie er annimmt durch die
Tiebes-Alarmvorrichtung avisirten Ein
brechern. Alles erfolglos! Auch der
Hausherr, der sich klopfenden Herzens
an der Hcke" betheiligt hatte, kehrt
schließlich resignirt in das Schlafzimmer
zurück. Und es klingelt immer noch!
Verzweifelt irrten feine brennenden
Blicke empor zur Zimmerdecke und
treffen zufällig die von oben bis zu dem
Bette feiner Gemahlin sich herabschlän
gelnde Schnur der elektrischen Klingel
lcitung. Ta geht ihm plötzlich eine
Legion von Lichtern auf. Lisa, dreh'
Dich mal um!" schreit er auf. Tie
gnädige Frau dreht sich um. und
siehe da! wie auf ein Zauberwort
verstummt der Ton der nimmermüden
Glocke: Frau Lisa hatte ahnungslos auf
dem Druckknopfe der elektrischen Lei
tungsbirne geschlummert!
Zwangsgerechtigkeit.
Eine seltsamere Zwangsgerechtigkeit
ist vielleicht noch nie beansprucht wor
den als die. welche in der Mitte des
vorigen Jahrhunderts der Wirth Dills
berger zu Käthen im Fuldaschen ver
langte. Da seit geraumer Zeit die Be-
wohner zu Köthen bei Hochzeiten und
Kindstaufen nicht mehr so stark wie frü-
her zechten, fing er wie v. Crame
in seinen Wetzlarischen Nebenstunden"
erzählt einen Prozeß gegen sie an.
worin er aus die Aussagen dreier Zeu
gen beschwor, daß in seiner Wirthschaft
von alters her bei Hochzeiten eine
Mannsperson wenigstens zwei Maß.
eine Weibsperson hingegen eine Maß
Wein, auf Kindtaufen aber ein Mann
eine Matz und ein Weib eine halbe Maß
getrunken hätten. Jetzt sei das anders
geworden, denn die Leute tränken kaum
mehr die Hülste; also sollten sie dazu
angehalten werden, wieder wie früher
zu zechen.
Wirklich erhielt er von der fürstlich
fuldaischen Regierung ein Erkenntniß
folgenden Inhalts:
,Taß TWbcrzer bei feiner durch
Zeugen bewiesenen PoWiion deS von
den KSthenern auf Hochzeiten zu ver
trinken feienden Ouanti ad zwei Maß
ür eine Manns und eine Maß für
eine eivzperisn zu quen uno zu
manutcniren fei."
Dagegen appellirte die Gemeinde
Köthen an daS Reichskammergericht,
und von diesem erfolgte daS fachge
mäße Urtheil:
.Daß die Gemeind-leute zu Köthen
bei ihrer natürlichen Freiheit, Zechen zu
halten oder nicht, und dabei Wein oder
Bier nach Belieben, ohne Bestimmung
einer sicheren Maßzahl zu trinken, zu
belassen und zu schützen feien.
Und triffst Tu wo ein Menschenherz.
Und triffst Tu wo ein Menschenherz,
Gebeugt von Kummer und von Schmerz,
Und sei eZ Irrthum, sei es Schuld,
O habe Ehrfurcht, hab' Geduld!
Am Bcraesbana. im orüncn Tann.
Tie jungen Bäume sieh Dir an.
0 frisch und leck, o dicht belaubt
Und neigen seitwärts doch daS Haupt.
Tu weißt nicht wie. Tu weißt nicht wann,
Und doch, den Bäumen sahst Tu'S an.
Daß sie der Sturmwind hat umbraust
Und 'ihre Wipfel hat gezaust.
TaS Schicksal hat denselben Brauch;
ES schüttelt junge Herzen auch
Und beugt vom rechten Wege sie.
Tu weißt nicht wann, Tu weißt nicht wie,
Tu siehst des Irrthums dunkle Spur,
Und stumme Narbe siehst Tu nur
Und kennst die Hand nicht, die so schlug.
Und weißt nicht, was dieS Herz ertrug
Gleich lacht die Freude allerwärts,
Auf eignen Bahnen geht der Schmerz;
Trum mit dem Unglück, mit der Schuld,
O habe Ehrfurcht, hab' Geduld!
Eine papierne Ttadt.
Bei den tollen, wechselnden Launen
eines englischen Frühlings muß es ge
miß ein recht zweifelhaftes Vergnügen
sein, Häuser zu bewohnen, die aus Pa
pier bestehen. Und doch befindet sich in
Retllng, nicht allzu weit von London
entfernt, eine ganze Stadt aus Papier
mit etwa 4ü0 Einwohnern, die Men
schen von Fleisch und Blut find und
genau wie andere Kinder dieser Welt
ihr Dasein führen. Tie merkwürdige
Stadt ist eine Zweigniederlassung des
Netley . Hospitals und völlig aus Pa
plcrmache hergestellt. Man hat 4
Zelte errichtet und jedes derselben kann
über zehn Personen beherbergen. Die
Soldaten, die im Felde verwundet wor
det worden sind, kommen zum Thei
erst in das Netley-Hofpital. Sind ihre
Wunden dort geheilt, fo werden sie vor
ihrer Entlassung noch ungefähr 14
Tage in den Zelten untergebracht. Die
innere Einrichtung derselben ist natür
lich außerordentlich einfach. Zehn Bet
ten mit leichten Matratzen sind an den
Wänden aufgestellt. Sie sind sauber
und welch, und ist es nicht anzunehmen,
daß sich einer der Tommys in ihnen
nach Südafrika s Sandboden zurückqe
sehnt hat. Ein großer, weißer Holz
tisch steht in der Mitte, an dem die
kräftigern Reconvalesccnten ihre Mahl
zelten einnehmen
Der Herr Doktor."
In Wien stürzte neulich auf der Pra
terbahn unter mehreren Anderen auch
der Rennfahrer Tnschak und erlitt da
durch Hautabschürfungen an der Hand
und im Gesichte. Der Verletzte wurde
in die Rennfahrerkabine gebracht, wo
sich bald darauf ein eleganter junger
Mann einsand, der sich bereit erklärte,
oem ermunoeien die erne vulse zu
leisten. Er wusch Trischak auch richtig
den blutenden Arm, nachdem er einiae
kostbare Rmge von der Hand des Ver
letzten entfernt und eingesteckt hatte.
Weitere Dispositionen zu treffen, hielt
der Herr Doktor" wohl für überflüssig,
denn er empfahl sich mit kurzem Gruße,
den Dank des Verletzten diskret zurück
weisend. Wenige Minuten nachher er
schien der wirkliche Bahnarzt, und Tri
schak war nicht wenig verblüfft, zu
hören, daß er das Opfer eines raffinir
ten Gauners geworden war. Wieviel
man auch nachher suchen mochte, Ringe
und Doktor" sah man niemals wieder.
Im Zweifel.
Zwei Brüder schenken sich feit zwan
zig Jahren alljährlich gegenseitig einen
Korb Wein um Geburtstag. A
Bequemlichkeit, und auch weil Keiner
oem Anoern rnei zutraut, wird der
Wein vorerst gar nicht getrunken, son
dern ftillscbweiaend beim nächsten ßi,
burtstag zurückgeschickt, so daß der Korb
seit zwanzig Jahren noch gar nicht aus
gepackt worden ist.- Endlich stirbt der
eine der beiden Brüder. Da kick nembt
das Geburtstagsgeschenk bei der andern
Partie besindet, nimmt fein Besitzer die
Gelegenheit wahr, den Wein Mner
rechtmäßigen Bestimmung zuzuführen.
Er ossnet die erste Flasche. Sie enthält
Wasser, reines Wasser, reines Wasser.
Die zweite die dritte ebenfalls, tih
so weiter bis zur zwanzigsten alle
sind mit dem klarsten Leitungswasser
gefüllt. Der glückliche Besitzer, zuerst
wüthend, wird plötzlich nachdenklich.
Hm. hm," murmelte er. wer hat denn
von unS Beiden eigentlich angefangen
mit diesem Geburtstagsgeschenk ?"
Naheliegend.
Müller ist ein recht verdrehter Kerl."
Kein Wunder, er ist Drechsler."
k?ron Unterschied.
,...W!k, Sie heißen .Schiller"?
Also genau so. wie der große Dichter?"
,Nein. nicht genau, denn ich bin
blos der Herr Schiller!"
Individuell Auffanung.
Studiosus (der eben erst in einer
remden Stadt angekommen, zu einem
Herrn): .Verzeihen Sie, würden Sie
mir wohl tagen, wo sich hier in der
Nähe eine Pfandleihanstalt befindet?"
Herr: .Bebau fehr aber ich habe
niemals mit Pfandleihen zu thun ge
habt!"
Studiosus ( ür sich): Tem cheint'S
noch schlechter zu gehen, wie mir!....
Armer Teufel!.... wenn man so gar
nichts zum Versetzen hat!"
LnttZuschnng.
Tie Freundin: Emilie. hast Tu
Nachricht von Teinem Bräutigam?
Wie geht es ,dmf"
Emllie: O, sehr gut aber ich
habe mich schrecklich geärgert! Tcnk'
Tir nur, schickt er mir einen sechs Sei
ten langen Brief, und ich hatte mich so
aus eine Ansichts-Karte gefreut."
verdächtig.
Räthin (gcheimnißvoll): .Ich muß
Ihnen etwas erzählen. Frau Jnfpek
tor! Können Sie schweigen?"
Frau Inspektor: .Welche Frage!. . .
(zu einer andern Dame, die sich eben
empfehlen will): Warten Sie doch
noch, beste Freundin ich habe Ihnen
nachher noch etwas mitzutheilen!"
Gute Repkk
Tame: .Ich sage Ihnen nur: die
Ehen werden im Himmel geschlossen."
Junaaeselle: Deshalb beiratbe ick.
auch nicht bei Lebzeiten."
Mißtrauisch.
Ausschreier: Meine Herrschaften,
kommen Sie herein! Was Sie hier
sehen, ist noch nie dagewesen!"
Bauer (pfiffig): Halt. Alte, da
geh'n wir net 'nein das könnt' heut
auch net da sein!"
fassender Name.
Vater: Warum heißt Tu Deinen
Lehrer immer Nachtigall? Sein Name
ist doch Sperling!"
Rudi: Ja, wir haben ihm in der
Schule diesen Namen gegeben, weil er
immer schlägt!"
Die Hauptsache.
Der kleine HanS: Weißt Du, Papa,
am Nordpol möchte ich wohnen."
Vater: Warum denn das?"
HanS: Ich habe gelesen, daß dort
die Nacht über vier Monate dauert."
Vater: Na, das ist doch so etwas
Schönes nicht."
HanS: Doch Papa, dente nur; wie
schön man sich da 'mal ausschlafen
könnte."
Auch eine Lmxfehlung.
Frau (ZUM abgehenden Dienst.
Mädchen: Was soll ich denn in Ihr
Zeugniß schreiben?"
Dienstmädchen: Nichts weiter. Ma.
dam', als daß ich sechs Wochen bei Ihnen
ausgehalten habe das genügt!"
Bündige Kritik.
Meisterin (die dem Lehrling heute
zum Fruyfluck eine Tasse Bouillon und
ein Butterbrot mit Schwcizerküse ge
geben): Nun, wie hat Dk Dein Früh
stück heute gefallen?"
Schustcrlehrling: ..Was die Bouillon
an Augen zu wenig hatte, hatte der
Käse zu viel."
5chlau. ,
Zu Allem, was Dir Deine Frau
sagt, antwortest Tu immer ja" und
thust es doch nicht!"
.Darauf kommt es auch gar nicht an
die Hauptsache ist. daß ich ihr nickt
widerspreche!"
vor Gericht.
Richter: Haben Sie nock etwas ,
Ihrer Vertheidigung zu sagen?"
Angeklagter: ..Ja wohl, Herr
JerichtShof, ick wollte in een janz ändert
Haus inbrechen. hab' mir aber in de
Hausnummer jeirrt!" .
kzochgefülzl.
Darf ich fragen, mein anädioes
Fräulein, was wohl bei Ihrer Ballon
fahrt den größten Eindruck auf Sie ae
macht hat?"
Als ich beim Emporsteigen die Ba-
ronin so tief unter mir stehen sah!"
Warum?
Eine lebhafte Dame unterhielt sicb
lange mit einem Staatsmann über die
Frauenfrage und wandte sick vlöklick
mit den Worten an ihn: ' Welchen
Posten würden Sie mir geben, wenn
die Frauen ebensogut Staatsämter be
kleioen wie die Männer?"
..Ich würde ?lbnen die Leitung nw&
Taubstummen Instituts übertragen."
Und warum."
Weil entweder diese Un,iliiifkick
sprechen oder Sie schweigen lernen.
würden."
Moderne Dienstboten.
Madame: Aber Minna. Sie hnhm
sich ja ein ganz elendes Stück Braten
aufschwatzen lassen; das ist ja nichts
als Knochen!"
Köchm: Ja. Madame. Sie iahen
Recht, ich habe auch zu dem Schlächter
aesaat. wenn's für mich wär tnrh
ich es nicht nehmen!"