Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, May 24, 1900, Image 6

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.Peinlich' Ja. das ist ti mir kigküt
lich immer gemesrn, nicht gerade da
Unter, ichtgeben, sondern lediglich die
Berührungei' mit ihm. Ader ich habe
mich damit abzesiinden, und ich denke,
ich werde mich auch in Zukvnft ' '
.2l??" unterbrach der Kammerherr
und drehte sich mit heftigem Skuck z
seinem Schwager her um. Tu denkst
doch nicht im tZriift daran, jeßt. da der
Mensch weiß, daiz Tu Lraf Auchenau.
bag Tu mein Schwager bist, noch tvei
tere Bezahlung von ihm in Empfang
zu nehmen für die Tienste. die Tu ihm
leistest !"
.Tafj ich seinen Sohn umsonst unter
richte, kann doch Niemand von niir ver
langen." eutgegiiete viraf Tictrich mit
sarkastischem kacheln.
Ter Kammcrherr war in diesem
Augenblick ganz und gar nicht für
Hunicr empsanglich.
.Tu wirst üderlzaupt keinen Unter
richt mehr ertheilen, Tictriq,' sagte er
eifrig. .Am wenigsten bei diesem Men
schcn. der für mich und fast für den
gauM Hof arbeitet. Ter Plebejer ist
im Stande, sich damit zu brüsten und
uns Beide scheußlich zu kompromit
tiren."
Ter Referendar zuckte mit den Achseln.
.Ich würde das Teiiictwegen aufrich
tig bedauern." entgcgnete er mit einer
ganz leisen Nuance von Spott, aber
unter zwei Uebeln soll man doch das
kleinere wählen. Tas größere Uebel
wäre Z in diesem Fall für mich, wenn
ich die Stunden aufgeben müsite, denn
ich glaube nicht, daß ich sobald Ersatz
fände."
.Bist Tu denn so sehr darauf ange
wiesen?" fragte der jkammerherr ein
wenig ungeduldig und indignirt.
Graf Tictrich entgcgnete ernst: Tu
kennst Papas Verhältnisse. Ich halte es
für meine Pflicht, ihm zu Hilse z tom
men, so viel in nicine Kräften sieht."
Ter Kammcrhcrr rüusperte sicb und
spielte mit seiner Monolleschnur.
.Ist denn das so wesentlich, was
Tir der Mensch, der Börncr, bezahlt?"
fragte er geringschäßig.
.Hundertfünfzig Mark monatlich."
.Hm, allerdings, da ist keine Ba
gatelle."
, Der Kanimerhcrr versank in ein
stummes Nachdenken. Plöglich ließ er
einen Seufzer hören, wie Jemand, der
sich nach längerem, innerem Kampfe
einen nicht eben angenehmen Entschluß
abgerungen hat.
.Ich werde Tir einen Vorschlag
machen, Tictrich." sagte er. seine Hand
auf den Arm des Schwagers legend.
.Ich zahle Tir monatlich, sagen wir,
hundert Mark, wenn Tu Tich verpflich
tcst, Teine Privatstundcn bei dem Hof
Wagenfabrikanten, sowie überhaupt das
Unterrichtertheilen und dergleichen auf
zugeben."
Graf Dietrich richtete sich auf und
sah bei dem Schein der Etraßenlater
nen seinem Schwager staunend in 's
Gesicht.
.Deine Freigebigkeit überrascht mich. "
sagte er mit einem Anflug von Spott.
.Zwingst Tu mich nicht. Tir das
Geld vorzuschießen? Wenn Tu einmal
in der Lage dazu bist, wirst Tu es mir
selbstverständlich zurückzahlen."
Ein bitteres Lächeln zuckte um des
jungen Grafen Mundwinkel.
.Ich bedaure." erwiderte er. .ich
kann nicht Perpflichtungen auf mich
nehmen, von denen ich nicht weiß, ob
ich ihnen sobald genügen kann."
Ter Kammerhcrr machte eine auf
fahrende Bewegung und stieß ärgerlich
heraus: .Nun. dann schenke ich Tir
das Geld eben, was bleibt mir denn
weiter übrig. Tu stellst mich ja in
unleidlicher Weise bloß vor dem
Dingsda, dem Plebejer. Ich kann doch
nicht zugeben, daß mein Schwager bei
den Kindern meines Wagenbauers den
Hofmeister spielt."
Ein zorniger Blig schoß aus den
Augen des jungen Grafen. Er ballte
die Fäuste im Stillen, während bittere
Gedanken in ihin aufstiegen. Damals,
als es sich darum gehandelt hatte, eine
Bitte seines greisen Schwiegervaters zu
erfüllen und für die wirkliche Ehre der
Familie ein Opfer zu bringen, damals
hatte der Kaininerhcrr kaltherzig und
egoistisch seine Hilfe versagt. Jet, wo
seine Eitelkeit im Spiele war, erklärte
er sich um eines Borurthcils willen zur
Zahlung bereit.
Ich danke," sagte er laut, kühl,
ablehnend. Ich halte es für ehren
haftcr, mich für eine anständige Thätig
kcit bczahlcn zu lassen, als ein Ge
schenk, ein Almosen anzunehmen."
Ter Kamnierherr war im ersten
Augenblick sprachlos. Er starrte seinem
Schwager ganz fassungslos in 'S Ge
ficht. Endlich machte sich sein Erstaunen
in dem Ausruf Luft: Ich begreife
Tich nicht. Dietrich. Bon mir, von Tci
nein Schwager, weisest Du das Geld
zurück und von dem fremden Menschen,
von diesem Plebejer, nimmst Tu es an !
Tas verstehe ich einfach nicht."
Schaudernd schlug er die Hände zu
famnien.
,Tn übersiehst." erwiderte der Jün
gere ruhig, .daß ich in dem einen Fall
für die Leistung eine Gegenleistung
biete, in dein anderen nicht."
Aber dieses Argument machte wenig
Eindruck auf den Höfling.
Bedenke doch." rief er aufgeregt,
bedenke doch Teine soziale Stellung !
Noblesse oblige ! Wenn man Graf
ist, kann man nicht handeln wie ein be
liebiger Schulze oder Müller. Dein
Stand legt Tir doch Berpflichtungcn
auf, Du hast das doch selbst gefühlt, als
T Teine Rang verbargst und Tich
bei dem Wagenbauer als simpler Re
fcrcndar Buchenau einführtest."
' Tem jungen Grafen schoß das Blut
in 's Gesicht.
Tu irrst," entgegnetc er, nicht des
halb habe ich meinen Grafcntikl ver
leugnet, linil ich mich schämte, Unter
richt zu crihcilen und Geld dafür in
Einpfaug zu nehmen, soüdcr deshalb,
weil ich ,!r'die Elianccn, Schüler zu
finden, erleichtern wollte, weil ich den
Leuten, ccücii ich meine Tiens!? an bot,
vielleicht ein pcittlick.es Empfinden er
froren N'v'.l'.e. vnd auch um dem ?cr
vlieil. das man eventuell dein Grafen
entgegengebracht haben würde, ans dem
.' Scge zu gehen. Wenn mich iciue
soziale Stellung als Angedoriger des
Hochadcl; verhindern wurde, meiner
Pflicht als Sohn zu genügen, so würde
ich ja meinen Zitel als Last, als eine
unleidliche Fefiel empfinden wüsten.
Ich denke. Tafsüo, die Zeiten sind vor
über, wo der Adel jeden Beruf außer
dem eines Kriegers ober höheren Staats
deamteu als fein.'r nicht würbig betrach
tcte und das produktive Arbeiten dem
Bürger überließ. Ich glaube, hoher als
die Standc-chre fledt die rein mcnfch
?iche Ehre, und diese gebietet mir zu
arbeiten und '!c!d zu verdienen, um
meinen, alten Btcr fein herbes Geschick
nach Möglichkeit z erleichtern. Tas ist
meine Meinung, Zasfilo, nd da halt
der Kutscher. Adieu! Besten Tank!
Grüp,? Erika und die Kinder."
Er war aus der Kutsche hinaus, noch
cl.e der ttammerherr Zeit gefunden, sich
von seiner Ucbcrraschung zn erholen
und die eben Schorlen wunderbalen
Ansichten geistig z verdauen.
5. Kapitel.
Als sich Graf Tietrich am anderen
Nachmittag z.im Unterrichten in das
Hans bcS Hofwagenfabrikanten begab,
empfing ihn dieser in feierlicher schwär
zcr Kleidung. Auch seinen Orden, den
Kroncnorden vierter Klasse, hatte er im
Miniatursormat angelegt. Als Tictrich
eintrat, machte Herr Börncr tiefe Bück
linge !Nd fing an, fchr gewunden zu
sprechen. .Es ist mir ei Bedürfniß.
Herr Graf. Sie um Berzeihung zu dit
ten. daß Sie bisher in meinem Hause
nicht in der Ihrem Range entspreche
den Weise aufgcuomme und ästimirt
worden sind. Unsere Entschuldigung
ist, daß wir nicht wußten, mit wem wir
die hohe Ehre hatten. Zugleich, Herr
Graf, gestatte ich mir Ihnen meinen
untcrthänigstcn Tank dafür auszuspre
chcn, daß Sie die Gnade haben und es
nicht verschmähen, meinen Alfred zu
unterrichten, den Sohn eines einfachen,
bürgerlichen Hofmagcnfabrilantcn, und
Sie könncn vcrsichcrt sein, daß wir
auf's Tiefste durchdrungen sind von der
hohen Ehre, die"
Graf Tictrich, den der Wortschwall
des Hcfmngcnfabrikantcn Anfangs
förmlich bctäubt hatte, unterbrach hier
etwas unwirsch.
.Reden Sie doch nicht solch' dummes
Zeug, Herr Börncr!" sagte er. Bon
einer Ehre kann hier gar keine Rede
sci. Ich untcrrichtc, weil ich eine
Nebenbeschäftigung fuchc. die mir etwas
Geld einbringt. Für den Aufwand an
Zeit und Mühe, die ich Ihrem Sohn
widme, bezahlen Sie mich. Weiteren
Tank sind Sie mir nicht schuldig. Daß
ich zufällig Graf Buchenau heiße, davon
haben weder Sie noch Ihr Schn einen
Bortheil."
Ter Hofwagenfabrikant hatte das
Gefühl, als wäre er plöglich mit einem
Eimer kalten Wassers begossen worden.
Aber. Herr Graf." wollte er pro
tcstiren.
Toch Graf Dietrich ließ ihn nicht aus
rede.
Wollen Sie mir einen Gefallen er
weisen, Herr Börncr?" fragte er sehr
ernst.
.Mit dcm größten Vergnügen, Herr
Graf. Der Herr Graf haben nur zu
befehlen."
Graf Tictrich lächelte.
Also dann bitte ich Sie, Herr Bär
ner, vergessen Sie den Grafen und las
sen Sie es bei dem Referendar wie bis
her. Eine Hauslchrerstellung ist doch
immerhin eine bescheidene, und wen
i ich mich ihrer auch keineswegs schäme.
. so paßt der Grafcntltel doch nicht recht
dazu, wenigstens nicht nach den allge
mein üblichen, sozialen Anschauungen."
Ter Hofwagkiifabrikant machte ein
etwas enttäuschtes Gesicht.
Aber thut mir leid, Herr Gra
Herr Referendar. Ich dachte doch, Ehre
wem Ehre gebührt, und der Titel kommt
Ihnen doch nun einmal zu."
Graf Tictrich runzelte feine Stirn
und sah etwas ärgerlich drein. Und
nun neigte er sich hinüber zu dem ihm
Gegenüberstehenden und sagte: Kön
nen Sie sich denn nicht in meine Lage
hineinversetzen, Herr Börncr? Es muß
mich ja doch selbstverständlich peinlich
berühren, wenn Sie mich immer daran
erinnern, daß meine Berhaltnisse mich
zwingen, des Erwerbs wegen eine Thä
tigkeit auszuüben, die ja an und für
sich ehrenvoll, aber doch nicht das Ge
wohnliche ist für einen jungen Manu
meiner Herkunft nd sozialen Stellung.
So. Und nun bitte, schicken Sie mir
Ihren Soh, damit wir mit dem Unter
richt beginnen."
Herr Börncr zeigte eine etwas ver
blüffte Mi'.'nc. Aber er zögerte och.
Etwas kleinlaut sagte er : .Ich wollte
Sie noch bitten, Herr Herr Refcrcn
dar, wenn Sie uns nachher die Ehre
schenken wollten. zi Abcndbrod unser
Gast zu sein"
Graf Tietrich überlegte nicht lange
und entgegnetc lächelnd: .Recht gern.
Herr Börncr. ?ldcr Sie müssen mir
versprechen, daß -ie mich nicht anders
behandeln werden als bisher."
Gewiß doch, Herr Referendar." be
eilte sich der Hofwgcnfabrikant zu ver
sichern. .Freilich" ein vergnügtes
Grinsen zog das Gesicht des Sprechen
den in die Breite wenn mir manch
mal im Gespräch doch der .Herr Graf'
herausrutschen sollte, dann müssen
Sie's mir nicht übel nehmen."
Alfred Börncr erwies sich heute wäh
rcnd der Unterrichtsstunden zerstreuter
als sonst. Ja, es kam vor. daß er zu
antworten vergaß und seinen ilnn
gegenüdeisilzende Hauslehrer mit osfc
ein Munde anstarrte, als habe er
plötzlich eine bei ihm nie wahrgcnom
mene Eigenschaft entdeckt.
Zu dem Abendessen waren besondere
Anstrengungen gemacht worden. Tas
sah Graf Tictrich auf den ersten Blick.
Anstatt oer cinfachen Flasche Bicr, die
sonst auf dein Abendtisch der Familie
Börner üblich waren. zicrt.'N fiel je
Weinflaschen die Tasel, und zwar war
ti eine cuscrlcfene Rheiniremmarke, die
die Etiketten nfwiescn. Es schien, als
ob Herr Börncr eine Art Festmahl siir
den heutigen Abend geplant habe z
Ehren seines Grasen-Hauslehrer. Und
in ter ai ;-;.e iu,t wmsn c;n
eitlen Hosirciiiabrikanten geleitet, ja,
er bat'.e sich sogar am Brrmiltag in
seinem Komptoir eine kleine Äede aus
gearbeitet, mit der er am Abend den
Graten hatte feiern wollen. Aber nun
bielt er es doch eingedenk seine den,
Grafen gegebenen BklsprcchenZ für des
ser. den einstudirten Toast zu unter
drücken. Freilich, daß er sich hier und
da in der Anrede vergaß und den Rese
rendar, besonders wenn da scrvirende
Tienslmädchen in, Zimmer weilte.
Herr Graf" titulir'.. kam im Laufe
des Abends wiederholt vor. Auch Frau
Börner, eine so vernünftige Frau sie
auch sonst war. konnte es sich nicht ver
sagen, ihren Gast mit der an ihm neu
entdeckten Titulatur zu nennen. Es lag
doch etwas Berauschendes darin, das
einen in den eigenen Augen hob und
beglückte, einen Grafen an feinem Tische
zn wissen. Unwillkürlich, ohne daß sie
eS vielleicht beabsichtigte oder auch nur
empfand, legte die Gattin des Hof
wagenfabritantcn etwas besonders Bcr
bindliches. ja. fast Ehrerbictigcs in ihre
Mienen und in ihre Haltung, so oft sie
au den jungen Grasen das Wort rich
tete. Fräulein Franziska war die Ein
zige. die mit dem Gast ganz in derselbe
Weise plauderte wie sonst, und die ihn
anch heute mit der bisher gebrauchten
Anrede Herr Referendar" usuahins
los bedachte, überhaupt in ihrem ganzen
Berhnlten gegen den Referendar mit
zartestem Takt vermied, die geringste
Bcrändcrnng gegen sonst sichtbar er
den zu lassen.
C. Kapitel.
Monate vergingen. Ter Frühling
kam. Herr Börner vernachlüssigle
neuerdings seine Sohn nd dessen
Lehrer in einer ausfallenden Weise.
Sehr selten einmal ereignete es sich,
daß er das Unterrichtszimmer betrat
und dann immer nur für ein paar
kurze Minuten. Es lag jetzt überhaupt
etwas Unruhiges. Hastiges, Nervöses
in dem Wesen des Fabrikanten, das
ihm früher nie eigen gewesen.
Einmal kam er es war kurz vor Be
endigung des Unterrichts freudig er
regt in das Zimmer gestürmt. Sei
Gesicht zeigte eine intensivere Nöthe als
gewöhnlich, und seine Augen leuchteten
in jenem feuchten Glänze, der von einer
starken Gemüthsbewegung, aber auch
ebenso gnt von der Einwirkung feuriger
Getränke herrühren konnte. Er war sehr
flott, fast dandhiiiäßig gekleidet. Ueber
dem kurzen hellen Uederzieher trug er in
einem Lcderfutteral eine Krimstecher
größten Formats. Im Knopfloch steckte
eine stark duftende Tuberose nd die in
einem hellbraunen Handschuh bekleidete
Rechte schwang ein zierliches Spazier
stöckchen. Seine Zunge lallte ei wenig,
während er aufgeregt hervorstieß : .Bit
toria ! Habe heute sein abgeschnitten,
Graf. Komme direkt aus Hoppeg.ilteu.
Ich sge Ihnen, ein interessanteres
Rennen habe ich nie gesehen. Es geht
doch nichts über den Tnrf. Etwas Äu,
regenderes. Packenderes nd Jnteressan.
teres kann ich mir gar nicht vorstellen.
Meinen Sie nicht anch, Herr Ref'ren
dar?"
Graf Tietrich lächelte über die unge
wohnliche Begeisterung de Hofwage
sabrikanten.
.Ich habe nicht viel Interesse für den
Sport übrig, Herr Börner," entgegnete
er.
Wirklich nicht? Tas ist schade! Aber
hinausfahren müssen Sie doch einmal
mit mir. Das müssen Sie sehe. Ich
sage Ihnen, heute ivar's großartig.
Im Preis von Kaulsdorf siegte der
Outsider Husch, husch vom Blitz aus
der Fee. Kennen Sie das Pferd, Herr
Graf?"
Nein, Herr Börner. Ich habe wenig
Pferdebekanntschaften."
So I Na sehen Sie. ich hatte fünf
hundert Mark gesetzt auf Huschhusch.
Wissen Sie. wie viel gezahlt wurde?"
Keine Ahnung. Herr Börner."
Der Hofwagenfabrikant schlug in sei
Nkm Enthusiasmus mit der flachen
Hand auf den Tisch.
.Zehnfaches Geld, Herr Graf ! Meine
baaren fünftausend Mark säckelte ich
ei. Tas läßt man sich doch gefallen,
wie?"
Allerdings. Aber leider pflegen auf
dem grünen Rasen die Berluste häufiger
zn sei als die Gewinne."
Doch der Hofwagenfabrikant wehrte
mit einer überlegene Handbewegung
ab und schlug eine weinfrohe Lache auf.
Verlieren ! So was gibt's nicht
mehr, Graf! Ich habe jetzt immer die
feinsten Tips. Und wissen Sie von
wem?"
Der 'Hofwagenfabrikant beugte sich
über den Tisch, als habe er dem Lehrer
seines Sohnes ein wichtiges Geheimniß
anzuvertrauen.
.Ich habe da nämlich." fuhr er ge
schwätzig foil, eine famose Bekannt
schaft geuiack't. Tie halt ich mir warm.
Ter kennt' sich aus, sage ich Ihnen.
Ein Sportsmann vom Scheitel bis zur
Sohle. Kennt jeden Stall und jedes
Pferd in Deutschland und England
und Frankreich, ja. sogar i Amerika.
Lieutenant Bare von Oetting. Kennen
Sie ihn?"
Graf Tietrich hatte eine auffahrende
Bewearmg gemacht. Von Oetting, das
war der Familienname feiner Mutter.
Kennen Sie den Baron?" wieder
holte der Hofwagenfabrikant.
Ich glaube nicht," entgegnete der
Gefragte nachdenklich. Ter Name ist
mir zwar bekannt, aber die betreffende
Persönlichkeit. Ist der Herr aktiver
Osfizier?"
Nein, außer Ticnsj. Jung ist cr ja
freilich noch. Aber cs gcsicl ihm nicht
mehr beim Kommiß. Zu viel Ticnst,
sagte er zn mir und zu viel Tisziplin.
Tas paßte ihm nicht mehr. Na, cr
scheint's ja nicht nöthig zn haben.
UebrigcnS, ein fideles Haus. Dabei
Kavalier vom reinsten Wasser, den rniis
fcn Sie einmal kennen lernen, Ref'ren
darchen !"
Es war ein paar Tage später, als
Graf Tictrich, der sich auf dem Nach
haufewcge befand, der Equipage des
Hoswagcnsavrikantcn begegnete. Ter
Wage war ein sogenannter Selbst
fahr oder, wie cr im Berliner o!!Z
rniüid anch genannt uha, ri;::
.iiiiiinr t:i !'?,:s, Uiwt.-.riuitfze!)
''i'!jl;it. Hc.r Bor:: thronte auf er
tohtern Berdetsip. Sein hellgrauer
(iilii:5.t llnch'.e'.e sch?n von Weiiei.
Neben ihm siß ein ebenfalls elegant ge
Ileidelcr Herr von noch jugendliche:
Aussehen. In schnellsl Gangart rcllle
die .Spinne" heran. Graf Tietrich er
schrak heftig, und es war eine instinktive
Bewegung, daß er sich abwandte und
sich mit dem Rücken gegen die Straße
an ein Echausensicr stellte. War das
nicht sein Bruder Bcdo gewesen, der da
neben Herrn Börner auf dem Kutschdock
saß?
Ab als er dann seinen Weg fort
setzte, erschien ihm diese Möglichkeit doch
völlig aiisacschlossei'. ES war nur ein
fluchtig Blick gewesen, mit dem er den
Begleit des Hosmagcnsabrikantci, ge
streift hatte. Tie letzten Nachrichten, die
er von seinem Bruder erhalten, waren
von New Z)crk datirt gewesen, ii)
Bodo hatte in seinem Brief auch nicht
mit einer Silbe angedeutet, daß er nach
Deutschland zurückzukehren gedenke. Ja,
er hatte sich seinem Bat gegenüber
schriftlich ausdrücklich verpflickrict. ohne
feine des Vaters Einwilligung übn
Haupt nicht wieder nach Teutschland z
kommen. Nur unier dieser Bedingung
hatte ihm sein Bat zur Ausmaude
rnng d'eitaufend Mark bewilligt. Seit
dem waren kann, fünfzehn Monate ver
strichen. (S war ja nicht denkbar, daß
Bodo von Neuem fein Wort gebrochen
und alle Warnungen in den Wind ge
schlagen hatte.
Am andere Nachmittag erlebte Graf
Tietrich eine Uckcrraschung. von der er
im ersten Augenblick nicht wußte, ob er
sie als eine srendige oder als eine Pein
liche betracht.' sollte. Es war kurz vor
dem Schluß des Unterrichts, als Herr
Börncr, wieder von einem Rennen zu
rückkchrcnd. eintrat. Ihm folgte ei
stutzerhaft gekleideter junger Mann,
fein Begleiter von gestern. Tictrich er
kannte ihn auf den erstcn Blick und
fuhr lebhaft von feinein Stuhle i die
Höhe, aus weit gcöffnetc Augen fei
nen Bruder anstarrend, der ebenfalls
ein Zeichen starken Staunens nicht
unterdrücken konnte.
Ter Hofwagenfabrikant aber strahlte,
nichtsahncnd, vor Stolz und Vergnü
gcn.
.Gestatte Sie." nahm er breitspu
rig. sich in die Brust werfend, das
Wort, gestatten Sic, meine Herren,
daß ich Sie mit einander bekannt
mache; mein Freund Herr Lieutenant
Aaro von Oetting Herr Referendar.
Graf von" Ter Name blieb ihm i
der Kehle flecken, als cr sah, daß der
Herr, bcn er mit vielem Selbstgefühl
als feinen Frennd vorgestellt hatte,
lächelnd, mit ausgestreckter Hand an
den Hauslehrer seines Sohnes heran
trat und ihn wie einen alten Bekannten
begrüßte.
.Na. Tictrich! Wie geht's? Tas
nenn' ich aber eine Ucbcrraschung I
Also Tu ertheilst jetzt Privatunterricht!
Merkwürdiger Sport !"
.Tie Herren kennen sich?" fiel Herr
Börn erstaunt ein,
.Na freilich," erwiderte der Lieute
nant rasch,, noch ehe Tictrich, der scine
Hand befangen und von widerstreiten
den Empfindungen dnrchschanert in die
seines Bruders gelegt hatte, ein Wort
hervorzubringen vermochte. Wir sind
alte Freunde, Graf Buchenau und ich.
Eigentlich sind wir sogar verwandt.
Nicht wahr, Tietrich? Schade, daß wir
in letzter Zeit so ganz auseinander ge
kommen sind !"
Te Lieutenant sah seinem Bruder
etwas spöttisch in's Gesicht. Tictrich
ranz nach einer Antwort. Bodos
cynische Art und Weise berührte ihn
abstoßend. Ter Hoswagcnsabrikant
schien dagegen nnf's Angenehmste über
rascbt.
Na, dann haben ja die Herren jetzt
die beste Gelegenheit, wieder anznknüp
fe," sagte cr und, dcn Lehrer seines
Sohnes sanft am Arm fassend, forderte
er auf: Kommen Sie, Ref'rcndar
chcn! Ta müssen Sie uus heute schon
noch cin bischcn die Ehre Ihrer Gesell
fchaft schenken. Ich zeige Ihnen dcn
Wcg. meine Herren."
Er ging vorauf. Tictrich mußte wchl
oder übel folgen, nm soniehr, als Bodo
ihn untcrfasUc und ihm lächelnd in's
Ohr wisperte: Na. alter Junge, bist
ja ordentlich erschrocken, hoffentlich nur
angenehm. Weißt T, ich war ja anch
im erste Augenblick ganz baff. Wie
geht's denn dcn Altcn? Na, wir spie
chen uns noch nachher !"
Den Damen gegenüber zeigte sich der
ehemalige flotte Husarenlicuteiiant von
seiner anziehendsten Seile. Er besaß
eine außerordentliche gesellschaftliche Ge
wandtheit. die ihn befähigte, jedem
etwas Anoel'meS und Bcrbiudlichcs
z sage und sich in jeder Gesellschaft
schon nach wenigen Minuten heimisch zu
fühlen. Tie Tarnen hörten seinen
Schilderungen mit Interesse z.i. Er
verglich die verschiedene Nationen hin
sichtlich ihres Interesses sür den Pferde
sport und für die Wettrennen. Dabei
vergaß er nicht, hier und da eine Artig
kcit einznflcchte.
Ich mache Ihnen mein Kompliment,
gnädigste Frau." sagte er einmal, von
ein Eierspeise zum zweiten Mal neh
mcnd. .Die Omelette ist deliziös. Ge
wöhnlich verstehen die deutsche Damen
nicht, Eierspeise schmackhaft zu bcrci
tc. Ihre Omelette, gnädigste Frau,
schmeckt, als wäre sic von einer Pariserin
zubereitet."
Ein anderes Mal wieder wandte er
sich an Franziska, die ein gcfchmackvol
leS weißes Ehcviotklcid trug, das mit
ein fclbstgestickten Blumenbordüre
garnirt war..
Gnädiges Fräulein tragen da eine
entzückende Robe." fchwadronirle er.
seine Augen bewundernd auf das er
rötl'kiide junge Madchen richtend. In
Deutschland sieht man so selten graziöse
Kleider. Mit dem Kostüm da hätZe
das gnädige Fräulein heute in Hcppe
garlc Fnccie, gemacht."
Tietrich v.w' sc!;c wortkarg. Er
empfand die ganze Situation als höchst
peinlich und unwürdig. Taß er gc
zwiiiigen v.",r, seinen Bruder wenn
anch nur süllschweiend zu verleugne,
war fir seine ehrliche, wilhrhcitsliebendc
ij;i:r eine M:tl. Dazu giiicn i!;::i
v!:kc!!k i:u j;opf turn,
und ihm wer ine !;r als unbehaglich z.,
Mulde, wahrend er sich mit der Frage
tkschäjti,-,tk. trrvcn Bodo eigentlich
lebte, und warum er sich bei dem Hos
wagensabrikantei, unter einem falsche
Namen eingesuhrt hatte. Materiell
schien es ihm ja nicht übet z ergehen,
denn er war tadellos, sogar ausfallend
prunkvoll gekleidet. An feinen Fingern
truz er zwei Brillantriuge und auch in
seiner eleganten, bochinodernen ra
watte funkelte ei echt Stein. Weniger
aber befriedigte ihn kaö Wesen seine
Bruders, der da große Wort führte,
mit seinen Reisen und Erlebnissen
renommirte und befangen plauderte,
a! befände er sich in dcn geordnclstcn
Verhältnissen und als Halle es nie einen
dunklen Punkt in seine, Leben gegeben.
Tabci mischte cr, wie Ticirich sehr wobt
wahrnahm, in seinen Erzählungen
Wahre und Erfundenes slrupcllo iuit
einander und auch über scine Beziehn,,
ge zu ihn, gab er eine Erklärung, die
feiner schnell schöpferische Phantasie
mehr Ehre machte, als seine, Respekt
vor d Wahrheit.
Wie erlöst athmete Tietrich auf. als
endlich die Zeit gekommen war, wo er
sich schicklicher Weise verabschieden
konnte. Anch Bodo rüstete sich zum
Gehen, obgleich ihn der Hofwagenfadri
tant aufscrderte zu bleibe und och
eine Raucnthalcr Berg" mit ihm z
leeren.
Ein andercs Mal. mein verehrter
Herr Börner." tröstete er den Hcf
wagcnfabrikanten. Sie werden begrei
fcn. daß ich mich mit meinen, Better
Tietrich noch ger ei wenig ausspre
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ehe möchte. Wir Zwcl l
eine Ewigkeit nicht gesehen.
Auch Frau Börner sah man an. daß
sie den liebenswürdigen jungen Mann,
der so nett zn plaudern wußte, ungern
schon gehen sah. Sie verfkhlte nicht,
ihn anfzufordcrn, feine Besuch bald
zu wiederhole, worauf der Lieutenant
mit großem Wortschwall erwiderte:
Sehr verbunden, meine gnädigste
Frau. Man findet in Teutschland nicht
oft o liebenswürdige, gastfreundliche
Familien. Werde mir mit gütigster Er
lanbniß gern die Ehre geben, mich ge
legentlich nach dem Befinden der Ta
men zu erkundige."
Er schlug nach der ihn, noch von sei
mr Offizierszcit her gebliebenen Ange
wohnbeit die Hacken zusammen und
küßte beide Tamcn galant die Hand.
Traußen wollte er sich Tictrich gegen
über vor Lachen ausschütten.
Komische Leute, wie? Tiefer Hof
Wagenfabrikant, ein lkig Kerl ! Hast
Tn gesehen, Tictrich, wie die Frau Hof
licferant vor Entzücken strahlte, als ich
ihr den Handkuß applizirte? Damit
kann man so 'ne Spießbürgcrfran rein
schwindlich machen vor Vergnügen. Na,
Schwamm drüber! Aber nun sage
'mal, was machen denn die Alten?"
Tietrich runzelte seine Stirn nd
auch im Ton seiner Stimme klang deut
lich der Tadel heraus, der anch in der
Bedeutung seiner Antwort lag: Papa
arbeitet von früh bis Abends und
Mama härmt und grämt sich noch
immer."
Bodo senkte sein Gesicht und erwiderte
nichts. Freilich, tief tonnte der Ein
druck nicht gewesen fein, den TictrichZ t
Werte auf ihn hervorgebracht hatten,
denn als gleich darauf fein Bruder die
Frage an ihn richtete : Bist T schon
lange ans Amerika zurück?" klang seine
Erwiderung hell und munter und zeugte
von dem alte Leichtsinn : .Von Aiiie
rika? Ja. beide Rankes habe ich mich
überhaupt nicht lange aufgehalten.
Kanin 'n halbes Jahr. Tan ging ich
nach England, von da nach Paris. Ich
sage Tir, Paris. Tictrich. das ist 'ne
Stadt!" Ter Sprechende ließ einen
schnalzenden Laut hören. Ter reine
Zucker! Einfach 'u Paradies! Ader
theuer ! Ta liegt der Hund begraben.
Ich konnte mich da nicht lange halten.
Vor vier Wochen landete ich in Berlin."
Tictrich runzelte die Stirn.
Tu hast doch Papa mitgetheilt, daß
T hier bist?"
Tcr Er-Lieuienant lachte.
Papa? Jh. wo werd' ich denn?
Ter Alte glaubt mich sicherlich noch in
Amerika."
Tietrich blib sich! lind sah feinen
Bruder bei dem hellen Schern einer
Gliihlichtlatcrne in das Gesicht.
Aber T hast Tich doch Papa gegen
Über verpflichtet, vorläufig in Amerika
zn bleiben."
Bodo machte eine nachlässige Hand
bewegung. Ein frivoles Lächeln ver
zerrte seine hübschen, aber etwas verlebt
aussehenden Züge.
.Was verspricht man nicht Alles,
wenn einem das Messer an der Kchle
sitzt! Ich hasse die Aankces. Eine lang
weilige, steislcinene Gesellschaft, die .
nichts kann als arbeiten und Geld ver
dienen. Tas rackert sich sein ganzes
Leben lang, ewig auf der Jagd nach
dein Tollar. Das Wort Vergnügen
und Lebenslust scheint überhaupt nicht
in ihrem Lexikon z stehen. Amerika
kann mir gestohlen bleiben, das sage ich
Dir."
Sie setzten ihren Weg wieder fort,
jeder eine Weile seinen Gedanken stumm
nachhängend.
.Was treibst T denn hier?" nahm
Tietrich wieder das Wort.
Tcr Gefragte zuckte mit dcn Achseln
und lackitc dann laut auf.
Vorläufig akklimatisire ich mich wie
der. Ich besuche die Wettrennen und
suche Fühlung mit Sportc kreise. Bcr
lin hat sich in dcn legten Jahren sehr
znm Vortheil vcrandcrt. Freilich. Pa
ris ist's ja nicht nd wird's auch nie
werden. Aber man amusirt sich ganz
leidlich hier."
Dietrich biß sich auf die Lippen. Ihn
überlief es heiß und kalt, während er
daran dachte, was wohl fei Vater
empfinde würde, wenn er das Ge
sprach hätte mit anhören können, cöa
pfiff einen Gassenhauer vor sich hin.
Ich meine, wrvon lebst Tu?" fragte
Dietrich seine Bruder.
Jlniluiii ich lebe? Herrgott ich sagte
Dir ja sckio, ich besuche die Rennbah
neu. Was glaubst T trohl. wie viel l '
Geld sich in Hoppcgarle nJ Karls
borst verdiene laßt? Man trn:!; dcn
Rummel nur versiebe, lind ich ver
fii'; ü;. c!):r nu-i st."
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