Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, May 10, 1900, Image 11

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    V
4
Der Hausschlüssel.
Wen . t i f r t fc t g.
ES war der dritte Oktober, der Iah
Ztag von Orleans, den unser Offiziers
korpS ftckZ durch ein Liedesmabl feierte,
(iin anstrengender taktischer UebungS
ritt lag hinter unS. Teldftverständlich
waren wir olle bundimiide. und früher,
als es sonst bei einem Erinnerungs
Likbesmahl der Fall zu sein Pflegt, der
loren sich die Kameraden aus dem
Kasino. Nur ein kleines Häuflein hatte
sich in bewährter Dauerhaftigkeit im
Rauchzimmer um einen kühlen Tiphon
geschaart und beabsichtigte, in behag,
lichem Plaudern den Zag von Orleans
über feine natürlichen Grenzen hin aus
zudehnen.
Trotz dieser wohllöblichen Absicht und
der zahlreichen TiPhonS im Keller des
KafinoölonomS war ein JudaS unter
unS. und wie 'das schlechte Beispiel
immer ansteckend wirkt, so auch hier.
Wir zählten bald mehrere Judaffe,
die mit eiserner Verrätherftirne erklär
ten. sie seien zu müde und müßten nach
Hause.
Nun weis; ein Jeder, wie nieder
drückend daS Gefühl ist. daß Andere
solider find alS man selbst, denn die
Sünde verliert stets einen Stachel,
wenn man die Beruhigung hat, daß
Andere Mltsündlgen.
Während unser alter Oberleutnant
den Berräthern an der Gemüthlichkeit
Moral zu predigen suchte, schlich ich
hinaus, rannte eine schlafende Kasino,
ordonnanz über den muten uno er
reichte die Karderobe, wo in stiller Ein
tracht die grauen Paletots, Degen und
Mützen am Riegel hingen. Was ich
mir dort zu schaffen machte, will ich
lieber nicht sagen. Es ist besser. Nacht
bedeckt mein heimtückisches Thun. Als
ich wieder zu unserer Tafelrunde zurück
kehrte, hatte der Oberleutnant seine
große Rede beendet, und der Erfolg
war, daß vier Kameraden aufstanden
und sich mit einer tiefen Verbeugung
verabschiedeten. Wir übrigen rückten
resignirt zusammen, um die Lücke,
welche die Solidität gerissen, nicht allzu
schmerzlich zu empfinden.
Der Mensch ist ein Heerdenthier,
welches, will ich unerörtert lassen. DaS
zeigte sich auch in der Nacht von Or
leanS wieder in erschreckender Deutlich
keit, denn den Dreien folgten bald noch
Vier und dann noch Einer, sodaß nur
der Oberleutnant und ich übrig blieben.
So ena wir jetzt auch zusammenrückten,
die leeren Stühle um den runden Tisch
machten , einen schauerlichen Eindruck
Der Oberleutnant klopfte mit dem ge
krümmten Zeigefinger höflich an die
hölzerne Wand deS Siphons und stellte
fest, daß er kaum über die Hälfte ge.
leert war.
.Wissen Sie was." sagte er darauf,
den trinken wir erst aus und dann"
er stockte.
.Wird'S erst gemüthlich!" schloß ich.
Jawohl!" antwortete er. Und ich
füllte die Becher von Neuem.
, Warum soll es zu Zweien nicht ge
müthlich sein ?" hub er wieder an.
Jawohl!" antwortete er diesmal,
trotzdem ich eS bester wußte.
Nun wurde es eine Zeit lang ganz
still zwischen uns. Aus dem Vorzimmer
klang laut daS Schnarchen der Ordon
nanz. Ein öder Stumpfsinn drohte
uns zu überfallen. Da plötzlich wurde
die Tbür aufgerissen, und der dicke
Blomberg stürzte herein:
.Donnerwetter, ich habe einen fal
schen Hausschlüssel eingesteckt und mein
WM fif in TOiirmdtfiir!
HU l UV VMI viv "n
Habt Ihr noch was zu trinken ?"
.Jawohl!"
Na. denn Prost!"
Der neue Ankömmling steckte die
Beine unter den Tisch, brannte sich eine
Henry Clan an. sah nach der Uhr und
, meinte:
.Um Acht habe ich erst Dienst!"
Dann kannst Tu also noch 4 tun,
den hier sitzen!" meinte der Oberleut,
nant gemüthlich. .Wollen wir nicht
einen Skat spielen V
Draußen rasselte ein übel, und
gleich darauf schob sich der lange Ra
dubn vorsichtig ins Zimmer.
.Der Henker soll meinen Burschen
holen! Der Kerl maß mie einen falschen
Hausschlüssel in meinen Paletot gesteckt
haben!"
Blomberg wollte aufspringen und
etwas sagen. Ich stieß ihm aber meine
deaenaewobnte Fernst in die Rippen, o
daß er verständnißvoll lächelte und sein
Sprachorgan geschlossen hielt.
Na. dann setz' Dich her und trinke!''
Der Oberleutnant klopfte ihm dabei be
haglich auf die Schulter.
Aber daS Trinken war leichter ge
sagt, als gethan, denn ein unange
nehmes Pfeifen aus dem geöffneten
Siphonhahn meldete dessen totale Leere.
Ordonnanz, einen neuen Siphon!"
Kaum hatte der schlaftrunkene Mus
ketier das wohlgefüllte kühle Fäßchen
auf unseren runden Tisch gefetzt, als
unser Bataillonsadjutant mit verwun
dertem Gesicht eintrat.
. So was ist mir noch nie pasfirt
denkt Euch, ich hab' einen falschen Haus
schlüssel eingesteckt!"
Diesmal bekam Rabuhn den Rippen
stoß, und als er das behagliche Grinsen
auf unseren Gesichtern bemerkt hatte,
ging ihm ein strahlende Licht auf, und
er lachte so luftig, daß der Adjutant
böse wurde. Aber ein frischer Becher
besänftigte den berittenen Jüngling a
ternpo." Und nun kamen sie zurück.
Einer nach dem Anderen. Jeder
schimpfte auf den falschen Hausschlüssel
und den dämlichen Burschen. Jeder
ärgerte sich über daS hämische Grinsen
der Anwesenden, und Jeder spülte den
Aerger mit einem frischen GlaS hin
unter.
Als wir wieder vollzählig um unseren
Tisch saßen, stand ich auf, um eine
Rede zu halten: .Mitbürger. Freunde.
Bleisoldaten!" sing ich an. Tragt
Euren Burschen und Euren falschen
Hausschlüsseln leinen Groll nach, der
einzige Uebelthäter bin ich! Ich habe
nämlich alle Eure Hausschlüssel ver
tauscht!"
Ein brüllendes Lachen erhob sich, aus
dem sich endlich der klare Befehl unsres
Oberleutnants entwickelte: .Ordon
nanz. einen frischen Siphon!"
Die Arähen und der Ahorn.
Eine calisornische Iagdgkschichlk von Fred.
B i n ernt.
ES ist schon einige Zeit her. da war
ich zum Besuch meines BruderS in San
Francisco, wo derselbe die Stellung
eines leitenden Ingenieurs bei der Kü
ftknvermessung bekleidete. Für feine
häufigen Besuche verschiedener Punkte
der Küste war ihm ein kleiner Regie
rungsdampfer zur Verfügung gestellt,
und ich benutzte meist die günstige Ge
legenbeit. mich ihm bei derartigen Aus
flügen anzuschließen. Die Entenjagd
an den Ufern der Bai war nämlich an
manchen Stellen ganz vorzüglich, und
so ließ ich mich denn gewöhnlich an
irgend einem passenden Ort an Land
setzen, um den verschiedenen Entcnarten
nachzusteigen, die gern in den dortigen
Lagunen einfielen, bis mich dann am
nächsten Tag der Dampfer wieder ab
holte. So war ich denn eineS Tages
wieder einmal gegen Mittag an Land
gegangen, und in dem dichten Schilf
säume einer Lagoon" herumgekrochen,
als mich ein plötzlich von der See aus
aussteigendes Unwetter überraschte und
mich derart durchnäßte, daß ich froh
war, als ich endlich, von Regen und
Sturm gepeitscht, ein kleines Wirths
hauS erreichte. Dort fand ich Gesell
schaft, denn verschiedene andere Enten
jäger hatten daS Unwetter früh genug
bemerkt, unter demselben Dach Zuflucht
gesucht und auch bereits Essen und
Trinken bestellt. Nachdem wir uns
gesättigt und daS fröstelnde Gefühl
mittels eines guten heißen Tropfens
überwunden hatten, da wurde es ge
müthlich in unserem Kreise. Und nun
wurden Geschichten erzählt, natürlich
Jagdgeschichten, von welchen mir wohl
die meisten entfallen sein mögen. Doch
erinnere ich mich noch, daß ein kleiner,
dicker Mann erzählte, wie er im Abend
dämmern eine ihm etwas sehr stark vor
kommende Ente herabgeschossen, die sich
bei genauer Betrachtung als Golden
Eagle" (junger weißköpfiger Seeadler)
herausgestellt habe.
Mit verftändnißinnigem Kopfnicken
war von der Tischgesellschaft die Be
schreibung des Abenteuers aufgenom.
men worden; nur ein Einziger, der in
seinem ganzen Aeußern auch keine
Spur von Sportsman oder Jäger an
sich hatte, sondern lediglich den Farmer,
den alten Ansiedler repräsentirte, schüt
telte ingrimmig den Kopf und
brummte: '
Ihr mit Euren Golden EagleS",
das sind ganz unschuldige Thierchen, die
sind gar nicht zu vergleichen mit den
Krähen, denn die huben meine, beiden
unschuldigen Söhne von fünf und sechs
Jahren gemordet!"
Was? Was? sielen aufgeregt ver
schiedcne Stimmen ein, die Krähen
haben Ihre Söhne umgebracht? Wa
rum nicht gar?"
Jawohl, die Krähen. Niemand an
ders als die ver Krähen! Ihr
wißt alle, daß ich einer von den ersten
war. die da droben," und er wies be
deutunasschwer mit dem Daumen der
rechten Hand über die linke Schulter,
ihre Shanty" gebaut und mit Weib
und Kindern draußen gewohnt haben.
Damals gab's gar wenig Bäume auf
der Hochebene, und wir waren sehr stolz
auf den hübschen Abornbaum. der hin
ter unserer Behausuyg stand und unter
dem wir unser Frühstück einzunehmen
pflegten. Nur eins war unangenehm:
Abends sammelten sich die Krähen im
Geäst des Baumes, und am nächsten
Morgen hatten wir immer unsere liebe
Noth, das Geschmeiß von unserm Tisch
wegzubringen. In dir Shanty konn
ten wir ihn nicht stellen, denn dort war
knapp Platz für unsere Betten und un
sere Kochtöpfe, und die standen hoch
droben auf einem Brett. Schließlich
wurde ich wüthend und ging zum alten
Tom, um mir dessen Flinte zu leihen,
denn ich wollte die nichtsnutzigen
schwarzen Vögel todtschießen. Der alte
Tom Ihr habt ihn ja wohl alle nicht
mehr gekannt das war ein famoser
Kerl. Er war gleich ganz Feuer und
Flamme und sagte:
Natürlich. Bill, todtschießen mußt
Du die schwarze Bande, und meine
Flinte leihe ich Dir sehr gerne dazu;
aber, bitte, nimm sie gut in acht, denn
es ist ein Erbstück von meinem Vater!"
und damit brachte er mir ein' Schieß
eisen angeschleppt, das hatte ein größe
res Maul, als irgend ein englischer
Sportschütze. Und siehst Du." sagte
er, da int Täschchen sind die Zündhüt'
chcn, hier ist das Pulver nimm nicht
zu viel davon, sonst schmeißt Dich die
alte Karthune um und hier" ge
heimnißvoll auf das Leinwandsäckchen
deutend Schrote habe ich keine mehr,
aber als mein Nachbar, der alte Schu
stet, starb, da hat er mir sein ganzes
Bermögea vermacht, und seit der Zeit
schieße ich immer mit Tchuhnäzeln.
Das geht prachtvoll."
.Schwer hatte ich zu schleppen, und
eS sing bereits an zu dämmern, als ich
in die Rahe meiner Shanty" kam uno
da konnte ich denn beobachten wie die
Krähen von allen Seiten heranftrichen.
um meinen Baum schwärmten und sich
schließlich so dicht darauf niederließen,
daß alle Zweige schwarz von ihnen
waren. Jetzt war meine Zeit gekom
men! Rasch goß ich ein paar Eßlöffel
Pulver auf'S Gerathemohl in den Lauf
schob mit dem Ladeftock den Leitartikel
und die Lotalnotizen meiner Zeitung
nach, dann kamen zwei gute Handvoll
Sohlennägel, und die Handelsnachnch
ten und Annonzen machten den Beschluß.
Unter Deckung einiger Büsche schlich ich
mich an, und gerade als die ganze
schwarze Gesellschaft aufgehakt hatte,
da krachte mein Schuß und ich lag
auf dem Rücken. Natürlich raffte ich
mich schleunigst wieder auf eben zur
rechten Zeit, um zu sehen, wie sümmt
liche Krähen, von meinem Schuß auf
geschreckt in die Höhe flogen nein
fliegen wollten, denn sie waren alle, wie
sie dortgesessen, auf die Zweige seftge
nagelt. Leider jedoch zeigten sich die
Wurzeln .meines AhornS der Gewalt
so vieler Flügel nicht gewachsen. nur
ein Moment und sie gaben nach und
icy ich sah den Krähenschwarm
langsam, ganz langsam mit meinem
einzigen Baum sich erheben, langsam
und dann immer schneller mit demsel
den davonfliegen und bald im Dunkel
der rasch herabsinkcnden Nacht ver
schwinden."
Oh. Oh!" machten die Zuhörer voll
Erstaunens, aber einer that die unbe
scheiden? Frage: Und Ihre Söhne, die
beiden unschuldigen Bcngels von fünf
und sechs Jahren? Haben die vielleicht
in den Aesten gesessen?"
Nein! Die haben am nächsten Mor
gen unter dem Ahorn gefrühstückt, der
nicht mehr da war, und dort haben sie
den Sonnenstich bekommen, und daran
find sie gestorben!" erklärte der un
tröstliche Vater und Krähenfeind mit
dumpfer Grabesstimme. Wir standen
alle unter dem Eindruck der Geschichte
und ehrten den Schmerz des Unglück
lichen Vaters durch achtungsvolles
Schweigen.
)ohn Ritsch als Farmer.
Residenz of John Ritsch. Esq..
Größer Neu York.
Mister Editer!
Wann es noch en annere Mensche
gebt, wo in gerad so erer Fix is. wie
Ich, dann gleich Ich es ze wisse. Näm
lich wege dem Sommer. Erstens sollt
Ich hier bleibe Wege Büsneß-Jnterests.
Zweitens sollt Ich an die Coaft gehn.
(net hier, des is net
steillsch. sonnern wei
ter weg), weil des
fäschonäbel is. Drit
tens sollt Ich nach
Päriß gehn, weil Ich
e Gebüldeter un e
Prominenter bin. un
Vertens sollt Ich
West gehn, weil des
nöthig wär. Jch weeß
nämlich net, ob Se
wisse, Mister Editer.
aber Ich hen noch
Länd out West. Yes.
Sir! Ich hen Lünd
in Missouri un in
Känsäs un zu derselbige Zeit sollt
Ich awwer flach mei Presidentschell
Tfchänses watsche.
Wie Ich des. Länd gekaaft hen. da
warn die Hauptcrzeugnisse dervo Horse
Thiefs und Train-Robbers. Ich hen
awwer of course derzu getendet. des
Länd ze impruve. Ich hen Schweine
försterei un Saukultur eigeführt. Ich
hen des Länd nämlich for e Debt nemme
müsse. Ergend was hen Ich doch der
mit anfange müsse. Well da hen Ich
so en Neffjuh dun der Alti gehatt, wo
nix getaugt Hot, un den hen Ich als
e Art vun Verwalter gesetzt. Er Hot
aach sehr gut gethan. Ich sein emol
uff e Tour vun Jnspectschen hinge
trämwelt un da war Ich sehr sätisfeit.
Ich hen sinfhunnert Pigs (des fein
nämlich mit Respekt ze vermelde Säu)
gekaaft gehatt un wie Ich die gründ
Päräd üwwer die Säu gehalte ben. da
war'n es sinfhunnert un finfeverzig
mitaus die Junge (wo mer in Hoch
deitsch Ferkelcher kallx).
Well. Ich hen gedenkt, die Industrie
thät Jnkorrädschment disörve. Kflnse
quentli hen Ich e Ränscherhaus baue
losse un Ich hen Maschinerie hige
schickt un en Expört im Worschtmache
geheiert, wo aach abgereist is for de
West, nachdem daß er dreimal Vor
schuh un zweimal sei Wädsches ahead
gekriegt Hot.
ES war Alles im feinste Trim un
Schäp. Heint vor acht Täg hätt Ich
die erste Sendung vun geselchte (ge
räucherte) Sache kriege solle vun die
NNsyunneri un nnseverzig au, wo
sich bei Stätiftiks un aach uff natür-
lichem Weg noch vermehrt hen.
Wisse Sie. was Ich gekriegt hen
nach erer käsch Auslag vun so un so
viel tausend Toller?
Finf Schlnke un e Paar Wör cht.
(Die Wörscht Hot mer awwer net esse
könne, weil se stinkig war'n.)
Ich hen also of course nach Massoun
un nach Känsäs geschriwwe un da hen
Ich ausyefunne, daß der Neffjuh vun
meiner Alt, jedesmal, wann Ich uff
en Jnspectschen-Tripp gekimme bin. en
0
Paar Täg vorher in der ganze Nach
darschaft in eme RädiuS vun nwwe
EountieS erumgeloffe is un sich vun
alle Farmers die Säu zesammege
pumpt Hot. for en shom mache ze
könne. Nämlich die 500 Süu. wo
Ich als Stack gekaaft hen. die Hot der
Bengel. der verflixte, .schun lang ver
kloppt gehaltn
DeS Schlimmste awwer lS. daß. wie
mer die Leit geschrimwe hawwe. in der
ganze Gegend eS jedesmal geheiße Hot:
Ter John RMch kimmt; letzt aber
braucht vier Säu.
Kansequentli wern ie eisehe. daß
Ich emol wieder selwer nach meim
Missouri un KänsäsLünd gucke muß.
Tann sinf Schinke von sinfhunnert
cüu un sunschtige ExpenseZ, deS is kei
Investment.
Ich denk. Ich werd'S emol mit Wei
Kultscher probirn.
Mit diesem Wunsche sein Ich so lang
Mit RigardS
YourS
John Ritsch. Esq.
Thierquälerei für den Luxu.
TaS beste Schildpatt wird von eint
gen Gattungen der großen Seeschidkrö
ten gewonnen, die in enormen Schaa
ren fast alle Meere innerhalb der
Wendekreise, besonders in der Nähe der
Küsten und Flußmündungen, bevölkern
und während der Nacht an Land gehen.
um ihre Eier im Sand zu verscharren.
Tle Jagd findet darum erst nach Unter,
aana der Sonne statt, wobei sich die
Fischer forgsältig zu verbergen haben.
um den scheuen Thieren nicht ihre Ge,
genwart bemerklich zu machen. Auf
ein verabredetes Zeichen brechen die
Leute aus ihrem Hinterhalte hervor,
und verhindern eine Anzahl der flüch
tenden Amphibien dadurch am Ent
weichen, daß sie sie mittels Hebebäumen
auf den Rücken werfen. In dieser
hilflosen Lage müssen die Thiere bis
zum anderen Tage verbleiben. Tann
werden die Pflöcke in den Boden getrie
ben. die vier in Ruderflossen endigen
den Beine werden mit nicken um
wunden und diese nach Wiederumstür,
zen der oft 2 Meter großen und etwa
500 Kilogramm wiegenden Thiere an
jenen Pflöcken befestigt. .Hierauf be
ginnt das Abtrennen des Rückenschildes
von den lebenden Geschöpfen in der
Weise, daß ' trockenes Seegras und
Reisig auf dem Knochenpanzer aufge
häuft und in Brand gesteckt wird, wo,
durch ein Erweichen und zugleich ein
Aufbiegen feines unteren Randes statt,
findet. Mit Hilfe einer langen und
sehr biegsamen Messerklinge wird dann
der Panzer vom Rücken des Thieres ad
getrennt, wonach dem unglücklichen Ge
schöpfe, dessen ganze Oderfläche eine em
zige furchtbare Wunde bildet. , erlaubt
wird, sich in das Meer zu retten. Das
Tödten der gefangenen Schildkröten ge
schiebt nämlich aus dem Grunde nicht,
weil die Fischer glauben, daß nach Jahr
und Tag sich von Neuem ein Rücken,
schild bilde, die grauenvolle Operation
also an einem und demselben Thiere
mehrmals vorgenommen werden könne
Thatsächlich werden aber die ihres
Schutzpanzers beraubten Geschöpfe eine
Beute gefräßiger Fische, welche die vom
Menschen begonnenen Torturen fort,
setzen, bis endlich der itz des Sen
soriums zerstört und das Thier von sei,
nen unsäglichen Schmerzen befreit wird
Diese empörenden Grau umreiten er
scheinen um so vcrabscheuungswürdiger,
als die Zahl der in den Küstengewas,
fern der Tropen lebenden Schildkröten
eine unerschöpflich große ist, und ihre
Verminderung in absehbarer Zeit nicht
zu befürchten steht, da die Weibchen
eine ungemeine Fruchtbarkeit entwickeln
und in Zwischenräumen von zwei bis
drei Monaten mehrere Hundert Eier
legen.
Jugendlich Richter.
Ein Arm des Flüßchens Widau bei
Tondern in Schleswig führt den Namen
Renzau nach dem Dörfchen Renz im
Kirchspiel Burkall. An einer Stelle
der Renzau, wo die Ufer hoch und steil
find, fiel im Sommer 1631 ein Mann
ins Wasser. Er wäre sicher ertrunken.
wenn nicht ein Ardeiter, der in der
Nähe beschäftigt war. sein Geschrei ge
hört und zu seiner Rettung herbeigeeilt
wäre. Der Mann hielt dem Verun
glückten eine Stange entgegen, an der
sich dieser aus dem Wasser half; doch
das Unglück wollte es, daß letzterer sich
dabei ein Auge ausstieß. Ter Eeret
tete erschien nun bei dem nächsten Ge
richtstage. verklagte seinen Lebensretter
und verlangte von ihm eine Buße für
das verlorene Auge. Die Richter muß
ten nicht, was sie aus dieser Sache
machen sollten und verschoben sie des
halb bis zum nächsten Gerichtstag, um
Zeit zum Nachdenken zu gewinnen.
Als Gerichtsvogt amtirte damals der
Gutsherr auf Renz, Dietrich Larsen.
und er wnßte sich keinen Rath, trotz
allen Grübclns. wie er richten sollte..
Mißmuthig setzte er sich aufs Pferd
und ritt langsam und nachdenklich auf
Tondern zu, wo der neue Gerichtstag
abgehalten werden sollte. Unterwegs
traf er auf drei Hirtenbuden, die am
Straßengraben saßen und eifrig mit
etwas Wichtigem beschäftigt schienen.
Was macht Ihr denn da, Jun
gens?" fragte der Vogt.'
Wir spielen Gerichtstag!" lautete
die Antwort.
Und welche Angelegenheit verhan
delt Ihr denn?" fragte der Vogt
weiter.
Wir halten Gericht über den Mann,
der in die Renzau fiel."
Da hielt der Vogt sein Pferd an.
um daS Urtheil abzuwarten. Alsbald
wurde von dem den Richter spielenden
Jungen für Recht erkannt, daß der ge
rettete Mann an derselben Stelle wie
der in die Renzau geworfen werden
olle: könne er sich dann selbst retten, so
solle er Ersatz für da? Auge haben; könne
er es aitt nicht, so hätte sein LebenS
retter den Prozeß gewonnen.
Der Vogt war höchst befriedigt, er
griff in die Tasche und gab den Junzen
ein gutcS Trinkgeld, dann ritt er fröh
lich nach Tondern und entschied, wie die
Hirten-Knaben erkannt'haben.
Der Kläger konnte sich aber allein
nicht retten, sondern mußte sich wieder
auf Menschenhilfe verlassen, und so ge
wann der brave Arbeiter den Prozeß.
Sin koftbar Juwelensammlung
wurde von der bekanntesten Juwelier
Firma in London, der .GoldsmithS'
and ilver miths Company . zur
Weltausstellung nach Paris geschickt,
In der Sammlung befindet sich em
Perlenhalsband, das einzig in feiner
Art ist. ES besteht auS 46 der schönsten
Perlen und hat einen Werth von tioQ,
000. Ein anderes schönes Halsband
mit fünf Reihen kleinerer Perlen wird
auf $137,500 geschätzt und ist ebenso
vorzüglich gearbeitet. Diese Samm
lung von Perlen von gleicher Qualität
und Größe zusammenzubringen, hat
eine Arbeit von mehreren Jahren erfor
dert. Zu den Sehenswürdigkeiten der
ammlung gehört ein Nereiden",
Service aus solidem Silber mit wun
dervollen Zeichnungen, die Meerbilder.
Muscheln, Seenymphen und Delphine
darstellen, ein Toiletten Service auS
solidem Silber mit Vergoldung, das
aus 35 Stücken besteht und der Av
dagh-Becher", die Nachahmung einer
Sllberarbeit des 10. Jahrhunderts, die
1678 in Ardagh, Limerick, gefunden
wurde. Diamantenschmuck in Ketten,
Kolliers, Armbändern, Schnallen usw.
ist in jeder Einfassung zu sehen. Be
sonders hervorzuheben ist eine Muffkette
von seltenen flachen Diamanten für
$28,000 und ein Tiamantcnhalsband
für $34.375.
Umzug einer Universität.
Im Jahre 1578 herrschte in Thürin
gen eine pestartige Seuche, die nament
lich die Stadt Jena bedrohte. Da er
ließ am 25. Juli die weiinarische Re
gierung die Anzeige, daß die Verlegung
der Universität Jena demnächst nach
Saalfeld a. d. Saale erfolgen werde,
und sie forderte den Magistrat auf,
ganz besonders der Knappschaft in
Saalfcld einzuschärfen, sich bei Tag
und Nacht alles ungebührlichen Wesens
mit Gassereigehen, Singen oder thät
lichem Beginnen wider die Scholaren
bei Vermeidung von Strafe zu enthal
ten."
Der Einzug der Universität geschah
hierauf vom 1. bis 10. August. Das
ehemalige Barfüßerkloster, aus welchem
die Schule in das zunächst stehende
Wohnhaus des Superintendenten David
Aquila verlegt worden war, diente zum
ouegiengebüude.
DaS akademische Treiben kam bald
in Fluß, und es gefiel Professoren und
Studenten zweihundert an der Zahl
sehr gut in Saalfeld. Immerhin
kamen zwischen den Studenten und den
Bergleuten zu Saalfeld, deren damals
gegen achthundert beschäftigt waren,
häusig blutige Raufereien vor.
Nach Wiederabzug der Universität
am 17. März 1579 blieb nur ein Stu
dent, Ludwig von Dassel aus Lüne-
bürg, zurück, der bis zu feinem Lebens,
ende in Saalfeld verblieb. Sein Grab
befindet sich in der St. Johanniskirche
und ist mit einem Leichensteine von
Alabaster geschmückt auf welchem sein
Blionisz m Leoensgroße eingchauen ist
' Ein erkenntlicher Client.
Ein junger Rechtsanwalt in Char
kow hat vor Kurzem einen Fall erlebt,
ver einzig in seiner Art sein dürfte
Der Anwalt hatte ein des Diebstahls
beschuldigtes Individuum zu verthei,
digen. Seine Rede wirkte so über,
zeugend auf die Geschworenen, daß ihr
Spruch auf nicht schuldig" lautete
und der Angeklagte vom Gericht frei
gesprochen wurde. Der erkenntliche
Client dankte seinem Vertheidiger un
ter Thränen zuerst im Gcrichtssaale.
darauf in dessen Wohnung. Bald
nach dem Fortgange seines .Clienten"
vermißte der Advokat eine große An
zahl Kleidungsstücke und verschiedene
andere Gegenstände. Der dankbare
Client hatte sich nicht gescheut, seinen
Vertheidiger, dem er die Freisprechung
verdankte, in frechster Weise zu besteh,
len. Der Dieb wurde zwar bald
darauf ergriffen, doch hatte er schon
Zeit gehabt, die meisten Sachen loszu
schlagen. Die Unverschämtheit des
Menschen ging aber noch weiter. Wäb-
rend der Untersuchungshaft schrieb er
dem Advokaten und bat ihn, auch die
ses Mal seine Vertheidigung zu über
nehmen !
Aus der Kindheit berühmter
Frauen.
'Eine, kleine Prinzessin mukte nA
Geschichte lernen. Eines Tages las sie
von Tiberius. daß ihm die mageren
Menschen Mißtrauen, die dicken dage
gen Vertrauen einflößten. Gut "
sagte sie, ich will, daß meine Unter
thauen zu mir Vertrauen haben." Aus
der kleinen Prinzessin wurde später die
bekannte Königin Victoria.
Raftinirt.
I. Freundin: .Sag' doch einmal.
wie haft Tu eS denn angefangen, daß
Tir Dem Papa em Rad gekauft hat;
er ist doch sonst so sehr gegen daS Rad
fahren?"
1. greundm: .Ich yaoe täglich vier
Stunden Klavier gespielt und da hat
er chuefcua) aus nerzwcmung oas
Rad gekauft."
Im Streit.
A: Ich weiß ja. daß Sie jetzt aber
malS Ihre Einwendungen machen wer
den. denn Sie müssen immer das letzte
a. i - - i . . in . , . i
zori gaoe.ii. ueorigens in es oeianni,
daß der Dümmste stets daS letzte Wort
hält.!
B (schweigt).
Sprüchivsrtsnwendung.
A: .Sie machen noch so ein vergnüg
teS Geficht bei diesem entsetzlichen Kla
viersplel?!'-
B: Ja, ich mache eben gute Miene
zum bösen Spiel."
Die beantwortete Frage.
Professor: Die Frage, ob Wallen
stein oder Gustav Adolph der größere
Feldherr gewesen ist. muß man ent
schieden mit Ja beantworten."
Keine Kunst.
Künstler: .Herr Direktor, ich wün
sche bei Ihnen als Hungerkünstler auf
zutreten."
Direktor: .Bedauere sehr, heutzutage
ist das Hungern keine Kunst mehr."
Bevorzugt.
Mutter: Nun. wie gefällt'S Tir
denn beim Militär?"
Sohn: Ach. janz jut, Mutter.
Mein Unteroffizier ist janz vertraulich
zu mir. Zu die Anderen sagt er
immer Ihr elende KerlS," aber zu
mir imnier blos janz intim .Tu
Kameel"!"
Die junge lvittwe.
Junger Mann: In der Zeitung
stand doch die Wohnung sei bei einer
jungen Wittwe zu vermiethen; das
kann doch nicht hier sein?"
Aeltcre Frau: Gewiß, die junge
Wittwe bin ich; mein Mann ist erst seit
vier Wochen todt!"
Tüchtig Geschäftsmann.
Jainkef (in der Nacht einen Dieb in
seinem Laden ertappend): Wenn Se
mer jetzt nich gleich was abkaufen, zeig
ich Se an!"
Naiv.
Gatte: .Ich habe unsern Hausarzt
gebeten, uns Sonntag Nachmittag zum
Kaffee zu besuchen." '
Gattin: .Aber Fritz, wie unüber
legt, der rechnet doch für den Besuch
zwei Dollars."
Vie Hauptsache,
Professor (der einer Dame einen
Käfer auf dem Blatte zeigt): Sind
nicht die Werke der Natur wunderbar,
wenn man bedenkt, "daß selbst das
kleinste Insekt seinen lateinischen Na
men hat!"
Durchschaut.
A: Freundchen, heute bin ich froh,
Dir etwas zum Besten geben zu können.
Komm' mit ins Wirthshaus."
B: Hm. jetzt möcht' ich nur wissen,
wer Dir eigentlich verrathen hat. daß
der Arzt mir das Biertrinken verboten
hat."
Lrtrem.
Wer ist denn der gelbsüchtige Mensch
dort?"
Das? Das ist der größte Neidham
mel des Städtchens. Wissen Sie. dem
können Sie den großartigsten Witz er
zählen, er trägt ihn nicht weiter, weil
er ihn ganz allein für sich haben will."
Ein Sympatlzie-Doktor.
Freund (zum andern, einem Arzte):
Was, Du hast Deiner hübschen
Patientin einen Heiraths-Antrag ge
macht?"
Arzt: Allerdings, je nun, für
irgend etwas zur Aufheiterung muß
ein guter Arzt doch am Ende sorgen."
Feiner Unterschied.
A: Sie müssen wobl noch reckt
diät leben?"
B: Ja, sehr! Eier muß ich essen.
und Wein darf ich trinken!"
Der kleine Schlaukopf.
Lehrer (zu seinen Schülern): Leh
mann, was ersieht also der Menick
daraus, wenn er die Bienen so fleißig
beim Bauen der Zellen erblickt."
chuler (nach langem Besinnen):
Wie man Zcllengefängnisse baut."
Umgckelzrte Wirkung
Bummel: .Wer war der .fim-. d?r
soeben gegrüßt hat?"
Süssel: Den hab' ick Dir divb
gestern Abend vorgestellt!"
BUMMel: So. dann muft der Kerl
betrunken gewesen fein, denn ich weiß
nichts davon!"
Poesie und Prosa.
Fräulein Diese Felder mit ibren
üppigen Halmen. o.wie herrlich! Das
ganze Herz geht auf bei solchem An
blick. Auf diesem Boden muk wobl
ganz besonderer Segen ruhen?"
Bauer: Jo, jo, das stimmt. Fräu
lein, awwer die Hauptsach' bleibt noch
immer der Mist!"