Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, October 05, 1899, Image 12

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räuL'in D:t;;tii.
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rt tSti$l:iai u'n IJ s!
;.t ftat.
.Eine Tame wuscht 2k zn sprechen.
Sir."
Mister Bragit. der iiluu Inhaber
der Firma Bragit Sholt, IcUctiöcS
in SouthamplonRow, ein magerer,
blasser Mann mit schwarzen Augen, er
hob sich HSrlich auS seinem Sessel, als
eine iunae Tame von kaum 23 Jahren
in ärmlichem Anzuge in daZ Zimmer
geführt wurde und m schüchternem Lone
sagte:
.Ich habe Ihr Inserat in der .2i
mes" aelesen." begann sie, daß Ei,
Agenten beiderlei (Geschlechts beschafti
gen und komme zu Ihnen, weil ich gehört
habe, das; Teteltive-Bureauz tarnen
für ibre Tienste gut bezahlen. Wollen
Sie mich beschäftigen?"
.Ader meine liebe, junge Tame. das
können wir wirtlich nicht." versetzte
Bragit freundlich. Sie dürfen nicht
vergessen, dafz wir solche Tienste. wie
Sie sie uns anbieten, nicht jcöen Tag
verwenden können, Indessen
Er hielt plötzlich inne. denn die Thür
wurde aufgerissen, und ein lrastlger.
stattlicher Mann der andere Jnha
der. Mister Tholt trat eiligen
Schrittes ein und zog Bragit zur
Seite.
.Ter Hund aus Rylands ist
angeloinmen. Croft holt ihn
meint, er wäre nicht zu bändigen.
In diesem' Augenblicke hörte
eben
und
in Ült
einen Lärm im Nebenzimmer. alZ wenn
etwas umgeworfen würde; dann ließ
sich der heftige Ton einer Männerstimme
vernehmen, ein scharfes Bellen und
endlich stürzte eine ungeheure Toggc
durch die Thür, die eine mehrere Fuß
lange, schwere Kette nachschleppte. Mit
einem Satz war das Thier bei dem jun
gen Mädchen mit dem ärmlichen Anzüge,
legte ihm die Vordertatzcn auf die
Schulter und wedelte vergnügt mit dem
Schwänze. Am anderen Ende der Kette
stand ein etwas mürrisch aussehender
Gentleman mit einem schäbigen Eylin
der auf dem Haupte, während sein Anzug
noch jetzt Spuren früheren Glanzes
verrieth. Ich sage absichtlich Gentle
man", denn Walter llroft hatte die
Universität besucht und war dann Offi
zier gewesen, bis er sein ganzes müttcr
liches Vermögen vergeudet hatte: jetzt
war er froh, daß er für 4 Pfund die
Woche für Bragit und Sholt arbeiten
durfte, die seine Kenntniß und seine
Klugheit schätzten und ihm mehr bezahl
tcn, als er sonst bei angestrengter Arbeit
hätte verdienen können.
Bragit schenkte seinem Beamten nicht
die geringste Aufmerksamkeit; er betrach
tete das Mädchen; dasselbe that Croft,
und die uncscheucheltste Bewunderung
sprach aus seinen Blicken.
Der Hund scheint Sie zu kennen,
Miß V
..Ruth' Foster."
Wo haben Sie seine Bekanntschaft
gemacht. Miß öoster?"
In Rylands: ich war dort bis vor
kurzer Zeit Gouvernante; er war mir
stets mehr zugethan, als irgend einem,
mit Ausnahme seines Herrn, Mister
Gcoffren Lennox."
So?"
Die beiden Compagnons wechselten
einen schnellen Blick, -dann wandte sich
Bragit wieder zu Ruth Foster.
Ich glaube, wir können Sie schließ
lich doch beschäftigen, Miß Foster.
Mister Geofsrey Lennox hat auf den
Namen seines Paters, des bekannten
Bankiers, einen Wechsel auf 10.000
Pfund gefälscht und...."
Was. Geofsrey Lennox?"
Die Beiden Männer mußten über das
ungläubige Gesicht des jungen Mädchens
lächeln.
Jawohl." fuhr Bragit fort, er ist
entflohen, und zwar, wie wir glauben,
nach New York. Der Hund soll ihn
ausfindig machen; wenn sein Herr in
der Stadt ist, so wird er ihn sicher frü
her oder später entdecken und ihn unter
jeder Perkleidung erkennen. Indessen
ist es nothwendig, das Jemand, der das
Thier kennt, es begleitet. Die Frage ist
nun, Miß Foster, würden Sie bereit
sein, in drei Stunden mit der City of
Paris" von Liverpool abzugehen?
Mllter Croft wird bei ynen ein; er
wird Sie in jeder Weise unterstützen, so
daß Sie keinerlei Unannehmlichkeiten zu
befürchten haben."
Einige Minuten später saß das junge
Mädchen in einer Droschke, die sie in
ihre Wohnung beförderte, wo sie ihre
Borbereitungen zu der seltsamen Reise
traf.
Als die City of Paris" am nächsten
Morgen von Liverpool absegelte, saß
Ruth Foster auf Deck; ihr zu Füßen der
Hund und an ihrer Seite ihr unbekann
ter Gefährte Walter Croft. Tas Resul.
tat einer Reise und des beständigen
Zusammenseins ist nicht schwer zu er
rathen, wenn der eine Theil ein Mann
und der andere eine junge und hübsche
Dame ist. Walter Croft's Bewunde
rung verwandelte sich deshalb schnell in
eine Leidenschaft, deren Heftigkeit ihn
selbst überraschte, so daß er am Tage,
bevor sie landeten, um ihre Hand
anhielt. Sie lehnte fein Anerbieten mit
freundlichen, aber trotzdem recht ent
schiedenen Worten ab, obwohl ihr die
Enttäuschung, die sich auf seinem
Gesichte malte, augenscheinlich Kummer
bereitete.
Am vierten Morgen nach ihrer Lan
dung in New York sah sich das junge
Mädchen einem eleganten Marine von
eiira L0 Jähren gegenüber, dtrir. einer
belebten Straße cvA ine Lader. Im.
Gehren! Gtrrrv,'." ruf sie außer
sich.
.n:h. Sie Ue:? Gcü fei Dcr.l!
Endlich haben wir uns getrogen.- ver
feste er leidenschaftlich. .Ich fürchtete
schon, ich hatte Sie für immer wi
Irren, Au ib. und wenn ich daran dachte,
wie Sie Ayland, verlassen haben, dann
vergaß ich fast, was ein Sohn feiner
Mutter schuldet und hatte sie bald der
flucht. Ich dachte immer, es müßte
Ihnen etwas pessirt sein. Sie waren
krank, todt vielleicht; sonst hatten Sie
die ganze Zeit etwas von sich hören las
scn. Warum thaten Sie es nicht? Es
war grausam von Ihnen." setzte er fast
grollend hinzu.
Oh. Geofsrey. ich that es ja zu
Ihrem Besten. Ihre Mutter sagte mir,
ich dürfe nicht mehr an Sie denken,
denn Ihr Pater würde Sie enterben,
wenn Sie mich hcirathcten. Ich mußte
ihr zugeben, daß sie Recht hatte, und
deshalb schrieb ich Ihnen auch nie. wo
ich mich befände. Ich glaubte, Sie nie
wiederzusehen, doch jetzt jetzt leben
Sie in. Sorgen und mein Platz ist.
wenn Sie es wmnchcn. an yrer
Seite."
In wenigen onen erzählte lyr
Geofsrey die Geschichte seines Per-
brcchens, wie er den Check gefälscht, um
das Geld feiner Schwester zu geben, die
sich gegen den Willen ihres Paters vcr
hcirathet hatte und damals sehr arm
war. Ter Betrag des Checks erreichte
die Höhe des Hcirathsgutcs seiner
Schwester, welches ihr Pater nach ihrer
heimlichen Heirath nicht hatte aus-
zahlen wollen.
Er hatte von der Gefahr, in der er
schwebte, keine Ahnung. In wenigen
Worten sagte Ruth ihm das alle?, daß
sie hierher gekommen, um ihn, wenn
irgend möglich, zu reiten, und daß er
auf der Stelle New yoxl verlassen
müsse. Tann kam ihr plötzlich zum
Bewußtsein, daß man ja nicht sehen
durfte, daß man auf der Straße mit
ihm sprach, und deshalb forderte sie
ihn auf, vorläufig von ihr Abschied zu
nehmen und sie sofort zu verlassen.
Er ging, aber als er Ruth s Auqcn
entschwunden war, folgte ihm ein
chädig gekleideter Mann, der bis dahin
an der entgegengesetzten Ecke gestanden
hatte.
Ruth foster hatte eben ihr Hotel
erreicht, als auch Croft nach Hause
kam. Mit seltsamen Blicken trat er in
hr Zimmer und fragte, ohne ihr die
Hand zu reichen, in scheinbar härm
losen Tone:
Nun. haben -ie heute nichts Neues
entdeckt?"
Nein." versetzte sie und bückte sich
zu oem mnd herunter, damit er nicht
ehen konnte, wie roth sie wurde.
Sind Sie denen ganz sicher?"
ragte er langsam und eindringlich, in
eigenthümlichen Tone.
Was wollen Sie damit laqenr
Er ergriff sie beim Arm und richtete
hr Gesicht in die Hohe.
Sie wissen recht wohl, was ich sagen
will. Sie sind heute mit Geofsrey
Lennox zusammengetroffen nein,
nein, Sie brauchen es nicht zu leugnen;
denn ich habe Sie gesehen. Ich folgte
Ihnen, wie ick es in den letzten zwei
Tagen stets gethan, seit Sie dies hier
haben sauen lassen."
:ü diesen Worten zog er ein iuck
Papier aus der Tasche; es war ein Bil
t, das Geofsrey Lennox an sie gerichtet.
als sie noch Gouvernante in Ryland's
war.
Sie stlc einen leisen -chre: aus und
agte:
Glücklicherweise können Sie ihn nicht
verhaften: denn Sie reinen ia nicht, wo
er sich befindet."
Glauben Sie?" verletzte er lächelnd.
Denken Sie, ich wäre ein solcher Narr,
um mir eine solche Spur entgehen zu
lanen, wenn ich sie einmal gefunden.
Er kann in jeder Minute verhaftet wer-
den, wenn ich will; den Befehl dazu
habe ich hier in meiner Tasche."
Ader das werden Sie nicht thun,
nicht wahr, Sie werden mir das nicht
anthun Ich würde ja davon ster-
ben . . . . "
Pcrzweifclno rang sie die Hände. ,
Er richtete seine flammenden Augen
auf sie.
Was wollen Sie thun? Wollen Sie
mich heirathen. Ruth? Hören Sie mich
an", fuhr er in hastigem Tone fort,
wenn Sie ihn so lieben, wie Sie es
behaupten, so werden Sie sicher nicht
vor einem Opfer zurückschrecken, um
ihn vor dem Zuchthaus zu bewahten.
Wenn Sie mir das Periprechen geben,
mich sofort zu heirathen, sosoll er New
Jort auf der Stelle vertanen dürfen;
wenn nicht, so schwöre ich Ihnen, wird
er in einer Stunde verhaftet fein. Sie
können wählen, ich gebe Ihnen fünf
Münuten Bedenkzeit."
Oh, Sie Schurke", stöhnte sie die
Hände ringend, was soll ich thun, was
soll ich thun ?"
Die Zeit vergeht." bemerkte er lako
nisch und nahm höflichst lächelnd den
Haftbefehl heraus.
Sie sollen ihn haben, wenn Sie den
Preis bezahlen. Was fällt Ihnen ein?"
fuhr er fort: denn mit schneller Bewe
gung hatte sie ihm das Blatt entrissen.
Er packte sie beim Arm. um es wie
der fortzunehmen, als sich plötzlich ein
dumpfes Knurren erhob, und die Dogge
auf ihren alten Feind zustürzte: mit
einem Satz hatte sie Walter Croft zur
Erde geworfen und die fruchtbaren
Zähne in seinen Hals geschlagen. Die
Scene hatte nur einen Augeblick gedau
ri : denn da- entsetzte Mädchen hatte
den Hund sofort zuruckgerissen; doch der
Tetat:v rührte sich nicht mebr. er lag
mit leiicr.olcvent Gesicht cm Erdboden
.Hier ist nichts zu macden, alles ist
unnütz, d.r Mann ist tcdt. Tocl nicht
oiejayne oe-unoe? yaocn izn geioo
tet. sondern die Furcht?"
?llZ Ruth wieder allein war. öffnete
sie die Brieftasche, die der Tetectiv hatte
zur Erde fallen lassen, als sie plötzlich
ein aptcr verner'te, das tdre ganze
Aufmcrtsamteit erregte. Es war ein
Telegramm aus London das diesen
Morgen aufgegeben worden und mit
dem Namcnszug Bragit und Shold
unterzeichnet war; als sie es als. schwand
ihr ganzes Mitleid für Croft und machte
einem grimmigen Haf?e Platz: denn die
Tcpeschc enthielt folgende Worte:
Sir Edward Lennox gestern Abend
am chiagfluß cestorben. das alte
Testament bleibt bestehen, der Sohn erbt
das ganze Pcrmögen. Haftdcfedl natiir
ach zurücknehmen, tn Nero Yorker Jci
lungen annonciren, zurückkommen."
Geoffrey Lennox war Millionär
Croft hatte die Nachricht geheim gehal
ten. um seine eigenen schwarzen Pläne
zur Ausführung zu bringen; denn er
wußte, sie würde lieber das Acrgste
thun, al- den Mann, den sie liebte.
veraasten zu lancn.
ziian oraucyi woqi nicvl crji zu er
wähnen, daß der Zug nach Philadel
phia an jenem Nachmittag ohne Geoffrey
und Ruth Foster abfuhr; doch wenige
.age spater las man ln der Panaqier
liste des nach Liverpool absegelnden
Dampfers die Namen: Herr und Frau
Geonrey lennox."
Der alte Wumr Flügel.
Cfpi'oce aus Richard lOagnct ä toten.
5 I i s e P o I k o.
;on
Es war vor langen Jahren (1832).
als eines Morgens im Leipziger Tage
blatt", wie man mir erzählt hat. in ir
gend einer Ecke zu lesen stand: Zu der
kaufen oder zu vermuthen ein alter
Wiener Flügel. Stadtpfeifergäßchen
drittes Haus, dritter Stock, erste Thür
Gar manckc Augen lasen diese Worte
Schließlich vergaßen sie Alle die kleine
Anzeige, nur jene arme, alte Sängerin
vergaß sie nicht, die sie hatte
einsetzen lassen und die nun in ihrem
engen Studchen auf die Schaar der
Käufer wartete.
Ja. alt war offenbar das schmale
langgestreckte Gehauie einer alt berührn
ten Firma in Wien. Die Frauenaugen
aber hingen trotzdem mit einer fast lei-
denfchastllchen Zärtlichkeit an dielem
einzigen treugebliebenen Gefährten aus
fchönen Tagen.
Und wie manche berühmte Hand hatte
auf seinen Tasten gelegen, neben so
mancher kleinen, weißen, die so tnt
zückend aussah und doch so viele al
sehe Noten griff!
Sie gab als pensionirte Sängerin
Gesang Unterricht, gewissenhaft und
unermüdlich, quälte sich an den begab
ten chüterinnen immer wieder von
Neuem, bis eben jetzt ein Elückszufall,
wie ihn die Leute nannten, sie in ihre
geliebte Heimaihsstudt. das fröhliche
Wien, zurückrief. Eine wohlhabende
Berwandte bot ihr nämlich ein freund
liches Heim an, bis an's Ende ihrer
Tage, wie sie geschrieben hatte. Sie
schwankte nun lange, die Arme, denn
eben jenen Antrag annehmen, hieß: sich
trennen von ihremtheuesten Freunde.
Ihren Flügel wiederum mitzunehmen
auf eine so weite Reise, daran durfte sie
der Kosten wegen nicht denken. So
war denn jene kleine Anzeige verfaßt
und eingesandt worden, und min saß
Fräulein Marianne H. an ihrem Fen
ster und wartete mit heftig klopfendem
Herzen schon stundenlang und freute
sich doch heimlich, daß wenigstens heute
Niemand kam.
Endlich gegen Abend war's
draußen funkelte der Schnee auf den
Dächern, da sprang Jemand leicht und
hastig die Treppenstufen hinan, die
kaum unter dieser flüchtigen Berührung
knarrten. Ach, da war ein Käufer!
Also doch! Ein rasches Klopfen!
ein halb ersticktes Herein! und ein
schlanker Jüngling trat, die Studenten
mutze in die Hand, grüßend über die
Schwelle.
Sie wollen den Flügel doch nicht
taufen?!" fragte angstvoll die Stimme
der Frau, die sich erhoben hatte: sie
überragte den Fremden um Bedeuten
des. Richtig gerathen," antwortete er.
ich kann den Flügel leider nur wie
then. das heißt, wenn er nicht zu theuer
ist! Ich habe bis , jetzt nur auf einem
Pianino spielen können. Und er müßte
auch hier stehen bleiben und ich käme
dann alle Tage, wenn ich eben Zeit
hätte!" fuhr er lebhaft, fast athemlos
fort. In meiner Studentenstube in
der Nitolaistraße ist nämlich durchaus
kein Platz dafür, mein Fraulein, und
dann habe ich auch einen Stuben
burschen. der macht Perse und Theater
stücke und kann das Spielen nicht
leiden!"
Die Sängerin hatte, während der
Student sprach. Licht angezündet. Ein
Freudenschein lag auf ihrem blassen Ge
ficht, der es ordentlich verjüngte. Also
nur miethen!
Darf ich den Flügel einmal probi-
ren?" fragte die helle Stimme jetzt.
te niaie oener.
Er warf sein Küppchen achtlos bei
Seite und saß vor den Tasten. Ein
scharfgeschnittenes, bartloses Gesicht war
es. auf das der erzenschein letzt siel, i
helle, blitzende Augen, ein energischer
Mund, eine schmale, kjohe Stirn, von
braunem Haar umgebcn. Es war ein
Kops, den man nicht vergaß, wenn
man ihn einmal gesehen. Und der
junge Mann spielte und spielte, ohne
sich um sie zu kümmern. Wie lange?
Tas wußte weder er noch seine Zu
Hörerin. Tenn s:e saß mit gefalteten
Händen regunssloS da und träumte
daß es wieder L, nz geworden fei, singen
der. klingend Frühling;' es zog sie wie
mit unsichtbaren fanden m einen duf
tenden Zaubcrgartcn. ein Gefühl von
Jugend und Glück überströmte sie wie
mit einem Bluthenreqen. So wunder
bar, wie eben jetzt, hatte der alte treue
Freund lange nicht zu ihr geredet von
alten, fchönen Seiten.
Sie schaute sich denn auch ganz der
wunoerl um ln ihrem engen i-tudchen
als nun der junge Student ausstand
den Teckel zuklappte und sagte:
Ich kann schon ganz leidlich daran
fertig werden, feine Stimme gefallt
mir. Tas melodische Singen hät der
alte, brave Bursche zum Gluck noch nicht
verlernt! Ich denke, ich versuch s mi
ujm: irr yai oas Zeng oazn, mei:
Freund zu weiden!"
.und icy ocnre, antwortete fie er
regt und mit einem stolzen Blick, daß
ein Flügel, dessen Tasten die Finger
so manchen Meisters und zuletzt sogar
die des großen Beethoven berührt haben
wohl gut genug sein dürfte für einen
liancn leipziger Studenten!"
Wie das zunge. schmale Gesicht da
plötzlich aufleuchtete und die Äugen
erstaunt in das Antlitz der Redenden
blickten! Tann aber murmelte der
kleine Student fragend:
Ter wahrhaftige Beethoven?! Nun,
da wird er wohl zu theuer für mich
sein! Ade. alter Geselle! Ich hätte
gern weitere Bekanntschaft mit dir
gemacht!" Und er griff nach seiner
Mutze.
Nicht so hiig. ich werde mir den
Preis überlegen," lächelte sie nun
Einstweilen dürfen Sie jeden Taa
kommen, wenn Sie Zeit haben. Wir
Beide, wir werden schon mit einander
fertig werden."
Sie mußten wohl über den beschei
ocncn 2.'nciyvreis ficy fcyiiemlcy zur
gegenseitigen Zufriedenheit geeinigt
haben, wenigstens kletterte der iunae
. stY! r- t r 1 f r 4
leipziger tnoent fortan jeden Tag in
das 'mocyen der ehemaligen Eanaenn
und das freundlichste Gesicht empfing
ihn dort, zu welcher Stunde er auch
hereinstürmen mochte. Biele Worte
wurden bei dieser Gelegenheit zur Be
grüßung nicht gewechselt. Tas alte
Fräulein huschte sofort in ihr Eckchen
am Ofen, als ob es so sein müßte, und
versank dann in die schönsten, wachen
Träume. Ob der junge Mann am
Flügel dort gut spielte, hätte sie nim
mer sagen können, wenn man sie ge
fragt, die Töne, die unter seinen Sän
den aufblühten, sich verschlangen, zu
seltsamen Harmonien wurden und hin
und herwogten, ließen ihr qar keine
Zeit zum Nachdenken, sie war während
jener Musik wie verzaubert. Wie oft
wiederholte aber auch der Spieler vor
ihr, wenn er ausikand, die Worte:
Ter Fluge! da ist mein erster und
bester Freund geworden! Ich liede ibn
Und ich weiß nicht, wie es kommt, aber
wir eide erzählen uns Alles!"
Was erzählten Sie ihm denn so-
ebenf" fragte sie eines Taaes.
Nun. eine Symphonie!"
Sie lachte.
Das heißt groß anfangen!"
Groß oder gar nicht anfangen!"
lautete die stolze Antwort. ..Und nun
gar auf einem Flügel, auf demBeethoven
gespielt hat, da macht sich's ganz von
etost, meine ich!"
An lene verwandte in Wien war
natürlich längst die Antwort abge
gangen: Ich kann jetzt noch nicht kommen.
denn der Flügel ist bis zur Stunde
nicht abzuschütteln."
Tan nach dem kleinen Studenten
noch mancher angebliche Käufer bei ihr
vorgeiprochen. erzählte die alteängerin
freilich Niemand, am allerwenigsten
ihrem jungen Freunde selber.
Und wenn er wohl einmal innehielt
und die Hände von den Tasten gleiten
ließ, dann erzählte sie ihm leise, als ob
er fie gefragt, von jenen leuchtenden
Gestalten, die einst an ihr vorüber
gewandelt, von dem lustigen kleinen
Ditter von Dittersdorf. unter dessen
Taktstab sie einst sein Rothküppchen"
gesungen, dem alten Papa Haydn.
dessen erstes Hannchen sie hat sein dür-
fen. und von dem schüchternen Carl
Maria von Weber, der mit ihr sein
Waldmädchen" studirte, und der da
mals noch nicht an seinen Freischütz"
gedacht. Pon dem großen Ludwig von
Beethoven aber erzählte sie mit leuch
tenden Augen und einer gewissen ernsten
Feierlichkeit, wie er einmal, als sie in
ihrem kleinen Parterrestübchen eben
lustig schmetternd an ihrem Flügel das
ted Hannchen S sang:
Ein Mädchen, das auf (?hre hielt "
plötzlich hercingetreten fei mit den Wor
ten: Kind. Sie haben im dritten Takt
einen falschen Ton im Baß gegriffen!"
Tann habe er, ohne weiter zu fragen,
Platz genommen vor den Taften, den
Accord gegriffen und ruhig oesaat:
Ancora!" Gesungen hat sie dann
reilich, denn sie wußte, wer das war,
der vor ihr saß wer einmal dieses
Jupiterhaupt gesehen, vergaß es nie
wieder aber wahrscheinlich wohl wie
eine alte Frau, zitternd und bebend.
Beethoven nickte aber dennoch gütig
und lach.-lnd am Schluß, strich fluchtig
mit der Hand über ibre Wange und
ging tchweigend wicder hinaus.
Tas war ihre BttthovenGeschichte.
Aber so achtsam der kleine Student auch
zuhörte, von dem Carl Maria von
Weber wollte er eigentlich doch am
meisten wii'en. nach ihm fragte er
immer wieder und den .Freischütz'
konnte er auswendig bis auf die kleinste
Note. Er ließ dann bald diese, bald
jene Weber'sche Melodie über die Tasten
brausen, in feurigster Weise zugleich
erklärend und bewundernd. Tas waren
seltsame Stunden voll gegenseitiger
Anregung, die erst aufhörten, als der
junge Muicnszhn die alte Lindcnftadt
vertletz.
tn.'as fchtieich aus ihr und ihrem
alten Flügel geworden, wußte jene
ykiicre Wienerin, die m:r das Alle
erzählte, leider nicht zu sagen: was aber
aus jenem Leipziger Studio,us wurde
nun, den kennt die ganze Welt: Richard
Wagner.
Und jener Perse und Theaterstücke
schmiedende Stubenbursche in der
Nikolaistraße, der damals das Spielen
nicht leidenwollte, lneß: Heinrich Laube
I'iit wie brennenden Köpfen mögen
jene beiden jugendlichen Studenten gar
manchen Avcnd beuamincn gcweien fein
weltverdeszerndc R:e?cnpläne schmi
dend. und wer weiß, ob nicht der gcist
volle Tramatikcr die ersten zündenden
ichterfunlen in die ecle des genialen
Musiters geworfen.
?ie Sorte war nicht an Hand.
Eine Tame kommt zu einem Hunde
Händler. Ich wohne in einem Porort
und möchte einen guten Haushund ha
den.
Händler: Ja. gnädige Frau!
Aber naturlich möchte ich keinen
haben, der uns die ganze Nacht wach
hält mit Bellen um nichts und wieder
nichts."
Nein, gnädige ,xrau!"
Kti muß gron. fiarl und wild fein
wiifcn -ie k"
Ja, gnädige Frau!"
Aber gegen uns so sanft wie ein
Lamm."
Ja. gnädige Frau!
Und er muß auf jeden Landstreicher
losstürzen und ihn wegtreiben
Ja. gnädige ?rau!"
Aber er muß keinen armen, aber
ehrlichen Mann anfallen, der sich nach
Arbeit umficht."
Nein, gnädige ran!"
Wenn ein Tieb in der Nacht stehlen
will, so müßte der Hund ihn in einem
Augenblicke in Stücke reißen."
Ja. gnädige Frau!"
Aber er muß keinen Nachbar an
greifen, der Abends einen kleinen Be-
such macht."
Nein, gnädige rau!"
Und natürlich darf er keine Leute
vetafligen, die zu allen Stunden der
Nacht eilig kommen, um meinen Mann
zu holen. Er ist nämlich Arzt,
'Nein, gnädige vrau! Ich weiß iekt.
was Sie wünschen. Sie wollen einen
gedankcnlefenden Hund."
Ja. so etwas Aehnliches. Können
ie mir einen schicken?"
Ä.ylli m:r eur ieio. gnaoiqe ,,rau.
die Sorte ist mir gerade ausaeaanacn!"
Der Herzog vo Montaguc
fand großes Gefallen an allerhand
Späßen. So hatte er in seinem
Staatszimmer einen großen Spiegel
hangen, der nicht richtig spiegelte, 10
daß die vornehmen Gäste, welche in
Montague's Hause speisten, wenn sie
t or diesem verräthcrischen Spiegel vor-
beigingen, ihre Pcrrucken schief rückten
Damals war eine Staatsperrücke ein
wichtiger Theil des Anzuqes. Jeder von
den Lords und Herren, die an der Ta-
el des Herzogs saszcn. wunderte sich
gemeiniglich über die ichiefe Lage der
Perrücke feines Nachbars, die über das
rechte Auge berabgezigen war. wäh
rend er sich im Stillen freute, daß seine
Perrücke recht sitze, da er sie kurz vorher
vor dem großen Spiegel zurecht gerückt
hatte.
Ein Weinhänoler
übersandte dem englischen Staatsmann
Lord Derby eine Probe mit der Bemer-
kung, dan dieier Wein ein probatc
'mim gegen das Pooagra fei. In
einem späteren Briefe bat er um einen
Auftrag. Die Antwort, die er erhielt.
war natürlich in der dritten Person
abgefaßt, wie es in England das Privi-
legium dlstinguirter Personen undiftm
guirten Shopkeepern und bürgerlichen
Geschäftsleuten gegenüber ist, und schloß
nach den üblichen Komplimenten mit
den Worten: Der Graf Derby hat den
übersandten Wein probirt. er zieht
jedoch das Podagra vor.
Sympcitbische Form.
Macht Ihnen der Dienst bei der Luft-
chiffer-Abtheilung eigentlich Spaß?"
Soldat: O ia. de anders seitdem
die neuen Ballons solche wurstähnliche
Form haben."
TrZum.
Der lyrische Dichter Erwin Blumen-
hauch hat ein eigenes Pech. So oft er
den botanischen Garten geht, um
das Erwachen der Natur zu belauschen,
schläft er ein.
Ungewohnt liedenzmürdiz.
Der Kranke: Sei so gut.
liebes
Riekchcn !"
Gattin zum Arzt : Mir cheint.
Herr Doktor, mein Mann phantasirt
schon wieder!"
!?kcnk!lch ?-niit."n.
Ä: .Ich höre, Sie haben einen ai:
deren Hau?arzt: warum baden Sie den
früheren abgcschaff:?"
B: Er hat sich in voriger Woche mit
einem ganz armen Mädchen verlobt,
und natürlich lasse ick mich von einem
Wahnsinnigen nicbt behandeln."
Iruc?fk!!.
Von allen Seiten strömten die Fdr
ster des Bezirks nach der Kreisstadt zu
fammen; galt es doch, das fünfzigjc:h.
nge Jubelfest ihres allverehrtcn Forp.
Meisters durch ein großcs Gclüae wür
big zu feiern.
Von dem Uebel wollen wir Sie bald
befreien, sagte der Zahnarzt zu Frau
Schwätzer und griff nach der Zunge.
vank es Ltt',zcwchcncn.
Ter freigesprochene Taschendieb (nach
der Verhandlung zum Pcrthcidi.'er):
..Tank' schön. Herr Toltor. wunder
schön habe S' daherg'redt und ,tics.
g'rührt) d'rum bring' i's nit uber'Z
G'wissen, das Portemonnaie zu bchal
ten. das ich Ihnen aus der Tasch'n
gezogn hab', wie S' vor der Pcrhand.
lung bei mir g'stand'n sein da iZ'Z."
Unsere ?eiistbctz!.
Tieiistmadchcn: Ich hoffe, gnadige
Frau, daß Sie mir vom nächsten
Monat an mehr Lohn zahlen."
Gnädige Frau: Wie können Sie
mehr Lohn verlangen? In den meisten
Familien bekommen Sie noch weniger!"
Tienstmadchen: Nc. viel mehr!"
Gnädige Frau: So. das werde iÄ
wohl wissen!"
Dienstmädchen: Na. wo haben Sie
denn gedient?"
rIufip.
Herr Leutnant, lesen Sie einmal
das Ballgespräch hier im Blatte."
Aeh. Ie,e nur Hosballgespräche."
Kein Kcaiikbeits vmptom.
Arzt: Nicht wahr. Sie haben öfter
Turft?"
Patient: Turst? Ta wäre ich ia
nicht krank!"
Refervirt.
Bankier: Nun. Herr Baron.
wie
gefallt hnen meine Tochter?"
Baron: ..Als Ihre Tochter
gefällt
sie mir sehr gut!"
Lin ungknter GMt.
Sie: Warun; wohl die
Russen
immer vor dem Essen einen
Schnaps
genießen'" - - -
Er: T:e wollen sich gewiß Mutl,
trinken."
k?ffnunz.
Richter: Weshalb haben Sie im
Arrest so fürchterlich gerauft?"
Seppl: ..ir had'n gehofft, daß s'
uns dann vielleicht hinauswerfen!"
Früh übt sich.
Aber Lieschen! Wie kann denn ein
o großes Mädchen wie Tu mit Blei
oldaten spielen?"
Bitte. Mama, das sind ja keine ae-
wöhnlichen Soldaten, das sind ja Leüt
nants!" Wdwed!
Sie: Ei, lieber Schwiegersohn, das
st einmal etwas Seltsames, dak Sis
sich bei mir anschauen lassen."
in: is, ich habe mir oft voraeno,:
men. Sie zu besuchen. Sie wissen ia:
der Weg zur Hölle ist mit guten Bor-
atzen gepflastert!"
bemännischez Unheil.
Intimus: Wie flott Deine Alte noch
tanzt?"
Ehemann: Sie ist eben ein Brumm-
reiset!"
Komische? Mcnolog.
Junggeselle: .Ach. es ist ia baar-
sträubend, wenn ich im Spiegel meine
Glatze betrachte!"
Güilstia.
!l: Der Studio Schlauch hat!
30,00
maxi von feiner Tante geerbt!"
B: Na, das ist ia wieder einmal
Bier auf seine Mühle!"
Zm cklfer.
Mi'.ttcr: ..Man will wissen. Dein
Mann habe Dich schlecht behandelt!
'ifnilhil. Ärrtii 0'-,t,n. CTS.
.TiHun.u niito tl3.
ist nicht wahr.. .. höchstens wie ich
krank war!"
vor der steuer-Kommission.
Beamter: Ihr Einkommen bat sich
doch seit dem Porjahre nicht vermin
dert?" Steuerzahler: C doch, man kredi-
tirt mir jcht nichts mehr!" .
Unker Freundinneü.
,Tenke Dir, Mathilde. Dein Bruder
hat mir gestern einen Heirathsar.traz
gemacht."
Na, da war er gewiß wieder einmal
beduselt!"
verschriaxpi.
Ta hast Du Dir wieder einen so
chlechtsitzenden Ueberzieher angeschafft!"
Ja. glaubst Du denn, im Restau-
rant kriegt man ihn angemessen?"
Auf dem fdemac?k.
Schau nur. was dem Friedenh?im
eine Pferde für krumme Beine haben.
Ist das e Wunder: Wie d?r Herr
o 's eschen!"
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fff-:.-' ',-6H.