Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, September 07, 1899, Image 11

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    Line Tarantel im IPhisff.
(Sine so ungewöhnliche Aufklärung
hat ein Äordder vor länger als fünf
Iahren aus einem Zuge der Ct. Louis
fc San Francisco Eisenbahn verübt
worden und besten Opfer ein Halbblut
ishcrokce NanicnS Iim Blackbird war.
erfahren, daß die diese Blutthat beglci
tcnden Umstände wohl bekannt zu wer
den verdienen. Tcr Ermordete war
ein Bewohner der Ortschaft Binita im
Jndianer-Territorium und galt allge
mein als ein ruhiger Mensch, dem man
nichts Böses nachsagen konnte, in
Wirklichkeit aber war er ein heim
tückischer Meuchelmörder und Räuber,
den schließlich die Nemesis ereilte. Wie
alle Indianer war er vom Spielteufel
besessen und nicht selten verlor er am
grünen Tische erhebliche Summen Gel
bes. deren Herkunft selbst seinen Freun
den ein Räthsel blieb. l$s war um die
Zeit des I. Februar 18i5, als Black,
bird plötzlich verschwand und etwa eine
Woche später in einem leeren Eisen
bahnwagen in Springsield, Mo., die
Leiche eines Indianers mit drei Kugeln
in der Brust gefunden wurde. Ter
Todte war unzweifelhaft mit Blackbird
identisch und wurde auf dem Armen
Jriedhof bestattet, nachdem dcr Coroner
seinen Jnqucst abgehalten hatte. Taß
der Indianer daS Opfer eines Mörders
geworden war. lag klar zu Tage, doch
vermochte Niemand auch nur eine wahr
scheinliche Theorie für den Hergang der
Blutthat vorzubringen ja, eS ließ sich
nicht einmal feststellen, wo der Mord
verübt worden war. Taß demselben
ein Kampf vorausgegangen war, ließ
sich aus der Lage des Körpers nicht fol
gern. Ta es sich nur um einen unbe
kannten Indianer handelte, ließen die
Behörden von Springsield die Sache
bald fallen. Blackbird's Angehörige
forschten vergeblich nach dem Verbleib
des Verschwundenen, und nach Verlauf
eines Jahres beschlossen sie, seine Hin
tcrlassenschaft, die aus Land, Haus und
Hof bestand, zu theilen, aber dabei
stießen sie auf Schwierigkeiten und die
Erbschastssache fchwebt jetzt noch in den
Gerichten. Tiefer Tage nun hat ein
früherer Schauspieler Namens George
A. Villcre dem Indianer Cornrnissär
William A. Jones und dem Land
Commissär des Indianer Bureaus
Charles F. Larrabce die Ermordung
des Indianers, bei welcher er selbst zu
gegen gewesen, in allen Tctails geschil
dert. Als Grund, weshalb er über
die Blutthat bisher geschwiegen, gab
Billcre an, daß schon die bloße Er
inncrung an dieselbe, die ihn vorzeitig
zum Greise gemacht, ihn in eine schwere
Gcmüthscrregung versetze und er auch
jetzt noch geschwiegen haben würde,
wenn nicht eine Zeitung die Angelegen
heit erwähnt hätte. Villcre befand sich
auf einer Eisenbahnfahrt a la Tramp,
als er unfreiwilliger Zeuge des Mordes
wurde.
Ich gehörte, erzählte er. einer
Theatertruppe, die in El Paso. Texas,
Schiffbruch gelitten hatte, an und war
genöthigt, wie ein Landstreicher heim
wärts zu ziehen, da es mir an Geld zur
Bezahlung der Eisenbahnfahrt gebrach.
Wenn es anging, versteckte ich mich auf
Güterzügen und wurde ich. was oft ge
schah, auf einer Station entdeckt und
verjagt, dann suchte ich Wirthschaften
auf, wo ich die Gäste mit Gesang und
Tanz unterhielt, um wenigstens etwas
zum Essen zu bekommen. In dieser
Weise kam ich bis Muscogce. I. T..
und dort gelang es mir, im Finstern in
einen offenen Waggon zu klettern. Als
ich hineinstieg, trat ich einem Manne in
das Gesicht; dieser überhäufte mich mit
einer wahren Fluth von Flüchen, ließ
sich aber bald beruhigen. Es war ein
Eowbo, der aus dem nördlichen Texas
sich auf dem Wege nach dem Osten be
fand, um dort seine Ersparnisse zu vcr
jubeln; trotzdem er mit Geld wohl der
sehen war. reiste er wie ein Tramp, da
er der Eisenbahn keinen Cent zukommen
lassen wollte. Es war bitter kalt, wir
kauerten dicht beieinander und so schlief
ich ein, um auf einer anderen Station,
wo die Lokomotive Wasser einnahm,
aufzuwachen. Leise kroch dort ein drit
tcr Mann, der einen eigenthümlich grun
zcndeu Laut ausstieß, in den Waggon.
Es ist ein Indianer." flüsterte mir der
Eowboy in's Ohr.
Als der Zug sich wieder in Bewegung
gesetzt hatte, redete der Cowboy den An
kömmling in der Chcrokccsprache an
und dieser antwortete auf Englisch, daß
er nur bis zur nächsten Station wolle.
Hast Tu eine Flasche?" fragte der
Cowboy weiter und mit einem bejahen
den Grunzen zog der Indianer eine
solche hervor.
Wir langten beide zu gleicher Zeit
nach der Flasche und ich bekam sie zuerst
in die Hand, doch wurde sie mir von
dem Cowboy entrissen, ehe ich trinken
konnte. Ohne ein Wort zu äußern,
zündete dieser ein Streichholz an und
blickte scharf auf den von der Flamme
hell beleuchteten Whisky. Plötzlich
ging ein Ausdruck des Entsetzens über
sein Gesicht, krampfhaft preßten sich
seine Lippcil zusammen und ehe ich mir
diese Erregung erklären konnte, krachten
drei Revolverschüsie. In der Meinung,
es mit einem Wahnsinnigen zu thun zu
haben, flehte ich ihn an, mich nicht zu
todten, aber seine Antwort war nur ein
heiseres Ruhig!", indem er mich gleich
zeitig zu Boden drückte. Wie lange ich
in dieser Stellung verblieb, weiß ich
nicht; nur erinnere ich mich an das un
heimliche Röcheln des Indianers. Ter
Cowboy hielt während der ganzen Zeit
den Revolver in der Faust und sagte
schließlich zu mir: Tas ist sein Letztes,
er wird uns nichts mehr zu leide thun."
Tann zündete er ein Streichholz an und
leuchtete dem Todten in'S Gesicht. Wei
tcr brauste der Zug durch die Nacht und
viele Meilen vom Ort der iljat hielt er
endlich an. Als ich mich aus dem
Waggon schleichen wollte, hielt mich der
Cowboy mit rauher Faust zurück, in
dem er sagte: .Tu bleibst bei mir. und
es ist Tein Tod, wenn Tu mich ver
räthst !
Zusammen gingen wir in ein Hotel,
wo er mich mit Speise und Trank rega
lirtc. Tann klärte er mich über die
Blutthat auf. Er hatte bei der Bereit
Willigkeit des Indianers, ihm Whisky
zu geben. Argwohn geschöpft und beim
Ausleuchten deS bnnnenden Streich
Holzes in der Flasche eine Tarantel be
merkt. Sobald eine solche in Alkohol
gesetzt wird, giebt sie ihr Gift von sich
und der Genuß des Getränkes wirkt un
fchlbar tödtlich. Ter Indianer wollte
uns mit dein Whisky vergiften und
dann berauben, doch vereitelte der Re
volver meines Freundes dieses finstere
Vorhaben. Um mich am Ausplaudern
zu verhindern, nahm mich der Cowboy
auf sein Zimmer, und als er mich be
trunken gemacht hatte, brachte er mich
zu Bett. Am folgenden Morgen war
er verschwunden, nachdem er die Hotel
rechnung bezahlt hatte; auf einem
Tischchen neben meinem Bette hatte er
ein Zchndollar-Goldstück zurückgelassen,
nebst einem Zettel mit folgendem In
halt: Leb wohl, und traue nie einem
Indianer!"
Dewes's prophetische IPertc
Münche, Bävana, Oauft de dritte
d. Mts. 1 8.
Jvnings-Staats-Nuhspäpcr, Neu $or!
U. S. äkroß die Atlantik.
Mister Editcr!
Esisautrüdschjetz,
wie Ich hier getriet
worn sein. Teirekt
nach Abgang vun der
gegenwärtige Brief
dispätsch reis Ich ab
vun hier. Ich sein
noch nct schür, ob
Ich Dcitschland üw
werhaupt ganz vcr
laß, oder ob Ich nach
Börlin geh un mit
dem Jmpcrcr zc-
fnnim e inirinime
JkißskJ UN Konspirissi ' an
zcttel, wo auf die Ab
schaffung. Eisteckung, Auffressung oder
Annäxäschcn oder bcncvolent Assi
mäschen oder Prcißischwcrdung, oder
wie mer es kalle will, vum ganze König
reich Bayern erausläuft. Tann die
Ottoritics vun Mjunik un vun Bävaria
müffe gcponisch wern for de Auträdsch,
wo se mer angethan hawwe. Ich will
Jhne die Geschicht verzähle grad wie se
gehäppent is.
Nämlich es is mer aufgcfalle, daß
hier Alles, was e Bißle was is, e
Juniform anhatt oder daß cnihau die
Leit, wo Juniform trage, mehr ge
estimäted un gerikoncist un üwwer
Haupt geachtet un geehrt sein. Mer
fällt net auf als e Civiliän un wann
mer die thcierste Clothes anhatt. Well,
hen Ich gedenkt, wann's weiter nix
is, mit Juniform kann Ich aach
diene. Ich sein also gestern in der
Juniform von die impertinente Schütze
ausgefahrc. Ich hen e ziemliche Im
preschen gemacht. Well es kimmt
noch besser, hen Ich mcr gedenkt, wie
mich die Leit so angeguckt hawwe.
Hcint Morche hen ich mer die Juni
form vum juniformt Ränk vun die
Knecht vum gelbe Hclmbusch Kä of En
Tschi, Pi Adsch un Oh Wei, wo Ich
der Tschicf Grand Great Ex-Komman
der dcrvon sein, angezoge. Zu der
Juniform belangt der Ehresäbcl, wo
mir emol üwwerreicht worn is (er Hot
mich hunnertfufzig Tollcrs Cäsch ge
loscht) un wo so gefixt is, daßJch mci
Tcimonds dra eisctze kann. toie hätte
emol sehe solle, Mister Editer. wie die
Leit gegafft hawwe, wie ich aus'm Ha
tcll in die Kärrädsch gestiege sein, ge
folgt vun die Alti, wo aach in gründ
Steil ausgetörnt is. Ich glab net,
daß die Münchener in erer lange Zeit
so was Schönes gesche hawwe. Die
Leit sein äktschclli uff der Straß stehn
gebliwme un hen Aage un Ohre uffge
sperrt und die Mäuler derzu.
Mer sein bei der königliche Residenz
vorbeigefahren un so schür, wie Sie
lewe. Mister Editer, der Pvste ruft die
Wach eraus, die Soldicrs presente
Arms un der Tambour schlägt en Wer
bel. Die Alti war tickclt zu dcad. Well,
Ich muß sage, gefreut Hot's mich aach.
Guck Alti," hen Ich gesagt, es freut
Eim doch, wann mer's zu was gebracht
Hot in der Fremd, daß mcr dann, wann
mcr heim kinimt, so Ehrunge erfährt.
Well, eS is nct mehr wie recht un wie
Ich verdient hen," hen Ich gesagt.
Nach erer Weil fegt mei Alti, mer
sollte doch noch emol bei der Residenz
wach vorbeifahrn. Well, for die Alti,
wie üwwerhaupt sor die Fämili thu Ich
ja Einiges. Also ich sag em Kutscher,
er sollt noch emol so bei Ackzident an
der Wach vorbeifahrn. Well, wie mer
hikimme, da ruft die Schildwach net
eraus. Ich laß de Kutscher halte un
ruf den Poschte ahn: Na, Tu Bauern
lümmcl. weißt Te net, was Tc zc thun
hast?"
Ter Kerl fegt ganz frech, er hätt an
dem eine Strafposte, wo cr derfor ge
kriegt hätt, daß er vorhi die Wach
W 6
erau-gerufe hätt, genug, er wollt net
noch mehr. Ich hen em gesagt. Ich
wcrd en schun zettle.
Ich fein dann deirckt zu unserm
Kansul. Ter Hot gesaat, er tonnt nix
mache. Mer könnte die Wach net
zwinge, vor mir ArmS ze priscnte.
So?" hen Ich gesagt. Un warum
is dann mit dcm Tewcq in Trieft so
viel Aufhewes gemacht worn? Weil
unser Kansul dort sei Büsncß versteht
un Backbone Hot. Ich möcht emol sehe,
ob Tschikf-GrändGreat-Ex-KoinmäN'
der vun die Kä of En Tschi. Pi. Adsch
un Oh Wei im Ränk net grad so hoch
steht wie e Aedmiräl. noch derzu t neu
gebackener?" So hen ich mit den Konsul gercd't
un Ich wollt, Sie thäte es fixe, daß er
de Baunz kriegt. Ter Kerl Hot kei
Bäckbone.
TeS is awwcr noch net Alles. Wie
Ich wieder derheim im Hatell sein, da
loßt sich e Tschentclmän bei mir
ünaunze. Er Hot gesagt, er käm in
erer offischell Kapassiti'un Ich möcht
em die Ehr erweise, en zu begleite.
Ich hen mer gedenkt, der Konsul hätt
am End doch mehr Backbone, als wie
Ich denke thüt un es thät sich um e
osfischcll Apolledschie un vielleicht e
Jnveitüschcn an die Court oder so was
handle. Ich hen de Tschcntelmän ge
fragt, ob Ich mei Juniform wieder
anziehe sollt, der Hot awwer gesagt,
Ich sollt lieber net.
Tcr Tschcntelmän is mit mir uf die
Polizci-Tircktion un da Hot mich e
annerer Tschcntelmän gefragt, was des
for Juniforms wär'n. wo ich heint un
gestern angehatt hätt un ob Ich e Ge
neral vun eme fremde Land wär un ob
Ich mich in dem Käs beim Stadtkom
Mandant gemeldet hätt un wann des
net der Käs wär, ob Ich nct so freind
lich fein wollt, des Juniform- un
Säebeltrage bleiwe ze loffc. Un dann
Hot der Mensch en Hint gegcwwe, es
wär gut, wann Ich als Äwends im
Werthshaus net so laut üwwer Mo
närkies un Kings un Prinze schimpfe
thät. sunst thüt emol nachgeguckt wern.
wie des seimiges Mal. wie ich nach
Amerika bin, mit meiner Militärange
lcgcnheit war un ezcterer.
'Ich war sprachlos. Ter Kerl is
aach glücklicher Weis aus'm Zimmer
eraus, eh daß Ich 'm hen antworte
könne.
Es biet awwer werklich Einiges,
Mister Editer, wie weit die Unter
drückung un Knechtschaft in Schörmeni
geht. Un so e Frechheit! Mir, aus
gerechnet mir. dem John Ritsch Esq.,
eine Zittissen vun erer freie Kauntri,
vorschreiwwe ze wolle, was er for
Juniforms anziehe derf!
Wann sich Tschörmeni so Libertis
erausnimmt mit der Praminenz vun
die Juncited States, da wunncrt mich's
net, daß der Tewey fegt, unser nexter
War werd mit Schörmeni sein. Der
Mann kann sehr recht hawwe. Enihau
derfe mer uns des net biete losse! Es
sragt sich jetzt blos d'rum, wie sich der
Jmperer zu der Sach stellt.- Wann
der nct zu mir stickt un wann in Börlin
mei Juniform net rikoneist werd, da
sein Ich derfor, daß unser Ambässeder
instrukted werd, sein Päßbort ze ver
lange.
Ich lotz es Jhne bei Telegräff wisse,
wie die Sach weiter verläuft. Einst
weile wolle mer das Beste hoffe. Mit
diesem Wunsche fein Ich so lang
Mit Riqards
Yours
John Ritsch. Esq.
Vin Stammtischabenteuer.
Es war in cincm Städtchen auf der
Insel Rügen. Um 'den Stammtisch
des ersten Hotels" des Städtchens
saßen Honoratioren beim Abendtrunke.
Einiges Aufsehen erregt unter ihnen
die Reisezeit war längst vorüber das
Erscheinen eines frcmden Gastes, der
sich bescheiden an einen andern Tisch
setzte und einen Schoppen bestellte.
Theils Neugierde, theils Mitleid mit
dcm Einsamen veranlaßten die Stamm
gäste. diesen aufzufordern, an ihrem
Tisch Platz zu nehmen. Nicht lange
darauf war eine sehr animirte Untcr
Haltung im Gangc, da der Fremde sehr
intcreflant zu erzählen wußte. Als
letzter Stammgast erschien alsdann noch
der Oberförster, der in Bezug auf
Jägerlatein seines Gleichen weit und
breit suchte. Bald entströmten denn
auch die haarsträubendsten Jagdgcschich
tcn dem Munde des großen Nimrod,
die den Stammgästen zwar schon häufig
aufgetischt waren, den Fremden aber zu
staunender Bewunderung hinzureißen
schienen. Als der Waidmann aber
schier gar nicht aufhören wollte, da fiel
ihm der Fremde bei einer Trinkpause
in die Rede.
Tie Herren gestatten auch mir viel
leicht die Erzählung eines Jagdaben
teuer, das ich vor vielen abren in
Rußland erlebte. Es war auf einer
Barenzagd. Turch einen unglücklichen
Zufall von meinen Gefährten getrennt,
sah ich mich plötzlich einem Bären
gegenüber. Schnell lag ich im An
schlag, doch mußte mich wohl die nöthige
Ruhe etwas verlaffen haben; statt den
Bären tödtlich zu treffen, streifte ich ihn
nur leicht und stand meine Büchse
war ein Vorderlader, und zwar ein ein
läufiger ihm nun wehr- und macht
los gegenüber. Ich floh der Bär
dicht hinter mir. Plötzlich stand ich vor
einer tiefen Schlucht. Schon glaubte
ich mich verloren, da sah ich, daß ein
umgewehter Baum die Schlucht über
brückte. Schnell betrat ich, mich in
reitender Stellung darauf niederlassend,
die rettende Brücke und rutschte über
dieselbe dahin zum anderen User. Toch
o Schrecken auch dort stand ein Bar.
Stunden voll ZodtZgrauen auf jeder
Seite und untcr mir lauerte der Tod
auf mich. Endlich die Bären wichen
nicht von der Stelle, und ich vermochte
mich nicht mehr zu halten rutschte ich
weiter zum Ufer ."
Wie von der schrecklichen Erinnerung
gebannt, verstummte der Erzähler.
Und was wurde dann." fragte der
Oberförster.
.Ich wurde natürlich mit Haut und
Haaren aufgefressen."
.Herr, das ist zu toll." fuhr der
Oberförster auf. .wie können Sie es
wagen, wer sind Sie?"
Und sich lächelnd vor den Stamm
gäftcn verbeugend, sagte der Fremde:
Fritz Rcuter."
Allgemeine Bewunderung allge
meine Freude. Und nun hob ein
Zechen an! Tas Beste holte der Wirth
aus dem Keller zu Ehren seines berühm
tcn Gastes. Erst beim Morgengrauen
wurde das Lager aufgesucht. Am an
dcrn Tage der Wirth lehnte jede
Zahlung ab bat der Wirth vor Ab
reise ftines Gastes denselben, sich in
seinem Fremdenbuche zu verewigen.
Ter Wagen des Wirthes brachte ihn
zur Bahn. Triumphirend kehrte der
Wirth in sein Haus zurück und ent
nahm dem Fremdenbuch das Blatt, um
es unter Rahmen zum ewigen Gedächt
niß zu bewahren. Ta las er: Fritz
Reuter. Weinreiscndcr aus Mainz."
Ttt Herr Schützenkönig.
Eine drollige Geschichte wird dcm
Westfäl. Merkur" aus einem wcst
fälischen Torfe erzählt. Für das dies
jährige, dieser Tage gefeierte Schützen
fest hätte man gern einen als freigebig
und lustig bekannten Wirth (nennen
wir ihn mal Bückendahl) zum Schützen
könig gehabt. Von diesem Wunsche
erfuhren auch die beiden Förster Hubert
und Max des etwa 15 Minuten vom
Torfe wohnenden Grafen. Auch sie
wußten, daß Bückendahl bei festlichen
Anlässen nicht knausert, hielten jenen
Wunsch für durchaus berechtigt und be
schlössen, da der Wirth mehr als Men
schenfreund denn als guter Schütze be
kannt ist, ihm mit einem Corriger la
Fortune" etwas untcr die Arme zu
greifen. Am Festtage verbergen sie sich
hinter einer Wallhecke, in deren Nähe
die Vogelstange steht, und wartcn auf
den entscheidenden Moment, in welchem
jener Wirth zum Schuß kommt. Max
ist mit seiner nie fehlenden Flinte in
Bereitschaft, Hubert soll ihm anzeigen,
wann es Zeit ist, loszudrücken. Jetzt
kommt hoffnungsfroh Herr Bückendahl
an die Reihe, legt kunstgerecht an, zielt
und pardautz fliegt der Vogel in
zwei Stücken von der Stange. Nur
wenigen mochte es aufgefallen sein, daß
aus dem nahen Walde ebenfalls ein
Schuß gefallen zu sein schien; die übri
gen aber eilten unter dem triumphircn
den Tusch der Torfkapclle von allen
Seiten herbei, den neuen Schützenkönig
zu beglückwünschen. Der aber starrt
verdutzt bald den zu Fall gebrachten
Vogel, bald sein Mordgewehr an und
sagt: Tunncrsmitken, ik häpp' no gar
nich fchoutten!" Allgemeines Kopfschüt
teln. Der Püster wird untersucht,
richtig, der Schuß sitzt noch darin! Ta
dämmcrt's einigen, die hatten schießen
hören, und bald beginnt eine eifrige,
jedoch erfolglose Fahndung nach dem
Friedensstörer, dem man gern mal die
Jacke am Leibe ausgeklopft hätte. Tcr
langbeinige Max aber und fkin mit
dem Zcichengcben etwas voreilig ge
wesener Schicksalsgefährte schlugen sich
seitwärts in die ihnen wohlbekannten
Büsche und entgingen so den ihnen zu
gedachten Ovationen. Ter zusammen
geflickte Vogel soll dann wieder auf die
Stange gesetzt und nun ordnungsmäßig
durch Bückendahl hcrnntcrgeholt wor
den fein, so daß er dauach mit Recht als
der legitimste aller legitimen Schützen
könige gefeiert wurde. Man sagt, dem
entsprechend fei es im weiteren Verlaufe
des Festes gar gewaltig hoch hcrge
gangen und alles heute noch voll von
Freuds über das schöne Resultat des
Königsschießcns.
(?in deutscher Brief Napoleons des
Tritten.
In der Revue sranco-allemande"
veröffentlicht M. Henry bisher unbe
kannte Briefe und Erinnerungen an
Kaiser Napoleon III. Tas Hauptstück
darunter ist ein deutscher Brief, den dcr
noch nicht 17jährige Prinz Louis von
Schloß Arenenbcrg in Thurgau an
einen deutschen Artillcrieleutnant Gra
fen v. W. in Augsburg schreibt, mit
dem ihn wie seinen Lehrer Le Bus feit
feinern während dcr Exilszeit am Augs
burger Gymnasium genommenen Auf
enthalt Bande dcr Frenndschast ver
knüpften. Ter von, 23. Januar 1825
datirte Brief lautet:
Mein licbcr Herr W.!
Ihr Brief hat mich sehr gefreut, denn
er zeigte mir, daß Sie uns nicht vcr
gessen hatten. Sie können auch über
zeugt sein, daß ich sehr oft an Sie und
an die anderen guten Augsburger
denke, und daß die Erinnerung Derer,
die mir diel Wohlwollen zeigten, und
die ich fast als neue Landsleute be
trachte, nicht so bald aus meinem Her
zen verschwunden ist.
Wir sind freilich hier ein wenig ein
sam. aber die Beschäftigung, welche
uns allen nicht mangelt, beflügelt die
Stunden, und die Gleichheit unserer
Lebensart verursacht uns gar keine
Langweile, im Gegentheil sie wird unS
;ur twohnhcit.
Ich beschäftige mich, so sehr es meine
anderen Studien erlauben, mit der
deutschen Sprache. Ein Professor aus
Conftanz corrigirt mir zweimal die
Woche die Uebcrsctzung. welche ich wüh
rend seiner Abwesenheit gemacht habe.
Sie werden au? diesem Briefe nicht gut
einsehen, ob ich viele Fortschritte ge
macht habe, denn eS giebt gewiß viele
Fehler drin, und ich habe, indem ich
ihn schrieb, nicht auf der Rundung und
dem Wohllaut der Sätze viele Aufmerl
samkeit gegeben, denn ich dachte nur
darauf. Ihnen mein Herz zu offnen
und Ihnen versieben zu lassen, wie sehr
ich Sie gern habe.
Obgleich bis hierher der Winter nicht
kalt ist, so gewahrt er uns doch feine
Vergnügen, wir können Schlittenfahren
und auch Schlittschuhlaufen. Ter
Winter ist hier lustiger als der Som
mer.
Ter Herr Le Bas wird Ihnen bald
antworten, eine große Beschäftigung
hindert ihn jetzt davon.
Nun leben Sie recht wohl, einen
freundschaftlichen Gruß an allen Ten
jenigen, die sich meiner erinnern, und
rechnen Sie auf meine Freundschaft.
Louis Napoleon.
?aS Zchlüsselbei.
Es hätte der Hitze deS Sommcrtagcs
nicht bedurft, um den aus so vielen
Witzblättern rühmlichst bekannten Stu
diosus Bummel aus allen Poren
schwitzen zu machen. Wenn man so
vier Semester nichts, gar nichts gethan
hat. wird 3 auch dcm keckcstcn Mediziner
schwül am Tage des ersten Examens.
Tie Stunde naht, dcr Frack, gepumpt
von Hirsch und Sohn, schmiegt sich eng
an die feisten Glieder, daß fast die
blanken Nähte platzten, und Bummel
steigt feierlich, doch tief geknickt, in's
Examen, verzweifelnd den schönen
Spruch wieder und wieder vor sich hin
murmelnd:
Und ist der Bursch auch noch so dumm,
Besteht er doch sein Physikum."
Im kleinen Universitütöstädtchen X.
besteht noch die löbliche Sitte, daß zum
ersten Examen viele Mediziner geladen
werden. Unter ihnen ist auch ein
Freund Bummel's, der ihn gern untcr
stützen wollte in seinen Nöthen. Ta
sitzt er nun am langen grünen Tische,
dem Freunde schräg gegenüber und
hülst ihm durch Zeichen und Winke.
Bummel sitzt in tausend Acngsten und
beantwortet apathisch schlecht und recht
die vorgelegten Fragen. Man-kommt
zur Ostcologie. Ein Knochen wird her
umgereicht.' Bummel, der unglückliche
Bummel soll den Namen dieses völlig
undefinirbaren Theiles des menschlichen
Gerippes angeben. Er zermartert sein
Hirn, er befühlt verstohlen seinen
eigenen Körper, ob er den Knochen
nicht entdeckte, doch alles bleibt erfolg
los. Indessen geht der Knochen von
Hand zu Hand. Mit kundigem Blick
hat der Freund drüben das Schlüssel
dein in dcm Knochen erkannt. Jetzt
wird Bummel das ominöse Schlüssel
dein übergeben, die entscheidende Frage
wird an ihn gestellt. Er wirft einen
letzten verzweifelten Blick auf seinen
Freund da, wie wonnig schreckt er
zusammen, seine Züge verklären sich,
denn einen großen Schlüssel hebt der
gute treue Freund empor. Er ist ge
rettet. Kalt lächelnd gibt er auf die
erneute Frage des Examinators die
wegwerfende Antwort: Ter Haus
knochcn." Eine aufregende Vorlesung.
In Langcuppcrsdorf pflcgcn die
Honoratioren des Ortes allwöchentlich
einmal zusammenzukommen, um Ge-
selligkeit zu üben und Vorlesungen zu
veranstalten. So geschah es denn auch
neulich in dcr trauten Wirthsstube
beim Gold'nen Hufeisen," wo der
Pfarrer, der Bürgermeister, der För
stcr, dcr Apotheker, dcr Wirthschafts
adjunkt und einige Bauern um einen
Tisch herum saßen, während der Schul
lehrer aus einem Buche mehrere Erzäh-
lungen vorlas.
Wohl der Aufmerksamste dcr Gesell-
schaft war' dcr jungverheirathcte Groß
waldbauer; kein Wort .des Gelesenen
ließ er sich entgehen. So kam der Leh
rer zu einer Stelle seiner Erzählung,
bei welcher dcr Großwaldbauer ganz
besonders stutzte. Mit angehaltenem
Athcm lauschte er den Worten des Er
Zählers, indem cr densclben starr und
unverwandt anblickte. Tie Stclle, die
das vermochte, lautete: und aus
dcm Tickicht des Waldes hervor schlichen
mehrere bis an die Zähne bewaffnete
Banditen, furchtbar anzusehen. Zu
Tode erschreckt bleiben die Ueherraschtcn
einen Moment lang wie gebannt stehen.
Toch bald fanden sie Fassung, bestiegen
eiligst Wagen den und rasten davon. Nur
Adolars Schwiegermutter wurde von
den Räubern zurückgehalten, beraubt
und weidlich durchgeprügelt".
Kaum hörte der Großwaldbaucr diese
Worte, als er dermaßen zu heulen an
fing, daß er hätte Steine erweichen und
Menschen rasend machen können.
Was flennst den", und plerrst denn
asoa?" forschte entsetzt der Bürger
meister. Weil's gor so schreckli' is und
traun', dös mit da Schwiegermuatta,
's druckt m'r schier 's Herz z'samm' im
Leib'," gab dcr Weinende stoßweise zur
Antwort.
Tu bist do' hcili' dcr allergrößte
Tepp in der Gmoan' " entgegnete der
Bürgermeister lachend, .die G'schicht'
iS ja nur erdicht', fell is ja niemals net
wahr g'wen!"
Woaß ja eh'. Bürgermoaster."
platzte schmerzlich der Bauer heraus,
just z'wegen dem woan i' do' so, lveil
die G'schicht' nct wahr is!!"
$ypx&n.
Tas Weid hat seine Schwächen
Und wird sie nimmer los;
Ter Mann hat seine Fehler.
Und wär' er noch so groß;
TaS sind' ich in der Ordnung:
Toch einS mich stets betrübt:
Taß eS auch unter den Männern
So viele Weiber giebt.
Vkaft.
.Herr Tircktor, ich habe ein drei
aktives Lustspiel geschrieben."
.sollten eie den Scherz nicht zu
weit getrieben haben?"
Unter Vacknschen.
Tenk Tir, der Toktor kann oft
furchtbar naiv sein; gestern fragteer
mich, ob ich schon einmal einen Roman
gclcscn hätte!"
Em Entschuldigungszettel.
Bittc zu entschuldigen, daß mein
Sohn Willy behufs Erkältung drei
Tage zu Bett liegen mußte.
Jda Wauzl.
Druckfehln.
Ter Gutsherr schaffte sich einen ver
läßlichen Automobil-(M)agen für die
Besuche bei seinen gastfreundlichen
Nachbarn an.
Im Selbstgespräch.
Gebcimmittel Fabrikant: ..m.
meine Mittclcken scheinen am Ende dock
gut zu sein, weil sich die Leute so darum
reißen!"
Käsern en hofblnthen.
Unteroffizier: Einjähriger Hofer.
Sie kennen ja nicht einmal Ihre zwei
Hände auseinander! Ich möchte Sie
erst sehen, tvenn Sie ein Affe wären!"
Der kleine Denunziant.
Rudi: Mama, so hat's die Köchin
gemacht! (Rudi ergreift den Löffel
und führt denselben gefüllt mit Tunst
obst zum Munde).
Vom Kasernenhofe.
Unteroffizier: Warum haben Sie
gezuckt?"
Soldat: Es saß mir eine Fliege
auf der Nase."
Unteroffizier: Tonnerwetter noch'n
mal! Wenn stillgestanden" komman
dirt ist. haben Sie ruhig zu halten,
und wenn Ihnen eine Heerde Elephan
ten auf der Nase sitzen sollte!"
Warm sind se ncch.
Lude: Tu. Ede, wie is et denn,
wollen wir nich ooch wat for die Ver
besserung der Pferdezucht thun?"
Ede: Inwiefern?"
Lude: Durch Hottehüh-Würschte."
Ede: Det verstehe ick nich."
Lude: Na, je mehr wir von die
Sorte vertilgen, um so mehr olle Jüule
kommen aus der Welt."
Gute vorsähe.
Liebster Adolar, wenn ich annch
men müßte, daß Du mich nur wegen
meines Geldes nimmst, ich würde tief
unglücklich werden!"
Beruhige Dich, theuere Laura, wenn
wir erst verhcirathet sind, sollst Du
sehen, wie ich bemüht sein werde, die
scs leidige Geld los zu werden!"
Schlechte Empfehlung.
Tcr kleine Karl tritt in einen voll-
besetzten Barbierladen.
Barbier: Nun, Kleiner? Wieder
Haarschneiden?"
Karl: Ja, aber bitte, unter Chloro-
form."
Satisfaktion.
Student: Sie haben mich fixirt!"
Herr (beim Mittagessen): Kann
sein; was weiter?"
Student: Ich verlange Genug-
thuung!"
Herr (wcltcreiiend): Schön, firiren
Sie mich wieder!"
Ebarakterkoinik.
Lilly: Wenn mir blos Einer auf-
richtig sagte, was ich für einen Charak-
ter habe."
Kitty: Weißt Tu, schicke doch ein-
mal Tcine Schrift an einen Grapho
logen zur Bcurthcilung."
Lilly:, Ach, das-dauert immer so
lange; bis dahin habe ich meinen
Charakter zchnmal geändert."
Intzferien.
Herr: ..Was ist's. Kinder, habt .l,r
keine Schule?"
Nein, wir haben Hltzferien!"
Aber das Thermometer zeigt doch
blos 70 Grad?"
..Das rnslrflt nir! 3Vr .Cvrr 9ehrer
hat g'fagt. weg'n dem dummen Thcr-
momcrcr rann er nei ictne cgeipariie
versäumen!"
Devot.
Ticncr (dcn neu geadelten Onkcl dcr
Familie anmeldend): Ter Herr von
Onkel."
Ein gutes Rind.
.Qiirlshpri Iker mit feinem Weiler rniS
dcm Wirthshaus kommt): 'Papa,
schieb' nur zu Hause Alles auf mich!"