Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, August 03, 1899, Image 11

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    J
:icr? und Süd,
Ja. der Krieg ztrifchen Norden und
SuDa ist ich an Erinncrunga."
sagte da alle k:icral sinnend, ci-.ie
meiner inlcuffiWtejicn :nll ich er
zählen.'
Wir waren nach der Ueberzabe von
Vickstura, als ÄaiN'riabc der fci
nannten litt (5lad Flotte zugetheilt
worden, zwöls mit starten 5ichcndal!cn
bekleideten, kleinen iSlufcdiinirfcm, die
den Mississippi auf und ad fuhren.
Eines ZazeS erhielten vier Kompagnien
Befelil. den Fluß hinab zu fahren bis
zu vtodncy. dort ausjusteicn. nach
Fort Gibson zu marichiren und dort die
versiegelten Crdrcs einzusehen.
Man kann sich unser Erstaunen
beuten, als die versiegelten Bcschle uns
anwiesen. 50 Der aristokratischen jungen
Tamcn dcr Stadt gefangen zu nehmen
und nach Vufsburg zu bringen. Toch
wir waren Soldaten und mußten gc
horchen; mit Führern versehen zogen
wir von HauS zu Haus und wiesen die
jungen Ladies an. sich innerhalb zwei
stunden im Hauptquartier zu melden,
im anderen Falle würden die Wohn
Häuser ihrer Eltern niedergebrannt
werden, selbstverständlich rief dies die
grof.te Entrüstung hervor, nicht nur
vergossen die schönen selbst bittere
Thränen, auch die männlichen Ver
wandten knirschten in ohnmächtiger
Wuth die Zähne, aber das Ultimatum"
mußte akzcptirt werden. Tas (5nd
resultat war, daß nach Ablauf dcr 2
Stunden aus den 50 schöncn (ücsan
gencn sich 49 eingestellt halten, aber
mit Augen, aus denen tiefster Hafz und
Verachtung strahlten, während wir den
männlichen Begleitern ansehen konnten,
daß sie am liebsten uns das Messer in
den Leib gestoßen Hütten. Für die ein
zig Fehlende wurde um Frist ersucht,
mehrere dcr jungen Tamcn erboten sich,
sie aufzusuchen und ihr zuzureden, sich
in das Unvermeidliche zu sügcn. Sie
kam denn auch, aber den Blick, den sie
uns zuwarf, habe ich nie vergessen, sie
blickt mich manchmal jetzt noch an. denn
sie ist heute meine Frau und "the
only woman I ever lovocl".
Unsere unliebe Aufgabe war noch
nicht gelöst, die Schwierigkeiten began
nen erst. Viic sollten wir unseren
Raub nach dem 20 Mcilen entfernten
Rodney dringen über Straßen, die sich
infolge der Kriegsverhcerungen und
Vernachlässigungen im greulichsten Zu
stand befanden?
Alle guten Pferde befanden sich, wie
alle guten Männer auch, bei dcr Armee
und was einst an Kutschen und Wagcn
vorhandcn gewesen war, befand nch in
dcn letzten Stadien der Auslösung. So
blieb uns nichts weiter übrig, als alle
lendenlahmen Gäule zu sammeln, sie
mit Aaergcschirr zu belasten und vor
die verkrüppelten Wagen zu spannen
Unsere armen Opfer stiegen ein '.:nd der
Zug setzte sich in Bewegung, oft genug
spannten wir Soldaten uns selber vor
und zogen mehr als die Pferde.
er numor verließ uns elo t in
dieser traurigen Situation nicht; Ihr
dürft nicht vergessen, daß wir lin Jahre
1 803 noch junge Leute waren, jener
Krieg wurde von Mannern ausge
kämpft, die durchschnittlich nur 23
Jahre alt waren. Nun, wir legten
den Marsch oder die Fahrt nach Rodney
unter Thränen und Lachen zurück, traf
uns doch hin und wieder aus den ver
aräuiten Augen ein dankbarer Blick,
wenn wir dcn Gefangenen" eine tlcine
Gefälligkeit erweisen tonnten, wenn es
auch nur ein Trunk frischen Wasser
war. Wir schämten uns ordentlich dcr
Rolle, welche wir spielen mußten und
fragten uns erzürnt, warum solche
Grausamkeit an hübschen und wehrlosen
Mädchen verübt wurde. In Biasburg,
wohin wir wieder von Rodney per
Schiff fuhren, erfuhren wir dcn Grund,
nachdem die Tamen gegen ihr Wort, in
der Stadt bleiben zu wollen, auf freien
Fuß gesetzt worden waren. Tie meisten
hatten Freunde in der Stadt, die sie
aufnahmen, für die, übrigen wurde
passendes Quartier gefunden.
Ter Grund der Expedition war nun
dcr folgende: bei dcn Zügen dcr (icrn
födcrirt'cn waren einige Lchrerinnen
aus dem Norden in Xie Hände des
Feindes gefallen und unverschämter
Weise gezwungen worden, .in dcn La
gcrn für die Soldaten zu waschen und
zu flicken. Teshalb mußten die jungen
Tamcn von uns geholt wcrdcn, um die
Südlichen zu zwingen, ihre weiblichen
Gefangenen gegen sie auszutauschen.
Mit dem Austausch ging es freilich
langsam, aber inzwischen hatten unsere
Gefangenen es sich ganz heimisch werden
lasten, auf unseren QsfizierZbällcn
waren sie die flottesten Tänzerinnen,
und unser Lieblingslicd "When this
cruel war is ver" sangen sie mit
Gefühl mit, denn wir sehnten uns ja,
Nord und Süd. so sehr nach dem gol
denen Frieden. So keimte auch die
Liebe bei uns jungen Menschen auf, ich
speziell war heimlich entbrannt für
No. 50", wie wir sie nannten, den
kleinen Trotzkopf, der zuletzt hatte geholt
werden müssen. Als der Abschied kam,
als die Gefangenen nach Hause dursten,
ward manches Mädchenauge wicdcr
fcucht, aber nicht mehr in Haß und
Zorn, wie damals. So konnte ich mir
ein Herz nehmen und meine Schöne
fragen, ob ich sie dereinst bei ihren Ber
wandten besuchen dürfte. ""VVhen
this cruel war is ver," antwortete
sie leise. Aber bitte, nicht wicdcr ge
sangen nehmen und fortführen.'' Glück
erfüllt versprach ich es auch und habe
niein Wort nicht gehalten. Tenn meine
Gefangen? wurde sie wicdcr. freiwillig
und furS ganze Leben. Und noch zwei
Kameraden wurden die Gatten ihrer
einstmaligen Kriegsgefangenen. Es
war eben bestimmt im Rath über dcn
Sternen. Nord und Sud sollte sich wie
der verlohnen."
)ctzt wird's Ernst.
Jrnings-staals-NuhLpaper.
atroß die Britsch.
)hst Neu floi! Boro.
Mister Editcr'.
Also, es iZ gezettelt! Mcr gehn nach
Juropp. Ich un die Alti und die
sämmtliche Kinncr. Awwer net nach
Schörmeni. ' Nach -chörmcni kann
jeder fckcnhändige Teulschmen gehe.
Mir wolle wo hi. wo es fteilisch is.
Mcr sein nor noch net ganz drüwwcr
einig, was for e Kauntri mer auspicke.
Tie Alte möcht nach Jngland. weil fie
zur Quien pri?entcd wcrn will. Tie
Maud will nach Frans. Ich glaad, sie
Hot sich unbekannter Weis dorch die
Piltschcrs in die Päpcrs in dcn Mister
Läbori, wo dem Treyfus sein Loicr is.
verliebt. Jctz ich for mein Theil möcht
in ergcnd e Kauntri, wo es die beste
Kunstschütz gebt. Ich hcn mich erkun
digt un die Lcit hcn mcr gesagt, Jtelli
wär die Kauntri sor so was. Es Hot
nach dcrzu e gebildeter Mann sei wolle,
wo mcr deZ gesagt Hot. Jctz bitt ich
Ihne, Mister Editcr, so e Tummhcit!
For des Bißle belle figure, scll 'cm to
you chcapa," wo die Tägos mache, da
braucht mcr doch nct nach Jtclli ze
gehn. Tes kann mcr hicr billiger
hawwe. Un biscits. was nütze mcr die
ganze Kunstschätz, wenn die geröste
Kartoffel un die Backhädcl und die
Fisch un Karmenadel in Cd gcbackc
wcrn?
Tann wär da noch Spain. Awwer
Sie kätfche mich nct, dahin ze gehn, wo
die Späniards doch wisse, war for en
prominente Part ich im letzte War ge
nomme hcn. Ich trau dem Landfriede
noch nct recht, Mister Editer.
Well, mer gehen emol enihau zcerst
nach London, dann nach Päris. Un
dann watsch ich de Jmpcrer. Ter Hot
Erpiricnz in Trämwle un wo dcr
higcht, da gehn mcr auch. Nach
Juropp gehn mer mol enihau un des
Weitere wird sich sinne. Ich sein zu
disgöstcd mit dcr Kauntri hicr, als daß
ich noch hier bleibe könnt. Wcll, wenn
es so weit timmt in dem freie Land, daß
en Prominenter sogar Schlag kriege
kann vun ganz gewöhnliche sekenhändige
Farmer, dann is es Zeit, daß mcr die
Kauntri quitt.
Tie Familie is hie un is büssj mit
die Priperäschens for unsern Tripp.
Mir wolle die Leit in Juropp cmol
zeige, was Steil heißt. Passe Sie
Achtung, Mister Editcr, mcr wern en
Hitt mache. Es werd überall heiße:
Ta klmmc die reiche Amerikaner."
Eigentlich soll das Goverment was
derzu gcwe, daß ich die Juneited Stäts
drüwwe in Juropp riprcscnt, awwer
die spende ja alles Geld for Niggcrs zu
feite un da bleibt for nothwendige
Sache nix mehr übrig. -Well, was
geb Ich drum? Gott sei Tank könne
mir's noch stände, mitaus des Govcr
mcnt. Wer hcn eigentlich schun die Woch
fort gewollt, awwer es geht nct. Tie
Miffcs Ritsch un die Maud wcrn nct
fertig mit die Trcsses un ich werd nct
fertig mit de Abschied. Es wcrn näm
lich jede Tag zwei ofsischell Abschied
vun mir gefeiert! un beim Tschalli is
kontinuos Abschied Pcrformenz. Ter
Tschalli weiß noch net, was er thun
soll, während daß ich fort bin. Wah
schcints werd er.de Schapp ganz zu
mache. Bifcits dcm Abschied nemme fein ich
etz aach noch buNl mit Aedmeis vun
Frents anzehörn, wie ich's drauße an-
stelle muß, un mit Aufträg ze notiren
vun Verwandte un Frents ze besuche
un Sache for mci Frcnts eriiwwerze-
schmuggle. Nach eme konsörvetif Esti
mät that ich ebaut drei Earloads voll
Trunks brauche, wann ich Alles mit
bringe wollt, was meine Frents wolle.
Nexte Woch qcht's awwcr los for
schür! Mcr fahrn of course erster Klaß
ctümtljra.
Well, Ich muß ictz klohsc, ich sein ze
büssi mit Priperäschens.
Also einstweile so lang wünschend
ein Ich
Mit beste Rigards
Yours
John Ritsch, Esq.
Sein Sie so gut, im Briefkaste unncr
I. R. Esq. zu beantworte, was mcr
am beste nach Juropp enaus schmuggle
kann. Ich will mci Erpcnscs damit
mache, Sache enaus ze schmuggle. Tes
fair, is es net ?
Elaabe Sie, wann Ich nach Börlin
gehn thät, daß der Jmpcrer mich in
weite thät. in's kaiserliche Schloß als
Loschirbcsuch ze kimme, oder denke Sie,
er thät sich uf de Beleidigte enausspiele,
weil Ich em als emol in die juropiün
Ballidix geprüft hen. daß Ich da mehr
dervon versteh wie er, un Fon gemacht
hen üwwer sei Poems un Songs, wo
er gemacht Hot? Ich hoff, er werd doch
en Spaß verstchn ?
Thun Sie mcr aach im Bricskaschte
vun jeder Zitti des bcstc Hotel un
zwei oder drei Plätz nenne, wo mer
was Gutes kriegt un wo die Praminente
sein.
Tann will Ich hawwe. daß Sie an
die Präsident Makünlei for mich
schreiwwe, er soll mer Letter of Jntcr
duktschen schicke an, unser Ambässctors
in alle Kauntrics vun Juropp un par
tikulain noch an de Zar vun Ruschä.
wo Ich hcn Hint gewe, wie man Anar
kists triste muß. un an die Cuien vun
Holland (des is t Fäworit vun mir)
un an de Jw.percr vun Cstiiä. Viel
leicht tont incr's richte, daß Ich in
jeder kapitkcl Zitti bei unserm Arnbäf
sei wohn. Tes that enihau die
Hotcl-Erpen''cz fast und Ich thät 's
dann mit di Ambüncters all rigt mache,
bei daß ich die ,Tri::ks un die Sigarn
bezahl, wann mcr au-gehn. TcZ is
auch fair, is es nct ?
Plics thun 2ie aach dem Mayor un
dcm Gouverneur en Hint gcwwe. am
Pier ze sei. wenn ich adfahr.
Ich schick Jhnc dann aus Juropp
Kadel-Korrcipondenzes bei Wcicr uff
dcm neumodische drahtlose Tclcgräff.
Zuerst geh Ich nach London.
In großer Horn
Yours
I. R. Esq.
Ttt lichter der Marseillaise.
Rougct de l'Jsle. der Tichter dcr
Marseillaise, dcr am 10. Mai 1 7o0 in
Laus le Saulnicr(Tcpt. Jura) geboren
war. ist auf dcm Fricdhofe dcs lädt
chcns Ehaisy le Roi. wo er am 26.
Juni 1830 starb, begraben. Tie
Stätte, wo die Gebeine des National
sängcrS dcr Franzosen ruhen, ist durch
einen morschen Holzzaun von anderen
Vergessenen" geschieden. Ein zcitge
schwärztcs Holzkreuz, auf dem dcr Name
nur noch schwer zu lesen ist. bezeichnet
ste. Unkraut und ungepflegter Rasen
wuchern aus dem Grabhügel. Ter 03.
Todestag dcs .ichtcrs hatte einige
vaterländisch gesinnte Männer zu einem
Eomltc vereinigt, um diesem bedauer
lichcn Zustande ein Ende zu machen
und dcn irdischen Ucbcrrestcn Elaude
Joseph Rougct de l'Jsle's eine wür
digcre Behausung zu geben, was um so
nothwcnoigcr scheint, als er auf einem
Platz unweit des FriedhofS in Ehaisy
seit drei Jahren sein Tcntmal hat.
sein jetziges Grab entspricht vollkom
men den mehr alS ärmlichen Verhält
nissen. unter denen der Tichter dcs bt
rühmten Freihcits- und Revolution?
liebes dcr Franzosen starb, nachdem er
seinen Lebensabend in der bedrängtcstcn
Lage, selbst im schuldqefünqnine er
bracht hatte. Rougct de l'Jsle. seines
politischen Zeichens Royallst, dichtete
die Marseillaise, die während dcr großen
Revolution -oidatcn und Volk zur
wildesten Begeisterung entflammte, in
der Nacht vom 25. auf den 20. April
1702 nach der Kriegserklärung gegen
Prcuszcn und Oesterreich in -tranburg,
wohin er im Mai 1791 als Ingenieur
hauptmann gekommen war. Tie Me
lodie wurde dem Eingang von Grison's
Oratorium, Esther" (nach Racine)
entnommen und mit dem Tcxt als
"Ciiant cle puerre pour l'arme' du
Knm in traszburq gedruckt. Eine
weitere Verbreitung erhielt die Mav
seillaise erst, seit sie am 25. Juni 1792
in Marseille auf einem Parteifest der
Jakobiner gesungen wurde. Südfran
zösische Freiwillige brachten sie mit nach
Paris, wo sie das Lied bei ihrem Em
zuge (30. Juli) anstimmten. Beim
Sturm auf die Tuilerien, am 10. Au
gust 1792, wurde es ebenfalls gesungen
und von da ab unter dem Namen
Ehant des Marseillais" oder Mar-
seillaise volksthümlich.
Heiteres aus der Theaterwelt.
Gelegentlich der Erörterung der alten
zrage, oo oer aiauipieier, wenn er
seine Rolle spielt, wirklich innerlich er
regt sei oder sein müsse, gab, wie die
M. Allg. Ztg." schreibt, einst Eremi
eux, ein bekannter französischer Rechts
Anwalt, im Kreise seiner Freunde fol-
gende Erinnerung aus seincm Leben
zum Besten: Als ich noch junger Ad-
vokat in Nimcs war. kam mein Freund,
dcr berühmte Schauspieler Talma, dort
hin, um mich sprechen zu hören. Nach
meinem Plaidoycr war ich wie in
Schweiß gebadet, und Talma fragte
mich verwundert, ob denn meine Er
regung eine wahre, innerlich cmpfun
dcnc sci. Ta erwiderte ich: Nun, Sie
werden wohl schon oft in diesem Falle
gewesen sein!"
O, nie in meinem Leben," lautete
die Antwort.
Sie wollen mir doch nicht weis
machen, daß Sie kalt blcibcn, während
Sie durch das Feuer und die Leiden-
lazasnicyicn yres Äpicicö das ganze
Haus mit sortrciszcn k
O doch! morgen werde ich Ihnen den
Beweis liefern.
Am anderen Tage wurde Racine's
Andromache" gegeben," fährt Eremi-
eux fort, und ich nahm eine Proscc-niums-Logc.
Talma trat als Orcst
auf: cs kommt die Scene, wo Orcst,
das Opfer der Erinnyen. in den Zu
stand höchster Raserei gcräth. Allen
Zuschauern läust's kalt übcr dcn Rücken,
so naturwahr und ergreifend spielte
Talma, aber wiederholt rief er mir,
während er feine Verse rczitirtc, schlechte
Witze zu, die mir allerdings deutlich
bewiesen, daß er nicht im Mindesten
die Aufregung selbst empfand, in die er
die Zuschauer in so hohcm Grade zu
versetzen verstand. Und es ist gut so."
sagte er nach der Vorstellung zu mir,
denn wo kämen wir Schauspieler hin.
wenn wir z. B. als Oreft wirklich die
Schlangen über unscrcm Haupte zün
geln sähen, wenn wirklich die Eifersucht
des Othello in unseren Eingeweiden
wühlte? Tas würde uns nach kurzer
Frist aufreiben."
Zur Hühner'Psnckologie.
Ter Zoologe Ihorndike hat eine
Reihe lehrreicher Versuche mit jungen
Kukcn gemacht, die wieder einmal zeigen,
daß man auch an den allerbcZanntesten
Thieren, die sich dauernd in der Umgc
dung des Menschen bcsinden, noch immer
Neues beobachten kann. Tie Absicht des
Forschers richtete sich besonders darauf,
die instinktive Muskclbewegung und die
Erregbarkeit dcr jungen Hühner feftzu
stellen. Er setzte ein vier Tage alte?
Hühnchen auf eine Stange, die sich in
einem die Größe des Thieres achtmal
übersteigenden Abstände über dem Boden
befand, und veranlaßte eS. herunter zu
springen. Obgleich dcr junge Vogel noch
keinerlei Erfahrung oder elterliche Be
lehrung mit Bezug darauf, wie er sich
bei dcm Sprunge zu verhalten hatte,
empfangen haben konnte, kam er doch
ohne jede Verletzung auf dem Boden an.
In gewisser Hinsicht sind die Küken sogar
ihrer Mutter überlegen. Eine ausge
wachsen? Henne schwimmt, wenn fie in
einen Teich gcworscn wird, planlos
herum und sindct nicht ' hcraus. das
Kücklcin aber schlägt sosort die Richtung
nach dcm Ufcr ein. In den ersten vier
bis sünf Tagen haben die jungen Hüh
ner keine Furcht vor fremdartigen Ge
genständen oder vor Tönen und er
schrecken nicht beim Anblick eines Men
schcn oder beim Schrei eines Falken.
Später vcrhaltcn sie sich verschieden gc
gcn Tingc. die ihre Angst erregen. Tas
eine Hühnchen läuft, wenn es durch
einen lauten Ton erschreckt wird, so
schnell wie möglich fort, ein anderes ver
kriecht sich, ein drittes stößt einen Angst
schrei aus, andere aber lassen sich über
Haupt nicht davon beeinflussen. Ter In
stinkt bringt also nicht immer dieselbe
Wirkung zu Stande, und auch bei dcn
Hühnern gibt es schon in den ersten
Altersstufen Individualitäten.
Tersrofze Elephant" itt todt.
Aus Indien kommt eine Nachricht die
Rudyard Kipling den Stoff zu einer
seiner wunderbaren Erzählungen liefern
könnte. Tas furchtbare Thier Asiens,
der König der Tschungcln. der Heros
zahlloser Jagden,, dcr Kampfelephant
des Maharadscha von Bahrampur, dcr
gigantische unbesiegbare Ehand Murat,
ist gestorben. Alle Blätter Indien's
widmen ihm lange Nekrologe. In die
sein Augenblicke' kläfft, schreit, pfeift,
heult und brüllt man sich's in dcn Ur
wäldcrn von Ncpal bis Assam zu: Ter
große Elephant ist todt! Tenn Ehant
Murat war bei den Thieren des Waldes
ebenso bekannt wie bei dcn Bcwohncrn
der Städtc. Wcnn er im Frühjahre
sein Tournee" in dcn Wäldern der
Regierung machte, ergriffen die kühn
stcn Ehampions unter den Bestien die
Flucht. Seine Siege sind nicht zu
zählen. Und plötzlich ist er gestorben.
Bis hierher weist die Geschichte nichts
Außerordentliches auf. Tas Wunder
bare kommt erst. Genau eine Woche
nach dem Tode Chand Murat's starb
seine treue Lebensgefährtin Lachmania
95 Jahre lang hat sie in selbstloser
Gattenliebe täglich ungeheuere Bürden
Nahrungsmittel von den Feldern heim
gebracht, um den Appetit des kolossalen
Ehegcmals zu stillen. Während lh
Herr und Gebieter im Schatten der
Bäume seinen Körper langsam hin
uno ycrwlcgle und sicy mit einem
Baumzwcig Kühlung zufächelte, maje
statisch wie ein Unsterblicher, legte die
holde Lachmania ihm die Nahrung vor
die Füße und aß selbst erst, wcnn er mit
dcm lcckcrcn Mahle fertig war. Lach
mania war so glücklich mit Ehand
Murat, daß sie ihr Glück nicht überleben
wollte. Ohne trank gewesen zu sein,
verschied sie plötzlich.
Woher der ?lusdruckBinscnwahr
heit"?
Ter berühmte im achtundsiebenzig-
sten Lebensjahre stehende Heidelberger
Professor der Medizin Adolf Kuszmaul
erklärt dies in feinen kürzlich erschiene
nen Jugcndcrinnerungcn" in dem Ab
schnitt über seine einstige Heidelberger
Studienzeit so: Tas Pfeifenrauchcn
erzeugte in Heidelberg auch einen bc-
sonderen Handelszweig, dcn Binsen
Handel. Tie Pfeifen wurden durch
Binsen gereinigt; das waren die lan
gcn, steifen Halme einer hohen Gras-
art, die auf dcn Berghaldcn um Heidel-
crg in Menge wuchs. Ten Handel
damit betrieb ein Mensch von krctinen-
astcm Ausschen, aber spckuurcndem
:inn. Er sammelte und trocknete die
Halme, band sie zu Büscheln und ver
kaufte sie dcn Pfeifenrauchern. Er reiste
sogar mit sciner Waare und war auf
vielen Universitäten als Heidelberger
Binsenbub" bekannt. Ta er sich
beicliräntter stellte, als er war, galt er
bei den Studenten für das Urbild
geistiger Beschränktheit, und man
nannte Binsenwahrheiten" solche, die
sogar der Binsenbub" verstand. Ter
Ausdruck ist aus dcr Studentensprache
in die Schriftsprache übergegangen."
Ter ipfel der Zerstreutheit.
Ter Kapellmeister Bcnda in Gotha
war oft ungcmcin zcrstrcut. Scine
Frau mußte für alles sorgen, was die
Hauswirthschaft betraf, doch fiel es ihm
zuwcilcn ein, seine Frau an etwas dieser
Art erinnern zu wollen. Sie starb, und
Benda war zunächst ganz trostlos, doch
beruhigte ihn sejne Musik bald wieder.
Er saß eben bci einer Eomposition in
seinem Zimmer als es ihm einfiel, daß
etwas bei dcn Anordnungcn zum Bc
gräbniß vergessen sein könnte. Er
sprang auf und rief in das Ncbcnzim-
mer. wo die Leiche aufgebahrt lag:
Liebes Lcttchen. es ist doch alles wobl
bestellt und angeordnet, was das Lei
chenbegängnis; betrifft ?"
Tem Baierland Amerika.
Zreit Utkk,i,a dc dlkazzik 3,jit'drti Sjticnal
4:tcf. i titiiir; ii l
Liebliches Vaterland.
Jetzt unser Hcimathland.
Amerika!
Tich. dcr Verfolgten Port.
Ter Untcrdrückien Hort,
Zu ihrem Zufluchtsort
Gott auscrfah!
Land freier Tenkcr. Tu.
Tir jauchzt mein Herge zu!
Tu bist so hchr!
Hoch Teine Berge ftch'n.
Frei Teine Ströme gehn.
Stolz Teine Banner wch'n
Von Mcer zu Meer!
Auf. Brüder, dies Lied.
Taß cs gen Himmel zieht
Mit mächt'gcm Trang!
Kommt. Menschen, kommt zu Häuf'!
Ihr Felsen, stehet auf!
Ihr Ströme, singt im Lauf
Ten Freihcitssang!
Land edler Freiheit, Tu.
In Tir sand Mancher Ruh'
Nach Sturm und Nacht!
In Tir leb' fort und fort
Tes freien Mannes Wort.
Zichnd von Ort zu Ort
In seiner Macht!
Wm. Argow.
Ter Traum der Jugend !
Tu träumst den Traum dcr Jugend,
Mein herzig, liebes Kind,
Ach, wüßtest Tu. wie Träume
leicht vergänglich sind.
Sie schwinden ost am Morgen
Tes Glückes schnell dabin.
Mit ihnen flieht dcr Fricdc.
Ter frohe, stille Sinn.
Tann ist die Welt, ob sie auch lacht,
Tir öd' und frcudcnlccr.
Tu freuest Tich dcr Jugend dann
So harmlos, Kind nicht mchr.
Tann strahlen Teine Augen
Nicht mehr so hell und klar
Toch bleibt der Traum der Jugend
Tcin schönster immerdar.
Rich. Fischer.
Tein und mein.
Tcr Ostasiatische Lloyd theilt unter
andern japanischen Wcishcitssätzcn auch
die nachfolgende Unterscheidung mit
Ein alter Lehrer hat die Menschen in
vier Arten eingetheilt: Tie erste Art
sagt: Was mein ist, ist mein, und w!
dein ist, ist auch mein." Tie zweite
Art sagt: Was mein ist. ist mein, und
was dein ist. ist dein." Tie dritte Art
sagt: Was mein ist, ist dein, voraus
gesktzi. oaz, was dein ist, auch mein
ist." Tie vierte Art sagt: Was mein
ist, ist dein." Zur ersten Art gehören
alle Schurken und Ticbe. Zur zweiten
alle die, welche am liebsten zuerst für
sich selber sorgen, und den Andern nicht
zu nahe treten wollen; zur dritten Art
die, welche sich auf gegenseitige Freund
schast und Tienstbereltschaft verlassen
und zur vierten die, welche etwas für
den Nächsten opfern wollen, ohne dabei
an Wledervcrgcltung zu denken. '
Alterthumsfunde an der Lippe.
Umfassende Alcrthumsfunde sind
m,e man aus !,snaorua scyreivi, an
der Lippe gemacht worden, und zwar
in der Nahe von Haltern, woselbst bc
reits in früheren Jahren mit Erfolg
Äiisgravungen veranstaltet wurden.
In diesem Fall hat man äußerst aus
gicpige Fundstellen angetroffen und
nicht weniger als 200 Gräber und
Hünenbctten, Urncnfricdhöfc, Hügel-
graver uno aucy cin Kastcll gcfundcn,
von denen erstere eine Fülle kultur-
historisch interessanter Gegenstände.
Bronzen, Waffen, Gcrathe enthielten
Tiese ncuestcn Lippcfunde wcrdcn auf
eine lange Periode zuruckaesudrt. die
sich- von etwa 1000 v. Ehr. bis in die
fränkische Zeit erstreckt; fie sind durch-
ai,s noch nicht als adqcschlo sen zu be-
trachten und erregen das Interesse
weiiesicr reise.
MißrcrstZndnis;.
Unteroffizier (instruirend) :
Hubcr,
was genient der Unterofmier
in dcr
ziompagniec"
Soldat: Bessere Menage als
dcr
EZemcine, Herr llntcrosmier."
Unteroffizier: Unsinn! Er genießt
die Ehre, des Kaisers Rock zu tragen."
Die Schwätzerin.
Jungc Frau: Meine innere Stimme
agt mir. .
Gatte: Um Gottes willen, eine
innere Stimme hast Tu auch noch?"
!Nctivirt.
Richter: Angeklagter, wie kamen
sie dazu. Ihrem Meister die Hand-
Werkszeuge an den Kopf zu werfen?"
Angeklagter Geselle : Ich kam mit
hm wegen der Arbeit in Streit, und
da sagte er. es müsse Alles nach seinem
Kopfe gehen."
Galant.
,Sie dichten also auch, anüdiac
Frau?"
Jawohl! Hicltcn Sie mich etwa für
zu dumm dazu?"
O, im Gegentheil, sür zu klug." '
Zweideutig,
Besuch (Radfahrer, dcr
eine sehr
langweilige Geschichte
t'ic'chichte scheint Sie
zu intcressircn. Soll
erzählt); .Tie
nicht besonders
ich weiter er-
zahlen C
Hausherr: Fahren Sie fort!
Tin zutmütkig Mensch.
Paffant (der von einem Radsahrer
übcrsahrcn wurde): Tas ist bereits
das dritte Mal. daß Sie mich über
sahrcn! Wenn das noch einmal vor
kommt, dann werde ich ungemütlich!"
ITiibning der 5tnk bvt.
Regisseur (zu einigen Statisten):
Nach rechts, hab' ich gesagt, nach
rechts! Was ist denn da für ein ver
wünscht El'cl?" Ein Statist (bc
lcidigt): Nann. Sie denken wohl.
Sie haben Ihre Schauspiclcr vor sich."
Im I?ctel ii Point " z Köln.
Gast (eich dem Tienstpcrsonal
viel zu schaffen gemacht hat): Sie,
Oberkellner! Was ist denn das da auf
meiner Rechnung vier Mark für zwei
Karaffen Wasser? Tas ist ja uiivcr
schämt! In keinem Hotel dcr Welt be
zahlt man für Waffer."
Oberkellner (die Faust in der Tasche):
Sie vcrgcsscn, mein Herr, daß das
kölnisches Wasser war!"
In der Grdinationsstunde.
Arzt: Sie warten schon lange
hicr ?"
Patient: Ueber eine Stunde. Herr
Tottor."
Arzt: Warum haben Sie nicht gc
läutet ? Sie schcn ja die Glocke da?"
Patient: Ich hab' Angst g'habt.
Herr Toktor. Sie schlafen g'rad und die
Glock' weckt Ihnen am End' auf."
Durch die Vlume.
Tiener: Ein Herr war, hier,
der
nach Ihnen fragte. Herr Baron."
Baron: Hat er seine Karte hiergc
lassen?"
Tiener: Nein, sie war quittirt."
hübsch gesagt.
Erst jetzt bemerke ich, mein Fräu
lein, daß Sie keinen Stuhl haben, ich
werde gleich einen bringen, Sie schauen
bereits so abgestanden aus?"
Zarter wink.
Gestatten Sie mir, verehrtes Fräu
lein, diese Blumen auf Ihren Pfad zu
streuen."
Ach. Herr Graf, von Ihnen sch' ich
es beinahe lieber, wcnn Sie mir
Steine" in den Weg legten."
An den Alpen.
A. : Wie armselig kommt man sich
doch diese himmlisch großartigen Natur
gegenüber vor!"
B. : Armselig? Erlauben Sie 'mal,
ich habe 0000 Tollars Reisegeld bei
mir!"
Lin echter Spitzbube.'
Erster Gauner: Ter Gerichtsvöll
zicher hat Tir also vorgestern Deine
Uhr gepfändet?"
Zweiter Gauner: Ja. und gestern
Nacht habe ich sie mir wieder von ihm
geholt und scine eigene dazu."
kctztcs Mittel.
A.: Ich könnte heute die aan
Welt umbringen, wenn ich nur ein
paffendes Mordinstrument zur Hand
hätte."
B.: Ein Mordiiistrument? Haft Tu
denn Tein Clavier auch versetzt?"
Die Hauptsache.
Sich 'mal, Hulda, ist dcr Herr
Toktor, dcr dort führt, nicht sehr
hübsch?!"
Na. so halbwegs."
Was sinkest Tu denn nicht hübsch
an ihm?"
,Taß er vcrhcirathct ist."
Stichhaltig.
Freund: Wenn Sie dcn Patienten
doch nicht retten können, weshalb neh
men Sie dann noch eine Operation
vor?"
Arzt: Wegen der hundert Tollars,
die ich dafür kriege."
Boshafte Frage.
Haben Sie schon gehört? Ich bin
im Theater zu einer dcr Hauptrollen in
dem neuen Schwank ..Tie Schöne und
die Häßliche" engagirt!"
Kollegin: Ich gratulirc, apropos.
wer spielt denn die Schöne?"
Schrcckliä'cr Gedanke.
Studiosus Pumpwik: ..Wo willst
Tu denn hin, Spund?"
:pund: Ich geh' zu Wolf & Mül
ler, neuen Anzug bestellen."
Pumpwik: Was bci Wolf Ä: Mitt
ler? Aber Mensch, Tu wirst Tir doch
nicht gleich zwei Gläubiger auf den
Hals hetzen."
Dankbarer Aubörcr.
Mag Jemand auch einen
noch so
gewisse
herzlich
fragen
schlechten Witz machen, eine
Klasse von Frauen lacht doch
darüber."
Und zwar wer. wenn ich
darsk"
Alle, die gute Zähne besitzen."
vcnlnglücktes Lsmpliment.
Ach, Fräulein, wie sanft und her
zensgut Sie sind! Gewiß Sie sind
noch aus dcr gutcn alten Zeit!"
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