Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, July 27, 1899, Image 1

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Jahrgang 2.
'l'&Mn, ftefc, Donnerstag, 27. Juli 189!)
10.
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, An5lalld-Ikjlcschcn.
Cchlimme'Aussichten für Indien.
Snglnd will Dit kanadischen
1 DxAhungett nicht indorsiren.
Tik zraiik in t''kkstkiüdk.
Teutschland.
, Berlin. 25. Juli,
i Während eines heftigen Gewitters
lehnten gestern 40 Personen an der
Drahteinzäunung einer Rennbahn für
Nadfahrer, als 'du Blitz in die Ein
zäunung fuhr und 3 Personen tobtet?
lind 20 schwer verletzte.
Die agrarischen und Blätter der
Stumm'schcn Richtung setzen ihre An
oriffe auf den Reichskanzler fort. Der
Reichsbote" meint sogar, das Boll
sehn: sich wieder nach einem starken
Äiann."
Uebrigcns fühlt sich der Kanzler
durchaus nicht schwach und alt. Als er
in diesen Tagen in Aiildbad (Württem
lerg) den dortigen Stadtschultheiß
Baefzner besuchte, sprach er sich diesem
fegenüber dahin aus, daß ihn das Bad
o'geSräftigt und mit neuenLebensmuth
erfüllt habe, daß er fühle, er werde noch
lange leben und wahrscheinlich noch
mals Wildbad besuchen.
In der ..Kreu,eitung" hat der Pri
tatdozent A. v. Wenkstern. der an der
hiesigen Universität über Geschichte und
Theorie des nationalökonomischen und
sozialen Lebens und über deutsche So
zialpolitik liest, eine Artikelserie veröf
sentlicht über positive Politik gegenüber
den rothen Gelverlvereinen, in welcher
kr erklärt, daß. wenn die Borlage zum
Schuhe Arbeitswilliger nicht Gesetz
würde, das einzige Mittel, die bestehen
de Gesellschaft aufrecht zu erhalten, die
'Proklamirung des Belagerungszustan
des sein würde. Die sozialdemokra
tifche Neue Zeit" dagegen fordert da
?u auf, dem unbeugsamen Willen des
deutschen Kaisers, den unbeugsamen
Willen der deutschen Arbeiter entgegen
zusetzen. Des Kaisers Besuch auf dem fran
zösischen Schulschiffe bei Bergen ist
von der französischen Presse doch bedeu
tend wärmer aufgenommen, als es den
ersten Aeufzerungen der französischen
Presse nach schien. Der sonst recht
t,auvinistisch angehauchte Figaro"
bringt den Arütel eines Barons Val
f i et), in welchem dieser klipp und klar
-ffaflt: Nachdem der deutsche Kaiser in
Vergen persönlich und in liebenswür
digster Weise die Friedensflöte gebla
sen und die Allianz mit Rußland
Frankreich's Isolirtheit auf dem
Lande beseitigt habe, müsse Frank
ich nun mit Deutschland, wenn nicht
überall, so doch für alle Interessen
cuszerhalb Europa's einen Bund auf
"dem Meer schließen.
Zu diesemArtikel bemerkt die Post":
Die Auslassungen des Barons Bai
frey verdienen Beachtung: allerdings
sei es trotzdem immer noch fraglich, ob
zwischen den beidenLändern eine festere
Freundschaft jetzt schon möglich sei.
Es sei sehr wahrscheinlich, dass, wenn
-erst die Faschooa-Wunde vernarbt sein
werde, die elsasz - lothringische Frage
die Gemüther wieder erhitzen und zu
der Erwägung führen werde, ob nicht
lie Beseitigung der Jsolirtheit zur See
ruf einem anderen Wege möglich sei.
Für Deutschland erwachse daraus die
Pflicht, sich vor übertriebenem Opti
mismus zu hüten. Die Berliner
Neueste Nachrichten" dagegen sind ent
s.egenkommender. indem sie sagen:
Deutschland ist unter allen Umstän
"den zu einer ehrlichen und dauernden
Annäberuna bereit.
Wie die deutschen Marine-Offiziere
ihre französischen Kameraden des ,n
Eeestemünde ankernden französischen
, Avisos Ibis" zum Diner eingeladen
4 haben, haben die deutschen Unterosfi-
ziere ihren Kameraden vom Ibis"
einen Bierabend veranstaltet, auf dem
es sehr gemüthlich herging. Die Fran
zosen haben in Geestemünde gewalti
,cn Respekt vor der deutschen Schiffs
baukunst erhalten. Sie haben sich dort
nämlich den pompösen Schnelldampfer
des Norddeutschen Lloyds Kaiser
Lilbelm der Groke" anaeschen und
dos stolze Schiff in jeder Beziehung
bewundert.
Wie bei den jüngsten bayerischen
Wahlen, hat auch für die demnächst
stattfindenden Landtagswahlen in Ba
den das Centrum mit den Sozialisten
einen Kompromiß geschlossen, um die
Liberalen an die Wand zu drücken. Der
Vorwärts" bezeichnet dies als eine
iirachtiae Ironie auf die Behauptung.
daß das Centrum an Macht im Reiche
verloren haben solle, wahrend es )ä)
durch diesen Kuhhandel" seinen Ein
Zluß in Bayern gesichert und vergrößert
habe und das Gleiche jetzt in Baden
iüue.
Wohin das baycrische Centrum zielt,
rerräth deutlich folgende Erklärung der
Neue bayerische Zeitung . des orpztel:
len Organs des dortigen Centrums
Alles mack den Eindruck, als ob
Bayern der Mcdiatifirung durch Preu
s'en unfc das Reich entgegengedränzt
i werde. Dies sei zugleich Bayerns und
, Oesterreichs Schuld. Dieselben hätten
schon die preußischen Pläne auf dessen
Zollvereinspolitik von 1850 bis 2 er-
kennen können, sie hätten sie aber nicht
qe stört, bis ne durch den Wassenerfoiz
von 1866 besiegelt wurden. Für
Bayern wäre es besser gewesen, für die
Wahrung feiner Selbstständigkeit.
ivenn Kömg Ludwig der Erste, anstatt
kine Menge Geld für Kunst und Kunit
bauten auszugeben, das Geld für die
Schassung einer guten bayerischen Ar
mee verwandt hätt.
Der Borniärts" will al- sicher er
fahren haben, oa'j oer Burcau-Tirek
tor des Reiciages. Geheimer Reck
nungiraty Sinai, die bekannte Korrek
tur vorgenommen bade, doch weiß aucl
der Bcrwärk?" nicht, cb irgend jeina:u
Knack zu der Korrektur veranlaßt baoe.
Bei einem Vlul'lua nach dem Schwär
zathale bei Blankenliurg in Tfcürinaer
jkutschle der Fürst Günther vor
Schwarzburg - Ruaolsladt auf deir
Geröll am Ufer der reißeiidenSä'warzc
aus und kam zu Fall. Er zog sich ei
ne schmerzhafte Berletzunz am Fuße zu
welche die Anlegung eines Gnp-vcr
bandes nothwcndig machte und denFür
sten auf längere Zeit an das Krankenla
ger fesseln dürfte.
Mit seiner Vertretung bei der (seiet
in Pillnitz hat der Kaiser den Prinzer
Albrecht von Preußen und Prinz Re
ger.tcn von Braunschweig beauftrvgt
Derselbe überreichte dem Könige von
Sachsen, als 5,0-jährigem Ritter des
prur le nierite" die goldene Krone zu
dit sein Orden. Es ist dies eine Aus
Zeichnung, die zum ersten Male seil
Bestehen des Ordens, der im Jahr
1740 von Friedrich dem Großen für
lesondere Auszeichnung vor dem jjeini
gestiftet wurde, verliehen worden ist.
Ein Galadiner vereinte die Mitglieder
der königlichen Familie mit ihrem ho
hen Gaste und den Würdenträgern des
Stcates zur Feier des Tages.
König Albert ernannte den General
feldmarschall Prinzen Albrecht zum
Chef des 2. UlanenRegimentes No.
18, das in Leipzig garnisonirt.
Zu feinem 60. Geburtstag gingen
dem echt deutschen Dichter, Ernst Schr
renberg, welchem in seiner engeren
Heimath so oft der Beiname des om
nurschen Homer gegeben wird, von 1
len Seiten und in der Presse die herz
lichsten Glückwünsche zu.
Zum zweiten Male fyii die philoso
phische Fakultät der Universität Berlin
in dem Falle des Privatdozenten, Pro
fejjor L. Arons freigesprochen und da
klärt, es schädige weder den wissen
schaftlichen Ruf eines Universitätsleh
rcrs, noch mache es denselben unwllr
dig. ein solcher zu bleiben, wenn der-
selbe sch als Mitglied der sozialistischen
Partei oder zu deren Grundsätzen be
kenne. Der der Verhandlung beiwoh
na.be Vertreter der Regierung meldete
scfort Berufung an das Staats-Mini-sterium
an, bei welchem nun diese alte
Sache ihre endliche Erledigung wohl
finden wird.
Der bekannte Bürgermeister der
Stadt Hamburg, Versmann, liegt im
Sterben.
Der konservative Landtagsabgeord
nete Ernst von Wedel.Vertreter für den
4. Wahlkreis Gumbinnen (Stallupö
nen, Goldap. Tarkhenen) ist gestorben.
Weiter starben in Berlin derSchrift
stcller Han Resener und in München
der General a. D. Mussinan.
In Schmolz im schlesischen Regie
rungsbezirkOppeln erstickten derBahn
orbciter Becker mit Frau und Kind
und die Mutter des Becker an Kohlen
gas. In dem Dorfe Löbtau in der Kreis
Hauptmannschaft Dresden im König
reich Sachsen ist eine schwere Typhus
Epidemie ausgebrochen. Bis jetzt sw:b
fünfzig Erkrankungen, darunter drei
mit tödtlichem Ausgang, zur Anzeige
gelangt.
Infolge der ungewöhnlichen Hitze
hoben die Soldaten bei den Sommer
Übungen und Exercitien schwer zu lei
den und sind mehrfache Todesfälle
vorgekommen. In Königsberg in Preu
ßcn starb der Gefreite Otto Groeb beim
Exerzieren.
Am Todestage des FllrstenBismarck
wird im Mausoleum in Friedrichsruh
eine Todcsfeier abgehalten werden, an
der aber nurFamilienmitglieder sich be
theiligen dürfen.
Lesterreich Ungarn.
Wien. 25. Juli.
In Oesterreich gehen sowohl Regie
rung als auch die Wiener Stadtver
waltung weite: gegen alle liberalen
Regungen vor. In Brünn wurde der
sich zur Partei Schönerers zählende
Student Alois Bock wegen Hochver
raths verhaftet und in Wien verhöhnt
sogar Bürgermeister Dr. Luezer, ob
gleich dort der passive Widerstand ge
gen die octroyirte Steuererhöhung
von Stunde zu Stunde wächst, die
Sozialisten und ihre Freunde. In ei
r.er Rede sagte er: Wir fürchten uns
auch nicht, wenn Millionen von So
zialisten promeniren, mit schwerem
Tritt werden, wenn es zum Klappen
kommt, die Bauernrcgimenter und die
Regimenter der Gewerbetreibenden die
Arbeiterbataillone übertönen."
T r i e st. 25. Juli.
Admiral Dewey hat die Einladung
des amerikanischen Gesandten Harris,
mehrere interessante PunkteOesterrcichS
zu bcsuchcn.endgiltig abgeleynt. Dewey
wird allerdings noch 14 Tage hier der
weilen, aber er wird meistens an Bord
bleiben. Von Triest will er nach Genua
fahren und zwar am 3. August.
Norwegen.
B e r g e n. 25. Juli.
Howard Gould's Tampsyacht Ria
oara" kam heute hier an.
" Als der Kaiser Wilhelm in Molde
die Jacht besuchte, kam er mit dem
Prinzen Albert von Schleswig-Holstein
itnd 16 Personen seiner Begleitung. Er
nahm die Niagara" sehr genau in Au
gcnschein und verblieb eine halbe Stun
de an Bord'. Beim Berlassen desSchif
fes schenkte er der Frau Gould seine
Pbotcgraphie mit eigenhändigem Na
menszuge.
;rof,oriianikn.
London. 25. Juli.
Ueber die Rede LaurierS im kana
diseden Parlamente sagte die St. Ja-me-
Gazrtie: Die feiiarfe Luft Amen
!a; verfugn räufiz zu Worten, welche
ein europätsa'crtaat-mann nur dann
gebrauchen wiirle. wenn er im Be
griff stände, en Mobilmachungsbefehl
zu erlassen. Niemand denkl daran,
wegen dieses Streitfalles einen Krieg
anzufangen. Wir müssen unsere kana
difcken Freunde ersuchen, sich einer ru
higeren Ausdrucksweise zu befleißigen,
da wir ja schließlich den angekündig
ten Krieg zu führen Hätten. Sir Char
les Tupper hatte offenbar im Sinne,
den Ber. Staaten ein Ultimatum zu
überreicken. Infolge dieser Worte ist
die diplomatische Lage heute verschlim
mert, trotzdem Großbritannien dies
gernde vermeiden wollte.
tlius.ianS.
Moskau. 25. Juli.
In der vergangenen Nacht kam die
Leiche des Zaren hier an. Der
Zar war dem Leichenzuge bis Kos
koiv entgcgengereist. Nachdem der Me
tropolitän Wladimir eine Seelenmesse
gehalten hatte, fuhr der Leichenzug
nach Petersburg weiter, wo er heutk
Nachmittag ankommen wird.
Frankreich.
P a r i s. 25. Juli.
In dem großen Kaufladen des Louv
re wurde von dem von dem Geschäfte
angestellten Aufseher Albanel eine Ame
rikanerin beim Ladkndiebstahl ertappt,
welche die hics. Blätter eine amerika
nisch: Millionärin Frau A. nennen.
Der amerikanische Consul sagte jedoch,
es sei ein Frl. Hobbs. In dem Zim
mer der Dame im Hotel Continental
wurden viele gestohlene Gegenstände ge
funden. Nachdem die Dame für diese
Sachen bezahlt hatte, wurde sie frei ge
lassen. P a r i s. 25. Juli.
Aitf dem amerikanischen Consulat
wird erklärt, daß Frl. M. D. Hobbs
vonChicago, die angeblich die im Louwi
verhaftete Ladendiebin sein soll, am 21
Juli nach den Ber. Staaten abreiste,
vliina.
S ch a n g h a i, 25. Jul'
Die Berichte über ein japanischchi
i esisches Bllndniß, die seit einiger Zeit
im Umlauf sind, haben nun eine be
stimmte Form angenommen und ha
ben in russischen Kreisen große Aufre
gung zur Folge gehabt.
Südafrika.
P a r i s, 25. Juli.
'Depeschen aus Pretoria sagten, daß
die Abwesenheit des Präsidenten Krü
ger von der heutigen Sitzung des Eze
cutivraths Anlaß zu dem Gerücht gab,
er habe resignirt.
Präsident Krüger erklärte später in
einer Unterredung auf das Bestimmte
ste, daß dasGcrücht unbegründet sei.
Indien.
B o m b a y, 25. Juli.
Das zeitweilige Ausbleiben des
Monsun hat hier schwere Besorgnih
erregt. In Bengalen und den nord
westlichen Provinzen gingen unge
wohnlich starte Regengüsse nieder, da
gegn hat es in Dekkan, Guggerat un.d
den zentralen Provinzen fast gar nicht
geregnet. Im westlichen Indien ist die
Lage bereits kritisch und ein schweres
Unglück scheint unabwendbar.
In Pruna nimmt die Pest zu. am
Sonntag wurden 116 neue Erkran
kungen und 82 Todesfälle gemeldet.
Kanada.
Ottawa, 25. Juli.
Die Winnipeq Great Northern und
die LakeManitoba Eisenbahn- und !Za-nal-Gesellschaft
haben sich unter dem
Namen Canadian Northern Ry." der-
schmolzen. Das Aktienkapital velraz:
Z16.000.000. Der Sitz der Berwal
tung ist in Toronto . Die Gesellschaft
ist verpflichtet, ihre Linie südlich vom
Saskatchendan Fluß in 5 Jahren zu
rollenden und die nördliche von dem
i..rr. : n cv-t. :ri s.;.
)jiuic III i aijtc. '.autsciuEm ii uic
Gesellschaft ermacktiat Hweialienien
von Red Teersee nach Edmonton und
dem Wtnnipcgosisiee zu bauen.
Sir Wilfred Lauriers Rede im Un
terhausc über die Grenzfrage in Alas
ta hat im ganzen Lande großes Auf
seben aemackt. Laurier erklärte noch
deute, daß er bereit sei, die Streitfrage
r r :! . v t-1 - l jr. s irjs.
ctr Illieosrilliiernll)cn uniujciuu:ig
ehrenwerther Männer zu unterbreiten.
Prof. Goidwin Smith von Toronto
sprach sein Bedauern über die Rede
Lauriers au. Selbst die Anspielung
ent die Möglichkeit eines Krieaes Zwi-
schen Großbritannien und den Ber.
Staaten wegen einer solchen genug
werthigen Sache sei zu verwerfen.
Sehr unklug sei auch die Bermischung
der alaskischcn Grenzfrage mit dem Ge
gsnscitigkeitsvertragc. Ein Comite beabsichtigt Sir Wilfrid
Laurier, den Premierminister Canadas,
$100,000 zum Geschenk zu machen und
zwar sollen ihm hiervon $25.000 baar
übergeben werden, vomRest soll ihm der
Zinsertrag zugute kommen. Laurier be
zieht als Premierminister ein Jahres
gehalt von $8000. wozu noch $1000
Zuschuß während dcrParlamentssitzun
gen kommen.
Bon anderer Seite wird der Versuch
l'kmacht. des Premierministers Gehait
auf $20.000 zu erhöhen. Laurier ist
nicht allein arm. sondern auch verschul
det. Zu dem $100.000 - Fond hat oer
Hochkommissär Canadas in London.
Lord Strathcoma. bereits $10.000 bei
gesteuert, zugleich hat er versprochen,
nochmals $10.000 herzugeben, wenn
das nöthig sein sollte.
Anslaild-Dcpchcn.
öln cnglifchcr Korrespondent
über die Zustände auf ken
Philippineni
knalaud und die südafrikanische
VIcpuvtlk. i
Tik öfterr. ortichriltler priikstireu.
?ktschand.
B e r l i n . 26. Juli.
Die Kölnische Zeitung" hat mit
ihrer Auslegung, der Kaiser habe in
Dortmund abgesagt, weil er seine
Nordlandreise 'habe verlängern wol
len, offenbar Recht gehabt. Nachdem,
der Kaiser dem Magistrat in Dort
mund jetzt zusagte, er werde zu der
Kanaleröffnung persönlich erscheinen,
wenn dieselbe auf einen späteren Tcr
min verlegt werde, werden alle politi
schen Vermuthungen über die Absage
für hinfällig erachtet und die Sache
auf rein persönliche Motive zurückge
führt. Wann nun die feierliche Eröff
nung des Emskanals stattfinden wird,
ist noch unbestimmt.
Im Vorwärts" setzt Liebknecht des
Längeren auseinander, wie der söge
nannte baierische jluhhandel" der
Partei der Sozialdemokraten durch
aus nicht genutzt habe. Zwar habe die
Partei ein halbes Dutzend Mandate
gewonnen, aber doch im Ganzen ihre
Position verschlechtert. Früher hab:
die Partei oft zwischen dem Centrum
und den Liberalen in Baiern denAus
schlag gegeben, jetzt aber habe das Cen
trum mit Hülfe der Sozialisten dort
die ausgesprochene Majorität erhal
ter und das zu bewirken, könne doch
nicht Absicht der Sozialdemokratcn
gewesen sein.
In den Dresdener Borstädten
Plauen und Löbtau ist der Typhus
ausgebrochen und werden aus letzterer
Borstadt über 100 Erkrankungen ge
meldet. Die hygienischen Unteriuchun
gen haben noch nicht festgestellt, ob das
Wasser, welchem die Schuld zugeschric
ben wird, infizirt ist oder nicht, denn
es ist auch möglich, daß die Krankheit
durch österreichische Arbeiter ringe
schleppt wurde.
In dem Befinden des bekannten
Bürgermeisters Versmann der Hansa
stadt Hamburg, der, wie schon gemeldet
wurde, mit dem Tode ringt, ist bis jetzt
keine Veränderung eingetreten.
Joseph Gabriel Rheinberger, Hof
kapellmeister in München, ber auf
instrumentalem und vokalem Gebiet
wohlbekannte Komponist, wurde vom
Prinz-Regentkn von Baiern zum Geh.
Rcgierungsrath ernannt.
Daß die philosophische Fakultät der
Universität Berlin den Privatdozenten
Dr. Arons freigesprochen habe, wurde
gestern gemeldet. Der Sitzung der Fa
kultät wohnten vierzig Professoren,
eine ungewöhnlich große Zahl, bei. De
kan. Professor I. C. Schwart? führte
das Präsidium. Ueber den Fall referir
te der berühmte Nationalökonom Pro
fessor G. Schmoller und als Ankläger
fungirte Geheimrath Dr. Elster, vor-,
tragender Rath im preußischen Mini
sterium der Geistlichen-, Unterrichts
und Medizinal-Angelegenheiten. Die
Vertheidigung führte Rechtsanwalt
Wolfgang Heine von hier, der im
Reichstag als Sozialdemokrat den 3.
Berliner Wahlkreis vertrat. In seiner
Vertheidigungsrede führte derselbe un
gefähr Folgendes aus: Trug der so
oft mit dem Pathos der Ueberzeugung
von der Regierung gegebenen Versichc
rung von der Unabhängigkeit der Uni,-.
vcrsitäten sei sein Klient systematisch
angegriffen worden. In dieiem Falle
fei Dr. Arons wegen politischer Gesin
nungen angeklagt, die er nicht etwa als
Lehrer vom Katheder herab verkündet,
sondern außerhalb seines Berufes
was ihm verfassungsmäßig freistünde
geäußert hätte. Die Fakultät möge
bedenken, daß, wenn sie in diesem Falle
den Ansichten der Regierung und des
Kultusministers folge, st ein Präce
denz schaffe, das sich furchtbar rächen
müsse; heute, sei ein Professor wegen
seiner außeramtlichen Thätigkeit ange
klagt, eine Berurkheilung aber würde
die traurige Folge haben, daß dann in
Zukunft die Professoren mich wegen
ihrer wissenschaftlichen Ueberzeugung
und Lehre angeklagt und verfolgt wür
den. Nach kurzer Berathung erfolgte,
wie bereits gestern gemeldet, Freispre
chung, gegen welche Dr. Elster sofort
Berufung anmeldete.
Im Wagncrtheater in Bayreuth ge
langte des großen Meisters Rhein
gold" zur Eröffnungsdarstellung. Das
allgemeine Urtheil nennt die dekorative
Ausstattung hervorragend.wogegen die
gesanglichen Leistungen hinter den Er
Wartungen zurückbliebcn und schwach
genannt werden müssen.
?esterrkich Ungarn.
W i e n . 26. Juli.
Die österreichische Fortschrittspartei
in Wien hat ein äußerst scharf gefaß
tes Manifest erlassen, in dem sie den
auf dem Berordnungsweoe erlassenen
Ausgleich mit Ungarn als'verfassunas
widrig erklärt. Graf Thun wird sich
allerdings durch den Protest nicht stö
ren lassen. Er ist froh, wenn Ungarn
nur zufrieden ist die Deutschen läßt
er ruhig weiter Protestiren.
Triest. 26. Juli.
Der Admiral Deivey verliess heute
daS Schiff nicht. Nachmittags fand an
Bord der Olympia ein Conzert statt.
dem der hiesige amer. Consul. Frederick
7ü. Hoßfeld und andere Amerikaner
beiwohnten.
Schwei!. I
B a s e l . 26. JuN.
Der Erbauer der Rigibahn. Niko
aus Rizgenbach, ist todt.
t4rkvritanuik.
London. 26. Juli.
Die Äusmerliamketl von ganz
TS
England ist einmal
wieder naeq
Die Times"
Südafrika gerichtet
sagt, daß der Premier - Minister der
Cävkolonie Sckreiner den Präsidenten
Krüger nicht zu weiteren Zugeständ
nissen veranlassen lonne. iin wxy
scnder erklärte, daß der Krieg unver
ineidlich sei. wenn nicht jede Förde
kn,i GrokdritanniknS bewilligt werde.
Das sei von vornherein der feste Wille
der Regierung gewesen. Milner sei
nach Südafrika gesandt, um die Suze-
ramtat (e-ngiands uder Transvaal in
jeder Hinsicht, fowvbl in der inneren
wie in der äuneren Bolitik iestiuseken.
Würden Milner's Forderungen bewil-
ligt. so sei damit Englands wai
anerkannt, sich in die inneren Ange
leaenkeiteii Transvaals zu mischen.
wenn nicht, so werde es Krieg geben.
Der Rucktritt aliSvury'S wird in
einigen Monaten erwartet. Sein
wahrscheinlicher Nachfolger m der
Herzog v,n Dcvonshire. An dem
bevorstehenden Kampfe in udalrtta
würde ganz England theilnehmen. Die
Freiwilligen und die Kolonien seien
bneit, eine aktive Politik der Regie
rung zu unterstützen.
Die Ankerlinie, deren Dampfer zwi
schen Glasgow. New Z)ork und vielen
arderen Hafen fahren, ist in die Hände
der Gebrüder 5enderson. Vettern der
Gebr. Henderson. welche bisher die
Besitzer des Linie waren, üoergegan
gen. Dritter Theilhaber ist ein gewis
fer Andcrson. Das Aktienkapital der
früheren Gesellschaft betrug $2.875.-
000.
Ein Privat - Correspondcnt schreibt
unter dem 17. Juni aus Manila: Ein
Ende des Krieges ist gar nicht abzu
sehen. Die Eensur wird beständig
unangenehmer. General Otis ließ
kürzlich den Befehl ergehen, daß alles,
was auf die Flotte Bezug habe, zuerst
der Begutachtung des Geschwader
Commandanten und darauf dem mili
täuschen Censor unterbreitet werden
müsse, sodaß die Berichterstattung
cuf's höchste erschwert ist. Aus Grün
den. welche der Censor nicht mitthei
Un wollte verweigerte er uns 2 Tage
lang den Tod des Kapitäns des Mon-
adnock . Rtchols, zu meiden. Evenio
verweigerte der General die Meldung
von dem Verschwinden des Kapitäns
Rockefeller am 28. April, weil dies
seine Familie beunruhigen könne. Auch
die Meldung vom Tode des Kapitän
Tilly wurde erst nach 24 Stunden ge
stattet. Alle Correspondenten find über die
Chicane im höchsten Maße ungehalten.
Sie setzen sich den größten Gefahren
cus. um Nachrichten zu erhalten und
können aber nur solche melden, welche
dem Ekneral Otis passen.
Es ist unmöglich", sagt der Cor
respondent, die Wahrheit über die
Lage zu schreiben. Die Hilfsquellen
und kriegerischen Eigenschaften der
Eingeborenen werden von den amc-
rikanischm Zettungen durchaus vcr
k,innt und wir dürfen nicht die That-
sachen schreiben, wenn wir uns nicht der
Gefahr aussetzen wollen, des erratys
bcsckuldiat zu werden, nickt einmal
von der thatsächlich einmüthigen Oppo
sition und dem Widerwillen der ame-
rikanischen Freiwilligen gegen oen
Krieg dürfen wir schreiben. Die
lreiwilliaen oder wenigstens ein Theil
derselben drohten eine Zeit lang mit
rssener Meuteret und wenn iVencrai
Otis nicht endlich begonnen hätte sie
nnck funifa zu senden, so wäre es zu
Aufsehen erregenden Geschichten gekom-
mcn. Jede ncmyetmng uoer Die am
der Kranken wurde uns rundweg ab-
geschlagen.
London, 26. Juli.
Das Blatt ..Trutb" saat. dak die
üöniain sich ihrer Augen wegen einer
10-wochentlichen Behandlung unter-
werfen hat, die vom Profestor Pagen
sttcher von Wiesbaden vorgeschrieben
wr rde. und die so erfolgreich wär. dak
eine Operation nicht nothwendig ist.
Rufzland.
P e t e r s b u r g . 26. Juli.
Morgen früh 10:30 findet die end
giltige ' Beisetzung des Cäsarewitsch
statt. Ein von der Regierung der
französischen Republik gesandter Blu
menkranz und ein vom Präsidenten
Loubet gesandter silberner Kranz wur
den heute auf den Sarg des Todten
niedergelegt.
Trauerkränze sandten ferner die
öniain Victoria, der Kaiser Wilhelm
ltnd der König 5)umbert.
'.'iorwe,tt.
C h r i st i a n i a . 26. Juli.
Es wird gemeldet, daß die Regie
rung das Gesetz betr. die besondere
norwegische Handelsflagge und geson
derte norwegische Consulate demnächst
veröffentlichen wird.
Spanien.
Madrid. 26. Juli.
Die Bank von Spanien soll ermäch
tigt werden, ihre Noten - Circulation
auf 2.500.000.000 Pesatas zu erhö
ben. Die Regierung braucht Anleihen
nur mit 21 Prozent. Private müssen
solche mit 5 Proz. verzinsen.
Nikaragua.
M a n a g u a , 26. Juli.
Zelaya, der Präsident von Nikara
gua, ist zu einer Zusammenkunft mit
dem Präsidenten der Republik Hondu
ras, General Terencio Sierra, nach
dem Golf von Conchagua gereist. Die
beiden Präsidenten beabsichtigen zwi
schen den beiden Republiken ein Schutz
und Jrutzbündniß zu schließen.
((lau .ui.
Paris, 26. Juli.
Poliiiguc Colonialc" meldet, das,
sch Rußland und Japan im Hinblick
cuf einen möglichen Conflict in Korea
n.sten.
Nach amtlichen Berichten h der
Stand des Wintcrweizens in Tepar
tcmentS'-sehr gut, in 67 gut. in 8 be
jriediqend. in' I schlecht. FrühlingS'
wetzen steht sehr gut in 4 Departe
meiits, gut in 30. dcsricdigend in 13.
Der 'viel genannte General Pcllieur
ist zum, Brigade-General in Quimpcr,
Dep. Finisterre ernannt. Dem ehe
!,aligen Major Esterhazy ist freies
Geleit, zugesichert.'damit er in Rennts
in deniArkeuen Militär - Prozeß gegen
Dreyfus.ls Zeuge 'erscheinen laiin.
Die'Geschäslsleitung der Louvre er
klärt, daß die Verhaftung des Frl.
Hobbs auf einemJrrjhum vertilg.
In dem k,eütigen''Ministcrrathe klln
diäte der Kriegsminister an, daß an
Stelle Pellieux' General -vr,'. Allst.in
zum Militärgouverneur vn Paris er
nannt sei. Hauptmann Billaneuve
und Prof. Syveton wurden rkgen in
rer Theilnahme an der Dreyfus-Bewe
gunq mit 60 Tagen strengem Arrest be
straft.
Der Minister des Auswärtigen,Del
casse, kündigte die Unterzeichnung dcS
sranzösisch-ämerikanisen Handel'sver
träges an, welcher Frankruch den Mi
ninA,ltarif -,egen die Meistbegünstigung
zugesteht.
P a r i s . 26. Juli.
Es wird gesagt, daß das Ministe
rium heute beschloß, einen gewien her
vorragenden Divisions-Gc'neral strenge
i bestrafen, weil er verschiedene Male
k cußerungen machte, die gegen die Du
tiplin verstießen. Der Name des Gene
ials und die Art der Bestrafung werden
wahrscheinlich heute Abend bekannt ge
macht. Die Namen der Generäle Zur
linden und Boisdcffre werden in Ber
cindung mit t er Angelegenheit genannt.
Paris. 26. Juli.
General Ncgricr ist der Offizier, der
bestraft wird, und zwar wird er dezra
dirt. Das Dekret, das seine Tegradi
rung anordnet, ist vom 25. Juli datirt
Es enthebt ocn General seiner Stelle
als Mitglied des obersten Kriegsrathes.
Negrier war auch Inspektor von 4 Ar
meccorps. Bei einer kllrzlichcn Jnspei
lionsreise hielt er an die Commandeure
der Corps eine Ansprache, in welcher er
die Regierung tadelte, weil sie dieArmee
nicht vertheidige und erklärte er. daß
sie die Armee sich selbst helfen
müsse, wenn die Regierung sich weigere,
einzufchrciten.Negrier forderte dieCom
mandeure auf. das Gehörte allen Gene
rälen und Offizieren mitzutheilen.
Als der Kriegsminister General Gal
liset von dem Borfall hörte, leitete er
kine Untersuchung ein und beorderte den
General Negrier nach Paris, wo er zur
Rede gestellt wurde.Negrier konnte nicht
läugnen und feine Degradirung folgte.
Es heißt, daß keine anderen Generale
in die Affaire verwickelt sind.
Rennes. 26. Juli.
Unter den etlichen 70Zeugen, die vor
geladen sind, um in dem Dreyfus-Pro-leß
auszusagen, befinden sich folgende
Personen: Easiintr - Perier, Expräsi
ent von Frankreich; die früheren
liriegs - Minister Cavaignac und Gen.
Lillvi, General Zurlinden, früherer
Mliiär - Gouverneur von Paris; Gen.
Thanoin, der Nachfolger von Gen.
Zurlinden: General Roget, dessen Zeug
iß im ersten Drcyfus - Prozeß im Fi
zaro veröffentlicht wurde; Gen. Bois
ffre, früher Chef des Generalstabs;
Oberst Picquarl; Col. Du Paty de
!lam, Major Esterhazy; M. Lcblon,
früherer Colouial - Minister; Ex-Pre-inier
Hanotaux; Paleologue, einst Be
imter im Auswärtigen Amt; Madame
Henry, Wittwe des Offiziers, der sich
ils Fälscher bekannte und im Gesang
,iß Selbstmord beging; und Mlle.
pays. die einstige Geliebte Esterhazy's.
Südafrika.
C a p st a d t , 26. Juli.
Meldungen aus Capstadt bestätigen,
daß Präsident Krüger von seinemAvüc
zurückgetreten ist.
Es handelt sich um das Dynamit
mcncpcl. Der Bice-Präsidcnt. Gene
ral Joubert und die Mehrheit deS
Volksraads sind einer Abänderung ge
neigt, währe d eine Minde-Heit die Ge
seUschaft auskaufen möchte. Der Rück
tritt Krüger's erscheint noch immer
zweifelhaft.
P r e t o r i a , 26. Juli.
Die freundschaftlichen Beziehungen
'wischen dem Präsidenten Krüger und
dem Volksraad sind wieder hergestellt.
Der Verschwörungs - Prozeß gegen
)ie früheren britischen Offiziere ist fal
en gelassen worden, und wurden die
gefangenen in Freiheit gesetzt.
Kreta.
Candia, Kreta. 26. Juli.
Die Verwaltung der Insel Kreta ist
ton den britischen Behörden in iller
orm den Kretern übergeben worden
lind die Briten senkten ihre Flagze.
Dies bedeutet, daß dieKontrollmächi:
kireta fri gegeben haben. Die Insel
pird also jetzt vom Prinzen Georg vor.
Griechenland, welcher von denKontroll
dächten eingesetzt luroc, sogu: wie
selbständig verwaltet. Die Auswane
kunq von Muselmännern dauert iic-ch
mmer fort.
.Ort ti.
Port a u P r i n c . 26. Juli.
Der deutsche Dampser Rhenania",
Eapt. Fst, welcher vorgestern bei
Port au Prince, Haiti, ait Grund
gerathen war und sich in gefährlicher
Lage befand, ist nach Löschung eines
Theils der Ladung ohne Beschädigung
wieder flott geworden und hat seine
Reise fortgesetzt.
Zllland-Dcpcschcn.
Staats Milizen werden nach
llc:lanb berufen.
en. Cli wird aus seinem Post,
vleide.
lll.:
Tkweii'i künitigk -iellung.
?er Streik in vievcland.
C l e v e l a n d . O.. 26. Juli.
Kurz nach Mitternacht ging an den
k'en.-Adjutanten Arline in ColuinbuS
frlgende Depesche von Ma'aor Farlilz
ab: Senden Sie sofort ein Regiment
Das ColumbuS Regiment würd: dar
aufbin sofort einberufen und wird
Nachmittags in Stärke von 100oMann
hier eintreffen.
In den Morgenstunden war AlleZ
ruhig und alle Linien im Betrieb.
C l e v e l a n d . O.. 26. Juli.
Die 4 Compag.iicen Miliz von Co
lumbus. sowie die von Newark und
Chillicothe. zusammen 000 Mann stark,
sind hier angekommen, in die hiesigen
Miliztruppen und die 'Polizei bei oer
Allfrechterhal.lütg der öffentlichen
Ordnung zu unlerftiitzen.
Die Compagnieen von Urbana und
Zanesville werden wahrend der Nacht
hier eintreffe.:. Die Streiter schimpfen
ganz gewaltig auf den Bürgermeister
Farley. weil er weitere Truppen kom
men ließ; Farley aber erklärt, daß er
solange Truppen kommen läßt, bis die
Ruhe gesichert ist. und wenn er jeden
Soldaten im Staat in Dienst rufen
müßte.
Der Bischof Jgn. F. Horstmann von
der Diözese Cleveland hat an dieKatyo
liken der Stadt die Aufforderung ge
richtet, den Behörden keinen Wierstand
entgegenzusetzen und für die Wiederher
stellung es Friedens und der Ordnung
zu beten.
Otis bleibt im Amt.
New Aork. 26. Juli.
Dem Herald" wird von Washington
gemeldet: Tcr Präsident hat nicht die
Absicht, den Gen. Otis von den Philipe
pinen abzuberufen oder einem anderen
General die Leitung des .Feldzuges zu
übertragen. Gen. Otis. so versichert
ein hoher Beamter, hat stets seinPflicht
gethan und erreicht, was möglich war.
CcineAbberufung würde bedeuten, daß
er Fehler begangen habe. Das aber
können wir nicht zugeben.
Bcn anderer Seite verlautet, daß
zwischen dem Gen. Otis -und den unter
seinem Commando stehenden Generälen
tiefgehende Meinungsderschiedenlieitcn
in Bezug auf die Führung des Feldzu
gcs bestehen sollen.
Sei,' uitunstt t,un.
Washington. D. C.. 26. Juli.
In Marinekreiscn ist man gespannt
darauf, welche Stellung dem Admiral
Dewey nach seiner Rückkehr zugewiesen
werden wird. Sekretär Long erklärt,
es dürfte darüber nichts entschieden
werden, bis Dewey selbst seine Wünsche
ßcäußert habe. Man .glaubt, daß er
der Vorsitzer einer wichtigen Behörde,
z. B. der Mar!n-!-Jnfpektionsbchörde
werden wird, oi?lle!cht aber auch der
Chef des AdmiralitätsracheZ. falls ein
solcher gebildet lverden .sollte.
RestkUunq aus ?eutichkand.
NewHaven, Conn.. 26. Juli.
Die Ganison Jron Foundry Com
pany" in Lime Ziock. New Winsted. hat
aus Magdeburg, Deutschland, ein Be
stellung von mehreren hundert Laselicn
erhalten, die nach einem deutschen Mo
dcll angefertigt werden sollen. DefCon
tralt beläuft sich, wie es heißt, auf
$500.000. Dt Arbeitern werden unter
Leitung eines deutschen Sachversiäiidi
gen am 1. September beginnen.
Rknschenft.'isch al, Andenken.
B r i n s o n . Ga.. 26. Juli.
Charles Mach der Anführer der
Bande, welche das Ehepaar Oletree
überfiel, wurde in Saffold gelyncht,
nachdem er ein Schudbckenntniß abge
legt hatte. Nachdem er'todt war, wür
de er in Stücke geschnitten und jeder
Teilnehmer an der Lynckerei erhielt ei
lies als Andenken.
Ast (sandidat.
Louisville, Ky.. 26. Juli.
Die Evening Post" kündigt an. daß
Fcung Broivn. der einstige Gouverneur
von Kentucky. geneigt ist, als Candidat
gegen Goebel aufzutreten, der für das
Gouverneurs - Amt nominirt wurde.
Wenn die Convention, die am 2. Aug.
inLexington abgehalten wird.befchließt,
ein weiteres Ticket aufzustellen, so wird
Brown ohne Zweifel nominirt werden.
Ve.'t,-rcnnt.
Asheville. N. C.. 26. Juli.
Das in Black Mountain 18 Meilen
östlich von hier gelegene Haus von D.
H. Kr.iipp gerieth auf noch nicht auf
geklärte Weise in Brand und wurde
vollständig vernichtet. Der Architekt
E. Fcgotc und ein unbekannter Eng'
länder kamen in den Flammen um.
l'ctch.- gesunken.
Daukegan. Jll., 26. Juli.
Hab im Sande begraben wurde eine
männliche Leiche nördlich von hier am,
Eeeufer gefunden. Anfangs glaubte
kian. daß der Mann ertrunken sei, und
der Wahrspruch der Coronersjury lau
kete demgemäß, aber der Leichenbestat
!er fand'später Kugelwunöen im Kopf
der Leiche, die auf ein Verbrechen hin
deuten. Die Lei? ist die eines Mannes
on ungefähr 35 Jahren. 5 Fuh 8ÄH
roß. bartloscs Gesicht, theilweise -tayl-kopfig
und die Wäsche ist mit denÄuch--s.aben
W. C. D. gezeichnet.