Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, June 08, 1899, Image 1

Below is the OCR text representation for this newspapers page. It is also available as plain text as well as XML.

    MK MmK
J , S--L
N " V
. .
IMlchM.
Jahrgangs. VVnwltt,
ifr "
VttK Donnerstag, L. Juni 1890
zttn. 3.
Au5l,illd-DcPcschkll.
Tte sranzosische Negikrung zeigt
den Nadaupatrioten die
äliiie.
)
Urtheil über die sog. uchtkautz
Vorlag.
Tie Vradschändung ou Omdurma.
Leutschlan.
B e r l i n . 6. Juni.
Ukbe die Vorlage zum Schutze Ar
beitswilliger f.'chen die Meinungen in
den Blättern weit auseinander. Die
Kreuz Zeitung" findet sie natürlich
gerecht und makvoll'. und die Deut
sehe Tageszeitung" hat gegen sie nur
formelle Bedenken. Die Kölnische
Zeitung" sieht in ihr eine brauchbare,
willkommene Grundlage zur Besserung
oS sozialen Friedens.
Oberin v. Stumms .Post" nennt
die Vorlage gerecht und sachlich"; sie
fülle die Lücke in der Gesetzgebung aus,
welche durch die von den Sozialisten
mgeleitete maßlose Verhetzung ent
standen sei, zu welcher ihnen der aller
dings der Mißdeutung fähige Wort
laut der Rede des Kaisers m Oeyn
Hausen die Handhabe geboten habe.
Jetzt, wo der Wortlaut des Gesetzes be
kannt sei und es Jedem klar sein
müsse, daß das Gesetz sich nicht gegen
die Arbeiter allein richte, sondern eine
streitige Materie gesetzlich ordne, wer
de dies Geschrei bald verstummen.
Nach den .Hamburger Nachrichten'
hält das neue Gesetz Das. was in der
Thronrede gesagt war: es sei daher zu
bedauern, daß die Regierung die Ein
bringung desselben so lange verzögert
abe.
Die Weserzeitung" befürchtet. dc.ß
iurch die Vorlage Annöihiger Weise ein
neuer Zanlane1. in das Parlamenten
sche Leben geschleudert worden ist. Auch
m Hamburg! che Kocrtfljoirtenr
brückt sich vorsichtig und maßvoll aus:
J)tx Impuls, welchen das rasche jtat
serwort in Oennhausen gegeben, habe
der StaatZ'.vüst große Sorge bei der
'Ausführung bereitet; das könn: rna:i
m der Vorlage sehen, aus welcher man
iheus die Morgenluft aufrichtige? )o
zialer Refcrm wittere, aber auch ande
-rerseits Stumms reaktionären Geist er
kennen könne."
Die Frankfurter Zeitung" hält dai
veueGesetz für schädlich und hofft, daß
Der N;ickZt!g. wenn er es mit der oa-
-lltionsfreihelt ehrlich meK Tosort
turwcrfen werde, weil es die ganze Ar
beiterbewequnq lahmlege.
Die Vossijche Zeitung" hält die An
liahme der Vorlage für unmöglich und
hofft, daß der Reichstag sich nicht zie
ren werde, die Vorlige. die nichts wei
in sei, als ein Ausnhwegesch gegen
ven Arbeiterstand , lurzer Hand zu-
ruckzuweisen.
Das Berliner Tageöli!!" bleibt auf
bem von ihm seit Jahren cingenoinme
l.en Standpunkt, dag die bestehenden
Gesetze für die Regelung ner Arbniev
frage und des ErwekbZlcb'.-iZ vollstän
iig ausreichend seien, :ind erklärt daher
rie Vorlage für nicht opprnin.
Der Vorwärts" sieht in dem Gesetz
die völlige Vernichtung der Koalitions
freiheit; dasselbe verdiene den Namen,
er ihm durch die Oeynhausener Rede
verliehen worden sei, Zuchthausvor
läge", in der That; was von einer
Gleichstellung von Arbeitgebern und
Arbeitnehmern gefabelt werde, fei nur
Schein. Trotzdem werde die Vorlage
bei den liebedienerischen Parteien ihre
Freunde finden; und wen sich auch
das Centrum heute noch in die Brust
hxrfe und sich den treuen Hüter der
Volksrechte nenne, so sei ihm doch nicht
zu trauen; es werde einige Paragra-
phen andern, vielleicht auch verwerfen,
rcer doch so viel annehmen, daß das
esetz für die Rcaierung gerettet sein
werde.
Der Entwurf ldes Gesetzes erinnere
in seiner zanz'n Anlage und Tendenz
an den eigentlichen Verfasser der Um
sturzvorlage von 1894, den Geheimen
Oberregierungsrath v. Trott zu Solz,
der rasch zu den Intimen des Frhrn.
v. Stumm avancirt sei.
Wie verlautet, will die Regierung
mit einem anderen Ausnahme - Gesetz
!der sozialistischen Presse zuLeibe gehen.
Nach demselben soll dieVeröffentlichung
von Amtsgeheimnissen und dergleichen
unter besondere Strafe gestellt werden.
Die vom Ministerium des Innern res
fortirende Berliner Correspondenz"
sagt, das Gesetz werde sich allein auf
len Verrath von Amtsgeheimnissen
beschränken, werde alle verwandten
Themata, wie die Vertreibung von
Mugblättern bei Boycotten, aus
schließen und sich überhaupt nicht mit
unauszereiiten Fragen befassen. Das
Berliner Tageblatt" sieht diese zweite
Zuckthausvorlage bereits in greifbarer
Nähe.
Die Frankfurter Zeitung" theilt
mit. daß Minister v. Miquel unzwki
deutig zu Gunsten d's Kanclbaues ein
gcsckwer.kt fei. dem er als Finanz-Mi-nister
der nicht zu berechnenden finan-
f llcn Folgen wegn ziemlich ab!v.r
b gegenüber gestanden habe. Seine
ünde würden vielleicht das dem Ka
nalbau feindliche Votum der Konserva
tiven beeinflussen.
Die Pforzbcimer Rede des Großber
zogs ten Baden und der Passus der
Kieler Taufrcde. welcher dem cltenKai
ser Wilbclm die !'ufrechterhalt;ing 5es
deutschen Gedankens allein zuschreibt,
giebt den Hcmburarf Nachrichten"
Veranlassung. Triefe und Aeußerun'
gen, des allen Kaiftrs zu citircn, aus
deren herllvracbt, daß dem alten Herrn
da: Aufgaben PreußenL in Teutsch
land, wrlches von Bismarck geplant
worden war. die schwersten innerlichen
Kampfe mahle, und daß er die Be
währung dir Bismarck'schen Forde
rungen als die für ihn schmerzlichste
Entsagung sciner preußischen Tradi-
tiLiic letratrete.
Zu diesem Kampf um die Ehre, wer
bei der Gründung des Reiches das
Meiste celbcn hübe, bemerkt die Vo
fische Zeitung" sehr richtig: neben Kai-
ser und Kanzler habe ieknfalls das
deutsche Volk oroß,n Antheil an den
erfolgen ton 18.071 gehabt.
Wie gemeldet, still der Zar den
Minister Residenten v. Westmann aus
Brcnien abberufen haben, weil der Brc
wer Senat sich geweigert habe, eie Be
aniten zu bestrafen, welche an der Ber-
Haftung des Popen Elias Sotikow
betheillgt waren. Das Berliner Ta
gcblatt" krachte dieselbe Nachricht mit
dem Unterschiede, daß der Abberufene
nick't der Minister-Restdent v. West
wann, sondern der russische Konsul
Hamm sei. Düse Nachricht druckte nun
die Weser-Zeitung" ab, erfährt aber
jetzt, daß tie ganze Meldung eine i?r
sindung des lügenhaften Popen Soti
kcw fei, mit welcher dieser daö Berli
ner Blatt hrcingrleqt" hat.
Das Reichskind" Erbprinz Philipp
Ernst zu Hehenlohe Schillingsfürst,
ist einstimmig in den Aufsichtsrath der
Hamburg Amerikanischen - Packet
fahrt - Aktien - Gesellschaft gewählt
worden.
Der wegen Majestätsbeleidigung,
begangen in einem imSimplicissimus"
erschünenen Gedicht, angeklagte und s.
Z. aus Leipzig nach der Schweiz ent
flohene Schriftsteller Frank Wedekind
ist freiwillig nach Leipzig zurückgekehrt
und hat sich dem dortigen Gericht ge
stellt. In Hamburg ist der Direktor der
Joh. Sebastian Bach . Gesellschaft, der
Komponist Adolf Mehrkens. gestorben.
Berlin, 6. Juni.
Die Redakteure Wilberg und Schir
ksemper wurden zu 200, der Verleger
Bruns zu 100 MarkStrafe verurtheilt,
weil sie in ihrenZeitungen, derStaats
bürger - Zeitung" und dem General
Anzeiger," die antisemitischen Hetzreden
des früheren Amtsvorstehers Graf
Graf Pückler auf Klein-Tschirne nach
gedruckt hatten.
(Der Herr Graf selbst ist bekanntlich
frei ausgegangen.)
Die elsäßischen Weinbauern sind
durch das Umsichgreifen eines pilzarti
oen Parasiten, der bereits in vielen
Weinbergen wahrgenommen worden
ist, auk das Höchste beunruhigt. Schon
bök'einigen ?aMNfNen Weinbergen
durch denselben Parasiten ein gewalti
ger Schaden zugefügt worden.
Oesterrcich, Ungarn.
Wien. 6. Juni.
Alle Blätter ohne Ausnahme wid
men Jchann Strauß sehr warm gehal
tene Nachrufe, so daß behauptet wer
den kann, sein Tod werde überall be
trauert. Wie man hört, war zu der
Bronchitis, welche den Walzerkönig
aufs Krankenlager geworfen hatte,
doppelst itige Luncenertzündung hinzu
gekommen. Professor Nothnagel, der
berühmte Pathologe, behandelte den
Kranken, in dessen Zimmer außer dem
Arzt und dem Pflegepersonal Niemand
Zutritt erhielt. Strauß soll es schmerz
lich bedauert haben, daß er mit der
Komposition seines neuen Ballets.
Aschenbrödel", die er in Angriff ge
nommen habe, ehe er vor einign Mo
ncten an der Influenza erkrankte,
nicht zu Ende gekommen ist. Nur der
erste Akt des Ballets ist. wie verlautet,
vollendet.
England.
London, 6. Juni.
Heute kam bicr Lord Kitchener an
und hatte mit A. I. Balfour. dem
Führer derRegi,rungsmehrheit im Un
terbause. eine längere Unterredung. Es
bandelte sich hierbei wahrscheinlich um
die Grabschändung in Omdurman,
worüber Balfour heute im Unterhaus?
eine Erklärung ebacben wird.
London, 6. Juni.
Die 5. Runde des internationalen
Schachtourniers ergab folgendes Resul
tat: Tinsley verlor an Steinitz, Bird
besiegte Teichmann, Lee verlor an
Blackburne. Laskcr besiegte Mason und
Maroczy Cohn; die spiele von Puls
burv und Schlechter, und Showalicr
und Janowski blieben unentschieden.
F a l m o u t h , 6. Juni.
Am Freitag wird im Auftrag der
Versichcrungs - Gesellschaften ein wei
terer Versuch gemacht werden, den ge
strandeten Schnell - Dampfer Paris"
flott zu machen. Bereits hat das
Wegsprengen des Felsmassen unterhalb
des Schiffes begonnen.
Jrlan.
B e l f a st . Y. Juni.
Eine Kundgebung der Nationalisten
endete mit einem blutigen Krawall.
Truppen drangen mit gefälltem Bajo
nett auf den Volkshaufen ein und ver
mundeten eine Anzahl der Ruhestörer.
Schweden.
C l, r i st i a n i a . 6. Juni.
Wie eine Depesche cus Mandal. der
fern südlichsten gelegenen OrtschaftNor
wegens. meldet, fanden dort am 14.
Mai zwei Knaben an der Nordküste
von Island einen kleinen Behälter aus
Kcrk, der einen Zettel mit den folgen
den Worten enthielt:
.11. Juli 1897; Alle wohl; auSge
werfen etwa uutenn "81. Längegrad,
Bieitegrad unbekannt. Andree.Strind
crg, Fränkel.
Prof. Andree's Bruder ist der An
sicht. daß der Behälter fchr'wohl eine
der Korkbcven ist, welche Andree's Ex
pedition mitnahm.
rauircidi.'
P a r i k . L. Juni.
Der Mmisterratd beschloß unter dem
Vorsitze des Präsidenten der Republik
den Generalanwalt Lombart abzuset
zen. zugleich wurde der Justizminister
Lebret angewiesen, gegen den Präsiden
ten des Schwurgerichtes, welches De
rvulede und Hadert freisprach, bis
ziplinarisch vorzugehen.
Der unabhängige Sozialist Laloge
hat eine Interpellation wegen der Vor
gange auf dem Rennplätze von Auteuil
eingebracht. Die Regierung will diese
Interpellation sofort beantworten.
Eine große Anzahl Personen sprach
im elysäischen Palaste vor und schrieo
sich dort ein.
Major Marchand reiste gestern
Abend nach Thoissy. 9 Meilen von Ma
con. um seine dort lebenden Eltern zu
besuchen.
Ter Kriegsminister Krantz bat eine
gerichtliche Untersuchung gegen Ester
hazv befohlen, weil er Dokumente des
sogenannten geheimen Dossttk benutzt
hake. l.'bensö wird gegen General
Pcllicur rr7gkgangen, wegen seines
Verhaltens im Prozesse gegen Ester
hazv. Der Justizminister hat dem Präsi
deuten ker Teputirtenkanmer ein
Schrc-ben zugesandt, in dem er auf den
Tbeil der Urteilsbegründung des
Eassatii-nshofes hinweist, in dem Gene
ral Mercier der ungesetzlichen Beein
flussung dcS Kriegsgerichtes gegen
Treyfus beschuldigt wird. Die Kam
wer soll darüber entscheiden, ob deswe
gen gegen den ehemaligen Kriegsmini
ster vorgegangen werden soll.
Der Ministerrath konnte sich bezüg
lich des Vorgehens gegen die Generäle
Boisdeffre und Gonse noch nicht eini
Sen. Eine große Anzahl Senatoren, De
putirten und hoher Beamten kamen in's
Elysee.
Lieutenant Goulard ist wegen auf
rührerifcher Reden verhaftet. Er hatte
zudem den Chef der städtischen Polizei
thätlich angegriffen.
P a r i S , 6. Juni.
Heute Nachmittag kam es in der De
putirtenkamner infolge einer Skandal
szene der Royaliften zu tollen Scenen.
Die Soldaten mußten den tollstenRed
ner. Rious de Lagentaye mit Gewalt
fortführen.
Um 2:25 erhob sich der Abg. Laloge
zur Begründung seiner Interpellation.
Die Hitze war groß, die Gallerten mit
reich gekleideten Damen stark besetzt.
Gleich beim Beginne der Rede tnU
stand ei furchtbare; Spektakel. Der
.Interpellant pries Präsident Loubet,
der in einer schweren Zeit sein Amt
übernommen habe. (Beifall).
Der Polizeipräfekt hat die Renn
bahn für Motorwagen, welche Eigen
khum eines Clubs sind, deren Miiglie
der sich an dem gestrigen Tumulte her
vorragend betheiligten, geschlossen.
Ein großes Aufgebot von Polizei
wird weite Ruhestörungen verhüten.
P a r i s . 6. Juni.
Der Matin veröffentlicht heute eine
Unterredung mit Esterhazy. derOberst
lcutnant du Pcty de Clam beschuldigt,
eine Reihe wichtiger Dokumente im
Hause sciner Schwiegermutter, der
Herzogin von Ursel, Ehren-Obcrhof-Meisterin
der Königin, , in Sicherheit
gebracht zu haben. Unter diesen befin
de sich ein langer Bericht des Generals
Gonse, in welchem der Plan ausein-
cndergcfetzt wird, wie man Esterhazy
schützen kenne.
P a r i s . 6. Juni.
Der Abgeordnete Rious de Lagen
tcye rief in der heutigen Sitzung der
Abgeordnetenkammer wiederholt Lou
bet meint es nicht ehrlich, er ist ein Pa
namait!" '
Diese Aeusserungen hatten einen hefti
gen Tumult zur Folge, aber Lagentaye
uhr fort Nieder mit Loubet!" u. s. w.
zu rufen. Die Linke vollführte einen
betäubenden Lärm, sodak der Präsi-
dent Teschanel sich genöthigt sah. die
Sitzung zu unterbrechen.um denHaupt
schreier, de Lagentaye, aus dem Saal
entfernen zu lassen, den dann. vonSol
daten gefolgt, den Saal verließ.
Dann wurde die Sitzung wieder auf
genommen. Auf eine diesbezügliche
Anfrage erwiderte der Premier: Die
Vertreter der Eleganz und guten
Tons haben uns gestern eine
Idee gegeben, was Frankreich von ih
rem Müßiggang und ihrer Indolenz
erwarten kann. Wir wußten, daß ge
Heime Versammlungen stattgefunden
hatten und daß Vorkehrungen für eine
Demonstration getroffen wiren. Wir
trafen Maßregeln zu Loubets Schuh,
als er nach den Rennen fuhr und von
dort zurückkehrte, und unterwegs ereig
nete sich nichts
Hier fiel ein Royalist ein: Ihr
hattet ihn verborgen."
Dupuy rief zurück: Nein, aber
Ihre Freunde versteckten sich hinter den
Frauen."
Dies gab Anlaß zu einem neuen Tu
mult. Duvuy fuhr dann in seiner Erklä
rung ftrt, die einmal durch Lasies un
terbrochen wurde , welcher Dupuy zu
rief: 'Sie haben den bösen Blick."
Diese Bemerkung hatte dröhnendesGe
lächter zur Folge. Dupuy sagte, daß
sämmtliche Verhaftete vor einen Rich
ter gebracht würden, welcher feststellen
werde, ob sie an einer Verschwörung
betheiligt seien.
Hier rief der Conscrvative de Cas
saignac: Das Land hat die Republik
satt" und machte eine Bemerkung be
trcffs der geplanten Maßregeln geLen
gewisse Generäle.
Dies veranlaßte Dupuy zu der Er
klärung, daß es allerdings einen gewif
scn Muth erfordere, das zu thun, was
zu thun deichionen sei.
Nach weiterem Redeqeplänkcl stell
ten Meline und seine Anhänger den
Antrag, daß zur Tagesordnung über
gegangen werde.
Ter Antrag, welcher zugleich die ge
strigen Vorgänge im Auteuil verdammt
und die Erklärungen gutheißt, wurde
mit sehr großer Mehrheit angenom
nen.
.Schließlich wurde noch mit 299 ge
per 238 Stimmen beschlossen, die Er
rcnnung der Commission, welche das
Verbalten des Generals Mercier. des
früheren Kriegs Ministers, untersu
chen soll, zu verschieben, bis dasKrieas
gericht in Rennes. das Dreyfus pro
zessiren wird, feine Entscheidung adge
geben hat.
Die Linke stellte den Antrag, daß
die Entscheidung des Cassationshofes
in ganz Frankreich durch Plakate be
kannt gemacht werde, und der Sozial
demokrat Jourde erhob sich und sagte,
er habe sich in der Dreyfuj - Affaire
geirrt und sei bereit, diesen Irrthum
gutzumachen. Er fügte noch hinzu, er
sei erstaunt darüber, dah Eavaigic
nicht schon vor ihm dieses' Eingeständ
niß gemacht habe, worauf C?vaignac
erwiederte: Ich habe bereits Genug
thuung dadurch gegeben, daß ich die be
gangenen Fehler entdeckte und bekannt
trachte."
Und Brisson sagte: Das Kabinett,
dem ich Vorstand, veranlaßte Unglück
licherweise, daß eine Rede durch Pla
klate gemacht wurde, welche Entfiel
lungen enthielt. Ich ersuche die Kam
n,er, das Bekanntmachen des Urtheils
des Cassationshofes zu verfügen."
Der Antrag wurde mit 317 gegen
212 Stimmen angenommen, worauf
Vertagung erfolgte.
Der Graf Boni de Castellane be
streitet in einem Brief an das Echo
de Paris", daß seine Gattin, (das frü
hcre Frl. Anna Gould von New York)
gestern in Auteuil die Jung-Royali-sten
anführte. Er behauptet, die Grä
sin habe ihren Sitz gar nicht verlassen,
vcn dem aus sie überhaupt nicht habe
sehen können, was vorging.
,,. '
Hongkong. 6. Juni.
Gestern kehrte Admiral Dewey auZ
dem PeaksHotel an Bord seines Flag
genschif'cs Olympia" zurück, nachdem
er die üblichen Abschiedsbesuche ge
mack:i hatte. Der Admiral hat sich gut
erbolt, steht aber sehr hager aus. Die
Abfahrt der Olympja" erfolgt nior
gen Nachinittag 4 Uhr. Besondere Ali
schiedAfeicrlichkeiien finden nicht statt
Die Offizier'' undMannschaften freue
sich, nach Hause Mrückkehren dürfen.
Westindische Inseln. .
Martinique. 6. Juni.
Der französische Admiral erhielt ge
stern Befehl, denKreuzer Schach" nach
der Teufelsinsel zu entsenden und
Dreyfus nach Frankreich zu bringen.
er Kreuzer t gestern Abend 10 Uhr
dorthin abgegangen.
Port de Franee. 6. Juni.
Die Nachricht, daß Dreyfus auZ dem
Dampfer ,,V!lle de Tangier" eingeschifft
wurde, entbehrt der Bearllndung.
Tr Sfe" fuhr hier um 10 Uhr
letzte Nacht ganz unerwartet ab, um
Dreyfus an Bord zu nehmen. Der Be-feblc-baber
crhiclt die Nachricht, nach
ocr. eusc!sr.s,'in zu fahren, erst um
4 llyr Nnchmiitaos: die Abfahrt er
folgte fcbald genügend Dampf erzeugt
war.
Die Behörden in Cayenne ahnten
schon vor 4 Tagen, daß der Sfax"
Fort de France verlassen werde um
Drcysus zu holen. Heute Nachmittag
fuhr denn bereits das Dtpeschenboot
Gocland" mtt französischen Beamten
an Bord nc'ch Cayenne, um Dreyfus
offiziell von der gewrten Revision
zu benachrichtigen.
Treysus erhielt jedoch schon vorqe
stern eine Kabeldepefche, welche die Re-
Vision ankundete.
Samoa.
Apia, 31. Mai. via Aukland,
6. Juni.
Beide Faktionen der Eingeborenen,
die Matafaiten und die Tanuleute, lic
fern ihre Waffen aus. Mataafa hat
iauu naronei. ( () ausgeliefert.
Im Dienst aestorve.
W a s o i n g t o n , D. C.. 6. Juni.
Der General Otis hat dem Kriegs
amt berichtet, daß seit seinem letzten
Bericht folgende amer. Soldaten auf
den Philippinen gestorben sind:
Typhus 27. Mai. William Dons
ley. Gemeiner, Co. C., 1. California;
28. Mai, Fred Krueger. Gemeiner. Co.
K, 3. Infanterie; Gehirnentzündung
28. Mai, Charles Karger, Gemeiner.
Co. M., 3. Infanterie; Eingeklemmter
Bruch James Mercormäck, Gemei
ner. Co. B. 4. Infanterie; Alkoholis
mus 27. Mai. Patrick Byrnes. Ge
meiner, Co. L, 20. Infanterie; Sup
perative typlitis". 2. Mai. Edward
Paterson. Gemeiner. Co. C. 3. Jnfan
terie; Superative temnsillitis" 29.
Mai, Lymr.n Kelsey, Gemeiner, Co. T.
2. Oregon; Blattern Edward A.
Campbell, Gemeiner, Co. F, 14. In
fanteric; Selbstmord 21. Mai. Tho
mas Rock, Gemeiner. Co. F, 20. In
sanierte; Ruhr David L. Williams.
Gemeiner, 1. Montana; Ertrunken
1. Juni, Lawrence Occroy, Unteroffi
zier. 22. Jnsanterie; ertrunken 12.
April, Frederick Grabow. Gemeiner.
Co. F, 14. Jnsanterie.
Gestorben.
Philadelphia. 3. Juni.
' Frank Tbomion. Präsident r?r
Pennsylvania Bahn, ist in Merion,
naye yier gelegen, gestorben.
5-ulölluo-zlcpcschkll.
Tie Verhandlunzeu der Stoui
misst ou auf Eamoa.
Ter Streit um den Ruhm der
Reichegründung.
Tu fltiijcrtnj im Bloemsouleiu.
Teutschland.
Berlin. 7. Juni.
Ter Staatssekretär des Auswärti
gen. Frhe. von Bülow, erklärte heute
im Reichstage, daß es Teutschland an
gesichts eines möglichenBesitzrechtes und
um , seine Besitzungen im pazifischen
Ozean abzurunden, für seine Pflicht
gehalten habe, die Carolikn. Ladro-
uen und Palainseln zu erwerben. Dar
auf verlas der Minister den Text des
am 12. Februar 1899 mit Spanien
abgeschlossenen Vertrages, in dem die
Entschädiaungssumme auf 25 Millio
nen Pesetas ($5,000,000) festgesetzt ist.
Deutschland gewährt 'dem spanischen
Handel in dem abgetretenen Archipel
dieselben Vergünstigungen, wie den
Deutschen, spanische Orden erhallen
ebenso gleiche Rechte wie die deutschen;
Spanien werden Flotten-, 5zandels
und Kohlcnstationen gewährt. Ter
Vertrag untersteht der Genehmigung
der zuständigen Faktoren.
Die Erwerbung der bisher spani-
schen Inselgruppen im Stillen Ozean
hat in Hamburg, welches auf denselben
mit verhältnißmäßig großen Kapita
lien engagirt ist. große Freude erregt.
Speziell hat Herr Ballin, der Direkior
der Hamburg-Amerikanischen Packet-fahrt-Aktien
- Gesellschaft, in dieser
Angelegenheit ein Dank- und Glück-
wunsch-Telegramm an den aiser ge-
richtet.
Es wird bedauert und geradezu ver
urtheilt, daß der Kaiser in seiner Kie
ler Taufrede wieder von Kaiser Wil-
Helm als dem alleinigen Gründer des
Reiches gesprochen hat. Diese Aeuße
runa wird ebenso, wie die Rede des
Großherzogs von Baden in Pforzheim,
als eine Spitze gegen Bismarck betrach
tet. Die Hamburger 'jcaqnchten"
nehmen den Feadehandschuh sofort auf
und sagen: Es ist uns vollständig un
bekannt, welche Gründe vorliegen, um
den großen Kanzler wieder als Hand
langer" bei der Gründung des Reiches
zu behandeln." Das Blatt meint dann,
es könne doch nur verstimmen und zu
Vergleichen herausfordern, wenn der
Kaiser in seinen Reden so oft wechsele.
(Am 26 Februar 1897 sagte er in
der Rede an den Brandenburger Pro
vinziaLandtag: Und das Gefecht
können wir nur siegreich durchführen,
wenn wir uns immerdar des Mannes
(Kaiser Wilhelm des Ersten) erinnern,
dem wir unser Vaterland, das deutsche
Reich verdanken, in dessen Nähe durch
Gottes Fügung so mancher, tüchtige
Rathgeber war. der die Ehre hatte, sei
ne Gedanken ausführen zu dürfen, die
aber alle nur Werkzeuge seines erhabe
nen Wollen waren, erfüllt von dem
Geiste dieses erhabenen Kaisers.")
Ganz anders habe der Erlaß vom 2.
Al'guft 1898 gelautet, der den Fürsten
Bismarck ehrt und seine unsterblichen
Veidienste um die Gründung des Rei
ches willig anerkennt.
(Dieser Erlaß lautete: Mit mei-
nen hohen Verbündeten und mit dem
ganzen deutschen Volke stehe ich trau
ernd an der Bahre des ersten Kanz
lers des Deutschen Reichs, des Fürsten
Otto von Bismarck. Herzogs von Lau
enburg. Wir, die wir die Zeugen sei
nes herrlichen Wirkens waren, die wir
an ihm, als dem Meister der Staats
kunst. als dem furchtlosen Kämpfer im
Kriege wie im Frieden, als dem hinge
bendsten Sohne feines Vaterlandes
und dem treuesten Diener seines Kai
sers und Königs bewundernd aufblick
ten, sind tief erschüttert durch den
Heimgang des Mannes, in dem Gott
der Herr 'das Werkzeug geschaffen, den
unsterbliche Gedanken an Deutsch
lands Einheit und Größe zu verwirk
l'chen. Nicht ziemt es in diesem Au
genblick, alle Thaten, die der großeEnt
schlafene vollbracht, alle Sorgen, die er
für Kaiser und Reich getragen, alle
Erfolge, die r- errungen, aufzuzäh
len. Sie sind zu gewaltig und man
nigfaltia, und nur die Geschichte kann
vnd wird sie alle in ihre ehernen Ta
sein eingraben. Mich aber drängt es,
vor der Welt der einmüthien Trauer
und der dankbaren BewunderungAus
druck zu geben, von welcher die'ganzc
Nation heute erfüllt ist. und im Namen
der Nation das Gelübde abzulegen,
das, was Er, der große Kanzler, unter
dem Kaiser Wilhelm dem Großen gc
schaffen hat, zu erhalten und auszu
bauen, und, wenn es Noth thut, mit
Gut und Blut zu vertheidigen. Dazu
helfe vni Gott der Herr! Ich beauf-
trage Sie, diesen meinen Erlaß zur
öffentlichen Kenntniß zu bringen.
Friedrichsruh, den 2. August 1898."
Wilhelm. I. R.)
Das Hamburger Blatt schließt mit
der Bemerkung: Der neue Wandel im
Urtheil? des Monarchen, das man nun
endlich nach dem lctzten Erlasse über
des Fürsten Verdienste als feststehend
ansah und begrüßte, führt zu Erörte
rungcn, welche dem Reichsgedanken nur
schädlich fein können.
Auch die National-Zeitung Nimmt
zu derselben Sache das Wort: In der
Verehrung des Volkes stehe die Helden
gestalt Wilhelms des Ersten unerfchüt
terlich fest; trotzdem nenne ihn nicht
das Volk, sondern nur offizielle Red
er Wilhelm den Großen," ebenso
ioerde die Geschichte urtheilen.
Das Blatt citirt dann den Aus-
spruch Kaiser Sigismunds auf dem
fcenjU in itonnan.z, ver. als lym ei
prammatikalisaxr Fehler korrigirt
wurde, sagte: Ego sum rer Romanus
et supra qrammaticos." Die Rat.
Ztg." fügt hinzu: ebenso wenig wie
über den Grammatikern, stehe der Kai
ser über den Historikern.
Nunmehr ist. wie mit den Postassi
stenten, auch der Friede zwischen dem
Postunterbeamtcn Verband und dem
Staatssekretär der Reichspost, General
v. Poddielski, endgültig hergestellt, in
dem dieser Verband auf Podbiclski's
Verlangen seine Auflösung definitiv
beschloß. Die Postunterdeämten wer
den künftig nur innerhalb der Ober
postbezirke zu Verbänden zusammen
treten. Dieser Verband hatte im Interesse
des Friedens kürzlich beschlossen, den
bisherigen Verbandsvorsttzenden, der
durch einige scharfe Schreiben an die
Eentralbehörde vor allem Anstoß er
regt hat. fallen zu lassen. Außerdem ist
beschlossen worden, daß die Wünsche
und Beschwerden der Unterbeamten
nicht mehr durch die Presse und den
Reichstag wahrgenommen werden sol
len. Mit diesen Beschlüssen erhofft man
die Gunst der vorgesetzten Behörde
wieder erringen zu können. Herr v.
Podbielski siegt also auf der ganzen
Linie.
In den Kreisen der Sozialisien
soll man überlegen, ob als Antwort
an den Kaiser wegen der Zuchlyausvor
läge nicht ein Generalstreik aller Beruf'
erfolgen solle.
Bis jetzt wird das Gerücht von Nir
ninnh-m mft ivnmrmcn
Der freireligiöse Prediger Wolpdorf
in Naumburq a. d. S. erhielt ein hal
bes Jahr Gefängniß, weil er in einem
öffentlichen Vortrage die Bibel nur
ein Menschenwerk" genannt hatte.
In dem Dorfe Hammcleff im Regie
rungsbezirk Schleswig zerstörte ein
Feuer 14 Häuser. Bei einem anderen
Brande in Sukow bei Parchim inMcck-lcnburg-Schlocrin
wurden zwei Perso
nen verwundet und 12 Häuser einRaub
der Flammen.
Fortfahrend sagte v. Bülow. es sei
auch eine Verständigung mit Spanien
betreffs der gegenseitigen Abschließung
von Verträgen geschaffen worden, wie
sie dns Interesse des Wandels der bei-
den Ländern fordere. Sobald die Cor
tes den Verkauf der Inseln gutheißen,
wrk-n Um Reichstag die nothwendi
gen Vorlagen unterbreitet werden, der
dann die Gelegenheit habe. v,e .ache
eingehend zu prüfen. Bis dahin, fo er
warte die Reoieruna. werde der Reichs-
tag hoffentlich aus internationalerHöf-
lichtet eine Erörterung vermeiden.
Aber trotz dieses Ersuchens griffen
die Abaeordneten Bebel .und Richter
das deüisch-spanische Abkommen wäh-
rend der Debatte über die iörqomzungs
Voranschläge in heftiger Weise an uro
klitisirten den erborbitanten Preis."
der für die Inseln bezahlt wurde, die
von wenig Werth seien.
Bebel griff dann die Streikvorlage
an und iaatc. dieselbe sei der heftigste
Angriff, der je auf die Freiheit und
Menschenwürde der arbeitenden las
sen gemacht worden sei, und seizu einer
Qeit Gekommen, da auf der andern
Seite'der Vogesen das Unrecht gutge-
macht werde, das einer einzelnen Per
son zugefügt wurde, und zu einer Zeit,
hn nnf d?r andern Seite der Aloen die
Monarchie versuche, durch Amnestie
das gutzumachen, was tm oriayr in
Mailand verbrochen wurde.
Der Svreckier bezeichnete dann die
Vorlage als schmachvoll u. wurde deß
wegen zur Ordnung gerufen. Der Mi
nister des Innern, Graf Pasadowski
Wehr.er, erwiederte, daß die Vorlage
darauf berechnet fei. den Auswüchsen
des Ccalitionsrechts zu steuern," wel
che. wie er hinzufügte, kein Staat dul
den könne; dies sei jedoch zu wichtig,
um sich nur vorübergehend damit zu be
schäftigen und werde di? Debatte später
folgen.
resterrcich Ungar.
Wien. 7. Juni.
Ueber die letzten Augenblicke des
Walzerkönigs Johann Strauß wird
gemeldet, daß er die letzten Stunden
ohne Bewußtsein dalag. Die Gemein
de Wien bewilligte ihm ein Ehrengrab
in der Arkadenhalle des Centralfried
Hofes. Testamentarisch hat der Ver
storbene die Gesellschaft der Musik
freunde" in Wien zur Universalerbin
seines Nachlasses ernannt, aber be
stimmt, daß seiner Gattin, Schwester
und Stieftochter die lebenslängliche
Nutznießung verbleibe.
England.
London. 7. Juni.
Der liberale Abgeordnete Robert
Wallace. welcher gestern im Unterhause
von einem Gehirnschlage zetroffen
wurde, ist gestorben.
Der Buchmacher Richard, welcher
am 29. April in der Bank von Eng
land verhaftet wurde, als er 3 100
Pfundnoten zu wechseln versuchte, die
im Januar in Parrs Bank gestohlen
waren, ist wegen unzureichender Ve
weise freigesprochen. Er behauptete,
die Banknoten auf dem Rennen von
Newmorket erhalten zu haben. Der
Richter lehnte es aber ab, den Befehl
zu geben, die Noten einzuwechseln.
Bevor die 6. Runde des internatio
r.alen Schachturniers begonnen wurde,
wurde bekannt gemacht, daß sich Teich
mann von dem Bewerb zurückgezogen
hat und daß der Regel gemäß alle nicht
gespielten Spiele ihm als verloren an
gerechnet werden.
Das Resutat der .Runde war: Das
Spiel zwischen Tinslrn und Mason
blieb unentschieden. Bird verlor an
Blcckburne und Cohn an Lasker: Sbo
Walter besiegle Steinitz und Lee verlor
an Tschigorin; das Spiel zwischen
Pillsbury und Maroczy blieb uneni
schieden.
ukland.
Moskau. 7. Juni.
Den B-llrdkn k.-s Khanats vonBos
k.ar., ist es endlich gelungen. de,l de
nichtigen alten Banditen Eschkuwat
gcsciigen zu Nit men. der zehn J'h
lang an der afghanischen Grenze fein
Wesen c.etri,bcn daite. Eschkuwat wur
d: dann in Lokhara gehängt.
Frankreich.
Paris. 7. Juni.
Die Regn rung bat den vornebiien
Atblctenclub von Puteau geschlossen,
zu dem viele Adelige gehören, welche
sich an der Demonstration gegen den
Präsidenlln Ll'ubet betheiligten.
Bei der Eröffnung der heutigen Sit
zung des Ctnats sagte der Präsident
Fallicies. daß die Skandale in Auteuil
am Ccnntaq das Vertrauen in die
Republik nicht i Geringsten erschüt
tan können und daß dem Präsidenten
Loubet die wärmsteSympathie des Se
nats stets sicher fei. Diese Erklärung
wurde mit lautem Beifall aufgenom
men.
Der Senator Guyot als Vertreter
der vier republ. Gruppen im Senat
stellte den Antrag, daß der Senat sich
als eins erkläre mit den Bemerkungen
des Präsidenten Fallieres und dadurch
das Vorgehen der Feinde der Republik
als skandalös brandmarke.
Der conservative Senator Lecour de
Grandmaison sprach von der Brutali
tät der Polizei, protestirte gegen die
Verhaftungen und sagte, das Berhal
ten des Präsidenten Loubets sei ein
fataler Irrthum gewesen. Diesen Wo?
ten fclgte ein Tumult; der Senator
weigerte sich jedoch seine Bemerkungen
zurückzunehmen und verließ die Tri
büne. worauf der Senat ihm ein Ta
delsvotum ertheilte.
Nachdem der Premier Dupuy el
liche Bemerkungen gemacht hatte, ähn
lich denen, die er gestern in der Abge
ordnctcnkammcr machte, wurde Sena
tor Guyots Antrag mit 258 gegen 20
Stin wen angenommen. Das Resul
tat der Abstimmung wurde mit dem
Rufe Es lebe die Republik" begrüßt.
P a r i s , 7. Juni.
Der halbamtliche Temps" sagt, daß
die Freunde des Obersten Piquart er
fahren laben, daß ivenn er von den
Civilbehcrden in Freiheit gesetzt wird,
er nicht auf einen Verhaftsbefehl der
Militärbehörden hin verhaftet wird.
Samoa.
Apia. 31. Mai. via Auckland.
N. S.. 7. Juni.
Malictoa und Tamasese haben der
Commission 'der drei Vertragsmächtl
auf dem amerikanischen Transport
schiffe Bodgr einen Besuch abgestattet.
Am folg,nl,cn Tage kam Mataafa.
Keiner vrn ihnen wurde als König .
anerkannt. Mataafa erklärte sich mit
dem Urtheile der Commission zusrie
dcn geben zu wollen, die Schuld für
die neulichen Unruhen legte er den
Engländern und Amerikanern zur
Last. Mataafa erklärte, daß die
Samoaner einen König haben sollten,
erklärte sich aber bereit, seine Anhän
ger zu entwaffnen und die Ordnunz
der VerhälNiisse der Commission zu
überlassen.
Die Deutschen handelten zum ersten
Male seit Monaten im Einvernehmen
mit Engländern und Amerikanern, in
dem auch sie eine Truppen-Abthcilunz
ar.'s Land sandten.
Die Cchisfscommandanten und die
MissionSgescllschaften haben der Com
Mission ihre Ansichten vorgetragen.
Am 27. Mai sollten die Eingeborenen
ihre Waffen riiiderleaen. Mataafa bat
aber um Aufschub bis heute. An die
sem Tage hat tr 1800 Gewehre an
Bord des Badger" abgeliefert. Jetzt
sollen die Malieioa-Leute entwaffnet
werden. Tie Eingeborenen fassen zu
der Commission Vertrauen und theilen
ihr unaufgcfoidert ihre Klagen mit.
Ter amerikanische Kreuzer Phila
delphia" ist mm 21. Mai mit dem
Admiral Kautz abgesegelt. Am 17.
Juni segeln der britische und deutsche
Consul nach Europa ab.
In Gegenwart des britischen Con
suls und britischer Offiziere seicricN
die Malietoa-Leute auf Malinun den
Geburtstag ier Königin. Es wurden
die Gräber dcr gefallenen Briten. Ame
rikaner und Teutschen b?sucht. Die
Ameritaner feuerten über letztere einca
Salut.
Die hierher von den englischen
Kriegsschiffen gebrachten Malietoa
Leute werden nach ihren Inseln zu
riickbefördert werden. Wahrscheinlich
werden in nächster Zeit alle Kriegs
schiffe die Inseln verlassen.
Ter Oberrichter Chambers wird
seine Tbätiakeit fortsetzen. Der neue
Präsident te Municipalrathes Tr.
Solf hat seine Thätigkeit noch nicht
angetreten.
Tie Comm'.ssöre verhalten sich
schweigend, doch heißt es, daß die'
Verwaltungskostcn erheblich verrin
gert werden sollen.
Amerikanische Jnaenieure sind ijicr
angekommen, um die Einrichtung der
ölohlcnstation vcn Pago-Pago ?u be-
wirken.
Ter chcmaliae amerikanische Con
sul Richter Mullioan ist hier angekom
men. um di. Entschädigungsansprüche
zu untersuchen.
Wcstindien.
Fort de France, Martinique,
7. Juni.
Als gestern das französische Depe
schcr.bcot Goeland," das von Cayenne
abgesandt wurde, um Dreyfus offiziell
von der Entscheidung des Cassations
Hofes zu unterrichten, an der Teufels
insel anlangte, wartete Dreyfus am
Strcnd. Obwohl er versuchte seine
Selbstbeherrschung zu wahren, empfing
er doch die frohe Nachricht mit einer
Miene, die offen seine freudige Bewe
gung widerspiegelte. , , . .