Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, May 11, 1899, Image 12

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    Der legte Wille.
et ijjr von l'mil Wirtin g.
Bon tincm der palastartigen Mielhz.
hcif in der See'Avenue zu Clcveland
hielt ein Cab. Ein hochgewachsener
Herr mit Pelz und Cylinder fticg auS
und druckte aus die eimrncoe ungei
am Portal. Ter Thürhüter erschien
vnd fragte, sich devot verneigend: .Zu
wem wünscht der Herr?" Zu Mr.
Richard Strumpf." war die kurze And
ort. Bitte. vei Treppen." Tie
Thür schlok sich wieder, und langsam
schritt der würdevolle Besucher die mit
dickem, rothem Teppich belegten Stufen
nnvor.
Oben laZ er an einem kleinen
Mctallschild: .Richard Strumpf". Er
klingelte wieder. Ein Mädchen öffnete
.Herr Strumpf ist zu Hause?" Zögernd
blickte die Ticnerin um sich, ungewiß,
was sie sagen sollte. Ich weiß, daß
Herr Strumpf krank ist." fuhr der
fremde Herr fort, er hat mich aber
schriftlich gebeten, lyn zu oe,ucyen
Melden Sie Mr. RcybonS. Advokat
Sichtlich erleichtert ließ das Mädchen
den Herrn eintreten und eilte dann hin
weg. Nach einigen Minuten kehrte sie
zurück und sagte: Mr. Strumpf läßt
bitten."
Mr. Reubons legte den Pelz ab und
trat, dem Mädchen folgend, in das
wette 3 mm links, te war elegant
und bcbaalich ausgestattet. An der
reckten Wandscite stand ein breites Bett.
m dem ein sehr leidend aussehender
Mann lag. Er begrüßte den Advokaten,
welcher mit einem Guten Morgen"
eintrat, mit leichtem Kopfnicken und
sagte: Es freut mich. Mr. ReybonS.
daß Sie meiner Bitte so schnell Folge
geleistet haben."
In Geschäftssachen bin ich stets
pünktlich." erwiderte der Andere in
freundlichem Tone und ließ sich in den
neben dem Bett stehenden Sessel nieder.
.Womit kann ich dienen?" '
Ich muß mich kurz fassen, verehrter
Herr, denn ich bin sehr krank." Mr.
Reybons rückte ein wenig mit dem
Stuhl. Der Kranke bemerkte es. Sie
brauchen keine Furcht zu haben, meine
Krankheit steckt nicht an. Es ist eine
Nierenentzündung, und mein Arzt
sagte mir, daß die Situation gefährlich
wäre und ich gut thäte, meine Ange
kegenheiten zu ordnen." Sagte er
das?" fragte Mr. Reybons. Auf
meine dringende Bitte. Da Sie
nun wiederholt meine Geschäfts
gelegenheiten zu meiner vöUsten Zu
friedcnheit arrangirt haben, bitte ich
Sie. auch diese letzte zu regeln, mein
Testament."
Reybons schwieg einen Augenblick,
dann erwiederte er: Da müßte ich viel
leicht einige Vorbereitungen treffen und
einen Schriftführer besorgen." Das
wird nicht nöthig sein." sagte der
Kranke, mein letzter Wille wird ,nur
wenige Bestimmungen enthalten, die
Sie wohl selbst schreiben können,
Papier und Tinte liegt dort in meinem
Sekretär." Mr. Reybons erwiederte
nach einer kurzen Ueberlegung: Das
Testament kann in dieser Form gemacht
werden, falls es beim Gerichtshof hin
terlegt werden soll. Außerdem wird
es gut sein, da Sie ein Deutscher sind,
es durch den deutschen Consul beglau
bigen und eventuell abschreiben zu las
sen." Bitte, ordnen Sie das so,"
sagte Mr. Strumpf, ich bin zu
schwach, um dies alles zu besorgen."
Mr. Reybons setzte sich an den
Schreibtisch, tauchte die Feder ein und
schrieb: Letzter Wille des Herrn Richard
Strumpf zu Cleveland, aufgenommen
durch Advokat Josua Reybons."
Der Kranke diktirte nun langsam:
Mein Vermögen, das ich in 20 Iah
n erworben habe, belüuft sich auf
124,000 Dollars. Hiervon erben mein
einziger Bruder Albert Strumpf zu
Breslau in Deutschland. Hollstraße
76, 100,000 Dollars, meine einzige
Schwester Margarete Strumpf in Ber
lin, Liniensträße 242, 20.000 Tol
lars, Herr Advokat Reybons als Testa
mentsvollstrecker 2000 Dollars, meine
Wirthschaften und Köchin Mary
Smiles 2000 Dollars." Mr. Rey
bons verbeugte sich. Herr Strumpf
fragte: Haben Sie alles?" Ja!"
Dann fügen Sie hinzu: All mein
Hausrath gehört derselben auch. Für
meine Beerdigung sind 600 Dollars be
stimmt, welche in meinem Schreibtisch
liegen." Schön," sagte Mr. Rey
bons, und wo befindet sich Ihr übriges
Vermögen?" 90,000 Dollars habe
ich auf der Central Riverbank, 34,000
Dollars besitze ich in Aktien, welche
neben den Bankscheinen in meinem
Schreibtisch links im zweiten Schubfach
liegen." Mr. Rehbons pausirte und
dachte nach. Einen Augenblick .sah
er starr vor sich hin. Lauten die
Aktien auf den Inhaber? ..Ja'."
So. so. Nun darf ich Ihnen wohl
das Testament vorlesen?" Bitte!"
Die Vorlesung erfolgte. Dann nahm
Mr. Strumpf die Feder unterschrieb
sehr deutlich seinen Namen und drückte
sein Siegel daneben. Mr. Reybons
legte das Schriftstück, nachdem eine Ab
fchrift angefertigt, in ein Couvert, ließ
dasselbe offen und sagte: Ich werde
das Schriftstück in meinem Bureau
registriren und es dann alsbald bei Ge
richt deponiren." Ja. beeilen Sie
sich, bitte, ich habe vielleicht nicht mehr
viel Zeit." Morgen (Sonntag) ist
das Gericht geschloffen, ich werde Ihnen
schon am Montag den Depositenschein
bringen."
Ich danke, Ihnen sehr, Mr. Rey
bon?." .Bitte, bitte, ich wünsche Ihnen
gute Befferung. hoffentlich hat sich Ihr
Arzt getäuscht." Tie letzten Worte
waren in herzlichstem Ton gesagt, dann
ging Ar. Reybons. zog den Pelz an.
und bald rollte sein lzoupe davon.
Zu Hause angelangt, ging er in
sein Privatbureau und legte das Testa
ment in ein geheimes Schubfach feines
Geldichrankes. Lange schritt er ge
dankenvoll noch da? Zimmer auf
und ab.
Am Montag früh sandte einen
Bureauschreiber zu Mr. Strumpf und
ließ sich nach denen Befinden erkundig
aen. indem er gleichzeitig mittheilte.
daß am Nachmittag selbst vorsprechen
werde.
Nach einer Halden Stunde kam der
Schreiber mit der Nachricht, da. Mr.
Strumpf schwer leidend sei. Mr. Rey
bons sagte nichts darauf. Am Nach
mittag gegen sechs Uhr begab er sich
wieder in die Wohnung. Das Mädchen
öffnete und sah verweint aus. Was ist
geschehen?" fragte Mr. RcybonS
Soeben ist Mr. Strumpf gestorben.
ich war ganz allein mit ihm, vor einer
Stunde waren noch die Aerzte da
Ach. eS ist gut. daß Sie wenigstens
kommen, mein Herr." Schließen Sie
die Thür. Miß Mary," sagte Mr. Rey
bons und trat ein. In seinem Zimmer
lag Mr. Strumpf todt. Ter Advokat
warf kaum einen Blick auf die Leiche.
dann äußerte er zu dem Mädchen: Ich
bin recht erschüttert. Aber es ist meine
Pflicht, den Nachlaß hl sofort zu ver
siegeln. Holen Sie mir ein Licht!"
Das Mädchen ging schluchzend hin
aus.
Mr. Reybons trat an den Schreib
tisch, zog das zweite Schubfach links
auf und nahm daraus ein Bankduch
und den Depositenschein. Beides steckte
er ein. und als das Mädchen nach ge
raumer Zeit wiederkam, sah er zum
Fenster hinaus. Tann siegelte er den
Schreibtisch und legte auch ein Siegel
an das Sterbezimmer. Bemerkens
werth war hierbei die amtliche, würde
volle Miene, die Mr. Reybons zur
Schau trug.
Mr. Richard Strumpf wurde Pomp
haft begraben, sein Nachlaß gerichtlich
aufgenommen und amtlich verwahrt.
Er bestand in 34.000 Dollars Aktien
und dem Mobiliar. Die Wirthschaf
terin erhielt beifälligen Lohn und Herr
Reybons war so gütig, eine Hundert
Tollarsnote beizufügen als Freund des
Verstorbenen. Seine Güte ging so
weit, daß er dem Gerichte nicht einmal
eine Liquidation einreichte. Das Te
stament lag wohlverwahrt in seinem
Geheimfach neben den Bankpapieren. .
Die Central Rlver Bank war ein
ganz imposantes Gebäude, oft hatte
Richard Strumpf ihre Stufen über
schritten, um über seine Spekulationen
Abrechnungen zu halten. Er war sehr
befreundet mit dem ersten Direktor der
Bank, Mr. Ledge Home, einem bart
losen. Herrn mit klugen, stechenden Au
gen, die jetzt gerade in den Börsentheil
einer großen amerikanischen Zeitung
vertieft waren. Da trat der Diener
ein. Er überbrachte eine Karte, ouf
welcher stand: Mr. Reybons, Advo
kat." Ich lasse bitten." sagte der
große Mann. Mr. Reybons trat ein
und begrüßte Mr. Home, der ihm bis-
her fremd war. Einen Augenblick sahen
sich beide forschend an. zögernd. Tann
begann Mr. Reybons: Sie wissen,
Herr Direktor, daß Mr. Richard
Strumpf gestorben ist?" Ich habe es
erfahren." Er besitzt ein Guthaben
von $90,000 auf der Central River
Bank?" Der Direktor hielt jedes
Wort zurück und überlegte. Nach einer
Minute erwiderte er: Ich weiß es
nicht auswendig, werde aber nachsehen
lassen."
Das wird nicht nöthig sein, hier ist
der Depositenschein aus dem Nachlaß
Mr. Strumpfs." Ter Direktor griff
danach. Ter Advokat bemerkte: Na
türlich nur in Abschrift, aber die Num
mern werden stimmen, ebenso die End
Ziffern aus dem Contobuch. Bitte hier."
Der Direktor mark einen flüchtigen
Blick darauf und erwiderte: In der
That, ich erinnere mich jetzt, 90,000
Dollars." Mr. Strumpf," begann
nun der Advokat, hat über diese
Summe testamentarisch zu Gunsten
zweier in Deutschland lebender Geschwi
ster verfügt." Kennen dieselben das
Testament?" fragte Mr. Home.
Das ist ausgeschloffen, denn Mr.
Strumpf hat dies Testament mir erst
zwei Tage vor seinem Tode in die Feder
dictirt mir allein." betonte der Advo
kat . Das Testament befindet sich
bei meinen Papieren." Es'ist auffal
lend." sagte Mr. Home, daß das Te
stament nicht gerichtlich deponirt ist."
Der Sonntag lag dazwischen,"
meinte Mr. Reybons obenhin. ..am
Montag starb Strumpf schon, und ich
hatte noch nicht Zeit, die einschlügigen
Bestimmungen über die Deponirung
in solchem Falle nachzusehen. Wahr
scheinlich läßt es sich noch nachträglich
deponiren." Wahrscheinlich," erwi
derte der Direktor, vielleicht eilt es
nicht einmal." Die Beiden sahen sich
wie Raubthlere an. Und ist im Nach
laß nichts weiter gefunden worden ?"
Gewiß, 34,000 Tollars in Aktien."
Und kein Hinweis auf das Bank
depot ?"
Nein, Herr Strumpf hatte mir ia
diese Papiere gegeben."
Hatte er das?" fragte Mr. Home.
Nun, an eine Auslieferung ist unter
diesen Umständen wohl kaum zu denken,
die Bestimmungen über Depositen sind
streng." Ter Advokat sah ihn an. j
Sie würden schließlich den geieklichen
Erden ausgeliefert werden muffen, b?
ren ich mich warm annehmen würde
Mr. Home sah. daß nichts zu machen
war. Er fuhr deshalb fort:' Würde
es nicht sehr viele Umstände machen, die
Erben zu finden, ginge es nicht ein
facher?" Mr.ReybonSerwiderte: Man
müßte die Hilfe der deutschen Behörden
in Anspruch nehmen. Einfacher wäre
eS allerdings" feine timme sank
zum Flüsterton hinab wir theilen
X Tirector schwieg. 45,000 Tol
lars? TaS lohnte. In den Büchern
ließe es sich schon machen. TaS letzte
Schwanken war beseitigt. Also reden
wir offen, lieber ReybonS. Sie über
bringen mir den Original-Tepositcn
schein und das Contobuch, lassen mich
auch einen Blick in da? Testament thun
Tann gebe ich Ihnen eine Anweisung
auf 45.000 TollarS." Ter ich aber
eine Anmerkung beizufügen bitte, daß
Mr. Strumpf ein Teport in doppelter
Hohe hatte." iie sind vorsichtig.
lachte Mr. Home, dann bitte ich auch
um eine Bestätigung von Ihrer Hand,
daß das Testament bestand." Sollen
Sie haben," sagte der Advokat, der sich
bald darauf empfahl.
Schon am Nachmittag wurden die
gegenseitigen Anerkennungen des Ver
drechens ausgetauscht und Bankpapiere
und Testament sehr sorgfältig im Ka
min verbrannt. Mr. Reybons erhob
sodann an der Kasse 45,000 Tollars.
Am anderen Tage richtete er einen
Brief an die beiden Geschwister des Mr.
Strumpf in Teutschland, in dem er
ihnen den Tod ihres Bruders anzeigte
und gleichzeitig mittheilte, daß derselbe
34,000 Tollars in guten Actien hinter
lassen habe. Ein Testament bestehe
nicht, aber er sei bereit die Ansprüche der
Erben zu vertreten und ihnen gegen ein
Honorar von 4000 Dollars die Summe
von 30,000 Dollars an eine deutsche
Bank überweisen zu lassen, vorausge
setzt, daß sie alle erforderlichen Legiti
mationspapiere einsenden könnten.
Mr. Reybons nahm sich der Sache
wirklich sehr eifrig an. Die Papiere
trafen ein. gleichzeitig mit dem Schrei
den der beglückten Erben, da sie mit
der Provision einverstanden seien. Mr.
RcybonS regelte alleS coulant und schon
nach vier Wochen konnte er die 30,000
Tollars nach Deutschland senden. Ein
warmes Dankschreiben war der Lohn
deS wackeren Rechtsvertreters, der sich
der Achtung seiner Mitbürger nicht nur
als vorzüglicher Jurist, fondern auch
als makelloser Ehrenmann nach wie vor
erfreut.
Mein Nebenbukler.
Bon Karl aranitsch.
Es warhöchste Zeit gewesen. Eine
Minute später, und der Zug wäre mir
vor der Nase davongefahren. Mir acht
es stets so. wenn ich irgend wohin ver
reisen will. Es giebt Leute, die stehen.
wenn der Zug um 8 Uhr Früh abgeht,
erst um 7 Uhr auf, räumen mit einer
bewunderungswürdigen Sicherheit in
wenigen Minuten die nöthigen Uten
silien in ihren Handkoffer, frühstücken
gemächlich und kommen noch immer eine
Viertelstunde vor Abgang des Zuges
auf den Bahnhof. Solche Leute sind
entschieden beneidenswerth. Ich gehöre
leider nicht zu dieser Gattung. Ich
mutz, wenn ich einen Frühzug benutze,
wenigstens vier Stunden früher auf
stehen. Denn erstens dauert es schon
über eine Stunde, bis ich alles das zu
sammensuche und finde, was ich in
meinem Handkoffer mit mir nehmen
will. Gewöhnlich ist das dann viel
mehr, als in denselben hineingeht.
Vergeht also eine zweite Stunde, bis
ich alles hineinzupressen suche, und im
Falle es nicht gelingt, bis ich unter den
unbedingt mitzunehmenden und even
tuell zurücklaßbaren Gegenständen und
Utensilten die geeignete Wahl getroffen
habe. Tie übrige Zeit geht für's Früh
stücken, Ankleiden. Droschkensuchen zc.
auf, und eine Stunde muß auf das
Conto meiner Vergeßlichkeit gesetzt wer-
den. Ich mutz nämlich bei solcher Ge-
legenheit stets zwei-, dreimal wieder in
meine Wohnung zurückkehren, da mir
erst auf dem Wege zum Bahnhof ein-
fallt daß ich diesen oder jenen nöthigen
Gegenstand zu Hause gelassen habe.
Das Resultat von alldem ist, daß ich
sau regelmäßig den Zug versäume.
Auch heute wäre mir das bald das
sirt. Daß es trotzdem nicht geschah,
hatte ich nur dem Umstand zu verdan
ken. daß ich im letzten Moment meinem
Comfortabelkutscher einen Gulden
Trinkgeld versprach, wenn wir noch
rechtzeitig auf den Bahnhof kämen.
Dieser hieb denn auch wie wahnsinnig
auf seine Rosinante ein. welche wieder,
ob dieser ungewohnten Behandlung
höchst verwundert, zum höchsten Gau
dium der Passanten einen rasenden Ga
lopp einschlug.
Speciell heute wäre mir eine Verspä-
tung höchst unangenehm gewesen. Ich
befand mich nämlich auf meiner Braut
fahrt. Ja. ich war auf dem Wea nach
Neuhäusel, dem Aufenthalsort meiner
Braut, woselbst auch nach einigen
Tagen die Hochzeit stattfinden sollte,
nach welcher wir dann nach einer kurzen
Hochzeitsreise in unser ständiges To-
mtcil nach Wien zurückkehren wollten.
Behaglich m meine Coupsecke zurück
gelehnt, den Rauch einer eigens für
diese Gelegenheit gekauften außer'
gewöhnlichen Cigarre vor mich
hinblasend, dachte ich. während
meine Augen den bläulichen Rauch
Wölkchen folgten, an meine angebetete
Braut und träumte mich so recht ledhaft
in meinen künftigen Ehestand hinein
Ta meine Braut in meinen Augen
natürlich mit allen erdenklichen Vor
zügen ausgestattet war. so stellte ich mir
denselben folgerichtig auch aus allen er
denklichen Süßigkeiten bestehend vor
umsomehr. als ja die Tistanz zwischen
Neuhäuiel und Wien eine verhaltnik
mätzig ganz annehmbare ist. und ich
also nicht auf einen allzu häungen Be
such meiner p. t. Schmiegereltern in spe
zu rechnen brauchte. Kurz, ich stellte
mir mein Glück in den rosigsten Färben
vor und war daher in der herrlichsten
Stimmung.
Wir waren in Marchegg angelangt.
Ich war bisher der einzige Insasse des
CoupSZ gewesen. v Ta wurde plötzlich
die Coupöthür ausgerissen und herein
flogen zwei Handkoffer, dann folgte
eine kleine Pause und zum Schluß
drängte sich durch die enge Eingangs
thür ein kugelrunde? feistes Jndivi
duum herein, das sich pustend und
schnaufend auf einen Polstersitz nieder
ließ und etwas wie verwünschte Uhr
macher" brummte.
Kaum hatten wir die Station ver
laffen. begann er eine nahezu unhcirn
liche Thätigkeit zu entwickeln. Er ent
nahm dem einen Handkoffer eine Unzah
von Packeten. welche die mannigfaltige
sten und verschiedensten Formen zeigten,
betastete eines nach dem anderen sorg
fältig und legte schließlich alle, in meh
rere Reihen geordnet, vor sich hin.
Tann nahm er eine Serviette und Eß
besteck, und jetzt erst dämmerte in mir
eine Ahnung auf. was die räthselhafte
Manipulation eigentlich für einen Zweck
verfolge.
Jetzt begann er eines nach dem an
dern zu öffnen: Schinken, Salami,
rakauer und otyaerwur t, Sar
dinen, Bäckerei. Käse bildeten den In
halt, und zwar in solch ungeheuren
Quantitäten, daß es meiner Berech
nung nach mindestens für sechs Perso
nen gereicht hätte.
Tann fing er an zu kauen. Der
Inhalt eines Packetes nach dem anderen
verschwand mit Blitzesschnelligkelt zwl
schen feinen blendend weißen Zähnen
Ich habe noch nie in meinem Leben
einen so mächtigen Appetit gesehen
Anfangs schaute ich ihm mit Interesse
zu, wie er diese ungeheueren Mengen
Schinken. Salami und Krakauer ver
schlang. Als er sich dann über die
Gothaer machte, wurde mir fcho.i
gruselig zu Muthe und ich schaute zum
Fenster hinaus. Das war ja schon ein
förmlicher Kannibalenhunger! Als wir
hinter Preßburg waren, konnte ich nicht
umhin, wieder nach ihm hinzugucken,
und da sah ich. daß er soeben den letz
ten Bissen Käse verzehrte und im Be
griff stand, eine Bouteille Gumpolds
kirchner zu entkorken. Kein Restchen
war von der ganzen Speisenmenge
übrig geblieben.
Er wischte sich mit der Serviette den
feitglänzenden Mund ab, that einen
tüchtigen Trunk und rauchte sich, die
Füße behaglich von sich wegstreckend,
eine Cigarre an.
So, das Ware glücklich überstanden
und durfte für zwei Tage reichen,
meinte er gemüthlich.
Ich blickte ihn verwundert an.
Sie müssen nämlich, wissen." fuhr
er fort, daß ich die Kost bei meiner zn
künftigen Schwiegermutter nicht ver
tragen kann, und da ich mich jetzt auf
meiner Brautfahrt befinde und bis zur
Hochzelt im Hause meiner Schwieqer
eltern verweilen muß, so habe ich jetzt
ein wenig vorgebaut. Für's Nächste
wird s wohl reichen, denke ich."
Wohin reisen Sie, wenn tch fragen
darf?" warf ich ein.
Nach Neuhäufel," lautete die Ant
wort.
Das trifft sich merkwürdig. Ich reise
nämlich auch nach Neuhäusel zu meiner
Braut, mit der ich nächste Woche Hoch
zeit habe."
So? Tann sind Sie vielleicht auch
tn diesem Neste bekannt. Ich meiner
seits bin es nicht. Ich bin vielleicht im
Ganzen em dutzendmal dort gewesen.
habe mich aber um weiter Niemanden
bekümmert vnd war froh, wenn ich mit
heiler. Haut wieder davondampfen
konnte."
Ich war auch nicht gar so oft bort,
besitze aber immerhin daselbst einen
kleinen Bekanntenkreis."
Vielleicht werden Sie zufällig auch
meine Braut kennen, Fräulein Elsa
Meier."
Elsa Meier?.... Die Tochter des
Kaufmannes Meier?"
Ja. dieselbe."
Na, erlauben Sie mir, das ist doch
meine Braut," rief ich ganz bestürzt
und entrüstet.
Bedaure, ist aber nicht leicht mög
lich, da dieselbe, wie Sie sehen, bereits
meine Braut ist," entgegnete er ganz
kalt.
Aber hören Sie, das ist doch wirk
lich stark. Wie kommen Sie zu diesem
Rechte?"
Ganz einfach. Ich habe mich um
sie beworben, wir haben uns zu Wem
nachten verlobt und jetzt wird Hochzeit
sein."
Zu Weihnachten war sie doch schon
längst mit mir verlobt! Ta hätte sie
mich doch etwas davon wissen lassen
müssen! Oder doch wenigstens die
Eltern!"
Er hatte auf meine Worte nur ein
gleichgiltiges Achselzucken und paffte
ganz ruhig an seiner Cigarre weiter.
Ich war vor Erregung aufgesprun
aen und rannte wie wahnsinnig im
Coupö auf und ab. Meine angebetete I
Elsa sie, sie konnte mich so betrügen?
Ihre Liedesdetheuerungen, ihre Sehn
suchtSdezeigungen Alles. AlleS war
eitel Lüge? Nein. eS konnte nicht sein,
der Mensch mutzte gelogen haben.
.Mensch, ich erwürge Sie. wenn
Ihre Worte aus Wahrheit beruhen,"
rief ich. meiner Sinne nicht mehr mäch
tig. auf ihn losstürzend.
Ta werde er schon auch noch ein
Wort mitzureden haoen war die
phlegmatische Antwort.
Tiefer Mensch mit seiner Ruhe und
feinem Glrichmuth machte mich noch
wahnsinnig. Mein Herz hämmerte und
pochte, mein Blut kochte.
Wir werden zusammen hingehen
und uns über den wahren Sachverhalt
informiren." schrie ich ihn an.
.Wird mich selbst auch intercssiren."
meinte er ruhig.
Ich starrte fassungslos auf die kahlen
Felder hinaus. Mein Kopf und meine
Augen brannten, meine Nerven zitier
ten und bebten vor Aufregung. Ter
Zug brauste mit rasender Geschmindig
kcit dahin, und doch schien es mir, als
bewegte er sich wie eine Schnecke. Ter
Mensch hinter mir rauchte ruhig, als
wäre nichts vorgefallen, seine Cigarre
weiter. Er hatte doch gehört, daß daS
Mädchen ja auch meine Braut war, daß
ich ebenfalls zur Hochzeit zu ihr kam
eS fiel ihm keinen Augenblick ein, daß
doch möglicherweise ia auch er der Be
trogene, der Geprellte sein könnte
nein, ich mußte es sein! Ich würdigte
ihn keines Wortes mehr.
Endlich ertönte der schrille Pfiff dc;
Lokomotive, der Zug verminderte feine
Geschwindigkeit, die Station kam in
Sicht. Ich sah schon von Weitem auf
dem Perron einige rauengestalten und
Herren einherwandeln, welche auf die
Ankunft des Zuges warteten. AIs wir
näher kamen, konnte ich auch deutlich
meine Braut in Begleitung meiner
Schwiegereltern ausnehmen. Ich stürzte
wuthentbrannt zur Coupöthür hinaus
in der Meinung, mein Gefährte werde
mir etwas langsamer folgen. Meine
Braut eilte freudestrahlend auf mich zu
und wollte niir an den Hals fallen.
Ich stieß sie etwas unsanft zurück.
Schlange." donnerte ich. also be
trogen hast du mich?"
Um Hlmmelswlllen, Arthur, was
soll das bedeuten?" rief sie ganz be
stürzt. Ich habe ihn dir gleich mitgebracht
deinen Herrn Bräutigam, nimm dir
ihn nur, seid glücklich!"
Bei Gott, der ist wahnfinnig ge
worden," rief nun auch mein Schwie
gervater entsetzt.
Ja, tch bringe ihn dir tn die Arme!
Bin ich nicht zärtlich und aufmerksam?"
rief ich abermals und blickte mich dabei
nach meinem Reisegefährten um.
Wie sehr erstaunte ich aber, als ich
denselben hinter uns bei einer anderen
Gruppe stehen sah. an seinem Halse ein
dunkeläugiges, schlankes Mädchen, das
er mit einer Zärtlichkeit, der ich ihn
gar nicht für fähig gehalten hätte, küßte.
Mit einem Sprung war tch bei ihm.
Erlauben Sie, mein Herr, ist das
Ihre Braut?" fragte ich keuchend.
Selbstverständlich, wer denn?"
Heißt dieses Fräulein Elsa Meier?"
Ja wohl," bestätigte meine Frage
das Fräulein selbst mit einem artigen
Knft.
Tochter des Kaufmanns Meier?"
Zu dienen.'mein Herr!"
Ja. wie viele Kaufleute Meier giebt
denn eigentlich hier in Neuhäufel?"
Zwei. Jeder von ihnen hat eine
Tochter, die Elsa heißt. Und wenn
ie nichts dagegen haben, so sind diese
beiden jungen Tamen sogar sehr gute
Freundinnen," lautete die schnippische
Antwort der jungen Dame.
Ich fühlte Mich wie neugeboren.
Mit einem Nichts für ungut, auf
Wiedersehen!" schüttelte ich meinem
vermeintlichen Nebenbuhler kräftig die
Hand und rannte auf meine Braut und
meine .Schwiegeltern zu, die ich dann
freudestrahlend alle der Reihe nach um
armte und küßte. Diese wurden, nach-
dem sie schon mein früheres Gebahren
staunend beobachtet hatten, in ihrem
Verdacht nur noch mehr bestärkt und
choben mich schleunigst, um kein Auf-
leben zu erregen, in einen Wagen.
Als wir dann spaterbet einer Flasche
guten alten Weines beisammen! aßen.
erzählte ich ihnen unter allgemeiner
Heiterkeit das Abenteuer mit meinem
vermeintlichen Nebenbuhler.
Erklärt.
A.: Warum gehst Du denn mit der
Anna nicht mehr?"
B.: Weil eS unmöglich ist, sie
ährt jetzt immer Rad."
Am Schaufenster.
Frau: Ericy nur Männchen,
den
prachtvollen Hut, imponirt er Dir ?"
Mann: Nicht im Mindesten!"
Frau: O, Tu Tell!"
Unterwegs.
A.: In welchem Hotel werden Sie
logiren, wenn ich fragen darf?"
B.: Im Hotel zur rone."
A.': Was? In diesem elenden
Kasten?"
B: Ich logire dort schon zehn
Jahre, mein Herr."
A. : Wie ist das möglich V
B. : Ich bin der Besitzer .'
Mancher, der Tich verletzte, möchte
sich mit Dir versöhnen, wenn Tu ihm
Abbitte leisten wurdest.
G, die Rinder.
Trr Onkel vom Lande" war neu.
lich bei einer Familie zu Besuch eilige
troffen. Tie Hausfrau kochte die Leid
speise des Onkels. Kartoffclklötze. und
der Cflld griff beim Abendessen trästig
zu. Vor der Hausfrau zu weiterem
Zugreifen aufgefordert, dankte der
i,ntel verbindlichst mit der Bemerkung,
er bade schon sechs Klotze gegessen und
fei befriedigt. Was." rief der kleine
Charlie, der bisher d?n stummen Zu
schauer gespielt hatte, in heller Ent
rüstung. sechs. neun hast Tu schon
gegessen!"
Gewissenhaft.
Ein zudringlicher Wcinreisender be
lästigt einen Herrn mit Anpreisung sei
ncr Weißweine. Ta er nicht gutwillig
zum Verlassen der Wohnung zu bcwe
gen ist, wird er schließlich hinaus
geworfen. Nach einer Minute erscheint
er wieder an der Thür. Was wollen
Sie schon wieder. Sie Unverschämter,
ich habe Sie doch eben hinausgewor
sen."
Tas war doch wegen der w e i tz e n
Weine, brauchen Sie vielleicht
rothen?"
Guter Rath.
Vater: Sie wollen also meine Toch
ter wirklich glücklich machen?"
Freier: Gewiß, das soll mein ein
zigeS Streben fein!"
Vater: Gut, wenn Sie sie wirklich
glücklich machen wollen, so hcirathcn
Sie sie lieber nicht!"
Auch wahr.
Meister: Ich begreife nicht, wie
man so faul sein kann: für mich ist die
Arbeit ein Vergnügen."
Lehrjunge: Aber, Meister, wir sind
doch nicht zum Vergnügen auf der
Welt!"
Eine Pression.
A: Mein Nachbar hat neulich zu
mir geschickt, ich sollte nicine Thüre
schmieren lassen."
B: Haben Sie's gethan?"
A: Jawohl, er sagte, wenn ich's
nicht thäte, würde er seiner Frau einen
Papagei kaufen."
verfängliche Richtigstellung.
Vertheidiger: Daß mein Klient
Recht hat. meine Herren, das zeigt
Ihnen doch der gesunde Mcnschcnver
stand!" Vorsitzender: Herr Toktor. es han
delt sich hier nicht um den gesunden
Menschenverstand, sondern um die be
treffende Vorschrift!"
Bewiesen.
Fremder: In Ihrem Prospekte
heißt es, der Badeort biete in musikali-
scher Hinsicht Außergewöhnliches und
doch habe ich noch nicht. einmal eine
Kurkapelle entdecken können!"
Badedirektor: '..Ist das denn heut-
zutage nichts Außergewöhnliches?"
Optische Täuschung.
Wozu hat sich eigentlich der Toktor
albert ein Mikroskop gekauft? Praxis
hat er doch so gut wie gar keine."
Ja, er tröstet sich eben damit, daß
er feine Einnahmen unter 500maliger
Vergrößerung betrachtet."
Tine gute Seele.
Ich sag' Ihnen, es war furchtbar
zu sehen, wie armen Leute in der grim
men Kälte arbeiteten! Ich hatte die
Ueberzeugung, hier mutz etwas
schehen!"
ge-
Und was thaten Sie?"
Ich trank einen Schnaps!"
Im Bilde geblieben.
Kriminal-Kommissär (dem auf der
uche nach einem internationalen Ver-
brecher eine für den Gang der Unter-
suchung hochwichtige Mittheilung ge
macht wird): Endlich ein Lichtstrahl,
ja, eine ganze Mitternachtssonne!"
kob der Kunst.
Dame (die sich. von einem Hochmoder
nen Maler porträtircn liefe): Nun,
wie finden Sie mein Bild?"
Aufrichtiger Herr: Scheutzlich
schaudervoll aber die Ähnlichkeit ist
grotzartig!"
Der neueste Record.
Aber, liebe Lucie, ich habe Tich feit
voriger Woche nicht gesehen, ich habe
mich indessen verheirathet."
Ach. das ist gar nichts, ich bin un
terdessen schon wieder geschieden."
Guter Rath.
Nun habe ich das Mittagessen fertig
und mein Mann kommt wieder nicht;
diese Vernachlässigung ist doch uner
hört!" Sehen Sie Madame, ich Hab's
immer gesagt, Sie sollen lieber mich
kochen lassen!"
Das böse Gewissen.
Er (im Zoologischen Garten vor dem
Affenhause zur Frau): Komm, gehen
wir weiter!"
Sie: Aha. es drückt T'ch das Ge
wissen weil Tu alle Tage einen mit
nach Hause bringst.'"
Der erstaunte Bräutigam.
Braut: Ich habe Tich im Verdacht,
datz Tu mit meiner Mitgift nur Teine
Schulden bezahlen willst."
Bräutigam: Ja, macht man denn
sonst etwas anderes mit einer Mitgift 1"