Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, March 16, 1899, Image 9

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Dt Eisenbahn.
2 f if f ren tieitidi Z H d k n.
an
An funfunöjvoanjij, Jahre ober
iicr mögen vergangen sein, seitdem
.Junge iü',D '.'Nie in Wrlinenborf
kannten ihn, den eile Mischer von
-c ckjie r jee , i::ib Per bischer kannte in
Wrluienborf nS so eine Meile um be
See ljerurn jede? uu$ und jedeSttind.
Weiter der. alt er mit seinen Mischen
hausiren ging, war er in die Welt nicht
liinalisaeloiiiinkn. lind weiter wollte
er nicht.
Da bralißen," sagte er. Jiti auch
ich anoerS als bei uns. eber steht.
daß er sich buichplagt. so gut er kann:
aber mehr als leben un arbeiten können
die da auch ich. Ich hab nietn Hans,
das haben die auch-, ich hab das Holz"
n ein gut tua Wiejenland, das ha
ben die rft ich mal! un ich hab den
Tee. un den giedt's ich mehr, wenn ich
auch bis nach Prretz oder Kiel oder noch
weiter laufen un mir die Augen ans
dem Kops suchen wollte. Un mein ttiiid
hab ich. mein Tiern. meine Annr-Luis'
da kann ein Paster kommen un die
freien, hübscher is doch keine un besser
auch nich, wenn sie auch inch alle conn
tag in die Kirche laust un lieber mal im
Krug das Tanzbein schwingt. Nee, ich
tausch tchon ich!"
Das Holz" bes alten FischerS war
eine kleine Buchenwaldnng an der einen
Langseite deS ovalsonnrn gestreckten
SecS, und die Buchenriesen, die letzten
, Zeugen rtncS vor Seiten weit um den
Tee gedehnten Waldes, streckten ihre
dichten Laubkronen schlitzend über das
Anwe en des nüchers ud raunten.
wenn der Wind über sie hinstrich, von
dem grauhaarigen Alten und seinem
blonden jungen Kind.
Das Wicsenlaud. das von der Holz
Der
MÜH
mm mm mm mm mm
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agSga
Jahrgang 11).
Beilage jurn Ncbraska Ztaats-Anzeiger.
No. 43.
Bedingung. Sie wisien ja, die wollen
hier Alles um un um kehren un bauen,
nämlich die von der Eisenbahn. Und
daZ wollt ich ausmachen, da das nich
sein darf. DaS ich. Herr Pernhus.
un wenn Sie das lagen, denn gilt das.
Also wenn Sie das wollen un nachher
die Aniie-Luis" nichts nich kluzuwenden
hat denn zu."
Der GutslKU war für den (Vi4a die
e Respektsperson, deren lvtiiTluu er
ohne 'Weiteres bie Ersüllung seines
Wunsches zutraute.
Johannes BernhuS chuttelte be-
bauernb be Kopf.
Nein," sagte er, da ist leider nichts
mehr zu machen. Sie erhalten ja auch
eine Entschädigung, Vater Jiebjen, und
die Eisenbahn thut uns noth. Sie
ist ein großer Vortheil für uiiä."
So?" meinte Vater Tiedjen. Vor
theil? Für mich nich. Also Sie wollen
ich ?"
Bernhard sprach ihm gütlich und ein-
dringlich zu. Der Fischer hörte nur
das Nein das Nein, das er nicht der-stand.
Denn mun es woll auch so gelin,"
gab er widerwillig zu.
l5r schritt auf s Neue nach der zljüx
circnzk an ein cuia am cemcr yin
lief, diente dem Ftscher als Weide für ,,d rief nach der Tochter
. w r r . r . . ... v . . . .. ,. .
eine nq uno ueienc o uia vc. unu vinne-vuis kam zögernd uno nano
auch den Winter durch tut b,e nützliche glühenb und bebend vor dem Vater
Hausgcnosstn geborgt war. Anne-Liiir," sagte er. Herr Bern-
Das Haus war klein und niedrig und hs will Dick zur Frau haben. IS da
blitzblank und sauber. ie Kenner oer nu all richtig?"
Wohnstube gingen au? den toee hinaus, ..Jst." flüsterte sie. und BernbuS trat
und wenn der Fischer draußen seinem stürmisch auf sie zu, um sie jubelnd in
bewerbe nachging, konnte vinnevm die Arme ,ni chlicnen
leicht daS dunkle Boot auf der spiegeln- Jsl. mein Diern. isl ." sagte bcrAlte
bcn Flache entdecken und mitunter über gerührt, denn geb uns' Herrgott
den tece hinweg auch noer, oen inngen icincti Segen
Ointöhernt von Perdoel, der mit seit- Ar den Groll gegen die Eisenbahn
sanier Vorliebe gerabe an ber gegen- vergaß er nicht. Der saß fest, ob auch
ii beiliegenden Langieite des Sees zu die Kinder schwelgen und Himmel und
agen pflegte. Sonne strahlend auf das junge große
Und Anne-Lui,' ah vielleicht mehr ilitcf kerniederlacken mochten. Der
nachdem Jäger als nach dein Fischer. Groll steigerte sich zur Verbitterung, und
Und vielleicht wußte das oer vwis d e Verb tteruna wuchs mit lebein Baum.
Herr, vielleicht au zog gerade das um der bem Schienenweg zum Ctner fiel.
an. Denn sonst war besonders Ein. und mit jedem Spatenstich in die dichte
labendes an der hügelig ansteigenden. Grasnarbe des WiescnqelünbcS. ber
bürren. sandigen, mit Tannen nur bünn schneibend zugleich bas Herz be FischerS
bestandenen perdoeler esene man zu iU trenen schien.
entdecken
Was er da zu ballern hak," sagte
zuweilen achselzuckend der Fischer. Hat
Iaadarund nind um sich herum, mit
.$afen, Böcken nn was er sich wünscht,
iiii knallt da nach den dummen alten
Krähen!"
Annc-Luis pflegte daraus nicht zu
antworten, und höchstens spielte einmal
ein feines, weiches, chelirncheS Lächeln
in ihre klugen blauen Augen
Dann würbe der Fischer die Laune
des Wägers gewohnt und nun mochte
der junge Gutsherr den Krähen auf den
Leid rücken und knallen, so oft und so
viel er wollte, der Fischer sah und hörte
ihn nicht mehr, der Fischer vergaß sogar
den geliebten See und wandte seine
Gedanken ausschließlich einer Richtung
zu. nach der sie ebenso plötzlich wie un
Er wurde entschädigt, ja: reichlich
sogar. Er trug das schwere Gelb mür
risch auf die Sparkasse und blickte um
so finsterer und drohender, je weiter der
Ban fortschritt.
Die Arbeiter glaubten, sich über den
Alten belustigen zu können. Das brachte
ihn vollends auf. Er fluchte in sich
hinein. Er brütete Unheil.
Ein knappes Jahr ging dahin, die
Bahn näherte sich der Vollendnna, und
der Tag für die Probefahrt wurde fest-gesetzt.
In der raveiisiiistcren Nacht vor dem
Eröffnungstage arbeitete der Fischer
heimlich stundenlang an dem unbewach
ten Bahndamm. Nicht in ber Nähe sei
nes Hauses ein Stück weiter fort,
nach dem Gute Olcnkoppel zu. der Bahn-
station entgegengesetzt, von wo ber Zug
liebsam und ebenso dauernd wie benn- herankommen mußte. Wie ein Dieb
schlich er sich nach Haus.
Xn friiber Vormittaasstunbe rollte
Die kleine Welt um den Schierfee sollte der Landauer des vcrdoeler Gutsherrn
auf bert Kopf gestellt werden! ZLas seit ran, und ber Bräutigam holte bie
Bccnschengedenken unwandelbar bestan- strahlende Braut zu einer geheimniß-
den und sich bewährt hatte, sollte auf- ,1 Fahrt ab.
hören, sollte verdrängt werden von Der Fischer stand in Mißmutb.
etwas Neuem, von eiwaS Neumodischem, Anne-Lnis' trug zu seiner Verwunde-
von etwas Störendem, von etwas total runc den mobischen Sonntagsstaat, an
Unnützen von einer Eisenbahn!
Gerade am See entlang sollte sie
gehen, gerade an dem Fischcrhaus vor
bei, gerade durch den alten Buchen
bestand und iiber das schöne Wiesen-land!
Der Fischer war schwer beunruhigt
dem eine ausPreetz berufene Schneiderin
eine ganze Woche lang n dem Mischer
Hause gemessen, geschnitten, genäht, ge
bügelt' und gebastelt hatte. Er mochte
den Staat nicht. Er mochte ihn erst
recht nicht, als er ihm zeigte, daß sein
Kind eine Heimlichkeit vor ihm gehabt
. Er sah schon die Baumrielen sauen, ein nno diese aussauige rayn onenoar mn
A ' ' ' ..... . . , r I v tv . . 1. i r..n.
." Heer von Arbeitern einen xainni ans- oem criooicn vorder ocrcinoaii uune.
' führen, das dampfende schwarze Unge- Anne-Lnis' winkte aus dem rollenden
tfiiim iinn dem er bis iekt nnr gehört Wagen noch von fern mit dem wehenden
hatte polternd keranieuchen die Taschentuch, und der Gutsherr schwenkte
Haare standen ihm zu Berge ob des Un- grünend den weiizen iommerhut
erhörten
An einem Tage inmitten dieser schwe
ren Bedrängniß erhielt er einen Besuch,
durch den er sich ebenso überrascht wie
geehrt fühlte. Der Besuch war kein
anderer als der junge Gutsherr von
Perdoel, und wa? er von bem alten
Fischer wollte nichrS anberes und
nichts Geringeres als die Hand der
Anne-Luis'.
Der alte Mann brauchte einige eik,
m sich von seiner Verblüffung zu er-
holen. Als er dann aver lein in von
der Diele in die Stube rufen und freu
dig den heimlich geschlossenen Herzens
luind der Beiden segnen wollte, kam ihm
plötzlich ein Einfall, der ihn auf dem
halben 'Wege nach der StubenthKr
zögern, sein runzliges Gesicht ausstrah
ieii lieh und ihm Rettung aus aller
Noth verhieß.
Er lehrte um und wandle sich an den
reier. , , '
5err Bernhus." sagte er zo-
"V . 1 i . ....( ...... ,, un
ha IvIU V3) Ivvi,t UHiii un
Der Fischer stand betreten. Er ging
unruhig an den Bahndamm und wieder
zurück nach dem Hause.
Ein Schwaldenpaar lampste unter
dein Tachrand gegen ein paar freche
Spatzen um sein Nest, das die grauen
Filze widerrechtlich in Besitz genommen
hatten und nicht räumen zu wollen
schienen.
Aeser! knurrte der Mischer und ver-
laate die Eindringlinge mit einem
Angelschast.
Ein Junge kam am See entlang.
Pater Tiedjen, dars ich heute an
gcln?" fragte er.
Geh man, mein Jung."
Er sagte nie nein, wenn er gefragt
würbe. Er vertrieb nur bie Frech
bachse", bie seine Erlaubniß nicht nöthig
zn haben glaubten oder sonst einen
Frevel auf dem Kerbholz hatten.
Der Kuckuck an der Echwarzwalder
Uhr in der Stube rief die, elfte Stunde.
Schon? Wie die Zeit vergangen war!
Alle Wetter, da mußte ja der Zug
Es war heiß. Der Fischer lüftete
bie Mütze und trocknete ben Schweiß
von ber Stirn.
Elf!
Er wollte den Zug nicht sehen! Er
wollte nicht!
Er wollte nicht und schritt doch
durch daS Holz und spähte den Damm
entlang, dem Bahnhof zu, dem kommen
den Zug entgegen.
Er stand wie gebannt. Es hielt ihn
wie festgenagelt. ES war ihm. als
wäre ihm ein zentnerschwerer Blciguß
in die Glieder gefahren.
Er konnte sich nicht rühren. Mit vov
tretenden Augen sah er dann den Zug
sich nähern langlam. qualmend
Itampfenb. polternb.
Und da ans einem Fenster ein
wehendes Tuch, ein weißer, runder
Sommerhut zwei ausgestreckte Arme.
zwei Köpfe, nickend, grüßend, lachend
ob der gelungenen List Anne-Lni
und Bernhus.
Ha ha halt!" keuchte plötzlich
der Mischer. Ha ha halt!"
Und er fand die Bewegung wieder
stürzte an den Damm und schrie mit
heiserer, sich überstürzenber Stimme auf
ben Lokomotivführer ein.
Ha halt! Ha ha .halt!"
Schrille Pfeifensignale folgten schnell
aufeinander. Die Bremsen thaten ihre
Schuldigkeit. Der Zug hielt auf offener
trecke.
Der Fischer eilte den Damm entlang
i)oo eine gelockerte schiene an einem
Ende empor und ließ sie mit hartem
Elienklang niederschlagen.
Einer der Ingenieure war als erster
zur Stelle. Er trat dicht an den Alt
heran.
Das waren Sie!" schleuderte er dem
Mischer anklagend in s Gesicht.
Ja." zischte der Alte zwischen den
zusammengebissenen Zähnen. Ich
Es war gut, baß ber Gutsherr al
zweiter kam.
Ich hafte!" wanbie er sich mit stum
mer Bitte an bcn Bahnbeamten.
Der nickte.
Noch wasi?" fragte er ben Fischer
vi nein"
Ein Unglück, "erklärte ber Ingenieur
ben aus dem Zug Herbeiströmenden
Nicht von Bedeutung. Eine nnver
nietete Schiene."
Er gab einem Schaffner einen Auf
trag, mn paar veute kamen mit
Arbeitszeug. Der Schaden wurde gut
gemacht.
Weiter!" tönte das Signal.
Ruckend und polternb ging der Zug
vorüber.
Der alte Fischer starrte ihm nach.
Es sanfte und brauste ihm in den
Ohren. Er hielt sich kaum auf den
Beinen.
Eine Biegung des Dammes am S
Ende hinter Olcnkoppel, dessen Fenster
in dcr Sonne blinkten, entzog den Zug
seinen Vllcken.
Vater Tiedjen", sagte der Junge,
der sein Anqelzcuq beim Nahen bes
Zuges im Stich gelassen hatte, ba
vatt was setzen tonnen, ei wei, wenn
Sie nicht gewesen wären un Sie
haben boch zuerst selbst nichts wissen
wollen von bem alten Tampfkasten.
Ei weil"
Der Junge trollte sich an bcn See
zurück, und der Fischer folgte ihm laug-
sam und betäubt.
Erst am Nachmittag kamen die Toch-
ter und ihr.Verlobtcr.
Bernhus drückte dcm Alten die Hand
und sau ihm tief in die Augen.
Es hätte nicht weiter schlimm wer
den können, Vater." redete er mit etwas
scheuern Eifer. Der Zug ging lang
sam ein kleiner Stoß, ein kleiner
Schreck, mehr nicht."
In dein Alten wallte es auf. heiß
und freudig und dankbar.
Ja, Jung, vergin man:" agtc er
stockend und ging verlegen hinaus.
Damit war bie Geschichte zu Ende
Damals vor fünfundzwanzig Iah
ren oder länger.
Und warum ich sie heute vorkrame
und ausplaudere?
Vor wenigen Wochen erst ist der alte
Fischer in den twigen Schlaf hinüber
geschlummert und war bis dahin der
getreueste Wächter ber verhaßten Eisen-bahn.
? 7 i - der ich hab eine durchpassiren, jeden Augenblick!
Dem 5cpp ein Alibi.
(5'inr (iirnii Kuminalgkichichic von Hans
M f e v.
Lauge hat man's schon gewußt vom
Sepp, wirklich lange.
Wenn der alte Aufschneider, der
Förster, und seine beiden Gehilfen im
Wirthshaus saßen und sich gütlich tha
ten, bei Wein und Karten, oder gar bei
dem oberherrlich verbotenen Riemchen
stechen, und wenn's dann oben am
Rehwechsel knallte und in den Zweigen
knackte und rauschte, da tuschelten die I
Bauern, die just in Hörtveite vorüber
gingen, vom Sepp.
Hier und da wird ihn wohl auch
einer gesehen haben.
Ader daß ihn einer verrathen hätte?
Nein, das würbe wohl keiner gethan
haben: unb bie Mäbcl? Da wußte er
sich schon sicher zu stellen.
Er hätt's zwar nit nothwenbi.'
sagten bie Bauern, ber Vater war ein.
nach bäuerlichen Begriffen steinreicher
Mann und der Sepp das einzige Kind,
der Erbe von Hof und Feld, von Hans
und Geld. Er war aber auch kein ge
meiner Wilddieb, jedes Thier, oas sei
nem kurzen aber sicheren Kngclstutzcn
zum Opser fiel, fand man des Nachts
oder früh Morgens beim Försterhause
aufgehängt oder auf die Schwelle ge
legt. Boshafte Bauernburschen woll
ten sogar oft bemerkt haben, daß der
Förster, wenn er spät Nachts oder rich
tiger früh Morgens in seliger Stim
mung heimwärts schwankte, über so
eine unerwünschte Beute gestolpert wäre
und seiner Wuth über den infamen
Racker," den er schon noch kriegen"
wolle, in ziemlich martialischen Flüchen
Luft verschafft habe.
Ter Krug geht aber so lange zum
Brunnen, bis er bricht, und jetzt haben
sie den Sepp (so heißt nämlich nebenbei
bemerkt jedes dritte Jndividum männ
lichen Geschlechts in Skeiermark, wo
unsere kleine Geschichte spielt) auch er
Da gehört aber auch eine Knnst
dazu!" höhnten die Burschen einstim
mig wie sie den da ersanqt haben"
knrzweg vom Tanzboden haben sie ihn
geholt. Ter Förster hat ihn, so hak er
bei seinem Diensteide ausgesagt, gestern
beim Wildern ertappt: der Sepp hat
zwar die Flucht ergriffen und war, wie
gewöhnlich, wie vom Erdboden ver
schwunden und nicht zum ersehen, aber
der tsepp war s, hat er ihn doch zu ge
nau erkannt, überdies paßte auch die
Kugel, bie man in bem Kabaver des
im euer verendeten Thieres fand, wie
die Mittlerweile angestellte Hausuntev
suchung genau erwies, just in Sevvs
ngelsnitzen, und das war Beweis
maieriai genug, oder man yielr es
wenigstens für genug, um den Sepp
in puncto des Wilderns zu iiberfüh-
ren. Ja ja, das corpus delicti in
puncto des Wilderns, hatte der För
ster gesagt, und wenn der einmal gar
etwas lateinisch sagt, so muß es auch
wahr sein, hat der Dorfschulze gesagt,
der, wie ge agt, einen ungeheuren Re
spekt hatte, wenn ihm einer etwas gar
latemicli agt. und wenn der Sepp hun
bert Mal gesagt haben soll, daß er sich
das nicht nachsagen lassen wirb.
r wiro sicy oesyalv anch einen
Vabeibicha" (Bertheibiqer) nehmen.
unb wenn der ihn herausputzt, woran.
wie er selbst am Tanzboden bei seiner
Arretirung lebhaft versichert hat. gar
nicht zu zweifeln ist. so erhält derselbe
fünfzig wirkliche Golbfüchse unb das ist
auch nicht zn viel, als statt dessen iu
mindest zwei oder drei Jahre Zünb-
hölzchenschachteln fabriziren zu müssen,
bas heiszt auf gut beutsch, auf so lange
Jen eingesperrt zu ein.
Thua wiast wüllst," hat dcr Vater
ihm noch zugerufen, nua schau, baß
T Nit einkastelt wirst; kost n kann
wos wüll, Tu Racka. Du nicbaträch-
tlga." Tas waren bes Vaters letzte
Worte unb bann hat ihn bas bcwaff
nete Auge des Gesetzes, der Gendarm
fortgeführt: ben ganzen Weg bis zum
Markt hat berepp rasonnirt unb ver
sichert, da er s ganz gewiß nicht war.
ben ber Förster damals gesehen haben
will und daß er Entschädigung verlan
gen wird für die Schand unb für die
verlorene Zeit, eine Ent chadiqunq, da
die Herrn" ganz grün unb dlan wer-
ben soll n unb daß er den Förster wegen
Ehrenveleibigung verklagen wirb, da
mit derselbe ans mindestens lcbensläng-
lich eingesperrt werden muß.
Als sie aber beim Kriminalgebäude
anlangten, da ist der Sepp aus einmal
ganz kleinlaut geworden, hat nicht mehr
räsonnirt und ist ganz dafig" neben
einem Hüter einherqeschlichen. hat sich
auch den fürchterlich großen Bau mit
den graulich hohen Mauern angesehen
und dann hat er sich die schöne Welt
noch einmal angeschank. wo die Vögel
o schon singen und frei, so wie es sich
halt für ein ordentliches und anstän-
digcs Vögerl gehört, in der Lnft um-
inandersliegen und die schönen Berge
mit den noch schöneren Wäldern, den
Fluch seiner bösen That" und die
chöne Sonne: die frische Luft hat er
noch einmal so recht tief cingcathmet
unb ba hat's ihm bas Herz badei fast
hinuntergebrückt. unb große Thränen
sind ihm dabei in die Augen gekommen.
er hatte wobl noch lange, lanae so
chanen mögen, wenn ihn nicht ein
rohes Vorwärts" aus dem Munde des
Gendarmen hineingetrieben Hütte in
das große, finstere Thor und da ist er
zu einem Herrn geführt worden, der
gar so finster drein sah, da dem cepp
die ganze, wohlauSgedachte Rede ver
fallen ist.
Der hatte sein Nationale aufgenom
men und dann mit der Oand einen
Wink gegeben, worauf der Sepp sofort
in eine Zelle geführt wurde.
Da war er allein ud hatte so lange
beim kleinen Gucksensterl hinauSge
schaut und so bitterlich geweint, daß es
einen !-tein hatte erbarmen können
Da es mittlerweile Mittag geworden
war, brachte ihm der Kerkermeister auch
seine Mahlzeit. Der Sepp hat zwar
beileibe nichts davon anrühren mögen,
am liebsten hatte er das Krischperl",
den Kerkermeister sammt seiner ölen
digen" Brodsuppe und dem Waffer
krügel bei der Thür hinauswerfen rnö
gen, doch sah er selbst ein, daß er da
durch seine ohnehin schon schlimme Lage
nur noch verschlimmern würde, ohne
ein Jota daran zn ändern, daß er den-
noch eingekastelt bliebe.
Hatte so der ihn kransportirende
Gendarm wegen seines Räsoniiirens
vor dem Richter angegeben, daß er
Neigung zur Renitenz zeige, so ein in-
sanier Kerl: er wußte zwar nicht so ge-
nau, was das eigentlich heißt, aber et
was wird's schon sein, meinte er schließ
lich zu sich selber, und das ist doch eine
Gemeinheit.
Lange dauerte die Untersuchungshaft
übrigens nicht.
Die ganzen Daten wären ia nur die.
daß der Förster nach jenem fraglichen
Schusse eine Person fliehen gesehen ha
ben will, die dem Sevv auf's Haar
gleichsah und daß die ans dem Thiere
herausgeschnittene Kugel justameni ge
nau in Sepps Kugelbüchse paßte.
DaS war aber anch Alles, da keiner
der dickschädligen Bauern den Sepp
jemals mit einem Gewehre gesehen ha
ben will, geschweige denn, etwa gar ge
gen ihn zeugen wollte.
's ist nichts herauszubringen aus
diesen Bauernlümmels," hieß es schließ
lich. Es zeigte sich hier wieder die ost ge
machte Erfahrung, daß das Volk noch
immer nach dein Prinzipe das Wasser.
die Luft, der Wald ist frei," dachte und
handelte, und viel lieber mit dem küh
nen Wildschützen, als mit der Poliiei
hielt. Das Volk findet Gefallen an
ben kühnen Abenteurern, bie sich bem
Wildern, dem romantischsten aller Per-
gnugungen widmen.
Gekommen waren aber dennoch alle.
um der Verhandlung beizuwohnen.
Sie leugnen alio. das ?llmen zur
Last gelegte Verbrechen des Wilddieb
stahls begangen zu haben?" fragte der
Richter den ein klein wenig dang" da
stehenden Sepp.
Ja." entgegnete der Sevv. sichtbar
bemüht, seiner Aufregung Herr zu wer
den uno seiner leise vivrirenden Stimme
festigtet! zu geben.
Und wären im tande, Ihre hier
nno vor dem Unter uchunasrichtcr ae
inaaiie nus,age notwendiger Weise zu
oescyivoren r isic es weiter.
3".:"
,,.'.'lu en aocr oeoenien. da man
der Aussage eines des Wilddiebstahl
beschuldigten Individuums nur be-
schränkten Glauben beimessen wirb.
er l-epp bachte eine kleine Weile
nach, bann meinte er. wie S'wull'n."
Der Richter, bem usuellen Einschück-
ternngssystcm hulbiqend, las einige
Paragraphen der Reichsgesctze bezüglich
,,'ceineio uno soigkii vor.
Sind auch nicht im Stande, ein
Alibi zu erweisen?" sragte er dann,
Woö is dös?"
Ein Alibi," erklärte dcr Richter.
ncnni man die Jyrerseitige Möglich
tu, vcii unaniecuivar nen Beweis zu
eriinngen. da,z i-ie sich zur Zeit, als
das Verbrechen, dessen Sie beickuldicit
ino. vcgangen wurde, an einem ande-
ren Orte befunden, als an dem, wo da
verbrechen verübt wurde, und dadurch
oie unmöglichen tonslatiren. das Ih
nen zur Last gelegte Verbrechen bcgan-
gen zu yaoen."
Der i-epp hatte die ganze Zeit über
aufmerksam zugehört unb stand, sicht-
ouniaj mn einem miiMUsse ringend,
unschlüssig ba.
Können Sie also erweisen, wo Sie
wahrenb ber fraglichen Zeit sich herum
getrieben haben?" unterbrach der Rich
ter seine Grübelei.
Dös is a bissal schwer." meinte er
,ctzt.
Schwer? und wcshalb?"
Sag'n Sö mir. Hcrr Richta. wo
Sö hcut' vur sicbenundzwanzig Tag
um a halba neun! auf't Nacht wor'n?"
Im Zuhörerraume ertönte ein bei-
fälliges Gcmurmel.
Der über die Schlagfertiakeit der
dummen Baucrnburschen"' sichtbar
verlegene Richter ging über die Gegen
frage natürlich mit ben Worten hinweg:
Sie tonnen also nicht erweisen, wo
Sie zur Zeit des versuchten Wilddieb
ftahlS waren?"
.Mein Gotk." meinte der Sepp aus
weichend, mi' gibt im Dorf ha:: gar so
vüli schöne Madin."
Sie wollen also ein RendezvonF
vorschützen," sprach der Richter, .und
unZ glauben machen, daß Sie wäh
rend der fraglichen Zeit bei einem Dorf
madchen waren?"
' kunnt wühl sei."
Gut. dann müssen wir bie Verband
lung vertragen, bis dasjenige Mädchen
zur Stelle gebracht ist."
Der Sepp kraute sich verlegen hinter
den Ohren, dann meinte er inüaß'n
Sö dös denn wirklich so genau wisi'n?"
Das ist doch selbstverständlich." enk
gegnete der Richter unwirsch, da eine
genaue. Jhrerscitige Erklärung, wie
zum irtcn Male betont, die einzige
Möglichkeit ist. Ihre Unschuld ,u er
Härten."
Mein Gott." meinte jetzt der Sepp,
sau Sö awa neugieri!"
Die Wirkung dieser, mit so unge
künstelter Naivetät gesprochenen Worte
Sepps war eine frappante. Publikum
und Geschworene. StaatSanwalk und
Vertheidiger brachen in ein homerisches
Gelächter aus, ein Gelächter, dem sich
selbst Richter und Angeklagter nicht zn
entziehen vermochten.
Die ganze sonst so streng gewahrte
Majestät dcr Vcrhandlung war voll
ständig dahin.
Dcr Präsident war noch der erste,
dcr fcine Ruhe wieder erlangte, und
daS Publikum, allerdings erst durch
die usuelle Androhung der Räumung
der oberen Regionen, zn beruhigen ver
mochte.
Unterlassen Sie alle nichtssagenden
Zwischenreden und bleiben Sie bei Jh.
rer acyc, o,e oyncoies schlimm genug
steht." herrschte ihn der Richter an,
widrigenfalls ich Ihre Haft noch ver.
länger,! müßte."
Dies klang allerdings nickt tröstlich
und dabei machte der Richter ein finste
reS Gesicht, daß der auf den Fünf
guldenscheinen eingedruckte Ritter nach
die reinste Freundlichkeit iu nerserna
dagegen war. was doch auch etwa? fa
gen will.
Wenn SWs scho durchaus wisi'n
wull'n," erklärte der eingeschüchterte
epp endlich, so mnak i Jbnan soa'n.
daß ich während der Zeit überhaupt not
ini Huber'schen Revier war. wo da
Wilddiabstohl ausg'führt wurd'n is,
sondern auf'm Rechtberger'schen Grund,
in dortigen Första fei tlans Madal bot
ml g ,egn und zwar just während der
Zeit, wo da Herentare Första mi auf
sein Grundstück aesean boben wiill. i
kann's also nit gwes'n sei, dös müaßn's
selwa eiseg'n, daß i zu da gleich'n Zeit
not durt und do gwest sei kann, nodaiu
wo dö zwa Grund mindast'ns vieraholb
-inno n zum aevn und do m iak'n
S' guat gehn ausananda lieq'n
kvi : . m
uium inuuyt i um n
Wirklich vorausgesetzt," unterbrach
der Richter, den plötzlich redelustigen
Sepp, daß Sie diese Daten genau er
weisen können, so entsteht die natürliche
Frage," und dabei starrte er den armen
Sepp so eisig, durchdringend an, daß
es ihn bis in's Herz hinein fror, was
Sie eben während der Zeit auf bem
Rechtberger'schen Grund gethan haben."
Zeit? than?" erwiderte der
Sepp, verlegen seine Schuhspitzen be
trachtend.
Ja ja was Sie eben während der
Zeit dort gethan haben?"
Man sah's dem Sepp an, daß er sich
ein Herz nahm.
Wann S' denn wirkli außadruck'n
müaß'n, so wüll i's Jhnan holt fogn,
ikann's nit geweßi sei, den da herentare
första g'segn Hot. denn justameni wäh
rend der Zeit hob i aus Owcchslung
amal auf'm Rechtberga'sch'n Grund
g'wildrt!"
Ja die Sachsen, die sind helle"!
Ei, Herrcheses, ja meine Herren,
die Engländer das sind doch grobe, un
geschliffene Batrone! Da fahre ich Sie
neulich im Eoube und sitze zusammen
mit so einem großcarricrtcn Wclturn
segler. Und was denken Sie wohl?
Legt sich der Mensch ganz ngenirt zum
Schlaf nieder und legt mir wccß
Kncppchen, beide Bcene uff'n Schooß.
Und so lag Sie der unverschämte Beer
steak-Esser egal die ganze Tour, die ich
mit ihm zusammen fuhr beinab'ne
dreiviertel Stunde ohne aufzu-wachen."
Derjenige, dem dies erzählt wurde.
sagte darauf: Na. hören Sie 'mal.
warum haben Sie denn den Kerl nicht
aufgeweckt?"
Ei, wie konnt' ich denn das ?
kann Sie kein Englisch!"
Pech.
Herr ider soeben in einen Waaaon
der Berliner Stadtbahn eingestiegen
ist): Warum weinen Sie denn meine
Gnädige?"
Tarne: Ach lieber Herr, sehen Sie.
durch biese Station bin ick nun kck,n
dreimal gefahren ich soll hier aus
steigen, und ich kann nicht!"
Verr: Warum denn nicht?"
Tarne: Ja. sehen Sie, ick bin
etwas corpulent und muß deshalb rück
wärts ausstcigen. Wenn nun der Zug
hält, mach' ich die Thüre auf und setze
den einen Fuß auf das Tritibrctt.
Jedes Mal kommt dann dcr Schaffner,
denkt ich will einsteigen, giebt mir einen
kleinen Schubs und schlägt mit den
Worten: Madamken, wenn Sie noch
mitwollen, dann müssen Sie kick bc
eilen" die Waaaontdüre iu!"