Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, March 16, 1899, Image 12

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    fi0ttlrttf
Pas Sjufbau.
90 H, ' 0 II I i
5. z r i d K e ,
1.
Im Salon wann nach dem Tincr
nur bis riDJJjt'fittii zusammen: dir
fttofaheni, dir Zank, Vater und
Mutier und die Hcriin des Hauses, die
Urgroßmutter. Tie ganze Kindcrschaar.
die Kleinen und die Haldcnvachscncn.
waren zu kinem Picknick aus ein Nach
bargut gebeten worden.
iii war gegen Irnlb 1 Uhr und die
biroßmutter war bei ihrer Partie Be
sique mit dem Schwiegersohn, dem
Önlel Alfred, dem Ossizier. Tie alte
Dame gewann und darum war sie guter
Laune und neckte ihren Partner mit sei
nem schlechten Spiel.
.NW und KW nicht ! ',oo. ..au5!
Ich habe gewonnen, mein Bester
Run bitte her, mit den fünfzig Pfenni
gen," fügte sie lächelnd hinzu und schob
die Brille auf die Stirn hinauf.
Toch kaum hatte sie mit Sprechen
aufgehört, da dcriiahm man ein biepol
ter im Hausflur, dann klang es auf der
Treppe wie sehr eilige Schritte von vie
len Mensche. Plötzlich wurde die Thür
heftig aufgerinen und die ganze in
derschaar stürzte herein.
Eh! Großmutter! Großmutter! Es
ist wahr! (H ist wahr!"
.Oh! Onkel Alfred! Gr hat Ein
brielle und Ieannc beim Namen ge
rufen!" .Und Hunde bellen!"
Und Schlangen zischen!"
,Ach und der Finger! Ter Zinger!"
Der schreckliche Finger an der
Wand!"
.Ja, aber was ist denn passirt?
Was wollt ihr denn? Was soll denn
das heißen?" klang es einstimmig von
allen Erwachsenen.
.Tas Spukhaus!" riefen a tempo
sämmtliche Kinder.
.Ha, ha! kleine Hasenfüße!"
Georg, Du auch? Ein großer Junge
von 13 Jahren, Tu hast Dich auch g'e-!
sürchtet V
.Ach Vater! Wenn Tu wüßtest
wir haben gehört "
.Ta, ta. ta wenn ich was wüßte
Wenn ich waö gehört hätte ?
Dein Sput.. ..Tein Oieist!"
.Er hat uns alle bei Namen ge
rufen "
.Und der Finger! Ter feurige Fin
cer!" .Und das Pfeifen!.. .."
.Und...."
.Und und und Dumm
heiten!" .Aber es ist wahr, Onkel Alfred."
Ja wirklich, Großmama."
Ich will heute Abend nicht allein in
meinem Zimmer bleiben," fagteJeanne,
ein reizender, kleiner Blondkopf, und
kroch ängstlich in möglichste Nahe der
Mutter.
Oh! ich auch nicht," meinte a
brielle, ihre Eousine.
.Nun! Nun! Aber was ist denn Pas
Fiert," sagte der Oberst plötzlich ernst,
da er sah, wie blaß sein Jüngster, sein
Georg, aussah. Nun." fuhr er fort,
und der Dummkopf der Justin, was
hat er denn gemacht ?"
Ter ist davongelaufen!"
Davongelaufen! der große
Schlingel davongelaufen! Ei, das
ist stark, da ivolien wir doch mal ein
kleines Verhör anstellen! Davonge
laufen! Wirklich toll!"
Und damit stand der Oberst auf,
drückte auf den Knopf der elektrischen
Klinkel und gleich darauf erschien der
Diener.
Franz," befahl der Oberst, Justin
soll sofort hereinkommen."
Einige Minuten vergingen, während
man die Liebkosungen der Mutter und
Tante hörte, die die leinen und Klein
ften zu beruhigen suchten.
Aha. da ist er ja!" sagte der Oberst,
als ein Mann, dessen Gesicht so weiß
wie Mehl war, in der Livre eines Die
ners in's Zimmer kam.
Zu Befehl. Herr Oberst."
Wie es scheint." fuhr ihm der Oberst
an. bist Tu wie ein Hasenfuß davon
gelaufen "
Herr Oberst, weil . . . . "
Ach was weil weil Tu ein
Hasenfuß bist! Tu sollst uns jetzt sa
aen, was passirt ist, und warum all
die Kinder in solcher Angst und Auf-
regung sind Wo bist Tu mit ihnen
gewesen ?"
Ich kann nichts dafür, Herr Oberst,
der junge Herr Georg haben gewollt,
daß ich mit dem Break vorm SpukhauS
anhalte."
Nun! und dann?"
Dann haben sie alle nachsehen wol
len. ab man wirklich, wie behauptet
wird. Zauberer darin hörte, und . . . . "
Gut ! weiter und.dann? "
.Ja, Herr Oberst, es sind Zauberer
dort!"
Schafskopf!"
.Aber Herr Oberst. ... !"
.Ach was! Das ist nichts zu abern
Herr Oberst" Nun wird es bald,
kommst Tu bald weiter mit Tcincr Er
zählung'." .Ich weiß nicht r?cht. was dann gc-
schehen ich habe Fräulein Ieannc
und Gabriele schreien hören. Ta bin
ich von meinem Kutschbock heruntcrge
klettert, um nachzusehen, was passirt
sei und dann habe ich den Fin-
ger gesehen "
Ja, den Finger," fiel hier Georg
ein.
In Flammen!"
Ja, in Flammen und voll Blut!"
setzte Justin den Bericht erregt fort,
.und dann bat eine Stimme gerufen:
i-,,,,,,,, .volla. .ru tut. va vin ou: vm, ancr
unge, komm doch (in bischen naher.
Und die Stimme war dicht an meinem
Ohr.-
Ter Oberst zuckle mit den Schultern.
Es ist wahr, Papa!"
Ja, Onkel Alfred, wirklich!"
Schön, schön! Nun weiter, Ju
stin!" Aber Herr Oberst, weiter weiß
ich nichts. . . .nachher"
Bin Tu ausgerisse, was ?"
Mit uns.
..Ihr! Ihr! Potz Kuckuck. Ihr seid
Kinder! Aber der lange Schlingel da,
ein früherer Soldat! Konntest Tu
nicht Tcine Peitsche nehmen, und den
Stiel auf dem Kopf des verwünschten
Spaßvogels zerklopfen, der nun fast
seit einem Jahr diese dummen Streiche
ausführt? Mach, daß Tu heraus
kommst, sonst gerathe ich in Zorn!"
Nun Kinder!" fuhr er zu diesen
gewandt fort, morgen will ich mit
Euch hin und "
Oh, Bater, ich komm nicht mit. . ."
Ich auch nicht. Onkel!"
Nein, nein, ich auch nicht . . . . "
.o: Denn nicht! xann werde ich
allein hingehen und Euch den Spuk
mitbringen, und zwar am Schlafitchcn
Müßte ja doch mit dem Teufel zugehen,
wcnns anders sein sollte!"
Tas Spukhaus war ein einzelnes
Gebäude, das an der Landstraße zwi
schen zwei Dörfern lag. Im Jahre
100 war dort ein verbrechen verüb
worden, und seitdem hatte Niemand
mehr das Haus bewohnen wollen. Es
zerfiel und diente nur zum Unterschlupf,
wenn inal Reisende oder Jäger von.
Unwetter überrascht wurden.
Das war so vielleicht während zehn
Jahre gewesen, bis Peter Ledru, der
Schäfer des Schlosses, dort ein Aben
teuer erlebte, das die ganze Umgegend,
mehrere Meilen in der Nunde, in die
größte Aufregung versetzte.
An einem Hcrbstabend hatte Peter
Ledru auch gegen den Regen in der
alten Baracke Schutz gesucht. Er fand
einige Bund Stroh auf den Dielen,
streckte sich aus und schlief ein. Plötz
lich aber erwachte er von einein Hüllen-
spcktakel. Bon allen Selten des Zim
mcrs, von der Decke, vom Fußboden,
von den Wänden, dicht an seinen
Ohren, über seinem Kopf, überall
schreit es, pfeift und heult es, Hunde
bellen, Katzen miauen, und dazwischen
hört er Beschwörungsformeln und ein
Durcheinander menschlicher Stimmen.
Peter Ledru sitzt aufrecht auf dem
Stroh, vor Furcht wie gelähmt, die
Augen fchreckensstarr geöffnet, der
Angstschweiß tritt ihm auf die Stirn,
und einen Augenblick glaubt er zu
träumen. Aber bald merkt er, daß er
in dem Schreckcnshaus ist doch
woher kommt der Lärm? Er starrt in's
Dämmerlicht des Raumes, sieht absolut
nichts, das Zimmer ist leer.
Plötzlich, während die Gedanken
immer toller wirbeln, ruft eine Grabes
stimme: Holla! Peter! Peter Ledru,
drehe Dich doch um und geh Deiner
Wege, ich zeige Dir ja die Richtung. . ,
Leb' wollt!"
Mechanisch wendet der Schäfer sich
um, und an der gegenüberliegenden
Wand bemerkt der Schäfer einen Fin
gcr, der wie .Blut und Feuer zugleich
glüht und nach der Thür zeigt.
Er hatte noch die Kraft, sich auf
zuraffen und zn fliehen.
Am nächsten Tage wollten der Fri
scur, der für einen Schlaukopf galt.
und der Schmied, der eine Art Hcrku
lcs war, dem Abeuteuer, das der Schä
fer überall im Torfe erzählte, auf den
Grund kommen. Gegen neun Uhr
lachten sie sich auf den Weg, aber schon
nach ganz kurzer Zeit waren sie fas-
tungölos, erregt und entsetzt wieder im
Torf gewesen, denn sie hatten den Höl-
Icnlarm, dabei Grabesstimmen gehört,
die beide beim Namen rufen, und hat
tcn auch den rothglühenden Finger
gesehen, alles grade so, wie es der
Schäfer erlebt.
Bon dem Tage an ging keiner mehr
in der Dunkelheit bei dem Gehöft vor
über, das nun in der ganzen Umgegend
das spukhaus genannt wurde.
kraft, seines Muthes, wird der Ossizie
unruhig, er sahrt sich über die Stirn
als wenn er einen dosen Traum ver
lagen wolle, und wiedervott immer
wieder: .Nein, wirklich! Das ist doch
toll, ist doch toll! Tom, alter Junge,
such! such!"
In demselben Moment wurde eS
still: Dan:: erscholl ein spöttisches, gel
lendcs Lachen dicht an seinem Ohre
Hi, hi. hi!" nnd eine nörgelnde
Stimme äfft ihm nach: Tom, alter
Jnngc! komm, so, mach' schön so,
nun such ! such!"
Das ist toll, ist doch wirtlich toll!"
bcyarrte der Offizier. Ader jetzt war
er ruhig, das Blut ebbte wieder ganz
In eine Hand nahm er
Ter Oberst sprang von seinem klci-
neu Jagdwagcn, schlang die Zügel des
Pferdes um einen Baum, vnrr seinem
Hund Tom, der in ein Rübcnfcld
galoppirt war, und mit elastischen
schritten, noch die Cigarre im Mund,
ging er auf das Spukhaus zu.
Aha! Nun wollen mir n,al der
Sache auf den Grund konnnen, sagte
er, indem er nber die Schwelle Ichritt.
Aber kaum im Zimmer angelangt,
fängt es von allen Seiten zugleich an
zu toben, zu schreien, zu pfeifen und
das Zimmer scheint von einer ganzen
cyaar .cuseicyen, unncylvarer Musi-
lantcn crsuut zu fein.
Nanu! das ist ein bischen stark,"
sagt der Offizier und hält seine Blend
latcrne in die Höbe, um damit in die
dunklen Ecken des Zimmers zu leuch
teil. Ab?r nichts ist zu sehen, nichts,
absolut nichts, alles ist leer.
Und doch spricht jetzt ganz deutlich
Jemand zu ihm. bald unmittelbar in
seiner Nähe, bald aus der Ecke des Zim
mers, als wenn der Sprecher mit einem
Sprung dorthin gelangt war. Tie
Stimme erzählt ihm von den Feld-
zügen. die er , mitgemacht, von den
Wunden, die er erhalten, spricht von
seiner Frau, von den Kindern.
Trotz des Gcfübls seiner Mannes-
regelmäßig.
die Laterne, in die andere den Revol
ver, und mit dem Griff desselben klopste
er an alle Wände, und dabei sagte er
unausgesetzt dein Hund sein: Such
such!" aber nichts, absolut nichts. Nur
dicht an seinen Ohren ist immer das
spöttische, gellende Lachen und das
infame: Such, Tom, Ton, such!
Der Hund war sichtbar unruhig: mit
erhobenem Schwanz witterte er vor sich
hin, er spurte rechts und links. End-
lich blieb er stehen, mitten im Zimmer,
noo ocn icopr und Deine, ais wenn er
sagen wollte, da steckt das Wild.
Oho, wir wollen mal nachsehen
rief der Oberst.
Er nahm die Laterne, leuchtete da
mit gegen die Mitte der Decke. Da
aber bemerkte er die Spalte einer Klappe,
stieß mit dem Revolver dagegen ein
leises Geräusch ließ sich vernehmen, als
wenn vorsichtig eine Luke geschlossen
wurde. Der Höllenlärm 'war ver-
stummt.
Ta rief der Oberst mit einer Stimme,
wie er sie wchl auf dem Schlachtfeld
seinen Soldaten gegenüber hatte:
Wenn derjenige, der dort oben ist.
nicht sofort hcrunterkommt, so schieße
. Ich zähle bis sechs"
Und er fing an: Eins zwei drei
vier"
Halt!" rief nun eine angstvolle
Stimme.
Im selben Augenblick wurde die Luke
geöffnet, und. vor Furcht ganz verzerrt,
wurde das Antlitz eines Mannes ficht-bar.
Bobo! Ah. Tu bist es! Tu
Lump, der uns dies Schauerstück ans
pielt! Na, wird es bald? Ich werde
Dir Beine machen!" rief der Ofsizicr,
der in dem Mann einen Bettler er
kannt, den sie in der Gegend Bobo
nannten und der früher Elown und
Bauchredner bei einer herumziehenden
Eircusgcscllfchaft gewesen war. Bei
einem seiner Kunststücke war er verun
glückt, .zum Krüppel geworden und bet
telte nun in der Umgegend herum.
Ach! verzeihen der Herr Oberst, ach
verzeihen ich will alles gestehen
aber thun Sie mir nichts!" jammerte
der frühere Elown und steckte den Kopf
durch die Luke.
Nun. wird es bald?" ,
Ja doch, ja doch, Herr Oberst, aber
nicht wahr, Sie thun mir garnichtS?"
Wirst Du nun kommen und wirst
Du mir erklären, warum Du hier Deine
Bauchredncrkünste betreibst?"
Ja, Herr Oberst, ja, lch komme la
chon aber nicht wahr, Sie thun
mir wirtlich nichts?"
Nein, Tu Lump! eigentlich sollte
ich Dich braun und blau schlagen, aber
u bist es nicht werth "
Sie thun mir . . . . "
Nun ist meine Geduld zu, Ende;
Nein! Aber ich will Antwort auf meine
Frage."
Ja, denn Herr Oberst lch
wollte gern das Haus kaufen "
Das Haus kaufen ! ! ! .... Was
schwatzt Du da?.. .."
Ja. Herr Oberst." fuhr der Elown
fort und steckte den Kopf ein klein wenig
weiter aus der Luke hervor. Ich
wußte, daß hier bald eine Ellenbahn
gebaut werden soll und die Station soll
hier ganz in der Nähe sein. Darum
habe ich mir gesagt, wenn ich hier aus
der Baracke eine Gastwlrthjchaft mache.
so wäre das gar nicht übel aber
da war nun der Eigenthümer der
Eigenthümer verlangt zu viel für das
alte Haus, und so viel habe ich nicht
erspart."
Ach! Tu hast Tir was erspart!"
Ja, ich habe das Reugeld von da-
mals aus dem Eirkus, das habe ich gut
angelegt und dann noch ein Paar Pfcn
nige "
Schon gut. weiter!"
Nun, da habe ich mir gesagt, wenn
ich die Baracke nicht bezahlen kann,
dann will ich sie umsonst haben
wenn ich sage umsonst, so ist das nur
so hingcsprochen wenn sie mir erst
gehört, dann bringe ich die Bude in
Ordnung und erkläre den Leuten mci
neu Kunstkniff!"
Und darum, Du Lump, bringst Tu
die ganze Gegend in Angst und Ent
setzen! Na wart, ich will Dir!"
Der Elown, der schon im Begriff
war, eine Leiter aus der Luke herunter
zu lassen, zog sie bei der Drohung rasch
wieder zurück.
Sie haben es mir versprochen ....
Sie haben es mir versprochen," jam
inerte er.
Was? Waö habe ich Tir ver
sprachen?" Mir nichts zu thun!"
Na denn, komm herunter, diesmal
soll es Tir gnädig ergehen."
, Tas mußte den Elown beruhigen,
denn er schob die Leiter wieder heraus.
stellte sie fest an und stieg herab.
So, nun vorwärts," rief jetzt der
Oberst. i
Und dabei ergriff er die Jammer
gestalt auch schon am Arm. schob den
Elown vor sich her bis zum Wagen, hob
ihn hinauf, sprang selbst auf und fort
gings im Galopp.
.
An dem Abend war im Schloß eine
große Zaudcrvorstelluiig. Jongleur
Kunststücke, Bauchreden, und was es
sonst noch alles giebt.
Bobo übertraf sich selbst. Er ahmte
den Geschützdonner nach, den Schrei
einer Mcnschcnstimme, er zischte wie
eine Schlange, grunzte wie ein Schwein,
sang wie eine Nachtigall nnd an
der Wand ließ er eine phantastische.
schreckliche Rlclciiuand. eine tyeiier
Hand mit Phosphor gezeichnet .
erscheinen.
Aber diesmal jubelte die Kinderschaar
in hcllein Entzücken. Nur zivcl waren
unzusrieden, und das war Justin, der
Kutfchcr, und Bobo selbst, denn mit
dem Kauf des ..Spukhauses" war es
vorbei, dazu reichten seine Ersparnis
nun nicht.
3m (5ral
Nach dein Französischen vo ii-illidrn !Ial
Es giebt keine ernsthaften Duelle
mehr," sagte Einer aus unserm kleinen
Kreise; man ritzt ich ein wenig, drei
Tropfen Blut, und dann geht man
frühstücken."
Tas Tuell ist, wie es heute qchand
habt wird, ein Scherz!"
Ober ein Unfug!"
Ter Toctor Gartcl, der bisher zuqc
hört hatte, ohne an der Unterhaltung
thcilziinehincil, was niemanden wun
derte, denn er war nicht redselig, erhob
den Kopf und murmelte:
Glauben cicr Und ich sage
hnen", sagte er dann in recht klarem
Tone, daß es sehr ernste Duelle
giebt daß ein Mensch getödtet wer
den kann, daß er, obwohl einer ausge
zeichneten Familie angchörig. obwohl
er Freunde hat und sogar mit Beamten
Beziehungen unterhält, auf immer ver
chwlnden kann, ohne daß icniand weiß,
was aus ihm geworden lst."
Aber der Leichnam mutz sich doch
irgendwo befinden?"
Gewiß."
Nun, Doctor. wir sehen an Ihrem
Genau, daß Sie uns irgend eine
tragische Geschichte zu erzählen haben;
lassen Sie uns nicht schmachten, als ob
Sie ein Romanschriftsteller wären; also
her mit der Geschichte."
Der Toctor fuhr sich mit der Hand
über die Stirn und sagte:
Hören Sie alio."
Wir zündeten uns eine Eigarre an
und setzten uns bequem zurccht, um zu-
zuhören.
Wie lange es her in, begann der
Toctor. kann ich Ihnen nicht sagen;
ich erinnere mich nicht mehr genau . .
Toch es ist lange, lange her, nehmen
Sie an, 25 bis 3 Jahre, . . . Wo sich
die Geschichte abgespielt hat? Bei den
Wilden von Nyanza? Bei den Roth-
häuten? Nein, mitten in Frankreich. . .
Tennoch werde ich Ihnen den Nainen
der kleinen Stadt verschweigen. Suchen
Sie auf der Karte Frankreichs... die
kleine Stadt befindet sich ganz in der
Nähe einer medicinischen Facultät...
In der fraglichen kleinen Stadt
arbeiteten zwei Studenten, die in dem
selben Alter standen und sich wie Brüder
liebten, fleißig zusammen, uni den Titel
Arzt zn erwerben, der ihnen als eine
E'cwähr künftigen Glückes erschien.
Tas letzte Jahr ihrer Studien ging
zu Ende; ihre Prüfungen waren glän
zend gewesen, und es genügte eine
leichte Anstrengung, um das Ziel zu
erreichen, das heißt, die Erwerbung des
Tiploms, welches ihnen gestattete, un
gehindert ihre Arbeiten fortzusetzen und
sich für das Wohl der Menschheit
Praktisch bethätigen zu können.
Ich wiederhole Ihnen, es waren
zwei Freunde. Wie kam es nun, daß
diese Freundschaft sich eines Tages in
Haß wandelte? Wie kam es. daß sie.
am vorigen Tage noch so freundschaft-
lich verkehrte, bittere vcindc wurden ?
Ein tiefer Moralist hat gesagt: Suchet
das Wcib", und immer hätte man es
auch diesmal gefunden.
Wer sie war. ob sie die wüthende
Rivalität verdiente, die die beiden
Brüder getrennt hatte? Was thut das?
Ein Weib ist für die, die sie lieben,
stets das erste unter allen.
Ein wüthender Haß trat an die
Stelle dieser Freundschaft; doch mit
einer gewissen stillschweigenden lieber
einstimmung verbargen sie ihil ent
schloffen allen Augen.
Wie früher, so sah man sie auch jetzt
zusammen; zusammen schlössen sie sich
in das Laboratorium ein. zusammen
begaben sie sich in die Klinik.
Eines Tages wandten sie sich an
vier ihrer Eollcgen, Studenten wie sie,
nnd erklärten ihnen Folgendes: Sie
haßten sich tödtlich, niemand brauche
die Ursache dieser Antiapthic zu kennen,
die wie ein unheilbarer Wahnsinn in
ihnen schlummerte; einer von beiden
war zu viel auf dieser Erde, sie waren
entschlossen, ein, Duell alif Leben und
Tod auszukämpfen.
Gerade damals verfolgte das Ge
richt sehr eifrig die Duellanten, was.
wie Sie ja wohl wissen, zeitweise vor
kommt. Tie beiden Tucllantcn, die die Ein
würfe der Zeugen fürchteten, hatten
diesen Fall vordergesehen: es handelte
sich darum, sich an elnem isnc zu
schlangen, wo jede Neugier ausgeschlos-!
sen war; außerdem mußte der Leichnam
man zweifelte nicht, daß einer au
dem Platze bleiben würde vcrschwin
den. ohne daß die Aufmerksamkeit der
Behörde erregt würde.
Tie Sache ging folgendermaßen zu
An einer Mnternacht gegen zwe
Uhr Morgens verließen die sechs jungen
Leute die kleine Stadt, ohne daß jemand
ihr Fortgehen bemerken konnte. Tie
Zeugen verbargen in ihren Mänteln
elwas, und vlc es llwas waren leine
Tegcn.
man chiug abgelegene Pfade ein
auf denen man mit Sicherheit niemand
begegnete, und erreichte so das kleine
Törfchcn .V.
Man befand sich gerade am Fuße der
KirchhofSmaucrn. die ganze Gesellschaft
war jung und behend, und außerdem
war die kleine Klcttcrübung nicht be
sonders schwer. Bald befand man sich
Innern deS Kirchhofes.
Tas Schauspie! war wirklich roman
tisch.
Beim ersten Schein des Tageslichter
trafen die weißen Gräber wie Gespen
ster mit ausgebreiteten Armen aiiS dem
Morgennebel hervor; die Holzkrcuze
bildeten schwarze Flecken. Man wählte
einen Ort, wo in absehbarer Zeit keine
Beerdigung stattsinden würde, das ließ
sich aus der Anlage der Alleen leicht er
sehen. Als man sich dann über den
Ort geeinigt, zogen die vier Studenten
unter ihren Mänteln die paten her
vor, die sie dort verborgen gehalten
hatten, und singen an, ein Grab zu
graben.
Nach einer Arbeit von zwanzig Ml
nuten war ein zwei Meter langes und
ein Meter breites Grab hergestellt.
Tie beiden ,veinden schlugen icdcn
Vcrsohnungsver uch ab und übergaben
den Zeugen jeden einen Brief, der erst
nach dem Tode eines von ihnen gross
nct werden sollte.
Nun entkleideten sich die Gegner bis
zum Gurtet ; es dursten keine blutbe
fleckten Kleidungsstücke übrig bleiben.
Tann gab man ledern ein Mei er in
die Hand, und sie sprangen in das
offene Grab.
Wie sie sich einer auf den Anderen
kürzten, wie sie sich umschlangen, tvic
sie wahnsinnig, von der Wuth verbleu-
det, aufeinander losstießcn, das wußte
niemand, denn sie wußten es in diesem
Anfall von Wuth selbst nicht.
Plötzlich sagte einer von ihnen mit
röchelnder Stimme :
Er ist todt !" Er" war der Andere!
Er war der Sieger, war am Leben,
während der Andere zusainmengesunlen
in einer Blutlache dalag.
Er mußte verschwinden. Ter Eine
der Studenten stellte den Tod fest
dann schaufelte man das Grab zu, trat
es fest und kehrte in die Stadt zurück.
Am nächsten Tage erhielten die Eltern
des Todten einen Brief, in welchem er
ihnen mittheilte, daß er feit langer Zeit
den Wunsch gehabt habe, fremde Län
der zu sehen, nach dein nächsten Hafen
abreise mid sich nach einein Orte ein-
schiffen werde, den er erst nach seiner
Ankunft bekannt geben werde.
-freie Nachricht naven die armen
Eltern nie erhalten.
ttt erstkRsma.
Madchen, Mädchen, laß das Weinen,
Sei geduldig, hoffe still.
Wenn man grausam dir auch deinen
Heißgeliebte. nehmen will.
Tenke nicht, nun sei beendet
Deiner Liebe süßer Wahn ;
Daß dein Glück sich plötzlich wendet,
Ist der Ansang zum Roman.
Nur nicht allzu früh getrauert!
In Romanen tröste dich
Wenn'S auch noch so lange dauert,
Kriegen sie am Ende sich.
Sipsel d iti'lrVit.
Wir sind verloren," rief der Kapi
tan, das Schiff hat ein Leck und muß
in zehn Minuten untergehen; rette sich,
wer kann!"
Tie Rcttinigsboote wurde herabge
lassen und füllten sich schnell ; die übri
gen Passagiere machten sich sprung
bereit. Zu diesen gehörte eine jung
verheiratete Tauie. die im Moment
der höchsten Noth sagte: ..Ach. lieber
Franz. sich doch einmal, ob mein Rct
tungSgürtcl gerade sitzt!"
Im ersten Schrecken I
Zivci Offiziere, die zur Manöverzeit
beim Adlcrivirth einquartiert find, ha
ben sich zu Mittag zwei Beefsteaks be-
stellt und sind eben im Begriff, sich zu
Tische zu fetzen als Alarm geblasen
wird. Sie nehmen sich deshalb nicht
mehr Zeit zum Essen und stürzen da
von. Nach einer Viertelstunde aber
kehren sie zurück, weil sich die ganze Gc
schichte als blinder Lärm herauSgestegt
hat, und sagen zum Adlerwirth, er solle
fetzt d,ie Beefsteaks austragkn lassen.
Ter aber steht da wie die Butter an der
Sonne und erwidert: Tes thuat m'r
loid, Ihr Herra, aber BeesstcakS geit'S
koine ich'! Dia hau' n e scheint'
im erst Schrecka selber 'gcssa!"
Der zerstreute GerichtsrvUzielier.
Gerichtsvollzieher (der sich vergeblich
noch pfändbaren Sachen umsieht):
Aha, wenigstens etwas, einen Stock
mit silberner Krücke!" (Er klebt feine
Marke darauf und will sich empfehlen.)
Wo ist denn mein Epazierstock?"
Student: Den haben Sie la eben
gepfändet!" '
Ein Dummcheii.
Vater (der sich von feinem Töchterchen
vorlesen läßt): Emma, du sollst nicht
eintönig, sondern mit etwas mehr
Nachdruck lesen."
Emma: Aber. Papa, hier oben in
der Ecke steht ja Nachdruck verboten"!"
Die Zuhörer dieser düsteren Geschichte
waren blaß geworden.
Aber der Andere?" fragte einer.
Der Andere, der am Leben qcblie
ben ist," versetzte der Toctor mit ernster
Stimme, war ich."
Und die Frau?"
Sie war eine Elende, ich habe sie
nie wiedergesehen !"
Brotlose Künste.
Tie brotloseste Kunst war im 1(
ayrynnoerl oie oemcye Malerei, imer
der namhaftesten Porträtmaler Nürii
berg's, Ehristoph Ambcrqer, den Karl
der Fünfte den, Titian gleichgestellt,
empfing im ayre imu von Dein jten er
für sein wohlgetroffenes Konterfei zehn
Gulden.
Der große Tizian Vecellio bckain da-
mals von den bekanntlich aufzerordent-
ich reichen nuqqern für alle seine
Arbeiten wahrend seines Aufenthalte
in Augsburg 5000 Uronen. Tas war
im Vergleich zu den Preisen, die man
in Berlin zahlte, noch fürstlich hononrt;
denn Kurfürst Joachim der Zweite von
Brandenburg gab scinkm Hofmaler für
drei Bilder die des Königs von
Frankreich, des Herzogs Alba und de
Kaisers Maximilian im Jahr 15(8
nur 4 Thaler 12 Groschen, wobei die
Arbeit selbst niit 18 Groschen berechnet
war, während die Hauptsuinme auf die
Kosten der Einrahmung nnd des Ma
terials entfiel.
Theure Bücher.
Vor einigen Wochen wurde aus der
Sotheby'schen Bücher-Auktion in Lon-
don ein Exemplar der ersten olio-
Ausgabe der Shakespeare'schcn Werke
von 1623, obgleich nicht gut erhalten,
für 31 Pfd. Sterling verkauft. Ein
Exemplar der zweiten volio-Aiisgabe.
gleichfalls nicht gut erhalten, brachte 22
Pfd. Sterling 10 l-:I,illlng und die
erste Ausgabe von Lord Tennysons
Gedichte, meistens lyrische. (lbW)"
brachte 10 Pfd. Sterling.
j?lappmänlchen.
Dame (welche Nachbarskinder bei sich
zu Besuch hat. als die Hausglocke er
tönt): Ach. das Klingeln macht mich!
immer so nervös."
Ter kleine Kurt: Kommt bei uch
denn auchder Gerichtsvollzieher.Tante?" j
verblümt.
Mann: Wann war das, wie der
Onkel zuletzt hier war?"
Frau: Ach, das ist ja eine Ewigkeit
her. . . .Das war, wie ich meinen letzten
neuen Hut gekriegt habe!"
Zu knickrig,
Fräulein A.: Herr Krüger hat mir
rtiif iinor irtstfrtrli imttoi Cviirrt tfiä-fc.
VMIV, yvtwtv VMIVtt 1 V f
Antrag gemacht!"
Fräulein B.: Hast Tu ihn ange
nommen ?"
Fräulein A.: I Gott bewahre! Wie
werde ich denn einen Menschen heira
theil, der noch nicht mal 5 Eents für
mich ausgiebt, ja wenn's noch 'ne An-sichts-Karte
gewesen wäre!"
Zerstreut.
Ter Musik-Professor Klimperte, vor
einem dicht gedrängten Publikum spie
lend, schnellt mit einem Male in die
Höhe und eilt zur Thüre des Saales,
an der er horchend stehen bleibt. Was
ist Ihnen, Herr Professor?" frägt ein
Herr. Nichts, ich will nur hören,
wie sich mein Spiel von Weitem aus-nimmt."
Geistesgegenwart.
Fräulein: Sie sind also bei dein
Eisenbahnunglück dabei gewesen?"
Literaturprofessor: Allerdings; ich
fuhr ja in dein Perfonenzug, der mit
dem entgegenkommenden Schnellzug zu-
fainnienprallte. Gott, var das ein
Stoß, es war. als wollte die Wett aus
den Fugen gehen."
räulein: Was dachten Sie denn
da im ersten Moment?"
Prosesfor: Ich dachte mir: wie
recht hat doch der Tichter. der sagt:
Leicht bei einander wohnen die Ge-,
danken, doch hart im Raume stoßen sich
die Sachln! '
Iveibliche Rache.
Frau Berqheim hat versucht, der
Frau Thalheim die Köchin fort zu en-
gagiren, und Ijat diese uchenbeherr
scherin stets aufgesucht, wenn sie wußte,
daß Frau Thalheim ausgegangen war.
Als sich die beiden Damen das nächste
Mal bei rau Braunfels treffen, nimmt
Frau Thalheim keine Notiz von Frau
Bergheini, bis Frau Brausfels erstaunt
fragt: ,,a, Frau Thalheim. kennen
ie denn rau Berghemi nicht?"
Nein," versetzte die Gefragte, aber
ich glaube, sie besucht manchmal meine
Köchin."
In der uchladluiig,
Tienstmädchen: Um einen Briefstel-
ter thüt' i' schön bitten, aber uin einen
recht groben, damit , meinem Geliebten
die Wahrheit sag'!"
In der Rage.
Reisender (einem Kaufmann seine
Artikel anbietend): Kaufen Sie doch
von uns. unsere Artikel sind über die
ganze Welt und noch weiter verbreitet!"