Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, January 19, 1899, Image 9

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    vEpbraims Marter.
5,!ilung au dki iaiiniooi von Z.
a r i n q o - o u I d.
4 Ein wenig seitwärts von dem Pfade,
öcr nach Widecombe im Tarlmoor
führt und der sich von der Hauvtschlag'
vier des Verkehrs, die von Zavistock
nach Morctoi, amvllcad no von dort
nach Eretcr gcht. avzwclgi. Iiel -mitten
in der Cebe ein aller (inte
hof. Riiniiaae acnannt.
. Tie Insassen dieser alten Höfe sind
Vcynslcute deS Prinzen von Wales und
erfreuen sich laut herkommen wichtiger
Rechte. Ter Erde eines jeden von
ihnen bat bei, Zode cincS jeden Päch
ters herkömmlich das Privileg, acht
Morgen Waldes oder wüsten Bodens
einzuhegen, dafür zahlt er einen Lhil
ling jahrlich an die drei federn (die
drei Strauhenfedern des Prinzen von
Wales mit dein Motto: Ich dien) nd
diese (Zinhegung heißt Neuland. Kein
Wunder, daß das Hcrzogthum alles
Mogllche thut, sich von etese erove
rungSlüstcrnen Nachbarn zu befreien
Die Ncnlandmauern haben die Zcrstö
rung der rohen Stciudcnkmaler bewirkt
Alleen von ausrechten Steinen. Stein
kreise, heidnische Opferaltare und
Hünengräber sind unbarmherzig als dc
queme Steinbrüche geplündert worden
in Mir hii-lcn Äiillc'n sind die mächtig
sten der aufrecht stehenden Steine zu
.yorpseUern genommen, oocr ais
Brücken über Mühlgräben und Flüsse
gelegt oder sind dazu verwendet worden,
Schuppen zu stützen; für die kleineren
Steine, die vielleicht das Gedächtniß
irgend eines unbedeutenden Stammes
aenos cn bewahrten, sind steyen geölte
ben. während der aroke Menhir, der
dem Häuptling z Ehren gesetzt ward
verschwunden ist.
Hier in Runnage lebte einst ein
wohlhabender Pachter, Quintin Cree
der, der an die Krone eine kleine Ab
gäbe zahlte und seine Schaf, Rinder,
und Pferdezucht mit Erfolg betrieb.
Er baute wenig Korn und jpg keine
Rüben. Es gab für sein Vieh stets
Gras oder Heu. Nur wenn der Schnee
hoch die Erde bedeckte, nahm er den
Heuschober in Anspruch. Das wenige
Korn, das er baute, war Roggen und
wurde für das Hausbrod verbraucht.
Quintin Erccber hatte eine Tochter.
Erteil ic oder wie sie stets acnannt
wurde, (ülli), eine hübsche Dirne mit
einem Gesteht gleich der reisen Apnioie,
sehr großen, sanften, braunen Augen
und dem reichsten, kastanienbraunen
Haar. Sie war geschmeidig, kräftig
und energisch; sie war Quintin's ein
ziges Kind, seine drei Söhne waren
todt. Eilly war mithin Quintin's
Erbin, ihr mußten nach des Vaters
Tode Runnage, seine Ersparnisse und
das Recht, weitere 8 Morgen Moorland
ttt Besitz zu nehmen, zufallen.
Nach dem Verlust seiner Söhne hatte
Quintin einen gewissen Ephraim Wcekcs
in Dienst genommen einen breit
schultrigen. ' starkgebautcn, jungen
Mann, der als Erbauer von Neuland
mauern berühmt war. Ephraim hatte
eine wunderbare Gcschicklichkeit, Gra
nitmasscn fortzuschaffen, die drei ge
wöhnliche Männer nicht von der Stelle
zu rücken vermochten. Es wäre Alles
Spielzeug sagte er, es würde Alles
durch Hcdelkräft gethan. Ohne andere
Mittel als regen Verstand und eine
aus der Erfahrung gewonnene genaue
Schätzung der Lasten und Kräfte war
Ephraim im Stande. Blöcke fortzu
schaffen, und an Ort und Gtclle zu
bringen, die zwei oder selbst drei andere
Münnernicht angerührt hätten. Er
war kein großer Mann, aber er war
prächtig gewachsen und proportionirt.
Er hatte blondes Haar und graublaue
v Augen, ein ernstes, bescheidenes Wesen
und eine entschiedene Sprache.
Ephraim war der jüngere Sohn
eines kleinen Pächters in Walna. einem
Hause mit einem Stück Land, das von
Runnagc irgend wann abgetrennt wor
den war. Walna konnte nicht vier Per
soncn neben dem Pächter und seinem
Wtzibe ernähren, daher war das
Jüngste. Ephraim, gezwungen, außer
halb'des Elternhauses Arbeit zu suchen,
und man hatte ihn zum Ausbessern
eingefallener Mauern und zum Bau
neuer verwendet, bis Quintin Ereeber
ihn als Knecht auf seinen, Hofe an
" nahm. Nicht einen Augenblick war
A dem Besitzer von Runnage der Kcdanke
gekommen, daß dies zu etwas Anderem
als dem geschäftlichen Verhältniß zwi
sehen Herrn und Arbeiter führen könnte,
daß es möglich wäre, daß Ephraim
seine Augen zu Eilly erheben und seine
Tochter sich erniedrigen könnte, den
Knecht zu lieben.
Zwar standen in Bezug auf Abstam
mung die Erecbcr's und die Weekcs
auf gleicher Stufe, aber ein Moor
bcwohncr ist ein zu praktischer Mensch,
um die Abstammung in Betracht zu
ziehen, er sieht auf Stellung, auf Geld.
Der ttatte. den er für seine Tochter im
Auge hatte, war ein Mann, der Eapi
tal'bcsiß. mit dem die Hülfsqucllcn
des Kutcs entfaltet, die Nculändcreicn
vergrößert, der frische Boden beackert.
Pferde von guter Zucht gekauft und die
doppelte Zahl Ochsen, die vierfache an
Schafen auf dem Hofe und dem Moor
land, das ihm als Gcmcindcwcide zur
freien Verfügung stand, gehalten wer
den konnten. Quintin würde sich wohl
bedacht haben. Killeas Weckes, dem
ältesten Sohn seines Nachbars in
Walna. einen hübschen Burschen, der
stets ein Lied oder einen Scherz auf der
Zunge hatte, der gern mit den Dirnen
Der Somlagsgast.
Jahrgang 11).
Beilage zum Nebraöka Ztaats-Anzeigcr.
No. 35.
schäkerte und sein Glas in der Schanke
liebte, in Dienst zu nehmen. Aber
mit Ephraim "war es ganz anders.
welche Dirne würde sich um ihn, den
schlichten, stillen Menschen kümmern,
in dem keine Spur von Leichtfertigkeit
und von Possenreiflercl steckte, der nie
einen Scherz machte oder verstand!
Eill war siebzehn Jahre alt. als
Ephraim, ein Mann von 23 Jahren.
in den Dienst bei Quintin Erccber
trat. Er diente treu sieben Jahre und
gab dem Pächter niemals Ursache, ihm
Unthatigteit vorzuwerfen, er war stets
gelehrig, gefallig und slciszig. Sold)
eine Vereinigung von Geschicklichkcit
und Nüchternheit war anderswo nicht
tu finden. Ereeber pries sich glücklich.
solch einen Kuccht zu haben. Ephraim
leistete mehr als zwei andere Männer
und bat n:c um Lohnerhöhung und
murrte nie über die Ausgaben, die ihm
übertragen wurden.
Als die sieben Jahre um waren,
war Eilly 24 und Ephraim 30 Jahre
alt. Es waren Bewerber um das
Mädchen gekommen, unter ihnen der
älteste Sohn des Pachters Weekcs. der
lustige. hübsche Killeas. Sie hatte ihn
abgewiesen. Der junge Pächter von
Bclever hatte um sie angehalten und
hatte einen Korb bekommen, zur hoch
sten Verwunderung Quentin's. Jetzt.
da die sieden Jahre um waren, sagte
Ephraim in seiner gewöhnlichen, ruhi
gen. gelassenen Weise zu dem Besitzer
von Runnage: Herr, ich und Eure
Eilly, wir lieben uns und wir vcr-
trauen darauf. Ihr werdet uns zusam
menqcben. Was sagt Ihr dazu.
Herr?"
Quintin starrte ihn an, trat erstaunt
zurück nnd blieb drei Minuten lang
stumm, um sich Zeit zur lleberlegung zu
lassen. Er wollte nicht gern einen
tüchtigen Knecht verlieren. Er dachte
nicht daran, ihm seine Tochter zu geben.
So sagte er : Bah. Ihr seid beide zu
jung. Wartet weitere sieben Jahre,
und wenn Ihr dann gleichen Sinnes
seid. Tu und sie, dann sprecht wieder
davon. Ephraim nahm Quintin beim
Wort, ohne Einwendungen zu machen,
ohne einen Versuch, ihn zu größerer
Nachgiebigkeit zu überreden.
Er blieb weitere sieben Jahre.
Dann war Eilly 31 und er 37 Jahre
alt. An demselben Tage, an welchem
er vor 14 Jahren in Runnage antrat,
genau als die sieben Jahre um waren,
nach deren Ablauf Pächter Quintin ihn
seiner Anacleaenheit wieder vorzubrin-
gen geheißen hatte, suchte Ephraim ihn
in der Absicht auf, von Neuem nm litut)
zu werben. Seine Liebe zu ihr war
unerschuttert geblieben, tete yatte
jeden freier abgewiesen seinetwegen.
Er fand den Alten in der äußeren
Scheune oder dem Hausflur, wo er
eben dabei war. einen Sack mit Rog
gen zu füllen.
..Höre Ephraim." sprach er. als
Weckes eintrat, da ist das Pferd lahm
geworden, und wir haben kein Mehl.
Was ist zu thun? Eilly sagt mir, daß
kein Krume Mehl mehr im Kasten
ist, und sie möchte gerne backen."
Herr." sagte Ephraim, ich habe
gewartet diese zweiten sieben Jahre,
wie Ihr verlangt habt. Tie Zeit ist
heute um. Ich und Eilly haben un
sere Gesinnung nicht geändert, nicht ein
Bischen. Wir find ganz dieselben ge
blieben und lieben uns nur noch tau
sendmal mehr, als wir es je vorher tha
ten. Wollt Ihr sie mir nun geben ?"
Lieh her. Ephraim. Trage diesen
Sack Roggen auf Teinen Rücken zur
Widccomdc-Äüihlc nnd bringe ihn voll
Mehl zurück so will ich Tir das Ja
wort geben."
Tarauf ging er eilig hinaus.
Er hatte dem Manne eine ganz un-
mögliche Ausgabe gestellt. Es war fünf
englische Meilen bis zur Mühle und der
Weg bergig. Aber er war ihn los ge
worden das war die Hauptsache.
Im Zimmer befand sich Eilly. Sie
hatte alles gehört.
Sie kam heraus, sie sah, wie Eph-
raim den Sackhals zusammenichnürte.
Hilf ihn mir auf den Rücken. Eilly."
agtc er ruhig.
'Eph, das ist nicht Tein Ernst. Tu
kannst es nicht thun! Es ist viel, zn
schwer."
Er hat ckesagt: trage diesen Sack
zur Widccombc-Mühle und bringe ihn
voll Mehl zurück, und Tu sollst sie
haben."
Es war an -cherz. Eph !"
' Ich verstehe keinen Scherz. ' Er hat
o gesagt. Er ist ein Mann von Wort,
offen und ehrlich."
Eilly hals ihm den ack auf den
Rücken. Aber das Herz wurde ihr
schwer.
Eph." sagte ne. mein Vater aqte
das nur. weil er wußte, daß Du es doch
nie ausführen könntest."
Ich kann es aussnhren wenn ich
Tich vor mir sehe."
Er war stark, breitschultrig, und er
ging mit seiner Last davon.
Eilly sah ihm in Zweifel und Tor
gen bange nach.
War es möglich, daß er Widecombe
mit solcher Last erreichen konnte? Nnd
wenn er die Mühle erreichte, würde er
den Sack mit Mehl zurücktragen kön
nen? Sie folgte ihm mit den Blicken
den Hügel hinab und über den Walla
dach, der seinen Namen Walna ihres
Vaters Hof gegeben. Tann kam ein
Anstieg und sie sah in sich den Hügel
von Sousson-Moor hinaufarbeiten mit
den Sack auf dem Rücken.
Hatte es einen Zweck, daß er sich
dieser fürchterlichen Anstrengung unter
Zog? Wenn ihr Vater seine Einwilligung
zu gebe, beabsichtigte, würde er sie ge
miß nicht von der Durchführung einer
solchen Aufgabe abhängig gemacht
haben. Wenn er beschlossen hatte. Eph
raim zu seinem Schwiegersöhne zu
machen, würde er ihn gewiß nicht einer
solchen Mühsal ausgesetzt haben.
War es nicht wahrscheinlich, daß
Ephraim, indem er sich an diese un
mögliche Aufgabe heranwagte, sich einen
schweren Schaden zuziehen würde?
Eäcilie kannte die Entschlossenheit,
die Liebe des stillen, starkherzigen Man
nes, sie war überzeugt, er würde sich
unter seiner Last abmühen, die steilen
Hänge hinaufarbeiten kämpfen, mit
fliegendem Athem, mit keuchenden
Lungen und zitternden Muskeln, hinan
zur Höhe der großen Kuppe von Hain
lcdan er würde sein Ziel verfolgen,
bis die Natur versagte. Und wofür?
Sie theilte nicht fein Vertrauen
auf die Redlichkeit ihres Vaters.
Sie schaute Ephraim nach, bis die
Thränen ihre Augen so" verdunkelten,
daß sie nicht mehr sehen konnte.
Stunden vergingen. Der Abend
brach herein und Quentin Ereeber kam
nach Haufe. Wo ist Ephraim?" fragte
er. Tie Stute muß ein Blasenpfla
stcr bekommen sie kann einen Huf
nicht auf die Erde setzen."
Ephraim ist nach Widecombe gegan
gen," antwortete Eäcilie.
Nach Widecombe? Wer gab ihm
die Erlaubniß?"
Vater, Ihr trugt ihm selber auf,
den Sack hinzutragen."
Der alte Ereeber stand starr.
Den Sack mit Roggen zu tragen!!
Es war ja Unsinn. Ich meinte es
nicht ernst Es war eine Abferti-
gutig. Er kann es gar nicht vollbrin
gen. Kein Mensch kann es! ' Er wird
den Sack unterwegs abwerfen und ohne
ihn zurückkommen."
Das wird er niemals thun. Vater."
Quintin Ereeber war sehr verblüfft.
Der Mann hatte ihn beim Wort ge
noinmen! Er hatte das Unmögliche
versucht. Nun, das hatte für ihn den
Vortheil, daß. wenn Wcekes ohne Mehl
oder Roggen zurückkehrte, er. Quintin,
ihn auslachen konnte und zu ihm sagen
durfte: Du hast die Bedingung nicht
erfüllt, also keine Eäcilie für Dich."
Quintin Ereeber verließ den Hof
und ging den Weg nach Widecombe zu.
Pah." sagte er. Der Mensch ist
ein Esel. Er konnte es nicht. Er
hätte das einsehen und nicht erst der
suchen sollen."
Während er so zu sich selbst sprach,
sah er im Abendscheine über Soussen
Moor eine Gestalt den Pfad oder die
Landstraße hinabsteigen.
Meiner Treu." sagte der Pächter,
das ist Ephraim. Er kommt erschöpft
zurück. Auf halbem Wege umgekehrt.
Wie dcr Bursche taumelt.'. . . 'Wahr
haftig. er liegt am Boden, er ist über
einen Stein gefallen! Die Last ist ihm
zu schwer beim Abstieg. Wahrlich,
wenn ich, nicht wüßte, daß er mäßig
ist wie wie keiner ernst auf dem
Moor, ich würde behaupten, er wäre
betrunken, so schwankt er Jetzt ist
er an dcr Brücke Aha, er hat den
ack abgesetzt und lehnt den Kopf
gegen ihn. Ich glaube, er ist bis zum
iode er chopst. Ter Thor, dcr! Er
hätte sich fazen können, daß ich es
durchaus nicht ernst meinte. Was
er kommt wieder auf? Bergan? Das
wird ihn hart mitnehmen'.' Bei Gott,
eine Schnecke geht schneller. Er muß
alle drei Schritt halten Er darf
den Sack nicht absetzen er würde
ihn nicht wieder auf den Rücken betörn
mcn Da ist er auf ein Knie ge
funken kniet er, um zu beten oder um
Athem zu schöpfen? Er ist wieder auf
und kriecht weiter. Bei Gott, ein hüb
schcs Stück Arbeit, diesen steilen Auf
stieg mit einem Sack Mehl auf dem
Rücken und vier bis fünf Meilen hinter
sich."
Der Pächter beobachtete den Mann.
wie er sich den Weg, Schritt für Schritt,
hinaufarbeitete, es sah aus. als ob
jeder der letzte sein und Ephraim beim
nächsten zusammenbrechen müßte. In-
dessen quälte er sich langsam weiter
bis cr zu Quintin emporkam. Dann
sah der Landmann sein Antlitz. Eph
raim war abgemagert, seine Augen
traten aus den Höhlen empor, er ath
mete rauh wie ein Schnarchender und
Schaum stand vor seinem Munde.
Quintin Ereeber legte die Hand unter
den Sack.
Bei Gott." sagte er. Mehl."
Er war so. Der Mann hatte die
Last Roggen zur Mühle geschleppt und
war mit der gleichen Last von Mehl
zurückgekehrt.
Den Sack ein wenig stützend, bcglei
tcte der Pächter seinen Knecht, wah
rend dieser vorwärts stolperte, von dcr
Landstraße abwich und dcn Pfad nach
Runnagc einschlug. Ephraim konnte
nicht sprechen. Er schaute mit feinen
großen, hervorquellenden Augen auf
den Herrn und bewegte die Lippen,
aber Schaum, nicht Worte kamen über
sie. Sie waren purpurroth. rissig und
blutig.
So gingen sie weiter, bis sie den Hof
erreichten.
Dann ließ in dem vorderen Raum
Ephraim den Sack ohne ein Wort her
abgleiten und sank gegen ibn und
deutete auf Eilly, die in der Thür cr
schien. Dummes Zeug," sagte Quintin
unwirsch. Du. warst doch nicht solch
ein Narr. Dir einzubilden, daß Tu sie
wirklich bekämst? Sie ist nicht für
Dich obgleich Du den Sack fortge
schafft und wieder zurückgebracht hast.
Taraus wird nie etwas!"
Ter ?.'cann konnte nicht mehr spre
chcn. Er sank, glitt nicder und fiel
schwcr von dcn Sack, der ihn ein wenig
aufrecht hielt. Sein Haupt sank vorn
herab auf die Brust.
Blick auf, Ephraim. Sei kein
Narr," sagte der Bauer.
Er blickte nicht mehr auf. Er war
todt.
Nachbemerkung. Auf der alten Gene
ralftabskarte von 1806 war die steile
Anhöhe, auf der Weckes seinen letzten
Aufstieg machte, noch mit dem Namen
Ephraims Marter" bezeichnet; auf
der neuen von 10 fehlt die Bezeich
nung
Der vergessene Vrief.
Aus dein itben des Professors Eustachius
Schlauberger. Humoreske von Fr. W.
Da hätt' ich beinahe vergessen, an
Fanny zu schreiben, füge doch rasch ein
paar Worte an. Du weißt, wenn wir
ihr nicht zum Hochzeitstag aratuliren.
dann laden sie uns in den Fcricn nicht
aus ihr Gut. Das Bcste ist. Du
nimmst den Brief gleich mit. wenn Du
fortgehst und wirfst ihii in den Post-
taten."
Frau Professor Schlauberger sprach
diese Worte zu ihrem gelehrten Ehe
galten; der nahm die Feder, kratzte sich
hinter dem Ohre und schrieb dann unter
den ihm von seiner Frau vorgelegten
Brief ein paar Worte. Hierauf legte
er den Brief beiseite, damit das Ge
schrieben? trockne. Das war der Frau
Professor zu bedenklich, sie trocknete die
Schrift mit einem Löschblatte, faltete
den Brief, steckte ihn in den bereitge
haltenen Umschlag, klebte zu und legte
den Brief vorsorglich auf ihres Mannes
Schulbücher.
Nimm ihn ja gleich mit, sonst
kommt er zu spät an," ermähnte sie
nochmals, und mit einem Ja, la. ich
werde schon!" beschwichtigte sie Herr
iöustachius.
Bald nachher ging er zur Schule.
Auf der Treppe stccktc er den Brics in
die Brusttasche und ging an dem Post
kästen vorbei, ohne an den Brief zu
denken, dcr unberührt in der Tasche
verblieb.
Während des Unterrichts kritzelte ein
Schüler auf einem Blatt Papier herum,
statt auf die Rede des Professors zu
achten.
Was schreiben Sie denn da?" fragte
dcr Professor listig.
Einen Liebesbrief." antwortete eine
Stimme aus dem Hintergründe.
Dem Professor kam es'vor. als sei es
sein Stichwort, es fiel ihm mit einem
Male sein Brief ein; er suchte ängstlich
in seiner Tasche richtig, da war dcr
Brics noch. Er legte ihn vor sich auf
sein Pult, um ihn diesmal nicht zu vcr
gessen. Beim Nachhauscaehen trug cr
ihn in der Hand.
Mit einem Gefühl der Genugthuung
stand er dann vor dein Postkasten und
hob dcn Brief zur Ocffnung.
Ta ging ein Bekannter höflich grüßend
vorüber; der Professor griff rasch, dcn
Gruß erwidernd, an seinen Hut. wobei
dcr Brief seiner Hand entfiel.
Herr Professor, Sie haben etwas
fallen lassen!" rief der Vorübergehende.
Ter Professor dankte, bückte sich, hob
den Brics auf. steckte ihn in sein Buch,
und ging befriedigt nach Hause.
Hast Tu dcn Briof besorgt?" fragte
die Frau Professorin.
Ja ich erinnere mich ganz genau,
denn eben als ich ihn in den Kasten
schob, ging ein Bekannter vorbei und
grüßte mich."
Entfetzt starrte der Professor auf den
Tisch, als er eine Stunde Stunde spä
ter in seinem Studierzimmer sein Buch
aufschlug, und den Brief vor sich liegen
sah. Er rieb sich die Augen, er wandte
den Brief hin und her, umsonst, Brief
blieb Brief, es war kein Wahn.
Und ich habe ihn doch in dcn Kasten
geworfen, ich hatte vor, dies zu thun,
ich müßte es gethan haben, wenn
wenn er nicht eben hier lüge." So
stöhnte er leise; dann führte er seinen
Scharfsinn ins Treffen.
Was thun?" rieth cr. gebe ich ihn
dcr Magd, so sagt sie es meiner Frau,
erfährt es aber meine Frau, so ist die
Hölle los; ergo tace, Eustachi!"
Und er sagte nichts. Er barg den Brief
zwischen seinen Büchern, und verbrachte
nach diesem Tage' eine schwere Nacht,
von unruhigen Träumen gequält, in
denen er sich steckbrieflich verfolgt sah
wegen Unterschlagung eines werthvollen
Briefes.
Am andern Morgen schob er den
Brief in seine hintere Rocktasche mit
den, festen Entschluß, ihn diesmal in
den Postkasten zu werfen, ging zur
Schule und hielt vor dem Kasten richtig
still. Zur Seite blickend, ob nicht am
Ende wieder ein Bekannter daher käme
und ihn unterbreche, griff er wechanisch
in seine Briisttasche. zog, ohne hin
zusehen, seine Zeitung' heraus und
warf sie in den Briefkasten.
Frohlockend ging er von bannen' mit
den Siegesworten: Jetzt ist er drin-
nen !"
Nichts störte seine Ruhe im Uitte
richt, und wohlgemuth begab er sich
wieder nach Hause und saß bald nach-
her eifrig in seinem Studirzunmer.
Bei der Arbeit wollte er sich einmal
etwas ausrechnen, er suchte nach einem
Stück Papier; endlich fand er ein fol-
ches in seiner hinteren Rocktasche. Er
bedeckte es mit Zahlen und Bemerkun
gen. Wer beschreibt sein Entsetzen, als er.
da die eine Seite voll war, das Papier
wandte und gewahrte, daß er den ver-
yangnißvollen Brief in der Hand hielt.
Seine Haare sträubten sich; da hörte
er oie schritte semer Frau, ra ch ver
barg er den Brief unter den Büchern
auf feinem Schreibtisch und vertiefte
sich in seine Arbeit.
Die Gefahr zog vorüber, und der
Professor dachte an nichts mehr als an
feine Arbeit,
Endlich, schob er die Bücher beiseite
und erhob sich, er sah ein mit Zahlen
bedecktes Papier auf seinem Tisch, und
mit den fröhlichen Worten So, das
brauchen wir nicht mehr!" zerriß er den
Brief und warf die Stücke in den
Papierkorb.
Es war einige Tage später. Herr
Eustachius kam wohlgemuth von der
Schule nach Hause er hatte heute we
nig Aerger gehabt aber bange ward
ihm zu Muthe, als er das Gesicht seiner
Gattin sah. Wie der Ruf einer Eule
klang ihm ihr Wort: Fanny hat ge
schrieben!" ..Ah.' ist sie krank, weil Du so betrübt
bist?"
Sie ist frisch und munter und
schreibt, daß sie uns für die Ferien
leider nicht einladen könne, da sich schon
andere Gäste gemeldet hätten, die sie
unmöglich" abweisen könnte.
Verstehst Tu das ?"
Ich begreife nicht!"
Mann! Eustachius!" Drohend
blickte sie ihn an. Hast Du den Brief
an Fanny auch richtig besorgt?"
Aber ich sagte Dir doch, ich habe 'ihn
in den Kasten geworfcn." erwiderte der
Professor triumphircnd.
Dann weiß ich nicht."
Ich auch nicht."
Wieder beraumen ein rrnnr nn.'
dumpfe, drückende Schwüle lag übe'
dcs Professors Sauswcscn. die' Krau
Professor ging umher wie ein zum
Sprung bereiter Panther. Und der
Sprung geschah; das Gewitter schlug
ein. es entlud sich über den ahnungs-
losen Profenor. als am Ende der mich
sten Woche die Magd dcn Papicrkorb
dcs Profcffors auslccrte und darin auf
einem Stück Briefumschlag eine noch
ungestempelte Briefmarke entdeckte, die
sie der Frau Professor brachte.
Die ,ixan Profes or Hatte kaun, ha
Bruchstück gcschci:, als ihr ein schreck
liches Licht aufging, eine Leuchte, ein
Feuerbrand, der das Haupt des armen
Professor traf und ihn aus feiner
Sicherheit aufschreckte. Die Standrcdc
abcr, die seine liebevolle Gattin ibm
hielt, bedrückte ihm lange Herz und
vieoaeyinin. uno er ließ künftig alle
Briefe von der Magd besorgen. ' Die
nrau Professor vertraute ilmi so wie so
keinen mehr an, denn die Folgen seiner
Zerstreutheit waren so schrecklich; btt
verlorene Ferienausentbalt schwebte
lange wie ein finsterer -schalten durch
alle liaiiölichen Unterbaltiingen. und gc
spensterhaft drohend stand lange, lange
vor dem Antlitz dcS Professors der
vergessene Brief.
iu der 2t)ult.
Bei einer Schulprüfung in B. geht
der Herr EommissariuS, nachdem er die
Garde der Klasse gemustert, zum
Schrecken des LehrerS immer weiter in
der Bantrcihc zurück und verschont auch
jene Bank nicht, die in ihrem land
lausigen Namen zoologische Anklänge
d. h. an die Benennung eines lang
beohrten Grauthiercs hat. Als er beim
letzten ihrer Insassen angelangt ist.
beugt der Lehrer vor es wird gerade
Rechnen geprüft indem erden Schüler
als absolut unfähig bezeichnet Zahlen
begriffe in sich aufzunehmen.
Giebt nicht. Herr Lehrer," meinte
der Prüfungscommissar, ich werde ent
wickeln."
Kleiner, wenn Du beute aus der
Schule kommst, hast Du Hunger. Was
verlangst Du von Deiner Mutter?"
Ein Stück Brod."
Das denke ich auch. Wieviel Stücke
verlangst Tu?"
Ein Stück."
Zeige inir es auch an Deinen Fin
gern, wie viele Stücke Brod Tu ver
langst!" Der Schüler zeigt es. richtig,
und dcr Herr Inspektor wendet sich zum
Lehrer: vchen Sie. schon der Zahlen
begriff eins!" Tarauf fährt er fort:
Morgen kommst Du aber nach Hause
und hast einen noch größeren Hunger
als heute. Ein Stück Brod reicht Dir
nicht. Deine Mutter giebt Dir noch ei
nes dazu. Wie viele Stücke Brod hast
Du jetzt?"
Zwei."
Zeige mir es an dcn Fingern.
Mache mir so viel Striche auf die Tafel,
als Du Brod bekommen hast!"
Alles geschieht richtig. Der Jnspector
lächelt den Lehrer an und spricht: Nun
weiter, aller guten Dingen sind dr "
bricht hier abcr rasch ab und fährt
sicgcsgcwiß in dcr Entwicklung fort:
Ein anderes Mal kommst Du aber nach
Haus und hast in der Schule noch Ar
rcst absitzen müssen, jetzt hast Du noch
mehr Hungcr und willst noch ein Stück
Brod mehr, als Du das letzte Mal be
kommen hast. Wie ' viel Stücke ver
langst Du?"
Keine Antwort.
Deine Mutter hat Dir noch ein
Stück mehr gegeben wie damals, als
Du zwei bekamst; wie viel Stücke hast
Du jetzt?"
Der Schüler bleibt abermals stumm.
Nach verschiedenen vergeblichen Fra
gen wendet sich der Gestrenge zuletzt in
ärgerlichem Tone nochmals an den
Knaben: Sage mir doch, wie viele
Stücke Brod Du jetzt hast; Jetzt hab
i grad gnua, war die Antwort.
Aus einer Kemeinderaths-Ditzung.
, Bäuerin: Wo willst Tu hin. Gott
fricd?"
Bauer: In de Gemeenderaths
Sitzung will ich."
Bäuerin: Sag' mal Gottfried, was
macht ihr denn do?"
Bauer: Na. was foll'n m'r mach'n?
M'r berothctt." '
Bäuerin: Aber wie fangt'r'n das
an?"
Bauer: Wie m'r das anfange? Do
schau! Dcr Vorstand trägt uns de
Sache vor un wir sagen Ja" oder
Nee". Sag'n m'r Ja", so is de
Sitzung aus un m'r gehen in die
Schank. Sag'n m'r aber Nee", so
setzt's uns der Vorstand fo lange aus
änandcr. bis m'rsch Alle verstehen, und
dann sagen m'r zr'letzt ooch Ja" und
gehn norr a bissell später in de
Schänk."
Anftage.
Sind Sie Raucher?"
Nein!"
''Verhcirathet?" . , ...
Auch nicht !"
Dann habcn Sie wohl, eine Ee
liebte?" , , Auch das nicht!" "
Trinken Sie?"
Schon gar nichts!" ,,,,
Sind Sie Tourist, Rennbahnbe
suchcr, Radfahrer?"
Alles nicht dcr Fall'. Abcr wcshalb
fragen Sie mich das Alles?" ,
Ach, wenn das Alles nicht zutrifft,
dann wird es Ihnen wohl nicht schwer
fein, mir zehn Dollars zu leihen!"
Aus dcr Schule.
Schnlrath: Mein Sobn. kannst Du
mir wohl sagen, wie arok unaefäbr ein
Rhinozeros ist?"
Knabe: So aron wie " istackt
verlegen)
Schulrath: Nun. Tu scheinst es ja
zu wissen, sag's nur heraus."
Kuabc: So groß unaciäbr wie
ich."
Schulrath: ..Was. wie kommst
denn auf diese Antwort?"
iavc: Ja. der Herr Professor sagt
immer, ein größeres wie ich, aäbc. is
nicht."
verf,-lsites Mittel.
Sanitätöratli: ..Gnädim Tiran iir,?,.
chcn kein Bad zu besuchen! Ich werde
iiuen ,cpi eine ccdicin verschreiben
die macht Sie mit einem Schlage ge
sUNV!
Frau Oekonomieratb lfür stch: b
kann er warten, bis ich die einnehme!"
WTT