Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, January 19, 1899, Image 6

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Blut wird unrein.
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Hamburger Hropsen.
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tut Slut reinig.
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Aeruhmtes'.Lageröier!
John Gund,
La Grosso
Wisconsin
PaS MkbrSu dcr Jekm nd'kchen rauerei ton i'a Crvsse, ZSiSc., freut flA toben
5;orff!aat-n, besonders Miniiesota und Wisconsin, nrr auherordentiichcn Bel,e:
ijeit, d k'klk Virr nur,! frrpjc und Gerstk der vokSzl,chften Dualität bereitet wird.
c1'!ellui,gen für Liadt nd Umgegend nimmt entgegen
Vr3I. I I? HIV,
GcneralAgent. 1C36 P Str.. Lincoln. Neb.
'gründet 1800.
ierks Lumbor & Coal Co.,
1228 O etraße-
Telephon M,gZ'
Wliolosale
and Ficiail
Ä UNS
HmH Kohlen,
ü. C. WeMPENR.
RzIT, Arzneien. Gelen, Harken u-Z
Lincoln, ififiö.
139 südl. I. Ttrake,
Achtung für die. wclchc Pfndegcschirrc
brauchen.
Fraget euren GeschirrrHLndler für Pftrdegeschtrrr
ReitsSltel usw. angefertigt von
YhI "iPTa& ÄVVfc frü
KÄSÄk&MÄ
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Lincoln- Hob.
iDMIr lSEEsllLiH
Leistungsfähigkeit 500 Barrels pro Tag.
'WlEOT3E&?r. das berühmte Frühjahrs
wslzenmehl.
V$T Futter wird zu 2 Gents per BuZhcl, in Quantitäten von 20 yushels. ge
mahlen. Olt EXE, NEU.
(Tm rsTr liiMli
VswllU- V'UÜ'V
ÜÖCE'ICt'
geblaut von dcr ssrcd. Krng Brewing Co., Omaha, Neb.,lit
auf der Trans Mississippi und Internationalen Ausstellung
die goldene Medaille
derliehc worden. Dieser Preis würd? dem Krug'schen ö,ab,nct Bier über alle
anderen wegen dcr
Reinheit, Kraft und seinen Qualität
verliehen.
8. A. KeNstt), Sai'Ägent.
Für Kranke u. Äenesend
ftoit AnSr8 IRietr nf-fiRTt etrtß (nTffi
Willi VX- VHtlsUH VH V (UtlV ,
Kraft und solchen Nährstoff; es steht fast
einzig da als Kraft und Appetitereugen,
des Getränk; eS ist eines dcr bestenHeil
Mittel für schwächliche Leute. Ein ganz
reines Bier, dessen Ruf in immer weitere
Kreise dringt nd mit frischen Lorbeeren
don erfahrenen Preisrichtern auf der
TrnSMississippi.AuSstellung geschmückt
ward.
Krrug Cabinet-Bier zu haben bei:
Fred Tingelhoff. il. nd N; o Selig'
söhn. 224 nördliche 10.; Leonh Bauer.
8. und O; S. Jnman ?. und O; Bre
dendeck & ginley, 134 nördliche 10 ;
Wm Brandt. 211 nördliche 9; Lindell
Hotel, 13. und M
Speziell an junge Mütter
Dr. Martin Conney, der Leiter oer
Jnfant Jncubators" auf derAussteZung.
der groheErfahrung besitzt, sagt ' Nach,
dem wir mehrere andere Biere b.'nuht
haben, macht eg uns Vergnügen, zu er
klaren, daß wir auch das Krug'sche Ca
linet Lier in Flaschen stet gebraucht hi
den und können wir dasselbe wegen feiner
Milch eräugenden Eigenschaften den stil
lenden Müttern empfehlen ; e beNtzt we
niger Säure und ist gesunder und wird
dahir von jeder Amme in dem .Infant
Jncubator' Gebäude benutzt. Dies ist
ein überzeugender Beweis und sollte jkde
junge Mutcr es wenigstens versuiben.'
Probirct eine
Kiste zu Hanse.
Fred Krug Breving Co.
Lsfice: 1007 JaSkon Gt.,
Kelephsne: o. 420,
Omaha, Nev.
Tict l'clite r)cs .llsflirncu!
jcnsDanncs.
Cine l?lzüh!i:ng rsuj dem Jahre 1 S )u.
Cu Ci'it füinv.
ui in gegangen, um seinem iUna
feinen Igcn ;ur i'fiiiigung ;a stellen,
(i'ctt ju.iive ihn auf feiner ii'cge!"
(ili.nli-!t:n3 5tii:une tc He vor inne
rer 'ewsgunfl. 2i!ü8 laue jie (eil
cjeficrn Äbend vtücS turilduiDfen imis
jen! -2ie haue sich tapfer gehalten in
oller SJune3!Tä und Unruhe, datle ti
uv. leiten JliigenbUcf 0'cbhard zur
Zeile gesiandcn 1Z sein treue-?,
riiuihigk Äeil,', und seine ruhige Zu
reisicht hztle auch in il?rcr Zeclc die
Hofsnuiiz erweckt auf glucklieS Ce
lingen. ous'S Neue der licfiige 2 fand
bei dem wilden vami dcr idealen,
die Z.,rc!!t vor einem rohen Änfiritt
(5yallote wzr cim nde ihrer 5!läfte.
Sie kennte nur mit Mühe die jljriv
nen zurückhalten, in ergreifender 'e
lvcgriirg bedeckte sie einen l'icinciit cic
Auge ri mit dcr mud. Dann wandle
sie sich laullvö. geseukren iicxfeö cd,
der Treppe zu.
Herefeld suhlte, wie daö Blut in
wilden, gewaltigen Schlagen durch
feine ?dcrn jagte. Seine he ixen Sinne
zogen ihn mit dämonischer Gewalt zu
diesem schönen 'eibe; den f.anzen
Nachmittag hatte er nichts vor Augen
gehabt, als ihr unvergleichliches Bild.
Unerreichbar hoch schien sie über ihm
zu stehen in ihrer sicheren, festen Nuhe,
in ihrer königlichen Haltung. Line
leise Scheu, wie vor der Majestät, war
immer wieder aufgetaucht in der Seele
des jungen Mofen.
Nun war sie auf einen Augenblick
verschwunden, diese Unnahbarkeit, die
seine wilden Gedanken im Zaurue
hielt, liin schwaches, furchtsames Weib
stand neben ihm, und sie war ohne
Schutz, ohne Zuflucht.
co Heröfcld fühlte, wie ein jäher
Schwindel ihn ergriff. Tas war einer
von den Augenblicken, die in seinein
Leben schon so vst vcrhängnißvvll gc
wordcu waren, vergessen, versunken
jeder andere (Gedanke, jedcS andere 3'e
fühl: nur ein einziger, verzehrender,
wahnsinniger Wunsch, dcr ihn willen
les fortreif.! nach der herrlichen Gestalt
hin, die jetzt die eisten Stufen der
Treppe erreicht.
Einen unsicheren, schwankenden
Schritt -macht HerSfeld vorwärts, er
hebt die Hand und von seinen zucken
den, brennenden Kippen ringt sich leise,
in bebenden Lauten, der Name der schü
nen ran.
öharlotteZ'
Eliarlotle bleibt stehen und wendet
sich tun.
Sie sieht, wie er ihr einen Schritt
gefolgt ist. wie er den Arm nach ihr
ausstreckt, sie sieht, wie eine gewaltige
Bewegung aus seinen Lügen spricht.
Und in ihrem reinen, gütigen Her
zen deutet sie diese tiefe Bewegung
nach ihrer Weise.
Sie sind so gut," sagt sie weich und
herzlich. In Ihrem Schutz fühle ich
mich sicher. i!oU segne Sie dafür."
Lei) Hersseld sieht ihre Augen auf
sich gerichtet ruit dem Ausdruck dcö
Tanke? und des Vertrauens, er fühlt
den uianner, Druck ihrer Hand, er
ficht, wie Charlotte langsam die Treppe
hinaufsteigt; und er bleibt n feiner
stelle wie gebannt und ficht wie vcr
nichtct. Schwere Stunden hat der junge
Offizier in der Nacht durchlebt, Stn:
den des furchtbarsten Seelenkampfes,
(5r war ein Mensch von gewaltiger
Empfindung. Freude und Schmerz, cie
so manchem Menschen sanfte BegleiU'v
find durch das Leben, waren ihm uudi:
bare Tämonc, die sein Herz in den
tiesstcn Tiefen erschütterten und durch
wühlten.
Eine glühende Phantasie, ein we.
incö Herz, ein hochuaetische Mit
nnpfinder. ließen ihn unbeschreibliche?
Glück genießen in Augenblicken, die
den meisten kaum mehr gaben als ein
stilles Zufricdeusein.
Ein Blick vorn Berge in ein sonniec-Z
Thal, und seine Seele sieg jauchzend
und jubelnd durch die unendlichen Hin:
mel. Aber ebenso heftig waren entgegen
geseifte Negungeu. Ein an sich iinve
deutender, leichter Verdrusz, und er ver
siel in tiefe?, niißmulhiges Brüten,
oder in leidenschaftliche, maßlos heftige
Erregung. Das waren die Augenblicke,
vor denen feine Diener zitierten.
Ein unbezähmbarer Wagemuth, eine
körperliche öcraft und Gewandtheit
ohne Gleichen ließen ihn vorwärts slür
irren von Gefahr zu Gefahr. Wieder
und ,wieder hatte er mit verwegener
Glcichgiltigkeit fein Leben auf' Spiet
gesetzt in Schlachten und Gefechten,
aus tollen Ritten quer tiber Feld und
Wiesen.
Es war, als müsse er in diesem wil
den Wagen die inneren Kräfte au!.'
toben lassen, die ihm sonst die Seele
vernichten würden.
Seine Geburt, sein Reichthum, seine
Lebensstellung, das zügellose, oben
tcuerliche Dasein eines Kriegslebcns,
da nun schon dauerte seit er vorn
Knaben zum Manne geworden, hatten
diese in ihm schlummernden Kräfte zu
unheimlicher Gewalt erzogen.
Und nichts war, was sie im Zügel
Hielt, als ein im tiefsten Grunde gutes
Herz, das aber nur zu oft die Zügel
aus der Hand verlor.
So bewegte sich sein Leben oft in
scheinbar ganz unvermittelten Sprü
gen.
Seine leicht erregte Phantasie lies;
ihn mit ungeheurer Leidenschaft nach
jedem Ziele hinsagen, das ihm plötzlich
wünschcweith erschien ; sein eiserner
Wille und eine fast schrankenlose kb'r
verliehe Veiitungsfähigkeit ließen ihn
hundert Ziele erreichen, nach denen ein
Anderer vergebens Zeit und Kräfte ein
gesell hätte.
Und sowie der Wunsch erfüllt vm,
da hatte er auch schon jeden Werth für
ihn verloren, da trieb sein ""io ,n
mt:r 'e.N Ilni inin v.--.u,
neuen, he''!:.;! -uir., ni d fa leite n
ein '.nrr.diil!.-:;-? ' eee.i ,:i rw:e.er. trf
tcr Ui.rest.
Ve i i c n i .i'-ej filich, rr: ;'tes!'.! nz: er! I
we.i sein ei;.:sien. seine e-1 lattt t ut:
gegen sich )ell:i, rrcnii fi;ie eichenden
Wunsche c.1::!c3 lirwev.iretfii nurcsi
übet das (vli)i ar.deter Mev'i'.'cn.
Mit laufend Zch'nerzen tiute er
trenn fein hcf:ig- e Weiteiir-idcn il i:
leeriß rsn dem M.dch:".:. das wrchen
lang, rncuaiclang il' sein Denken und
Empfinden iu:e::eiii!l' laiie. liüd
schwär-er, trer, ücstlcier i.:, ? i; i it-t
auö in t:i a:m?:: 'ei!e,'sci!eu, elo ü
seinem zerri,'en:it Hetzen, ka? i-i
fruchtlosen Se!vsue;U',!ne:i sich ir.:iiüe
und marterte und '.'(tgerer.? alle .r;:f?c
aufbot, r:m da? ii rlcrii:c Geiül'.l ieie
dnznfinden, dsi ü::: nech gc;..:;' "e
seligt halte.
Und 10
dein et ce.c- t.
fcliun oder v
war in'v b
trieben. Wi
einen G!an:
sah, dic
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Handel n reue;':e!;ie.
:w.-j!e- der rechte. Ouie?
n.;be V:-in;a;;ij;!" rUr
ci i.i p:::!'-ie:i i'eev:;
eü'e "trevt Der seul.i;
cue- de.ii P.üdickc ftjuiuüee,
er i: tkiiren Bildein ci;-;
chwarze iiiiurt;;!-, die alles tr.it
ihrem trister. ?i aIuicIi iüjerj.1;aiujc.
Er halle gegen Eüarlektcn Wi:::jche
und P1ü;i: i:r sich kerutngetrzgen. die
niedrig uns schlecht waren ; und es war
Nicht fein Verdienst, daß ci rcr.i Wunsch
nicht zur kreisten That geschulten war.
Hätte er in Ekarlstteno Blick ar,ch nur
die leiseste Andeutung gesunde einer
geschmeichelten Eitelkeit über seine
Bewunderung ihrer Schönheit, oder
wäre sie in zaghafter Unentschlesfen
heit vor ihm zurückgewichen, wer weis:,
zu welchcr Teilhat il)ei fein Heißes
Blut Hingeriist':, hätte.
Sie ii,e,l das einzig?, vae ihn ent
waffnen sonnte.
(Zevt in der stillen Nacht, da er sich
ihr Bild in jenem Augenblick immer
wieder rcr r;c Seele slclite. da sah
dics Bild ttdeia mw, als cs cm rer
gangcnen Nedimittag seilten Sinnet
vorgeschwebt hatte.
in leideniiiianlicher Verzweiflung
maß er immer wieder den ungeheuren
weiten ireiten Ab.ginnd, der seine wilde
Natur vm, tieiem berrlichen Bilde
edler, reiner Menschlichkeit trennte.
Ein wahniinnieier Heiß, eine gienzen
lose Wuth gegen sich selbst, ein Gefühl
brennender, verzehrender Scham dniekte
ihn fast zu Boden.
Weg war jeder nlantkle. häßliche
Gedanke. Wie eine Heilige erschien
ihm die scheue, unglückliche Urni, und
in seinem Herze cr.istaüd der Wunsch:
, wäre iih sei, wie sie !
Und damit halte er das Glicd dcr
langen Gcdaukenleite gesunden, das
ihn hinübcrleitete z:t luhigereui Den
lcu. Er fühlte, wie unicr der Einwirkung
von Eharlottci'.s edlem Wesen sein
,'rz stiller turde und besser.
Das ist das wunderbar geheimniß
teile Wirken reiner Naturen. Der
ganz reine Mensch besitzt eine Za'iber
macht. Zu der Hand der reinen an
des hohen Arahinauen ballt sich das
rinnende, ewig bewegte Wasser zur
kristallencn icugcl.
Sa zog sieh iu Vca Hersfclds Seele
die ewig ziellos dahinstürmende Greift
zusammen zu dem Willen, der von
nun an sein vcben fester und besser. Lv
teil seilte.
Hub doch fand er noch keinen Frieden
und keine Ruhe. Er war schon eil sei
ner Rcuc, seinen Selbstanllagen fast
erlegen, und denn wr rcn dech seine hei
ßen Sinne wieder mit ihm fortge
stürmt. Wenn doch eine Zaubcrmacht kante
und bei mir bliebe und mich sichele .zu
einein andere, besseren Leben."
Das war das letzte, iras der juitge
Offizier dachte, alö endlich ein tiefer,
traurnlosee Schlummer sich aus .ihn
uicdericukle.
Er ahnte nicht, wie nahe diese ,u;
bcrinachk ihm war.
10. Capitel.
Vorsichtig, leise vcrsuchle Veite!
Ephraim in 'S väterliche Haus znri;.!
zuschleichen. Am liebsten wiire rS ilnn gewescr',
wcnn er uech späte Gälte in dcr Hi-t
terstube gefunden hätte, und lvvuiLgi'ch
teil Alten nicht daheim. Dann we:e
vielleicht feine lange Abwese'chcik ge,r
nictjt einmal zur Sprache gekommen.
War aber der Alte scheu zurück, den?
wollte Vcilcl hatte Abend dcm Zusein
wcntrcsscn mit ihm und damit jeder
Frage nusveichen. Wie alle fcig-'N
Leute wünschte er eine ctwc.rge Au-e.
einauderfeng b,-Z morgen zu miü,U
bcn.
Veitcl halte kaum die Thür ge
öffncl, als ihm der alle Ephraim an
dcr Hintcrstube entgegengestürzt kam.
Das flackernde Licht, daö er in zit
ternder Hand trug, beleuchtete flierrf
sein wachsbleiches Gesicht, taS von bei.,
AuSdrnek ciuct tödtlichen Angst ent
stellt war.
Beitel !" kies er keuchend, wir rze
vreßlcr Stimme. Veitcl. wo ist die
Lca?"
Der Iuuge erschrak vor den verzerr'
icit Zügen deö Vatcrs. vor dcm i ;i
heitnlichen Ton feiner Stimme. Sollte
ein Unglück geschehen sein? Seilte cr
für dies Unglück verantwortlich gemacht
werden?
Es schien ihm gut, vorsichtig zu sein
und Unbefangenheit zu heucheln. Ob
gleich ihm daö Herz bis an den Hals
schlug, zwang cr sich zu einem gleich
giltigen Ton, und statt dem Valcr zu
antworten, kam er ihn, mit einer Ge
genfrage :
Wie soll i es) wissen, iroistticLC?"
Ascher Ephraim sah seinen 'rechn
starr an. Dann saßteer iiji, iiioclich
am Handgelenk und riß ihn mit sich in
die Hiiitasiiibe.
Die Stube war leer. Unordentlich
lagen und standen die Stühle rings
herum. Glaser und Teller lagen hier
und da am Vcden. Ein beißender Ge
ruch ven laltuii Tabak schiecble in der
dicken, erstickenden Lust.
Ephraim blieb dicht on der Thür
stehen nd hielt mit ausgestrecktem
rm da Licht vor sich bin.
. La !"" '! !'.: ie u lerif u::5 f:'.j lar:
s,re.il:chv"! ;:u,v!i :-.ch d.r 'i::liCche
üutter ,D.:!" le'Ti.'ir .:'., c.::
mit f.it'i.-::: f::;.::.e. ,i:--e in t..e'.'
Wa i'l i.u;:: j;r.:d. rein sind"-"
Veite! groufie i j in te r.t "i::st:;ea
Zimmer i.;it Veter, der iich so
u:'.'-e.ul:ck gedc'k.!?.
Wo e! sie !!'i-' fragte er r.'tt
er.w::!:,'.-!:.! Gleicht:.::.!,. Zit wild
,:cean.zeii t.;:: et:i.:.. tiicr.zsi!."
Der v.i:e in reiner I - fili 1,c:: Anciil
doch!.' ii e. r r,'.ü: :u fragen, u?
i:d rie d.r iri:;; Irchtet znleiet
;v!.';e;:. Cr wer ...h V'anfe gekomnie,'..
hi..e d-e T.-r " i ie'-iejien ef.iudat.
,'.:,.: -er "llee !-"iri rr bette
,U .:e;:,:.; t, .:. i :, .z.'iI t. a hüte
die :. v: e:: L' e-ecei gefriudc:!. mid
i" ! :::: :: i.e:ur ri;':.r! i in :-echn-V..::.-:e
! i :.;-.;jer.d Wie.ttt
in.f.-.ee !.!.'.;. r.Jem!.tit, t ?n denen et
tetit fat'.z p -tm:: wtic, taß seine Lee,
:: w-r.
M:;:i-;, Veite!, :,,!e er jc'ct ::.it
lieijaee :.:e, ..'eir me.isen j.i.hei!,
e b t. ! r t:'ee,: i
-er-r-
Und scheuernd bnckte er sich nieder
rr:,d selgte i'ufmcl'fa: den Vlrit-e-ttep!'
sen. die :.:.: ,'i in breiter Bübn. de.mt
schutaler und dünner werdend, zur
H.ttt!'.!:ir und reu da hinaus fiihn-p,
in''? Freie.
Wir !:,.,lie:l weiter suchen dran
ßen," sagte Ephra::. siehneud. Zünd'
e,n eine Laietkic."
Schweigend nebcrcht: Vcitcl und be
gab sich mit dem Vater wieder in die
.iinterstt!bc, um de:t ans dem Wc.üd
schrank die Laterne zu freien. Et war
tete jeden Augenblick darauf, daß cr
fiir Lcas Veischwiltden verantwortlich
gemacht werden wurde, und jz beeilte
cr sich möglichst, irrn dem Allen leine
lange Zeit zur Ileberlegung zu lassen.
Ephraim war indessen schwer aus
einen Stuhl gefallen.. Er konnte kaum
noch deuten, so halte die Angst ihn
mitgenommen, en einer Art ven Er
starrung saß cr da und sah dem Treidel!
des Svhncs zu, als hab: cr riech nie
eine Laterne anzünden sehen, und cils
sei dics ein Schauspiel, würdig der
größten Anfiucrlsautlcit.
So sah cr den immer hin, wie
Veitcl die kleine Thür der staubigen
Latente öffnete, ein Licht aus dem
tasten nahm und es hincinsteaen
trollte. DaS Lirl't war zu dünn und der
Junge mußte au? der Schieblade ein
Siück V'-Uüer heraussuchen, einen
Ltrcifcn abreißen und ituten um das
Licht wickeln.
Ascher Ephraim starrte hinüber mit
dein dntupsen Gefühl, daß er nun ani
st c he n müsse, wenn das Licht brenne,
und das würde ihm so schwer werden,
so schwer. Seine Füße waren wie Blei,
Da, horch! leichte, schnelle Schritte
im Flur! Dem alten Mauue steckt der
Hcrzfchlag.
Die Tritte kommen näher, und je:;!
jetet Lea !" schreit er aus und sin:-,:
verwarls, der Tochter entgegen.
Lea fragt nichts. Sie hört den gc-
brcchcncn, fchlitchznchen Ton in de:
Stimme des Vater?, sie ficht seine
zitternden Hände ihr cntgegenacsneclt,
und sie fühlt, daß es Sorge und Ang-i
um sie gewesen ist, was dcu Vetcr ..e
guäll hat.
Vater !"
Weiter sagt sie nichts. Sie hat den
zitternden alten Mann wicdcr auf sei
nen Stuhl gesetzt und nnn fiil sie auf
seinen Änicn und drückt seinen graucn
Kopf an ihre Brust.
Ascher Ephraim weint und schluchzt
wie ein ind. Von Zeit ,;n Zeit
streichen seine bebenden Finger leise
über LcaS Haar, über ihr iveiichl, über
ihre Hände, als müsse er s;ch über
zeugen, daß sie wirklich bei ihm sei. .
Lca, mcttt Kind," sagte dcr Alte
endlich, wo bist Du gewesen, daß ich
hab' gehabt selche Angst um Dich?"
Der junge Veitcl ahnte zwar nicht,
w Lea gewesen wer, aber er sah rer
aus, daß bei dieser Frage wahrschciulich
auch seine eigene lange Abwesenheit
zur Sprache kommen würde. Erhielt
es sür angezeigt, sich leise zu etttscriien.
Lea sah, wie er heimlich im Rücken
deö Vaters zur Thür hinausfchleichcn
wellte.
Bleib!" rief sie mit klingender
Stimme. Du sollst Hierbleiben, Va
tel, uud sollst Rechenschaft geben dem
Vater für daö. was Du hast gethan
heut Abend."
Daö kam dem Vcitcl iibcrrafchcud,
Älso Lca wußte? Aber nein, wie
wäre daö möglich? Sie wollte ihn
wohl nur verllagen, daß er sie allein
gelassen hatte mit den Soldaten.
Mach kein Geschrei," sagte er trotzig
zu seiner Schwester. Weitn der Bvtrr
was von mir will, wird er mich fragen
alleine."
Damit wollte cr zur Thüre hinaus
gehen. Bleib hier, Beitel," sagte dcr alle
Ephraim, und antworte, was ich Dich
werde fragen."
Veitcl blieb stehen und lehnte sich an
die Wand zwischcn dcm Tlmrpfosicn
und dem Anrichtetisch. Er getraute ,ch
uichl, dcm Altcn offen ungeliersam zu
sein. Die Achtung vor dem Familien
Haupt, seit Urzeiten von der, Juden
wie ein Heiligthnm gehütet, steckte
auch ihm so lief im Blute, daß er sich
davon nicht losmachen konnte.
Dabei kam es ihm aber doch in den
Sinn, daß er eine klägliche Figur spie
en müsse, wie et hier so zum Verhör
vor Vater und Schwester stehe. Und sv
versuchte cr. sich eine nachlässig glcich
giltige Haltung zu gcbcn, Ehe er sert
gcgancren war, hatte cr hier am An
richtclisch mit einem langen Messer
Tabakblätter für die Seldaten zer
schnitten. Jei'! begann er in kin
dischem Tretj mit dem Messer zu spie
Icn, indem cr mit dcr Si'U-c kleine
Stücken der Blamipven aujipicßte.
Wc, bist Du nrwejen, Veite!, eil?
ich bin gckenimen nach Haus?" fragte
der alte Ephraim.
Veitcl zögerte mit dcr Antwort.
Weis will Du ihn fragen, Valcr.
wo cr Dir dech nicht wird geben cinc
richtige Antwerl." rief Lca dazwischen.
Ich will Dir sagen, wo er ist gc
wrsen. Er hat verrathen und verlauft
den gnädigen Herrn von Wagcnfeld an
die französische Soldaten."
Lca halle heftig, in leidenschaftliche-
cir:.'-:vg ,ie,'.ee..,.n. ,ne ...ic Snlie
iel,::e ihren : ,-e:te:'.
c. Ei! :-i''i i::r :::. t !:och mehr
üi'.t !..i,!t c!s cmperi. .'-!,, seine in
der ir.iß!en. r.'n c.r S.'che? Wie ballen
ic e: erfahren? Ve.s wer inzwischen
cor.'.f.n:r.gff.?
Vetnl nbeilcete. A.iÜage LeaS
l!.:ng f.' LiV.r.iiüt, daß tir.fe.chcs Ad
ler:z!'!ii ri.cht c'üt mc.'lich f.I icn.
Was r.dst Dn tniüntes Zcn1 ron
rerkeiufen." segle cr endlich. Wo ich
1 : n neweiden gczwnn.zcn lcti die fran
.z-esifchen Wachen."
..Glaub' ihm ruck,!. Vater !" ricr Lea
!.'.,'? sich. .Gezwungen ! ?i!s cb die j
,üen:cie:r i.'erdcn k? innren hierher bis
ca'i Ende der Stadt, blos um zu fan
ec t den Veitcl ! Hab' irti dc'.h geselln
mit t :,;.) Augen. :c et bat gesi.hik
die tu Soldaten im Schloß nach
der Va':ei,':raße!" j
V-.itel siiieii alte Auimerlsamleit
ctif seine Spielerei zn pcr,'eendcn. Nur
ein.:: Moment zuckte ein tster. tückischer '
Blick z-i Le.t '.linuber.
AI's ist dcr Wagenseid dach nicht,
e-e. ':.-':ien an 3 Veilin !" rief der alte
Etrainz schmerzlich enttäuscht, j
Tech" rief Lca lrüimchiicut. Er
ist g.kemmc.r hinaus, weil ich hatte'
unleutinen sehen den Veitc l mit seinen I
Zeldetten. Ich !:b' gewarnt den Herr -i'en
Wanenfeld, ich hab' iljii geführt in
den G.rnen vom Heimann, und ich hab' i
ihm geholfen über die Mauer." i
Dir scheint ja mehr zu liegen ant j
,eiiti ycittmciHet', als ich tneher
wußte," sagte Beitel hämisch. Vcr
iiiuihet habe ich allerdings scheu lange,
daß Du bin die Dirne vorn Wagen
seid."
Das war zuviel. Den gaifn Abend
he-.tle sie die Verachtung ::nd den Haß
iib'.r ihres Bruders erbärmliche. That
mit sich herumgetragen ; iczt, da Vci
tel mit fchninviger Hand das in den
icat!) zog, N'.i? ihre Lcbens Heiligthnm
war, ihre Liebe u t'ebhard Wageuseld,
der lern dieser Haß zu einem funhtbarkn
Anstruch. Mit einem halb nn!eidrnck
ten, dumpfen Schrei warf sie sich dein
Bruder entgegen.
Vcitcl war von Natur U.c. Vett
frühesten minder lagen hei wußte er,
deß Lea ihm an körperlicher rast und
Gewandtheit überlegen war. Und w:r
sie jei-t die Hand gegen ihn hob. nuß'.r
sie!: ..,ol Erbiiterung. da schieß sich sei,-,e
nw.;?ere, gelbe Faust fester um .er
Griff deit Mcsfcrs, uud er hielt ihr die
spitze klinge cnlgegen.
Erschrecken blieb Lca stehen, öder
nun war in Veite! mit dem Gefühl
der Ucbcrlegcnheit auch ein wilder
Grimm erweicht. Alles, was er je in
sich hiiwingctreiieit hatte an ohnmäeti- !
tig knirschender Verbitterung, jede Zu- j
rüilscymtg dcö erriirmlitlien Jnngcn !
gegen die schöne Schwester, daö Aiic-z j
kochte jetzt in ihm auf mit heißen !
Flammen.
Hilf mir, Vater!" rief Lee, geü.nd.
Nimm ihm ti.s Mcsser weg !" j
Ehe dcr ehe Ephraim zuspringen j
konnte, hatte sie mit scharfem Auge
und sicherern, festem Griff ihres Bru I
derö beide Handgelenke umfaßt und ,
hielt sie wie mit eiiernen 'üammein.
Eine Sekunde laug standen die Beiden
sich so gegenüber, Auge in Auge.
Schuft!" rief Lea dem Veite! in's
Gesicht, und zugleich schleuderte sie ihn
mit gewaltiger iiraft von sich, so daß
er rückwärts gegen die Mauer stürzte.
Schmetternd schlug sein Hirtlcrfinf
gcgcn die Wand, und so stark wnr die
Wucht dci Stoßcf, daß Vcitel, zurück
prallend, einen lugcnbliek schwankte
und dann vornüber zu Boden fiel.
cuchcnd, nach Athem ringend, stand
Lea daneben. Steh auf, Beitel," sagte
sie kurz und hart.
Vcitcl rührte sich nickt.
Erschrocken bückte sich dcr alte
Ephraim und faßte den Sehn au.
Schwer, unheimlich schwer lastete der
Körper in seiner stützenden Hand.
Da schrie der alte Mann ans und
wandte ängstlich Veilclö owsicht dem
Lichte zu. Er war bleich, die Auaeu
halb geschlossen, vor deut Mund stand
ein leichler, rother Schaum. Mitten
im Herzen aber steckte das Messer, in
das cr fallend fich selbst gestürzt harte.
Veitcl Ephraim war todt.
II. Capitel.
Dcr Reitknecht Wilhelm Reeplc
hatte nicrkuiürdigcr Weise gar leine
Schwierigkeit gehabt beim Verlassen
der Stadt.
Die Franzosen versahen nach ihrer
gewohnten Art den Wachtdicnsr am
Brandenburger Thor sehr nachlässig.
Trog dcr späten Stunde war noch cm
starker Verkehr durch das Thor. Bauern,
Gärtner, Fuhrleute, Händler aller
Art, die Lieferung gebracht hatten oder
ihre Waaren auf den Markt bringen
wollten, gingen ein und ans.
Reepkc mischte sieh unter einen
Trupp Banerslente, die nach Eharlot
teuburg wellten, und kam unangehal
Icn durch daö Thor.
Der Weg durch die dichte Wiidniß
des Thiergartens war sehr mühsam ;
bis über die öinöchcl watete der Reit
kriecht in dem tiefen Sande. Der Mond
stand hoch am Himmel und warf zit
ternde Lichter in die dichten Busche,
die, mit wilden Ranken unihangen,
sich eng zusammendrängten. Wo au?
dcm Sande ein sumpfiges Wafierlech
matt aufleuchtete, da wucherte ti neu
Schafgarben, Winden, Farrnkrautern.
Schierling und Wolfsmilch. Hebe
Gräser standen am Rande, und int
Wafier flüsterte das Schilf leise ferne
gehcimuißrolle Sprache.
Raeple, schritt rüstig vorwärts und
pfiff leise ver sich hin den Parade
marsch des Regiments Gensdarrncs.
Zweifel und Bcforgniß kannte seine
einfache Sccle nicht. Dcr Herr Ritt
Meister hatte ihm ZlnodelsderfsS Meie
rci als Ziel ihrcr Wanderung bezeich
nct, und sa war er ganz überzeugt
davon, daß der Herr Rittmeister sich
dort cinfindcn würde. Zudem hatte
Lca cS übernommen, feinen Herrn ans
der Stadt herauszuführen, und zu LcaS
Ergebenheit, zu ihrer Findigkeit und
Energie hatte Roepkc ein unbegrenzte?
Zutrauen.
An der Meierei verlies Alles so, wie
eS mit As.cher E'.chrau:! verabredct wm.
,Zaun, hatte Recpke leise den A:i:,.z
rer Rclraiie gepfiffen. M Irne
drüben ein kleiner Mahn ans dcm tiefe
Schallen tc-Z jenseitigen Users i:ud f.:;
lautlos iibcr dcn FIiu; geglitten.
Und der Andere?" fragte der Schlt.
fct mit gedämpfter Stimme, als Retujr
rajch in das Boot sprang,
.Wird euch noch kommen," antnr
tete der Reitknecht ebenso. .Fahr' mich
nur erst hinüber, daß rch nach den Psei
den sehen kann."
Der Schiffer, ein kurzer, steiwiniger
Mann mit firuppigcm Bart, nickte nur
als Zeichen des Einverständnisses.
Lautlos, nie er gekamnien. ejliit der
Kahn wieder' zurück.
Rente sprang an 's Land. Er stieg
da? i'.icdiigc, fattdize Ufer hinauf und
sah ji.h ringt) um. Nirgends war etwa
zu bemalen, dcch hörte cr i einiger
Entfeinitng das leise Schnauben von
Pferde ; und als rr dcm Ten nach
ging, fand cr die Thiere versteckt in
einer tiefen Ssindarnbe. Es waren
zwei machtige. ftarkliic'elügc Gäule, die
ein b.rirmlanger Mal, n.ich .'Neiduug
und Haltung unverkennbar ei jüdischer
Roßtäuscher, um Zügel hielt. Der
Psetdchalter drehte sich hastig um, als
Reepke am Rand dcr Grube auftauchte.
.Ist ucch nicht o weit," sagte der
Reitknecht g:i!thlich. Wir ivnncii
kuhig neck ein Weilchen weilten."
Dann sprang er den Hang hinunter
und unterwarf die Pferde, ihre Satte
lung und Ziiumnng einer eingehenden,
kritischen Betrachtung. Es waren tiw
verkcnubar französische Dragonerpfadc,
und Roeplc mußte mit seiner Prüsnng
zufrieden sein, denn er nickte inchr.als
wohlgefällig mit dein jlepf. Danp
flieg er, ohne sich um dc Juden weiter
zu kümmern, doch in solcher Nahe, daß
er gegebenenfalls sofort die Pferde cr
grciten konnte, die Wand dcr Grube
nieder hinauf
Er wühlte ;.wtar Standpunkt ;o, daß
er gcrade mit dem vpf übcr dcn Rand
hinweg sehe kennte, und nun begann
er mit der beueidenswckthen Seelen
ruhe einfacher Leute zu warten, indem
er :,.em .it zn Zeit einen Grashalm
abriß, ihn in den Mund steckte und
'.'.'.cchaniKh daran herumkäme.
Ueber ?,?.' Stunde Möchte er fa ge
standen herben, fast rhnc sich .zu rühren,
i-i, stni er undeutlich einc dunkle Gestalt
am li;T entlang kommen, aber auf
dieser, der nördlichen Seite des Flnf
K. ch'eepfe stufte.
Aber nicht lange war er im Zwcifcl.
Er liüiiitc die Gestalt und dcu Gang
feines Herrn zn genau, um sich zu
irren. Lcij: pfiff er nochmals die ersten
Takte der Rctraitc.
Gcbhaid, Wagcnfeld blieb stehen und
herchte. Dann wandle cr sich kurz nach
der Richturkg. aus der die Töne herüber
lameu und schritt rasch auf die Sand
grübe zu.
.Gott sei Dc.!ik!" sagte Gebhard,.
als er Rrepke erkannte und die beide
Picrde bcineiktc. Ich sürchtctc scheu,
ich würde Dich hier nicht finden."
Z'a hatten Euer Gnaden können
cranz ohne Sorge icin. Tic Franzosen,
die sind ja se dumm, wenn Euer Gftv
den mitgegangen wären durch' Bran
denburger Thor, da hätten sie uns auch
nicht nngclmitcn, und wir wörc jcyl
schon eine Stunde unterwegs."
Gcbhard ntlimcle tief ans, als er im
Sattel faß. Das langsame Verwiirts
arbeiten durch den rnahlendc Sand
balle ihn schwer, ermüdet, rind mit dcr
Müdigkeit lastete auch ein Gefühl auf
ihm wie die Verahuung trübe Miß
liugeus. Seine Reiteruatur Halle sich
bedrückt und hilflos gefühlt in dem
mühsamen Dahinschreiten. Wie sal
doch Alle ganz anders ans, sobald er
wiener zu Pferde saß. Da war jeder
Schalten des Zweifels rerschwunden,
klar lag das Ziel vor ihm, llar der
Weg, siel; richtete cr sich ans im Sect
tel, fest ergriff er die Zügel, und vcr
wärt? ginci's in der Richtung auf Tcgcl
durch die Sandwüste, ans dcr sich später
Avadit erhcbcn feilte.
Die weite Ebene lag todt und still.
Nach. einer Weile tauchten zu rechter
Hand cinc Menge kleiner Hüttenrnf.
elende, halb verfallene Baracken, be
wohnt i'vn' Diebesbanden und van Hin
derten von armen Weber und Wat!
spinncrn. Ein trauriger Or', diese
olcnie SJcu-Vcigllarid. Gel.haid?
Pferd sprang plörelich erschreckt z :r
Seite. Aus einer Hede am Wege war
ein Nacht ewgcl aufgeflattert lind firce'.'
nun mit klagendem Ruf dem Waide :Jb
Die Hecke umschloß ciucn Kirchhcf.
Ergriffen ven dcr uuendlichar M?
lauchvlie deö Ortes hielt Gebhard das
Pferd au und sah hinunter auf die lau
gen Reihen nicdriczcr Hügel ; trarrige
Gräber, hicr und da mit dünnem, vcr
branntet Rasen bedeckt, doch alle
namenlos, ohne ZZrcnzc, ohne den
Schalken eines Baumeö, den Schmuck
einer Blume. Dahinter, auf dem Wcd
ding, erheb fich aus dem ungewissen
Mondlicht düfter drohend das Hech
gericht. Gespenstisch reckte der Galgen
seine unheimlichen Arme in dcn ven
silberglänzenden Rebeln umspennenen
Himmel.
Gewaltsam mußte Gcbhard sich les
reiße von dcm todttraurigc Eindruck
dieses Bildes.
Absit on', " sagte er leise vor sich
hin; dann ließ er das Pferd ausgrei
feit, und bald hatte der Wcd ihn auf
genommen, dcr die User dcr Havel bis
nach Oranienburg begleitet. Dics Rei
icn durch den fchwcigcndcn Wald war
zauberhaft schön. Ein leichter, seiner
Ncbclflor stieg überall vom Beden auf,
aus Wiese uud Moos, aus dcm seuch
icn, welken Laub, das den Waldboden
reichlich deckte. Geheiinnißvoll webte
er zwischen den alten Stämmen, die
wie Silber im Mondlicht glänzten, in
Streifen und Fernen hing er an Buf.
und Strauch, und wie der Spickt
eine Teiches lag er glimmernd auf
der Lichtung.
Gcbhard Wag'irfeld ,ilt so nahe als
möglich am Ufer der Havel entlang.
Auf der anderen Seite lief der Weg
über Heniilgsdorf ebenfalls ziemlich
nahe am Wasser hin. Weite Strecke::
dieses Weges konnte Gcbhard ran,
Waldrand aus übersehe; nur selten
verlor sich die Straße auch drüben im
acnl.
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