Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, December 01, 1898, Image 11

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    r
Pte (Elve Serriette.
Vünu'iivfc iDil .1. ,!fl.hs.
RechKninmalt Tr. Otto Falter war
von dem ieI,n!id,ftenWiintd)e beherrscht,
recht luilb ci MinuihirErimi zu wr
den. Ter lüibidie. nmge Wann nun
burd.aus nicht geldgierig: über .Herr
Mariner, Besitzer eine großen Benno
gens unb ciiuT tlfincn, reizenden Toch
tcr, bereit ljiib'dje Nasenspitze etwa 20
Ialjr alt tiuir, liebte teilt eigenes Meld
unb idjtipte denen Borhanbeniein bet
Anderen. Tr. Filter wollte aber für
teilt Leben gern, unb die je eher, je
lieber, des Herr Mariner einzige 3 och
!er, bie ituj bei, simplen Namen l'inrie
grlaiist, bii? interessante Pseudviitim
M'abel führte, itjrr Familiennamen
berauben unb ihn bnrch Walter ersetzen.
Aber ach, dieser abscheuliche alte Äarl
er ,
Tcr Anwalt lehrte eine? Winter
abends um ! llfir von einer (beschatt-?
reife, mit einem ausgiebige schnupfe
beladen, heim unb fand ans feinem
Zische einen Brief be Inhalts:
Lieber Herr loltor!
Heute Abend finbet bei im eine für
intimere freunde iniprovisirle Soirve
statt. Es wiirbe uns sehr freuen, auch
Sie bei uns sehen.
freundliche Grüne
Wilhelmine Mariner.
,"viüter stieß, einen schrei aus, der
eine unverkennbare Aehitlichleit betast
mit dem Sdnnerzensrufe eines Katers,
beut der Schweif eingeklemmt wirb.
Tiefe Aehitlichleit war aber doch nur
eine äitsterliche. aluftifche. denn der
y luuge Äann verlieh bamit im Eic
gentlieil zu einem Kater mit einge-
ileinintem schweife - feiner grenzen :
lose Freude lebhaften Ausdruck: Tiefe
Einladung z einem unterstrichenen
intimeren Abend liest sehr angenehme
und keineswegs uu begründete Bernm
thnngen zu. 'wahrend er rasch den
Anzug wechselte, zauberte ihm die freu
dig erregte Phantasie allerhand schone
Bilder der alkrnädffien Ankunft vor:
er sah fid selbst eine halbe Stunde fpii
ter im Zwiegespräch mit Herrn Mark
ner, der endlid) id)muneliib sagte:
Oiut beim. . . sprechen Sie mit meiner
Tochter!" Mabel lispelte nach kurzer
Unterredung: Bitte, sprechen Sie mit
Mama!" und Frcm Mariner meinte:
Id, habe nichts dagegen, . . wenn nur
Mabel und mein Mann ..."
Ein flinter Wagen brachte den An
walt bald an Crt und Stelle.
Tie Warme, die ihm fchou im Befti
bitte empfing, war eine wahre Wohl
that für ben Tuvchfroreuen.
Aufacreat betrat er bie Wolninna
der Familie Mariner.
?ie ganze (Gesellschaft war im Musik
salon berfainmelt. wo Mabel eben, von
einem Herrn auf dem lavier begleitet,
unter lautloser Stille sang. Ter
Spätling wollte nicht stören, blieb in
der Tlmr stehen, lehnte sich an den
Z,hiirrahien und hörte ausmerksam ,z.
Plötzlich würbe ihm ungeheuer heist,
die Augen brannten ihm. im Halse
. kratzte es... Aha," dachte er, ein
Schnupfen kommt!"
"""A Mabel feste eben wieder mit einem
zarten, hohen C ein, dast sie zwei Takte
lang halten mustte. Mit einem mal
tönt mitten in das hohe C ein kräftiges,
dreimaliges Hazi" hinein... Walters
Schnupfen hatte gesprochen. .. urpliifz
lieh, rasch war das Hazi" herausge
kommen, ehe der Anwalt (Gelegenheit
oder Zeit gefunden hatte, es zu unter
drücken. Eine ungeheure Heiterkeit er
griff die ganze (Gesellschaft. Mabel warf
auf Tr. Falter einen bösen Blick und
versuchte es, das Lied weiter z singen.
Allein die unerwartete Begleitung Feil
terS hatte die sentimentale Stimmung,
in welche der vorzüglidie (besang Mabels
die (Gesellschaft verfebt hatte, vollständig
vernichtet. Mabels Stimme erstickte
förmlich in dem Lärm, den die versdiie
denen Lacherplofionen hervorriefen.
Mabel gab ihren Persuch ans und ging
mit Thränen in den schönen Augen
vom lavier sort. Tie Herren und
Tarnen beruhigten sich bald wieder,
und da sie sahen, das; ihre zügellöse
Heiterkeit das Hansfräiilein hatte ver
leben müssen, eilten sie hin und tröste
ten Mabel mit liebreichen Worten.
Tr. Falter, der unfreiwillige Urheber
der tragi-komifdieii Seene, war nicht
mehr im Salon zu sehen.
Als ihm jenes dreimaligen Niesen
sozusagen entfahren war, hatte er nach
dem Tafchentuche gegriffen und zu fei
nern Entsetzen konflatirt. daß es nicht
vorhanden war. . . offenbar hatte er es
im andern Anzug vergessen. Er fliich-
v teie ins Speisezimmer, in dem sich zu
s feiner Genugthuung Niemand befand,
i Ta saß er nun, ein Bild der Berzweis
Inng, mit gesenktem Kops und nieste
und nieste. . . Sein Blick siel auf den
-il!UJ, UU UIUIIUUI jU llllllll -ilU l.
horfi l?pfvi iohpv '"S'rmp iilil pini'
VLl.l ll'Ml. Vlll'lll jVVfc . Vlliv
duftige, reich gestickte, mit langen, wei
sten Fransen versehene Serviette von
zarter Nosensarbe. Tr. Falter athmete
erleichtert auf. soweit ihm dies sein
Schnupfen gestattete, und. rasch ent
schlössen, ergriff er die nächste erviette,
trocknete sich Augen und Mund und
steckte das feine Stuck Leinen in eine
'Rocktasche. Eine Serviette wird,
wenn man den Thee nimmt, allerdings
fehlen," dachte er sich, aber was soll
ich in meiner Verlegenheit machen ? Ich
lasse sie waschen und platten und schicke
sie nächstens unter irgend einem Bor
wände zurück. . . Mabel grollte mir. ..
Nun ja, ich habe ihren (esang und
mich lacheriidj gemacht. Aber man
kann doch Niemand für solche Zufällig,-
leiten verantwortlich machen!. . , Was!
fange ich an, um diese Sad'e wieder j
gut zu m a dien ("
Er wut.te bald, was zu tbnn. Tr.
Falter verstand es vorzüglich in hnmo
riftifden Berten zu impromiireii. Er
wird den Unfall mit dem Niefeit zum
T benia nehmen!
Kaum hatte der !!edsanwalt den
Salon wieder betreten, als er auch
schon den Mittelpunkt der Gesellschaft
bildete. Jeder sagte ihm ein tröstendes
Wort. Nun legte Tr. Falter los. und
er bemerkte mit qrostein Bergungen au
Mabels schmollendem Mund schon das
Zucken eines demnächst ins Leben tre
teuden Lächelns.
Wahrend des Bortraas spurte er auf
einmal ein Prickeln und wein in der
Nase. ..Aha," dachteer, der Schnitt
pfen meldete sich wieder zum Worte.
Na, warte, dir werd' id,' jetzt zeigen!"
Er sprach ruhig nd sicher weiter, legte
dabei bie Hand in die Tasche, im gege
denen Moment, als das Niesen fiegreidi
nadi Befreiung rang, zog er die Ser
viette bervor und hielt sie an den Mund.
Tie getarninte Eiciellfdiaft war erstaunt,
als sie die schone Serviette in foldf bar
barischer Weife eniweibt sah.
Mama Markner fand zuerst Worte:
Aber das ist ja meine Serviette", jam
merte sie.
Falter erfasste mit dem Scharfblick
des Juristen sofort die ganze röste des
neuen Unglücks und verliest in grvsten
Sätzen den Salon, die Wohnung, das
Hans.
Nun brach ein noch nie dagewesenes
(Gelächter los. Man hnhtc, stöhnte,
schrie, sicherte, kreischte, quietschte: ein
Herr wälzte sidi auf dem Sopha, ein
andrer schlug sich auf ben Schenkel, ein
dritter hieb mit der Faust aus dasla
vier, es herrschte eine wirklich unbe
sdireiblidie Heiterkeit.
Tr. Falter unterliest es. die Serviette
zurückzsd?ickeu: er behielt sie zum An-
gedenken an die lächerliche Figur, die
er an jenem Abend gemacht hatte, und
trug sie stets bei sich. ,u Markners zu
gehen, wagte er nicht, und diese liesteu
garnichts mehr von sid hören.
An einem schönen Frühlingstage,
als der Boden infolge der vielen Regen
giiste stellenweise noch schlammig war.
unternahm Tr. Falter eine Spazier
gang dimi) den Stadtpart, (ine
sammlung von Menschen, die alle sehr
heiterer Stiinmuiig waren, erregte seine
Aufmerksamkeit, lyr trat hinzu und
erblickte Mabel, deren Gesicht über
und über mit weichem, schwarzem
Schmul', bedeckt war. Wie das Mäd
dien zu einem Mohrengesidt gekommen
war, das erklärte deutlich ein im Wra
ben liegendes Fahrrad. Und weit und
breit war teilte Trvschke sichtbar. 'eh
rere itaben machten unartige Witze
über das rath- und trostlos dastehende
Mädchen. Eiligst trat Tr. Falter auf
Mabel zu, die unter der dunklen rüste
tief erröthete. Ter NechtSanwalt grüstke
höflich, zog die rosettfarbige Serviette
hervor und bot sie Mabel an. Berte
gen und dod? über das Wiedererscheinen
der ominösen Serbiette lad)end, vollzog
Mabel cur-ain publico die Reinigung.
Als Tr. Falter das ihm so werthvolle
Wäsdiestück zurückverlangte, sagte Mabel
bedeutsam täckzelnd:
Nein. Herr Tvkkor, id) lasse sie
waschen, und Sie müssen sie bei uns zu
Hause persöiilidi abholen. . . und zwar,
je eher. , . je lieber!"
S;i,inü sut aus deutsch: Jeder
mann errath leicht Fortsetzung und
Schluf; dieser biefd)ichte.
Per arme Cannes.
Jhst Neu York. November.
Mister Editer!
Hen Sie was krache gehört? Tes
war mich! Id) sein gebroche. Todt ge
broche. Ich will eniol e klien Breast mache,
Mister b'diter. Ter Fält vnn dem
Matter iS, das; ich schütt lang nimmer
so reid) gewese sein, wie die Leit gedenkt
hen. (5s war schun seit iwwer eine
Iohr so ei Stockwerk nach ein annere
vun meine Häuser fortgegange un ick
hen ziemlich Mörgütsches nffnemme
müsse, um mei (rpenses ze miete.
Tie Säfseieties un löbbs un die
Ladsches sein es, wo mich gekillt Heu.
Ich sein überall President gewese, weil
id, der reiche John war, nn dann Hot
mer fia als President nobel zeige müsse
nn Schampähn triete un des Hot als
mehr gelöscht, als wie ich gehatt hen.
Well, was will mer mache? Wann wer
prominent is, da muß mer dcrsor be
zahle. Ich hen immer gedenkt, eine Mann,
wo zu so viele Säfseieties un Assassi
näfchens belangt, dem könnt's gar nit
fehle. Ich hen also, wann ich so viel
gespent hen, gedenkt: Well, des es e
gutes Investment. Wann Tc emol e
Bistle in Trowwel kimmst, da Host Te
plenti Frents, wo Tir helfe.
Un wisse Sie, Mister (5diter, ams ich
jeh ann meine FrentS hab? Ansladze
thun fc mich nn sage, er wäre mer ganz
recht geschehe, (i aufgeblasener erl
wär ich gewese, Z'age se.
biestern hat mich sogar (iner ge
sragt, ob es wahr wär, dast ich mei
Teimoiids nn die Teiinonds vnn der
Misses Ritsch gepawnt hätt.
So weit fein mer noch net, Mister
(diter. Wann aach die Häuser un des
hield fort is, die Teimoiids behalte mer
un so lang mer die Teimoiids hawwe,
da sein mer immer noch praminent.
Un mei enntniiie hab ich aach noch.
Mister Cbiter. Cf eourfe is es bart
an en Manu vu meiner vdichnkaichen,
wann er uf fei alte Tag noch einol an
fange innst ze schaffe. Awwer da kimme
mei enittni'ie händig erei.
Ter Serluhn, wo der T'challi vun
mir jep gereut Hot un wo er net Hot
kaafe wolle un aach kee Lies madie. der
belangt immer noch zu mir un der
timmt jetz handig erei.
Freilich fein ich funft der beste o
ftünirner in dem Platz gewe'e. atvwer
des macht nir ans. Tie gute Frents
wern fdiun alle kirnrne. Ne. for mich
ze Unterstufe, fonnern ans Neugierd
und uriofitn. Tes macht awwer nir
ans. Wenn te mir ornlich fdipende
derbei.
Un bann fang ich an. wieder so e
Bistle Rijel Iftät Biistnest zu thun un
Se könne Ihr Lerne druff wette, Mister
(vbiter, dast ich net lang der arme Hatt
es bleib nn bald wieder der reiche
John bin.
Ueivwerbaupt, Mister ('diter. feilt ich
froh, dast teil immer so viel Geld hab.
Ich hen geiler zum erste Mol wieder
Hiesiges getrunke im es hol mer ganz
gut geschmeckt. Also, was geb id
drum?
Heini Awend geh id) mit der Misses
Ritsch in's sdiörmän Tiäter, blos for
die Leit ze zeige, das; es e verstunkene
Lüg is, wann die Leit sage, wer hätte
die Teiinonds gepawnt.
Nerte Woch is Oiränd Cpening in
meint Plat) (früher T schall! . Sie fein
inweited. Bringe Sie nor plenti
Frents mit. f eourfe nor Leit, wo
was fdipende. For die Annere lehr ich
net. Sie könne aach e Aedverteisinent
eneilhun. Sie tviife ja sehnn, wie des
gemacht werd. Un schicke Sie mer zu
der Gründ Opening ihren Saffeieti
(yditer. das; er en gute Riport drüwwer
eneithut. Ich hoff, das; Sie bei mir.
als Ihren orrefpandeiit. des rechte
Ting thun. I werd ziemlich fenzi
zugehen bei meiner (iränd Cpening.
(Ter Saffeieti-(diter soll in Fll-Tref;
kimme. Ich mach en bekannt mit sehr
feine Herrn,
Tie Woch druff heu mer Mepelfnpp,
dann werd e Törki ansgeraifelt, dann
gebt's e Preislegle. dann gebt's rist-mesz-Luntsdi.
Neuer meiiid. Ieh will
die Neu Yorker schuu zeige, wie mer en
Serluhn rennt. Ich denk, ich weif; e
Ting oder zwei in der Lein.
Mit Rigards
Aours
I ohn Ritsch 1 sq.
bin wackerer Bürgermeister.
Im Jahre I7!! zog der französische
General Tarrea durch die Gegenden
des Bvdenfee's. Tarrea war flüchtigen
Fustes, denn als Erzherzog arl am
1. Mär; die Franzofen bei strach
und Menben geschlagen hatte, mustte
auch Tarrea wie sich die iranzösi
scheu Zeitungen ausdriickten das heistt
verdeutscht: über Hals und opf fliehen.
Am 17. September kam er in die kleine
Reichsstadt Ueberlingen am Bodensee.
Tiefe sollte ihm in wenigen Stunden
eine gewaltige Branbfchaiumg zahlen
oder sofort an allen (5ckeii angezündet
werden. Aber der Bürgermeister
Mofer, an welchen er den Befehl mit
genannter Trohung erlief;, war ein
Mann, den man nicht leicht schrecken
tonnte. Ohne sich ans der Fassung
bringen zu lassen, fragte Mofer. ob
dies denn wirklich der wahre Artist des
Generals fei. Tiefer bejahte die Frage
und begleitete die Antwort mit einer
Fluth von Berwüiischuugeu und
Trohungen. Nun," erwiderte jetjt
der Bürgermeister, so erkläre ich
Ihnen, dast Sie keinen Pfennig bekom
men. Alle meinen Bürger sind be
waffnet und gesastt, aus den ersten
Wink Gewalt mit Gemalt abzutreiben,
und" indem er eine Pistole hervorzog
nd sie dem erschreckten Brandschader
vor das (Besicht hielt diese ist für
-e bestimmt!" -o etwas hatte Tarrea
nicht erwartet. Tabei fiel ihm ein. das;
er nur einige Hundert Mann bei sich
habe, und dast die Schwaben, wenn sie
einmal in's Feuer gerathen, keinen
Spast verstehen, urz. Ueberlingen
wurde weder gebrandschatzt noch ver
bräunt, und ohne nur einen Pfennig zu
erhalten, musttc Tarreau abziehen.
Wirkliel, schknfzlich."
Otto v. Bölderndorff. der alte, urgc
miithlidie Münchener Plauderer erzählt
in seinen neuesten Plaudereien (Miin
chen bei Beck) die folgende amüsante
Hofgcfchichte : Graf Reigersberg, der
Großvater des Berfafsers von miittcr
lichcr Seite, tjvar Minister unter Mai
Joseph und stand bei dem Könige in
großer Gunst wegen seines Freimitthes
und seiner Ehrlichkeit. Ter König aß
gern äse und hatte einmal für die
Hoftafcl äse-(is machen lassen. Als
er die Anwesenden über den (eschinack
der ungewohnten Speise befragte und
Alle sich in Lobeserhebungen ergingen,
wandte er sich zu lebt an Reigersberg,
der allein geschwiegen hatte, und der
nun die Antwort gab : Ja, wenn
Majestät befehlen, kann ich nur sagen :
es schmeckt fcheustlich." Reigersberg".
erwiderte der König, Tu' bist doch
eigentlich ein Grobian (der König
nannte seine Bcrtrantcn Tu) aber,"
setzte er hinzu, im reise henimblickend,
der Einzige, der die Wahrheit sagt, es
ist wirklich scheußlich."
?chancr !?lick.
Lueie: Ach, (!,'e, wie ist die Welt
so wunderschön!"
, (5lie: Wie heißt er" denn?"
.veraesjt die deltti'che iri'raerv;
nuvt."
(nid), die der deutschen Hei,na:hsude j
Fur immer Lebewohl getagt,
Und hier am neuerbaiiteu Herde
Im Herzen stille Sehnsucht tragt.
(Mich ruf ich zu im vollen (Glauben.
(Mich bitte ich voll .uversichl:
Laßt (nid) nicht (Mier Teut''d,t!,um
rauben.
Bergestt die deutsche Sprache nicht!
Tas gauleliid,
Bleibt deutsch!
Wie Teutfchlaud's Helden eir.fi ge
fochten, Was deutfdier kubner '!eift vollbradit,
Was Freiheit, Einigkeit vermochten,
Sink' nie in des Bergeisens Nackit:
Tas mag beranket tlaunend lesen
In deutsdier Sprache treu und schlicht,
lind wieder toird, was einst gewesen,
Beraeßt Ihr Teutfchlanb's Sprache
nicht!
T'riim, Bater, der ad, Tages Mühe
Tes wackern Knaben Hand urnfdilingt
Bergist nicht, deutsch ihn aufzuziehen.
Wach', daß er dentsdie nieder fingt,
Lehr' ihn, in Tenifch die zehn (Gebote,
Und sag' ihm. daß ein elftes spricht:
Bleib' dem Teutfchlhum treu, treu bis
zum Tode.
Bei giß der ältern Sprache nicht!
Und Ihr. Ihr wackern Frauen.
Tie Ihr den Säugling liebend nährt,
C, leitet schon im Morgengrauen
Sein Herz, daß es sich deutsch bewahrt:
In Inire Hände ist gegeben,
Cb Ihr die Pflanze neigt zum iicht.
Bertrauend lenkt das junge Leben
Zimt Stamm, der deuksche Spradie
spricht!
Gedenkt der lebten Segensworte,
Ter Mahnung, die im Herzen klingt.
Womit Ihr durdi die Sdieidepforte
(Hust weinend aus der Heimat l) ging t:
Ta riefen nach (Mich deutsche Herzen:
Ans Wiederfeh'n! Bergestt uns
nicht!
C, denkt daran in Lust und Schmer
zen. Bergestt der Heimath Spradie nicht!
Und Ihr, die Ihr mit kraft'gen Händen
Tes Geiste helle Fackel schwingt.
Laßt Guch nicht von dem Irrlicht bleu-den,
hüpfend (Mich um
springt, das fei des Herzens
Mahnen:
(nid, macht die (l)re es zur Pflicht:
Seid treu der Heimath und den Ahnen,
Bergest! die deutsche Sprache nickic!
Tod, iver, der deutschen Sprache milde,
Sieb stolzer fühlt bei fremdem Wort,
Berleugner wird er am Geblütue
Ten weift mit Sdünipf und Sdiaude
fort!
Tas Teutfchthum liegt nicht eitle
Gecken,
d's fordert Herzen von Gewid)t,
Und wer sich opfert feilen Zwecken,
Ten grüßt die dentsdie Sprache nidjt!
Tie deutfde Sprache soll erllingen,
Wo deutsche Hand den Herd erbaut:
Frei ans dem Herze soll sich ringen
Tas Lied im heimathlichen Laut,
Tas Schöne, (d!e, niste, Große
Und Treue, Wahrheit, Tugend, Licht
Bleibt eigen uns'res Herzens Sprache.
Bergip, es beutuye prache nicht!
Theodor M ii 1 1 e r ,
(Allegheuy-b'ity SonntagSbotes.
?ius alter Zeit.
Ten Umfang des Trosses, weld,en
im siebenjährigen riege der preußische
Offizier mit sich in's Feld nahm, zei
gen als Beispiel die Berhältniffe des
am .". Mai 1707 in der Schlacht bei
Prag gefallenen Rittmeisters Asiiius
Loren; von Zastrow. Ans der Faini
liengeschichte Tie Zastroweu", von i?.
von Zastrow theilen die Jahrbücher
für die deutsche Armee und Marine"
darüber Folgendes mit. Tie Regelung
der Erbschaft des unverheirateten Offi
ziers ergab, daß fein Tienftpersonal
aus einem Jäger, zwei Bedienten, drei
Stallleuten nd einer Köchin bestand,
und dast er sechs Reit-, vier Wagen
nd zwei Packpferde befaß. Ferner er
gab die aufgestellte Rechnung, dast das
travailliT pour lo roi ile Prusse
teilt so undankbares Geschäft war, wie
das geflügelte Wort es andeuten soll.
Tcnn obgleich das väterliche (Lrbgut
bes Rittmeisters nicht mehr als 22
Thaler jährlich einbrachte, trug dieser
am Tage der chlacht 200 Thaler
Geld. :52 Tukateu und etwas Silber
gekd, bei sich auf dem Packwagen fan
den sich noch loMJ Thaler, auch ein
Fohlen war vorhanden. Was er in
seiner (Garnison Krappil; in Oberschle
sien zurückgelassen hatte, übernahm aus
Grund einer für den Fall, das; Zastrow
nicht zurückkehren sollte, getroffenen
Vereinbarung, der dortige Gutsherr
Graf Reder gegen Zahlung von 140
Thalern 2S Silbergroschen. Tazn ge
hörten 200 großköpsigc Tabakspfeifen,
welche ans 2 Thaler. 2 Flaschen d'ham
pagner. von denen eine jede ans kj
Thaler, zehn Flaschen Selterwasser,
von denen jede aus I t Silbergroschen (!)
eingeschätzt war. Tie Zastrow'sche
Kompagnie übernahm Rittmeister von
Manstein: dieser mußte der Erbin.
einer verwitiweten aiwagerm. aus
den Moiitirungsgeldern t!7 Thaler 19
Silbergroschen ! Pseunige herauszah
len. Im Ganzen sollte sie durch das
Regiment 3702 Thaler 9 gute Groschen
erhalten: von dieser stimme wurden
aber 21. Thaler zurückbehalten, welche
der Reg:,neii!sdef betommen sollte,
weil das Piirndepferd, das Zaitroiv an
feinem Todestage geritten, und auf
das jener Anspruch hatte, nicht aus der
,-i,l,,,-M üirn.f.ii'tmitin.'M niiir Tif
(nbin beruhigte sich aber dabei nicht
und das Streitige wurde ihr zuge
f prochen.
BuU, VU!
Aus Hainburg wird geschrieben :
Wenn ein Segelschiff kreuzt, d. h. bei
konträrem Winde lavirl. dann werden
die Segel so schräg gestellt, dast sie den
Wind nur uod eben von hinten fassen.
Laßt dann der Mann am Ruder den
opf zu nahe nach der Richtung hin
drehen, von der der Wind kommt, dann
fangen die Segel an z killen", d. h.
zu klappern und der den Befehl füh
rende Steuermann oder Schiffer ruft
dem Mann warnend zu: Bull, vnll!"
Ei alter Lootfe. der jetzt gestorben ist.
hatte sich, so wird dem Hainb. Korr."
geschrieben, vor Jahren auf eine nette
Art den Spottnamen Bull, vull!" zu
gezogen und das war folgendermaßen
zugegangen: Kreuzt da der alte Seebär
von See die Elbe einwärts: es war kalt
und naß dazu, und als der Lootfe hier
Über ein Weniges wetterte, rief ihm der
Kapitän, der den immer durstigen Alten
genau kannte und wußte, was das
Schelten bedeute sollte, zu: Looks,
ick schick Sei gliel e Seelenwarmer na
boven!" Gleich daraus kam der Kajüten
junge mit einer Rumflasche und einem
respektablen Wafferglase nach oben.
Ter Lootfe ergriff das Glas, richtete
aber, während der Junge einichankte.
sein Auge auf die Segel und rief ein
über das andere Mal: Bull, bull!"
bis der Junge schüchtern bemerkte:
Ja, Lvots, mehr geiht aber nich in't
Glas." Wat, Jung, ick meeii ja de
Seils uu uich dal Oilas; na, laat man
good sin, dal geiht woll ovk so".
Sprach's und trank das Glas bis auf
die Nagelprobe aus. Aber Bull,
bull!" hieß er von da ab bis an fein
feiiges Ende.
Vo zwei Uebeln das kleinere.
Herr und Frau Wohlgemut!,, ein be
häbiges, privatifirendes Ehepaar, wur
den ant einen paziergange von einem
ihnen beharrlid, ans dem Fuße folgen
den (Gassenjungen durch intensives Pfei
fen belästigt. Herr Wohlgemut!), dem
bereits beide Ohren gellen, hat eine
famose Idee, webche eventuell sein gau-
zes Nerveusystem rettet. In schlauer
Weife knüpfte er eine Konvcriation mit
dem rastloten ainpiptetter an, aus
welche der Letztere ziemlich willfährig
eingeht.
Tu wirft Tich doch nicht in ein lau-
geres Oieipräch mit dieiem Beugel ein
lassen," flüsterte ergrimmt Frau Wohl-
geinuth ihrem Gatten z
Warum denn nicht," meinte mm
mit überlegenem Lächeln der diplvma
tische Oiatte ; so lange der Kerl spre
d,en tust, kann er wenigstens nicht so
mörderlich preisen."
Xic seivciik Uttterwestc,
welche König Karl von England am
Tage tetner Hinrichtung getragen hat,
gelangte kürzlich durch Auktionskauf in
andere Hände. Tie Identität der in
tereffanlen historischen Reliquie wird
durd) ein Schriftstück bestätigt, laut
weldiem das gewebte, blauseidene lei-
dungsstück, das mehrere Blutflecken
trägt, vom Sd,affot in die Hände des
Tottor Hobbe, des Arztes des König
kam, der feinem Herrn in den letzten
Augenblicken zur Seite stand. Eine
Tochter des ToktorS Hobbe heiratheie
einen Gutsbesitzer Stanger, dessen
Erben den Besitz in der Familie be
wahrten, bis er jetzt auf den nuiimehri
gen Käufer überging.
Tcr Musikverstand der Bögcl.
Ter Musttforscher Tr. Kleefeld in
Berlin hat eingehende Untersuchungen
über daS musikalische Gehör der deut
schen Singvögel angestellt. Er blies
Kanarienvögeln, Stieglitzen und Buch
sinkeil aus einer Flöte längere Zetl hin
durd, immer wieder dieselbe Koloratur
vor, und bemerkte, daß der Eharakter
des Gesanges bei alle,, diesen Natur
küiistleru sich der Koloratur in Tonart
und Rhhtiniis allinälig absimnlirte.
Ein Stieglitz zeigte sich so gehörfest,
daß er die vorgeblasene Phrase z-
letzt annähernd rcprodnzirtc. Tarnach
dürfte die Frage nach dem Musikvcr
stand der Böget endgültig zu bejahen
fein.
in kostspieliger Zzall.
Ludwig der Bierzehnte von Frank
reich war einst gefallen und hatte sich
den Fuß verrenkt. Für die Wieder
einrichtung desselben erhielt Fekir, sein
erster Wundarzt, 200,000 Livreö, die
afsistirenden Aerzte Taquin 100,000
Livres, Fogon !0,000 Livreö, BefeireS
40,000 Livres. Austerkni bekam jeder
Gehülfe, welcher bei der Operation zu
gegen war, ein Geschenk von 12,000
Livreö.
(ckoiiomisch.
As k,nkin Baukknünalcr,)
Ein Schauspieler tritt in einem, be
reits öfter diirchgefallenen stücke auf
und hält eben einen Riefenmonolog.
Man pfeift, wirft Nüsse, Aepfel, Eier
Alles umsonst, er spricht und spielt
ruhig weiter. AtZ ihn aber endlich ein
verzweifelter Zuschauer mit einem Stie
sei boinbardirt, will er zurücktreten.
Weiter spielen!" r'nst der Tircctor,
bis der zweite Stiefel kommt!"
irus: den We ridilf oUiisher.
Taß in der Mark Brandenburg der
Humor nicht ausgeftorben i't, beweist
nachstellender ('iniß, welchen in lein
Bliudow bei Prenzlau ein Junggeselle,
welcher mit feinem Gemeinde Abgaben
rückständig geblieben war, dem erwar
teten Gerichtsvollzieher bmterlaffeu
hatte :
Id) weiß, T kommst, um mich zu
pfänden.
Tu strammer Boote des Berichts !
Ich kenn die Leut' die did senden.
Tod, diese Leute knegeu nichts :
.nar dein Bestreben scheint mir loblich.
Pflichteifer treibt so friil, bich her;
Tod) glaub' mir. Freund du kommst
, veraeblick).
Ten n hier ist Alles od' und leer.
S iel' hier eh'mal'ge Reidithums
Reste ;
Ei Portemonnaie mit nichts darin.
Tort an der Tlnir hangt eine Weste
Wenn sie dir ansteht, nimm sie hin!
Sollst bieten idits dir diese Raume,
Tir suchend jetzt dein Blick durchirrt ;
Tenn Stieseltnedit und Gummibaume
Geboren meinem Zinmierwirth.
Tu siehst: hier ist nichts fortzl, schleppen,
Mid, dauert, baß du bid, bemüht !
Es find hier unbequeme Treppen !
Geh' hin, wo Pracht und Lnrus blüht !
Noch ist cs früh,- geniest den Morgen !
Was nützt es, dast du langer weilst?
Tvd kannst du, Freund, mir etwas
borgen,
Leg'S hin, eh' du von danneii eilst,
titnt riebe.
Es giebt ein Elend in der Welt,
So recht enttagungstrübe
Tas ist: wenn unter', Himmelszelt
Ein Herz schlagt ol,e Liebe . . .
Tas ist ei Erdenfleck im Thal.
Teu kalter Fels versteckte
Wo nie ein Frühlingssoimeustrahl
Berborg'ne Keime weckte
Ud doch auch jenes Stückchen Erd'
Möcht', ach, so gern sich schmücken
Ganz wie das Herz, das, liebenswert!,,
Mit Liebe möcht' beglücken . . .
Berborg'ne Erd'. . verschwieg'nes Herz
Ihr dürft dem Schicksal fluchen:
Ter Sonnenstrahl dringt iiid)t durd,
Erz -
Und Menschen woll' nicht suchen. . .
eEnfaiit ttrrible.
F ritzchen ist mit deuEltem zur Hochzeit
des Onkels eingeladen. Mama (nach
dem einige Toaste ausgebracht waren):
Nun Fritz, laß' auch Tu 'mal den
Onkel ordentlich leben!"
Fritzchen (mit feierlicher Miene fein
Glas erhebend,: Ter Onkel soll
o r d c tt 1 1 i d 1 c b c u !"
Nesignirt.
..Bei Ihrem Husten. Herr Förster
sollten Sie kein Bier trinken, leinen
Wein, noch weniger einen Schnaps,
aud) das Rauchen unterlassen!"
Also meinen Sie, Herr Toeior; ich
soll blos noch husten?!"
Eine !?crg,liiguiigsrcisc.
Ehef: Gar nichts verkauft in de
acht Tagen?"
Reisender: Nein überall haben
se mir herausgesdimisseu!"
Ehef: Also quasi Berguüguiigs
reise gemacht!"
lu-uc Mssciischeift.
. .Sie haben Ihren Sech" auf der
Universität besucht, Herr Bäckermeister
was studirt er denn eigentlich dort?"
PiDchologie!"
Was ist denn das?"
Tas weiß ich auch nicht redit. So
viel ich gesehen hab', wird scl,r viel
Bier dabei getrunken!"
In ZNariciitxid.
A: Und welches Wasser ist Ihnen
am liebsten. Herr Süffel?"
B: Tas Meerwaffer!"
A: Wieso das Meerwaffer?"
B: Weil man es nicht trinke
kann!"
ZNildeniiigsarund.
Ridzter: Angeklagter, haben Sie
etwas als Milderungsgruiid vorzu-
bringe ii?"
Angeklagter: O ja, Herr Richter!
Ich bin schon zwanzigmal bestraft wor
den und nie hat's was genutzt!"
Ein glücklicher Dater.
Millionär: Nun, wie macht sich
mein Söhnchen ?"
Hauslehrer: Ein intelligentes
Kind!"
Millionär: Und hat's gar nicht
nöthig !"
Ncaliii.
Junger Arzt: Meine Praiiö hat
sich bereits verdoppelt!"
rcund: co! Ist denn T c i tt
Patient gar so d i ck geworden?"
rVrMiirnt.
Fräulein (nachdem der Eastellan
eines alten Schlosses einige schauerliche
Saaen von den früheren Bewohnern
erzahlt hat): Gott fei Tank, daß heul-
zutage nicht mehr so schreckliche Zachen
painrcn!"
Eastellan: Na, 's passirl and, noch
allerlei . . . neulieh war erst eine Gesell
sdiaft von fünfzehn Personen hier, und
davon Hai nicht eine einzige ein Trink
gcld gegeben!"