Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, December 01, 1898, Image 10

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    Eine alluu'.klv tvtVbidMo.
?,'rm!!,!tt ti' 1 1 !i a c a ,.-! :: - :.
Tie Uhr auf bem (Guibef schlagt
sieben.
Tic i :t l)t 1 1 :i iu;t m;t den Kin
dern erleichtert ans für beute hnz sie
ferittf.
Tie üuber lauu-n hinaus, und sie
bleibt allein bas trar wieder ein
Erna 'Jliüitcnt in ber
.',fi'Uic:t .Klinik iu-uvfen das allein
y.iic.i ihm ja Pranc-, und nun beira
:!nt er noch rbcubrciii 'nc reiche 7xau.
Wird schon oanierc machen bei den
inuzuglichsu Eonncririicn des (Gcbcini
nithltchcn Schwuicrpapa! Tic tlcinc
ist übrigens lrirlli hübsch,
allerliebst fiitu, aber 'n halbe
Wiiib irarc nicht mein (Gcntiuack . . . .
Haben sich (Gnädigste a,eiiiiacnd n;
harter Zag! doch nicht anstrengender ! gern!,!? Kli li'ii. tanzen wir tret-
wie jcbet andere 5 es !t a Jag an?
Tag ein dasselbe: Morgens die vier
Schulstunden, ach Tisch der Spazier
qang damit das ranlein auch eine
Erholung baf nahi l)afii eine schone
Erholung, mit fünf ungezogenen (Go-rcu
auf den an 'geweichten Landwegen ein
ner.zutrotten! nnv hinterher das
Schlimmste von alle, das Heben ,it
den Bindern.
Bei jeder se!,laegri!'enen Note fulstt
sie einen körperlichen schmerz, znlept
ist sie gewöhnlich bei Weinen nahe, , .
ihre Nerven sind inaicitblicfluh ?u weit
herunter, so schlimm ist es noch nie vor-
her gewesen; wenn sie ch nur einmal
acht Zage Ruhe gönnen bürste, sich
ins Bett legen nnd pflegen lassen ach
wie wohlthuend müßte das sein,,,,
aber hier zu Hanse krank liegen nein,
alles andere, nur nickst das! sie min; sich
weiterschleppen. bis sie eines Zages 311
ter!
tuiüi, Taisn" spielt die Musik.
und die midlichaft summt, singt und
trällert den Refrain.
Als Tr. Römer am andern Morgen
ausivacht, grei't er sich mit schwachem
Stolinc an die Stirn dieser
Brnminschadel! unb bieies verwünschte
Uv
Znnge!
saminenbricht und dann ? ja was
dann'
(Gottlob! für heute hat sie wenigstens
Ruhe! Sie geht in ihr Zimmer hin
ans. Wie kalt ist es wieder hier oben!
Tas ,u'uer im Cfen ist zu ein paar
glimmenben schien niedergebrannt.
Sie hört das Hausmädchen die Treppe
hinunter gehen.
Liefe!"
rvuiiilein ?"
A.ch bitte, bringen Sie mir noch 'n
paar 3 iücf Holz, ja ?"
C je, Fräulein, ich bars man nicht,
die gnädige ivrau hat mir selbst bas
Holz gegeben, bas ich in Ihren Cicn
thun so.!le."
2o es ist gut."
Also eine neue Bosheit der gnädigen
rtxan." Ali! wie sie die Jvrau Haßt, für
bereu Kinder sie ihre (Gesundheit opsert,
nnd die ihr durch Einkaufn und Launen
bcn Aufenthalt in biesem Hanse uner
kräglich macht.
Aber jetzt ist es zu Ende mit ihrer
(Geduld, nein, sie will sich nicht langer
quälen lasse, sie will fort!
Sie sinkt ans ihrem Bett nieder,
bohrt den Kops tief in die Kissen hinein
und schluchzt wild und leidenschaftlich
.... sie will sort! sofort! sie hält es hier
nicht länger ans, taglich neue Intri
guen, nichts als Acrger und Bcrdniv,.
(vui tustlcs ;ahr lang hat Ne es ertra
gen, aber jetzt ist ihre Widerstands-
traft gebrochen. Nein, sie kann nicht
mehr, sie will nicht mehr. . . .fort, nur
fort!
Aber wohin? zu ihm! Ach Wölk,
das ist ja unmöglich. . . .0, wenn sie
doch zu ihm fluchten könnte! wenn sie
heirathen könnten! ja wenn! aber bor
einen: Jahre können sie nicht daran den
ken hat er geschrieben , zwöls Mo
natc, welche Ewigkeit!
Also nicht zu ihm, wicbcn zu frem
den. Und wie wirb sie es bort treffen ?
nun, ichiimmer als lucr kann es nir
genbs lein, unb es ist ja für bas letzte,
das allerletzte Jahr! bann enblich
enblich.
Sie richtet sich auf nnd legt ihre kalte
Hanb auf bie brennenden Auge : sie
will ihm schreibe, das; sie von hier fort
will, er soll ihr rathe unb helfen. . . .
ach, es ist ihr eine große (Zrleichternng,
baß sie ihm ihr Leib klagen kann, sie hat
ja Niemand außer ihm auf ber ganzen
Welt.
3ie zündet bie kleine Lampe aus
9Jiilchcjlas a, bie auf bcr Kommode
steht, räumt den wackeligen Tisch, ber
ihr als Wasch- und Schreibtisch dienen
muß, leer und sucht ihr Schreibzeug zu
sammen. Dann schreibt sie.
Ec wirb kälter und kälter in beut
schwach erhellten kleinen Zimmer, ihre
Finger sinb schon ganz steif vor Kälte
und können die yebcr fast nicht mehr
halten, aber sie spürt es kaum.
Und er, an bcn sie schreibt, steht zn
derselben Stunde in einem lichtbnrch
flutlieten Ballsaale Berlin's.
Er spricht vertraulich mit bei jun
gen Mäbchen an seiner eite und sieht
ihr mit leuchtenben Blicken in bic Au
gen. Tic weist ihn nicht ad, voll Be
wnnberung unb Hingebung hört sie
ihm zu.
Sie sind so in einander vertieft, baß
stc kaum auf ihre Umgebung achte.
Um so mehr werbe sie beobachtet.
ic ausgelassene Menge, bie tanzend,
lachend, plaudernd, kokettirend durch
beu Senil schwirrt, sinbct bennoch Zeit,
verstohlen neugierige Blicke auf das
Paar zu werfen.
, Hatte bestimmt erwartet, ber
(Gelxiinriitl) würbe bic Berlobnng bei
'Tische proklamiren, Sie nicht auch,
meine (Gnädigste?" bemerkte ber klatsch
süchtige Assessor v. (G., ben Blicken sei
ner Tänzerin folgend, bic gespannt das
(Gcbabrcn der beiben beobachtet. Bei
ber Anrebe wenbet sie sich ihrem
Herrn zu :
Ich habe bisher nicht an bas (Gerücht
von bieier bevorstehenden Berlobnng
geglaubt, aber es scheint fast so. als ob
Gott, bic Kleine ist noch so jung!
Kennen SU Tr. Römcr persönlich?"
Na ja, was man so kennen nennt,
habe ihn hier und dort gctroffcn. Ganz
charmant Mcnsch! Hat 'n loloffales
rennen in den Gingen: nno oer ao-
fchenlichc oiefchmack auf der
nee, bas rwaeiien naey einer onrey
schwärmten Nackit hat doch was schauer-
lich Teprimirenbes, nur möglichst
schnell raus aus', Bett unb 'nc gute
Taste Kaffee trinken, um ben fatalen
Nachgeschmack des Alkohols los zn wer
ben." Er spring! aus dem Bett und unter,
zieht sich mit wahrem Wohlbehagen ei
ner eiskalten Abwaschung, bie ihre be
lebende Wirkung nicht vcrsehlt.
Taisn, Taisn," Pfeift er und bear
heilet bie Haut mit dein Handtuch, bis
sie brennt.
Oioit sei Taut, der Kater ist nicht
moralischer Natur! im '!cgentheil, cr
fühlt sich schon am frühen Morgen in
gehobenster Ztiinmiiiig In träume
rischem Wohlbehagen burchlebt er bie
sen und jenen Augenblick des gestrigen
Abends.
Albern und verliebt wie'n Prima
ner," louologisirt er, und in '11 Kind
von achtzehn Iahren!"
Jetzt sieht er das rosige Oiesichtchen
wieder ganz deutlich vor sich die leb
haslen braunen Augen, diese herrlichen
Augen, die in zärtlicher Bewunderung
zu ihm ausgeblickt haben ah. die Kleine
ist eutziickend!
Als cr an ben rühslückstisch tritt,
sinbet er neben seiner Tasse verschiedene
Zeitungen unb Bnesr. in schiebt sie
einstweilen bei Seite, um sich den er
sehnten i!enuß des Kaffees nicht nnuo
thig vorzuenthalten.
Während des Trintens läßt er gleich
gültig bie Haiibschn'iei! musternd, die
douverts durch die Finger gleiten.
Er stockt von Helene"! seine rosige
Laune weicht intensivem Unbehagen.
Es drängt ihn gar nicht, zu erfahren,
was sie schreibt. Trotzdem öffnet er den
Brief" mechanisch und liest.
Oiereizt unb gelaugweilt legt er ihn
ans ber Hand.
Klagen, nichts als Klagen! ewig will
sie bemitleidet sein. Er kann ihr auch
nicht helfen. Wenn man gezwungen
ist, bei sremden Leuten zu leben, mt;
man versuchen, so gut wie es geht, mit
ihnen ausziitommcn.
Und diese ausführlichen Berichte ih
rcr Leiden! Mein E!ott, Anderen fehl!
auch 'mal was, bas braucht man hoch
nicht gleich seinen Mitmenschen in so
behaglicher Breite vorzuführen!
iiott ja, gewiß, sie ist zu bebauen!,
sie ist nervös unb abgearbeitet, er
würde es bereitwilligst und mit?ühlcnb
anerkennen, wenn sie ihm nur nicht
immer und immer wieber mit Klagen
käme, ba muß ja jedes Mitgefühl ab-
stumpfen!
Unb zu beuten, daß cr übcr kurz ober
lang. Tag ein. Zag ans mit biesem
kränkelnden larmovanten Mädchen zn
fammenleben wirb brrr!
Und dabei braucht er nur die Hand
auszustrecken, und das hübscheste, lieb
lichste Wesen auf bcr Welt ist sein! Tas
Mädchen ist außerdem reich, ihr Bater
hat Beziehungen zn den vornehmsten
Kreisen Berlins, und um in bcr Nicien
stadi etwas zu werden, braucht er Ber-
bindnngen. sein Können allein nützt ihm
nichts.
Und aus das Alles mnß er verzichten,
weil er als schwärmerischer Student die
Dummheit begangen hat, sich mit einer
armen Waise zn verloben.
Wenn er nur so vernünftig gewesen
wäre, der Sache rechtzeitig ein Ende zu
machcn. Aber in den ersten Jahren
hat er sie wohl wirklich geliebt, oder es
sich hoch eingebildet, und mit der Zeit
ist es immer schwieriger gcwordcn, sich
von ihr loszumachen. Er hat immer
Mitleid mit ihr gehabt, sic licht ihn
Icidenschastlich und steht ganz allein
aus der Welt, ohne Eltern und Ee
schwister. Solange bie Zukunft unbestimmt
bor ihm lag, ist ihm bie Braut nie lästig
gewesen. Er hat bie ungebundene
Stnbicnzcit in vollen Zügen genossen,
der ?!cdankc an's Heirathen lag derzeit
zu tief im Schooße der Zukunft, um
ihn schrecken z können. Erst seit er sich
in Berlin als praklischer Arzt niederge-!
laijen nai, ich innc waeinenbe raris
den Heiralhsternim 111 absehbare Zeiten
gerückt hat, würben ihm bie Beziehun
gen zu dem altcrnbcn Mäbchcn nnbc-
qiiem. Wenn er hoch Diese Ingend-
csclci ungeschehen machen konnte! Aber
daS Mädchen verlassen, nachdem er cs
längcr als acht Jahrc in dcm EUanbcn
an ein Eieheirathetwerben gelassen hat,
es wäre brutal!
Er stützt ben Kopf in bie Hand: bie
Kopfschmerzen sind unerträglich, das
Teiiicn macht ihm wahre Pein, nun. so
schnell braucht er ja auch leinen Ent
schluß über ihr beiderseitiges Schicksal
zu fassen, vor einem Jahr kann jeden-
falls keine Rede vom Heirail'er
zwölf ganze Monate! i'ioitlob
eine nil.
Tarnt öffnete cr einen anderen Brief.
'ein
bas
IN
Bierzehn Tage darauf kehrle cr beim
Morgengrauen aus einer lefellichaft
zurück. In feiner Brust wogt ein
Ehaos von (icf üblen; jubelndes Ent
zücken, freudiges Hoffen, belleminenbcs
Unbehagen, (urcht vor bem Erwachen
ans dem Naus.h. der ihn feit Stunden
umfangen halt.
Seit der Stunde, wo er, vom Augen
blick hingerissen, das Madchen mit den
lachenden Kinderangen in feine Arme
gezogen und geküßt hat. Wie ist es
gekommen? Sie waren allein im
Zimmer, bie Kleine staub vor ihm.
hübscher, lieblicher denn je. da halle
er seine Leidenschaft nicht zu zügeln ver
möcht. Wie hingebend sie sich an ihn ge
schmiegt hatte! Tann halle er vor ihrem
Bater gestanden. Was halle er ihm
eigcnllich gesagt ? Er weiß es nicht mehr
..Ter (SelH'inn-iitli hatte ihm wohlwol
lend die Hand gebruckt und von seiner,
ihm bekannten Tüchtigkeit als Arzt ge
sprochen, und die Eieheimrathin halte
die üblichen Thränen ber Nühriing zer
brnck!. Ten ganzen Abend war er wie im
Traum umhergegangen, hatte gelacht,
geschwatzt und getrunken, und als die
(Gesellschaft vorüber war, war er mit
freunden in's Ea, gezogen er halle
Menschen um sich haben wollen, nur
nicht allein fein! Aber dann Halle
ihn Einer nach dem Andern verlassen,
e? war Tag geworden, und er hatte
nach Hanse gehen müssen.
Sobald er sein einsames, in sahler
Morgendämmerung baliegeubes Ziin
mer betritt, versliegt der künstlich aus
reckn gehaltene Rausch. Sein (Gewissen
läßt sich nicht langer betäuben.
Was hat er gethan! Er Hai bas Mab
che. bas in selbstloser Liebe acht Jahre
lang ans ihn gewartet hat, um sein
(Glück betrogen! Er ist gemein, roh.
Und doch! Kaun er dafür, daß er
das Mädchen nicht liebt ! Und daran ist
sie selbst schnlb, warum hat sie ihn mit
Klagen über ihren leibenben Zustand
und bie Aergernisse ihres Berufes ge
langweilt? Warum hat sie sich an ihn
gehängt nnd ihm die letzten Jahre ver
bitten:' Er vergißt und will ver
geiseii, daß ihn ihre Liebe bis vor
einigen Monaten nicht im (Geringsten
gesto'et hat sie hat ihm seit Jahre
die fvreube am Tascin vergällt! Soll er
iUr tVrn ,1 ,1,1?,'.'. VViitMi nhtin-n'
Sie laust die Treppen hinunter unb
tri"t den Postboten aus der Bordiele.
..Ich hob' auch 'n Brief vor Ihnen,
raittein, noch dazu von ihm." sagt ber
Mann in ber dreisten Bertraulichleit
ber L inbbriestrager.
Während er ihr das Schreiben ein
händigt, entgegnet sie fröhlich: Nun
werben Sie mir halb keine Briefe mehr
von ..ihm" dringen, Postbote, nun
wirb's Ernst mit dem Heirathen!"
Sie nimmt den Brief und eilt trotz
des nebeligen Novemberwelters in den
Park hinaus, uin sich ungestört dein
(Genuß des Lesens hingeben zu könne.
Ihre Ringer zerreißen iingebnlbig
ben Briefumschlag. Sie lies! im Wei
tcrschrciten. allmählich stockt ihr Schritt,
ihre Z.üge werben starr, in ungläubigem
Erstaunen lies: sie die Zeilen zum zwei
ken Mal. es leg! sich ihr wie Blei ans
die Brust, gebrochen sinlt sie auf einer
Baut am Wege nieder, ein wimmern
des Stöhnen entringt sich ihrer Brust.
Sie stiert mit trockenen brennenden
Augen auf den Boden,
Tas Laub raschelt unter tranigen
Aiißtriitni. Sie fahrt zusammen. Es
ist der Postbote. Sie gebt ihm mii
iiniicheren -airttien entgegen.
(Geben Sie mir meinen Brief wie
der." Sic bringt die Worte mühsam
hervor, ihre eigene Stimme klingt ihr
fremd.
Ter Mann starrt sie erschrocken an
und sucht das Eouvert aus seiner Leder-
tafchc hervor.
Sie nimmt es nnd gebt langsam,
schleppend den Weg zum Herrenhaufe
zurück.
Ter Postbote blick! ihr mitleidig nach.
Nee, 1111 werd' ich ihr wohl keine
Brief ich' mehr von ihm bringen,"
sagte er, mit bem diesen Leuten eigenen
Instinet die Lage der Tinge heraus
fühlend. Arme Tiern ! fo lange hat sie ans
ihn gewartet. lind 1111', wv's was wer
den tonnte mit's Heirathen, schreibt der
Kierl ihr ab! und das wollen die
deinen sein, nicht n bißchen besser sinb
sie als usereinS !"
Empört über bie Schlechtigkeit der
eine Braut,
behaupte ick'
unter dein '
mann nicht zu verrathen, inttgelheill.
Wird proteslirt. vom Lord ober Terienh
gen, die ich für ihn ausmahlen werde.
so kann ich mich beanem hinter diesen
(Gewährsmann verslecken, ober beliaup
ten. daß man mir vielleicht eine Ba
Welt im allgemeinen und der seinen
im beionbereii,
bie Stabt fort.
fetzt er seinen Weg in
wie
der Reporter den
reibciratbctc
liilniü, -Htm .'int
Uebrigens, wozu dienen diese Be-
trachtungenr' Nach den Erlebnissen des
heutige Abends bleibt ihm keine
Wahl. Ter Augenblick, in welchem er
die Andere in den Annen gehalten, hat
Über Helenens Schicksal entschieden.
Tder soll er Hilga ausgeben? Unmög
lirf)! Nachdem er mit den Eltern ge
sproeben, ist ein Eelat nicht zn vermri
ben, seine Stdlinnv in diesen Kreisen
wäre damit verloren.
Helene muß verzichten Es wäre
geradezu ein Berbrechen, dem unschnl
bigen Kinde, das ihm vertraut, durch
diele (Minünichnng die -orglougkeit zu
rauben. Helene hat die gereifiere Le
bensanfchauung. sie wird den Schlag
eher verwinden.
Unsinn, das wird sie nicht, das ist
nur eine leere Phrase, wie Alles, was
er sich zn seiner Entschuldigung und
Beruhigung sagt, nichts als schön klin
gendc Redensarten sind.
Wenn er doch einen glücklichen Ans
gang dieser Berwicfclnng wüßte! Aber
es giebt nur ein Entocber Cber.
Helene oder Hilga? Eine muß zurück
treten. Hilga! nein, nie und nim
mer! Sie soll nnd dars nicht unglücklich
werden, nnd dann er liebt sic ja
unbeschreiblich, er kann nicht von ihr
lassen!
Also Helene! Tie Aermstc, cr hüttc
sie gerne geschont.
Im Lause bes Tages wird er ihr
schreibe, jetzt ist er zu müde.
Er zieht das Rouleau herab, um
nicht von den Strahlen der aufgehen
den Soniic belästigt zu werben, und
sucht sein Lager auf. Wenn er doch
schlafen könnte! Wenn cr von diesen
peinigenden (Gedanken loskommen
könnte !
Immer wen ich an Bobbn Bnbbles
,,',,
cn.
Stellen Sie
denke, mur, ich
sich, bitte, einen kleinen kugelrunden
Menschen vor, mit senerrothen Haaren
und zwei vergnügten, wasserblauen
A eng lein in einem freundlichen, hart
losen, teilten (Gesicht, bas voller Svm
mersproß'en war. Er ging stets höchst
bebächlig und langsam und von rechts
nach links schaukelnd, was sehr komisch
aussah. Für gewöhnlich snhr er jedbch
in irgend einem 'Wagen der Hochbahn
oder Straßenbahn, denn er haßte das
(Gehen. Und dieses lchwerfällige (Ge
schöpf war Reporter. Ist das nicht
lächerlich? Ungefähr so lächerlich, als
ob Einem Jemand erzählte, er hätte
einen Elephanten auf zwei Beinen Bai
let tanzen sehen. Tabei ahm er sei-
erf bitter ernst. Ja er durstete
ne
Helene sitzt i ihrem kahlen Zimmer-
chen und schreibt, ihre Pulte hämmern
ihre Hand zittert vor Aufregung.
Jetzt ist sic fertig, sie liest das (Ge-
schriebenc flüchtig durch:
Geliebter (Gustav !
Tante Mohre, eine Schwcster von
Papa's Mutter ich weiß, ich habe
Tir schon früher von ihr erzählt ist
gestorben und hat wir einen Theil ihres
Bcrinögcns hinterlanen.
0-5 11t nicht viel, aver ?ur uns
genug, um liniere Hausstand zu
gründen.
(Gustav. (Gustav! Endlich ist das
(Glück da! Tie enblose Wartezeit ist bor
über! Ich kann es kann, glauben, baß
wir jetzt endlich am Ziel sind.
Heute Abend schreibe ich ausführlich,
ich kann mich jetzt nicht länger aufhal
ten, dieser Brief muß noch mit der
Bier-Uhr-Post fort, damit T gleich
morgen früh die Iendenbotschaft er
hältst. Helene.
Sie eonverlirt und abressirt bas
Briefchen in fliegender Hast, eben biegt
ber Postbote um die Ecke bei dein
Pserdestall und kommt ans das Herren
haus z. Er muß den Brief mit in
die Stadt nehmen, sonst wird er heute
nicht mehr bcfördcrt.
logar darnach, als Reporter Helden-
thaten zu vollbringen. Eines Nachmit
tags entbot ihn sein Borgeschtcr, der
Lokal-Redakteur der Täglichen Tampf
Pfeife", in fein (Gemach und Bubbies
ahnte, baß bie große (Gelegenheit zu
einer Heldenthat ersten Ranges gekvm
inen sei.
Herr Bnbbles," sagte ber (Gestrenge,
seine riesigen Aiißc auf daS Schreibpult
legend, gerade auf das Frühlingögc
dicht eines Blaustrumpfs, ich habe
einen sehr ehrenvollen Auftrag für
Sie." Bnbbles verbeugte sich so gut
es ging, und ließ einen trinmphircnben
Blick zum m'uster hinaus über ganz
New Z)ork schweifen bis hinunter nach
Ierfen, denn die Redaktion befand sich
11 niiuzcinuen loaweri des rumgeu
Zeitungsgebändes. Soeben," fuhr ber
(Gestrenge fort, erhalteich von unserem
Korrespondenten in London ein Tele
gramni, daß der junge Lord Eunning
Hain nach New ?jorl käme, wie es
heißt, m sich mit einer Tarne zu verlo-
den, bie er in London kenne gelernt
hat. Ten Namen der Tame konnte
unser Korrespondent leider nicht ersah-
ren. Ihre Pflicht ist es nun, mein lie-
ber, Bnbbles, bie .ame ansnndig zn
machen, bis spätestens morgen Nach
mittag. Ich gebe Ihnen drei Spalten,
verstehen Sie, drei Spalten mit vier
facher Ueberschrist unb den Bildern des
Lords sowie seiner AiiSerwählten. Und
nun los und machen Sie's gut, damit
sich unser freund vom Nebelhorn" bie
(Gelbsucht an ben Hals ärgert."
Ter bicke Bnbbles schaukelte glück
strahlend davon, sauste im Fahrstuhl
nach unten, bestieg einen Straßenbahn
wagen und begann die Suche nach der
geheimnißvolleii Aiiserwählte Lord
EnnniiighamS. Ueberalk schnüffelte er
herum, in allen Elubs, in den Hotels.
in den feinen Eaf,'s am Broadwav.
Umsonst. Kein Mcnsch wußte etwas
von einer bekannten New Yorkerin,
welcher Lord Ennningham einmal den
Hof gemacht hatte.
Hm," lagtc Bubbies zu sich, als er
spät Nachts todtmübe in sein bescheibc-
ncS Qnarticr hoch oben in der Stadt,
wo dic Zicgcn sich von alten Zeitungen
und weggeworfenen (Gummischuhen
nährten, zurückkehrte, die Sache ist
schr einfach. Ich crsindc dem Lord
ren au'gebundcn hat. (Gegen Baren
ist Unsereins machtlos." Und beuk
digt flieg er in iein Klapp-Bet!, faltete
bie Hände über ber Bellbecke. die sich
überfein rundes Bauchlein wölbte, und
in fanf Minuten begann er mit dem
gensinenhaften Zersägen feiner La
dung Holz, wie Bubbies' Herbergs
vater bas Schnarchen feines Miethers
zn bezeichnen pflegte. Am nächsten
Morgen zog Bnbbles ans, für den Lord
eine Braut zn suchen. Er verschallte sich
eine Liste der voniehmilen Familien
von New ",','ort und ging damit in bas
Restaurant von Teliuonieo. wo er
Stammgast war. Eine ganze Weile
hatte er vergeblich in ber Liste henim
gefucht, ba. als er gerade den dritten
Eoeftaii bestell! hatte, fand er die (Ge
wünschte. Es war die junge Wittwe
(Geraldine von Tastet schon, pikant
und ungeheuer reich. Taß sie äugen
blicklich in Paris sich anihnlt, kam
Bubbies wie gerufen. So tonnte sie
sich gegen die von Bnbbles nir gut be
fundene Berbinoung mit bem Lord
nickn wehren. Wenn sie zurückkam,
war ber Lord jedenfalls langst wieder
in England.
Tags daraus erschien also in der
Täglichen Tampf Pfeife" ber fenfaüo
eile Artikel von brei Spalten Lange
mit ben Bildern des Lords und ber
schonen (Geraldine. Ter Artikel war
schlau abgefaßt, sehr schlau. Es wiin
Hielte nur l'o von Wie es heißt" und
Man munkelt". Aber er erregte Sen
sation. Bnbbles bekam zwei Tollars
bie Woche Zulage, wofür er sich einen
gräßlichen Enlinder lauste, in welchem
er aussah, wie eine Lokomotive mit
einem zu langen Schornstein, und der
liebe (College vom Nebelhorn" bekam
vor Wuth einen leichten Schlaganfall.
Trei 'Wochen spater kam der junge
Lord Euuniugbam auch richtig nach
i New Bork, Tas war völlig Programm
! mäßig. Um so wenniger Programm
i mäßig war, daß zwei Tage darauf die
lOri I sdione nian von Tasiel folgte.
Es war ein Zuntll, nichts als ein
Zufall von ausgesuchter Niederträchtig
teit. aber genügend, um Bnbbles die
ganze Freude an feinem Etilinbcr zu
verbittern. Kaum waren die Beiden
gelandet, fo fielen die Reporter über sie
her. 'Jeder Einzelne hatte Bubbies'
Artikel bei uch und tragte, wie es sich
damit verhielte.
Ter Lord sowie die Wittwe waren
entrüstet. Kein Wort daran wahr, Alles
Phantasie, sie hotten sich niemals ge
sehen, wahrscheinlich ein sauler Witz
irgend eines guten freundes, sagten
sic. Tie Reporter lacheilen. Sie kann
ken diese anfänglichen nttriiste'tat Ab
leugnnngen, sic hatten das schon öfter
durchgemacht. Und Bnbbles? Natür
lich mußte er ebenfalls hin, um sich ein
Interview zu Holen, und man beute
sich, er befaß die Frechheit, ivirklich zu
gehe. Tie schöne Wittwe ließ ihn gar
nicht vor und der Lord war nahe
daran, ihn mit seinen edlen weißen
Händen durchzuprügeln, aber Bubbies
log so geschickt von einem gewissen Mit
gliede des vornehmen Union Leugne
Elub", besten Namen zn verschweigen
er versprochen hätte, als seinem (Ge
währsmann, daß ber Lord gute Miene
zum bösen Spiel machen mußte.
Er lowohl wie die reizende Wittwe
das ist Alles. Nachbei ! mobrn und schwärmte sogar für
. man hatte mir ben Namen Richard Wagner, den sie Haßte. Tvch
versprechen, den (G.wahrs das ließ sich ihn, ja abgewöhnen, lind
abgelehen von seiner langen Nase und
bei fürchterlich hohen Stehkragen war
er auch äußerlich gar nickst übel. Eine
Zeit lang vermieden sich die Beiben.
Aber bas half nichts. Es war heraus
gekommen, daß ber Lord (Geralbinc bc
sucht hatte. Tas war hisches Wasser
ant bie Mühlen ber Klatschbase.
Eines schonen Borniittags - diesmal
war es wirtlich schon erschien der
Lord abermals bei (Geraldine und er
klarte, diese ewiaen Sticheleien waren
'unerträglich und genau betrachtet wäre
die ganze tragikomische (Geschichte doch
eigcnllich ein Wink mit dem Laternen
psahl seitens des lieben Herrgotts und
er hatte ausgefnnben. daß Richard
Wagner nickn halb so bedeutend sei.
wie er früher gedacht hatte, - na und
das klebrige kann mau sich ja denken.
Als ber Lorb nach Hause ging, hatten
seine sonst so tadellos glatten Hofe
Sacke an ben Knieen und er leckte sich
die Lippen, als ob er etwas sehr Süßes
und Kostbares genossen halte.
So ungefähr nach acht Wochen kam
aus London die Meldung,, daß die
reizende Wittioe von Tasiel Lad
Eunüingham geworben sei. Als der
dicke Bnbbles das las, lnvpite er sich
die Weste aus und brach in ein geradezu
idioienhaftes (Gelächter ans. Tann
ging er in den Preßllub und ahm die
Huldigungen der Kollegen en'.gegen.
Seitdem iräg! der dicke Bnbbles 'den
Scheitel in der Mitte, riecht auf zehn
Schritte nach Beilchen - Paisuin und
sprich! nur noch durch bie Na'e. Kann
mans ihm verbeulen ? Hai schon ;c zu
vor ein lumpiger .ttcporler einen Lorb.
einen wirtlichen, lebendigen Lord ver
heiraihcl ? Und noch dazu ganz unfrei
willig? Nicht daß ich wüßte'!
(.'in Bieclc!vktlc,,cii mit einem
tfim'cit.
Ein Höchst aufregendes Abenteuer
erlebte vor Kurze! ein seit Iahren in
Eenirai - Anita lebender Engländer.
Tem Bericht der Britifh Eeiitnil
Afriea (Gazette" zufolge hatte Mr.
Robertson aus (Gala Estaie, Namazi.
per Rad einen Besuch in Blanttne ge
macht und bei dem blassen Schein des
Mondes die Heimlehr angetreten. Als
er im Beginn war. seine Maschine
einen Berg hinauszuschieben, lunte er
Plötzlich, wie sich ein schwerer Korper
einen Weg durch das bie Straße be-
grenzende
bannt auf
das Knacken der
eines lesenden Weien
n'chwert bahnte. Wie ge-
den List Narrend, von wo
Zweige das Nahen
verkündete, er-
glaubten bic fatale (Geschichte mit ihrem
beiderseitigen Ableugnen erledigt. Aber
sie hatten die Rechnung ohne die
Klatschsucht der seinen (Gesellschaft ge
macht. Wo immer sich die Beiden
sehen ließen, hieß es: Uebrigens gra
tnlirc, Ew. (Gnaden, vorzügliche Par-
tie, ganz ausgezeichnet!" oder: Nun
und man dar! ja wohl gratuliren,
meine liebe ra von Tastet? Ach, ein
fnbiii-si'nhi'r 'lljii'm ki,I,,' C'ml"
Was nutzten alle Proteste? Man
lächeile, kniff das eine Auge zu, hüstelte
und tagte: Natürlich, natürlich, toll
vorläufig noch (Geheimniß bleiben, ver
stehe vollkommen!" Es war zum Bcr
zweifeln. Zuletzt blieb dem Lord als
Mann von Welt nichts Anderes übrig,
als eines schönen Bormittags, wie die
Romanschreiber sagen, auch iveun es
in Strömen regnet, zur nra von
Tastet zu fahren, um tausendmal um
Entschuldigung zu bitten, daß er ihr
ganz unschuldiger Weise eine so unan
genehme Berlegenheit bereitet habe.
Und dann cr mußte sich doch wahr
hastig mal die junge Wittwe ansehen,
mit ber ihn die Tägliche Tampf
Pfeife" durchaus verheirathen wollte.
Tenn wenn er auch insgeheim auf der
Brautschan war, cr hatte keineswegs
eine w tinimie 1111 viugc. ia war
ein Irrthum seitens des Londoner
Korrespondenten der Täglichen Tamps
Pfeife" gewesen. Also der Lord machte
(Geraldine seine Aufwartung, Ach hätte
ers nie gethan! Tenik wie er wieder
herauskam, wars um ihn geschehen.
vollkommen. War das ein entzückendes
'Wesen, diele nn;c, kleine Wittwe mit
den großen, schwarzen Augen und den
weichen, zarten formen. Und (Gerat
dinc ging es ebenso. Tiefer Lord war
ganz anders, als Seincsglcichcn gc
wöhulich war. bescheiden, liebenswiir
big, ud er wußte noch über Anderes
zu sprechen, als über Pferde unb das
Oberhaus und Sonbrcttcn und Ihre
Majestät die Königin. Er war ganz
vnaie oer enttarne Aadlabrer zu leinem
Entsetzen einen Löwen lau, :'" Schritte
von sich entfernt aus dein (Gebüsch tre
ten. Tas mächtige Thier", erzählt
Robertson, schickte sich an, mit gravi
tütische Bewegungen näher zu kom
men. Obgleich ber Schreck meine
(Glieder fast gelähmt hatte, versuchte
ich, mein Rad zu besteigen. Zweimal
mißlang es mir, da der Hügel ziemlich
steil war nnd ich vor Aufregung am
ganzen Körper zitterte. Erst der dritte
Beiluch glückte, und meine ganzen
Kräste zusammennehmend, trat ich sest
in die Pedale und tau, ziemlich schnell
vorwärts. Mich umzusehen wagte ich
nicht; es wäre auch vollkommen über
flüssig gewesen, denn ich hörte fast im
mittelbar hinler mir ein granenerregen
bes Knurren. . Endlich 'hatte ich den
höchsten Punkt bes Hügels erreich, und
nun fauste ich mit Tvdcsverachinna
bergab. Schon glaubte ich mich geret
tet, da fiel es mir plötzlich ein,' daß
etwa ünu Meter vor mir ein zwei niiß
breiter, offener Abzugskanal dic Straße
durchschneide. Zum Absteigen war
keine Zeit, ich raste daher mit walinsin
niger Schnelligkeit daraus zu. in der
sicheren Erwartung, kopfüber von mei
ner Maschine geschleudert z werden.
Toch es kam anders. Als ich mit dein
Vorderrad in den (Graben hineinrannte,
schnellte mich der Stoß hoch in die
Höhe, ich siel jedoch gleich wieder in
den Sattel zurück und da ich die Pedale
krampfhaft festhielt und der gegenüber
liegende Rand des Kanals bedeutend
niedriger war, gelangte ich ohne abge
worfen zu werben wieder auf den
ebenen Weg. Tic vordere (Gabel war
zwar stark verbogen, so daß das Rad
svrtwährcnd dagegen rieb, doch wurde
es nicht vollkommen geklemmt, und fo
war es mir ermöglicht, in schnellstem
Tempo meiner ersten Plantage znzn
eilen. Nach einer knappe halben
Stunde wußte ich mich geborgen und
total erschöpft sank ich auf mein Lager.
Als ich am anderen Morgen mit eini
gen meiner Arbeiter den Weg. den ich
in der Nacht in Todesangst zurückgelegt
hatte, näher untersuchte, ließ es sich
feststellen, daß mein furchtbarer Ber
folger bis zu dem Abzngskanal hinter
mir her gewesen ist und bann erst Kehrt
gemacht Hat."
Ihireiswre.
Bauer: Was machen Sie da oben
aus meinem Apfelbaum?"
Strolch: Ach, entschuldigen Sic, ich
Halte so entsetzlich Zahnschmerzen und
da bin ich in meinem Schmerz herauf-geklettert!"
!?ezcicheu.
A: Aber lieber freund, seit wir
uns nicht mehr gesehen, hat sich Tci.'t
Haar sehr gclichket!"
B: Ja. leider! Ich kann mich schon
bald mit dem S ch w n m 111 kämmen!"