Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, November 17, 1898, Image 11

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PL SdnvurjuKilv'erm.
Vcn I'.'. p on.
;iijt lachte Gras O'.unlrain, cls er
bJite, ia wie übertriebener Weife mnu
sur das BilD fchiiuirnite. Tann ab
.imi rr filier in tie Muifkiuvftetliina,,
um d anzufeilen.
Es war wirklich ein Meisterwerk,
diese SitynHirvruildeiiu". Wuiitram
and sofort, batj ba-3, imvj er txrnom
ine. leincvincg-j übertrieben sei. sel
bst ein Kenner in der Kunst bes Pin
sels tnib ber Palette, umr er wie be
zaubert lum betn Anblies, ber skh ihm
darbot, In der 'Technik überaus sorg
am cni-gejü'art, wirlle ba-J Bild in
gleicher Weise durch ben Vorwurf, den
t4 behandelte. E-J war ba-5 Portrait
eines wunderschönen beides in ber
Tracht einer Cchwar',wälberin. ?ie
Vornelimljrit der Erscheinung wurde
womöglich noch gesteigert burch das
ländliche Eestüm, in da sie sich ge
worfen. Seit diesem Tage war EJuntrain
jeden Tag in der ikunsiaus
ftellnng, und je öfter er das Bild al)7
um so deutlicher brangen ihm bie
Schönheiten defstlben in das Äuge.
Der Ruf der Echwarzwaiberin"
lunch-i inzwischen unaushörlich. Man
ward nicht müde, die eigenartige
Schönheit des Bildes zu rühme. Um
0 mehr, als Kurt Iastrow, der Maler
desselben, bisher o gnt wie gar nicht in
die Cefjentlichkeit getreten war.
Die SchwarMUderin" konnte ver
chiebene' Male verlaust werden, tt'urt
Jastrow aber wies die Werbungen der
Handler, die ein Bild für ein Butter
brot in ihrem Besitz bringen wollten,
kurz und bündig ab. Er forderte als
Preis zehntausend Mark und erklärte,
das; cr auch nicht einen Pfennig weni-
aer nehmen werde.
Eines TageS hatte Graf Wiinlrmn
das Bild erstanben.
Nun hing bie Schwarzwlderin"
in dem Arbeitszimmer" seiner hübschen
Iunqaesellenwohnung.
Wenn Gnntram jedoch gemeint hatte.
dasz mit dem Erwerb des BildeS Ruhe
in fein Herz gekehrt sei. so tiinfchte er
Ich darin gründlich. Wahrend er bis
her vorwiegend das Kunstwerk bewun-
derle hatte, trat nun mit einem Mate
der Inhalt desselben in den Vorder-
arund. Er ging also zu dem Maler.
um sich bei ihm zu erkundigen, wnS
für ein Modell er benutzt habe.
Dieser, ein hübscher, frisch blickender
Mann, war nicht wenig verlegen, als
er erfuhr, wen er bei sich zn Besuch
sehe. Er stammelte einige Worte innig
jten Dantes gegenüber seinem Wohlthä
ter, der lhm dadurch, da er sein
Bild gelauft, so großmüthig den Weg
kür die Zukunft gebahnt, llmsomehr
bedanrc er. thut bezüglich des Modell
zu seiner Schwarzwälderin" eine so
wenig zufriedenstellende AuSiunft geben
zu können. Die Dame, eine entfernte
Berwandte von ihm, weil nämlich weder
in Berlin noch überhaupt m Deutsch
land. Sofort, nachdem er den letzten
Pinselstrich gethan, habe sie eine Stcl-
lunq als Eniehenn tn einer vornehmen
englischen Familie angetreten, bei der
sie sich auch jedenfalls die nächste Zeit
aufhalten werde.
Graf Gnntram ließ sich noch den
Namen und die genaue Adresse der
Dame seines Herzens sagen. Dann
verabschiedete cr sich von dem Kun stier.
ihm die herzlichsten Erfolge für die Zu-
lunft wünschend.
Am andern Morgen war sein hüb
sches Jnnggesellenheim geschloffen, wäh
rend er selbst den Zug bestieg, der nach
Hamburg rollte.
Etwa ein Jahr mochte verflogen sein.
als Gnntram kaum minder hastig, als
tt enteilt war. nach Berlin zurückkehrte.
Sein Antlitz war gebräunt, im Blick
lag eine tiefe Weiter ahrnng.
Er nahm sich kaum die Zeit, in sei-
er Wohnung den Staub der Reise ab
zuschütteln und schnell eine knappe Toi
leite zu machen. Dann warf er sich
sofort in eine Droschke und eilte der
Wohnung zu, wo er den Schöpfer fei
er Schwarzwälderin" vermuthete.
Man bedeutete Guntram, daß Kurt
Jastrow inzwischen ausgezogen fei und
in einer Billeneolonie im Westen Ber-
t lins ein eigenes Heim besitze.
Bald war der Graf dort und gab
keine Karte ab.
Gleich darauf stand er vor Kurt Ja-
skrow.
Sie sind erstaunt, mich hier zu
sehen 1" rief er, und Sie können sich
y wohl beuten, weswegen ich gekommen.
Ich verlange Rechenschaft für das im
erhörte Betragen, in dein Sie sich mir
gegenüber gefallen. Bor allem ist
wohl diese Frage berechtigt, was in
Her Welt Sie veranlaßt hat, so gegen
mich Z handeln. Ich kaufe von Ihnen,
dem bisher unbekannten Künstler, ein
Bild und zahle dafür, ohne auch nur
um einen Pfennig zu feilschen, den
Preis, denn Sie fordern"
Der Maler wollte etwas erwidern,
doch fein Ejaft ließ ihn nicht zu Worte
kommen, fondern fuhr zornigen Blickes
kort: Ich will damit durchaus nicht
sagen, daß ich Ihnen durch den Ankauf
des Bildes eine Wohlthat erwiesen
habe. Allein, Sie werden doch zu
geben, daß ich es war, der Ihre bis
dahin von Dornen übersäte Laufbahn
,it einem Schlage ebnete. Ich that es
gern. Und der Tank, den ich dafür
ernte? Als ich Sie bitte, mir den Na
wen des Modells zu nennen, schicken
Sie mich weit über das Meer, auf
einen Gutshof zwischen den Gebirgen
von EornwaLiS. Ich komme dorihin
und erfahre, daß Lord Dufierin. der
Ihre Verwandle olz Eizieheiin enga
girt hat, mit der ges.'.mmt.n Familie
uns feine indische Besißungen ubergr
siebelt fei. Selbstverständlich habe ich
nicht Eiligeres zu thun, ali- i.i Schuf
zn besteigen und an den Wanze Z'i
eilen. Eine nette Reise eine echie
Bergnügung-zreiie, nicht lrrl)r?"
..In der That "
Inzwischen aber konnte Lady Duf
ferin das Klima nicht vertragen und
war mit ihren Kindern und der Er
ziehen nach der Schweiz gefahren.
Ich fliege als zurück nach Europa, bei
welcher Gelegenheit ich zweimal Schiff
bruch erlitt, drei Eisenbahnnnsälle über
stand und beinahe von den Einge
borenen im Sudan lebendig gebraten
wäre und komme dann endlich, ei
moderner Odysfeus, an den Ort. wo
Mhladh ihreBilleggiatnr aufmfchlagen
gernhie. Mir klopft das Herz, ich kann
kaum den Augenblick erwarten, wo ich
enblich meine Schivarzwäldcrin z Ge
sicht bekommen werde. Und was er
blicke ich statt ihrer? Ein altes Äad.
chen, häßlich und pedantisch, vertrocknet
und langweilig Ich bin starr vor
Erstaune und mache, daß ich davon
komme! Nun frage ich Sie: Was
in aller Welt that ich Ihnen, daß Sie
mich zum Narren halten? Und vor
allem: Wo ist sie, mein Idol. daS Ääd
chen meiner Träume, jene Schwarzwäl
berin?" Kurt Iastrow winkte feinem Gast.
Der trat zu ihm an das geöffnete
Fenster.
Unten im Garte sah man ein wun
derholdes, junges Weib, das in einem
Rosenhag saß und, ihr Kindlein auf
dem Schooße, mit süßer Stimme ein
altdeutsches Volkslied fang.
Gras Guntram stieß einen Schrei
ans.
Alle Wetter! In der That: meine
Schwarzivälderin!"
Jawohl das ist sie mein Weib
bie Mutter meines Kindes! Als Sie
mich vor etwa einem Jahre baten, Sie
mit bei Modell meiner Schivarzlväl
denn" bekannt zn machen, hatte ich
Helene noch nicht meine Liebe gestan
den. Da tauchten Sie plötzlich als
Nebenbuhler aus. Denken Sie nur,
welche Rolle ich gespielt hätte ich, der
arme unbedeutende, eben ans dem
Dunkel auftauchende Maler neben
Ihnen, dem Träger eines alten, be
rühmten Namens, dem Löwen der Ge
sellschaft, dem Millionär! Es blieb mir
also nur ein Ausweg: Ich schickte Sie
auf Reisen, um währenddessen in den
Besitz HeleneiiS zu gelangen. Sie
sehen, eS ist mir gelungen. Sie glan
ben garnicht, wie glücklich ich bin! Nur
ernvfand ich Skrupel darüber, daß ich
mich Ihnen gegenüber so benommen,
Ihnen, der mir den Weg zu Ruhm und
Behaglichkeit gebahnt. Darum so
sehr ich ihn fürchtete sehnte ich gleich
wohl den Augenblick herbei, wo ich
Ihnen all' das sagen konnte."
Der Gras legte seine Rechte in die
bittend dargereichte Hand des Malers.
Sie verzeihen mir also?" rief dieser.
Was bleibt mir weiter übrig," ent
gcgnete der Graf mit refignirtem
Lächeln. Zumal ja meine Schwarz
wäldcrin" doch einmal für mich ver
loren ist. Uebrigens will ich Ihnen
ebenso offen gestehen, daß ich in gleicher
Lage kaun, anders gehandelt. Allein
nun gönnen Sie mir endlfch einmal
das Vergnügen, meine oder vielmehr
Ihre" Schwarzwälderin kennen zu
lernen!
tin Kampf auf dem Meeres
grund.
Bon t Wartenberg,
Sehen Sie, meine Herren," sagte
Kapitän Ursich, als wir eines Abends
um den eichenen Stammtisch in der
Bia Nazionale tn Trieft faßen, ich will
bes Kukuks werben, wenn ich je noch
wieder etwas" an Fremde über die ece-
schlänge verrathe. Man lacht mich ia
doch aus. Aber wir wissen heute noch
nicht gewiß, ob große Seeschlangen en
stiren oder nicht. Das steht fest, daß
an gewissen Theilen des Ozeans die
Geschichte von der Eeeschlange mit einer
gewissen Regelmäßigkeit wiederkehrt.
An der Westküste Amerika's, von Mexiko
bis nach Peru, glaubt der Küstenbe-
wohner fest an eigenthümliche Meeres-
ungeheuer, Dutzende wollen solche qe-
sehen haben, leider hat man noch keins
gefangen, damit die Geschichte endlich
zur Ruhe käme."
Alexander von Humboldt," siel ein
Stammgast ein, erzählt vom Arnazo
nenstrom, daß er beS Morgens in aller
Frühe bort ei eigenartiges brausendes
Geräusch vernahm, als ob sich ein
großes Thier einherwälzte."
Also von Seeschlangen iveiß ich
nichts," fuhr der Kapitän fort, aber
von einem merkwürdigen Kampf mit
einem anderen wirklich erisiirenden See-
ungeheuer kann ich Ihnen berichten."
Erzählen! Erzählen! riefen alle.
Die Gläser wurden frisch gefüllt, und
der Kapitän begann:
Bor zwei Jahren, es war im Früh-
liug, fuhr der Nelson", eine englische
Barke, in einer dunklen Nebelnacht an
den Riffen von Neufundland auf.
Einige Stnnden blieb das große Schiff
an der scharscn Kante eines Riffes
hängen: dann, als genug Wasser einge-
drnngen war, sank es langsam auf der
dem Lande zugekehrten Seite wie eine
bleierne Ente zu Boden. Retten konnte i
sich niemand, denn bie übe: hängenden
llfetfilien sind Hunderte von Fuß hoch:
aber der Papuan lief; einen letzte
cteßfiüer in einer Flaschenpost los,
bi; spater ausgesucht wurde und von
dein schrecklichen Schicksal fiin:be gab.
las cchiff halte eine ungemein werth
volle LaDnng an Teppichen, Seiden
waaren und kostbaren Tüchern, und so
schickten die R heder einige Monate dar
auf einen Dampfer au?, auf dem sich
mehrere erfahrene Taucher mit ihrem
Apparat befanden, um womöglich noch
etwas von dem reichen Inhalt ber ver
sunkenen Barke aus ber Tiefe zn hole.
Der Plan glückte auch; es wurde Vieles
gerettet.
Man hatte natürlich bie Sommerzeit
gewählt, und nur an schönen Tagen,
wenn das Meer still lag oder doch nur
mäßig bewegt war, stiege die Taucher
hinab. Das 2chiff lag nicht sehr tief,
und das Wasser war ziemlich klar; die
Strömung, halte das Wrack aber immer
weiter in eine Art Höhlung oder Grotte
unter den überhängenden Felsen ge
drängt. Nach Aussage der Taucher,
die sich alle Viertelstunde ablösten, war
das Ende dieser Höhlung nicht abzu
sehen, und je weiter das Schiff in die
selbe hineintrieb, desto schwieriger
wurde es für die Manner, die Waaren
heraufzudefördern. Einer dieser Arbei
ter. ein erfahrener, wüthiger Mann
Namens Eder. war eben hinabgestiegen.
Seine Bewaffnung bestand nur ans
einem starken Brecheisen, mit dem er
etwaige Hinderiiiffe beseitigen wollte;
man ließ vom Dampfer aus starke, mit
eisernen Haken versehene Taue hinab,
an denen die Last befestigt wurde.
Eder war das Nachfolgende hat cr
mir selbst erzählt glücklich unten an
gelangt und ging langsam um ben
Schiffsschnabel herum, um zn ber gro-
ßen OeNnunq m Rumpf, bie sich an
Seeseite befanb, zu gelangen, als er
plötzlich aufmerksam würbe und zurück
schrak. Er war ihm, als ob ihn cm
Paar ungeheuere Augen aus der glasi-
gen Tiefe angestarrt hätten. Er war
unerschrocken und beherzt; fein überall
dickes und sorgfältig gearbeitetes
Kostüm, die bekannte Taucherkappe,
bas schwere Leder- und GummiwamS,
die mit Bleisohlen ausgelegten Waffer
stiefel, die fast hermetisch dicht anfchlof-
fcn, die ganze Ausrüstung schützte ihn,
wie er glaubte, hinlänglich vor bei
Angriff eines neugierigen TtachelfifcheS
ober eines frechen HaiS. Er ging noch
ein paar Schrittr vorwärts: dann stand
er aber still, denn langsam tauchte vor
ihm ans der dunklen Grotte ein riefen
hafteö Thier empor. Er blieb eine
Weile regungslos, vielleicht bemerkte
ihn das Ungeheuer gar nicht. Doch
bald wurde er gewahr, daß es sich
etwas seitwärts gedrängt und ihm den
Rückweg abgeschnitten hatte, und die
entsetzlich großen Augen starrten ihn
unablässig an. Unheimlich war der
Blick, unergründlich wie der eines
TigerS oder eines großen Haifisches.
Er wußte jetzt, was er vor sich hatte.
cm gigantisches Exemplar eines Poln
pcn der allergrößten Sorte, einen Tin
tenfisch. dessen enorme Schleimarme
sich an zwölf bis fünfzehn Fuß weit
ausgedehnten, der immer mehr diese
Jangapparatc ausstreckte, um ihn sicher
von allen Seiten zu umgarne. Das
Herz stand ihm einen Moment fast still;
dann faßte cr sich und ergriff sein
Brecheisen jeden Augenblick mußte
ja sein Kollege von oben erscheinen, und
er konnte ihn retten.
Die Minuten dehnten sich ihm zu
Stunden aus jetzt hatten ihn bereits
mehrere der Arme gefaßt und zogen ihn
abwärts, in die tiefe Dämmerung der
Grotte hinein, Umsonst schlug er um
sich; sein Brecheisen riß tiefe Lücken in
die gallertartige Masse des Polypen.
Allein so kolossal war die Größe dcö
Meerungeheuers, daß die in verzwei
felter Wacht ausgeführten Schläge
kaum einen Eindruck machten. Immer
enger wurde die Umstrickung noch
einen Augenblick, und seine Kraft war
erlahmt, er war nahe daran, ohnmäch
tig zu werden und dem eklen Ungethüin
anheimzufallen. Welch ein entsetzlicher
Tod!
In diesem Momente nahte die Ret
tung. Seinem Genossen war es auf
gefallen, daß Eder so lange unten ge
blieben war, ohne ein Zeichen zu geben.
Sollte ihm etwas geschehen sein? Zur
Sicherheit und das hatte die Zögerung
verursacht nahm er noch einen dritten
Taucher mit sich, und beide halten Was
fen zur Hand, der eine ein mächtiges,
haarscharf geschliffenes Beil. der anbere
ein riesiges, scharfes Schwert, daß ihm
schon einmal im ampfc gegen einen
wüthenden Hai gute Dienste geleistet
hatte. Es gelang ihnen, den Kamera-
den zn befreien, mehrere der Fangarme
zn durchhanen und mit dcm halberstick
ten Genossen ans das Cchiff znrückzn
kommen. Der Taucher war gerettet.
Als Trophäe brachte cr ein Stück der
Fanriarme heraus, das noch über elf
tfurj map,."
Ter müde König.
Ein nettes Gefchichtchen, erzählen
französische Blätter von dem letzten
Aufenthalt des Königs Leopold von
xlgien rn Paris. Der Monarch, der
mit seinem ihn stets auf Reisen beglei-
tenden Sekretär im zweiten Stock des
Hotel Eontinental logirte, hatte die
Gewohnheit, ganz allein auszugehen
und ebenso, unbeachtet von Fremden,
oft zn später Nachtstunde in sein Hotel
zurückzukehren. Ter den Fahrstuhl be
dienende junge Mensch aber wußte sehr
wohl, wer der Gras von Ravenstein
war, und nichts konnte ihn bewegen,
zn Bett z: gehen und feine Platz von
einem Vertreter cinnelinien zu lasun,
ehe er nicht wie er sich ausdrückte
1 feinen Konig" sicher nach oben gebracht
j halte. Eines Abends oder vielmehr
Nachts kehrt: Monsieur !c Eemte auch
wieder sehr spat heim, und wie es
j schien, hatte er bes Guten ei wenig zu
Iviek gethan. Mit etivas unsicheren
Schritten näherte cr sich dem Fahrstuhl.
dessen Thüre ber getreulich wartende
Jüngling weit aufriß, stolperte über
die schwelle und ließ sich todtmüde in
eine Ecke der Pvlsterbanl falle. In der
zweiten Etage angelangt, öffnete der
Hotelbebiente bie Thür und bemerkte
halblaut in respektvollem T o : Der
Herr Graf sind augekommeu." AIs
sich der thatsächlich eingeschlafene König
nicht rührte, wiederholte der junge
Mann feine Aufforderung mit etwa
lauterer Stimme. Als einzige Antwort
ertönte nur ein königliches Schnarchen.
Rathlos blickte der Diener ans seinen
schlummernden Fahrgast. Ta kam
ihm plötzlich ein rettender Gedanke. Er
faßte die offenstehende Thür und schlug
sie mit Behemenz in's Schloß; dann
riß cr sie wieder sehr geräuschvoll aus
und schrie mit aller Macht : Paris !
Gare du Nord ! Alles aussteigen!" Tic
seS Manöver verfehlte nun auch nicht
feine Wirkung. Der König sprang
auf, rieb sich die Auge und machte den
Versuch, in seiner Westentasche das
Billet zu finden. AIS dies nicht gelin
gen wollte, taumelte er hinaus und siel
in die Arme seines Sekretärs, der schon
mit Schmerz auf seinen königlichen
Herrn gewartet hatte und bei dem
fürchterlichen Lärm am Fahrstuhl ent
setzt ans dem Zimmer hcrbeistürzte.
Natürlich öffneten auch einige andere
Reisende ihre Thüren, um ach der Ur
sache des Geräusches zu forsche. Ta
aber alles still blieb, glaubte die mci
steil voil ihncn, nur geträumt zu haben
und zogen sich schleunigst wieder zurück.
Vor Wooscley als Postmeister.
Ein nettes Gefchichtchen, das znr
Zeit des ersten Sudan-Feldzuges spielte
und von dem Oberbefehlshaber der
britischen Armee Lord Woofeley hau
delt, macht augenblicklich in englischen
Blatter die Runde. Als die Solda
ten des bei Korti lagernden Heeres sich
wiederholt Über die außerordentlich
langsame Beförderung ihrer Briefschaf
ten beschwerten, erschien der comman
direndc General eines TagcS in eigener
Person in dem Postamte, wo ein mit
unheilbarer Schwerfälligkeit behafteter
Eingeborener als Postmeister fnngirte.
Der unbeholfene Beamte, der feiner
Aufgabe in ruhigen Zeiten kaum ge
wachsen zu fein schien, stand nun ben
in ungeheuren Mengen einlaufenden
Postsachen vollkommen rathlos gegen
über. Zugleich mit dcm Lord trat ein
Unteroffizier über die Schwelle des
Bnrcauzimmcrs, und Beide überschau
ten die Situation mit einem Blicke.
Kurz entschlossen, setzte ber General
mit Hülfe bes durch einen Wink ver
ständigteil Untergebenen den erfchrockc
ncn Postmcistcr an die Luft, und daiin
machten sich die zwei Krieger über die
vollgepfropften Postbeutel her, indem
sie deren Inhalt ausschütteten und mit
größter Geschwindigkeit nach den ver
schiedeiien Regimentern und Eompag
nieen sortirten. In kurzer Zeit war
diese Arbeit erledigt und es konnte an
die Vertheilnng der Briefe unter die
Mannschaften gegangen werden. Nach
wenigen Stunden war fast leder tcrn
dat im Lager im Besitze eines Schrei
bens, ans das er lange sehnsüchtig ge
wartet hatte. Das Beste an der Sache
ist nun, daß der Untcrof tizicr keine Ah
nung davon halte, wer es eigentlich
war. mit dem er einige Stunden Post-
mcister gespielt hatte. Erst lange nach
her erfuhr er. daß er den Oberbefehls-
Haber vor oder vielmehr neben sich ge-
habt hatte. Als er eines Tages einen
Offizier vor dem Quartier des eomman
direuden Generals, dcm er etwas aus-
zurichten hatte, begegnete und ,n ihm
seinen Mitarbeiter ans dem Postamte
erkannte, rief er ihm vertraulich zu :
He, Eharne, wo ist der Comman-
dant?" Sehr erschrocken war der tapfere
-ohn des Mars aber, als ihm der An-
gerufene lächelnd bedeutete, daß er selbst
der Gewünschte sei, und ihn einlud,
näher zu treten und einen Eognae zn
genehmigen.
Hcldcm der Zerstreutheit.
Die meisten Zerstreuungs-Stückchen
erzählt man sich von Gelehrten, und in
der That spricht dafür eine ergiebige
Blumenlcfc. Der berühmte Philologe
Wilhelm Buddäus, welcher, wie in den
L. N. N." erzahlt wird, emer Fran
bis zu seinem Tode vorwarf, daß sie
ihn am Hochzeitstage kaum vier Stun
den habe stndiren lassen, wurde von ihr
gebeten, während sie kurze Zelt das
Zimmer verließ, Acht zu geben, daß bie
Katze nicht über ben auf bei Tische
stehenden Braten ging. Um feine Sache
gut zu machen, fetzte er sich vor den
Tisch mit einem Stocke in der Hand,
als plötzlich die Katze erschien und den
Braten forttrug. Als der zerstreute
Gelehrte endlich diesen nicht mehr sah,
schlug er mit dem Stocke zu und traf die
kostbare Schüssel, daß sie in Scherben
ging.
Lafontaine machte einem Freunde,
besten Beerdigung er acht Tage zuvor
beigewohnt hatte, seinen Besuch.
Ein meßfremder Bankier nahm im
Hotel de Rufsie" in Leipzig an der
Table d'hute, als der Teller für Musik
herumging, statt ein Geldstück darauf
zn legen, ein solches heraus, und als
f, in Nachbar ilni lachend barauf auf
inerlfam machte, leglc er statt der vor
ihm auf dem Zische liegenden Geld
solide ei Stück Ivut auf den Zeller.
Tiefe Zerstreutheit fiel in die -Zahl-woche
!
Ein eifriger Spieler an Brettspiel
leerte einst den Würfelbecher i feine
Mund und das nebe ihm flehende
Weinglas in Brettspiel.
Jener Gelehrte rief denn Ans
klopfen feiner Tabakspfeife Herein!",
und ein anderer, dessen Gewohnheit es
war, Briefe oder Billets nie zn öffnen,
bevor cr feine Pfeife angezündet hatte,
benutzte dcn eben erhaltenen und och
verfchloffeiie Werthbrief als Fidibus.
Iagdgcschichtk.
Nach beendeter Jagd, so plaudert ein
Mitarbeiter in der Zeitschrift Wild
und Hund", sitzen einige wctterge
bräunte Nimrodc bcim tase edlen
Gerstensaftes in der Waldfchcnle und
unterhalten sich Über die Fertigkeit.
Thiersiinimen nachzuahmen. Ich will
Euch ein Beispiel geben." sagte der eine
und ahmt den Lockruf deS Rebhuhnes
ach. Sogleich erscheinen drei Völker
aus der nahen Schonung und eilen in
die Nähe des Fensters.
Das ist gut !" meinte der Zweite,
ich kann aber noch mit etwas Besserem
diene," und nun ahmt er den Ruf der
RehgeiS so natürlich ach, daß zwei
Böcke anS dein Walde hervortreten und
auf chutzweilc herankommen.
Ganz ausgezeichnet !" rutt der
Dritte, ich kann zwar dergleichen nicht
nachmachen, aber ich hatte einen Freund
der das schluchzen der Nachtigall
täuschend nachahmte, daß ein im Nach
barhanfc wohnender Poet sofort an-
fing, Vcrfc zu machen.
Was ich hier gesehen nd gehört
habe, ist doch nur Kinberei." bemerkt
ber Vierte und fahrt fort: Mein
Freund Leffack in Grünwalde ahmt das
Krähen des HahncS so natürlich nach,
daß trotz spätcr Abcndstunde jedesmal
lofort die Sonne aufgeht.
Irisches.
Das irische Mitglied eines Elnds
schrieb in daS Beschwerdebuch ein
TaS heiße Wasser in der Waschgclc
gcnheit ist erstens immer kalt und zwei-
tcnS niemals da
Um den Glanz ihrer neuen Herr-
schuft zn schildern, erzählte eine irische
Magd : Die Lady ist so reich, das ihre
flancllcncn Unterröcke von eide lind.
Irische Tchlagfcrtigkcit zeigt sich in
der Antwort cmcS kleinen Buben dem
eine Dame heftige Vorwürfe machte,
dai; er ein Vogelnest ausnahm. Wie
wird die arme Voqclü'.uttcr klagen,
sagte sie, wenn sie ihre Eier geraubt
sieht !" Ter Bube zeigte lachend auf den
Hut ber Dame und faglc : Acngstigen
Sie sich um die Mutter nicht. Tic
sitzt ja da aus Ihrem Hute !"
(kventueU.
Man schreibt der Druschen Ztg." :
Welche unangenehme Bedeutung der
westfälische Bauer dein heutzutage so
häufig gebrauchten und kürzlich sogar
angedichteten Wort eventuell" (mög-
licherweije) beigelegt, davon giebt ein
ergötzliches Zwiegespräch Zeugniß, das
kürzlich vor dem Hanfe eines Rechts-
waltö in dem westfälischen Städtchen X
in meine Ohren drang. Korl empfing
feinen Freund Krischan draußen mit der
hastigen Frage: No, Krifchan, watt
hett beim de Avkaale seggt?
Ek bin dor nich recht flaut ntc
worn," antwortete Krifchan, as eck cn
frage, ob ck lincn Prozeß woll ge-
wnnnc, do eggt hei: eventuell."
Watt, Krifchan," fällt ihn, da Korl
in dic Rede, watt hett de Kerl seggt?
Eventuell hett hei seggt? Denn moft
Tu bethalen.
Beim Hcirathsr'ttiiiittlcr.
Ehekandidat : Die Dame, die Sie
mir empfehlen, hat ja ein Bein, das
kürzer ist als das andcrc !"
Heirathsvermiltler: Das macht
nichts ; dafür ist das andere desto lün-ger."
Ehekandidat : Und auf dem Rucken
ist sie etwas gebirgig."
Helrathsvermittler : TaS sieht man
von vorne nicht."
Ehekandidat : Außerdem stottert
sie !"
Heiratsvermittler : Das ist dic
bcftc Garantie gegen Gardincnpredig-ten."
Ehekandidat : Und auf dem einen
Auge ist sie etwas schüchtern."
Hcirathsvermilller : Ja nun, wol-
len Sie sie bcnn ganz tadcllos? Einen
kleinen Fehler haben sie Alle."
.in jifinii)i.
Ter kleine ttail: Onlel, warum ijt
eigentlich die gold,e .'ch',eit (in In
leises,?"
Onlel (Junggeselle). Weil das Etie
paar j u b r 1 1. daß es die Zeit 1 i I e i
sich hat. mein Junge."
im chl.iiifi'j'f.
Frifl (bei einem Iubilanuiseisen):
Ach, liebe Tante, singe doch, wahrend
des Desserts etwas, sonst bleibt für mich
nichts Übrig!"
, unter Mensch,
Herr iz seinem Freunds: Tn warst
doch immer kerngesund, ich dächte, Tii
fängst jetzt auch zn kränkeln an,"
Ja weiht Du, der Doktor Schmidt
ist feit zioanzig Iahren mein Freund,
nud da muß ich doch auch austandsbal
ber mal krank werden.
Aiiidermund.
Tante (welche sich für gewöhnlich
schminkt, malt und pudert, um jünger
und hübscher zu scheinen): Komm,
Fritzlc. laß Tc jetzt wascha. daß De
fchö' bischt."
Antzle : Tanta ! Warorn bischt denn
Tu et fchö', wen De g'wascha
bischt? "
rrthi,
Fran Meyer: Tagen Sie mal. Ihr
Herr Professor beschäftigt sich jetzt wohl
mit weiblichen Arbeit!?"
Frau Schulze: Warum nicht gar!"
Frau Meier: Ja, ich horte' doch
gestern, wie er feinem Assistenten ans
der Treppe nachrief, er möge ja den
iillsiusj niaji vergessen:
schmeicheltest.
Fraulei Altheil: Ter Herr di
drüben hat mich den ganzen Abend so
bewundernd angeschaut. Wer ist denn
der Mann eigentlich?"'
Fräulein Hitzig: Das ist der be-
rühmte Archaologe Professor 0!riiber. "
Anrede Zweiiel.
Fremder (in einer Gaflwirthfchaft
mit großer Kordialitat ans einen feinen
Herrn zustürzend, der darob sehr ver-
blitzt dreinschaut): Könnt Ihr Euch
denn gar nicht auf mich besinnen?"
Einheimischer: Doch nur bin ich
noch im Zweifel bariiber, ob ich Sie Dii
oder Tich cic nennen soll!"
Allzu liebenswürdig.
Richter: Es sind ja kaum zwei Mo
nate her, daß Sie hier gesessen haben,
und nun habe wir wieder daS Ber
giiüge "
Angeklagter: Oh, ich bitte, Herr
Richter, das ist ganz meinerseits."
,i viel verlang!.
Schaffner (zu einem Reifenden, der
im letzten Augenblick vor Abgang des
Zuges in höchster Eile mit viel Gepäck
einsteigt): Schnell, Ihre Fahrkarte,
mein Herr!"
Reisender (sein Gepäck unterbrin-
gend): Lassen Sie mich doch erst zu
Verstände kommen!"
Schaffner: So viel Zeit habe ich
nicht!"
Unter freunden,
A. : Tu hast ja wohl schon mal bei
dem Schneidermeister Zwirn arbeiten
lasse. Ist das ei guter Rockschnei
der ?"
B. : Ach ja aber auch ein Gcld-schneider."
Anzüglich.
, Maler: Um mein neues Bild ist ein
sehr heftiger Streit unter den Kritiker
entstanden!"
Freund: Sie streiten sich wohl dar
über, was es vorstellen soll?"
Auch ein Gnädiger''.
Die Gnädige: Warum wollen Sie
eigentlich Ihre Stelle bei uns so plötz
lich aufgeben?"
Lakai (dem eine größere Erbschaft
zugefallen); Ich bin jetzt selbst
gnädig geworden!"
?i, mitgegeben.
Kennen Sie biese kleine, blaue
Blume, Herr Assessor?"
Gewiß, meine Gnadige das jst
Männertreu"!"
Sehr bezeichnend nicht wahr?
Ein leiser Luftzug und sie ist dahin!"
Hm, ja!.. Kennen Gkiädigste eine
kleine Blüthe, die Weibertreu" heißt?"
Nein!"
Die gibt's auch nicht!"
pantcrnomift.
Gattin: Der freche Mensch wollte
also feine Miethe nicht bezahlen?"
Gatte (Hanswirth): ..o wörtlich
hat er das nicht gesagt, aber er hat es
mir zu verstehen gegeben."
Gattin: Wodurch denn?"
Gatte: Er schmiß mich die '.Treppe
hinunter."
eiitc Vorbildung.
Direktor (einer .veilanrlalt für
Trunksüchtige) : Ich bin nickt abae-
neigt, Sie als Wärter für meine An-
statt zu eiigagiren, es, fragt sich nur,
ob Sie auch verstehen, mit meinen
Patienten umzugehen."
Bewerber: Ta haben Sie keine
Sorge, Herr Direktor, ich war acht
Semester Eonleurdiener bei einer
Stndentenverbindnng, da habe ich
schon in dem von Ihnen beriiln-tn?
Punkte die nöthige Routine bekom
men."
Litt.
Frau A. : Ist das Mädchen
aufrichtig und ehrlich?"
Fran B. : Gewin. deshalb entlasse
ich sie ja eben. Sie wollte den Leute
nie sagen, ich fei ausgegangen, wenn
ich Z Hause war.
Gitter Nalh.
Eolleaiii : Also was bat Dir die
weife Frau für einen Rath gegeben.
oap, tr iein Bräutigam wieder treu
werden soll?"
Köchin: Ich soll ein Tränkchen
braue und ihm eingeben !"
Eollegen: Weii.t D. da würde ick
lieber eine Gans braten, die wird er
never einnehmen !