Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, October 06, 1898, Image 12

Below is the OCR text representation for this newspapers page. It is also available as plain text as well as XML.

    3bn IxfcMcbf Cosument.
rtintOKf ( 0 ."Kokt o n e 4.
John Meoro.t flrd'ilulö StiDPicl'u
t;;:terlien ein Testament, i; welchem er
feinem Itelun Freunde tniD Neffe:! et
sagte ausdrücklich freunde tiiiö Neffen
EbarleS Tun Smart fein ganzes
bewegliches und unbeweglichiS Eigen
tljuiii vermachte. lit Ausnahme der
grvs-en teuer und einbruchsicheren MaMt
von TuftlliiS und Kompagnie, sammt
Inhalt, In deren Inhalt aber sollten
obengknaniiter Charles S meixt und
seine' Freunde Ben Jotmiton. Tick Jen
lins und Tun iKigg.leS sich ehrlich und
brüderlich theilen. ülie man sieht, also
ein ganz wunderschönes Testament.
Als es aber an' Theilen ging, da
war kein Schlüssel zur ttasie da. Nicht
die geringste S pur von einem Schlüssel.
Mai, drehte das ganze Haus um. nichts.
Er war rein zum Zollwerden.
Ta hatte Smart eine Idee. Tuffkins
und Compagnie, welche den schrank
gefertigt hatten, mußten ihn öffnen
können, sie mußten einen Schlüssel dazu
haben, oder sie mußten einen machen
können, wozu waren sie sonst Tuffkins
und Eo. gewesen s
Allein TustkinS und (io. schüttelten
die öpfe. Nein, wo wäre da die
Sicherheit? keine Spur. es gab nur
zwei Schlüsselpaare, und die hatte Mr.
Riddleby.
Und Smart und Ben und Tick und
Tuff gingen fluchend wieder zurück.
versuchen wir s, die a',e z on-
nen," sagte RiggleS, vielleicht geht s.
Vielleicht geht'S," murmelten die
Anderen im (Jhore, allein sie hatten
verzweifelt wenig Hoffnung, denn die
stauen von Tuffkins und Oo. waren
weit und breit beriihnitnicht nur in
Rodgersville. sondern auch darüber
hinaus.
Allein was thun, es blieb nichts An
dereS übrig.
Und Smart brachte ein Anzahl von
Schüsseln herbei von allen möglichen
tind unmöglichen formen, und Jcnkins
schleppte einen Hammer herzu, den
kaum zwei Männer zu schwingen ver
mochten. Johnston aber und Riggles
brachten Meißel und weiß der Kuckuck
wie das Zeug alles heißt.
Und nun ging es an die- Arbeit.
'Von den Schlüsseln paßte natürlich
keiner und der Hammer, den Jenkins
'und Riggles als die Stärksten schwan
'gcn und auf den Panzer der Kasse nie
Herfallen ließen, daß es nur so dröhnte,
auch der Hammer machte keinen Ein
druck auf das Kunstwerk von Tuffkins
und Kompagnie. Und als Smart eine
der Brechstangen in das Schloß steckte
und Johnson und Riggles mit. dein
Hammer darauf los hieben, da krachte
es wohl, allein es war nicht etwa das
Schloß, das krachte, sondern die Stange,
die mitten entzwei brach. Es war rein
um verrückt zu werden.
Und die Vier arbeiteten darauf los,
daß ihnen der Schweiß nur so herab
troff und sie fluchten und schimpften und
hieben und hackten; umsonst, alles um
sonst. Aber das Geld mußte doch heraus, es
mußte. Wer weiß, wie viel da d'rin
war? zehn-, zwanzig-, dreißigtausend
Dollars, hunderttausend vielleicht.
Hunderttausend? Es war um schwind
lich zu werden. Hunderttausend Tol
lars! und
Plötzlich leuchtete es auf in Jenkin's
Gesicht.
Jungcns," schrie er, ich habe eine
gloriose, eine kapitale Idee. Wie war's
wenn wir die Kaste nehmen, packen und
, einfach zum Fenster hinunterwerfen." -
Tie anderen sahen ihn an: Entweder
hatte er den Verstand verloren, oder..
Aber er ließ sich nicht beirren.
Versteht Ihr denn nicht? Wie
hoch sind wir? Im vierten Stock. Wenn
mir also die Kasse hinunterwerfen, mit
welcher Wucht fliegt sie auf das Pflaster.
Ta sind unsere Hammerschläge Quark
dagegen, das' versichere ich Euch und
ich bin überzeugt, die Kasse fliegt nur
so auf."
Er sah seine Freunde an und diese
blickten ihn an und Eharles Tuff
Smart sagte:
All right! Jenkins hat Recht, wir
können's versuchen."
Auch die beiden anderen standen jetzt
uf, machten sich dran und schoben und
hoben die Kasse, bis sie am Fenster war.
legten sie halb um, so daß sie halb auf
den Fenstcrrand zu liegen kam und nun
hu-up! schoben und zogen sie sie hinauf.
'S war kein kleines Stück Arbeit, aber
endlich hatten sie sie doch oben. Smart
warf einen Blick hinab in deu Hof, ob
alles sicher sei, dann packten die Männer
wieder an, ein Ruck und die Kasse flog
hinab.
Bum! Ein Knall war's und dann
noch einer und dann ein Klirren und
ein dumpfes Gcpolter. Tie Scheiben
waren nämlich alle zersprungen im
Hause und vom Dachsims war ein Stück
heruntergefallen und das Haus hatte
geschwankt und gezittert, daß die Da
men im ersten Stock alle in Ohnmacht
fielen und im zweiten sich aus dem Fen
stcr stürzen wollten, weil sie glaubten,
das Haus bräche zusammen.
Smart und Jenkins aber waren die
Treppen hinabgeeilt und schnell in den
Hof. Ta lag' alles voll Glassplittcr,
Steinen und Trümmern, von der Kasse
aber war nur eine Ecke ein Bischen be
schädigt, sonst aber war ihr nicht das
Geringste geschehen.
Kinder." sagte Johnston, nachdem
kr eine Zeit lang schweigend dagestanden
hatte, wie die anderen. Kinder, jetzt
bleibt uns nur noch eine-, und dann,
so uv.br ich iVn Jobnnon beiße, tcv.n
geb' ich'? aus."
..Sprich!" ia;,te Smart und sprich"
wiederholten die anderen.
, Hier nebenan in eine Tamsnagerei.
sie zc:Kt;:üSen Steine, Stahl, Eilen,
was weiß ich, sie werden auch diese Ka'ie
i nagen."
Smart zuckte mit den Achseln.
Setzt ist schon alles gleich, probiren
wir auch das."
Und sie machten Stricke fest an der
Kasse und schleiften dieselbe bis bin zur
Sage.
Mitten auseinander sollte die Kasse
gesagt werden. ..ob das ginge?"
Jini Allen, dem die Sage gebort
zuckte mit den Achseln. Wollen'S ver
suchen," meinte er und er versucht!
es wirtlich, Tie erste Sage brach und
die zweite auch, die dritte aber schnitt
ein. Und ritsch" ging es, ritsch"
und die Gesichter von mart und von
Ben und Tick und von John wurden
immer heller, und Johnson rieb sich die
Hände, und Jenkins rief munter : Es
geht, cö geht !"
Und es ging wirklich. Schon war
die eine Seite durch und die Sage ar-
beitetc darauf los, unermüdlich, auf
und ab. Und endlich fehlte nur noch
ein Haar. Eins zwei und krach
sielen die beiden Halsten auseinander.
Tie vier Männer sielen nun wie die
Raben darüber her wer beschreibt aber
ihre Wuth, ihren Schrecken, als sie
nichts finden, absolut nicht das Ge-
rinaste kein Geld, kein
Tiefer Riddleby. dieser I ohn George
Archibald war al o ein ganz gewöhn
licher Schurke, ein Schuft, der sich mit
vier Gentlemen wie es Smart und Tuff
und Tick und John waren, einen Spaß
gemacht hatte, einen elenden, erbärm
lichen, nichtswürdigen Spaß? Dieser
Riddleby O, es war ein Glück für
dielen Riddleby, daß er todt war !
Jim Allen aber lachte. ,u waren
aber auch wahrhaftig komisch genug.
diese vier Männer, wie sie fluchten und
sich die Hände vor den Kopf stießen,
und dann fortgingen und ihn im Stich
ließen, ihn und die Kasse.
Jim Allen lachte noch, als er näher
auf die ane zuging und sie betrachtete
Tann buckle er sich und zog ein kleines
Papierchen heraus, das ein klein wenig
heraussah aus einem ä peilt, und er
lachte, als er es, ohne sich was dabei
zu denken, glättete und auseinander
faltete. Als er aber zufällig darauf
hinsah, da schlug er sich mit der Hand
auf's Kniee und schwippte mit den
Fingern, denn es stand klar und deut-
lich da :
Hunderttausend D o l
lars dem, der im Stande ist,
eine der einbruchssicheren Kassen
von Tuffkins und Eompagnie
ohne Schlüssel zu öffnen.
Duffkins & Co.
Und Riddleby?
Riddleby war also doch nicht ein
Schuft, nur daß Smart und Johnson
und Jenkins und RiggleS sich nicht in
ein Bermüchtniß theilten, sondern daß
Jim Allen es für sich allein behielt,
denn daß das Haus Tuffkins & Eo.
das Geld bezahlen mußte, das versteht
sich von selbst und das Gericht sprach
Jim Allen die Summe auch zu, da er
die Kasse ohne Schlüssel geöffnet hatte.
(iebesprobe.
Nooellekie von C a r o l u s ? r i o.
Um fünf Uhr Morgens öffnete Nor-
bert das Fenster. Unten lag noch das
Thal in tiefem Schlummer, aber die
Bergesgipfel erfreuten sich schon der
ersten Liebkosungen der Morgenröthe.
Tas schöne Wetter kehrte zurück. Schö
ncs Wetter! Man muß im Regen im
Berner Oberland gelebt haben, ge-
trennt von den übrigen Sterblichen
durch einen hartnäckigen und fast un
durchdringlichen Nebel, um zu ver-
stehen, welcher Trost in den Worten
liegt: Schönes Wetter!
Ein unvergeßliches Wohlbehagen
überkam den jungen Mann. Außer in
den blauen Himmel sollte er in kurzem
in die blauen Augen von Miß rucy
Blackwell schauen, jener reizenden Toch
ter Baltimores, in die er sterblich ver
liebt war.
Ihre Flammenaugen hatten ihn den
anften Blick Lieschens, der zarten Ge-
fährtin seiner Kindheit, nicht vergessen
lassen, die durch ein stillschweigendes
Einverständniß zu seinerGattin bestimmt
war.
Lieschen, Fräulein Luise von Ava-
rede war auch in Mengen. Traurig
und still ergeben, sah sie den halben
Verrath ihres Freundes, jedoch ohne
Groll, denn sie hoffte auf die Zukunft
und die Macht ihrer Liebe.
Um nichts in der Welt hätte Norbert
seinem Lieschen, die seine Knabenjahre
verschönt hatte, einen Schmerz verur-
fachen können. Wenn er sie so sanft
und traurig sah, ohne daß ein bitteres
Wort über ihre Lippen kam, empfand
er eine unendliche, zarte Pietät für sie,
aber er hatte nicht die Kraft, den Rel
zeit der schönen Amerikanerin zu wider
stehen. Er zögerte, sein Tomizil offen
und frei in dem Gasthofe aufzuschla
gen, wo die schöne Amerikanerin
wohnte, aber trotz alledcm suchte er die
Gelegenheit zu zufälligen" Begegnun
gen und veranstaltete Ausflüge, die ein
Zusammentreffen mit ihr begünstigten.
Man wird daher verstehen, welche Wir
kung die Wiederkehr schönm Wetters
auf sein Gemüth ausübte.
Schnell batte er Toilette gemacht
und gerakewegS ging er nach dem (iait
hause der schonen Amerikanerin.
Was : Nitj Niemand nt au, den
Beinen?" rief er' aus. Tann schrieb
er einige Zeilen aus seine Visitenkarte
und schickte sie zu Mi Blackwell.
Tiefe Zeilen mußten eine magnetische
Iran haben, denn fünf Minuten spa
ter brachte ein niedliches Kammerinad-
chen in Schweizer Tracht die Antwort:
o stehe zu Ihrer Verfügung."
Norbert wartete auf der Zerasse
iT.Duei en einen :Vin inaaroeu. In
ihrer dunigen Toilette und den goldenen
Locken, die wallend auf ihren Nacken
sielen, war sie in der That reizend.
Guten Morgen mein Freund!"
sagte sie, indem sie ihm ihre zarte Hand
reichte und aus den rosig, angehauchten
Gedirgskainm zeigend, fügte sie hinzu:
O, sehen cic, wie schon, wie Herr
lich!"
Aber doch nicht so schön, wie Ihr
Lächeln!" bemerkte Norbert.
..Fangen Sie nur nicht so frühzeitig
mit Schmeicheleien an," versetzte mali
tios die Amerikanerin, es bleibt Ihnen
sonst sür den Abend nichts übrig."
Ich bin kein Freund von Kompli
menten," sagte Norbert, aber Jdnen
gegenüber fühle ich immer das Bedürf
niß zu sagen, was ich denke."
Bald waren sie auf dem Bahnhofe
angelangt. Luise und Frau von Ava-
rede waren schon da, auch andere
Touristen, die in demselben Gasthofe
wohnten.
Als dck arme Mädchen Norbert in
Begleitung der schönen Fremden sah.
durchzuckte sie ein schmerzliches Gefühl.
Wieder sie! Immer wieder sie!" dachte
sie. und fast wollte ihr Herz zerspringen
beim Anblick jenes Weibes, das ihr das
Liebste raubte.
Der Zug! Ta kommt der Zug!"
rief Lueg in die Hände klatschend.
Eine fröhliche Menge nahm in den
Waggons Platz, und der Zufall gestat
tete Norbert neben Miß Luey zu sitzen.
An der Station Lauterbrunnen stan-
den die bestellten Wagen bereit. Ter
Morgen war kühl, und fröstelnd in ihre
Plaids gehüllt, saßen Miß Lucy und
räulein von Avarede auf dem Rücksitze
eines Landauers, frischer wie zwei auf-
gebluhtc Rosen: sie sahen sich bcobach-
tet, und daher Nichte jede von ihnen als
die anmuthiqste zu erscheinen, ein
Wunsch, der auch minder ehrgeizigen
Naturen angeboren ist.
Norbert wurde durch das sonnige
Lächeln der beiden Madchen ganz ver-
wirrt.
Beim Dörfchen Stechelberq verengt
sich die Straße in einen schmalen Berg
steig, man mnßte die Wagen verlassen.
Luisens Mutter und die älteren Theil-
nchmcr an der Partie, denen eine drei-
stündige Bergtour zu anstrengend war,
blieben hier, mährend das junge Volk
den Weg nach dem oberen Steinberg
einschlug.
Fräulein Lieschen und Min Lucy
wetteiferten mitunter mit einander ihre
Kunst als Bergsteigerinnen zu zeigen.
Wie zwei Gemsen kletterten sie munter
empor, dabei bald rechts, bald links
Alpenblunicn pflückend, mit denen sie
ihre Hüte schmückten.
Und die Alpenrosen ?" fragte plötz-
lich Miß Lucy; giebt es hier keine Al
penrosen ?"
Niemand hatte solche gesehen.
Diesen Strauß dem, der mir Alpen-
roscn bringt!" fuhr sie fort. Und mit
einer koketten Bewegung zeigte sie auf
den Strauß, den sie am Busen trug.
Aber die armen Burschen konnten
lange suchen; nicht eine Spur von Al-
penrosen war zu sehen. Die Wände
rung ging weiter; die Sonne sandte
immer glühendere Pfeile herab. Tie
beiden Mädchen hatten ihre frühere
Munterkeit verloren und fragten einmal
über das andere, wann man am Ziele
ein wurde.
Als der Weg eine Biegung machte,
wurde von weitem die Sennhütte, wie
an dem Felsen hängend, sichtbar.
n zehn Minuten würde man dort
sein, hatte Norbert gesagt, und diese
Aussicht rief die ermatteten Lebens
geister wieder wach. Miß Lucy schien
unermüdlich; mit Leichtigkeit einer
Gemse eilte sie voran, so daß ihr Rosa-
kleid in der ttxne wie ein rother ivletf
erschien. Plötzlich schien sie stehen zu
bleiben und rief mit allen Zeichen un
bündiger Freude: Alpenrosen! Alpen-rosen!"
Alle beschleunigten ihre schritte, und
bald konnten sie am Bergeshange eine
Unmenge blühender Alpenrosen bewun-
dern, die sich wie ein rother Teppich vor
ihnen ausbreiteten.
Wie schön! Wie reizend!" riefen die
jungen Damen.-
Schade, daß man nicht hmablangen
ann, um sie zu pflücken," sagte Je-
mand aus der Gesellschaft.
In der That fiel der Abhang in er
chreckendcr Steilheit mehr als tausend
Meter jäh ab. Aber Miß Lucy nahm
den Strauß von ihrem Busen, und
einen unwiderstehlich schelmischen Blick
auf Norbert werfend, sagte sie: Mei-
nen Strauß demjenigen, der mir Al-
penrosen bringt !
Norbert entledigte sich der Zachen,
die er bei sich trug, und schwang sich
über den Felsen.
Man suchte ihn von seinein Vor-
haben abzuhalten. Halten Sie ein;
es ist Wahnsinn !" rief man ihm zu.
Lieschen, ernst schüchtern und zurück
haltend, eilte vorwärts und bat mit
flehender Stimme: Norbert, bleiben
Sie! -ie wagen Ihr Leben!"
Und als sie bemerkte, daß die Amen-
kancrin ihm schelnmebt Blicke zuwart
fugte iie errottiend hinzu: lenken S
an Ihre Mutter!"
Der es war zu Ipat. er junge
Mann kletterte den Netten Abhang bi
ab. sich am trieft rupp festhaltend. Alle
folgten feinen Schritten mit ängstlich
Blicken.
Plötzlich sah man ihn schwanken
Ein Strauch, an dein cr sich fest ge
klammert, batte seiner Last nachgegeben
und Norbert verschwand in die Tiere.
Ein gellender Schrei tönte durch die
Luft, und Franlein v. Avarede wurde
obnmachtig. Wahrend man sie nach
der cenntrntte am objrcn steinberg
trug, wollte einer der jungen Männer
Norbert zu Hülse kommen.
Tiefem aber war es gelungen, sich
im nallen festzuhalten; mit meines
gegenwart sich an einem Zweige an
klammernd, war er wirklich wieder au
die Füße gekommen.
Komm nicht herab!" befahl er dem
Freunde.
Tann pflückte er ruhig die ersehnten
Blumen, machte davon einen gcwal
tigcn Strauß, den cr mit Grashalmen
zusammenband, und kletterte, sich am
Gestrüpp festhaltend, gewandt miede
empor.
Norbert vertheilte seine Alpenrosen
Tie Hälfte davon überreichte er Miß
Lucy: dann, mit suchenden Blicken um
sich schauend fragte er: Und Lieschen?
Wo ist Lieschen?"
Ter Entsetzensschrei des armen in
des war nicht bis zu ihm gedrungen
Tann wurde ihm daS Vorgefallene
mitgetheilt und eine tiefe Rührung
überkam ihn.
Ohnmächtig!" seufzte er, o die
arme Kleine ohnmächtig!"
Und unbekümmert um den Strauß
den Miß Blackwell von ihrem Busen
nahm, eilte er zur cnnhütte.
Fräulein von Avarede lag auf einem
Bette, bleich und wie träumend.
Als er sich näherte, bewegte sie sich.
Lieschen, mein liebes, theures Lies
chen," rief er und erfaßte ihre weiße
Hand.
Jetzt schien sie zu erwachen.
Es war Unrecht," stammelte sie.
groncs Unrecht !"
Norbert kniete vor ihrem Bett nieder
Verzeihe mir," bat cr, verzeihe! Ich
war ein Thor! Jenes Weib forderte
mich heraus, und ich wollte ihr zeigen,
daß ich keine Furcht kenne. Aber jetzt
verabscheue ich sie, well ich Tich liebe,
Lieschen, Tich anbete."
Tiefe letzte Worte flüsterte er ihr
ins Ohr. Ta kam ein Lächeln, ein
Zug der Erleichterung auf Lieschens
bleiches Gesicht. Sie konnte nicht spre-
chen, aber ihre Hand drückte kräftig die
des Freundes.
Plötzlich hörte man Lärm; die übrige
Reisegesellschaft war angelangt.
Laß uns hinabgehen!" sagte Lies-
chen, Niemand braucht davon zu wis
sen."
Du hast Recht, mein Lieb," ant
wortete Norbert; und auf dessen Arm
gestützt erschien das junge Mädchen auf
der Terrasse. Tie Amerikanerin war
auffallend kalt gegen sie; sie hatte alles
verstanden.
Nach dem Frühstück machte man sich
auf den Rückweg. O wie verschieden
war dieser von dem Aufstieg am Mor-
gen. Die verführerische Amerikanerin
schritt auch letzt den übrigen voran,
aber schweigend. Norbert und Lieschen
waren die Letzten im Zuge.
Am andern Morgen erfuhr man,
daß Frau von Avarede mit ihrer Toch
ter abreisen würde, um die Saison in
Montreux zu beenden, und daß Norbert
sie begleitet.
Ta ist eine Hochzeit in Aussicht,"
war die einstimmige Meinung an der
Table d'hotc. Auch Miß Blackwell war
dieser Ansicht. Sie war, als Norbert
sich von ihr verabschiedete, sehr ironisch;
dieser aber sagte einfach: Sie haben
von mir einen Strauß Alpenrosen ver-
langt, und ich habe ihn besorgt mit
Gefahr meines Lebens; Lieschen hat
mein Leben vorgezogen, und ich biete es
ihr. Adieu!"
Seltsames Wiederfinden.
Eine romantische Scene wird dem
Berl. L. A." aus London berich
tet : Zwei elegant gekleidete Tamen,
von denen die ältere ein wohlgcfülltes
Portemonnaie in der Hand trug, gin
gen in der Hollway Road an einem
Restaurant von der niederen Sorte vor
über, als plötzlich ein wild und herun
tergekommen aussehender junger Mann
von etwa 25 Jahren aus demselben
hervorstürzte, der Dame, ehe sie sich be
sinnen konnte, das Portemonnaie aus
der Hand riß und sich eiligst damit aus
dem Staube machte. Der Hülferuf
der Beftohlenen brachte schleunigst drei
junge Burschen herbei, die Jagd auf
den Entlaufenen machten. Es gab
eine aufregcndeVerfolgung durch ein Ge
wirr von winkeligen Straßen und Gas
sen, bis der Gehetzte zu seinem Unglück
in eine ihm jedenfalls unbekannte Sack
gasse gerieth, wo er von den drei Ver
folgern gestellt und gefangen wurde.
Vergebens flehte er sie an, ihn laufen
zu lassen, er sei am Verhungern und
habe die Börse nur aus Verzweiflung
gestohlen, um sich etwas Nahrung ver
schaffen zu können ; seine Wächter blie
ben unerbittlich und hielten ihn mit
eisernen Griffen, bis die Damen herbei
geeilt kamen. Groß war jedoch ihr
Erstaunen, als sie die ältere Dame
plötzlich auf die Knie fallen und um
Verzeihung für den Dieb bitten ahcn.
Im nächsten Moment lag auch dieser
auf seinen Knieen und bat die Dame
himmelhoch, sie möge ihn eingedenk
vergangener Zeilen nicht dem Richt
ubenvei'en. Nunmehr gab die Be
uomene leoem der drei inneren ein
Pfund Sterling unter der Bedingung
von dem Geschehenen abtolut nichts zu
verrathen, und nachdem sie ihnen noch
eine kurze Erklärung gegeben, verließ
tie Arm in Arm mit dem liebe den
Schauplatz. Wie sich herausstellte
war sie eine reiche Hotelbesinerin an
dem Seebade Brighton. die vor Ku
zem iliren ohn aus dem Haufe gelto
ßen hatte, weil sie benimmt glaubt,
daß er ihr fünf Zehn Pfund Note
genohten bade, iie vermiete
Noten fanden sich zwei Tage später
doch von dem unschuldig ver'hr,enen
Sobnc konnte die verzweifelte Mutte
keine pnr entdecken, bis sie ihn als
den Tied ihres Portemonnaies, wie
oben beschrieben, so seltsam wieder
gesunden hat.
Ski Ithto Wort.
Moritz Sapbir. der bekannte Satiri
er. gerieth in den letzten Jahren seines
Lebens, die er in Wien verbrachte, mit
einem dortigen Literatcn in einen m
ocrtrieg, der mehrere Wochen ganze
palten zweier Zeitungen füllte
Saphir's Gegner nannte ihn wieder
holt einen alten, aus der Mode gekom
menen Narren u. s. w., und schließlich
erklärte er unter der Ueberschrift: Mein
letztes Uvort an j?errn aphir, er
selbst und jeder anständige Journalist
schreibe für die Ehre, während Saphir
nur für Geld schreibe
Tarauf erwiderte Saphir ganz kurz
als sein letztes Wort an Herrn .: Je
der schreibt eben für das, was ihm
eblt !"
Tie witzige Antwort zog die Lacher
auf seine Seite und der Federkrieg war
zu Ende.
Ihr Verlust.
Eine Radlcrin stürzt Abends auf der
Straße von Straßburq nach Schiltiq-
heim. Tas Rad ist be,chädiqt, die La
terne zersplittert ; die Passanten bleiben
stehen ; einige Herren richten die junge
Tarne auf. Einer der Herren fragt
,Est-ce au vous etes fait mal,
mademoiselle?" (Keine Antwort;
die Radlcrin schaute suchend zu Boden.)
Der Herr: ,,Estce que vous
avez perdu quelque chose, ina
demoiselle?" (Keine Antwort ; sucht
weiter.)
.m Dcrr : ..Uuest-ce vous
chercliez, mademoiselle?" Be
harrliches Schweigen der Dame.)
Der Herr : No, was suchen S denn,
Mainsel?"
Die Dame: Mine Zähn '."
Kindermund.
Mama: Na, Karlchen, war es denn
hübsch im Museum?"
Karlcheiz: Ja. Mama!"
Mama: ..Weint Tu auch noch, was
Du Alles gesehen hast?"
Karlchen: Gewiß, Mama!"
Mama: Na, kannst Tu mir auch
sagen, wie die Figuren heißen, die
Du gesehen hast?"
Karlchen: Ja, Mama, die meisten
hießen: Nicht anfassen !"
Unsere Dienstboten.
Hausfrau, Sie treiben es aber gar
zu arg, Minna. Ich habe gestern ge-
zhen, wie Sie sich von drei Soldaten
ach Hause bringen lienen."
Tienstmädchen: Ja, gnädige Frau,
heutzutage kann man nicht vorsichtig
genug sein es ist zu unsicher auf der
-tratze."
Hausfrau? Un,icher? Wieso?"
Tienstmädchen : Na, ja ! Schon
allein die vielen Schutzleute "
Empfindlich.
Wirthin: Aber, Herr Bummel, war-
um kommen Äle denn immer erst des
Morgens nach Hause ?"
Student: Ja, seh n Sie, ?rau
Schmidt, ich kann halt die Nachtluft
icht vertragen!"
Bffenherzig,
Ich komme von der Frau Neehwa-
dal, sie sagte mir, Sie brauchten ein
Stubenmädchen.
Tas muß ein Irrthum sein, ich
mache mir meine Arbeiten alle selbst."
schade! Tas wär so ein Platz für
mich gewesen!"
Sarkastisch.
Frau Schmatzmaul (einem Herrn
weitschweifig erzählend, wie sie ihren
Gatten kennen gelernt): Ja, und
denken Sie sich, wie wir da ganz welt-
vergessen unter dem Baume saßen und
ich ihm gerade erzählte "
Herr .: Pardon, datz ich isie un-
terbreche was für ein Baum war es
denn, unter dem le saßen r
Frau Schmatzmaul: Tas kann ich
wirklich nicht sagen."
Herr .V: Jedenfalls ein Pappel-
aurn.
Cin guter Soldat und Bater.
Eine allerliebste Geschichte U'iid ans
Laon (Frankreich! berii tit. Tort kam
ein zn den Manövern einberufener
Reservist mit seinem ixeri:brige,i Kna
ben an der Hand in die Kaserne des
1.". Infanterieregiments und erklärte
ans die Ai,"0loe:ung, oen Kleinen ,in
derweiti i unterzubringen. Folgendes:
.Ich
habe
Niemanden,
der ans das
Kind Acht geben konnte. Wenn ich es
in Paris allein ließe, würde es auf der
Straße heruinwildern und schlechte
Streiche verüben. Sie zwingen mir
einen Tienst auf. der mich daran hin
dert. über mein Kind zu wachen. Ich
Mitziehe mich nicht dieser Pflicht, aber
Sie tonnen nicht von mir verlangen,
daß mein Sohn darunter Schaden lei
det!" Gegen diese Logik des braven
Vaters ließ sich beim besten Willen
nichts einwenden und man verstand sich
lachend dazu, dem Bürschchen einen
Speisenapf und ein Bett anzuweisen,
damit es die 'tägige Uebungszeit mit
seinem Vater zusammenbleiben könne.
Lin gemiitlilichek Kiitfibcr.
Ein Herr fuhr vom Leipziger Bahn
Hof hinaus nach Plagwitz, allerdings
bei greulichem Schmutz. Etwa ls0
Meter vom Ziel entfernt, hielt der Knt
scher an und sagte ganz treuherzig:
Nu sehn Se nur einmal den Treck, ich
muß weeß ttneppchen zwee Stunden an
der Kutsche rumpntzen, wollen Sie nicht
so gütig sind und des Endchen lovfen 5"
Ach so.
Patient (an Fettleibigkeit leidend):
,,-agen ie, Herr Tvltor. wie viel
Fleisch kann ich täglich bei Ihrer Be-
Handlung verlierend"
Arzt: Tas kommt daraus an. ick
habe einen Patienten, der hat gestern
fünfuiiddreßig Pfund verloren."'
Patient: Nicht möglich."
Arzt: Toch; ich habe ihm ein Bein
mputirt!"
U?er weiß ?
Frau Krüger: ..Na. !rau Mitte,
Ihre Tochter sollte ja wohl Lehrerin
werden. Ist wohl nichts daraus ge
worden, was?"
Frau Milke: Ne. Frau Krüger, da
war sie zu dumm dazu. Tie lernt über-
Haupt niicht bei ihre Dummheit."
?vran Krüger: co, na. da sind Sie
wohl sehr unglücklich darüber?"
Frau Milke: Manchmal ja. aber
manchmal denke ich ooch wieder: wer
weeß. wo ihr det mal znjute kommt."
Ihr Standpunkt.
Ich sage Dir, Lina, beim
eS nicht mehr zum Aus-
Köchin: Na, Fritze, denn kundige
Soldat
Militär i
halten."
janz einfach
Fataler Beweis.
Richter: Womit wollen Sie bewei-
en, daß dies gerade die Strümpfe sind.
die Ihnen fehlen ?"
Zeugin : Ich kenne sie an den Lü-
chern!"
diese
Im Aquarium.
Mann: Schau nur einmal
chöne Seerose an!"
Frau: Sehr hübsch. so werde ich
mir meinen neuen Hut garniren lassen."
Anzüglich,
Wirth (zum Gast, der sich einen
Humpen Wein über die Hose geschüttet
an: Las ist wohl durchaeaanaen.
was ?"
Gast: 0 bewahre der Stoff ist ia
wasserdicht!"
Ausgleich.
Wenn Tich Dein Meister so viel an
den Ohren zieht, müssen die ja schließ
lich vom Kopfe weit abstehen."
chu terlehrlmg: Tarum keene
Bange, die Meisterin schlägt sie dafür
immer wieder in ihre alte Facon zurück.
Renommage.
Gast: Auf dieser Speisekarte ist ia
alles gestrichen ?"
Kellner (ihm in's Ohr flüsternd):
Im Vertrauen Renommage die
w e i Speisen, die noch zu haben
sind, waren überhaupt die e i n z i a e n.
die wir kochten!"
Neues wort.
Tarne (im Badeorte):
jetzt für viele Briefe
habe, ich bin wirklich eine f ch w e r g e
riefte Person!
ich
Nein, was
zu schreiben
Widerspruch.
Professor: Was weinst
bette ?"
Babette: Ach.
so ungnädig!"
Tu. Ba-
die Gnüd'ge ist
Leine Antwort.
Kommerzicnrath (zum stark verschul-
beten Baron, der um die Hand seiner
Tochter anhält): Sie müssen mir ver-
zeihen, daß ich in pekuniärer Hinsicht
meiner Beunruhigung über die Zukunft
meiner Tochter an Ihrer Seite Aus-
druck verleihe."
Baron: In Anbetracht Ihrer Ver-
hältnisse können Sie darüber vollkom
men beruhigt sein!"
Scharfe Replik.
Ein reicher Schneidermeister H
in Riga, der dortigen Edelleuten die
Kleider auf den Leib und auf Pump
machte, hatte seine Tochter an einen
adeligen Offizier vcrheirathet. Turch
seinen Schwiegersohn kam er manchmal
in die exklusivsten Kreise Riga's, so
auch zu einem Baron, wo nur die Haute
Poilce und die Spitzen der Kunst ver
kehrten. Während einer solchen Gesell
schaft kommt der Baron auf H zu.
Na, wie finden Sie es hier, lieber
...." fragt er ihn.
Sehr gemischt!" antwortet dieser.
Ader lieber H ." sagt der Ba-
ron, es können doch nicht lauter
Schneider da sein!"