Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, June 23, 1898, Image 12

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    Die blaue K:?.
tfrid'jliiitg ooit , d e ! j.
Vor etwa dreißig Jadren lebte in
Bresfigny. der Stadt der Gattenkultur,
ein eoemalieet gteuerbeamter. der sich
mit Rosenzüchtunz deschästizte. JuliuZ
SlMn hatte sich, wie viele alte Solda
ten, erst nachdem er den Tienft ouiitirte
derlzeiratdet. Seine Frau schenkte ihm
in Ztchterchen, ftard oder bald darauf
und ließ den armen Mann mit dem
Rind allein.
153 war eine schwere P 'licht, doch der
ölte Eteueraufselzer liebte daZ ihm in
so spaten Jahren geborene Rind so zürt
lich, daß er sich der ihm durch den Tod
der Mutter zugefallenen Aufgabe in
vollem Maße gewachsen zeigte.
Damit sein Garten unter der ihm
gewordenen Eorge nicht zu leiden bade,
erhob er sich früher deZ Morgen? und
legte sich später deZ AdendZ zur Ruhe.
lZ Jeanette größer wurde, durfte
sie nicht mehr von seiner Seite weichen.
Er nahm sie mit sich, wenn er feine
Blumen, Gemüse und Früchte zum
Markt trug, setzte sie neben sich auf sei
nen Rock, wenn er im Garten arbeitete,
und unterbrach sich tausendmal, um ihr
zuzulächeln, mit ihr zu plaudern oder
auf ihren Ruf herbeizueilen. Man
war so gewöhnt, ihn nie ohne das Kind
zu sehen, daß er in der ganzen Nachbar
schaft Papa Amme" hieß.
Wie gesagt, er trug zur damaligen
Zeit noch tüglich Früchte und Gemüse
zu Markt, denn erst viel später widmete
er sich ganz der Rosenkultur.
Sein Garten war groß und nach Art
der HanoelZgörten angelegt. Die
Mauern waren mit Wein und Obst,
spalieren bedeckt. Schmale, mit BuchZ
bäum eingefaßte Gänge liefen zwischen
breiten, mit allen möglichen Gemüsen
gefüllten Beeten hin. Den Mittelpunkt
bildeten prächtige Obftdäume ; Johan
niZ und Stacheldeerftrüucher, Rosen
sticke und andere Stauden dienten alZ
Rahmen, und der Vordergrund war
einem wahren Durcheinander von
Nutz und Zierpflanzen erfüllt, die ohne
jede Symmetrie, sichtlich nur, um sorg
fältig jedes leere Plätzchen auszunutzen,
dort angebaut waren.
Ein eigenthümlicher Zufall hatte
Papa Allain zum Rosenzüchter gemacht
und in dem alten Garten eine totale
Uuiwälzung hervorgebracht.
Bor dem Häuschen befand sich näm
lich ein Rosengebüsch von verschiedenen
Rofenarten. Eine? Tage? nun hatte
der gute Mann einige Samenkörner
gesammelt in einen Topf gesäet und
dann die zarten Pflänzchen. die daraus
entstanden waren, der Gartenmauer
entlang gesetzt. Er pflegte sie sorglich
und war gespannt, waZ daraus ent
stehen würde. Im dritten Jahre brach
ten sie endlich KnoZpen hervor. Unter
den vielen einfachen und haldgefüllten
Blüthen war auch eine von außer
ordentlicher Regelmäßigkeit, herrlicher
Fülle und tief purpurrother Farbe die
gegen den Kelch zu ins Schwarze über
ging.
Nach den ersten Augenblicken der
Ueberrafchung dachte er sofort an feine
Jeanette, die mittlerweile zu einem
jungen Mädchen von fünfzehn Jahren
herangewachsen war. Er lüfte die Rose
behutsam von dem schwachen Strauch
und trug sie triumphirend zu seiner
Tochter. Beide konnten sich nicht satt
daran sehen und wurden nicht müde, sie
zu bewundern.
Dieses Ereigniß machte große? Auf
sehen unter den Blumenliebhabern deZ
Landes ; von weit und breit kam man,
die Rose des guten Allain zu betrachten,
und ein Rosenztichter bot ihm zweitau
send Franc? dafür, die auch freudig
angenommen wurden.
Dieser unverhoffte GlückZfall brachte
ihn auf einen Gedanken, der ihm früher
nie in den Sinn gekommen war.
Er hatte sich das Recht vorbehalten,
seiner Rose den Namen zu geben und
nannte sie: "1s Demi de Simplicia",
weniger der düsteren Nüance ihrer
Farbe wegen, als zum Andenken an
feine noch immer betrauerte Frau.
Wenn man ihn nun erstaunt fragte,
warum denn die Rose nicht nach seiner
so sehr geliebten Tochter heiße, so ant
wortete er :
0, sie wird schon an die Reihe kom
men. Die Rose, die ihren Namen er
hält, wird so schön und so eigenartig
sein, daß man noch niich hundert Iah
ren von meiner Jeanette reden wird."
Und richtig, von diesem Tage an
widmete er sich mit Leid und Seele der
Rosenzüchtung.
Die so reichlich Frucht tragenden
Aepfel und Birnbäume sielen einer
nach dem anderen unter seiner Axt ; die
Blumen und daS Gemüse verschwanden
allmälig, und alleZ mußte der Rosen
kultur weichen.
Jeanette wohnte täglich mit feuchten
Augen neuen Exekutionen bei. Sie
war noch zu jung, um den materiellen
Schaden zu begreifen ; sie betrauerte die
fallenden Opfer nur als Freunde ihrer
Kindheit, deren köstlichen Reichthum sie
bewundert und an deren saftigen F:üch
ten sie sich erlabt hatte.
Einige Male versuchte sie, für ihre
besonderen Lieblinge, deren starke Aefte
sich schon mit schwellenden KnoZpen be
deckten, Fürbitte einzulegen; doch der
sonst so schwache Bater zeigte sich uner
bittlich, er schüttelte den Kopf, that
einen kräftigen Hieb gegen den Baum
und murmelte :
Deine Mitgift! Tu mußt mich
Deine Mitgift erwerben laffen, meine
kleine Jeanette l Mit Aepfeln und Bir,
v.in kann ich die für Dich erträumten
znianzigtauienS Franc! nicht finden.
Ich brauche eine blaue 2bfe !"
AIS aber der Garten kahl war, hatte
Bater Allain wever Odg noch Blumen
oder Gemü'e auf den Mat!t zu tragen.
'und der bescheidene Wohlstand vcr
i schwand allmälig auZ dem Häuichen.
! Der Bau eincZ holländischen GlaZ
! hauscZ und die Anlagen der zadlreich.-n
! Mistbeete, die für die jungen Spröß
linge nöthig waren, hatten seine letzten
Ersparnisse aufgezehrt. HauZ und
Garten wurden mit Hypotheken belastet,
doch die blaue Rose zeigte sich noch
immer nicht.
ES fand sich unter den Tausenden
von jungen Pflänzchen, die alle Jahre
ihre Kelche entfalteten, wohl hier und
da eine neue Spezialität; aber so de
merkenZwerth wie damals die erste war
keine mehr. Man bot ihm einen Spott
preis dafür, den er auZschlug. und er
verfolgte fein Ziel mit der Hartnäckig
Zeit der firen Idee, die alle Gedanken
und Kräfte auf einen einzigen Punkt
richtet.
Er wendete alle Künste der. Bewäs
serung an, mengte den Boden, auf dem
seine Schützlinge standen, mit Schiefer
staub, Eisenoxyd. Kupfersulphat und
allen erdenklichen Chemikalien, und je
eigensinniger die Blüthen bei Weiß und
Roth beharrten, desto eigensinniger
suchte er durch immer neue Mittel die
erträumte Rose zu erhalten.
Dieser Kampf währte bereit? fünf
Jahre, da brach die Katastrophe herein.
Jeanette, die nun im einundzwanzigsten
Jahre stand, erkrankte gefährlich. Sie
hatte längst eingesehen, zu welchem Ab
arund der Rosenwahn und der väterliche
Ehrgeiz den alten Gärtner führten, und
sah deutlich, daß unter dem verlockenden
Trugbilde nur Elend lauere. Doch
war sie gegen daZ hereinbrechende Un
heil ftark gewesen, denn sie liebte und
wurde geliebt.
Ein braver junger Tischler bat den
Vater nm ihre Hand und beschwor ihn,
der trügerischen blauen Rose sammt der
Mitgift zu entsagen, da er und Jeanette
durch ihre gegenseitige Liebe auch ohne
Mitgift reich genug seien.
AlleZ Hütte gut werden können, da
aber zog der junge Mann bei der Re
krutenstellung unglücklicherweise eine
der ersten Nummern und mußte zur
Marine.
Dieser Schlag war zu hart für daZ
junge Mädchen, und ihre schon ange
griffen Gesundheit unterlag.
Als der alte Gärtner fein Kind in
Gefahr sah war er augenblicklich wieder
der einstige Papa Amme.
Seine Rosen? Er wußte kaum, daß
sie noch da waren. Er wachte Tag und
Nacht an ihrem Bette, dachte an keinen
Schlaf und lebte von einem Stück
trockenen BrodeS. daS er in der Eile aß.
und da e? ihm an Geld zu Arzneien
fehlte, verkaufte er nach und nach alles,
waS er besaß, selbst seine Gariengeräth
schaften.
Doch alle Sorge, alle Mühe war um
sonst, alle Gebete vergeben?, fein Kind
starb.
EZ schien, a'Z ob die Seele deZ Grei
seS mit der seiner Tochter entflohen
wäre. Er saß unbeweglich neben der
Hülle der Entschlafenen, er sah, wie
man den Sarg vernagelte, er folgte
ihm auf den Kirchhof, hörte daS dumpfe
Geräusch der fallenden Erdschollen, ohne
daß eine MuZkel verrieth, waZ er
empfand, ohne daß seinen blutrothen
Lidern eine Thräne entfiel.
Er ging wie eine Maschine, die nicht
weiß, waS um sie her geschieht. Men
schenfreundliche Nachbarn führten ihn
nach Hause.
Am anderen Morgen kam der G:
richtsdiener und kündigte ihm an, daß
er da? HauZ verlassen müsse, da eZ zur
Versteigerung käme: doch seine Gläu
biger, von feinem Unglück gerührt, er
laubten ihm, die nöthigsten Möbel mit
zunehmen.
Er machte stumm ein kleines Packet
von seinen Kleidern und denen, die
seine Tochter getragen, und wandte sich
zur Thür.
Der GerichtZdiener wiederholte, er
möchte die Dinge bezeichnen, die er zu
behalten wünschte.
Ich brauche nicht? für mich, für sie
werde ich eine Rose auZ dem Garten
nehmen, wenn Sie eZ gestatten."
Zehn, auch hundert, fo viel Sie
wollen!" sagte der GerichtZdiener tief
bewegt.
Eine einzige, und Sie selbst sollen
sie bezeichnen!"
Sie traten in den Garten, und der
Rosenstrauch, welchen der GreiZ auf
suchte, war der höchste und stärkste
unter den jungen Pflanzen.
Der unglückliche Gärtner grub die
Rose vorsichtig aus, umwickelte die
Wurzeln sammt der Erde mit Stroh,
dankte dem Gerich'Zdiener und schritt,
sein Strüuchlein in der Hand und da?
Packet unter dem Arm, dem Kirchhof
zu.
Ein Jahr darauf, im Juni, trieb der
Rosenstrauch, welchen der GreiZ auf den
Gradhügel seines KindeZ gepflanzt
hatte, die ersten Blüthen, und ihre selt
same Farbe erregte die Aufmerksamkeit
eines KirchhofbefucherS.
Diese Rosen waren blaß'dlau, ein
ganz verwaschene?, weißliche? Blau,
aber doch vollkommen deutlich blau.
Er bat den Kirchhofwüchter, ein Aüge
von diesem Strauch nehmen zu dürfen,
doch dieser verweigerte die Erlaubniß.
Der Fremde bot eine beträchtliche
Summe für ein einzige? Zweiglein.
Zufälligerweise war er aber auf einen
streng ehrlichen Mann gestoßen, der ihm
erklärte, nur de: 'esttzer der Roe. der
Vater deZ dort ruhenden Mädchen?,
habe da? Rech:, darüber zu verfügen.
Er gab jedoch dem Drängen de?
.Manne? nach und schickte nach Vater
j Alla:n. der im Armer.hau'e der Stadt
j eine Umerkunft gesunden hatte,
j Der GreiZ erschien auch Ä-bald. und
,der Wächter bahnte ihm einen Weg
j durch die Menge, die sich unterdessen
inn ffirnllfrlnmn Ü if'llftl.f fltl.1
sammelt hatte.
Der Liedhader wiederholte sein Lner
bieten und verdoppelte die Summe, die
er dem Todtenzräder geboten hatte.
Vater Allain schien ihn nicht zu
boren. Er betrachtete mit glühenden
Augen die erblühten Rosen, und Fieber
schauer liefen über sein bleiche?, ge
furchte? Angesicht.
Plötzlich, mit einer fo unverhofften
Bewegung, daß Niemand im Stande
war, ihn daran zu hindern, riß er den
Strauch aus der Erde, zerbrach ihn mit
seinen Händen und zertrat ihn mit
Füßen.
Unglücklicher!" rief der Ro'en
freund, waZ thun Sie, ich hätte
zwanzigiausend Fran.Z dafür gegeben!"
Wozu blaue Rosen? Wozu zman
zigtausend Franc?? Sie ist nicht mehr!"
Und er kniete auf den Hügel und
weinte bitterlich.
2luswandmniten.
Erzählung aus der Gegenwart von Jllivine
von ifrvach.
Der Mond zog still seine Silberbahn
über daZ leise rauschende Meer; von
dem rastlos dahineilenden BuZwande
rerschiffe baute er eine Brücke nach
irgend einem fernen, unbekannten Ge
ftade.
Wache nach vorn !" rief der acht
habende Steuermann über daS Schiff
hin, und vom Bugspriet her entgeg
nete in etwa? schläfrigem Tone der
Ausguck: Alles wohl!"
Bor dem hohen Bollwerk fielen breite
Schatten über daZ tiefgelegene Zwischen
deck, und hier hatten zwei junge Mäö
chen, AuZwanderinnen., sich ein Plau
dereckchen gesucht, wo sie nun in halb
lautem Tone ihre Gedanken auZtausch
ten.
,,Ja" sagte eben die jüngere, eine
volle, hübsche Blondine, mir sind die
Ersten, die hinausziehen, um unser
schon halb verlorene?, deutsche? Süd
weft'Afrika der deutschen Frau zurück
zugewinnen, wir sind die weiblichen
Pioniere dieser neuen Welt, und der
Gedanke dieser tulturmission hat für
mich etwa? Erhebende?. Meinen Sie
nicht, liebeS Fräulein Marie, daß eZ
un? gelingen wird, die schwierige
Situation zu überwinden und geordnete
Zustände zu schaffen, wo jetzt schon
halbe Barbarei herrschen soll?"
Die Angeredete, ein bleiche?, hochge
wachsene? Mädchen mit nachtschwarzen
Augen und ebensolchem Haar, lächelte
ein etwa? melancholische? Lächeln
und, den Kopf an di Schulter der
Freundin lehnend, entgegnete sie mit
einem ganz kleinen Seufzer : Wer
weiß! Man hat e? un? gesagt, und wir
haben es geglaubt, theure Alma. Die
degeiflerten childerunzen unserer
Frauenrechtlerinnen haben unS mit
fortgerissen. ES ist viel über die AuZ
Wanderung unversorgter deutscher
Frauen nach frauenarmen Ländern
gesprochen und geschrieben worden, und
Major Leutwein hat, in Verbindung
mit dem Eolonialverein, den Gedan
ken schnell zur That werden lassen. Je
mehr ich aber jetzt darüber nachdenke,
um so mehr drängen sich Zweifel an
mich heran, ob wir auch recht gethan,
dem Rufe zu folgen. Freilich, da ist
die Culturmission ein schöne? Wort,
aber Hauptzweck ist und bleibt doch die
Versorgung. Wir sollen heirathen.
Und diese? Sollen" ist für mich ein
Stein des Anstoßes. Kein Mensch
muß müssen", sagt der weife Nathan.
Jedenfalls bin ich gewillt, mir mein
Schicksal selbst zu gestalten", schloß sie
in herber Auflehnung. Ich meine,
wir deutschen Frauen de? neunzehnten
Jahrhundert? brauchen keine helfende
Hand. Weg mit dem ganzen Wust
veralteter Anschauungen! DaZ Weib
soll gleichberechtigt neben dem Manne
stehen und nicht die Erfüllung ihrer
heiligsten Pflichten alZ ein Geschenk von
seiner Hand entgegennehmen. Ich
will mich nicht versorgen lassen, ich will
selbst für mich sorgen und meinen Platz
mir erkämpfen in der Welt. DaZ ist
der Zweck meiner Ausreise !"
Bravo ! Gesprochen wie ein Weib !"
tönte hier eine männliche Stimme vom
hohen. Deck herad. Erschrocken blickten
beide junge Mädchen empor und in das
männlich starke, jetzt gutmüthig
lächelnde Geficht eine? breitschultrigen,
jungen Mannes. Sie kannten den
sonst sehr wortkargen Mitreisenden dem
Namen nach, hatten ihm bisher aber
wenig Beachtung geschenkt.
Sie müssen schon verzeihen," fuhr
jener, ein wenig die Mütze lüftend, fort,
die schöne, warme Mondnacht hat mich
vom Lager getrieben, wie Sie, und
verwundert, daß von den Paffagieren
außer mir noch jemand wache, trat ich
heran. Ich "
Ersparen Sie sich Ihre Entfchul
digunzen!" siel ihm Marie im Tone
der Entrüstung in'S Wort. WaZ ich
nur für daZ Ohr meiner Freundin
gesprochen, durfte ein Tritter nicht
hören, und er hätte eZ auch nicht gehört,
wenn " Sie brach kurz ab, und sich
wegwendend, sagte sie zu ihrer Freun
din : Kommen Sie, Alma !"
Wenn ich k-in iü:itt von drüben
wäre." ergänzte er spöttisch.
tJ3 ziit ich N'ch:." gab sie rauh
zurück.
Ader gedacht lzb:n Sie eZ." de
harrte er. ..und eigentlich verdiene ich
ja auch eine Abwei'unz. wenn auch
keine so schrone. Ich wollte mich den
Damen nicht aufdrängen, aber in der
Erregung sprachen Sie ziemlich laut,
Fräulein Waiden, und da e? das Land
betraf, dessen Kolonist ich din, lauschte
ich m-.t Jnteres't. Vielleicht gestatten
Sie mir "
Garnicht? !" kam e? trotzig von
Marien? Lippen, und beleidigt schritt
daZ schöne, stolze Mädchen hinweg.
Wochen und Monate sind vergangen.
Die Wasserwüfte ist der Sandwüste ge
wichen, welche sich in unabsehbarer,
flimmernder Weite in die endlose Ferne
verliert.
Langsam aber stetig, bewegt sich ein
mit vierzehn Ochsen, zu Zweien mar
schirend. bespannter Wagen durch die
Ebene. Eine Art Zeltdach ist bogen
förmig über dem mit Kisten und Säcken
schwer deladenen Wagen au?gedreitct.
und darunter fitzt hinter dem geistes
stumpfen Karrensührer einen Aus
druck der Resignation in dem bleichen,
schönen Gesicht. Marie Walden.
Etwa? ander? hatie sie sich das Leben
hier in den kolonien doch vorgestellt,
al? wie sie e? gefunden.
Mariens Freundin. Alma Horst,
eine Buchhalterin, hatte schnell genug
Stellung in der Lüdernitz Faktorei in
Angra Peauena gesunden und sich bald
darauf mit einem dort angestellten Be
amten, einem liebenswürdigen, jun
gen Manne, verlobt. Andere Mit
reisende waren ihrem Beispiele gefolgt.
Um so trotziger hatte Marien? Unad
hängigkeitZgefühl dagegen sich aufge
lehnt, und nun war sie unterwegs nach
Bethanien, der etwa 150 englische
Meilen von Angra Pequena entfernten
MisfionZftation, wo sie die grauen und
Töchter der Nama in verschiedenen
Lehrfächern, so besonder? in Handar
beiten, unterrichten und, da sie einige
medicinische Kenntnisse hatte, nebenbei
auch alZ Samariterin thätig sein wollte.
DaZ war eine ermüdende Fahrt, die
jeder Bequemlichkeit und Ablenkung
entbehrte. Die hätte sie unerträglich
gesunden, wäre nicht der Ausblick auf
die fern heraufdämmernden Berge ge
Wesen, denen sie zusteuerten.
Gegen Abend wie? der Wagenführer
mit seinem kurzen Peitschenstiel auf ein
paar in der Ferne aufsteigende Rauch
fäulen und sprach das einzige Wort:
AuZ !" Die? war nämlich der Name
einer neuen Niederlassung, ungefähr
haldwegZ zwischen Guo? und Bethanien.
Der Anblick der wenigen verstreuten
Zelte und Baracken war nicht gerade
verheißungsvoll, aber nun kam man
doch in da? Bergland und tn eine tei
nere Luft al? die, welche dumpf und
schwer über dem niedrigen Küstenstrich
lagerte.
Bethanien, daZ man nach weiteren
zwei Tagen erreichte, hatte eine hübsche
und auch genügend hohe Lage, um ein
angenehme? oder doch erträgliche? Klima
erwarten zu lassen. Besonder? herzlich
war hier der Empfang der unterneh
wenden, jungen Dame, welche die weite
Reise mit keinem anderen Ausblick al?
auf Mühe und Arbeit unternommen
hatte.
Nach wenigen Tagen der gebotenen
Erholung begann für Marie ein neueZ
reges Leben, an welchem sie Freude
hatte und auZ dem sie die Kraft schöpft,
vertrauensvoll in die Zukunft zu
blicken. Wochen und Monate vergin
gen dem fleißigen Mädchen in gleich
mäßiger Thätigkeit. Ab und zu erhielt
sie Kunde von Alma, welche nach ganz
kurzem Brautstand geheirathet hatte
und nun am fernen Strande der Angra
PequenaBucht ganz einfach ihre HauS
frauenpflichien erfüllte, genau so, wie
sie eS daheim im lieben Vaterlande
auch gethan haben würde. Mit einem
leisen ttopffchütteln setzte sich Marie über
diese ihr fremde, energielose Genügsam
seit hinweg. Wie anders war das nun
alleZ gekommen. alZ sie eZ damals in
jener Mondnacht auf dem Meere be
sprachen hatten.
Und wie sie daS dachte, stieg klarer
als je zuvor jene Nacht auf dem
Meere wieder vor ihr auf. Sie sah
noch einmal den markanten Kopf deZ
jungen Herrn Borrmann über der
Reeling auftauchen. Er hatte ihren
UnadhängigkeitZ Bestrebungen zuge
stimmt. Gesprochen wie ein Weib !"
Sie hatte damals einen Spott darin
gesehen nnd ihm empört den Rücken ge
kehrt. Konnte eZ aber nicht auch an
derZ gemeint gewesen sein? Seiner
Rechtfertigung hatte sie daZ Wort abge
schnitten und ihn während deZ ResteZ
der Reise absichtlich ignorirt. Sie hatte
wohl bemerkt, daß ihn da? schmerzte
und verletzte und daß er sie oft heimlich
mit seinen Blicken verfolgte. O e? war
nicht schön von ihr gehandelt gewesen !
Und dann war er gegangen, ohne Ad
schied zu nehmen irgendwohin.
Eine? Tage? wurde e? seltsam leben
big auf der von Au? und Berseda her
anführenden Straße. Mächtige Staub
wollen wirbelten zum Himmel auf.
Tarau? hervor aber tönte Brummen,
Roffewichern. Schreien und Peitschen
knallen.
Große Heerdcn von Rindern wälzten
sich daher gegen Bethanien, den Boden
mit dem Stampfen ihrer Hufe erschüt
ternd. Marie erfuhr, daß sie von un
tcrnehmenden Männern von den Vieh
zcht treidenden Stimmen dc? Cften?
ts:i Polente erhandelt waren und nun
von d'eien südafrikanischen Pcra B.'y'
läng? Se? Gedirgc? nach der Kap.'olcnie
adgetrieden wurd.-n, um gort verkauft
zu werden.
Natürlich waren solche nach Hunder
ten zählenden Heerd:n ganz verwilderter
Zuchtthiere nicht auf der Straße zu
halten. Sie brachen nach allen Richtun
gen hin au?, und ihre Verfolgung durch
die Reiter war eine? der aufregendsten
Schauspiele, da? sich denken läßt.
Plötzlich entstand ein große? Geschrei
im Torf. An einer Stelle waren Roß
und Reiter und Vieh über einen kleinen
Abhang hinabgestürzt und wälzten sich
nun im wilden Knäuel am Boden.
Der Missionär war zugleich Arzt.
Alle, auch Marie, eilten der Unfall
stelle zu.
Fast wäre sie mit einem lauten
Ausschrei zurückgefahren, fo erschreckte
sie der Anblick deZ wie todt daliegenden
Reiter?. E? war ihr ehemaliger Reise
genösse, der junge Herr Borrmann !
Da? also waren seine Geschäfte. Und
nun war er zu einem so jähen Ende
gekommen. Ein tiekeZ. nie empsunde
neZ Weh schlich sich in daZ Herz der
jungen Samariterin. alZ sie zitternd
mit Hand anlegte, um die blutenden
Wunden zu stillen und einen ersten
Verband anzulegen.
Die Rinderhirten hielten sich knapp
so lange auf. um einen mitleidigen
Blick auf ihren verunglückten Genos
sen zu werfen und einen Boten in seine
entfernte Heimath zu entsenden. Tann
wälzte sich die Heerdenflut üder Betha
nien hinaus und auf dem Wege nach
Aus hinab m die Ebene.
Nun griff eine tiefe, unheimliche
Stille im MisfionShause Platz. Mis
nonar uno feamantertn waren uner
müdlich thätig, um daZ junge, kraft
strotzende Leben dem Tode zu entrei
ßen. und fei eZ auch nur auf fo lange,
bis der Vater deZ beklagenswerten
jungen Manne? eingetroffen war.
Tarüber konnten allerding? fünf bi?
fechZ Tage vergehen.
Nach und nach kehrte Leben in den
jugendlichen Körper zurück. Philipp
Borrmann schlug die Augen auf. und
al? er Marie Walden erblickte, glitt e?
wie ein Lächeln de? Erkennen? über sein
Gesicht. Bravo !" murmelte er kaum
vernehmbar. Gehandelt wie ein
Weib!" Und dann versank er noch
einmal in Bewußtlosigkeit.
Da? war keine Ironie, da? war auf
richtige Bewunderung ! Und so hatte er
e? auch damal? gemeint, al? sie seine
Annäherung so schroff zurückgewiesen
hatte! Nun, Gottlob, sie könnte viel
leicht noch wieder gut machen, wa? sie
damals gegen ihn gefehlt hatte. Marie
gelobte e? sich. Kaum, daß sie mehr
vom Lager de? Kranken wich, der Tage
lang im heftigsten Wundfieber lag und
mit dem Tode rang.
Der alte Borrmann, der einen zwei
ten TranZport vorbereitet hatte, traf
erst nach drei Wochen in Bethanien ein.
Er fand einen ReconvaleScenten. Wem
er da? verdankte? Er brauchte nicht
erst lange zu fragen. Nach vierzehn
tägigem Verweilen fuhr er auf feinem
Wagen statt de? todtgesagten SohneS
ein glückliches junges Brautpaar von
bannen. Marie Walden hat ihre Cultur
misston erfüllt. Sie wirkt noch heute
als grau Borrmann zum Segen der
Colonie und ihrer Familie.
U'iaHnung.
Wenn gegen wen. der treu sonst zu dir
hält.
Dich t:n vielleicht gerechter Groll befällt,
Laß nicht dein Herz vom greundeZherzen
lölen.
Und wenn sein Luze bittend auf dir
ruht.
Und du sagst nicht : Ich din dir wieder
gut.
Dann bist du auch wohl niemals gut
gewesen.
Anüg!.ch.
Ich habe ein neues Trauerspiel gk.
schrieben !"
O geh'n S, mach'n S' keine solchen
Possen!"
!No)em.
Dame (zur neu eintretenden Köchin):
Können feie auch Fahrrüder putzen?"
Köchin: Nein, grädige Frau, aber
ich kann Ihnen die Adresse geben, wo
ich daZ meinize putzen lasse !"
Ulld? Glimd.
Mutter : Kii'der, Jh? müßt jetzt
recht brav sein ! Der Vater hat sich die
Hand verstaucht, und da kann er Euch
nicht durchhauen !"
Ter goldene Wagen des Serzogs
von Reichstadt.
Daß ein Berliner Rentner der Be
sitzer deZ goldenen Wagens deZ Herzogs
von Reichstadt ist, dürfte wohl nur we
nigen bekannt fein. AIs der Unglück
liehe, 1311 geborene und 1832 an der
Schwindsucht verstorbene Sohn Napo
leonZ I. und seiner Gemahlin Marie
Louise von Oesterreich das Licht der
Welt erblickte, schenkte die Stadt Paris
dem bereits in der Wiege zum Könige
von Rom gekrönten Stammhalter deZ
damals noch allgewaltigen Corsen einen
goldenen Wagen. Dieser Wagen wurde
nach dem Sturze Napoleon'S mit vielen
anderen Gegenständen auZ dem Privat
besitze deZ Kaisers vom Könige Mazimi
lian I. von Banern erstanden, der ihn
den Kindern seines Schwiegersohnes,
deZ Herzog? von Leuchtenberg, schenkte.
Der Wagen ging dann noch durch der
schieden Hände, bis er in den Besitz deS
jetzigen Eigenthümers, deZ Rentners
Eifert in Berlin, kam. Bemerkens
werth ist noch die interessante Thatsache,
daß Herr von Treuse. der Erfinder des
Zündnadelgewehr?, als junger Mann
zur Zeit, als er noch als armer Hand
werker bei dem Hofwagenfabrikanten
Napoleons arbeitete den berühmten
goldenen Wagen zusammenstellen half.
nüut tcrnb'c,
Ter kleine Franz (der von e.nem Be
such ein Thierdilderduch geschenkt be
kommt, erstaunt): DaS ist also
ein Rhinoceros? Du. Mama, da?
sieht aber eigentlich ganz anders aus,
als der Onkel !"
Faister (Stab.
Die Frau Echu'.ze hat idren Mann
wohl gründlich unter dem Pantoffel?"
Und ob! Ter hat keinen HauZ
fchl üffel und ist doch ein Schlof.
fer!"
Zerstreut.
Professor Meier, welcher alltäglich
mit feinen Kollegen, den Professoren
Müller und Schultze, an einem Tische
im Gasthaus zu speisen pflegte, sitzt
heute ausnahmsweise allein auf seinem
Stammplätze. Ein Fremder kommt,
grüßt und setzt sich am Tische nieder.
Höflich erhebt sich der Herr Profenor :
Erlaube mir, mich vorzustellen, mein
Name ist Meier, Professor an hiesiger
Universität, und hier (niit einer Hand
bewezunz auf die leeren Stühle wei
send) meine beiden Freunde, die Herren
Professoren Müller und Schulße, welche
aber leider heute abwesend sind."
2afembof bsiithc.
Unteroffizier : Einjähriger, einge
bildeter wie Sie konnte daZ Huhn nicht
fein, welche? da? Ei de? ColumduS ge
legt hat I"
Gcdnkenspä.ie.
TaZ Mitleid mit dem Schurken ist
ein Tiedstahl an der ehrlichen Mensch
heit.
DaS Gewissen ist das Gesetz deZ
Guten, daS Gesetz daS Gewissen deZ
Schlechten.
So München läßt ein Schatten erst
erkennen.
Daß irgendwo ein Licht muß brennen.
Der ärgste DeZpot, den man sich nur
denken kann, ist ein verzogenes Kind.
praktisch.
..Tu willst Deiner Frau ein neue?
Kochbuch geschrieben haben? ! Ja, wie
hast Tu denn das angestellt?"
Ganz einfach, ich habe den Titel
und Namen der betreffenden Speise ge
schrieben und darunter das Gasthaus,
auZ welchem sie geholt werden soll !"
Aus dem Aufsatz der kleinen Llla.
Die Sardine ist ein Fisch, der leinen
Kopf hat und in Oel lebt.
ViS neue Radfahr Aoftüm.
Lisi sdie in ibrem neuen Dienst ,um
ersten Mal die Kleider reinigt): Jetzt
muß i' erst die gnä' Frau frag'n. ob
döS g'fchpaßige G'wand'l Ihr oder Ihm
g yori i
Mißverstandene Csrrectur.
Ter Herr Professor kommt während
feines Landaufenthaltes bei einem Spa
ziergang an einem Bauernhof vorbei,
der mit Brettern eingezäunt ist. Auf
einem derselben hat ein Junge mit
Kreide angeschrieben: Ter Hupaur
üJitchl ist ein Ee! !"
Die hiesige Jugend", bemerkt der
Herr Professor, scheint hier mit der
Orthographie auf sehr gespanntem Fuße
zu stehen. Ich will eZ doch einmal rich
tig hinschreiben."
Der Hubauer überrascht den Herrn
Professor bei dieser Beschäftigung, und
mit den Worten : Hab' ich Dich end
lich einmal erwischt. Du verflixter
Schmierer !" packt er den Herrn Pro
sessor beim Kragen und jagt ihn recht
unsanft zum Dorfe hinaus.
ciscr wink.
HauZfrau (zum Gast, den sie zu
einem sehr spärlichen Diner geladen):
Nun, Herr Toctor. wie gefällt Ihnen
unser neuer Tafelaufsatz?"
Gast: Man kann sich gar nicht
satt daran sehen, gnädige Frau !"
Vom Ercrcierxlatz.
Unteroffizier (zu einem kleinen Rekru
ten, der sich bei Antreten" an den
rechten Flügel gestellt hat): Aber.
Hartbauer. Kamee! ! Ich hab' doch be
fohlen, nach der Größe antreten und
nicht nach der Dummheit !"
logisch.
WaZ, Sie lassen sich ein neueZ HauZ
bauen?"
Natürlich, in altcZ kann mir keiner
bauen."
Neid,
Betrunkener (an den Vollmond hin
aufstierend): Du BeneidenZwerther
kannst voll sein, ohne 'n Kater zu
kriegen !"
Auf der Hochzeit.
A. : Wie froh Z doch jedesmal auf
einer Hochzeit zugeht I"
B. : Ganz natürlich: die meisten
Menschen sind eben schadenfroh l"