Nebraska Staats-Anzeiger. (Lincoln, Nebraska) 1880-1901, June 09, 1898, Image 10

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    Die ticbc im )ndian?rfort.
Sine amttikani'cht colr-aua -t44:4K.
.Darf ich herein kommen, Major?"
.W ift'S? h Tu tfuttiSf Nur
herein. Tu kommst gerade recht zur
vkorgen.Pfeise.'
SurtiS Burke sank in den Schaukel
stuhl, den Major Wnght ihm zuschob,
und füllte seine Pseife cuä der darge
reichten Tabaksdose.
.Major Wright.' faßte er. .ich
möchte daS Fort verlassen."
WaS? TaS Fort verlassen? Wieso,
warum?"
Ter junge Lieutenant erhob sich und
trat vor den Vorgesetzten hin.
,Eie waren mir stets mehr als
Freund und gütiger Ehef. Ich hoffe
daher auch heute auf die Erfüllung die.
fei meiner dringenden Bitte."
.der was ist denn loS. mein
Junge?"
In seinen Jugendjahren hatte er deS
Jungen Mutter geliebt, und als ihr
Sohn von der Kriegsschule in Weftpoint
kam, war er ihm allerdings .mehr als
Freund und gütiger Chef' gewesen.
Mit der Besorgnis; eine? VaterS sagte
er daher:
.CurtiS, mein lieber Junge, was
haft Du denn? Ich meinte. eS gefiele
Tir hier, und auch, einem alten Manne
das Leben angenehm zu machen. Komm
und vertraue mir Deinen Kummer."
Und er legte die Hand zärtlich auf Cur
tiS' Schulter.
.Margarethe "
.Dacht' ich'S doch." fiel der Major
ein, .daß eS die Kleine war."
.Nein. nein. Sir! Sie ist nicht
schuld," sagte Burke und ließ ftch wieder
in den Stuhl fallen, das Geficht in den
Handen verbergend. .ES ist Siobin
son!"
Der alte Herr mußte an eine Episode
der eigenen Jugend denken, als er auf
den junöen Mann blickte.
.Hören Sie mich an, Major; ich will
ganz offen gegen Sie fein. Sie wissen,
Margarethe und ich waren seit einem
Jahre so gut wie verlobt. Sie wissen
auch daß Niemand glücklicher war als
ich über Robinsons Versetzung von Fort
Leavenworth nach hier. War er doch
der Geführte meiner Jugend, mein
Klaffenbursche. Aber es währte nicht
lange, bis ich inne ward, wie die Sache
stand. Er bemühte sich, Margarethen
zu gewinnen!"
.Er, Dein bester Freund?"
.Freund? Ein schöner Freund, der
den anderen in Sachen der Liebe hinter
geht ! Schon vor einrm Monate schöpfte
ich Verdacht, doch sagte ich nicht, weder
zu ihm noch zu ihr. Schließlich begann
Peggy Margarethe wollt ich sagen
ihn lieb zu gewinnen, und so ging ich
heute zu ihr und entließ sie aller Ver
Kindlichkeiten gegen mich."
Der Alte nickte nachdenklich.
Sie sagte, sie liebe mich nicht mehr,
sondern Eduard Robinson," fuhr Burke
fort, aber sie beftritt rundweg, daß
Robinson ihr jemals sein Herz geöffnet
oder versucht habe, mich bei ihr zu der
kiemern. Natürlich, sie wollte ihn ver
theidigen. So habe ich mir denn die
Sache reiflich überlegt und bitte, das
Fort verlaffen zu dürfen. ES ist mir
unerträglich, sie ferner zu sehen, eine
Luft mit ihr zu athmen!"
.Du haft recht." sagte der Alte, als
die Erzählung beendet war. In Der
ner Stelle würde ich dasselbe zu thun
wünschen. Natürlich mußt Du fort.
und ich werde unverzüglich Teme Ber
setzung nach einer anderen Garnison
beantragen. BiS dabin "
.BlS dahin geben Sie mir ums
Himmels willen Urlaub. Ich trage eS
nicht langer. Wann kann ich gehen?'
.Wann Du willst !"
Dann leben Sie wohl, mein vätev
licher Freund!"
.Du willst doch nicht heute, diesen
Abend fort?"
.Ich halte 3 nicht länger aus.
Geben Sie mir auf ein paar Zage Uv
laub, um ins Gebirge, auf die Jagd zu
gehen, bis über meine Versetzung ent
schieden ist."
Die Beiden reichten sich die Hände
und Burke gmg.
Eine halbe Stunde später verließ ein
Reiter das Fort durchs westliche Gitter
thor. Er ließ den Kopf auf die Brust
herab hängen und schien ganz in sich
versunken. Ter Nachthimmel da droben
blickte mit tausend feurigen Augen auf
,hn herab, aber es gelang ihm nicht,
Burke seinem Kummer zu entreißen
Hätte der junge Mann den nördlichen
Himmel beobachtet, würde er den Reflcx
von dielen Feuern gesehen haben. Die
monotonen Laute eines JndianerliedeS
und daS Stampfen tanzender Füße zu
ooren, dazu war er jenen feuern zu
fern. Weiter ritt er. immer weiter.
und als die Morgensonne die leichten
Nebel um die Bergriefen zu färben tt
gann, bog er in die Hügelkette zu ihren
Füßen ein.
An jenem Morgen rief dem Major,
der eben vom AuSblickZthurme zurückge
kehrt war, eine Müdchenftlmme vom
Balköne deS ArzteS zu: Major, ich
möchte Sie sprechen. Bitte schön, kom
men Sie herüber!"
Der Major biß ftch auf die Lippe,
als er ftch umschaute und Margarethen
fah. Noch ehe er die Treppe ganz her
auf war, fragte sie schon :
.Wo ist CurtiS?"
.DaS sollten Sie doch wissen, Mar
garethe!"
.Wieso ich? Nicht die leiseste Ahnung
habe ich davon," antwortete das Müd
chen mit weit aufgerissenen Augen.
.Sie wissen eben nicht. waZ Sie ge
than haben, leine. Sie haben den
besten Menschen uon der Welt sortge
trieben."
.WaZ? CurtiS ist fort?"
.Jawohl, gestern Abend. Sie wissen.
Märgarethe. wie nahe wir beide uns
gkflandkN, und tt hüt mir alles gesagt.
Er war der beste Junge, der je geath
met. und Sie haben ihn verloren.
(.Jcxxl bj Kleine. Nun. daS ist
alles schon dagewesen. Lassen Sie'S
gut sein."
AIS der Major fort war. faß Mar.
garethe eine lange Weile da. einfach im
mer wieder bei sich wiederholend: Also
CurtiS ist weg!" Dann kam daS Nach
denken, die Erinnerung an seine brave
Gesinnung, und wie nett und freund
lich er stets zu ihr gewesen. Sie hatte
ihn wirklich einmal geliebt, dachte sie,
und sie wußte auch, daß er sie glühend
geliebt hatte und noch liebte. Ader nun
war er ja weg.
Tie Thür deS HauseS öffnete sich,
und eS kam ein Offizier auf den Platz
heraus, der ein TenniS.Raquet schwang.
Margarethe bemerkte eS nicht, bis er
neben ihr stand und ihren Namen
nannte.
.Sie?" fuhr sie empor.
.Allerdings Miß Margarethe. Ader
wie muß ich Sie erschreckt haben! Ihr
Sie!" klang ja so tragisch, fast so wie
das deS Camille," den wir letzthin im
Theater in Denver zusammen sahen.
Aber wollen wir nicht Tennis spie
len?"
.Mr. Robinson. Lieutenant Burke
hat daS Fort verlassen."
Um Gottes willen. CurtiS ist fort?"
.Jawohl," antwortete fte.
.Warum?"
Ich schickte ihn fort."
Sein Herz faßte plötzlich Hoffnung.
Er hatte ftch in Margarethe bei ihrer er
ften Begegnung verliebt, aber er war
zu ehrenhaft gewesen. BurkeS, seines
liebsten Freundes, Wege zu kreuzen.
Durste er nun, da CurtiS fortgeschickt
war, an ihre Liebe glauben ?
Margarethe, haben Sie ihn meinet
wegen entfernt?"
Er sah ihr gerade in die Augen.
Diese erwiderten seinen Blick für einen
Moment, und schon glaubte er, daß sie
ihm gehörte, da trat sie von ihm zurück
und sagte :
Ich hasse Sie!"
Mich hassen? Nein. Margarethe.
Sie lieben mich! Ich blieb stumm, aus
Rückficht für CurtiS. Aber nun. da
er fortgegangen, ist eS sicher kein Ver
brechen mehr, Ihnen zu sagen, daß ich
Sie liebe."
Mr. Robinson, Sie haben ihn vev
trieben!"
Ich?"
Gewiß, und deswegen hasse ich Sie!"
Und Sie lieben ihn?" fragte er
athemlos.
Jawohl. Mr. Robinson, und von
nun an sind wir Feinde!"
Tamit schwebte sie in daS HauS hin
ein.
Robinson wußte kaum, wo er war
als er über den Paradeplatz zu feinem
Quartier hin wankte, wo er in einen
Stuhl niedersank.
DaS ist Burke'S Werk." murmelte
er. Er sah, daß sie ihn nicht mehr
liebte, da ging er weg. aber nicht ohne
ihr Gemüth gegen mich vergiftet zu ha
ben. Fort muß ich, alles im Stich
lassen und fte dazu!"
Nachmittags, als der Major das
Haus deS ArzteS wieder passirte, sah er
Magarethen wieder auf derTreppe. Ei,
ei! WaS thun Sie, Margarete ?'
Wie so, Major?" antwortete sie be
trübt.
Wenn Sie'S so forttreiben, wird
jeder Offizier den Platz verlassen."
.Mr. Robinson "
Hat vor zehn Minuten daS Fort
durch daS westliche Thor geräumt."
Heftiges Pochen an der Thür und daS
Geschrei: Major, Major Wright!
Schnell, lassen Sie mich herein." weckten
den Osfizier aus tiefem Schlafe.
Wer ist da und woZ giebt eS ?"
Ich bin'S. McLaughlin."
Was ist los. Sergeant?"
Major, die Schwarze Schlange und
alle seine Krieger haben die Reservation
verlassen."
WaS ?"
eo wahr ich lebe! Schon seit zwei
Tagen tanzen sie den KriegStanz. und
heute Nachmittag haben 50 Rothhäute
unter Führung der Schwarzen Schlange
den KriegZpfad betreten. Sie haben
die Agentur geplündert und Scott er
mordet."
Tcr Sergeant war so außer Athem.
daß er feine Erzählung nur stoßweise
vorbringen konnte.
Welchen Weg haben sie genommen?"
fragte der Major, wahrend er nach sei
nem Zimmer zurückkehrte, um sich haftig
anzukleiden.
DaS kann ich nicht sagen. Die an
deren Indianer sind so wild erregt beim
KriegStanze. daß nicht eine Silbe von
ihnen herauszukriegen war. Croß und
ein paar Leute von Kompagnie B" ka
men zufällig zu Scotts und fanden ihn
dem Tode nahe."
Sobald der Maior fertig war, schritt
er auf den dunkeln Paradeplatz zu. Wer
30 Jahre zwischen Indianern zuge
bracht, der fackelt nicht lange. Der
Major machte eS kurz. Der Gedank: :
Diese beiden Jungen find in den Ber
gen, wo die Teufel loS sind," befeuerte
ihn. Bald sah man Offiziere und Eol
baten auS ihren Quartieren heraus
ommen. Ein Trompeten Signal!
wurde sofort vom Trompeter j?cer
Truppe beantwortet. Dunkle Reiter
zöge formirten ftch schnell auf dem Po
radeplatze und es verging keine 'Viertel-
stunde, da verschwanden sie. mit Major
Wright an der Spitze, durch daS West
Thor in der finsteren, stillen Prairie.
Lieutenant Burke war nun einen Tag
lang mit seinen Gedanken und seiner
Büchse im Gebirge allein gewesen.
GuteS Glück bei der Jagd machte ihn
fähiger, der Welt abermals die Spitze
zu bieten, und als er den Pfad durch den
Poft.KutscheN'Paß wieder herab ritt
und in die Borberge kam. fühlte er fein
Herz wesentlich erleichtert.
Er hatte eben einen sehr beschwerlichen
Ritt hinter sich. AIS er daher zu feiner
Rechten einer Quelle ansichtig wurde,
sagte er zu sich und dem Pony : .Laß
unS einen Trunk thun." Er stieg ad.
und bald tranken Roß und Reiter auS
demselben Becken. Dann erhob er sich
und reckte die Arme.
Hör mal, Roxy, bist Du müde?
Soll ich absatteln?"
In diesem Augenblick krachte ein
Flintenschuß in der Nähe und eine
Kugel pfiff über seinen Kopf hinweg.
Ueber den Rücken deS Pferdes lugend,
kah er Rauch aufsteigen und eine Ge
ftalt sich bewegen. Da war der Revol
der schnell heraus und ein gellender
Schrei folgte feinem Schusse.
.Indianer, so wahr ich lebe l" sagte
der junge Lieutenant, und war schon
wieder auf Roxy'S Rücken, als das Echo
deS Schreies noch durch die Schluchten
hallte.
Er wandte sich eilig dem Pferde hin
auf und sagte: Rozy. für uns giebt eS
jetzt nur einen Platz, und das ist die
Höhle. Die Rothhäute müssen die
Reservation übersprungen haben. Ich
bin genöthigt, Dich im Geftrüpp zu der
flecken, und dann, wenn die Munition
ausreicht, können wir sie eine Weile
fernhalten. Verwünscht, da kommen
sie schon. Heult, Ihr Teufel, daß die
Kehlen Platzen! Hier, Rory. bleibst
Du. altcS Frauenzimmer?" Damit
kroch er in eine natürliche Höhle, nahe
dem Gipfel deS Berges. Ueber den
Rand, thalwärts blickend, sah er die
Indianer ihr Berfleck verlassen und sich
vom Wege abwenden. Ihre PonieS
ließen sie zurück, und, einen weiten
Haldkreis bildend, krochen sie den Berg
herauf.
Die Höhle hatte einen ziemlich weiten,
unbedeckten Vorplatz. Burke schnallte
seinen Gürtel ab und lud daS Magazin
seiner WinchefterdÜchse. Dann nahm
er den Revolver auS dem Halter und
legte ihn neben den Gürtel.
Der wird seine Schuldigkeit thun,
falls eS zum Aeußerften kommt," mur
melte er, über den Rand hinschauend,
wobei er vom Geheul der Indianer und
zugleich von einem Kugelhagel begrüßt
wurde.
Ich kann eS eine Weile aushalten,"
fuhr er ihn feinem Monologe fort,
und wenn wir hineingehen da.
Schwarze Schlange, haft Du eins weg !
Du bift ein gemeiner Lump, und ich
war froh, als ich Dich letzten Monat
zu Boden warf. Zieh' Dich zurück und
pflege Deinen Arm. Laß Dich büng
bäng büng ! lieber nicht mehr auf
dem KriegZpsade ertappen."
Ein verdoppeltes Geheul zu feiner
Linken veranlaßte Burke, sich zu wen
den. Der Krach eineS herabfallenden
FelSftückeS warf ihn zurück, und:
Umzingelt !" kam eS über ferne öle
chen Lippen.
Er lugte durch daS Vifir seiner
Büchse und nahm etwas aus'S Korn.
ES war zunächst ein Flintenlauf, da
hinter aber eine Auge, das seinem Tod
feinde Robinson gehörte.
DaS Herz deS Lieutenants pochte hef
tig. ehe er den Finger vom Drücker ent
ernte.
.Komm herein. Edward, um'S Him
melS willen, und danke, Gott, daß Du
hier bift. Ich kann nicht behaupten,
daß eS mir lieb wäre, wenn sie Dich
tödteten. Denn zwei Büchsen sind bes.
er, als eine, selbst wenn"
Aufgepaßt, wirf Dich nieder! -
Die Hunde haben die Distanz ! Lie
gen geblieben, bift Du Luft be
kommst 1"
Wie in aller Welt
Still und rede nicht ! In einem
Weilchen wirst Du mich ablösen müs
sen."
Er ging an den Rand vor und
feuerte dreimal.
Robinson war zu ihm gekrochen, und
sie nahmen sich nun abwechselnd ihre
Leute aufs Korn. Zwischen den Schüs
sen unterhielten sie sich.
Wie kamst Du hierher, CurtiS?"
O, ich war auf Böcke auS !"
Du gingst aber Knall und Fall
weg?"
Ja, aber zum Henker, was thust
Du hier?"
Ich? Nun, wie Du siehst, ich schieße
Rothwild."
ovinion laczeue mit grimmigem
Gesichte.
Ich ging fort, weil Margarethe"
Weiß wohl, und deshalb bin ich
hier, CurtiS."
.Gingst Tu, weil Du dachtest. Peggy
hätte mich fortgeschickt?"
Ja !"
Ich machte mich wegen Deiner
Sache fort."
und auf dem Rande der kleinen
Höhle, auf dem Bergesgipfel, reichten
sich die jungen Männer die Hand.
Unten hatten die Rothhäute für einen
Lugenblick mit dem Feuern aufgehört,
und Alles war still wie der Tod.
.WaS kommen mag," sagte Robin
son, .wir wollen treu zusammen
stehen "
.Bis zum Tode !" antwortete Cur
tiS.
Da knallte eS in der Nähe, und Ro
dinson fiel.
.Ich bin getroffen."
Guter Gott, wo?"
Ein rother Fleck an der Schulter
zeigte die Stelle.
CurtiS schaute über den Rand. Fünf
Indianer hatten eine Flankenbewegung
gemacht, aber seine schußscrtige Büchse
gebot ihnen Halt.
Mit mir ift'S auS, alter Junge."
seufzte Robinson, kroch zurück und legte
sich aus'S Geficht.
Unsinn!" erwidnte CurtiS. .SS
ift wohl nicht so schlimm !"
.Nein. eS steht schlimm. Ich will
Tir waS sagen. Schlepp mich an den
Rand und ich will feuern, so lange ich
kann, während Du wegschleichst und
verschwindest."
.Ich Dich zurücklassen? Kein Ge
danke !"
.Aber ich muß doch so wie so in's
GraS beißen. Da ift es doch gleichgül
tig-"
CurtiS drehte sich plötzlich herum und
sagte: Ich hab'S. Mein Pony ift
noch hier unten. Weißt Du 'waS?
Ich trage Dich zu ihm. und unter dem
Schutze meines FeuerZ reitest Du weg.'
Und Du bleibst hier? Nimmer
mehr!"
Komm' nur. ich trage Dich. Ed !'
.ES kann nicht sein !"
Aber sieh' doch, sie kommen
Muth. Ed!"
Wenn auch verwundet, kroch Rodin
son doch wieder an den Rand.
Die Indianer wurden kühner. Etwa
zwanzig von ihnen kamen den Berg
herauf. Ohne em Wort zu sagen, lie
ßen die beiden Freunde ihre WinchefterS
für sich sprechen. Die Rothhäute ftnd.
wenn S zum läppen kommt, immer
Feiglinge, Dem fürchterlichen ' Feuer
der Schnellfeuer.Waffen hielten sie nicht
Stand, sie stoben auseinander und ga
ben Fersengeld.
Nun ift'S Zeit für unS!" rie
Burke. .Komm, ich werde Dich tra
gen."
Robinson streckte seine Hand auS und
packte CurtiS' Revolver, die Mündung
an die eigene Schläfe setzend. Im sei
ben Augenblicke raschelte etwa? in der
Richtung von Burke'S Büchse. Er
schoß, und ein wildeS Gestöhn folgte
Dann entriß er Robinson die Waffe
und sagte lachend :
Du Narr I Ich habe daS Pony ge
tö)tet und nun bleiben wir zusammen.'
So ging denn der Nachmittag hin,
während die Indianer m kurzen Jnter
vallen, aber auS der Ferne, zu feuern
fortfuhren. Als die Schatten der Berge
sich aber länger und länger die Schlucht
hinabschoben, faßten die Wilden wieder
Muth und avancirten lautlos auf da?
kleine Fort der Freunde zu. Robinson
war sehr matt. Die Wunde blutete
nicht mehr, aber eS plagte ihn brennen
der Durst und er begann zu phatastren.
CurtiS." sagte er. hörst Du nicht
Margarethens Ruf? Warum gehst Du
nicht? Sie ist Dein. Ich nahm sie
Dir nicht."
Burke stand auf. Robinson zu be
ruhigen. Dabei ezponirte er sich und
eine feindliche Kugel wußte ihn zu fin
den. Da kroch er zum Freunde hin.
Er hatte kein Gefühl mehr im rechten
Schenkel, als er neben Robinson nie
dersank.
Nach seinem Revolver herumtaftend,
sagte er schluchzend : Mich werden sie
za doch zuerst packen, Eo." Dabei
legte er sich so, daß sein Körper den deS
Freundes beschützte, schlang den Arm
um ihn und ließ sein Haupt auf ihn
niedersinken.
Plötzlich erhob er dasselbe iedoch wie
der und lauschte mit gespanntem Ohr.
AuS weiter Ferne wehte ein Klang her
über, ein so wonniger Ton, daß er den
Schmerverwundeten befähigte, sich zu
erheben.
Gott sei Dank !" auchzte er. ..ES
ist daS Signal vom fünfzehnten Regi
giment !"
früher versucht. Hoffe. Sie werden
dabei mehr Glück haben als ich."
Fangen Sie an, Peggy." drängte
der Major.
Das Mädchen zögerte noch immer,
dann sagte eS leise zu dem kranken
Mann: CurtiS."
Dieser richtete sich emprr und ant
wertete: Margarethe, wollen Sie rieh
men, waS von mir Übrig blieb?"
.Ja. CurtiS !" war die Antwort.
Und ich werde den Haupt Leidtra
genden dabei vorstellen." sagte Robinson.
Ich aber gebiete bedingungslose
Unterwerfung."
Damit schloß der Major den fcier
lichen Akt.
Ein 5amariterganz.
Skiz:e vn Käthe Stellmacher.
Sonnenuntergang war da. Tie
LieblingZ'Kanone deS Majors feierte
donnernd den Moment und die Flagge
kam langsam am Mast herunter. Drü
ben, im Schatten, geschützt vom Winde,
war eine Hängematte ausgespannt.
Ein blasser, magerer Mann lag darin
und daneben sahen drei Personen. TaS
Mädchen, daS dem Kranken fächelte,
summte eine Art Wiegenlied, indem sie
die Matte bewegte.
Ein junger Offizier, einen Arm in
der Schlinge tragend, spielte Schach
mit einem älteren, der daZ MaiorS
Blatt am Kragen seines JnterimSrockeS
trug. Die Partie fand ein plötzliches
Ende und der Major lehnte sich in sei
nen Stuhl zurück.
Peggy." sagte er, wann werden
Sie sich endlich zu einer Erklärung auf
raffen?"
DaZ Mädchen fächelte dem Mann in
der Hängematte mit vermehrter Energie,
sagte aber erröthend :
Ich weiß nicht."
Ei waS." sagte der Alte, halb ernst,
halb scherzend. Ich habe Ihnen den
Mann zurückgebracht und nun sollten
Sie ihn beanspruchen. Nicht wahr,
Robinson?"
Freilich. Major." sagte der Ge
fragte. Beginnen Sie nur, Marga
reihe. Wir werden helfen. Ich weiß,
wag man fagcn muß. Habe eS schon
Die junge Gattin deS Fabrikherrn
eineS der bedeutendsten Werke bat mich.
sie auf ihrem Wege zu begleiten. Tie
alte Frau eines dienstunfähigen Werk
meifterS hatte den Fuß gebrochen.
Man hatte erzählt, daß die größte
Noth bei den Leuten herrschte, und eS
war höchste Zeit, ftch nach ihnen umzu
sehen.
Die schöne, kleine Fadrikherrin
machte sich denn auch Vorwürfe, nicht
früher zu dem Samaritergange gekom
men zu sein.
Aber Sie glauben nicht man
hat so viel zu thun ! Ich werde wahr
haftig meine Violinübungen beschrän
ken muffen ! Und die Mädchen wenn
alles blank sein soll ! Heute wieder die
Vorbereitunzen zum morgenden Feste.
Da muß ich. sehen Sie, schon selbst hin
gehen !"
Unter dem eleganten Cape guckte das
sorgsam verschlossene Milde Gaben
Packet hervor. Sie trug eS ein wenig
ungeschickt, die kleine Frau. Unge
wohnte Arbeit I
Wir fanden daS HauS, daS wir such
ten. Ich kannte eS schon. Eine Num
mer und so viele, viele niedrige Fenster I
Ueber jedem ein kleine? Stückchen Dach,
unter welchem zur Nachtzeit weinende
Kinder, müde Männer und Frauen zu
sammenkauern !
Ueber den Hof, fünf Treppen hin
auf !"
Mit einem Seufzer legte die junge
Frau ihr Packet auf meinen Arm. Es
wurde sehr unbequem unter dem
Mantel, wenn man daS Kleid heben
mußte. Die Treppe war gar nicht
sauber, die Thürklinken feucht. ES
roch nach Ruß und Speck. Eine mas
senhafte Gestalt, ein Riese mit zer
zaustem Haar und stark gerathetem Ge
ficht, stürmte an uns vorüber die Stu
fen herauf.
Man mußte wohl warten, bis er
oben und in einer der vielen Stuben
verschwunden war.
Aber er klopfte gerade an die Thür
der Wohnung, zu der wir wollten.
Ohne daS Herein abzuwarten, trat er
ein, eifrig, wie Jemand, der Neuizkei
ten zu bringen hat, ohne die Klinke zu.
zudrücken.
Zögernd standen wir draußen.
Drinnen hörte man abgebrochene Un
terhaltung. Männerworte und den Aus
ruf einer alten Frauenstimme; alles
rauh, wie bei all diesen von Arbeit und
Noth gehärteten Menschen. Und doch
klang hier plötzlich ein wunderbar rüh
render, unbeschreiblicher Ton durch, der
zu Herzen ging.
Lei e tchov ,ch die Thür etwas zw
rück.
In der halbdunkeln, voll HauSrath
und Gerümpel gestopften Stube lag
die alte kranke Frau auf buntgewürfel
ten Kissen. An der Bettkante faß ein
gebückter Mann mit spärlichem, hell
grauem Haar. Bor ihnen, mit ge
spreizten Füßen und in einer der gleich
falls gespreizten Hände den Hut, in der
anderen ein Blatt Papier schwenkend,
stand der schwarzhaarige Riese, dessen
Gesicht jetzt einen völlig anderen AuS
druck trug, als vorher. ES leuchtete
förmlich.
Laßt man sind, Meister," sagte er.
endlich den Hut ftill haltend und unter
den Arm klemmend, laßt man sind
'S iS gern geschehen!"
Der alte Mann hatte vorhin wohl
eifrig gesprochen, jetzt saß er mit ge
falteten Händen und schüttelte langsam
den Kopf.
Aber so ne Menge. Kmder so 'ne
Menge!"
Vom Bett her kam ein Klirren.
Lieber Kroschat" die alte Frau
richtete den Kopf etwas auf und fragte
mit leiser, saft ängstlicher Stimme:
Aber Eure Frauen die Kinder?
Ihr braucht'S auch!"
Jetzt erst sahen wir, daß auf der
ry6ia S rtM Vört dflADtUM irtrt ivt if t
jiui, vuti tut iuiiiu (j1.ty411.il yuiv
verborgen, eine große Anzahl Silber
stücke lag.
Der Arbeiter lachte. Na, Mutter,
so lS daS nicht Vom Verdienn vom
Wochenlohn nich!"
Der alte Mann sah mit eigenthüm
lich glänzenden Augen zu dem jungen
auf, der jetzt näher trat, um ihm daS
Blatt zu reichen.
Hier stehen wir alle, Meister acht
Stück sechs Tage Nachtarbeit
zwei Stunden blos eS ging ganz
gut! Dem Meister feine Ollsche soll
wieder hoch kommen, sagten wir
mit'em Doktor allein iS' nich ge
macht sie muß auch Pflege haben
na "
ES war offenbar eine lange Rede
für feine Verhältnisse; er brach ver
legen ad.
Ter Alte aber, jetzt ganz dicht neben
)
ihm. griff mit beiden Händen feine her
unterhängende Linke. .Dank auch
dank auch Euch allen, Kroschak
allen!"
Dann fuhr er mit dem Rockärmcl
über die Augen, langsam und mehrere
Male.
Ueber daS abgezehrte Gesicht der
Kranken rollte unterdessen Thräne um
Thräne. Die müden Augen waren
zum Himmel gerichtet, die runzeligen
Hände gefaltet. Sie betete.
Der bärtige Riese fuhr auch mit der
Hand über die Augen, aber nur flüch
tig. Dann hustete er mehrmals, reichte
den Beiden noch einmal die Hand:
AdjeS. gute Gesundheit, Mutter!
AdjeS Meister!" und stülpte den Hut
auf. Fast ohne unS zu bemerken, unter
ungeschicktem Gruß stürmte er fort.
Noch immer leuchtete sein rotheS Gesicht
unter dem Ruß. ES war eine Freude
darin, die tausend Freudenarme jeden
Zag gewinnen könnten.
Drinnen erfuhren wir den leicht zu
errathenden Zusammenhang der Sache:
Die acht Männer hatten für den ar
beitZunkühigen, in Noth gerathenen
alten Meister oder dessen kranke Frau
gearbeitet. .Zwei Stunden blos den
Tag " wie der junge Former gesagt
hatte. Aber das iS waS, gnäd'ge
Frau!" versicherte jetzt der Alte. DaS
iS waS. wenn Einer sich müd' un' matt
gemacht hat mit alle die vielen Stunden
un' Einer macht sich. gnäd'geS Fräu
lein, Einer macht ftch müd'
das iS waS!"
Ja, wir fühlten wohl, daß eS etwas
war Ganz leise schoben wir unser
Päckchen in den ärmlichen Schrank; und
die Frau Doktor sah so ängstlich deschei
den dabei auS, daß sie mich fast dauerte.
Draußen senkte die junge Wohlthä
terin, die so lächelnd und selbstbewußt
hingegangen war, den Kopf ganz
tief.
cprcllte Prellcr.
Die Spielbank von Monte Carlo ift
von einer internationalen Gaunerbande
um einige Tausend Franken geprellt
worden. In den letzten Monaten häuf
ten ftch bei der Spielbank in auffälliger
Weise die Forderungen nach dem Viati
cum, dem Reisegeld, daS die Bank aus
geplünderten Spielern zur Rückfahrt
nach ihrer Heimath gewährt. Zumeist
handelt eS ftch um Damen, die anged
lich all ihr Hab und Gut an der Roulette
verspielt hatten. In solchen Fällen
verlangt die Bank zunächst von den
Bittstellern daS Vorzeigen der Einlaß
karten zu den Spielsälen. Sie wurden
von den Spielerinnen in genügender
Zahl beigebracht. Als aber die Gesuche
immer zahlreicher einliefen, führte man
die Bittstellerinnen auch in die Spiel
süle, damit die Croupiers und Chefs
de Partie" bekundeten, daß die Bitt
ftellerinnen wirklich große Summen
verspielt hätten. Hier kam eS nun zu
erregten Auftritten. Die Croupiers
behaupteten, daß die betreffenden Da
men wenig oder gar nicht gespielt hüt
ten, aber im Publikum fanden sich stets ,
einige Herren, die daS Gegentheil ver i
sicherten. Die Damen weinten unlK
schrieen, daß die Bank sie zum Selbst
mord zwinge, das Publikum nahm re
gelmäßig für sie Partei, und um dem
Skandal ein Ende zu machen, opferte
die Bank einen 500 oder 100Fran
kenschein. Vor einigen Tagen hob nun
die nizzardische Polizei eine Bande ver
düchtiger Ausländer auf, die im Ver
dacht der Falschmünzerei standen. Aber
in ihrer Wohnung fand man nur HülfZ
Mittel, um die Eintrittskarten zu den
SpielsSlen von Monte Earlo nachzu
machen. Die Gauner besuchten die
Spielsüle häustg, spielten aber nicht,
sondern gingen ausschließlich darauf
aus. von der Bank das Viaticum zu er
schwindeln. waS ihnen auch in vielen
Fällen gelungen ift. Die Spielbank
läßt nunmehr Eintrittskarten mit Was
ferzeichen und anderen Chicanen her
stellen, sodaß den Fälschern das Hand
werk erschwert wird.
Sparsam.
Die Photographie, welche der Hei
rathSvermittlcr Schultze dem jungen
Bankier Schreiber vorgelegt hatte, be
trachtete dieser wohlgefälligen Blickes.
Endlich eine Madchenknospe, reizend,
blühend, schön wie der helle, heitere Tag
und jung, fast noch im Backfischalter
stehend. Um so enttäuschter war er
jedoch, als er in dem Original ein im
reiferen Alter stehendes, verblühtes
Mädchen erblickte, dem man immerhin
die Spuren einstiger Schönheit noch au
sah. Entrüstet sagte er daher dem btw
rathSvermittlcr seine Meinung: Wie
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luuimi vic es wuni, mir eine zyoio
graphie vorzulegen, die mindestens 15
Jahre alt sein muß?"
DaZ mag Ihnen als Beweis dienen,
wie sparsam diese Mädchen ist," meinte
der Heiratsvermittler, eine Andere
hätte sich während dieser Zeit schon
zwanzigmal photozraphiren lassen."
Anitsvi?rrecht.
Fremder (zum Ortskundigen) Wa
rum ift denn gar fo ein Malefipflafter
in Eurem Orte?"
Einwohner: Ja. wissen S'. Euer
Gnaden, unser Bürgermeister ift der
Schufter, da hat er halt die spitzigen
Steine legen lassen."
Er hat genug.
(21., eben aus dem Gefängnisse ent
lassen besucht B.). B.: .Bitte, neh.
men Sie Platz I"
A.: Tanke, komme eben vom
Sitzen."